Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Goldfisch by edithtg
1, 1 Oktober, 2010, 8:13
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Wessen Herz voll ist – dem läuft der Mund über, sagt eine alte Volksweisheit. Die Sprücheklopfer hatten für alles eine Erklärung. Ich vermisse allerdings einen entsprechenden Hinweis auf: wessen Kopf leer ist…? In diesem Zustand sitze ich nämlich vor dem Computerbildschirm, der seine Erwartungshaltung mir gegenüber seit einiger Zeit geändert hat und mich damit straft – aus Verachtung und Enttäuschung nichts Nützliches für mich tun zu können- indem er auf Bildschirmschonung umschaltete. D.h. es läuft das Aquarium-Programm mit echt wirkenden Fischen, die mich anglotzen und dann gelangweilt von dannen schwimmen. Eine Demonstration erniedrigender Missachtung von Wesen, die nicht einmal lebendig sind und gewisser Massen nur aus primitiven 0 oder 1 Signalen bestehen. Welch eine Schande für einen beweglichen und kreativen Geist wie den meinigen, der alles begreift und sich über alles ein Bild macht – der Herr der EINBILDUNG eben. Bevor mich jedoch Selbstzweifel in ungeahnte Bedrängnis bringen, beschließe ich dem Trauerspiel ein Ende zu bereiten und mich durch grausames Handeln an den ebenso unverschämten wie unbelehrbaren Cyberwesen zu rächen. Ich schalte den Strom aus und augenblicklich herrscht tödliche Dunkelheit.

Was nun? Leere wird nicht dadurch voller, dass man sie mit noch mehr Leere auffüllt, will sagen, dass man Gedankenlosigkeit nicht mit eben der solchen bekämpfen kann. Ich beschließe den Wurzeln allen Übels auf den Grund zu gehen, d.h. an die Basis zurückzukehren. Basis ist in diesem Fall Urmensch ADAM. Wie heißt es doch in der Genesis: es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei! Wie wahr! Meine Frau ist gerade nicht da – sie weiß auch, dass es abträglich und nicht gut ist, wenn ihr Mensch alleine ist, wegen der Ordnung zu Hause. Überkommene Erkenntnisse darf man nicht ignorieren. Ich, also allein zu Haus, sollte schleunigst Abhilfe schaffen, bevor mein Frau von ihrem Auswärtstermin zurückkommt. Ein lebendiges Wesen muss her, aber eines, das nicht widerspricht, keinen Lärm macht und auch nicht Gassi gehen will, ebenso keine großen Ausgaben verursacht oder gar Folgekosten.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich kreativ bin und einen regen Geist besitze? Ich hatte eine spontane Idee, deren Umsetzung für einen Tatmenschen wie ich eine Kleinigkeit war. Wenn ihr bisher geistig meinen Ausführungen folgen konntet, werdet ihr erraten haben, mit welchem Geschöpf ich unseren Haushalt umgehend bereicherte – mit einem Fisch. Und da ich ja von bereichern spreche, kaufte ich natürlich einen Goldfisch, den ich umgehend mit „Otto“ benamste, denn Otto find ich gut. (Wie sehr doch die Werbung auf unser Unterbewusstsein durchschlägt, ich rate zur TV-Abstinenz).

Otto war genügsam, das Futter billig, er liebte Wasser, ganz ordinäres H²O. Nicht wie viele, die ohne sündhaft teuren Mouton Rothschild nicht leben können und deshalb frühzeitig an Leberzirrhose dahin scheiden. Aber ich schweife ab – ich war gerade dabei der Genügsamkeit von Otto ein Loblied zu singen.

Otto braucht auch wenig Platz. Er begnügt sich mit einem Rundglas, dessen Stellfläche etwa der eines Käfighuhns entspricht, das allerdings unfreiwillig damit auskommen muss.

Otto macht das aus eigenen Stücken, jedenfalls hat er sich bei mir noch nicht beschwert und in seinen Stummen Blicken konnte ich auch nichts von einem Vorwurf entdecken. Pflanzen oder vorgetäuschte Naturlandschaft befinden sich auch nicht in Ottos Aquarium. Das ist erstens aus Pflegegründen praktisch, zweitens nimmt es Otto auch keinen unnötigen Platz, gibt ihm also größere Bewegungsfreiheit und drittens täuscht man lebendigen Wesen auch nichts vor, um so Enttäuschungen zu ersparen in diesem Fall, dass es lediglich eine zweidimensionale Natur gäbe. Das alles tat ich dem neuen Gefährten zu Liebe, ich der als Naturfreund ausgewiesen bin. Hier unterscheide ich mich deutlich von den TV-Produzenten, die uns in bunten Bildern Naturlandschaften ins Haus bringen und wenn man hinter den Fernseher schaut, dann ist da gar nichts! Solche Enttäuschung will ich Otto ersparen.

Ich habe konsequenter Weise meinen Computer abgebaut und das Goldfischglas an dessen Platz gestellt. Wenn also Leere meinen Kopf erfüllt (ein Paradoxon, wie aufmerksame Leser erkennen) setze ich mich mit Papier und Bleistift erwartungsvoll vor Otto hin und warte auf eine Eingebung. Ich sitze also und warte, warte, warte, w… Otto stiert mich an.

(Können Fische eigentlich „stieren“?) Ich muss es anders ausdrücken: er glotzt mich an, blubbert Blasen … also blubbernde Blasen kenn ich, das ist KRITK. Dann dreht er mir seine Schwanzflosse zu und schwimmt, soweit möglich, davon. Diese Gesten erfuhr ich auch von meinen Cyberfischen. Ich bin beschämt! Habe ich soviel Langeweile verbreitet?

Langweile quält und ich kann nun mal keine Lebewesen leiden sehen. „Otto,“ sagte ich deshalb, „ich habe ein Einsehen mit dir.“ Ich nahm das Aquariumglas, trug es behutsam zum Klo (für empfindsame Seelen: zur Toilette), schüttete den Inhalt samt Otto in die Kloschüssel und gab einen Schuss Spülung Otto mit auf den Weg in seine Freiheit. Nun kann er denken, was er will. Die Gedanken sind frei. Tierfreund, der ich nun einmal bin, gab ich dem Fischlein noch gute Wünsche mit auf die Reise. „Mögest du nie der Verführung eines Angelhakens erliegen und halt die Flossen steif!“

Ich glaube, beide Wünsche werden wohl in Erfüllung gehen. Kann man mehr tun für einen Gefährten, von dem man sich trennen musste?

PS. sollte ich euch durch meine Geschichte gelangweilt haben: so habt ihr doch eines gelernt: das Schicksal hält in solchen Fällen einige Überraschungen bereit …

*****

Zur Erinnerung:

Bildwirklichkeit
Zurückgelehnt schau ich in Ruh
den digitalen Fischen zu,
die niemals hektisch, niemals fliehen,
gemächlich ihre Bahnen ziehen.
Und weil sie nicht im Wasser wohnen,
im Cyberraum den Bildschirm schonen.
Real von diesen Fischlein: keins
sind sie nur Ziffern Null und Eins,
die man streng logisch und geschicktzu so einem Programm „gestrickt“,
dass mein Display ringsherum
ausschaut wie ein Aquarium.
Man hat die Bytes so toll vereint
und alles wirklich echt erscheint.
Dies ist ein Beispiel für die Welt,
die viel verspricht und wenig hält.
Im Täuschen ist der Mensch perfekt.
Passt auf, was er noch sonst ausheckt!

Foto: © twibi (bbroianigo) / http://www.pixelio.de

Autor: Hans Witteborg
HWitteborg@t-online.de

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Dachs und Fuchs by edithtg
1, 24 September, 2010, 7:26
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Mit den Tieren reden tun viele Leute, dass sie ihnen sprachlich antworten, d.h. dass man sich mit ihnen regelrecht unterhalten kann, ist wohl außer Franz von Assisi noch niemandem so recht gelungen. In Fabeln jedoch ist dies überhaupt kein Problem. Einfach fabelhaft! So kann ich also glaubhaft mit Augenzwinkern versichern, dass sich folgende Geschichte so abgespielt hat, wie ich sie euch erzähle und wenn ihr Parallelen findet, wird sie noch glaubwürdiger.

Ein Dachs, der im Wald weithin als wunderbarer Architekt und Baumeister unterirdischer Behausungen bekannt war, hatte im Laufe seines Daseins tief im Inneren der Erde ein unübersehbares Labyrinth von Höhlen und Gängen angelegt mit etlichen Notschlupflöchern, ein wahrer Palast, ausgesprochen weiträumig angelegt. Da er zudem ein Reinlichkeitsfanatiker war, wurde es ihm mit der Zeit wirklich recht mühsam seine Behausung in dem Zustand zu erhalten, der seiner Ästhetik entsprach. Mit anderen Worten: er gab einen Teil seines Besitzes einfach auf indem er dort nicht mehr verweilte.

Eines Tages kam zufällig Reinecke Fuchs, der Listige, an einem Eingang zu dem Dachsbau vorbei. Er suchte gerade eine Unterkunft vor den kalten Wintertagen und da er im Grunde die Arbeit, sich selbst eine Heimstatt zu schaffen, verabscheute, untersuchte er den Dachsbau auf Tauglichkeit, fand ihn passend und auch unbewohnt, was ihm einigen Ärger ersparte. Kurzer Hand nahm er freudig Besitz und machte es sich für eine längere Zeit bequem. Im Gegensatz zu Dachsen sind Füchse aber nicht besonders reinlich. So ließ er Überreste seiner Mahlzeiten einfach herum liegen, ja er genierte sich nicht einmal seine Notdurft in der Unterkunft zu verrichten.

Auf diese Weise machte sich bald ein durchdringender Geruch bemerkbar, der sich durch den gesamten Bau verbreitete. Irgendwann erreichte der Gestank auch den Teil des Baues, den der Dachs noch bewohnte. Das störte Meister Grimbart gewaltig und so machte er sich auf, die Ursache dieses Desaster zu suchen. Er brauchte nicht lange herum zu irren, da stieß er auf den Teil seiner Wohnung in dem der Fuchs sich eingerichtet hatte.

Der Dachs stellte ihn wütend zur Rede: „Was fällt dir Schweinigel ein, meinen Bau so zu versauen. Da lass ich dich hier schon umsonst wohnen und du richtest so einen Mist an. Nicht nur, dass dies total unhygienisch ist, du forderst die Jagdhunde geradezu heraus und gefährdest mit deinem Benehmen unser aller Leben … du … du … MESSI, du!“
„Pah,“ antwortete der Fuchs, “ich lebe, wie es mir gefällt, da hast du mir nicht drein zu reden.“
„Wenn du selbst so eine Lebensweise betreibst, wie willst du dann deinen Kindern als Vorbild dienen? Sie werden all den Schmutz auch in ihre Gedanken aufnehmen und nie zu wertvollen Mitgliedern der Waldgesellschaft werden, schämen solltest du dich,“ giftete der Dachs.
Der Fuchs lachte ihm frech ins Gesicht, drehte ihm sein Hinterteil zu und furzte ihm zum Abschied noch auf die empfindliche Nase.

Der Dachs hatte die Schnauze voll und schwor sich nicht mehr einzumischen. Der Fuchs änderte sein Benehmen nicht sondern gab die schlechten Manieren an seine Welpen weiter. Und so blieb die Waldgesellschaft unverändert … nichts änderte sich.
Nichts? Eines Tages hörte man Hundegebell …

Foto: © Templermeister / http://www.pixelio.de

Autor: Hans Witteborg
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Jeder nach seinem Vermögen by edithtg
1, 16 September, 2010, 7:10
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Eine kleine Fabel

Es war paradiesisch als Fuchs und Hase noch nicht verfeindet waren, der Fuchs nur Trauben und Fische fraß und die Hasen vor seinem Bau noch ungestört spielen konnten.

Eines Tages sah der Hase, wie der Fuchs an einem Gewässer genüsslich einen Fisch verzehrte. Da dieser dem Fuchs offensichtlich gut schmeckte, wurde der Hase neidisch.
„Wie bist du an einen so leckeren Bissen gelangt?“ fragte der Hase futterneidisch.
„Ganz einfach,“ erwiderte der Fuchs, „ich habe meine Rute ins Wasser gehalten und sie schnell heraus gezogen als ein Fisch angebissen hatte.“
„Muss ich auch probieren,“ sagte der Hase und versuchte sein Stummelschwänzchen in den Fluss zu hängen. Er konnte sich anstrengen wie er wollte, das Schwänzlein erreichte die Wasseroberfläche nicht einmal.
„Lügner, du,“ schrie der Hase voll Zorn den Fuchs an. „Das funktioniert überhaupt nicht!“
Der Fuchs lachte: „Jeder nach seinem Vermögen,“ philosophierte er, „du eignest dich nicht für meine Lebensweise, weil dies auch nicht deinem Bedürfnis entspricht. Tue, was dir entspricht und was du kannst, das aber tue richtig!“

Der Hase dachte nach – und nachdem er an dem fauligen Fisch des Fuchses eine Schnuppernase voll gerochen hatte, hoppelte er in großer Zufriedenheit davon.

Ilustration: http://www.clipproject.info/

Autor: Hans Witteborg
HWitteborg@t-online.de

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Es war einmal … by edithtg
1, 20 April, 2010, 5:10
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Es war einmal …

Es war einmal ein kleines Giraffenmännchen, das war sehr traurig. Er glaubte nämlich, seine dunklen Flecken auf dem gelben Grund seien hässlich und er wünschte sich sehr, er hätte eine andere Farbe.

Im Wald

Eines Tages sah er im Wald einige Fliegenpilze. “Oh, was für ein schönes Muster! Ob ich damit wohl auch hübsch aussähe?”, dachte er.

Am Teich

Dann kam er zu einem Teich und sah dort einen Frosch sitzen. “Oh, was für ein hübsches Froschgrün! Ob ich damit wohl auch hübsch aussähe?”, dachte er.

Auf der Wiese

Dann kam er auf eine Wiese mit bunten Blumen und Schmetterlingen, die durch die Lüfte flatterten. “Oh, was für ein wunderbares Muster der Schmetterling hat. Ob ich damit wohl auch hübsch aussähe?”, dachte er.

Am Himmel

Dann blickte er zum Himmel hinauf und sah einen strahlenden Regenbogen. “Oh, wie hell und leuchtend die Farben des Regenbogens sind! Ob ich damit wohl auch hübsch aussähe?”, dachte er.

Glückliches Ende

Dann erblickte unser Held eine Giraffe von so ausnehmender Schönheit und Anmut, dass er nichts anderes sein wollte als eine Giraffe mit dunklen Flecken auf gelbem Grund.

Text und Illustration: Kim Meridian
traumorange@freenet.de

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Der alte Baum by edithtg
1, 25 März, 2010, 6:12
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Die Tiere und die Natur haben etwas gemeinsam… sie geben uns Frieden.

Wenn die Träume der Nacht sich verfangen über den schlafenden Wald, dann schweigt die Zeit, als wäre sie niemals an diesem Ort gewesen. Schwer atmet die Sehnsucht uralter Bäume über den Wegen und wenn du dich einmal versehentlich nach dorthin verirrst, dann horche auf, denn sie tuscheln und raunen und manchmal, da hörst du sie ganz leise weinen. Verstecke dich in den Büschen und warte geduldig ein paar Augenblicke, bis der Mond seine silbernen Schatten wirft.

Von irgendwo her tritt eine Elfe aus den Schatten hervor … sie kommt nur in der Nacht und sie spricht zu den heran blühenden Bäumen. Manchmal erzählt sie lange Geschichten aus vergangenen Zeiten und sie lehnt ihren Rücken an einen trockenen Stumpf. Sie schaut träumend zu den silbernen Schatten hin und in ihrer Stimme liegt ein leichtes Beben, wenn sie zu erzählen beginnt … von dem alten Baum, der genau an dieser Stelle seinen Platz im Walde verlor und Abschied nahm von seinem Leben.

Sei ganz still, wenn du das Glück hast und die Elfe durch die silbernen Schatten gehen siehst. Du wirst es fühlen… auf deiner Haut und in deinen Haaren und als flöge ein Zauber über den schlafenden Wald, wird die Luft schwer und süß und hüllt dich in den Duft wilder Rosen. Bleibe geduldig. Ich weiß, sie wird kommen und nach den heran blühenden Bäumen sehen. Doch zeig dich ihr nicht oder erschrecke sie, denn es ist die letzte der Elfen, die es in unserer Welt noch gibt. Warte, bis der Mond seine silbernen Schatten wirft …

Der alte Baum ist tot und nie vergaß ich sein Tränengesicht, als er im dämmernden Morgenlicht fiel. Er liebte seinen Wald und wäre so gern dort geblieben, doch die Menschen hatten anders über sein Leben entschieden.

Foto: © JennySch (Jenny Scheidig) / http://www.pixelio.de

Mein Freund, der Baum … weit ragte sein Geäst bis in den Horizont und mehr als hundert Jahre stand er an seinem Platz im Walde. Es freuten ihn die Vögel sehr, jeden Frühling kamen sie von Süd und Westen her und sangen ihre schönen Lieder. Sie bauten ihre Nester im Schutze seines Geästs und der Wind strich seine Blätter, wenn er kam, um einen Augenblick zu ruhen. Er erzählte gern von seinen Reisen durch das Regenbogenland und wusste auch, worüber die Tiere aus dem Walde sprachen und warum die Elfen grüne Kleider tragen.

Und jeden Tag, so in der Früh, da kam ein Mädchen mit langen roten Haaren in einem bunten Leinenkleid über den Wiesenpfad, ließ sich zu seinen Füßen nieder und zauberte aus einem weißen Blütenmeer die schönsten Blumenkränze her. Der Baum neigte sein Gesicht ganz nah herab und besah sich die Blumen von allen Seiten bewundernd an. Er mochte dieses Mädchen sehr und hat an jedem Tag gewartet, bis es kam und die schönen Kränze für ihn band. Oft lag es auf dem weichen Moos, träumte in den Tag hinein und vertraute all seine Sorgen dem alten Baume an. Schützend streckte er dann weit seine Arme aus … wie gern hätte er das Mädchen für alle Ewigkeit bei sich versteckt. Es blieb bei ihm bis hin zur Abenddämmerung und sang ein kleines Lied, bevor es durch den Wald zurück nach Hause lief.

Foto: © Random-HH (Barbara Eckholdt) / http://www.pixelio.de

An einem Tage, er neigte sich dem Ende bald, die Sonne stand schon tief und auch der Wind war lang schon fort gezogen … so friedlich im Geäst der Vogel schlief. Da wurde Gelächter laut und Männer in gegerbten Lederhosen traten hin zum Baume in den Wald. Die Männer trugen eine Säge und eine Axt auf ihren Schultern und hielten in der Hand einen großen schwarzen Spaten, um sogleich vor seinen Füßen ein großes Loch zu graben.

„Es ist wohl an der Zeit“, sagte der Baum und eine Träne rann zu seinen Lippen. „Mein Blut wird heute Nacht über all die weißen Blumen fließen und meine Seele wird den Brüdern folgen, die in dem Windes Trauerlied ihr Leben ließen. Wo mag das Mädchen seinen Kummer weinen, wird statt meiner nur ein abgesägter Stumpf verweilen … es wird nach meinem Tode sicherlich sein Leben lang verwundbar bleiben.“ Er seufzte schwer und weckte auf den Vogel, sah hin zum Sternenlicht …

Da tat die Axt den ersten Hieb. Der Baum stöhnte laut und seine Schreie hallten durch das Abendrot. Die lange Nacht hindurch blähte er sein mächtiges Geäst, kämpfte gegen Säge und die Axt. Das Blatt der Säge brach, doch mit jedem Hieb der Axt, da schwand des alten Baumes Kraft. Im ersten Sonnenrot starb er. Seine Tränen fielen auf das weiße Blumenmeer und das grüne Moos färbte sich in seinem Blut.

Erstarrt vor so viel Weh streckten die Elfen ihre Hände zu einem Gebet. Sie blieben eng beisammen gerückt und hielten sich stumm im hohen Gras versteckt. Der Wind zog seine Kreise und der Wald … weinte ganz leise.

Die Männer in den gegerbten Lederhosen hackten den Baum in gleich große Teile und sie sägten aus ihnen viele armdicke Stücke. Sie schwitzten und fluchten und als die Sonne ihr Gesicht in den Nachtnebel verbarg, da hatten sie den Baum auf einen rostigen Karren geladen. Weiß und kahl lag er dort und sein grünes Kleid war achtlos in den Blumenkränzen und auf den weißen Blumen verstreut.

Dann brüllten die Männer den Ochsen zu … zieht endlich an, dummes Vieh, und sie schlugen mit Peitschen auf die Tiere ein. Sie schnauften und mühten mit dampfenden Mäulern sich durch den schweigenden Wald bis hinab in das Tal.

Foto: © TORBO (Torsten Born) / http://www.pixelio.de

So wurde aus dem Baum ein Stubenschrank.
Von Hand geschnitzt war er und füllte beinah die ganze Stube aus. Die Leute sahen stolz zu ihm herauf und strichen sacht mit ihren Händen über dieses edle Holz. Katz und Mäuslein aber spitzten in einer jeden Nacht ihre Ohren weit, denn sie hörten in der guten Stube Geflüster und auch leises Raunen. Da träumte im Schutz der Dunkelheit der edle Schrank, er wär zu einem Baum geworden und stünde an seinem Platz im Walde. Sein Geäst würde er weit bis in den Himmel strecken und kleine bunte Vögel kämen von Süd und Westen her, um sich in seinen Ästen zu verstecken. Der Wind hatte sich für einen Augenblick verfangen und Morgentau tat erfrischend seine Seele wecken. Die Elfen sah er nach den Sternen greifen, das Mädchen sang so lieblich… es lag im weichen Moos unter seinem grünen Kleid und der alte Baum war unter seinen Brüdern wohl der glücklichste im Walde weit und breit.

Der Duft der weißen Blumen zog mit der nahenden Morgendämmerung davon. Er spürte eine Träne, die zu seinen Lippen rann… da stieg das Rot der Sonne auf und höher noch, die Nacht zog fort und warf ihre letzten Schatten an die Wand. Dann wurde der Baum wie an jedem Tag zu einem edlen Holz und zarte Hände wischten hier und dort darüber. Es knarrte in der ganzen Stube laut.. fast schien es so, als weine der schöne Stubenschrank.

Doch eines Nachts, da dachten Katz und Mäuslein wohl, sie träumten einen Traum. Auch die Menschen schliefen ahnungslos und sie hörten nicht den Wind, der sich suchend durch die Räume trieb. Er zog durch jedes Zimmer und stieß die Türen auf. In der besten Stube fand er den alten Baum. Groß und mächtig lehnte er ächzend an der Wand und streckte weinend seine Äste nach dem Winde aus.

„Es ist nur dein grünes Kleid, das dir verloren scheint“, sagte der Wind und blies die Häkeldeckchen fort vom Baumgesicht. „Deine Seele kehrt dorthin zurück, wo Anfang und Ende ineinander verschlungen immer wieder von vorn beginnen.“

Da weinte der Baum nicht mehr und er nahm des Windes Hand. Sie zogen die Treppe des Hauses hinunter bis zu dem Ende der Straße und durch all die Gassen und an den Läden der Stadt vorbei folgten sie dem Gesang der Vögel. Silberne Schatten zogen über den Wald. Das Moos war noch feucht von der Nacht und die weißen Blumen schienen gerade erwacht. Erste Sonnenstrahlen hielten des Baumes Seele auf ihren Armen und trugen sie immer weiter über die Wiesen und über die Felder und über den kleinen Bach, der die Regentropfen auffing und die Tränen der Waldelfen.

Noch heute steht der Schrank in des Menschen schönster Stube. Mit Holzlasur wurde er eingestrichen und mit einem weichen Tuch kräftig poliert. Die Leute schauen stolz zu ihm herauf und streichen immer wieder über dieses edle Holz. Und bricht die Abenddämmerung herein, dann ruhen die Katzen und die Mäuse in der Stube still. Fortan war kein Laut mehr
zu hören. Kein Flüstern mehr und auch kein Raunen.

Mein Freund, der Baum starb nicht allein. In viele Stücke brach mein Herz entzwei, als ich an einem Morgen kam und sein Blut auf den moosbedeckten Wegen fand. Doch wie schön ist es zu träumen an diesem Platz, wo er einst stand und sich tief zu mir beugte, während ich die weißen Blumenkränze für ihn band.

Mein Freund, der Baum … der Wind hat ihn auf seinen Armen fort getragen und lange schon steht er im ewigen Tal inmitten weißer Lilien an der Seite seiner Brüder auf einer kleinen Anhöhe, die ihm einen guten Blick in die Weite der Stille ermöglicht.

Warte noch ein Weilchen, bevor du wieder deines Weges ziehst.
Gewiss wird die Elfe zu der kleinen Lichtung dort drüben gehen. Sie wird vor einem Bäumchen nieder knien, mit ihren Händen sein grünes Kleid berühren… vielleicht wird sie aus den bunten Zweigen einen hübschen Kranz zu seinen Füßen dekorieren und scheu nach allen Seiten blickend schnell zurück durch die Schatten ihres Waldes huschen. Lasse sie gehen… ich bitte dich darum. Verliere kein Wort über das, was du sahst.

Menschen sind rastlos in ihren Wünschen und sie geben nicht eher Ruhe, bis sie gefunden haben, wonach sie suchen und in die Enge getrieben, wird auch die letzte Elfe aus unserer Welt für immer verschwindén und mit ihr all die Geschichten, die dich und mich und viele andere so tief berührten.

Mein Freund, manchmal ist es klüger, ein Geheimnis zu hüten und es im Herzen einzuschließen, damit es dort bleibt bis an den Tag, an dem sich die Tür für dich öffnet in das ewige Tal …Tu es für dich und tu es für all die Seelen der uralten Bäume, denen nichts anderes blieb als verlorene Träume …

Autor: Barbara Schüring
hoepfel@online.de

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Hops, der kleine Osterhase by edithtg
1, 24 Februar, 2010, 6:50
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Ein zarter Duft lag in der Luft und die ersten Blumen lugten bereits zaghaft aus der Erde. Ja es roch nach Wärme, Sonne und Licht. Es wurde Frühling.

Herr und Frau Klopfer mit ihren drei Hasenkindern schauten gutgelaunt aus ihren Gruben mitten in den weiten Feldern. Es war Zeit rauszugehen.
Die kleinen Hasen hoppelten vorsichtig aus ihrem Unterschlupf und begannen sich dann fröhlich zu jagen. Mutter Klopfer mahnte zur Vorsicht:
„Passt auf, dass ihr euch nicht gleich verletzt!“
„Lass sie doch“, meinte Papa Klopfer und strich sich mit den Pfoten über das linke Ohr. „Sie wollen ihr junges Leben genießen“.
Er schaute aber auch aufmerksam über das weite Feld ob nicht ein Fuchs oder eine Katze unterwegs war.

„Komm Hops, wir spielen fangen“, schrie Hoppel begeistert. Das kleine Hasenmädchen war völlig begeistert von ihrer neuen Freiheit. Im Bau war es eng geworden.
„Lass ihn, der träumt schon wieder!“, lachte Mümmel der Hasenbruder und jagte seine Schwester die kichernd Haken schlagend davon rannte.
Der kleine Hops wollte nicht mehr fangen spielen, er beobachtete vorsichtig einen bunten Schmetterling der sich auf einem Narzissenkelch niedergelassen hatte.
‚Wenn ich auch so fliegen könnte, ich würde ganz weit weg fliegen und mir die ganze Welt ansehen’, träumte Hops und schon sah er sich im blauen Himmel dahin gleiten wie eine Feder.

„Hops, träum nicht! Wenn du draußen spielst, musst du immer dein Umfeld im Auge haben. Merk dir das!“, sagte der Papa der plötzlich neben ihm saß.
„Ja Papa, mache ich“, sagte Hops schuldbewusst. Er war der kleinste unter den drei Kindern und auch der Verträumteste. Mama und Papa mahnten ihn ständig, nicht immer vor sich hinzudenken und unachtsam zu sein. Die Gefahr war groß und Hops wusste das.

„Papa, du hast uns gestern eine Gute-Nacht-Geschichte über Ostern erzählt, aber ich bin eingeschlafen.“
„Ostern? Ach ja das waren noch Zeiten. Früher haben die Menschen noch an etwas geglaubt, sie hatten Liebe und Phantasie, der Osterhase und Nikolaus waren wichtige Botschafter für diese schönen Feste. Heute glaubt kein Mensch mehr an uns.“
„Was hat der Osterhase denn gemacht?“ fragte Hops neugierig.
„Wir sind losgezogen und haben Eier in den Gärten der Menschen versteckt und die Kinder haben sie gesucht und sich gefreut“.
„Wie schön, das war sicher lustig. Die armen Kinder bekommen jetzt keine Eier mehr?“
„Die wissen doch gar nicht mehr, wo die Eier herkommen“, sagte Papa.
„Warst du auch ein Osterhase?“, fragte Hops.
„Nein das war auch schon vor meiner Zeit, mein Großvater, der alte Klopfer, hat es erzählt.“ Papa schaut mit seinen großen braunen Augen auf einmal ganz traurig.
„Wenn mich nicht alles täuscht ist es morgen wieder soweit, ich hab da so meinen Riecher.“
„Das fühlt man im Herzen, Hops“, flüsterte ihm der Papa zu.

„Kommt essen“, rief die Mama und alle hoppelten schnell zu ihrem Bau zurück. Frisches Gemüse gab’s heute, ausgegraben aus den Feldern.

Beim Essen dachte Hops immer an den Osterhasen. Das war ein schöner Name und seine Bedeutung klang wichtig. ‚Ich möchte auch ein Osterhase sein. Warum kann man nicht einfach wieder an etwas glauben? Wenn die Kinder mich sehen werden sie sicher wieder Liebe und Freude in sich fühlen’. Hops war ganz aufgeregt bei dem Gedanken und nahm sich fest vor, den Papa später noch ein bisschen auszufragen.

Beim Abendkuscheln hockte sich Hops gleich zu dem Papa.
„Du Papa, ich möchte Osterhase werden, was muss ich machen?“
Mama Klopfer wurde gleich ganz aufgeregt.
„Nein, Hops, das ist zu gefährlich. Die Menschen würden dich erschießen oder du wirst vorher schon überfahren oder vom Fuchs gefressen. Die Bauernhöfe hier in der Gegend haben Hunde und Katzen.“
„Aber Mama“, weinte Hops und sah zu Papa hin. Der schüttelte leicht mit dem Kopf.
„Die Mama hat Recht. Sei vernünftig, Hops! Und jetzt geht alle ins Bett!“

Als die Hasenkinder in ihrer engen Nische zusammenrückten sagte Mümmel leise zu Hops: „Du immer mit deinen Einfällen! Du solltest lieber lernen, wie man sich versteckt wenn Gefahr droht!“

Hops konnte nicht einschlafen. Er wollte Osterhase werden und gleich morgen würde er sich einen Plan überlegen.
‚So schwer wird das nicht sein. iIch habe viel Phantasie’, freute sich der kleine Hase, und dann fielen ihm auch die Augen zu.

Der nächste Tag war wunderschön. Die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel und Familie Klopfer wollte einen Ausflug zu einer saftigen Wiese unternehmen. Hops wollte eigentlich nicht lügen, aber sein Entschluss stand beim Aufwachen fest.
„Könnt ihr nicht ohne mich gehen? Mir ist schlecht, ich mag nichts essen.“
Hops schob seine Karotte weg, obwohl er Hunger hatte. Mama Klopfer schaute ihm gleich besorgt in die Augen und fühlte ob seine Ohren heiß waren.
„Dann bleibe ich bei dir, mein Kleiner“, meinte die Mama.
„Nein Mama du musst mit“, weinte Hoppel, „ich will nicht, dass du daheim bleibst“.
Das kleine Hasenmädchen hing noch sehr an der Mama.
„Bitte geht ohne mich, ich lege mich hin und schlafe fest und wenn ihr wieder zurück kommt bin ich ganz der alte“, bettelte Hops und legte sich gleich in seine Schlafecke. Der Papa schaute ihn sehr intensiv an und Hops schämte sich für das Lügen aber es musste sein, diese Gelegenheit musste er nutzen.

Endlich, nach großen Ermahnungen und vielen Nasenstupsern, verließ die Familie den Bau und Hops blieb erleichtert zurück.
‚So, jetzt muss ich ganz fest überlegen. Papa sprach von Eiern, die kann ich in dem Bauernhof holen der gleich in der Nähe ist, dann werde ich weitersehen’, dachte Hops und seine kleine Nase zuckte ganz schnell.

Hops fraß noch schnell seine Karotte vom Frühstück und schaute vorsichtig aus dem Bau. Die Luft war rein und Hops hüpfte los Richtung Bauernhof.

Der große Bauernhof hatte einen Hühnerstall und Hops hatte die freilaufenden Hennen schon öfters aus der Ferne beobachtet. Papa hatte seinen Kindern schon mal erklärt, dass Hühner Eier legen. Vorsichtig hüpfte Hops über den verwaisten Hof, alles war ruhig, kein Hund oder Katze zu sehen.

Der Hühnerstall stand offen und Hops lugte um die Ecke. Da saßen die Hennen auf einen Balken in einer Reihe und gackerten um die Wette. Ein weißes Huhn bemerkte den kleinen Hasen als erste.
„Was willst du denn hier“, schimpfte sie, und die anderen Hühner schauten ihn neugierig an.
„Ich heiße Hops und bin der Osterhase“, erklärte Hops mutig. „Ich wollte euch fragen, ob ich ein paar Eier von euch haben kann damit ich diese an die Kinder verteilen kann, damit sie wieder an mich glauben.“
„Hihi, so was aber auch, schaut euch diesen Spinner an“, gackerte ein braunes Huhn mit weißen Federn. „So was verrücktes hab ich ja noch nie gehört, da lachen ja die Hühner“ Die ganzen Hennen schrien jetzt laut und schüttelten sich vor Vergnügen.

Hops war enttäuscht von diesen hysterischen Viechern und wollte schon einen Rückzieher machen, als plötzlich ein prächtiger Hahn um die Ecke bog und ihn anstarrte.
„Seid still“, sagte er zu seinem Harem und die Hennen verstummten sofort.
„So, so, du bist also der Osterhase. Dachte immer, es gibt euch nicht mehr. Egal, gebt ihm drei von den neugelegten Eiern, damit er seine Arbeit erledigen kann“

Der schöne bunte Hahn trat sehr bestimmt auf und das weiße Huhn zeigte mit dem Schnabel auf ein Heunest. Hops hüpfte hin und sah drei wunderschöne Eier liegen.
‚Die nehme ich gleich mit’, dachte Hops erfreut. Aber als er sie mit seinen kleinen Pfoten packen wollte, kullerten sie gleich zurück in ihre Mulde.
„Die kann ich nicht tragen“, jammerte Hops. „Wie soll ich die denn zu den Kindern bringen?“
„Ein Osterhase muss das eigentlich wissen“, belehrte ihn der Hahn, der schon langsam ungeduldig wurde. „Nimm das kleine Bastkörbchen hier in der Ecke, damit holt die Bäuerin unsere Eier.“

Hops hüpfte zu dem Körbchen und schlug seine scharfen Vorderzähne in das weiche Material. Eine Henne half ihm, die Eier in das Körbchen zu schieben. Die anderen sahen schweigend zu.
„Ich danke euch von ganzen Herzen, ihr seid wirklich sehr nett und hilfsbereit zu mir. Ich bin ein Anfänger und mache das zum ersten Mal“ erklärte Hops verlegen.
„War anzunehmen“, krähte der Hahn. „Jetzt mach dich auf den Weg, du hast dir ja viel vorgenommen. Viel Glück!“
Hops nickte und bedankte sich noch einmal. Er hüpfte mit dem Korb im Maul aus dem Hühnerstall und machte sich vorsichtig auf den Weg. Sein nächstes Ziel war die kleine Siedlung hinter dem Acker. Da würden hoffentlich Kinder wohnen.

Hops schwitzte schon nach ein paar Metern. ‚Was bin ich doch dumm! So einfach kann man kein Osterhase werden. Die hatten sicher einen richtigen Beutel oder Korb auf dem Rücken und sie wussten genau was sie machen mussten. Ich weiß gar nichts.’

Hops kam der Weg immer länger vor und er musste auf halbem Weg eine Pause machen. Der Korb wurde immer schwerer und seine Zähne taten ihm schon weh.

’Ich muss es schaffen’, dachte Hops und setzte sich kurz ins weiche Gras. Ich habe meine Eltern angelogen und eigentlich die Eier und den Korb gestohlen, ich bin ja ein feiner Osterhase.
Hops nahm den Korb wieder vorsichtig auf und hüpfte weiter. Als er das erste Haus erreichte, war er so erschöpft, dass er schon zitterte. Auf der gepflasterten Terrasse brach Hops fast zusammen. Der Korb fiel im aus dem Maul und fast wären die Eier auch noch rausgekullert.
Jetzt weinte Hops herzzerreißend. „Mama“, schluchzte er vor sich hin.

Plötzlich ging die Terrassentüre auf und ein Mann und eine Frau kamen heraus.
„Sieh dir das an, ein Häschen!“, sagte die Frau völlig verdutzt.
Ihr Mann schaute überrascht unseren Hops und den Bastkorb mit den Eiern an. Hops sah aus als würde er jeden Moment in Ohnmacht fallen vor Angst.
„Mama, Papa, wo seid ihr?“, schrie eine helle Kinderstimme aus dem Haus und schon stand ein kleiner blonder Junge auf der Terrasse.
„Der Osterhase!“, schrie er begeistert und rannte auch schon auf unseren Hops zu. Der erwachte aus seiner Schreckstarre und schlug einen Haken und hoppelte so schnell er konnte über die Wiese Richtung Bauernhof, fetzte über den weiten Acker und lief und rannte Richtung Heimat. Dabei hörte er immer wieder was der kleine Junge gesagt hatte: „Der Osterhase, das ist der Osterhase!“

Als er endlich völlig erschöpft und ausgelaugt in seinem Bau ankam, verkroch er sich sofort in seine Ecke und verschnaufte. Jetzt ging es ihm wirklich schlecht und er wollte nur seine Ruhe haben. Hops fielen die Augen zu. Er schlief so tief, dass er erst wieder erwachte als seine Familie von ihrem Ausflug zurück kam.

„Hops, mein Kleiner, wie geht es dir denn?“, fragte die Mama ganz besorgt.
Seine Familie stand um ihn rum, die Geschwister ganz verschwitzt vom vielen Spielen. Da brach es aus Hops heraus, er erzählte seiner überraschten Familie alles, sein Vorhaben, seine Lügereien, sein Abenteuer im Hühnerstall und das Erlebnis auf der Terrasse und wie der kleine Junge ihn genannt hatte.
„Er sagte, ich bin der Osterhase“, endete Hops seine Geschichte.

Der Papa sah seinem Jungen tief in die Augen. „Hops, es war nicht richtig uns anzulügen und dass du dich in Gefahr begeben hast. Ich muss aber auch sagen dass du wirklich ein tapferer kleiner Kerl bist und wir sehr stolz sind was du gewagt hast. Du hast an etwas geglaubt und dem Kind wieder Phantasie und Freude geschenkt. Das ist genau die Aufgabe eines Osterhasen. Ich bin sehr stolz auf dich.“

Der Papa richtete sich auf. „Hops hat uns gezeigt, dass wir eine Aufgabe haben. Wir werden den Osterhasen wieder aufleben lassen, wir werden losziehen und Hoffnung, Freude und Spaß zu den Menschen bringen, damit sie sich wieder auf das Fest freuen. Nächstes Ostern werden wir losziehen und in der Zwischenzeit werden wir uns gut vorbereiten, damit es uns etwas leichter fällt als dir, Hops. Seid ihr damit einverstanden?“
Ein Jubel ging durch den Hasenbau und die Kinder hüpften fröhlich um ihre Eltern rum.
„Hops, du bist unser Osterhase“, schrie der kleine Mümmel und alle lachten und strahlten.
Hops sprang vor Freude hoch in die Luft.
„Es lebe der Osterhase, hurra!“

Foto: © El-Fausto (Harry Hautumm) / http://www.pixelio.de

Autor: Barbara Pronnet barbarapronnet@web.de     
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Ein Rammler namens Hase by edithtg
1, 15 Februar, 2010, 11:55
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Eigentlich wollten wir nur eine Kleinigkeit essen und landeten bei dem Hasenbebeles-Verein. Da war heut ganz schön was los und sogar Lose wurden verkauft,klar nahmen wir auch ein paar. Es wurde ein richtig schöner Abend und irgendwann wurden dann die Losnummer aufgerufen die gewonnen hatten.

Tatsächlich, die Nummer 359 hatte gewonnen und sogar den Hauptpreis! Ja, das war doch meine Nummer! Einen Hauptpreis, den hatte ich noch nie gewonnen. Ich freute mich riesig.

Und da kam er schon der Hauptgewinn, in einem großen Karton wurde er mir überreicht. Ein Karton der sich bewegt und noch dazu schwer ist, was kann das denn sein, dachte ich und schaute vorsichtig hinein. Klar, es konnte doch nur ein Hase sein, schließlich waren wir beim Hasenbebeles-Verein. Er sah wunderschön aus, so wie der Hase von Dürer. Kennt jeder, denke ich mal.

Der Hase sei ein Rammler, sagte mir der Vorstand vom Verein und zwinkerte mir zu. Da sei für Nachwuchs bestens gesorgt. Er heiße “Hase”, meinte er noch und sei ein Prachtexemplar.

Am nächsten Tag bauten wir einen Hasenstall, gaben Heu und Futter hinein und freuten uns, weil unsere Kinder total begeistert von dem neuen Hausgenossen waren. Der Hase wurde schnell größer. und eines Tages war die Stalltüre offen und der Hase verschwunden.

Die Kinder suchten ihn überall und fanden ihn nicht weit vom Haus in einem Feld. Dort hockte er und ließ sich auch einfangen.

Eigenartiger Weise wurde der Hase immer dicker und riss sich auch noch Haare aus. Komisch, dachte ich, das machen doch nur Häsinnen. Kann nicht sein, dachte ich, das ist doch ein Rammler. Ich rief bei dem Hasenbebeles-Verein an und fragte nach. Die Antwort: “Klar ist es ein Rammler, was denn sonst?”

Nach wenigen Wochen lagen zwei allerliebste kleine Hasenkinder im Stall. Sie waren genauso schön wie der Rammler, der kein Rammler war. Und ich hatte den Verdacht, dass ich veräppelt worden war. Aber die Kleinen waren so niedlich, dass mir das gar nichts ausmachte. Und die Kinder freuten sich über die beiden Hasen.

Abbildung: Albrecht Dürer: „Junger Hase“. Diese Bilddatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.

Autor: Ursula Geier
UrsulaGeier@web.de

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Baboons are wild animals by edithtg
1, 19 Oktober, 2009, 5:26
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„Baboons are dangerous and attracted by food“ oder „Baboons are wild animals“ warnten unübersehbar weiße Aufschriften auf grünen Tafeln da unten in Afrika, wo einst ängstliche Seeleute guter Hoffnung waren, wie man hört.

Wer ein bisschen über Paviane, besonders über den außergewöhnlich großen Schlag in der Kapregion, Bescheid weiß, dem mussten die Warnungen nicht unangebracht, in ihrer Häufigkeit aber doch etwas übertrieben erscheinen. Es gab nämlich allerlei Getier, schwarze Agamen zum Beispiel oder gestreifte Heuschrecken, zu beobachten, alle nicht sonderlich Angst einflößend. Paviane waren weit und breit nicht zu sehen. Offensichtlich waren die Warnschilder gedacht, den Touristen ein Gefühl vager Bedrohung durch die afrikanische Tierwelt als Erinnerung mit nach Hause zu geben.

Kurz und gut, etwas enttäuscht setzte ich mich ans Lenkrad, das in südafrikanischen Wägen eher unpraktisch vor dem Beifahrersitz angebracht ist. Es war im August, also im südlichen Hochwinter, aber warm genug, dass wir die Fenster herunterkurbelten. Herrliche Landschaft auf der Zunge zwischen Atlantik und Indischem Ozean zog auf dem Weg zurück nach Kapstadt an uns vorbei.

Plötzlich ein Aufschrei aus zwei Mündern, dem meiner Frau und etwas zeitversetzt aus dem meiner Tochter, der auf dem Rücksitz der Grund des Entzückens erst später ins Auge fiel. Paviane! Paviane am Straßenrand. Spielende, allerputzigste Affenkinder, beäugt von ihren weniger putzigen Müttern und unter dem Schutz des Bosses, eines mächtigen Männchens, das stoisch und sichtlich etwas gelangweilt (es gähnte nämlich ununterbrochen) das Treiben überschaute.

Die Kameras wurden in Anschlag gebracht und ich vergaß nicht, auf das Schließen der Fenster zu beharren. Baboons are dangerous. Uns war es vollkommen gleichgültig, dass wir einen Stau ausgelöst hatten. Sollten sich doch die eiligen Städter auch an der Natur erfreuen. Plötzlich schob sich ein Schatten vor mich, etwas, was nach Fell roch, streifte meine Nase. Schnell hatte ich aber wieder freie Sicht, denn der Pavian, es war der gelangweilte Boss, der Pascha der Truppe, machte es sich auf dem Schoß meiner Frau bequem, obwohl er etwa ihre Größe hatte und schien zu sagen, „Schau mir in die Augen, Kleines!“ Unnötig zu erwähnen, dass ich das Fenster auf meiner Seite nicht hochgekurbelt hatte. Baboons are wild animals, rief ich mir in Erinnerung und sagte das auch meiner Frau und meiner Tochter, die sich ängstlich in die Ecke drückte und leise vor sich hin wimmerte.

Flüsternd, um den Riesen nicht zu reizen, riet ich, Ruhe zu bewahren, vor allem aber dem Affen nichts zu entreißen, was auch immer er sich aneignen sollte. Ich dachte dabei an die Kameras und allenfalls herumliegende Geldbörsen. Baboons are attracted by food. Das musste der Kerl auch gelesen haben, denn er kletterte auf den Rücksitz zu meiner Tochter, die seltsam blass das Geschehen aus den Augenwinkeln beobachtete. Ein Sack mit Orangen wechselte den Besitzer, außerdem eine Tüte mit Schnitzereien, die als Mitbringsel bestimmt waren. Der Pavian war beschäftigt, zeigte keine Animositäten, trotzdem musste er hinaus. Aber wie?

Nach kurzem Überlegen stieg ich aus, bedrängt von etwa dreißig Jungaffen und deren Müttern und Tanten, öffnete die Hintertür, stieg wieder ein und fuhr langsam los. Das schien dem Herrn doch nicht ganz geheuer, obwohl er sich auch in meiner Familie offensichtlich sehr wohl gefühlt hatte. Er stieg aus, vergaß dabei nicht, die zwei Säcke mitzunehmen. So schnell wurde in der Geschichte der Automobile noch nie eine Tür geschlossen.

Ein Blick in den Rückspiegel zeigte gestikulierende Leute in den nachfolgenden Autos, die sich vor Lachen krümmten, ihre Kameras einpackten und in absonderlich aufreizender Weise erheitert waren.

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Foto: © Nasobemalyricum (W. Weber) / http://www.pixelio.de

Autor: Ingo Baumgartner 2009
rosmaringo@aon.at

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Gefahr im Dachsbau by edithtg
1, 10 August, 2009, 8:35
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Anmerkung: Die folgenden Schilderungen über Dachse und Hunde während der Baujagd unter der Erde, sind keine Erfindungen des Autors. Sie beruhen auf Fachbüchern und Zeitungsberichten zur Baujagd, die von den Baujägern selbst verfasst wurden. Darüber hinaus wurden dazu auch aktuelle Berichte und dort veröffentlichte Fotos von ihrer „erlegten Beute“ aus den Foren der Baujäger im Internet mit heran gezogen. Bild 12 und 13 sind aus einem Film, alle anderen Bilder sind Fotomontagen.

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Der Tag ist nicht mehr weit, als Bilbo am Morgen in seinem Bau wieder verschwindet. Aber es war heute Nacht ein besonders langer, nächtlicher Streifzug und dabei hat er sich eben etwas verspätet. Vor ein paar Monaten ist er schon,vom kleinen Nebenbau am Lärcheck, in diesem großen alten Bau im Hexentanzwald umgezogen.

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Bevor er sich zur Tagesruhe hinlegen kann, muss er sich aber noch einigen der kleinen Plagegeister entledigen. Die fühlen sich in seinem dichten Pelz besonders wohl. Auch am Bauch krabbeln sie herum. Die bekommt der Dachs am besten sitzend, so ganz nach Bärenart. Überhaupt benimmt sich Bilbo oft wie ein Bär. Deshalb hat man früher auch gedacht, dass Dachse kleine Bären sind. Aber heute wissen wir, dass sie zur Familie der Marder gehören.

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Bilbo hat sich in seiner Schlafhöhle nun bequem gemacht und schläft. Aber nicht so fest, eigentlich ruht er nur. Dazwischen fällt er aber auch immer wieder mal für ganz kurze Zeit in einen richtig tiefen Schlaf. Da hört und riecht er auch nicht, was um ihn herumpassiert. So bleibt ihm erst mal verborgen, das sich über seinem Bau, großes Unheil ankündigt. Drei Baujäger mit Hunden sind aufgetaucht. Sie haben vor Bilbo zu töten oder als lebende Beute mitzunehmen. Ihre Hunde müssen ihnen dabei helfen. Die Baujäger kontrollieren nun, wo Bilbo´s Bau überall Ausgänge hat und welche von ihm hauptsächlich benutzt werden.

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In Nähe dieser Ausgänge stellen sich nun zwei der Baujäger an. Sie werden Bilbo erschießen, wenn er dort herauskommen sollte. Der dritte Jäger schickt nun seinen Hund in eine der Erdröhren. Es ist ein Jack Russel Terrier. Er ist nicht sehr groß und kann sich deshalb in den Erdgängen auch schnell fortbewegen. Ihn haben die Baujäger so abgerichtet, dass er mit dem Dachs kämpfen kann. Er darf aber auch den Dachs, der sich gerade in einer seiner Höhlen versteckt hat, dort nicht mehr herauslassen, bis die Jäger diese Höhle aufgegraben haben. Bilbo hat jetzt verdächtige Geräusche wahrgenommen und seine Schlafhöhle verlassen. Noch ahnt er nichts von der Gefahr. Er ist noch jung, unerfahren, aber neugierig.

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Doch bald spürt er, da ist etwas Bedrohliches. Weit zieht er sich in seinen großen Bau zurück. Auf keinen Fall wird er ihn aber bei Tageslicht verlassen. Der erfahrene Terrier hat Bilbo aber bald aufgespürt und stellt sich ihm in den Weg. Er ist von den Baujägern besonders scharf auf Dachse abgerichtet. Er versucht, Bilbo im Kopf-oder Halsbereich zu fassen und zuzubeißen. Überrascht vom plötzlichen Angriff, setzt er sich aber nicht zur Wehr, sondern senkt tief den Kopf. So bleibt sein Hals – und Brustbereich vor den Hundebissen ein wenig geschützt.

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Bedrängt durch das ständige Nachfassen des Hundes, versucht Bilbo sich durch Flucht, den weiteren Angriffen zu entziehen. Doch der Terrier bleibt hartnäckig an seiner Seite. Seine Aufgabe ist ja, wie vom Baujäger eingetrichtert, den „Erzfeind“ lebend oder tot zur Strecke zu bringen. Sein Versuch Bilbo im Genick hinter den Kopf zu fassen, gelingt nicht, das wäre auch fast das Ende für den Dachs. Diesen Genickbiss durfte der Terrier ja oft genug, an lebenden, gefangenen Dachsen und Füchsen in Gehegen bereits üben.

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In einer seiner Erdhöhlen findet Bilbo Schutz vor den pausenlos angreifenden Terrier. Der steht vor der Höhle und versucht immer wieder an Bilbo heranzukommen. Ist der Hund dem Höhleneingang zu nahe, stößt Bilbo schnell mit dem Kopf heraus und der Hund springt rasch zurück. Eine ganze Zeit geht das so, bis Bilbo die Geduld verliert. Er beginnt aus der Höhle heraus, schnell eine neue Röhre zu graben, um in einen ferneren Teil seines Baus auszuweichen. Der Terrier versucht zu folgen. Doch fliegt ihm fortwährend lose Erde entgegen, die Bilbo beim Graben nach hinten schleudert. Um den Dachs zu folgen, muss sich der Hund durch diese Erde erst hindurcharbeiten. Doch es wird immer mehr davon, denn Bilbo ist ein schneller Erdgräber.

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Vor und hinter dem Hund türmt sich die lose Erde bereits auf. Die Röhre schließt sich nach beiden Seiten immer mehr. Bald ist sie ganz zu und auch enger geworden. Der Terrier sitzt fest in einem geschlossenen kleinen Hohlraum. Geschwächt von den Erdarbeiten und der dünner werdenden Luft, lassen seine Kräfte langsam nach. Er beginnt zu klagen, doch werden seine Laute immer leiser. Die Baujäger oben hören sein wimmern. Jetzt wissen sie, dass ihr Hund in großer Not ist. Sie beginnen schnell nach ihm zu graben.

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Bilbo hat sich durch die Fluchtröhre längst in einen anderen Bereich seines weiten Baus abgesetzt. Er ist wohlauf, doch sehr schläfrig. Viel zu aufgeregt aber, um seine Tagesruhe in einer anderen Höhle fortzusetzen. Auch ist durch die grabenden Jäger ja noch große Unruhe im Bau.

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Die müssen jetzt sehr schnell arbeiten, um ihren Hund noch helfen zu können. Doch die Erde ist steinig und hart. Auch wissen sie nicht, wo das klägliche Winseln von unten genau herkommt. Als sie ihn nach Stunden endlich finden, ist der Terrier bereits kalt und steif. In dem nur kleinen Hohlraum ist er qualvoll erstickt. Er hat, wie auch viele andere seiner Artgenossen, die Besessenheit der Baujäger, mit seinem Leben bezahlen müssen.

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Nach diesen gefährlichen Erlebnis, ist Bilbo, in der folgenden Nacht wieder in den kleinen Nebenbau am Lärcheck umgezogen. Doch nur für einige Tage, dann ist er zurück in den alten Bau. Trotz Hundeangriff und teilweiser Aufgrabung des Baues fühlt er sich hier, in den langen Erdröhren und vielen Höhlen, bedeutend sicherer. Doch besondere Vorsicht ist jetzt geboten. Bevor Bilbao abends den Bau verlässt, prüft er lange, ob der Wind ihm auch nichts Verdächtiges zuträgt. Oft wechselt er dabei auch die Erdröhren, die an verschiedenen Stellen des großen Baus nach außen führen.

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Auch im nächtlichen Revier kommt es, für Bilbo, oft zu aufregenden Begegnungen. Aber die sind natürlich, sie gehören ganz einfach mit zu seinem Leben. Es ist der männliche Reviernachbar (rechts), den er hier getroffen hat. Ihre Reviere liegen nebeneinander. Man kennt sich und lebt die meiste Zeit im Jahr auch in guter Nachbarschaft. Er ist schon einige Jahre älter als Bilbo und hat, wie die Spuren an seinem Kopf zeigen, sicher so manche Auseinandersetzung mit anderen Artgenossen hinter sich. Im Moosholz, einen weiten, dichten Buchenwald, bewohnt dieser Dachs mit seiner Partnerin, den schon viele Jahre alten Hangbau.

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Nur wegen dem Verlauf ihrer Reviergrenzen gibt es manchmal Unstimmigkeiten, die in sehr heftigen, ernsten Kämpfen ausarten. Anfangs war der Nachbar immer der Angreifer und Bilbo der Verlierer. Doch Bilbo hat dazu gelernt und ist jetzt ein gleichwertiger Gegner. Sollte ihn wieder einmal ein Hund in seinem Bau bedrohen, dann wird er diese Kampferfahrungen nutzen und sich auf gleiche Art gegen ihn verteidigen. Niemand hat das Recht ihn in seinem Bau zu stören am wenigsten die Hunde der Baujäger. Es ist ja sein einziger Ort, der ihm Geborgenheit, Sicherheit und Schutz bietet.

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In den letzten Nächten haben Bilbo´s Nachbarn in ihrem Hangbau damit begonnen, eine ihrer Höhlen, für die kommende Winterruhe vorzubereiten. Das alte Nestmaterial haben sie nach oben geschafft und vor der Einfahrt abgelegt. Die Baujäger, wieder auf Suche, für ihr grausames Handwerk, sind dadurch auf diesen Bau aufmerksam geworden. Schon am frühen Morgen sind sie da. Diesmal in größerer Zahl und mit mehreren Hunden. Denn die unterirdischen Erdröhren und Höhlen des Hangbau´s, dehnen sich über eine riesige Fläche aus, bald so groß wie ein halbes Fußballfeld. Alle nötigen Vorbereitungen der Baujäger sind getroffen, die rücksichtslose Jagd kann beginnen. Zwei Hunde werden gleichzeitig in den Bau dirigiert, jeder aber in eine andere Erdröhre. Diese liegen weit auseinander.

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Lange Zeit ist es still, keine Geräusche unten im Bau. Plötzlich das Kurze, hohe bellen eines Hundes. Dann wieder Ruhe. Dumpfes Gepolter auf einmal, jetzt aber an anderer Stelle. Dazwischen tierische Droh- und Schmerzlaute, die Hunde haben den Dachs gestellt. Ein heftiger Kampf tobt jetzt in den engen Erdröhren oder Höhlen. Über Stunden zieht er sich hin. Ein Hund kommt aus den Bau, schwer verletzt am Kopf. Er wird durch einen ausgeruhten, frischen Hund ersetzt. Der Kampf dauert an. Dann wird es leiser im Bau. Der Dachs ist geschwächt, er kann sich nicht mehr erfolgreich gegen zwei Hunde wehren. Fest hält ihn ein Hund an der Kehle. Langsam zieht er ihn, rückwärts zum Ausgang der Erdröhre. Dort hilft ein Baujäger nach, packt die Hinterpfoten des Hundes und zieht ihn mit dem daran hängenden Dachs heraus. Der Hund gibt den Dachs frei. Es ist die noch jüngere Dächsin von Bilbo´s Reviernachbar. Ihre Bewegungen sind langsam, ziellos, wie betäubt lässt sie den Kopf hängen. Ein Schuss erlöst sie endlich von ihrer Qual. Die Dächsin, noch unerfahren in solcher Situation, war den drei routinierten, scharfen Hunden auf Dauer nicht gewachsen. Tiefe Bisswunden am Kopf und Hals von Dachs und Hund zeigen, was für schreckliche Kämpfe über lange Zeit unten im Bau, tatsächlich stattgefunden haben.

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Baujäger und Hunde haben, im wahrsten Sinne des Wortes, nun erst recht „Blut geleckt“. Vielleicht sitzt ja noch ein Dachs drin. Zwei frische Hunde dringen wieder in den Bau. Schon in ihrer Ausbildung wurde ihnen eingetrichtert, was sie tun müssen, um ihren Erzfeind Dachs zur

Strecke zu bringen, egal wie. Noch ist von unten nichts zu hören, lautlos suchen die Hunde. Plötzlich, mehrmals kurzes rumpeln, immer an anderer Stelle des unterirdischen Bau`s. Dazwischen leises jaulen und knurrendes brummen. Die Hunde haben das Dachsmännchen in einer der Erdröhren oder Höhlen ausfindig gemacht. Zu Beginn ist der Dachs mehr auf Abwehr bedacht. Doch dann greift er selbst die Hunde an. Jetzt kommen dem Dachs die Erfahrungen zugute, die er bei vielen Revierkämpfen mit anderen männlichen Artgenossen gesammelt hat. Er packt mit dem Gebiss viel kräftiger zu als die Hunde und hält auch einige Zeit schüttelnd an ihnen fest. Da haben selbst die auf Schärfe abgerichteten Terriers wenig Chancen. Kehle und Bauch reißt er einen Hund so weit auf, dass dieser noch an Ort und Stelle verblutet. So finden ihn die Baujäger, als sie später den Kampfplatz frei gegraben haben. Nur leichte Verletzungen erleidet der andere Hund, aber verschmutzt, wie in nasser Erde gerollt. Der Dachs aber hat sich längst in einen anderen Teil seines weitverzweigten Baus zurückgezogen. Doch nun soll er den Baujägern nicht mehr entkommen.

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Der letzte Terrier, den die Baujäger noch dabei haben, wird in den Bau geschickt. Nach längeren Suchen entdeckt er den Dachs beim Graben. Der Hund ist nicht so angriffslustig wie seine Vorgänger, seine Aufgabe ist eine andere. Er schnappt nur kurz in das Hinterteil des Dachses. Der fühlt sich bedroht und unterbricht seine Arbeit um den Störenfried abzuschrecken. Dann gräbt er schnell weiter. Gleich darauf packt der Hund wieder zu und Grimbart dreht sich erneut zu ihm herum. So geht es ständig hin und her. Der Dachs kommt mit graben seiner Röhre nur langsam voran, arbeitet fast noch an gleicher Stelle. Und das will der Hund mit seinen kurzen Attacken auch erreichen. So haben die Baujäger es ihm beigebracht.

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Wenn der Dachs sich drohend zu ihm herumdreht, springt der Hund bellend schnell zurück. Durch diese Laute wissen aber die oben wartenden Baujäger, wo sich Hund und Dachs unten gerade aufhalten. Sie beginnen an dieser Stelle mit Hacke und Spaten, in großer Eile, einen Schacht aus zu heben, um an die Beiden heranzukommen. Durch den dauernd störenden Hund kann der Dachs die Erdröhre nicht so schnell weiter graben, die Baujäger aber sind schon ganz in seiner Nähe.

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Sie haben den Platz erreicht, der Hund hat seine Aufgabe erledigt. Vom Schacht aus sieht der Baujäger in die Erdröhre. Sie ist nicht sehr tief, aber immer noch zu lang, um gefahrlos an den Dachs heranzukommen. Der sitzt ganz am Ende und gräbt jetzt wie rasend weiter, er weiß sich bedroht. Der Baujäger will ihn lebend haben. Er schiebt einen sogenannten Andrehstab zwischen die langen Borsten des Dachses. Am Ende dieses Stabes sitzen kleine Vierkanteisen. Um diese wickeln sich nun einige dieser kräftigen Borsten, wenn der Baujäger den Stab langsam dreht. So zieht er den Dachs durch die Röhre nach außen. Verzweifelt versucht dieser, sich mit den Krallen an der Erdwand festzuhalten. Nur an wenigen Borsten hängend überwindet der Baujäger diesen Widerstand des Dachses, dazu noch dessen Gewicht von etwa 18kg. Welche Schinderei für das so gequälte Geschöpf auch bei diesen brutalen „weidmännischen Handwerk“. Aber für die Baujäger gibt es eben nichts Spannenderes, auch auf diese Art Beute zu machen.

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Außerhalb des schützenden Erdganges muss es schnell gehen. Wild und kraftvoll versucht der Dachs sich zu befreien. Aber ein zweiter Baujäger steht mit einem weiteren, regelrechten Folterwerkzeug schon bereit. Es ist die Dachszange, die er hastig dem Opfer fest um den Hals drückt. Wenn es möglich gewesen wäre, die Zange dem Dachs bereits in der Erdröhre umzulegen, hätte man ihn auch mit ihr herausgezogen. Der Einsatz von Dachszangen ist verboten. Doch von den Baujägern werden sie nach wie vor eingesetzt. “Den Schöpfer im Geschöpfe ehren“, steht häufig unter ihren Berichten, die sie sich gegenseitig austauschen. Was für ein Hohn bei derartigen Folterwerkzeugen.

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Mit der Zange hält der Baujäger den rasenden, aber wehrlosen Dachs auf sicherer Distance. Was mag in dem Tier vorgehen, wenn es mit diesen Folterinstrument um den Hals auch noch hoch gehoben wird? Eine Art Strangulation bis zur Betäubung. Mit dieser Zange wird der noch lebende Dachs nicht selten auch den Hunden vorgehalten. Sie sollen ihn dadurch noch mehr, für spätere Baukämpfe, als Feind erkennen. Der gefangene Dachs wird begutachtet. Zu schade dieser kräftige Rüde für die Kugel. Man wird ihn erst mal für die weitere Ausbildung ihrer Hunde lebend einsetzen.

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Das Abrichten der Hunde, am lebenden, gefangenen Dachs, ist lange verboten. Aber wo kein Kläger auch kein Richter. Solche barbarischen Methoden finden noch immer im Geheimen statt. Bei diesen ungleich blutigen Gehegekämpfen sollen die Hunde lernen, gezielte Bisse anzusetzen, um den Dachs im späteren Baukampf zu schwächen oder vielleicht gar abzuwürgen. Auch bekommen sie dabei ein gesteigertes Hassgefühl auf den Dachs. Denn solange dieser noch kann, wird er sich, auch schmerzhaft für die Hunde, zur Wehr setzen. Und nach aller Pein dürfen die Hunde auch oft noch den Dachs abwürgen. Eine unendliche Qual für die geplagte Kreatur, bis sie durch ihren langsamen Tod endlich erlöst wird.

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Ob der Dachs überhaupt gejagt werden muss, darüber gehen die Meinungen auseinander. Auf jeden Fall ist er nicht der große Räuber, wie von den Jägern immer wieder behauptet. Sicher kann es in Maisfeldern und Weinbergen durch ihn schon mal zu größeren Schäden kommen. Wiederholen sich diese über einen längeren Zeitraum, dann ist eine schonende Jagd auf ihn, möglicherweise gerechtfertigt. Dabei dürfen aber auch dem Dachs, keine vermeidbaren Schmerzen und Leiden zugefügt werden. Der „saubere Abschuss“ vom Jäger erfüllt diese Forderung und schickt das Tier ohne Stress und Qual, in die ewigen Jagdgründe. Was aber tun diese Baujäger? Ihnen macht, nach eigenen Aussagen, der Ansitz am Dachsbau zu wenig Spaß. Allein das spannende Erleben mit ihren Hunden, die dafür gedrillt wurden, zählt für sie. Dafür nehmen sie auch unendliches Leiden aller, an der Baujagd beteiligten Vierbeiner in Kauf, selbst den Tod ihrer Hunde. Nur ihre Geltungssucht und die Leistung der Hunde bestimmt ihr ganzes handeln. Diese Baujagd ist somit in jeder Hinsicht eine überaus sinnlose Tierquälerei. Es kann und darf nicht sein das sie vom Deutschen Jagdschutzverband weiterhin geduldet wird. Für ihn ist doch auch die Moral gegenüber unseren Mitgeschöpfen oberstes Gebot. Die Baujäger aber gehören auf gar keinen Fall zu den weidgerechten Jägern und mit Naturschutz hat dieses gefühllose Handwerk nun ganz und gar nichts zu tun. Es ist deshalb allerhöchste Zeit, das gegen diese perversen, grausamen „Jagdabenteuer“ endlich etwas unternommen wird.

Autor: Actaeon
actaeon@erlebte-tierwelt.de

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Wale und schräge Vögel – Whale Watching auf Teneriffa by edithtg
1, 18 September, 2008, 5:55
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Montag, 28.07.2008: Oh Schreck, oh Not – ein Boot!
Morgens um 5:15 Uhr werde ich von einem sonderbaren Geschrei und Gequäke geweckt. Das kommt von draußen! Auaauaauaauawääääh! Aha: Gelbschnabel-Sturmtaucher! Reiseleiter Jack hatte uns deren Geschrei vorgemacht und vorher noch hoch und heilig versichert, dass er absolut nüchtern sei und uns auch nicht zum Besten halte. Diese Vögel schreien wirklich so. Gerhard sagt, er habe das Geräusch schon am Tag mal gehört und gedacht, das sei ein besonders nerviges Kinderspielzeug. Mir ist das entgangen, ich höre die jetzt zum ersten Mal. Gesehen habe ich noch keinen. Ich gehe hinaus auf die Terrasse um vielleicht mal einen der Schreihälse zu Gesicht zu bekommen. Witzlos: Es ist noch stockdunkel.

Oh Schreck, oh Not am frühen Morgen: Jemand hat meiner besseren Hälfte am Vorabend von der „Expedition Wale und Delfine“ vorgeschwärmt. Und jetzt ist er wild entschlossen, diese Whale-Watching-Tour auch mitzumachen. Wale sieht man sonst nur im Fernsehen, meint er, und nun habe man mal die Chance, die Tiere leibhaftig zu sehen, also sollte man sie auch nutzen.

Ja, schon klar. Aber mich bedeutet das „Boot fahren“. Ich werde mich von jetzt an bis zu der Sekunde, da wir wieder an Land sind, fürchten. Eine alberne Furcht, ich weiß das. Und ich vermute, sie ist auch nur erlernt. Meine Mutter konnte nicht schwimmen und hatte schreckliche Angst vor Schiffen und Booten, das ist bei mir irgendwie hängen geblieben. Gerhard lacht mich aus: „Das ist ein Katamaran und keine Schiffschaukel“. Das Ding fahre sicher und ruhig und ich solle mich doch bitte nicht so anstellen. Damit hat er zweifelsohne Recht, aber mir sind nun mal große Wasseransammlungen unheimlich. Vor allem, wenn ich mittendrin bin.

Wir buchen die Tour für kommenden Donnerstag.

Wir latschen zum Bootshafen Puerto Colón und sehen uns die FREEBIRD ONE an, den Katamaran, der uns zur Wal-Expedition bringen wird. Wobei „Expedition“ ja schon ein gar großes Wort ist für einen Halbtagesausflug. Egal. Hauptsache, die FREEBIRD bringt uns wieder sicher zurück.

Das Unternehmen, das die gesammelten Boote, Kats, Jet-Skis und all das Gerödel da unter sich hat, hat einen Stand am Bootshafen. Ich nehme einen Flyer über die Whale-Watching-Tour mit und lese alles gründlich durch. Angeblich passen 200 Leute auf den Kat, sie nehmen aber nur 100 mit, damit die auch alles was sehen können. Ob es auch ein Klo an Bord gibt? Schreiben tun sie nichts darüber …

Jetzt, nachdem ich Katamaran und Flyer gesehen habe, bin ich doch zuversichtlich, dass ich die „Expedition“ überleben werde. Lacht ihr nur, ihr Seebären und Wasserraten! Ich bin eben ein Landei und werde auch eins bleiben.

Donnerstag, 31.07.2008: Auf Whale-Watching-Fahrt mit der „Freebird One“
So, nun ist es so weit, es gibt kein Entkommen: Ich muss aufs Schiff. Besser gesagt, auf den Katamaran FREEBIRD ONE, denn heute für heute ist die Whale-Watching-Tour angesagt. Der Bus holt uns vor dem Hotel ab und wir fahren zum Puerto Colón, wo die FREEBIRD ONE schon auf uns wartet. Im Gänsemarsch geht es an Bord und an allen Ecken und Enden werden die kleinen Mia-Sophies, Marie-Madeleines und Sven-Olivers von ihren Eltern lautstark ermahnt, nur ja nicht so wild herumzuturnen, damit sie nicht über Bord fallen. Was nicht viel nützt. Sie hampeln und klettern, turnen und hüpfen, was das Zeug hält. Auch wenn man die elterliche Sorge verstehen kann, die Kinder verstehe ich auch: Für die ist das Schiff ungleich interessanter als irgendwelche Meeresbewohner. Sollen sie doch turnen! Ins Wasser geplumpst ist zum Glück keines.

Die deutsche Meeresbiologin Imke greift zum Mikrophon und heißt uns willkommen. Wir fahren nun hinaus aufs Meer und suchen zwischen Teneriffa und La Gomera die Wale. Eine Garantie, dass wir welche sehen werden, kann sie natürlich nicht geben. Aber die Chancen stehen gut. Wir sollten auf schwarze Flossen und den Blas (die Wasserfontäne, die der Wal beim Atmen ausstößt) achten. Und vielleicht haben wir sogar das Glück und sehen Delfine – was vielleicht bei jeder dritten Ausfahrt klappt. Etwa 90 Tiere soll es entlang der Westküste geben.

Im Bereich der Kanarischen Inseln konnten 27 verschiedene Wal- und Delfinarten nachgewiesen werden. Dies sind erstaunlich viele Meeres-Säugetierarten im Vergleich zu anderen Gegenden. Einige Arten durchstreifen die Kanaren auf ihren Weg in andere Regionen, andere sind ortsansässig (Großer Tümmler, Pilotwal).

Delfine (Gemeiner Delfin, Großer Tümmler) sind auf dem Kanarischen Archipel häufig anzutreffen. Ihr Brutgebiet liegt zwischen Teneriffa und La Gomera. In Küstennähe schwimmen sie in kleinen Schwärmen von 10-50 Exemplaren. Auf hoher See können die Gruppen jedoch mehrere hundert Tiere groß sein.

Rund 250 bis 300 Indische Grindwale (= Pilotwale, Kurzflossen-Grindwale) leben dauerhaft in der Meerenge zwischen Teneriffa und La Gomera. Das sind etwa 30 Grindwal-Gruppen – und die wohl weltweit größte Population dieser Meeressäuger. Eigentlich ist es ungewöhnlich, sie hier anzutreffen, denn normalerweise bevorzugen sie kühlere Gewässer und ziehen bei der Nahrungssuche weit übers Meer. Doch im kalten Kanarenstrom fühlen sie sich wohl, das Wasser ist ruhig und es ist reichlich Nahrung vorhanden ist. Sie vertilgen täglich 50 bis 60 kg kleine Fische, doch ihre Lieblingsspeise sind große Kalamare. Um die zu erwischen, müssen sie bis zu 900 m tief tauchen. Sie machen Beute, tauchen damit auf und verzehren sie in Ruhe nahe der Oberfläche. Ein so ein Riesenkalmar bringt ca. 40 kg auf die Waage, der Tagesbedarf eines Grindwals liegt also bei einem bis zwei solcher Beutetiere.

Bis zu 15 Minuten kann ein Grindwal unter Wasser bleiben. Schon eine Leistung, in der Zeit 900 m tief zu tauchen, einen Kalmar zu fangen und wieder aufzutauchen! Bis zu 3 Tauchgänge pro Stunde hat man bei manchen Walen gemessen.

Grindwale tauchen vor allem abends und nachts, was am Lebensrhythmus ihrer Beute liegt. Kalmare jagen nachts und kommen dabei näher an die Oberfläche, der Wal muss also für seine Beute nicht ganz so tief tauchen.

Wer’s genau wissen will: Ordnung der Wale (Cetacea)
* Bartenwale (Mysticeti)

o Glattwale (Balaenidae)
o Zwergglattwale (Neobalaenidae)
o Grauwale (Eschrichtiidae)
o Furchenwale (Balaenopteridae)
* Zahnwale (Odontoceti)
o Pottwale (Physeteridae)
o Schnabelwale (Ziphiidae)
o Gangesdelfine (Platanistidae)
o Flussdelfine (Iniidae)
o Gründelwale (Monodontidae)
o Schweinswale (Phocoenidae)
o Delfine (Delphinidae)

Der Indische Grindwal gehört zur Unterordnung der Zahnwale (Odontoceti), zur Familie der Delfine (Delphinidae), zur Gattung der Grindwale (Globicephala). Seine Art nennt man Kurzflossen-Grindwal und sein wissenschaftlicher Name lautet Globicephala macrorhynchus. An ihrer stark gebogenen Rückenflosse sind sie leicht zu erkennen.

Männchen werden 6 – 8 m lang, bis zu 2,5 Tonnen schwer und rund 40 Jahre alt. Weibchen werden ca. 4 m lang und bis 60 Jahre alt. Das Weibchen erreicht die Geschlechtsreife nach 6 Jahren und ist etwa 15 – 16 Monate trächtig, ehe es ein Jungtier zur Welt bringt. Sie säugen ihre Kälber zwei bis fünf Jahre lang.

Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit der Grindwale beträgt ca. 6 km/h, bei Gefahr können sie jedoch auch bis zu 45 km/h erreichen.

Sie orientieren sich akustisch, durch Echolokation. Das ist ein von den Fledermäusen bekanntes Prinzip, bei dem Schallwellen (im Fall der Wale: Klicklaute) ausgesendet, von der Umgebung reflektiert und wieder empfangen werden. Aus den reflektierten Schallwellen lässt sich dann ein recht präzises Bild der Umwelt machen.

Trotzdem haben sie Augen, die unter und über Wasser scharf sehen können. Die Tiere kommen ja ursprünglich vom Land. Im Lauf der Evolution haben sich ihre Augen dem Sehen im Wasser angepasst.

Wenn sie sich einen Überblick darüber verschaffen wollen, was über der Oberfläche los ist, können sie sich für einen Moment senkrecht stellen und aus dem Wasser schauen. Orcas machen das, Grindwale seltener – aber man kennt es von Delfinen, wo dieses Phänomen für Delfinschauen gerne genutzt wird.

Dadurch, dass die akustische Orientierung für die Wale so wichtig ist, sind sie auch empfindlich in Bezug auf Lärm. Man vermutet, dass der zunehmende Lärm ein Grund dafür ist, dass sich immer mehr Wale verirren und orientierungslos irgendwo stranden. Man versucht daher, beim Whale-Watching die Tiere möglichst wenig zu belästigen, indem man die Maschinen der Schiffe ausschaltet, sobald man in die Nähe einer Walgruppe kommt. Und ihnen auch nicht allzu lange und zu intensiv auf die Flossen rückt.

Nach all der theoretischen Betrachtung der Wale, ist es irgendwann auch praktisch so weit: Die ersten Flossen kamen in Sicht! Ein vielstimmiges „Aaaah!“ und „Oooh“ geht durch die Menge, als die Wale links und rechts vom Katamaran auftauchen. Mal einzeln, mal zu zweit, mal eine Mutter mit Kalb. Es sind halt wirklich Tiere, die man sonst nur im Fernsehen sieht. Insbesondere für Landeier wie uns ein ganz besonderes Erlebnis.

Wohl nicht für alle. Ein Teenie-Girl sitzt auf auf der Aussichtsplattform am Bug. Als die Wale zum Greifen nahe an uns vorbeischwimmen, hat sie praktisch einen Logenplatz. Doch statt auch nur einen Blick an die imposanten Meeressäuger zu verschwenden, tippt sie eifrig SMSse. Ich glaub’, wenn ich das zu meiner Teeniezeit gewesen wäre, mein Vater hätte das Handy ins Meer geschmissen. Nicht, dass ich das als erstrebenswerte Erziehungsmaßnahme ansehe …

Die Passagiere rennen mit ihren Kameras von Backbord nach Steuerbord und wieder zurück, je nachdem, wo sich das interessantere Schauspiel bietet. Mit den Digitalkameras kann man ja heute ohne Rücksicht auf Verluste Fotos machen und das, was nix taugt, kostenneutral löschen. Manch einer wird erst daheim am Computer gesehen haben, was er auf der Fahrt erlebt hat.

Irgendwann kommt auch die Frage auf, die sich mein Vater schon vor Jahrzehnten gestellt hat: Wie schläft eigentlich ein Meeressäuger? Er kann ja nicht gänzlich geistig wegtreten, er muss ja immer noch auf- und abtauchen. Und ein bisschen aufpassen, wo er hinschwimmt. Des Rätsels Lösung, die zu finden wir damals auch lange gebraucht haben: In der Erholungsphase der Wale schläft immer nur eine Gehirnhälfte, die andere bleibt wach. Nach einer Weile wechseln sie sich ab. Das Gehirn erholt sich sozusagen in Wechselschicht.

Woher man das weiß? Man hat es an Delfinen im Delfinarium untersucht und nimmt an, dass es sich bei den Walen genauso verhält.

Gelbschnabel-Sturmtaucher
Die Vögel, die wir hinter dem Hotel nächtens schreien hören, sehen wir beim Whale Watching endlich auch mal: Die Gelbschnabel-Sturmtaucher. Sie dümpeln in einer kleinen Gruppe auf den Wellen und ruhen sich aus. So aus der Ferne hätten wir sie für Möwen gehalten, eine gewisse Ähnlichkeit besteht auch, aber verwandt sind die Gelbschnabel-Sturmtaucher mit den Albatrossen.

Der Gelbschnabel-Sturmtaucher (Calonectis domeda) ist eine Vogelart aus der Ordnung der Röhrennasen. Er wird bis zu 50 cm lang und erreicht eine Spannweite von 115 cm. Sein Gefieder an der Oberseite ist grau-braun, an der Unterseite ist er weiß. Der Schnabel ist schmutzig-gelb mit einem grauen Fleck an der Spitze.

Gelbschnabel-Sturmtaucher sind Zugvögel. Im Frühjahr nisten sie an den Klippen im Mittelmeer und Nordatlantik, ab Oktober ziehen sie zum Überwintern an die Küsten Nordamerikas oder Afrikas. Der Vogel ist hervorragend an küstennahes Leben angepasst. Ernährung, Rast und Paarung finden auf dem offenen Meer statt, wo sich der Vogel auch schwimmend im Wasser erholt. Nur zum Nisten kommen sie im Mai an Land. Sie graben eine bis zu 2 m tiefe Nisthöhle oder legen ihr einziges, weißes Ei direkt auf die Klippen. Das Ei wird von beiden Eltern insgesamt 55 Tag lang bebrütet. Die Jungtiere sind im September flügge und ziehen im Oktober mit ihren Eltern in wärmere Gefilde. Ein Gelbschnabel-Sturmtaucher-Paar bleibt ein Leben lang zusammen.

Wie alle Röhrennasen ernährt sich auch diese Sturmtaucherart von kleinen Fischen, Tintenfischen und sogar Abfall.

Die Sturmtaucher sind hervorragende Flugakrobaten, die direkt über der Meeresoberfläche fliegen. Di Sturmtaucher segeln mit dem Auftrieb und bewegen dabei kaum die Flügel. Vom Wasser aus starten sie, indem sie kurz auf der Wasseroberfläche laufen.

Bei Wikipedia steht: „Die Rufe der Gelbschnabel-Sturmtaucher kann man in den frühen Abendstunden und am Morgen hören. Sie klingen jammernd oder krächzend.“ In der Tat, das tun sie! Die Vögel schaffen sogar beide Varianten gleichzeitig.

Gegen 11:30 Uhr wird eine Mittags- und Badepause gemacht. Ein Buffett mit Chickenwings, Brötchen und Salat wird aufgebaut, Getränke gibt’s an der Bar. Und wer möchte, kann am Heck des Katamarans ins Wasser gehen und schwimmen. Nur allzu weit von der FREEBIRD ONE entfernen sollte er sich nicht, nicht unter dem Schiff durchtauchen und auch nicht seitlich davon herumschwimmen.

Ich hab zwar auch meine Badesachen dabei, aber das ist mir denn doch zu viel Gedöns. Überall liegen Schuhe, Taschen, Badtücher und Kleiderhaufen. Die Kinder drängeln Richtung Heck. Nein, ich mag kein Gewusel. Ich schau den Leuten beim Schwimmen zu, betrachte die steilen Felsen am Ufer, und sehe nach einer Weile einen Mann mit Hund dort herumsteigen. Da ist doch weit und breit nichts? Was haben die nur vor? Als ich die Felsen näher in Augenschein nehme, sehe ich weiter oben Höhlen. Tücher und Sonnensegel sind davor gespannt, Gerümpel lagert davor, Treppen sind in den Fels gehauen. Kein Zweifel: Die Höhlen sind bewohnt! Nein, für so ein unkomfortables Aussteigerleben wäre ich nicht geeignet. Oder, sagen wir so: ich würde mich nicht drum reißen.

Während ich mir vorzustellen versuche, was es für einen zivilisationsverwöhnten Menschen bedeutet, auf einmal ohne Strom und Wasser irgendwo am Ende der Welt zu hausen, geht die Badepause zu Ende und die FREEBIRD ONE bewegt sich wieder in Richtung Puerto Colón.

Autor: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

http:// edithnebel.wordpress.com

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