Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Stammt der Affe vom Menschen ab? by edithtg
1, 10 Oktober, 2010, 3:40
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Ein Äffchen sitzt im Zoogehege,
betrachtet den Besucherstau.
Im Hinterkopf die Ahnenpflege,
studiert es Mann und Frau genau.

Es sollte nach Herrn Orang ja,
man Menschenvolk als Vorfahr haben.
Kaum glaubhaft, weil den Leuten da,
fehlt’s offenbar an Affengaben.

Sie lärmen, kichern, grimassieren,
die Kiefer klappen schnatterhaft.
Auch wenn sie nett ihr Haar frisieren,
die Reihe der Entwicklung klafft.

Im Stammbaum fehlt ein Zwischenglied
um Menschenwurzeln zu beweisen.
So herrschen Zweifel, wie man sieht,
in Orang- wie in Utankreisen.

Foto: © Dirk25 (Dirk Röttgen)/ http://www.pixelio.de

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Armes Schwein by edithtg
1, 29 September, 2010, 7:17
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Es knickt das vierte Bein der Spinne,
links hinten nämlich, sichtbar ein.
Beim Laufen hält sie tacktlich inne,
der Schmerz muss unerträglich sein.
Man denkt sich, echt ein armes Schwein.

Den Tag darauf quert deine Schritte,
ein Schwein mit müdem Hinterlauf.
Man merkt sofort, das ist nicht Sitte,
es tritt das Tier mit Schmerzen auf,
doch nimmt man’s ohne “arm” in Kauf.

Warum, so fragt die Sau des Bauern,
kein Mitgefühl aus Menschenmund?
Der Spinne schenkt man Tiefbedauern,
wünscht wortreich sie erholt, gesund.
Ich bin ein wahrlich armer Hund.

Foto: © Fragenus (Jerzy Sawluk) / http://www.pixelio.de

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Alpine Spätblüher by edithtg
1, 28 September, 2010, 7:15
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Es schneit schon Blätter, Fröste kichern,
das Tageslicht spürt Urlaubsdrang.
Die Gämsen wollen sich versichern
und schauen talwärts, futterbang.

Ins Heu gehn fette Murmeltiere,
der Bergfink findet sich im Schwarm.
Ein Senner greift sich an die Niere,
er hält sich mit Gebranntem warm.

Dies alles stört die Blütenkelche
in ihrem Techtelmechtel kaum.
Sie locken späte Bienen, welche
die Mittler sind im Blumentraum.

Foto: © Minimax (Erich Keppler) / http://www.pixelio.de

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Das Rampenpferd by edithtg
1, 21 September, 2010, 7:25
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Die Sonne greift zur Nachttischlampe
und geht im Westen rotgelb unter.
Ein Pferd steht träumend an der Rampe,
es wirkt so ganz und gar nicht munter.

Warum, so fragt sich der Betrachter,
träumt rampenlehnend nicht ein Bauer?
Es wäre auch noch angebrachter
fürs Schaf als Horizontbeschauer.

Doch nein, ein Pferd steht an der Rampe,
verträumt und ganz und gar nicht munter.
Die Sonne löscht die Nachttischlampe,
und geht im Westen rotgelb unter.

Foto: © Paulwip / http://www.pixelio.de

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Vom Ende zum Anfang by edithtg
1, 10 September, 2010, 1:51
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Des Waldbaums Tage, lang gezählt,
bringt Sturmgewalt zu jähem Ende.
Nun liegt der Stamm, der Erd’ vermählt,
bereit zu lebensfroher Wende.

Die Borke bricht, der Moder frisst,
doch Pilzgeflecht treibt ersten Wucher.
Ein Samenkorn, man glaubt an List,
schickt Wurzelgarn als Humussucher.

Bald keimen Blätter fremder Art,
sie strecken sich dem Licht entgegen.
Zu Staub zerfällt ein Flechtenbart,
wird Erdenteil im Sommerregen.

Insekten wühlen durch den Bast,
er soll der Brut ein Obdach bieten.
Der Tausendfuß in steter Hast
sucht Ritzen um sich einzumieten.

Die graue Assel fühlt sich wohl
im feuchten Schutz der losen Rinde.
Ein Astloch, Nest versprechend hohl,
birgt geisterhaftes Waldgesinde.

Das Totholz, leblos nur zum Schein,
wird Eden, Platz für ganze Welten.
Es fügt sich in die Kreise ein,
die immer währen, ewig gelten.

Foto: © riessado (Adolf Riess) / http://www.pixelio.de

Autor: Ingo Baumgartner
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Es herbstelt by edithtg
1, 2 September, 2010, 7:07
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Gilbende Blätter auf birkweißen Ästen,
Ahorn und Linde in wechselndem Grün
malen ein Schönbild zu Sommerend-Festen,
Wicken erheben die Kelche zum Blühn.

Kreiselspiel treiben der Flugsamen Flügel,
Krähen stolzieren im schillernden Kleid,
messen die Schritte durch Mulden zum Hügel.
Mücken vertanzen die fruchtschwere Zeit.

Huschende Hörnchen auf Suche nach Nüssen
prüfen geschäftig die reifende Frucht.
Schillernde Falter, die Spätblüher küssen,
nützen die Zeit vor des Restsommers Flucht.

Licht schräger Strahlen wärmt taufeuchte Bänke,
lädt mit Geflirr zu beschaulicher Rast.
Ameisen eilen zur schwindenden Tränke,
bald ist der Blattläuse Süßsaft verprasst.

Sommer und Sonne verschwenden zum Ende
all ihre Kräfte und bäumen sich auf.
Bald schon gebietet der Nebel die Wende,
folgend dem Jahrkreis im stetigen Lauf.

Text und Foto: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Die Angst des Rehbocks by edithtg
1, 27 August, 2010, 7:06
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Fettes Kraut in Würze lockt zum Rande
des Tanns, der Bock stellt sich den Blicken frei.
Hoch verweilen Lichter, knüpfen Bande
mit allem, was dem Tier bedrohlich sei.

Ruhe gönnt das Mahl auf grüner Wiese nicht,
in Unrast hebt das Haupt der Stirne Spitzen.
Furcht, dass Raubzeug aus dem dunklen Dickicht bricht
lässt fluchtbereit den weißen Spiegel blitzen.

Halb nur prangt das Bild in Friedensfarben.
Es zeigt sehr wohl die Mühn des Lebens auf.
Die zu scheuen bräche alle Narben,
so nimmt der Bock sie mit Gewinn in Kauf.

Text und Foto: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Russischer Bär by edithtg
1, 24 August, 2010, 7:45
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Bin ich Bär von Russenblut,
trink nix Wodka, nitschewo.
Sprech po-russki auch nix gut,
Njet, doch frehlich bin ich so.

Chabe Fliegel, wunderschen,
Nektar – sa sdarovje sing.
Blume, chiebsche, will ich sehn,
Dobry den, ich Schmetterling.

Foto: © mcduck (Daniel Bleyenberg) / http://www.pixelio.de

Autor: Ingo Baumgartner
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Die umlautgedämpfte Gämse by edithtg
1, 19 August, 2010, 5:02
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Die Gemse, einstmals hellvokalisch,
war froher als es ahnen lässt.
Sie hetzte, setzte theatralisch
von Fels zu Fels, dem e ein Fest.

Nach Germanisten-Willkür sollte
das Tier mit ä geschrieben sein.
Ein Schräcken für die Gäms, sie tollte
von nun an über Fälsgestein.

Ein Orthograph aus Wannemünde
verlangte gar ein ü allhier.
Der Duden sah den Tipp als Sünde,
sonst wär ein Gümsbart Männerzier.

Foto: © Joujou / http://www.pixelio.de

Autor: Ingo Baumgartner
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Wie Gott sich verschätzte by edithtg
1, 16 August, 2010, 5:02
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Der Herrgott schuf zuerst zur Probe
nur Pflanzenfresser, carniphobe.
Es ging nicht gut, wir wissen das,
ein Tiger spielt nicht Caritas.

Der Löwe lag im Paradiese
zum Sonnenbad auf grüner Wiese.
Er träumt’ von Zebra, Gnu und Has
und äste gleichfalls frisches Gras.

Da griff Frau Eva, Satan lachte,
zum Apfel, was Vertreibung brachte.
Jetzt handelt jeder mit Bedacht,
der Bögen um ein Raubtier macht.

Foto: © england_is_great / http://www.pixelio.de

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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