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Ein Ritt mit Folgen
1, 7 Januar, 2008, 6:22
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Mit zittrigen Händen ritt Fina auf ihrem Schimmel Dancer auf den großen Turnierreitplatz des Reiterhofes Falkenau ein. Dancer tänzelte nervös. Sanft tätschelte Fina seinen Hals, bevor sie die Richter grüßte. Die Richter waren Finas Zwillingsschwester Lina und die Katzen Mia und Mounty. Es war eine Übung für das echte Turnier. Dann brachte sie Dancer zuerst in den Trab und dann in den Kanter. Sie ritt einige Zirkel und ritt dann auf die Hindernisreihe zu. Genau im richtigen Moment gab Fina das Zeichen zum Absprung. Es war perfekt. Dancer flog über das Hindernis und hatte schon wieder das nächste im Visier. Auch hier fanden die beiden den richtigen Absprung. Auch die nächsten zwei Hindernisse waren kein Problem. Als sie jedoch auf die Mauer zukamen, sprang Dancer etwas zu früh ab. Die beiden krachten in das Hindernis hinein. Und Pferd und Reiter lagen am Boden.

Finas Zwillingsschwester Lina sprang auf. Dancer versuchte aufzustehen, Fina glitt von seinem Rücken. Der schöne Schimmel drehte mühsam seinen Kopf und berührte Fina sanft am Arm.

Fina kam ins Krankenhaus und erholte sich schnell, auch Dancer war bald wieder fit. Die beiden haben eine erfolgreiche Turnierlaufzeit hinter sich.

Autor: Laura Silber
pcd_forever95@yahoo.de

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Karina, meine große Liebe
1, 23 November, 2007, 1:56
Gespeichert unter: Pferde

Ich war man gerade zehn Monate jung, konnte auch schon „Mama“ und „Papa“ sagen, und da ich ein echter Bauernhofbub bin, zogen mich Pferde schon immer magisch an. Doch leider hatten meine Eltern nur Fahrpferde, viel zu groß für mich.

Sie meinten es sehr gut mit mir, so dass ich mit zehn Monaten ein eigenes Pony erhielt. Doch es gab da so Probleme, denn ich war viel zu faul zum Laufen. Also setzten mich meine Eltern auf mein Pony und wie von Geisterhand geführt, ich fiel nicht runter. Machte sogar meinen damaligen Mittagsschlaf im Stall bzw. mit auf der extra hergerichten Weide. Lernte sogar den Namen Karina zu sprechen, und das mit dem Laufen klappte auch gut.

Nun war ich aber etwas stamm gebaut, kam nie alleine auf meine Karina, also stellte ich mein Pony in einen leeren Weggraben und kletterte hinauf oder stellte sie an einen großen Quader Stroh.

Da wir ja auch noch andere Tiere auf der Weide hatten, machte mein Papa immer die Wassereimer voll, doch zu seinem Leidwesen waren diese immer leer. Jeden Abend sagte er: „… ich weiß auch nicht, immer sind die Eimer leer und schön zusammen gestellt!“. Dabei wusste er genau, dass ich dies war, denn ich musste ja auf mein Pony kommen.

Mit meiner großen Pferdeliebe durfte ich viele wunderschöne Jahre verbringen. Sogar die Jahrhundertflut meisterten wir gemeinsam. Meiner Karina konnte ich alles erzählen, sie gab mir ein Gefühl der Geborgenheit. Doch im Oktober 2002 musste ich für immer Abschied nehmen, denn meine Karina ist mit 34 Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen. In meinem Herzen ist sie immer bei mir und kein anderes Pferd kann sie je ersetzen, denn sie ist immer noch meine große Liebe und es fällt mir noch heut schwer, darüber zu sprechen.

Euer Martin

Autor: Martin
magan1@online.de

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Sarahs Traumpferd
1, 12 November, 2006, 5:58
Gespeichert unter: Pferde

Der schrille Klingelton der das Ende der letzten Schulstunde ankündigte, war noch nicht vollständig verklungen, da war Sarah Michaelis schon an der Tür. Ihre Schultasche hing nur halb über einer Schulter, im Laufen rückte sie sie zurecht, sprintete den Flur entlang, die Treppen hinunter und über den Schulhof. Herrliche frische Luft wehte ihr entgegen, eine Wohltat nach sechs Stunden Klassenzimmermief. Das Vogelgezwitscher in den Bäumen mischte sich mit dem üblichen Lärm der Schüler, doch Sarah achtete weder auf das eine noch das andere. In Gedanken war sie schon zwanzig Minuten und drei Kilometer weiter – das war die Entfernung bis zu Lorna, der braunen Stute, die nun gerade dabei war, das Gras auf der kleinen Koppel abzurupfen.
Ungeduldig von einem Fuß auf den anderen tretend, wartete Sarah an der Bushaltestelle. Auch beim Einsteigen in den Bus war sie stets die erste und der Busfahrer lächelte ihr jedesmal amüsiert zu.
Heute war der Bus fast leer, die meisten Schüler nutzten das schöne Wetter zu einem Besuch in der Eisdiele. Sarah konnte sich den Platz also aussuchen, doch sie blieb vorne direkt am Ausstieg sitzen.
Der Fahrer grinste ihr zu und warf einen kurzen Blick durch den Bus und aus dem Fenster. Lediglich in der letzten reihe saßen drei ältere Mädchen, die Kopfhörer ihrer Walkman in den Ohren und gelangweilt in Modezeitschriften blätternd. „Keiner weiter da, nun, dann wird das ja heute fast eine Privatfahrt für dich, Sarah.“
Sie erwiderte sein Grinsen. „Dann fahr doch endlich los.“
Er lachte leise. „Fünf Minuten muß ich stehen bleiben an dieser Haltestelle, ist so Vorschrift, kann ich auch nicht ändern.“
Sarah wendete den Kopf. „Kommt doch sowieso keiner mehr.“
Bedauernd hob er die Hände. „Tut mir leid, du willst doch nicht, daß ich meinen Job verliere oder. Und es kommt doch nicht auf die paar Minuten an.“
„Ich bin jede Minute bei Lorna, die ich erübrigen kann.“ In Sarahs braune Augen trat ein warmer Glanz. „Sogar abends, nach dem Essen, Mami erlaubt mir nun, bis 19 Uhr draußen zu bleiben.“
„Das ist ganz schön lang für eine Zehnjährige.“
„Ich bin elf, fast zwölf“, sagte Sarah entrüstet.
„Entschuldige. Wann ist denn dein 12. Geburtstag?“
Sie schaute zu Boden. „Nächsten April.“
Er lachte erneut, sie hatten Ende Mai. Aber dann dachte er an seine eigenen Kinder, seine Tochter Evelina war in Sarahs Alter und hatte ebenfalls eine Woche nach ihrem elften Geburtstag von fast zwölf geredet. Und genau wie Sarah redete auch Evelina am liebsten nur von Pferden. „Das ist ja doch noch etwas hin. Aber ich bin sicher, du weißt schon ganz genau, was du dir wünschst, stimmt´s?“
Eifrig nickte Sarah. „Dasselbe wie jedes Jahr zum Geburtstag und zu Weihnachten; ein Pferd. Aber das kann Mami sich nicht leisten.“
„Meine Tochter wünscht sich auch ein Pferd und du kannst deiner Mutter ausrichten, daß das Gehalt eines Busfahrers dafür ebenfalls nicht ausreicht.“ Er startete den Motor und fuhr an.
Sarah schwieg für einen kurzen Moment. „Nun ja, ganz so schlimm ist es nicht,, daß mein Wunsch noch nicht in Erfüllung gegangen ist. Ich habe ja schließlich Lorna. Sie gehört zwar nicht mir, sondern unserem Vermieter, aber Lorna ist ein ganz besonderes Pferd. Sie hat schon ganz viele Turniere gewonnen, im Springen. Und sie ist wunderschön.“
Für den Rest der Fahrt schwärmte Sarah in den schönsten Farben von Lorna, beschrieb eindringlich, wie sie Kopf an Kopf bei einem Hindernisrennen auf den letzten Metern doch noch an dem führenden Pferd vorbeizog, wie sie einen halsbrecherischen Parcour in Rekordzeit meisterte und Höhen übersprang, wie noch kein Pferd vor ihr.
Schmunzelnd hörte ihr der Fahrer zu und erinnerte Sarah an der richtigen Haltestelle daran, auszusteigen. Das mußte er oft, denn meist war Sarah so in ihre Erzählungen vertieft, daß sie alles um sich herum vergaß.
Sie rief ihm einen kurzen Gruß zu und stob davon. Noch mit der Schultasche auf dem Rücken stürmte sie auf die Weide, holte den Zucker hervor, den sie immer in der Tasche hatte und strich der alten Stute zärtlich über das ergraute Maul.
Lorna schnaubte leise und in ihre müden Augen trat ein wacher Funken. Sarah schmiegte sich an sie. „Gleich komm ich und striegel dich ganz lange. Aber erst muß ich kurz hoch, mit Mami essen.“
Ihre Mutter erwartete sie schon und der leicht vorwurfsvolle Blick zeigte ihr, daß sie doch länger bei dem Pferd gewesen war, als gedacht. „Ich habe die Nudeln warm gestellt.“
„Danke Mami, ich habe riesigen Hunger.“ Sarah setzte sich an den Tisch, gab auf das Nachfragen ihrer Mutter eine knappe Erklärung zu den Abläufen in der Schule und kam übergangslos auf ihr Lieblingsthema zu sprechen; Lorna.
Ihre Mutter hörte schweigend zu, sie wußte aus Erfahrung, daß Sarah sowieso weiter plapperte, egal, wie sie reagiert hätte. Und eigentlich war sie ganz froh, daß ihre Tochter so darin aufging. Es war schwer für Sarah gewesen, als sie letztes Jahr in diese kleine, enge Wohnung in der herunter gekommenen Gegend gezogen waren, doch etwas anderes konnte Samantha Michaelis sich von ihrem wenigen Geld, daß sie als Friseuse verdiente, nicht leisten. Aber sie hatten aus dem schmucken kleinen Haus nach dem Tod von Sarahs Vater ausziehen müssen, nachdem Samantha erschrocken fest gestellt hatte, daß ein Großteil seiner Versicherungen abgelaufen war. Obwohl er selbst nicht Schuld an dem Autounfall gewesen war, der ihn das Leben gekostet hatte, zahlte die Versicherung nicht, sie hatten alles verloren und noch Schulden, zwar beschäftigten sich die Gerichte noch damit, doch ihr Anwalt hatte Samantha wenig Hoffnung gemacht, solche Fälle konnten sich über Jahre hinziehen.
Sarah war es egal, daß sie nun kein eigenes Zimmer mehr hatte, sie war ohnehin nur wenn es sein mußte in der Wohnung. Auch jetzt hatte sie den letzten Bissen gerade runter geschluckt, da sprang sie schon auf und eilte, noch rasch einen Apfel aus der Obstschalle greifend und ihrer Mutter einen Gruß zurufend, nach unten.
Den Nachmittag verbrachte Sarah damit, Lorna zu striegeln, ihre dünne lange Mähne zu bürsten und sich neue Geschichten über die Erfolge der Stute auszudenken. Stundenlang konnte sie mit Lorna so reden. Sie wußte nicht, daß ihre Mutter sie oft dabei beobachtet hatte und im Stillen – und mit leichter Bewunderung – den Kopf schüttelte über die Phantasie des Mädchens.
Samantha stellte fest, daß sie noch einkaufen gehen mußte und ging hinunter, um Sarah bescheid zu sagen. Sie hörte sie schon von weitem, Sarah imitierte gerade den Stadionsprecher eines Springturniers und pries Lornas Abstammung.
„Hallo, Samatha.“ Egon hob grüßend die Hand an die Schläfe. Er war ein kleines, grauhaariges Männlein und ihr Vermieter, außerdem gehörte ihm Lorna.
„Hallo. Ich muß noch in den Supermarkt, brauchst du auch was?“
Er überlegte kurz. „Ein Pfund Kaffee kannst du mir mitbringen, bitte. Und ein paar Möhren, Sarah und Lorna haben sie gestern alle gefuttert.“
„Brauchten wohl Kraft für das Turnier“, sagte Samantha und deutete mit einer Kopfbewegung zur Koppel. Sarah hatte ihre Arme gerade um Lornas Hals geschlungen und kommentierte die letzten Sprünge im Stechen. „Woher das Mädchen nur immer diese Ideen hat …“
„Das weiß ich auch nicht.“
„War Lorna eigentlich mal ein Springpferd? Ich meine, ich kann es mir irgendwie nicht recht vorstellen, aber ich gebe zu, daß ich mich mit Pferden nicht auskenne.“ Das stimmte, für Samantha sah ein Pferd aus wie das andere, nur das die alte Stute wenig Ähnlichkeit mit den Pferden hatte, die an den Springturnieren teilnahmen, die im Fernsehen übertragen wurden, sah sie schon.
„Vielleicht.“ Er zuckte leicht mit den schultern. „Jetzt ist Lorna alt und sie war es schon, als ich sie vor sieben Jahren kaufte. Ich weiß nichts über ihre Vergangenheit, mir gefielen nur ihre Augen und ich hab mir eigentlich schon immer ein Pferd gewünscht, schon als kleiner Jungem, bloß konnte ich es mir nie leisten. Dann war da dieser Pferdemarkt und niemand wollte Lorna und sie war nicht teuer.“
„Ja, ja. Sarah Michaelis gewinnt auf Lorna das Deutsche Derby mit einer neuen Rekordzeit. Die Ausnahmestute hat wieder einmal gezeigt, was in ihr steckt“, jubelte Sarah und klopfte Lornas Hals. Die Stute wieherte leise und spitzte die Ohren.
Sarah drehte sich um und bemerkte nun erst die beiden Personen am Zaun. „Oh, hallo, steht ihr schon lange da?“
„Gewinn du nur das nächste Rennen, mein Schatz“, sagte Samantha liebevoll. „Ich wollt eben in den Supermarkt rüber. Irgendwelche Wünsche?“
„Möhren“, antwortete Sarah sofort und schaute leicht irritiert, da ihre Mutter und Egon lachten.
Der alte Mann trat zu ihr und klopfte Lornas Hals. „Hast wohl wieder phänomenale Leistungen gebracht, was altes Mädchen?“
„Lorna ist das beste Pferd der Welt.“ Sarah sprach ganz ernsthaft.
„Ja, das ist sie wirklich.“ Samantha trat ebenfalls zu ihnen und streichelte das samtweiche Maul. Für ihre Tochter gab es keine bessere Freundin und Spielgefährtin. Da Sarah gerade mit Egon in ein Gespräch über Turniererfolge vertieft war, beugte sie sich an die Ohren der Stute. „Ich danke dir. Du hast meiner Tochter das Lachen und die Fröhlichkeit zurück gegeben. Auch wenn ich nicht weiß, ob du wirklich das Pferd warst, von dem Sarah immer erzählt.“
Lorna knabberte an ihrer Seite und schnaubte.
Samantha sah ihr in die Augen, die immer noch wach und glänzend waren, obwohl das Fell darum deutliche Alterserscheinungen zeigte. Da war ein Funkeln drin, wie sie es auch bei den edlen Springpferden im Fernsehen gesehen hatte. Sollte Sarah etwa doch recht haben? Und fast schien es Samantha, als würde die alte Stute ihr zuzwinkern …

Autor: Maren Frank
mara.frank@gmx.de     
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Der erste Ausritt
1, 12 November, 2006, 5:57
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Mit jedem Schritt, den Tina Gerber näher an den Stall heran kam, schien ihr Herzschlag sich zu beschleunigen. Wenn sie es recht bedachte, hatte sie schon heute morgen beim Aufstehen Herzklopfen gehabt. Dabei war es erst kurz nach sechs gewesen und bis zur Reitstunde am Nachmittag lag noch ein voller Schultag vor ihr. Doch der war nun geschafft und sie hatte sogar einen Bus früher als sonst genommen.
„Du hast ganz rote Wangen“, bemerkte Judith, die neben ihr ging. Da Judith und sie in der gleichen Straße wohnten und nicht nur in die selbe Klasse gingen sondern auch die Liebe zu den Pferden teilten, war es ganz selbstverständlich, dass sie sich angefreundet hatten, als Tina mit ihren Eltern letztes Jahr herzgezogen war.
„Das macht nur der kalte Wind“, verteidigte Tina sich.
Judith grinste über ihr ganzes sommersprossiges Gesicht. „Es weht nicht das kleinste Lüftchen und kalt ist es auch nicht.“
Darüber war Tina sehr froh, denn sie wusste ganz genau, dass bei strömendem Regen oder starkem Sturm der Ausritt buchstäblich ins Wasser gefallen wäre. Das heißt, natürlich wäre er nur verschoben worden, doch die Vorstellung noch tagelang darauf zu warten zum ersten mal ins Gelände zu gehen, war so schrecklich, dass Tina diese Gedanken ganz schnell verdrängte. „Okay, okay, dann ist es eben die Aufregung, zufrieden?“
Freundschaftlich knuffte Judith sie in die Seite. „He, ist doch normal, was glaubst du, wie aufgeregt ich vor meinem ersten Geländeritt war. Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan.“
„Das glaube ich dir nie.“ Tina wusste von gemeinsamen Nächten, was für ein Murmeltier die Freundin sein konnte. Selbst wenn sie sich in den Ferien morgens treffen wollten, bedurfte es viel Überredungskunst ihrerseits Judith davon zu überzeugen vor dem Mittagessen auf zu stehen.
„Naja, jedenfalls fast nicht“, gab sie zu. „Aber ich war mindestens so aufgeregt wie du jetzt. Und du darfst nicht vergessen, ich war viel jünger, erst zehn.“
Jetzt waren sie beide 13 und hielten Zehnjährige für sehr kindisch. Laut hätte Tina das aber am Stall nie gesagt, denn viele der jüngeren ritten weitaus besser als sie. Aber Tina hatte ja auch erst seit knapp einem Jahr Reitunterricht, zwei Stunden die Woche, was nicht viel war, aber für mehr reichte ihr Taschengeld nicht. Doch auch ohne eine Reitstunde zu haben waren sie und Judith fast täglich im Stall, halfen beim Striegeln und Ausmisten und sahen den anderen zu, wie sie auf dem Platz oder der Reithalle ihre Runden drehten. Denn das man auch beim Zusehen viel lernte, hatte Tina schnell gemerkt.
Schon von weitem hörten sie die Stimme, Gequietsche und ab und zu kleine Streitereien. Das war normal und die Pferde allesamt nervenstark genug, sich von den Geräuschen der Mädchen nicht beeindrucken zu lassen.
Auf dem Hof vor den Boxen herrschte reger Betrieb. Sieben Pferde zählte Tina und an jedem puzzelten mindestens zwei Mädchen herum. Die älteren und zwei Reitlehrer sorgten mit geschultem Blick dafür, dass die Hufe korrekt ausgekratzt wurden und die Satteldecken faltenfrei lagen.
„Alles klar?“ begrüßte Reitlehrerin Marlies die beiden Freundinnen.
Tina nickte eifrig und hoffte, dass inzwischen die Röte von ihren Wangen verschwunden war. Doch mit einem Blick über die Köpfe der anderen sah sie, dass sie nicht die einzige war, die aufgeregt dem Ausritt entgegen fieberte. Sie war nicht die einzige, für die das der erste Ausritt werden würde.
Paul, Marlies Kollege, trat neben sie. „Tina, du kannst Ricky ruhig schon aufsatteln, geputzt ist er bereits.“
Tina ging zusammen mit Judith zu dem hübschen Dunkelbraunen, dessen Fell Bianca auf Hochglanz gebracht hatte. Gerade klopfte sie den Striegel aus und packte ihn zusammen mit der Kardätsche in den Putzkasten. Die Augen des blonden Mädchen glänzten ebenfalls, allerdings nicht vor Freude. „Als ich letzten Monat mit Ricky ausgeritten bin, ist er an der Weggabelung durchgegangen. Und beim Galopp im Gelände hat er die Angewohnheit ab und zu mal den Kopf runter zu reißen und ein wenig zu buckeln. Wollte nur, dass du das weißt.“
Tina zuckte merklich zusammen, doch Judith funkelte die andere wütend an. „Verzieh dich, Bianca.“
Sie zuckte mit den schultern und schlenderte davon, nicht ohne Tina vorher noch ein überlegendes Grinsen zugeworfen zu haben.
„Hör bloß nicht auf diese dumme Kuh, wenn die den Mund aufmacht, kommt nur Müll heraus.“ Judith legte die Satteldecke auf Rickys Rücken. Zutraulich zupfte der Wallach an ihrer Jacke.
Tina allerdings kam er plötzlich reichlich groß und kräftig vor. Dabei war Ricky von leichtem Knochenbau und viele der anderen Pferde hatten ein höheres Stockmaß. Bei ihrer ersten Reitstunde auf ihm war er ihr auch ziemlich groß vorgekommen, doch im Laufe des letzten Jahres war sie selbst ordentlich gewachsen, so dass sie ihm jetzt fast schon ohne auf den Zehenspitzen zu stehen über den Rücken gucken konnte. Ricky war ihr Lieblingspferd und sie freute sich auf jede Stunde mit ihm. Dennoch, nun musste sie daran denken, wie er in der vorletzten Stunde gescheut hatte, als plötzlich ein Vogel dicht vor ihm über den Platz geflogen war. So richtig scheuen war es allerdings nicht gewesen, sie hatten gerade das Leichtraben geübt und Ricky hatte einen ganz kleinen Hüpfer zur Seite gemacht. Tina hatte sich zwar erschrocken, doch sie war nicht runter gefallen. „Was ist, wenn er mir durchgeht?“ fragte sie leise, während sie spürte, wie sich ihre Kehle zusammen schnürte.
„Quatsch, Ricky doch nicht. Der geht nicht durch.“
„Und was war letztens mit dem Vogel?“ erinnerte Tina. Judith war dabei gewesen, sie hatte wie einige der anderen Mädchen auch vom Zaun aus zugeguckt.
„Das war überhaupt kein Durchgehen“, wiedersprach Judith. „Wenn ein Pferd durchgeht, dann galoppiert es mit vorgestrecktem Kopf und reagiert auf keine einzige Hilfe mehr.“
Tina fühlte, wie ihre Knie weich wurden. „Im Wald sind so viele Vögel.“
„Aber das kennt Ricky, er hatte doch letztens nur gescheut, weil der Vogel genau vor seine Beine geflogen war.“
„Und wenn das jetzt wieder passiert?“ Tina hielt die Hände ihrer Freundin fest, die den Sattel auflegte. „Ich reite nicht mit.“
„Sag mal spinnst du?“ Judith schob ihre Hände beiseite und fuhr fort zu satteln. „Du freust dich seit tagen auf den Ausritt und wegen einer dummen Bemerkung von Bianca willst du plötzlich nicht mehr? Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein.“
„Ist es aber“, flüsterte Tina. Sie fand es ja selbst doof, doch ihre Angst war einfach stärker. Wenn es nur auf den Platz oder in die Halle gegangen wäre, das wäre was anderes gewesen. Doch im Wald… Ihre Phantasie spielte einen Horrorfilm vor ihrem inneren Auge ab, in dem ein wild dahin galoppierender und buckelnder Ricky die Hauptrolle spielte und sie selbst hilflos auf seinem Rücken und schließlich stürzend, während der Wallach weiter galoppierte.
„He, was ist denn bei euch los.“ Marlies war zu ihnen getreten. „Beeilt euch mal ein bisschen, die anderen sind alle schon beim Auftrensen.“
„Ich reite nicht mit!“ platzte Tina heraus.
„Was?“ Marlies guckte sie mit großen fragenden Augen an. Das konnte doch nur ein Scherz sein, wenngleich das nicht Tinas Art war und ihre Stimme nicht danach geklungen hatte.
Tina nickte ernst. „Ich glaube, ich bin noch nicht so weit. Es ist sicher besser, wenn ich noch einige Stunden in der Bahn nehme.“
„Eigentlich hatte ich den Eindruck, dass deine Reitkünste für einen Ausritt in der Gruppe ausreichend sind. Und im Galopp hattest du bisher nie Probleme und wir reiten ja auch nicht wild durch die Gegend“, sagte Marlies. „Oder liegt es an Ricky? Soll ich Nadine oder Steffi fragen, ob sie mit dir tauschen?“
Tinas Blick glitt zu den betreffenden Mädchen. Die elfjährige Nadine hatte Perry gesattelt, einen Rappschecken unbestimmter Rasse, der oftmals den Eindruck erweckte, im gehen ein zu schlafen. Steffi war dabei Coras lange Mähne zu entwirren. Die hübsche Falbstute war trotz ihrer zickigen Art beim Putzen sehr beliebt. Gegen Ricky wäre besonders Nadine sicher bereit zu tauschen. „Nein, es ist nicht wegen Ricky.“
Bianca näherte sich ihnen und Judith war überzeugt, dass das Mädchen ihr Gespräch belauscht hatte. Auf ihrem Gesicht zeigte sich ein selbstbewusster Ausdruck. „Dann reite ich eben Ricky, gesattelt ist er ja schon und ich habe für heute sowieso eine Stunde gebucht.“
Bianca ritt seit über zwei Jahren und war schon oft im Gelände gewesen, doch Marlies schüttelte den Kopf. Sie kannte Bianca, wusste von der Feindschaft zwischen ihr und Tina und zählte nun zwei und zwei zusammen. „Das wird nicht nötig sein, Tina reitet mit. Ich werde sie an den Führzügel nehmen.“
„Führzügel, bist du dafür nicht schon ein bisschen zu alt“, spottete Bianca.
Tina ballte die in ihren Jackentaschen vergrabenen Hände zu Fäusten. Sie hätte Bianca liebend gern das freche Maul gestopft und erfreute sich an der Vorstellung, sie in den Misthaufen zu schubsen. Den Mut hätte sie zwar nie dazu, aber allein das Bild einer Bianca inmitten von nassem Stroh und Pferdeäpfeln tat gut.
„Das ist meine Entscheidung, bitte misch dich da nicht ein.“ Marlies Stimme klang ruhig, doch in ihr schwang ein Unterton mit, der einer Warnung gleich kam. Fein zwar, aber deutlich genug, dass Bianca verstand. So groß ihre Klappe bei den Mädchen auch war, vor der Reitlehrerin wagte sie es nicht etwas zu sagen.
Doch in ihren Augen stand nach wie vor ein triumphierender Gesichtsausdruck. Tina wusste, dass der auch noch da stehen würde, wenn Bianca nicht mitreiten durfte. Das Tina einen Rückzieher machte, würde sie ihr dann tagelang vorhalten. „Ich reite mit, ohne Führzügel“, sagte Tina und hoffte, dass ihre Stimme fest klang. Entschlossen streifte sie Ricky die Zügel über den Kopf.
Marlies lächelte sie an, dann richtete sich ihr Blick auf Bianca. „Die Tränke auf der hinteren Weide müsste gesäubert werden. Da bis zu deiner Stunde ja noch Zeit ist, wäre das eine gute Beschäftigung für dich, Bianca.“
Bianca riß den Mund auf, schluckte ihren Protest aber rasch hinunter. Die Arbeit gehörte zum Umgang mit den Pferden dazu, das war eines der obersten Gebote. Jedes der Mädchen half, egal ob es nun ums Ausmisten, fegen der Stallgasse oder eben ums Saubermachen der Tränken ging. Doch sobald Marlies außer Hörweite war, beugte sie sich rasch zu Tina hinüber. „Denk dran, er reißt den Kopf im Galopp runter.“
„Bianca!“ Marlies Stimme. Die Reitlehrerin hatte zwar nichts von den gemeinen Worten hören können, wollte das Mädchen aber von den Freundinnen weg haben. Der Blick, den sie ihr zuwarf, ließ Bianca schweigend gehen.
„Hör nicht auf dieses fiese Biest“, tröstete Judith. „Du schaffst das schon.“
„Danke.“ Tina versuchte tapfer zu lächeln, doch es wurde mehr eine Grimasse draus. Sie wusste, dass sie ihre Ängste schnellstens unter Kontrolle bringen musste, denn wenn sie nervös war, würde sich das auch auf Ricky übertragen. Als zuverlässiges Reitschulpferd war er zwar an ängstliche Kinder gewöhnt, doch ob er im freien Gelände immer noch so ruhig wie in der Halle bleiben würde, wusste sie nicht.
Der schlanke Dunkelbraune stupste sie leicht an und Tina strich über den weißen Fleck, der sich über die linke Seite seiner Nüstern zog. „Bitte wirf mich nicht ab und geh auch nicht durch“, flüsterte sie in sein ihr zugewandtes Ohr.
Er gab ein leises Schnauben von sich und scharrte kurz mit einem Vorderhuf. Die großen glänzenden Augen blickten lieb und vertrauenerweckend.
Tina löste den Führhaken, der noch am Trensenring befestigt war und führte Ricky hinüber zu den anderen Pferden. Paul saß bereits auf Amors Rücken. Der schlanke Dunkelfuchs stand wie eine Statue da. Marlies gab den Befehl zum Aufsitzen und kontrollierte das Nachgurten bei jedem. Perry hatte sich wie üblich mächtig aufgebläht, so dass Marlies Nadine helfen musste. Die Reitlehrerin stieg als letzte auf Jades Rücken.
„Alle bereit?“ Paul warf einen Blick über seine Schulter und gab dann leichten Schenkeldruck, so dass Amor sich in Bewegung setzte. Die Reitschüler reihten sich hinter ihm ein, Marlies als Abschluß. Die zurückbleibenden Mädchen, Judith an der Spitze, wünschten ihnen viel Spaß und winkten ihnen nach.
Den Zufahrtsweg zur Reitschule war Tina sicher hunderte von malen zu Fuß gegangen, doch von Rickys Rücken aus kam er ihr doch ein wenig anders vor. An der Kreuzung gabelte er sich, nach links führte der breite Weg weiter zur richtigen Straße, rechts lief der Reitweg.
Um die Pferde auf zu wärmen, gingen sie die ersten zehn Minuten nur im Schritt. Tina war das ganz recht, allerdings war sie so auf Ricky konzentriert, dass sie die Umgebung gar nicht richtig wahr nahm. Allerdings kannte sie den Wald, oft war sie mit Judith auf ihren Fahrrädern hier entlang gefahren, denn etwa parallel zum Reitweg führte ein Wanderweg.
Das Traben ging problemlos, Amor legte einen guten Mitteltrab vor und Tina war froh, Ricky zu reiten. Er hatte herrlich weiche Gänge und ihr tat die vor ihr reitende Nadine aufrichtig leid, die von Perrys hartem Trab unbequem geschüttelt wurde.
Als sie sich der ersten Straße, die sie überqueren mussten, näherten, hob Paul den Arm, zum Zeichen, dass sie langsamer werden sollten. Tina hörte den Verkehrslärm, es war zwar noch keine Feierabendzeit, dennoch war die Bundesstraße an diesem Stück immer reichlich befahren. Es gab eine Ampel, die kurze Zeit später auf grün übersprang. Marlies ließ die Reiter je zu zweit die Straße überqueren.
Tina sah die wartenden Autos, rasch hatte sich eine Schlange gebildet. Die Ampel sprang wieder um, die Intervalle waren stets sehr kurz. Ihre Hände krampften sich um die Zügel, doch Marlies nickte ihr zu. Tina deutete mit dem Kopf zur Ampel.
„Geht rüber, die Autos warten!“ rief Marlies.
Sie hatte recht, bemerkte Tina, die Autos standen immer noch und der Fahrer im ersten Wagen sah gar nicht ärgerlich aus. Er deutete ihnen mit einer Handbewegung an, dass sie die Straße überqueren sollten. Sie lockerte die Zügel so weit, dass Ricky automatisch los ging. Seine beschlagenen Hufe verursachten ein Klappern auf dem Asphalt, dass in Tinas Ohren unnatürlich laut klang.
Doch dann war der Hufschlag plötzlich wieder gedämpft, sie hatten die Straße überquert, Ricky stand neben Perry und sah mit aufmerksam gespitzten Ohren dem Geschehen zu.
Etwa zehn Meter mussten sie an der Straße entlang reiten, dann führte der Reitweg wieder in den Wald hinein. Marlies lobte sie, in der Theorie hatten sie oft besprochen, wie eine Straße korrekt überquert wurde. Tinas Lächeln war ein wenig verkrampft, doch sie entspannte sich mehr und mehr. Sie wusste, dass jetzt für eine ganze Strecke nur noch ungestörter Reitweg vor ihnen lag. Ab und zu konnten sie zwar durch die Bäume den Wanderweg sehen, doch er schnitt sich nicht mit ihrem Weg.
Die Bäume und Sträucher blühten so üppig, wie es sich für Anfang Mai gehörte und Tina genoß das kurze Kitzeln der warmen Sonnenstrahlen auf ihrem Gesicht und den Armen, die ab und zu durchs Blätterdach drangen. Ein leichter Wind wehte, was angenehm war, denn beim Traben wurde ihr warm. Verschiedene Düfte lagen in der Luft, süß und leicht der der Kirschblüten, an anderer Stelle fast überdeckt vom schweren Aroma der Fliederbüsche.
Dann gab Paul den Befehl zum Galopp und die Pferde sprangen los. Natürlich jagten sie nicht wie wild durch die Gegend, sondern im versammelten Galopp. Für die Reiter von Perry und Jade allerdings bedeutete das fast schon Jagdgalopp, denn die beiden waren die kleinsten und konnten so kaum mit den raumgreifenden Sprüngen der Warmblüter mithalten.
Tina hätte am liebsten laut gejuchzt. Der Wind zerrte ein wenig an ihren Haaren, die sie zum Knoten aufgesteckt unter der Kappe trug. Wie ein Blitz schoß ihr plötzlich Biancas Warnung in den Sinn. Sie waren schon ein ganzes Stück galoppiert und Ricky hatte kein einziges mal auch nur ansatzweise versucht zu buckeln oder den Kopf runter zu reißen. Dennoch fasste sie die Zügel fester und zog unwillkürlich.
Ricky streckte den Kopf weiter nach vorn und schüttelte ihn leicht dabei. Er sollte doch galoppieren, warum gab ihm seine Reiterin dann nicht mehr Zügel? Um das Tempo halten zu können, brauchte er Kopffreiheit. Tina gab keine weiteren Hilfen, saß nur oben, die Beine fest anliegend. Schon nahm der Abstand zu dem vor ihnen galoppierenden Perry weiter zu.
Ricky war so gut ausgebildet, dass er nicht versuchte, schneller zu werden. Viele Pferde wären an dieser Stelle ihrem Herdeninstinkt gefolgt, doch Ricky wurde langsamer, so weit, dass er schließlich in Trab fiel.
„He, was ist denn da vorne los?“ rief Marlies. Von ihrer Position aus konnte sie nicht erkennen, wer in die langsamere Gangart gewechselt war.
Kalter Schweiß trat Tina auf Nacken und Stirn. Was sollte sie bloß sagen, was glaubhaft klang? Sie hatte ja selbst keine Erklärung dafür, außer Biancas Worte. Inzwischen hatte sie Ricky zum Schritt durchpariert. Von Perry war nichts mehr zu sehen.
„Ist was mit Ricky?“ fragte Steffi, die direkt hinter ihr ritt.
„Laßt mich mal vorbei“, befahl Marlies und trieb ihre Stute an den zur Seite tretenden Pferden entlang. Zum Glück war auf diesem Stück der Reitweg breit genug, dass zwei Pferde nebeneinander gehen konnten. „Warum hast du angehalten?“
Tina schwitzte stärker. Ihr Herz klopfte wie rasend und sie wünschte sich ganz weit weg. Sie hielt den Kopf gesenkt, denn sie schämte sich, dass sie den anderen den Ausritt verdarb. Außerdem haßte sie es, im Mittelpunkt zu stehen. „Ich…“
„Ja?“ fragte Maries behutsam. Das mit Ricky alles in Ordnung war, war ihr klar; andernfalls hätte Tina nicht gezögert, sie darauf hin zu weisen. Eine gute Menschenkenntnis verbunden mit langjähriger Erfahrung als Reitlehrerin reichten aus, um nach einem Blick auf Tina zu wissen, was los war.
„Es tut mir leid“, stammelte Tina. Sie fühlte, wie die Tränen ihr in der Kehle brannten. Sie saß ab, doch es war mehr ein herunter rutschen, denn jegliche Kraft schien aus ihren Gliedmaßen gewichen zu sein.
Doch Marlies war schon neben ihr, legte ihr den Arm um die zitternden Schultern. Jades Zügel hingen lang runter, die braune Stute würde nicht weglaufen und stand mit aufmerksam gespitzten Ohren da.
„Was ist denn mit Tina?“ wollte Steffi wissen. Auch die anderen beiden Mädchen schauten neugierig zu ihrer Kameradin, die mit gesenktem Kopf und zuckenden Schultern da stand. Sie verstanden nicht, warum Tina weinte. Schließlich war sie ja nicht runter gefallen. Das mal eine runter fiel, kam besonders bei den Anfängerinnen öfter vor. Daraus wurde keine große Sache gemacht, sofern das betreffende Mädchen nicht verletzt war. Bedingt durch den Schock flossen zwar durchaus mal Tränen, doch die Reitlehrer setzten die Betreffende rasch wieder auf den Pferderücken und verstanden es, sie ab zu lenken.
„Was ist denn passiert?“ Paul kam angetrabt, Nadine im Schlepptau. Irgendwann hatten die beiden wohl gemerkt, dass sie allein galoppierten und waren umgekehrt.
Marlies machte ihm ein Zeichen, woraufhin er die anderen Mädchen mit sich nahm. Zurück blieben Tina, Marlies und ihre Pferde, die, obwohl nicht angebunden, felsenfest dastanden. Die kleine Stute wandte lediglich ihren Kopf in die Richtung, in die ihre Gefährten verschwanden.
„Es tut mir so leid“, schluchzte Tina, den Kopf an Marlies Schulter vergraben. „Ich weiß gar nicht, was plötzlich los war, ich hatte auf einmal so schreckliche Angst, dass Ricky buckeln oder durchgehen würde.“
„Ist ja schon gut.“ Marlies zog ein etwas zerknittertes Taschentuch aus ihrer Hosentasche und reichte es Tina. „Hier, putz dir erst mal die Nase.“
„Danke.“ Sie schniefte noch immer, die Tränen wollten einfach nicht aufhören, doch zumindest schaffte sie es, Marlies nun an zu sehen. „Ich hab gar nicht mehr nachgedacht, ich …“
Die Reitlehrerin seufzte. „Diese verfluchte Bianca! Du weißt doch ganz genau, dass sie nur wegen eurer Feindschaft irgendwelchen Mist erzählt. Was war es denn? Das Ricky angeblich scheuen würde?“
„Ja.“ Erstaunt sah Tina sie an. Sie hätte nichts gesagt, denn sie wollte keine Petze sein, nicht mal, wenn es Bianca betraf. Doch da Marlies offenbar bereits bescheid wusste, lag der Fall wohl anders.
Marlies nickte. „Ist nicht das erste mal, dass sie so ein Gerücht in die Welt setzt. Und auch nicht das erste mal, dass es Folgen hat.“
„Wirklich?“ Unsicher sah Tina der älteren Frau in die Augen. Sagte sie das jetzt nur um sie zu trösten?
Marlies schien ihre Gedankengänge zu ahnen. „Frag mal bei Gelegenheit Denise, dank Bianca traute sie sich wochenlang nicht über Cavalettis zu springen. Ich kam erst viel später dahinter, dass Bianca ihr ähnlichen Schwachsinn erzählt hatte, wie dir.“
Tina dachte an Denise, die ein Jahr älter war als sie und bereits bei kleineren Turnieren angetreten war. Zwar nur in den Anfängerklassen, aber Tina fand es dennoch beeindruckend. Außerdem war das so unscheinbar wirkende Mädchen eine ganz ausgezeichnete Reiterin. „Aber Denise ist doch so gut, wovor sollte sie denn Angst haben?“
„Ja, sie ist sehr talentiert. Aber es ist noch gar nicht so lange her, da hat sie sich kaum getraut über Stangen zu traben. Wenn ich sie darauf ansprach, kam sie mit irgendwelchen fadenscheinigen Ausreden und eines Tages bekam ich zufällig mit, wie Bianca einen ihrer Sprüche los ließ. Natürlich bin ich gleich dazu und habe einiges klar gestellt.“
„Aber sie hatte ja Recht, in meinem Fall“, sagte Tina leise. „Ich meine, Ricky hätte doch wirklich scheuen können.“
„Ja, jedes Pferd kann scheuen. Aber das kann es auch, wenn du auf dem Platz reitest. Und wenn du die ganze Zeit nur daran denkst, was alles passieren könnte, bringst du dich um den ganzen Spaß und solltest dir ernsthaft überlegen, ob reiten wirklich das richtige für dich ist.“
Entsetzt schaute Tina sie an. Nie mehr reiten? Das war eine schreckliche Vorstellung. Zwar war sie auch so gern mit den Pferden zusammen, konnte Stunden damit zubringen ihnen gemütlich beim Grasen zu zusehen, doch auf einem Pferderücken zu sitzen liebte sie, bisher hatte sie sich dort immer sehr wohl gefühlt. Und eigentlich war sie doch gar kein ängstlicher Typ, zwar auch nicht unbedingt draufgängerisch, aber normalerweise brauchte es schon mehr als einen dummen Spruch, um Furcht in ihr zu wecken. „War blöd von mir.“
„Ja.“ Lächelnd strich Marlies ihr über die Schultern. „Aber nicht deine Angst ist blöd, sondern sich von solchen Sprüchen verrückt machen zu lassen. Die Angst kannst du ruhig haben, solange sie dich nicht beherrscht. Vorsicht ist immer gut, aber so eine Panikmache, die verdirbt den Spaß.“
Tina nickte. „Ich glaube, ich habe verstanden, was du meinst.“
„Dann möchtest du jetzt weiter reiten?“ Marlies hielt ihr die Zügel hin, die Tina achtlos fallen gelassen hatte. Hätte es noch einen Beweis für Rickys Gehorsam gebraucht, damit hätte sie ihn gehabt, denn der brave Wallach hatte sich keinen Zentimeter von der Stelle gerührt.
Tina nahm die Zügel, setzte einen Fuß ihren linken Fuß in den Bügel und schwang sich empor. „Ich hab immer noch Herzklopfen.“
„Sicher doch, so ein Ausritt ist ja auch was aufregendes.“ Marlies ging zu ihrer Stute und saß ebenfalls auf. Sie trieb Jade neben Ricky und ließ sie Schritt gehen.
Die Anspannung löste sich nur langsam in Tina, doch schließlich sah sie Marlies an. „Galopp?“
„Wenn du möchtest“, antwortete die Reitlehrerin, doch sie kannte die Antwort bereits, konnte sie von Tinas Gesicht ablesen.
Auf ihr leises Schnalzen hin und den Schenkeldruck sprang Ricky in einen munteren Galopp. Tina gab ihm reichlich Zügel und vergewisserte sich erst nach einem Moment, in dem sie das Gefühl des kraftvollen schnellen Pferdes genoß, mit einem Blick über die Schulter, dass Marlies ihr folgte. Jade war zwar klein, aber schnell und hielt problemlos mit dem hochbeinigen Wallach mit.
Ricky galoppierte gleichmäßig und sicher und Tina spürte, wie ihre Angst sich völlig auflöste. Sie konnte Ricky vertrauen, doch gleichzeitig wusste sie, dass Marlies recht gehabt hatte; leichtsinnig durfte sie nie werden.
Nein einigen Minuten hatten sie die Gruppe eingeholt, da Paul nur im Schritt voran geritten war. Er stellte keine Fragen, denn wie Marlies auch übte er seinen Beruf lange genug aus, dass ihm solche Situationen nicht fremd waren.
Von ihren Kameradinnen wurde Tina herzlich aufgenommen. Sie waren alle Anfängerinnen und konnten Tinas Ängste gut nach voll ziehen. „Ehrlich gesagt, ich hatte auch ganz schön Bammel vor dem Galoppieren“, gestand Steffi ein. „Cora ist zwar lieb und in der Halle bin ich schon sehr oft mit ihr galoppiert, aber hier im Gelände ist das doch etwas anderes.“
Nadine nickte. „Trotzdem fand ich es toll. Auch wenn Perry hoppelt wie ein Hase.“
„Ach, ich wusste gar nicht, dass du schon auf einem Hasen geritten bist“, neckte Marlies sie und die Mädchen lachten.
Sie ritten nun im Schritt je zu zweien nebeneinander, nur Paul allein mit Amor an der Spitze. Hinter den Bäumen konnten sie bereits die Scheune sehen, in der Stroh, Heu und Kraftfutter eingelagert waren. Auf den Weiden, die sich bis an den Waldrand erstreckten, grasten mehrere Pferde und wieherten ihren Gefährten freudig zu. Ein kleiner Rappe trabte das ganze Stück bis zum Zaun seiner weide neben ihnen her.
Als sie in den Hof einritten, spürte Tina doch wieder Aufregung. Vom Klappern der Pferdehufe angelockt lief Judith herbei. An ihren Stiefeln klebten Strohhalme. „Sag, wie war es“, wandte sie sich sogleich an Tina.
Die saß ab, lockerte den Gurt und klopfte Ricky den Hals. „Danke für den wundervollen Ritt.“ Dann drehte sie sich zu ihrer Freundin um. „Ich erzähl dir nachher alles ausführlich.“
Judith nickte verstehend. Für ernsthafte Gespräche unter vier Augen war der Stall wirklich nicht der ideale Ort. Momentan war etwa ein gutes Dutzend Mädchen damit beschäftigt, die Pferde ab zu satteln und zu versorgen.
Biancas kurzer blonder Schopf tauchte in der Menge auf, doch auch Marlies hatte gesehen, dass sie Kurs auf Tina und Ricky nahm und sich ihr in den weg gestellt. Was sie ihr sagte, konnte Tina von ihrer Position aus nicht verstehen, doch Bianca kam nicht zu ihr, sondern stiefelte davon. Und zwar ziemlich sauer, wenn Tina ihre Gestik richtig deutete. Aber das berührte Tina nicht, zum ersten Mal war es ihr egal, was Bianca sagte oder tat, weder freute sie sich noch war sie erleichtert, dass die Konfrontation mit ihr ausblieb. Nur eines wusste sie mit Bestimmtheit; dass sie sich schon sehr auf den nächsten Ausritt auf Ricky freute.

Autor: Maren Frank
mara.frank@gmx.de     
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Die Pferdefee
1, 12 November, 2006, 5:55
Gespeichert unter: Pferde

„Elisabeth, beeil dich doch, wir kommen noch zu spät.“ Anklagend und leicht ängstlich war der Blick der große braunen Augen Annes. Nervös trippelte sie von einen Fuß auf den anderen.
„Ich komm ja schon.“ Elisabeth Leary seufzte, strich der grauen Stute noch einmal schnell über die Nüstern und lief zu ihrer Schwester.
Gerade in diesem Moment schlug die Glocke in der Kirchturmspitze sieben mal.
Anne zuckte zusammen und sah aus, als wäre sie dem Weinen sehr nahe. „Habe ich es nicht gesagt, habe ich es nicht gesagt? Wir sind zu spät, bestimmt wird…“
Elisabeth packte die Jüngere im Laufen beim Arm. „Nun reg dich doch nicht so auf. Mrs. Pomfrey wird uns schon nicht den Kopf abreißen.“
Anne wand sich wie ein Aal, kam schließlich frei und hechtete zwei Stufen auf einmal nehmend die Holztreppe zum Hintereingang hinauf.
Elisabeth beschleunigte nun ebenfalls ihre Schritte und kam etwa zwei Sekunden nach ihr in der Küche an. Wie ein einzeln in einem Grasland aufragender Felsbrocken stand Mrs. Pomfrey in der Mitte der Küche. Ihre aufgesteckten blonden Haare verschwanden fast vollständig unter der Haube, die runden Wangen waren wie immer gerötet und die kleinen Augen funkelten ärgerlich. Ihr gewaltiger Busen wogte bei jedem Atemzug und Elisabeth überlegte insgeheim, ob die Knöpfe ihres schlichten, graubraunen Kleides dieser Belastung wohl lange standhalten würden.
„Ihr seid zu spät, das dulde ich nicht, merkt euch das“, zischte sie.
„Ich wär ja rechtzeitig gewesen, doch Elisabeth …“, plapperte Anne drauf los.
Mit einer schroffen Handbewegung unterbrach die Köchin sie. „Es interessiert mich nicht, was deine Schwester gemacht hat. Ich habe nur zugestimmt, euch in die Küche zu nehmen, weil mir eure Mutter leid tut. Also gebt euch Mühe.“
Ärgerlich ballte Elisabeth die Hände zu Fäusten. Sie hatte Mrs. Pomfrey noch nie gemocht, ihr aber bisher gut aus dem Weg gehen können. Doch nachdem ihr Vater bei einem Grubenunglück ums Leben gekommen war, reichte das wenige Geld, das ihre Mutter verdiente, nicht mehr für ihre vierköpfige Familie und so mußten die Älteren sich ebenfalls eine feste Arbeit suchen.
„Was soll ich machen?“ wollte Anne eifrig wissen.
Mrs. Pomfrey überlegte kurz und musterte das schmächtige, siebenjährige Mädchen. „Bring die Abfälle da weg. Schaffst du das?“
Leicht enttäuscht, denn sie hätte viel lieber eine wichtigere Aufgabe bekommen, ging Anne zu den beiden Eimern und hob sie an. „Natürlich.“
„Und du.“ Mrs. Pomfrey nestelte an der Tasche ihrer Schürze herum und zog dann einige Münzen hervor. „Du gehst auf den Markt und kaufst Kartoffeln, einen großen Sack. Und laß dich ja nicht übervorteilen und wag es ja nicht, das Geld zu verlieren.“
Elisabeth nickte und steckte die Pennys ein. Zum Markt war sie schon oft allein gegangen, das war für ein Mädchen von elf Jahren nichts ungewöhnliches. Sie war gerade ein paar Meter von dem Haus weg, da sprang ein kleiner Junge auf sie zu.
Seine Wangen waren vom laufen gerötet und seine dunklen Augen glänzten erwartungsvoll. „Nimmst du mich mit, nimmst du mich mit?“
Elisabeth legte ihm eine Hand auf die Schulter und lächelte beruhigend zu ihm herab. „Du weißt doch gar nicht, wohin ich gehe.“
„Egal, ich möchte trotzdem mit“, erklärte ihr Bruder und trat dabei von einem Fuß auf den anderen.
„In Ordnung Willy, du kannst mit zum Markt kommen. Aber versprich mir, daß du bei mir bleibst. Eigentlich solltest du nämlich zu Hause sein.“
„Da ist es so langweilig, ganz allein.“
In Gedanken stimmte Elisabeth ihm zu. Sie selbst langweilte sich ja schon, wenn sie zu Hause war, wie schrecklich mußte das dann erst für einen energiegeladenen Vierjährigen sein? Zumal das einzige kleine Zimmer, aus dem ihre Wohnung bestand, keinerlei Möglichkeiten für Spiele bot. Willys einziges Spielzeug war ein grob geschnitztes Holzpferd, das er von seinem älteren Bruder David letzte Weihnachten bekommen hatte. Bei dem Gedanken an ihren zwei Jahre älteren Bruder krampfte sich Elisabeths Herz zusammen. David stand seit fünf Monaten in den Diensten eines Advokaten, der mehr als eine Tagesreise von hier entfernt lebte. Seit er dort arbeitete, war er nur ein einziges mal nach Hause gekommen, für drei Tage, zu Weihnachten. David war Elisabeths Ansprechpartner gewesen und er verstand ihre Pferdeliebe. Oftmals hatte er ihr ein Stück hartes Brot für Jenny, die graue Stute des Milchmannes zugesteckt.
„Kaufst du mir was Schönes?“ fragte Willy in ihre Gedanken hinein.
„Dafür habe ich leider kein Geld, mein Schatz“, erwiderte Elisabeth. Zu ihrer Erleichterung wirkte der kleine Junge nicht enttäuscht.
„Dann erzähl mir eine Geschichte, ja?“
„Na gut, eine Geschichte. Was möchtest du hören?“
Willy überlegte kurz und deutete dann mit dem nicht mehr ganz sauberen rechten Zeigefinger auf ein Plakat, das an einer Mauer angeschlagen war. Es zeigte drei Frauen in pompösen, bunten Roben und einen elegant gekleideten Herren. „Was steht da?“
Elisabeth konnte nicht lesen, denn zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es in England Luxus, eine Schule zu besuchen. Doch sie wußte, daß es sich bei dem Anschlag um ein Theaterplakat handelte. „Es weist auf eine Aufführung im Theater hin.“
„Und was wird da aufgeführt?“ wollte Willy sogleich wissen.
Elisabeth lächelte, das war ein altes Ritual zwischen ihnen; Willy zeigte oft auf Bilder und sie dachte sich dann Geschichten dazu aus. „Also, drei schöne reiche Damen möchten gern heiraten…“
„Nur drei Damen, wie langweilig, kommen keine Pferde in der Geschichte vor?“
Gegen ihren Willen mußte Elisabeth lachen, auch Willy liebte Pferde über alles und stahl sich wann immer möglich zu Jenny. Manchmal ließ Edward, der Milchmann, ihn für einige Minuten auf Jennys breitem Rücken sitzen. „Also gut, dann eine andere Geschichte“, lenkte sie ein, denn sie wußte wirklich nicht, wie sie Pferde und die Personen auf dem Plakat miteinander vereinigen konnte.
Willy hob das Holzpferd hoch, daß er wie immer bei sich trug. Selbst wenn seine Mutter ihn in den Waschzuber steckte und abschrubbte, bestand er darauf, es in der Hand zu halten und natürlich nahm er es abends auch mit in sein Bett, wo es dann neben dem flachen Kopfkissen lag.
„Jeden Abend, wenn der Nebel aufzieht, streift die Pferdefee durch das Moor. Sie hat die Gestalt eines weißen, wunderschönen Pferdes, anmutig und elegant. Sie schwebt über den Boden und wenn jemand sie sieht, erfüllt sie demjenigen seinen größten Wunsch“, erzählte Elisabeth. Willy hing an ihren Lippen und umklammerte ihre Hand mit seinen kleinen Fingern noch fester. Sie schmückte die Geschichte noch etwas weiter aus, bis sie am Marktplatz angekommen waren, hatte die Pferdefee bereits vielen kleinen Mädchen und Jungen ihre sehnlichsten Wünsche erfüllt.
Elisabeth versprach Willy nachher weiter zu erzählen und bat ihn, still zu sein. Sie kontrollierte die Kartoffeln in dem grob gewebten Sack, denn viele Händler legten Steine dazu, um eine größere Menge vorzutäuschen. Die mißbilligenden Blicke des Händlers störten Elisabeth nicht, sie suchte sich einen Sack mit besonders großen Kartoffeln ohne keimende Stellen und zählte ihm die Pennys dann in die Hand.
Elisabeth schulterte den Sack und nahm wieder Willy an die Hand. Sie hatte bemerkt, wie sehnsüchtig er zu dem Stand mit Süßigkeiten hinüberschaute und um ihn abzulenken, spann sie die Geschichte um die Pferdefee weiter.
Dann brachte sie Willy nach Hause, wies ihn an, artig auf ihre Rückkehr zu warten und versprach, ihm am Abend eine weitere Geschichte zu erzählen. Er schien nicht enttäuscht, sondern setzte sich sogleich vor den kleinen Kamin und spielte mit seinem Holzpferd, das er nun „Pferdefee“ nannte.
Zufrieden lieferte Elisabeth die Kartoffeln ab und sah zu, wie Mrs. Pomfrey sie einzeln kontrollierte. Die Köchin schien zufrieden, doch sie hatte kein Wort des Lobes für das Mädchen. An einem Tisch weiter hinten saß Anne und putzte Gemüse. „Hilf ihr“, befahl Mrs. Pomfrey Elisabeth und deutete hinter sich.
Mit den Kartoffeln, die Mrs. Pomfrey ihr in die Hand gab, ging Elisabeth zu ihrer Schwester und setzte sich ihr schräg gegenüber. Für die nächste Stunde waren die Mädchen mit schälen und schneiden beschäftigt. Die Arbeit erforderte nicht so viel Konzentration und so unterhielten sie sich leise dabei. Elisabeth erzählte vom Markt, mit Pferdegeschichten konnte Anne nichts anfangen. Ihre kleine Schwester sprach lieber von feinen, wohlhabenden jungen Ladys.
Zum Mittagessen stellte Mrs. Pomfrey einige Schüsseln mit gekochten Gemüsen und ein paar dünne Scheiben Schinken, so wie einen halben Laib Brot vor die Mädchen. „Stärkt euch nur, ihr könnt´s brauchen und außerdem müßt ihr nachher noch im Garten arbeiten.“
Die Schwestern benötigten keine zusätzliche Aufforderung, bedankten sich jedoch vorher artig.
Mrs. Pomfrey nickte und deutete dann auf den Schinken und das Brot. „Vergeßt nicht, heute Abend auch etwas für euren kleinen Bruder und eure liebe Mutter mitzunehmen.“
So gestärkt gingen sie mit neuer Energie an die Gartenarbeit. Mrs. Pomfrey zeigte ihnen, was Unkraut war und auf den Knien zupften sie es zu dritt aus. Es dämmerte bereits, als die Köchin sich mit leisem Stöhnen aufrichtete. „Das habt ihr gut gemacht, aber das erwarte ich auch.“
Elisabeth und Anne klopften sich die Erde von ihren Kleidern. Sie waren beide froh, diese Stellung bekommen zu haben. Allzu anstrengend und schwer war die Arbeit nicht, doch was sie verdienten, würde für ihre Familie reichen. Mrs. Pomfrey gab Ihnen Brot und Schinken, betrachtete die Mädchen für einen Moment von oben bis unten und legte noch ein großes Eckstück Käse dabei.
„Das war wirklich nett von Mrs. Pomfrey“, sagte Anne auf dem kurzen Heimweg.
Elisabeth nickte, reckte sich gleichzeitig ein bißchen, um zum Stall hinüber sehen zu können. „Ja, das finde ich auch.“
Anne wußte, wem ihre Gedanken wirklich galten. „Die Droschke ist noch nicht da, wahrscheinlich ist Edward noch in einem Pub.“
Elisabeth war zu zufrieden mit dem Ablauf des Tages, als daß Anne sie ärgern konnte. „Dann gehe ich eben später noch mal rüber.“
Anne öffnete die Tür und lief mit den Lebensmitteln auf den Armen voraus. „Willy, wo bist du?“
„Nicht so laut, wenn er geschlafen hat, weckst du ihn sonst auf“, rügte Elisabeth sie. Ihr Blick fiel auf das Feuer, es mußte dringend Holz nachgelegt werden und damit beauftragte sie Anne, ehe sie zu der Schlafnische hinüber schlich. Doch Willys Bett war unberührt.
„Du hast doch gesagt, daß du ihn nach Hause gebracht hast“, wunderte Anne sich, die, nachdem sie einige Scheite in den Kamin gelegt hatte, neben Elisabeth getreten war.
„Das habe ich auch.“ Elisabeth sah aus dem einzigen kleinen Fenster, denn manchmal spielte Willy auch im Hinterhof. Doch dort hing nur ihre wenige Wäsche zum Trocknen und auslüften. Sicherheitshalber rief sie ein paarmal laut seinen Namen.
„Vielleicht ist Mommy ja früher nach Hause gekommen, hat ihn geholt und ist mit ihm unterwegs“, überlegte Anne laut.
„Ja wahrscheinlich“, erwiderte Elisabeth, doch sie hatte kein gutes Gefühl.
Eine halbe Stunde später kam Hope Leary nach Hause. Sie arbeitete in einer Näherei, am anderen Ende des Dorfes. Sie war erst Anfang dreißig, doch harte Arbeit und Entbehrungen hatten sie vor ihrer Zeit altern lassen. „Habt ihr Mrs. Pomfrey brav gehorcht?“
Elisabeth ging nicht auf die Frage ein. „Ist Willy etwa nicht bei dir?“
Überrascht schaute ihre Mutter sie an. „Nein, warum? Habt ihr ihm etwa gesagt, daß er zu mir gehen soll? Ihr wißt doch ganz genau, daß er den Weg gar nicht kennt.“
Rasch erklärte Elisabeth, daß sie mit Willy zum Markt gegangen war und ihn anschließend nach Hause gebracht hatte.
Erschrocken griff Hope nach ihrem Schultertuch, das sie eben erst abgelegt hatte. „Kommt, wir müssen ihn suchen.“
Gemeinsam traten sie in die Dunkelheit. Zuerst gingen sie zum Stall, doch dort war nur Edward, der gerade nach Hause gekommen war und nun seine Stute versorgte. Auch er hatte Willy nicht gesehen.
„Aber ich helfe euch gern suchen“, bot er sofort an.
Hope war den Tränen nah. „Wo kann er bloß sein, mein armer kleiner Junge.“
Beruhigend legte Edward ihr eine Hand auf die Schulter. „Willy ist doch ein pfiffiger Bursche, bestimmt ist er nicht weit weg gelaufen.“
„Aber es ist schon dunkel, wie soll er da bloß nach Hause finden?“ Mit zitternden Händen strich Hope sich die ins Gesicht gefallenen langen Haare zurück. „Und sicher friert er auch.“
Edward war ein sehr praktisch veranlagter Mann und so zögerte er auch jetzt nicht. Er holte mehrere Petroleumlampen und Decken aus einer Kammer neben dem Stall und verteilte sie. „So seht ihr mehr und habt was warmes, in das ihr Willy einwickeln könnt, wenn ihr ihn findet.“
„Wenn wir doch nur einen Anhaltspunkt hätten, wohin er gelaufen sein könnte“, klagte Hope.
Ein kalter Schauer kroch plötzlich über Elisabeth Rücken und sie fürchtete sich, ihre Überlegung laut auszusprechen, Doch vielleicht war es Willys einzige Chance. „Möglicherweise ist er im Moor.“
„Im Moor?“ Ungläubig sah Hope ihre älteste Tochter an. „Was um alles in der Welt sollte er denn dort?“
In so wenig Worten wie möglich erzählte Elisabeth ihr von der Pferdefee-Geschichte und wie begeistert Willy davon gewesen war.
Edward nickte. „Wir sollten nicht ausschließen, daß er nach der Pferdefee sucht.“
Hope war so blaß geworden, daß sie einer Ohnmacht sehr nahe schien. „Mein armer Junge.“
Edward legte Jenny Halfter und Strick an. „Wir nehmen besser das Pferd mit, das Moor ist tückisch und wenn wir ihn aus dem Sumpf ziehen müssen, kann Jenny uns helfen.“
Hope nickte nur, dann umfaßte sie die Schultern ihrer jüngeren Tochter und sah ihr eindringlich in die Augen. „Anne, du bleibst hier, falls Willy doch noch von allein nach Hause kommt. Geh ja nicht aus dem Haus, ja.“
Anne versprach es und sah, wie die kleine Gruppe schon nach wenigen Schritten von der Dunkelheit verschluckt wurde. Sie fröstelte und lief schnell zu ihrem kleinen Haus zurück. Es war erst Anfang März und die Nächte noch sehr kalt.
Edward hatte mehrere dicke Äste aufgehoben und gab sie seinen Begleiterinnen. „Kontrolliert damit den Boden, wenn ihr einsinkt, wird es schwierig und zeitaufwendig, euch zu befreien. Am besten ist, wir trennen uns, bleiben aber in Rufweite. Elisabeth, nimm Jenny.“
Bevor sie recht wußte, wie ihr geschah, hatte Edward sie schon auf den Rücken des grauen Pferdes gehoben. Elisabeth schob ihre eiskalten Hände in die dichte lange Mähne. „Brave Jenny“, flüsterte sie und beugte sich leicht vor. „Wir müssen Willy finden.“
Die Stute hatte einen wiegenden, leicht schaukelnden Gang und schien zu wissen, welche Bereiche des Moores zu sumpfig waren, um sie zu durchqueren. Das schwache Licht der Petroleumlampe an Elisabeth Seite reichte kaum aus, zwei Schritte weiter zu sehen. Die Dunkelheit schien undurchdringlich, doch der aufkommende Wind vertrieb zumindest die Wolken und enthüllt einen fast vollen Mond. In seinem fahlen Licht konnte Elisabeth ab und zu einen abgestorbenen Baumstumpf gespenstisch aufragen sehen. Die Luft war sehr feucht und kalt, der Nebel so hoch, daß Elisabeth ihn auch auf Jennys Rücken noch spürte.
Immer wieder rief sie so laut sie konnte nach Willy, doch alles, was sie hörte, waren die Echos ihrer eigenen Rufe und in der Ferne ab und zu die Stimmen ihrer Mutter und Edward. Einmal glaubte sie, ihn endlich gefunden zu haben, doch es war nur ein Baumstumpf, der von einigen Steinen umgeben kalt dort stand.
Die Flamme in ihrer Lampe wurde immer kleiner und Elisabeth schätzte, daß sie in wenigen Minuten ganz ausgehen würde. Ihr war kalt, der Nebel klebte ihr dünnes Kleid feucht an ihren Körper. Ohne Jennys Trost spendende Wärme wäre sie wohl in Tränen ausgebrochen, doch der große, kraftvolle Pferdekörper unter ihr gab ihr neuen Mut. Jenny ging einfach voran, manchmal platschte Wasser unter ihren eisenbeschlagenen Hufen und hin und wieder sank sie ein wenig ein, doch sie blieb nicht stehen.
Elisabeth lauschte, war das der Wind, der da zwischen den wie Händen, die jeden Moment nach ihr greifen wollenden Ästen, heulte? Sie hatte schon so oft gedacht, ein Schluchzen zu hören, doch stets hatte es sich als eine Täuschung herausgestellt. „Willy! Willy, bist du da?“
Es kam zwar keine Antwort, doch das leise, einem Schluchzen ähnliche Geräusch blieb.
Elisabeth glitt von Jennys Rücken, blieb aber dicht neben ihrem Hals, während sie voranging. Ihre Lampe glomm nur noch, doch die an einen morschen Baumstamm gelehnte Gestalt, konnte sie dennoch erkennen. „Willy!“
Mit verweinten Augen sah er auf, an seiner Schwester vorbei und der Tränenstrom versiegte schlagartig. „Die Pferdefee. Sie ist doch noch gekommen.“
Elisabeth hob ihn auf, drückte ihn an sich, doch er wand sich in ihren Armen. Sie setzte ihn auf Jennys Rücken, legte ihm die Decke um die schmalen Schultern.
Selig lächelte er. „Das habe ich mir gewünscht, auf der Pferdefee zu reiten.“
Elisabeth antwortete nicht darauf, sie war viel zu froh, ihren Bruder endlich gefunden zu haben. „Komm Jenny, nach Hause gehen.“
Die Stute spitze ihre Ohren, diesen Befehl kannte sie gut.
Elisabeth rief nach den anderen und wenige Minuten später stießen sie zu ihnen. Weinend wollte Hope ihren Sohn in die Arme schließen, doch er protestierte. „Nein, ich will auf der Pferdefee reiten, das habe ich mir gewünscht und die Pferdefee erfüllt mir diesen Wunsch.“
Edward nickte Hope zu und so ließ sie ihn gewähren. Elisabeth führte Jenny am Zügel und als sie schließlich am Stall ankamen, bemerkte sie, daß Willy vor lauter Erschöpfung eingeschlafen war. Vorsichtig löste Hope die Finger ihres Jungen aus der Mähne und trug ihn ins Haus.
Elisabeth und Edward versorgten Jenny, bedankten sich und gaben ihr eine große Extraration Hafer und alle Karotten und Äpfel, die Edward noch in der Kammer neben dem Stall hatte. Dann gingen sie herüber zu Hope, die sie bereits mit heißem Tee erwartete.
Willy wachte nur kurz auf, lächelte in die Runde. „Ich habe von der Pferdefee geträumt und bin auf ihr durch das ganze Moor geritten.“
Erleichtert blickte Elisabeth auf ihren schlafenden Bruder herab. Sie war ebenfalls erschöpft. Hope umarmte ihre Tochter. „Ich bin so froh, daß wir ihn gefunden haben“, flüsterte sie. „Ich weiß gar nicht, wem ich am meisten zu danken habe, dir oder Edward.“
„Jenny“, sagte Elisabeth sofort.
Ihre Mutter wußte von ihrer Pferdeliebe und lächelte. „Ja, auch Jenny. Morgen früh bringe ich ihr einen großen Kanten hartes Brot, versprochen. Und du Elisabeth, bitte erzähl Willy nie mehr solche Geschichten, jedenfalls nicht, bis er alt genug ist, um sie richtig zu verstehen.“
Elisabeth betrachtete ihren Bruder, er schlief auf der Seite liegend und eine Hand lag auf dem kleinen Holzpferd neben seinem Gesicht. Darüber würde sie sich die nächsten Geschichten ausdenken, war sie sich ganz sicher.

Autor: Maren Frank
mara.frank@gmx.de     
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Das freche Pony
1, 12 November, 2006, 5:11
Gespeichert unter: Pferde

Adrienne und Verena waren Freundinnen, seit sie im Kindergarten waren. Sie saßen in der Schule nebeneinander, trafen sich nachmittags um gemeinsam die Hausaufgaben zu erledigen und telefonierten oft abends noch miteinander. Sie hielten immer zusammen und so war auch Verena nun sofort zur Stelle, als Thorben ihre Freundin an den Haaren zog. „Laß das!“ fauchte sie und blitzte ihn böse aus ihren grünen Augen an.
Thorben grinste nur und schnappte sich statt dessen Adriennes Farbkasten. „Willst du den wieder haben?“
Hilfesuchend sah Adrienne zu ihrer Freundin. Selbst klein und zierlich traute sie sich nicht, sich gegen den viel größeren und stämmigen Klassenkameraden durch zu setzen. Verena war zwar auch nicht so viel größer als Adrienne, aber weitaus mutiger und nicht auf den Mund gefallen. „Sofort gibst du ihr den Farbkasten zurück!“
Thorben hob die Hand mit dem Kasten hoch über seinen Kopf. Ein Fehler, denn nun endlich wurde die noch junge Kunstlehrerin auf die Geschehnisse in der letzten Bank aufmerksam. Mit energischen Schritten kam sie näher. „Was ist denn da los?“
„Thorben hat mir meinen Farbkasten weg genommen“, sagte Adrienne.
„Blöde Petze“, zischte Thorben in ihre Richtung, doch unter den strengen Blicken der Lehrerin stellte er den Kasten wieder zurück auf den Tisch. Er wartete, bis die Lehrerin an ihrem Pult angekommen war und sich den darauf liegenden Schriftstücken zuwandte, dann rutschte er näher zu den Mädchen. „Verpetz mich ja nicht noch mal.“
Adrienne zuckte zusammen und senkte schuldbewußt den Kopf, doch Verena begegnete fest seinem Blick. „Laß uns in Ruhe Thorben, sonst kriegst du es mit mir zu tun, klar.“
„Ihr seid mir sowieso zu blöd“, schnappte er und verzog sich.
„Wie ich diesen Kerl hasse, ständig ärgert er mich“, flüsterte Adrienne und seufzte traurig.
Tröstend legte Verena ihr einen Arm um die Schultern. „Denk nicht mehr an diesen Idioten, laß uns lieber überlegen, was wir heute Nachmittag schönes machen können.“
Das heiterte sie wirklich auf und als es zehn Minuten später schellte, stürmte sie in bester Laune neben Verena die Treppe hinunter. Nach hause hatten sie es nicht weit und glücklicherweise wohnten sie nur etwa 200m auseinander. So dauerte es keine halbe Stunde, bis Verena bei Adrienne klingelte und sie gleich gemeinsam zur Weide hinters Haus liefen.
Seit zwei Jahren hatte Adrienne ein eigenes Pony, das sie zu ihrem neunten Geburtstag bekommen hatte und Verena war die einzige, der sie erlaubte, den eigenwilligen Max zu reiten. Mit erwartungsvollem Wiehern trabte der stämmige Fuchsschecke auf die beiden Mädchen zu, ließ sich durch das dichte Fell streicheln und stupste fordernd an ihre Taschen.
Sie fütterten ihn mit Pferdeleckerlis in Pfefferminzgeschmack, seiner Lieblingssorte und amüsierten sich darüber, wie er schleckte. Dann holten sie das Putzzeug und widmeten sich ausgiebig seiner Fellpflege. Eigentlich mochte Max es, wenn er gestriegelt wurde, doch manchmal kniff er ohne besonderen Grund die Mädchen. Diesmal erwischte er Verena am Hintern und ärgerlich drehte sie sich um. „He du Frechdachs, das war nicht nett.“
Adrienne lachte. „Das sollten wir mal fotografieren. Du hättest sehen müssen, wie das eben ausgesehen hat.“
Verena verzog das Gesicht, doch dann mußte sie ebenfalls lachen. Seit einigen Monaten hatte sie ein neues Hobby, Fotografieren und auch jetzt hatte sie ihre Kamera dabei. „Putz du ihn doch weiter unter dem Bauch, vielleicht gelingt mir dann ein Foto, wie er dich in den Hintern zwickt.“
„Da ist er schon genug gestriegelt“, befand Adrienne und kontrollierte die Hufe. „Laß uns lieber ausreiten. Du oder ich zuerst?“
Sie ritten immer zusammen aus und auf halber Strecke tauschten sie dann Pony gegen Fahrrad. Verena hob ihre Kamera. „Du zuerst, ich möchte gern noch ein paar Aufnahmen machen, du weißt doch, wir haben gestern am Fluß Fischotter gesehen und da habe ich mich so geärgert, die Kamera nicht dabei gehabt zu haben.“
Adrienne streifte Max die Trense über und ließ sich von Verena auf seinen Rücken helfen. Ohne Sattel hatte sie allein Schwierigkeiten herauf zu kommen. Zwar reichte ihr Max nur bis zur Schulter, aber an seinem Kugelbauch rutschte sie ab. Verena nahm das Fahrrad, das an der Wand gelehnt stand und schob es auf den fest getreten Weg.
Adrienne trieb Max an und er fiel in einen hoppeligen Trab. Um nicht so durchgeschüttelt zu werden und weil sie sich unterhalten wollten, brachte sie ihn in Schritt zurück. „Danke noch mal für deine Hilfe in Kunst.“
„War doch Ehrensache. Thorben ist auch wirklich unausstehlich.“
„Er ärgert mich ständig, besonders schlimm ist es, wenn du nicht da bist.“ Letzten Monat hatte Verena mit einer Erkältung flach gelegen und Adrienne hatte im Stillen gebetet, sich angesteckt zu haben. Das hatte sie dann zwar wirklich, doch als ihr Husten anfing, war Verena schon wieder gesund.
„Jetzt bin ich ja wieder da und ich passe schon auf, daß dieser Mistkerl … “ Verena blieb plötzlich stehen und kniff die Augen leicht zusammen. „Oh nein, wenn man vom Teufel spricht.“
Adrienne zügelte Max und folgte dem Blick ihrer Freundin. Sofort wuchs ein Kloß in ihrer Kehle und sie spürte, wie ihre Beine ganz weich wurden. Thorben kam ihnen entgegen, mit wiegenden Schritten und dem üblichen überheblichen Grinsen im Gesicht. „Schnell, laß uns umkehren!“
„Einfach weglaufen? Ne du, außerdem hat er uns bestimmt schon gesehen.“
Das war wahrscheinlich, denn der Weg war sehr übersichtlich, die wenigen Bäume waren jetzt im Herbst schon kahl und es gab keine Sträucher, die Schutz boten. „Was sollen wir denn dann machen“, wisperte Adrienne ängstlich.
„Abwarten“, entgegnete Verena ruhig und richtete sich noch etwas gerade auf.
„Ah, die unzertrennlichen Freundinnen. Und was ist denn das für ein komisches Vieh, auf dem du da sitzt. Soll das etwa ein Pferd sein?“ spöttelte Thorben.
„Max ist ein reinrassiges Shetlandpony“, erklärte Adrienne und bemühte sich um eine fest klingende Stimme.
„Ich wette, der kann nicht mal galoppieren, so fett wie der ist.“
„Max ist ein tolles Pony“, verteidigte Adrienne ihn.
„Schon möglich.“ Thorbens Augen fixierten sie. „Bloß hat er eine miserable Reiterin.“
„Es reicht, Thorben, verschwinde“, schaltete Verena sich ein.
„Soll ich dir mal zeigen, wie man richtig reitet. Da kannst du noch was lernen.“
„Dich lasse ich bestimmt nicht auf mein Pony“, fauchte Adrienne wütend.
Verena trat zu ihr und legte ihr eine Hand auf den Arm. „Wobei seine Idee gar nicht mal so verkehrt ist, du weißt doch um Max´ Eigenarten, er treibt mitunter doch auch uns an den Rand des Wahnsinns.“
„Aber was, wenn Thorben wirklich so gut reiten kann, wie er behauptet?“ flüsterte Adrienne ängstlich.
„Sieht der etwa so aus? Also komm, steig ab, wir haben schließlich nichts zu verlieren.“
Da war sich Adrienne zwar nicht so sicher, doch sie glitt von Max breitem Rücken und reichte Thorben die Zügel. „Hier.“
„Paßt gut auf Mädels.“ Er nahm die Zügel und schwang sich hinauf. Max äugte zu ihm empor. Dieser Reiter war schwerer als die Mädchen und seine Beine kamen auch etwas weiter herum. Aber solange er ruhig da oben saß, ließ der Wallach ihn gewähren und senkte den Kopf, um das Gras am Wegrand zu fressen.
Zufrieden betrachteten die Freundinnen die Szene. Sie wußten ganz genau, daß der verfressene Max jede Gelegenheit zum Grasen nutzte und es einiger Willensanstrengung bedurfte, ihn dann vorwärts zu treiben.
„Wolltest du nicht reiten?“ fragte Verena mit süßer Stimme. „Im Moment sitzt du ja nur einfach oben.“
Thorben zog die Zügel an, was sogleich in ein wahres Tauziehen überging, denn Max dachte gar nicht daran, den Kopf zu heben. Schließlich aber hatte Thorben seinen Kopf doch ziemlich weit hoch gezogen und trieb ihn kräftig an. Max fiel unwillig mit dem Schweif schlagend in Trab und Thorben hoppelte auf und ab.
Beruhigt sah Adrienne zu. Jetzt wußte sie, daß Thorben weder ein guter, noch ein erfahrener Reiter war. Sie wollte ihm gerade sagen, daß er anhalten und absteigen sollte, da trat Verena vor. „Und nun zeig uns doch mal, wie du galoppieren kannst, Thorben.“
Er schwitzte jetzt schon und wagte es nicht, in die Richtung der beiden Mädchen zu sehen. Eine Hand in die dicke harte Mähne vergraben, haute er Max seine Fersen in die Flanken.
Daraufhin fiel Max wirklich in Galopp, aber nur für ein paar hoppelnde Sprünge, dann buckelte er heftig. Das aber war zu viel für den ungeübten Reiter, in hohem Bogen segelte er über den kräftigen kurzen Hals und kam mit einem dumpfen Plumps in dem morastigem Erdboden auf. Gestern hatte es den ganzen Tag geregnet und überall auf dem Weg standen noch Pfützen.
Max stieß ein zufriedenes Wiehern aus, dann kniff er Thorben in die Schulter. Niemand behandelte ihn ungestraft so und dieser Kerl hatte noch nicht mal Leckerlis bei sich.
Adrienne war zu ihm gelaufen und blickte nun auf den ziemlich verloren aussehenden Jungen herab. „Ist dir was passiert?“
„Ach Blödsinn.“ Er stand mit einer raschen Bewegung auf und schien tatsächlich unverletzt zu sein, wenngleich das auch bei dem ganzen Dreck und Schlamm auf seiner Kleidung kaum fest zu stellen war. „Dieses blöde Vieh!“
Verena kam näher, ihren Fotoapparat schwenkend. „Ich habe dir zu danken, Thorben. Die Fotos von deinem Ritt – und besonders von der Beendigung desselben – werden sicher ganz großartig.“
Er wurde blaß. „Du hast das fotografiert?“v
„Natürlich“, sagte sie. „Ich gebe den Film gleich zum Entwickeln ab und morgen wird die ganze Klasse etwas zu lachen haben.“
„Bitte nicht“, flehte er und wirkte plötzlich viel jünger.
Adrienne hatte Mitleid mit ihm. „Wenn du versprichst, uns in Ruhe zu lassen, könnte es sein, daß wir die Fotos zu hause lassen.“
„Ja, ja bitte, ich verspreche es. Ich trage euch auch die Schultaschen, eine ganze Woche lang, ja?“ Plötzlich war er ganz kleinlaut und das überhebliche Grinsen war komplett von seinem Gesicht verschwunden.
Verena nickte. „Einverstanden. Aber denk dran, sobald du eine von uns noch mal ärgerst, fallen mir die Fotos wieder ein.“
„Ich mach das bestimmt nicht mehr.“ Noch für einen Moment sah Thorben die beiden Mädchen an, dann drehte er sich um und rannte, so schnell er konnte, davon.
Lachend umarmte Adrienne ihr Pony. „Mein lieber Max, du hast dir eine riesengroße Packung Pfefferminzleckerlis verdient. Und dir danke ich auch.“
„War doch klar. Zu schade nur, daß wir ihm das Versprechen abgenommen haben. Ich hätte zu gern die Reaktion der anderen gesehen.“
„Lieber ist mir, er läßt mich in Ruhe“, seufzte Adrienne, doch dann blitzte der Schalk in ihren Augen. „Aber zumindest wir können uns über die Fotos amüsieren.“

Autor: Maren Frank
mara.frank@gmx.de     
http://www.marenfrank-literatur.de/



Alabaster
1, 11 November, 2006, 10:52
Gespeichert unter: Pferde

Die Geschichte, von der ich erzählen möchte, handelt von einem Pferd, von dem ich nicht weiß, ob es noch lebt. Auf diesem Pferd fing ich mit 6 Jahren an zu reiten, es war ein sehr großer Westfale. Sein Name war Alabaster. Kurz einfach Ali!

Er war eine Seele von Pferd und man konnte alles mit ihm machen. So dauerte es auch nicht lange, bis ich 2000 mein erstes Turnier mit ihm bestritt. Wir hatten die Startnummer 001. Ironie des Schicksals, aber wir wurden tatsächlich auch erster! Wir bestritten noch viele gemeinsame Turniere, alle erfolgreich!

Wir hatten einen der schönsten Zeiten zusammen bis ich irgendwann durch Zufall mitbekam, dass seine Besitzerin ihn verkaufen wollte. Für mich brach damals eine Welt zusammen. Noch heute fällt es mir schwer darüber zu sprechen.

Auf Grund einer Krankheit war er schwer vermittelbar so dass er zum Schluss zum Pferdehändler kam. Ob Ali noch lebt oder nicht ist, wohl keinen allzu schwere Frage. Immerhin wäre er dieses Jahr 19 geworden.

Ich bin jetzt 15 Jahre alt und habe ein neues Pflegepferd, aber ich werde wohl nie wieder ein Pferd finden dem ich so vertrauen werde. Ich wünsche allen, dass sie solch ein Glück einmal verspüren werden.
Danke!

Alabaster01

Alabaster05

Alabaster6

Autor: Jana Jarczak
janafienchen@yahoo.de



Lex
1, 7 November, 2006, 6:40
Gespeichert unter: Pferde

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1981 begann ich meine Lehre zur Trabrennfahrerin auf der Rennbahn Mönchengladbach. Ich bekam meine „eigenen“ Pferde zugeteilt die ich pflegen und trainieren musste. Es kamen und gingen viele tolle Pferde.

Ein halbes Jahr nach Lehrbeginn kam ein Neuzugang aus München. Ein wunderschöner 6 jähriger Hengst. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sein Temperament, die schönen Augen, überhaupt seine ganze Art begeisterten mich vom ersten Moment an. Es war eine tolle Zeit. Wir fuhren viel im Gelände spazieren. Eine nette Abwechslung zum harten Training auf der Bahn. Wenn er Rennen laufen musste war ich natürlich dabei. Weil er in Finnland geboren wurde musste er hier in Deutschland mit „Zwangsgewinnsumme“ starten. Er hatte damals eine Gewinnsumme von 30.000 DM, musste aber bis 80.000 DM laufen. Das heißt die Gegner waren immer gute und starke Pferde. Kein Problem für „Lex“, denn er gab immer sein bestes und war vorne mit dabei.

In einem Rennen in Recklinghausen bekam er drei Hornspalte. Der arme Kerl wusste gar nicht auf welchem Bein er zuerst lahmen sollte. Zwangspause war angesagt. Ich habe alles versucht die Verletzungen so schnell wie möglich zu heilen. Ein lieber Mitarbeiter gab mir den Tipp seine Hufe in Kuhmist einzupacken. Das sollte den Hornwuchs beschleunigen und den Huf weich halten. Gesagt getan. Vierzehn Tage lang habe ich bei ihm in der Box übernachtet denn er versuchte natürlich den stinkenden Mist los zu werden. Nach drei Monaten konnte er endlich wieder arbeiten.

Mein Trainer kam in den Stall und ich sagte ihm das „Lex“ wieder fit sei. Er schaute mich an und sagte nur das mein Liebling zurück nach München ginge. Die Besitzerin wollte es so. Ich war geschockt und weinte mir die Augen aus.

Jeden Monat rief ich in München an und erkundigte mich nach ihm. Vier lange Jahre. Einmal habe ich ihn auch besucht. Es war die Hölle ihn zu sehen, aber nicht mit ihm zusammen sein zu können.

Dann kam der Tag den ich im Leben nie vergessen werde. Ich telefonierte mal wieder mit der Besitzerin von „Lex“. Sie sagte mir das sie ihn schlachten lassen will, da er ja bald ausjährig sei und dann kein Geld mehr verdienen würde. Ich war schockiert. Nach dem Telefonat sprach ich mit meinen Eltern und mit der Familie meines Freundes. Alle waren anfangs dagegen ihn zu kaufen. Viel Geld hatten wir ja alle nicht. Und Mike und seine Familie kannten ihn nicht mal. Sie hatten aber immer Traber gehabt, und deshalb konnten sie mich irgendwie verstehen. Wieder endlose Telefonate mit München um die Besitzerin von „Lex“ zu überzeugen ihn mir zu verkaufen. – Es klappte.

Da ich nach meiner Lehre mit Mike nach Stuttgart gezogen war, „Lex“ aber mit dem Transporter von München nach Gelsenkirchen kommen sollte musste ich also ins Rheinland fahren um ihn abzuholen. Ich vergesse nie den Moment als ich ihn wieder sah. Auch nicht den Blick von Mike, Gery und meinem Schwiegervater. „Lex“ hatte auch sie vom ersten Moment an begeistert. Jetzt gehörte er endlich mir.

Wir hatten sehr schöne Jahre. Natürlich versuchte ich auch ihn zu reiten. Aber das war zu Anfang nicht sein Ding. Jedes mal, wenn ich versucht habe aufzusteigen hat er mich herunter gebissen oder er legte sich einfach hin. Irgendwie konnte ich das auch verstehen, weil seine Beine durch die harte Rennlaufbahn sehr gelitten hatten. Spat und Arthrose plagten meinen Liebling. Mit dem Trainingswagen im Gelände spazieren fahren war für ihn das schönste. Nach 5 Jahren konnte ich ihn auch endlich reiten. Ohne Sattel im Gelände, das mochte er. Jedes mal, wenn wir andere Pferde trafen baute er sich auf und wieherte ihnen entgegen. Er war ein echter Angeber. Wenn wir geschäftlich ins Rheinland mussten war er dabei. Hänger fahren war seine Welt. Als wir unterwegs mal eine Panne hatten, bauten wir die Trennwände heraus und „Lex“ übernachtete im Pferdehänger. Er war einfach toll.

Alles konnte man mit ihm machen. Angst kannte er nicht. Ich war mit ihm auf einem Kinderfest, Karneval stand er im Solarium einer Freundin schlürfte Cola und im Winter zog er den Schlitten. Einmal ritt ich mit ihm durch den Schnee, wie immer ohne Sattel als plötzlich das Gebiss mitten im Galopp kaputt ging. Ich musste abspringen, weil ich keine Kontrolle mehr hatte. Ich lag im Feld mit einem riesigen Bluterguss am Bein und einem gebrochenen Zeh und „Lexi“ spazierte gemütlich zum Stall zurück. Als ich humpelnd am Stall ankam stand er bei einer schönen Stute und flirtete heftigst mit ihr. Gott sei Dank nichts passiert. Außer mir ein bisschen. ;-) ) Auch wenn er ziemlich hengstig war, so bald Kinder in der nähe waren wurde er zum Lamm. Er liebte es verwöhnt zu werden von den Kleinen.

Manchmal aber ging sein Temperament etwas etwas mit ihm durch. Er hatte sich mit seinem „Stallnachbar“ gestritten und dabei gegen den Futtertrog getreten. Offener Griffelbeinbruch. Die ganze Familie wartete vor der Klinik als er operiert wurde. Wir alle hatten Angst das ihm was passieren könnte. Aber er war stark. Nach 10 Tagen Klinikaufenthalt war er wieder zu Hause und munter wie eh und je.

1992 bekam ich nach langem betteln endlich seinen Fohlenschein von der Exbesitzerin. Ich wollte so gerne ein Fohlen von ihm. Meiner Familie gehörte damals die wunderschöne Stute „Nancy Way“. Das erste mal in seinem Leben durfte er decken. Er stellte sich zwar etwas dumm an aber es funktionierte direkt in der ersten Rossephase. Knapp ein Jahr später, am 1. Mai wurde „Remember Way“ geboren. Eine schicke Fuchsstute. Ich war sehr stolz auf meinen Hengst.

1996 dann zogen wir ins Rheinland. Wir nahmen einen schönen Stall auf der Rennbahn, weil die anderen Pferde von uns Rennen laufen sollten. Obwohl „Lex“ mittlerweile schon 21 Jahre alt war, merkte keiner ihm sein Alter an. Aber wirklich wohl fühlte er sich nicht. Er dachte wohl an seine Rennlaufbahn zurück. Trotzdem machten wir zwei es uns schön. Wenn er auf einer Wiese laufen durfte spielten wir fangen. Meistens jagte er mich. Ich hatte ihm auch irgendwann mal beigebracht auf Kommando zu steigen. Das machte er richtig gut. Manchmal auch unaufgefordert. Er war halt ein wirklich lustiger Freund. Einmal war ich allein im Stall und ein LKW voller Späne wurde geliefert. Aber die Lieferanten hatten die Späne nicht in Säcke abgepackt, sondern lose abgekippt. Ich stand da vor einem riesen Berg Späne auf der Stallgasse und wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Da habe ich erst mal „Lex“ frei im Stall laufen lassen, der wälzte sich unzählige male bis er aussah wie ein paniertes Schnitzel. Seine schönen Mandelaugen blinzelten unter der Späne hervor. Ein echt lustiger Kerl.

Am 10. August 2000 dann klingelte morgens um 7.30 Uhr Gery Sturm an der Tür. Ich solle schnell den Tierarzt rufen und in den Stall kommen. „Lex“ ginge es nicht gut. Als ich im Stall ankam sah ich meinen kranken Liebling. Ihm ging es sehr schlecht. Kolik. Der Tierarzt gab ihm eine krampflösende Spritze und meinte das es ihm bald besser gehen müsse. Dem war aber nicht so. Immer wieder versuchte er sich zu wälzen. Stundenlang bin ich mit ihm gelaufen. Es half nichts. Ich musste in die Klinik fahren. Ein nettes Mädel, die ich nur flüchtig kannte, begleitete mich. Meine Familie blieb zu Hause, weil sie schon ahnten was passieren würde. Sie verabschiedeten sich von ihm, dann fuhren wir los. Als ich ihn in der Klinik ausgeladen habe wieherte er, als ob nichts wäre. Er wurde sofort untersucht. Sie stellten einen Darmverschluss fest. Dann wurde noch eine Bauchpunktion gemacht um sicher zu gehen das sie die richtige Diagnose gestellt hatten.

Mein armer Schatz hat sehr gelitten. Seine Augen waren trüb. Ich spürte das es zu Ende ging, aber wollte einfach nicht akzeptieren was ich sah und was die Ärzte mir sagten. Ich stand vor dem schwersten Schritt meines Lebens. Ich sollte mein OK geben das sie ihn einschläfern. Ich weinte und flehte zu Gott das er mir hilft bei der Entscheidung. Immer wieder sah ich in die so sehr vertrauten, aber vom Schmerz geplagten Augen meines Pferdes. Um meinem Schatz weitere Schmerzen zu ersparen gab ich mein OK. Unter der Bedingung auch auf seinem letzten Weg bei ihm zu sein. Sie brachten ihn in eine weiche Aufwachbox, da bekam er eine Narkose. Er legte sich hin und ich nahm seinen schönen Kopf auf meinen Schoß. Dann gab ihm die Tierärztin die Spritze und er schlief für immer ein. Ich weiß nicht wie lange ich bei ihm gesessen habe. Er konnte doch nicht Tot sein. Sein Fell glänzte doch noch so schön. Ich konnte nicht verstehen was da passiert war. Ich weinte um das liebste und beste Pferd was ich je hatte.

Hey Lex, wir werden dich nie vergessen! Du warst etwas ganz besonderes!

Autor: Janette
JanettedeSteur@aol.com

http://www.lex.de.gg/



Typisch Pferde
1, 3 November, 2006, 7:37
Gespeichert unter: Pferde

Manche Pferde haben echt die Begabung, zu den unpassendsten Terminen anzufangen, Blödsinn zu machen. Vor zwei Jahren passierte mir folgendes: Mit ein paar anderen Mädchen bereitete ich mich auf die Prüfung „Großes Hufeisen“ vor. Seit dem Sommer ritt ich am liebsten Valentino, einen Schimmelwallach. Ich war unter den Kindern die einzige die ihn mochte, denn er war etwas faul und sehr schreckhaft. Doch sein Galopp war herrlich, er galoppierte stundenlang, Runde um Runde. Auch springen konnte er super. Also freute ich mich immer auf die Reitstunde, vor allem Aber auf die Prüfung.

Doch bei der „Generalprobe“ galoppierte er nicht mehr an. Ich konnte machen, was ich wollte, Valentino trabte in seinen Schontrab daher und dachte nicht daran, auch nur einen Galoppsprung zu machen. Ein etwas älteres Mädchen sollte ihn ungefähr zehn Minuten für mich abreiten. Und Valentino zeigte sich von seiner besten Seite. Er sprang sofort willig an und galoppierte seelenruhig seine Runden. Nach einer Weile saß ich wieder auf. Doch Ich bekam ihn nicht angaloppiert. Es war zum verrückt werden. Gegen Ende der Stunde absolvierte ich noch einen Sprung mit Kadir, einem anderen Schulpferd, das ich seit einem Jahr nicht mehr geritten war. Es klappte gut, so entschied ich mich, mit Kadir an der Prüfung teilzunehmen. Er blieb zwar in der Prüfung vor dem Sprung stehen und schleppte sich darüber, denn ich hatte zuwenig getrieben, dennoch bestand ich die Prüfung.

Auch jetzt kann ich Valentino nicht mehr so reiten wie früher, der Galopp ist schleppend und seitdem ich letztes Jahr vier ziemlich schmerzhafte Stürze von ihm hatte, reite ich ihn nicht mehr so gerne. Ich mag ihn immer noch sehr gerne im Umgang, und als er im vergangenen Jahr zweimal Kolik hatte, habe ich ihn auch viel geführt und hin und wieder putzte ich ihn, denn das hat er als Schimmel echt nötig. Er hatte im Herbst das Hufbein gebrochen und hatte in den Herbstferien auch Fieber. Ich glaube, Valentino bräuchte eigentlich eine Bezugsperson, er müsste Privatpferd werden und regelmäßig auf die Weide kommen, damit sich sein Zustand wieder verbessert. Aber zum Glück geht er meist nur noch einmal am Tag unter Erwachsenen, unter denen er viel besser geht als unter Kindern.

Autor: Viola
vevang@web.de



Wo sind Chipsi und Bonita?
1, 3 November, 2006, 7:04
Gespeichert unter: Pferde

Als meine Freundin Tanja und ich auf einem alten Hof unsere zwei Pflegeponys bekamen, waren wir überglücklich. Es waren Minishettys und sie hießen Chipsi und Ponita.

Außer den beiden waren dort noch drei andere Ponys um die sich andere Mädchen kümmerten. Black-Beauty, Balthasar und Gallopa.

Auf dem Hof ging es den Ponys nicht besonders gut und wir versuchten vieles zu reparieren. Wir misteten die Boxen gründlich aus, nagelten neue Bretter an die Innenwände des Stall, reparierten das Tor der Weide, hielten alles sauber so gut es ging und pflegten die Ponys.

Der Besitzer des Hofes und unserer Schützlinge war ein älterer Mann den wir alle nur „den Opa“ nannten. Er war unfreundlich und wenn er kam versuchten wir uns so unauffällig wie möglich zu verhalten. Der Opa hatte auch einen Sohn der ungefähr 40 Jahre alt war. Der war zwar nett aber dauerbesoffen. Deswegen kümmerte weder er noch der Opa, der auch meist besoffen war, sich um die armen Ponys.

Aber wir dafür umso mehr. Wir liebten Chipsi und Ponita über alles. Lange Ausflüge in Wald und Feld standen auf der Tagesordnung. Genauso gründliches Putzen und liebevolle Streicheleinheiten. Die Ponys begrüßten uns jetzt immer mit einem fröhlichen Wiehern. Ein ganzes wundervolles Jahr lang ging das so.

Doch als ich eines Tages mit einem voll gepackten Rucksack für ein Picknick mit Ponita kam, standen die Ponys nicht wie sonst auf der Weide sondern im Stall. Ich dachte mir nichts dabei und holte Ponita aus der Box.

In dem Moment kam der Opa herein und sah mich böse an. Um diese Zeit war er sonst nie im Stall. Ich könnte jetzt nicht mehr mit der Stute weggehen sagte er. Ich hatte einen Kloß im Hals. Dann sagte er, die Ponys würden in einer halben Stunde abgeholt und ich solle jetzt gehen. Ich traute mich nicht Fragen zu stellen sondern gab Ponita einen Kuss und ging. Vielleicht hätte ich lieber bleiben sollen. Doch jetzt ist es zu spät.

Das alles war vor etwas länger als einem Jahr und Tanja und ich haben bisher nur herausgefunden, dass unsere kleinen süßen Ponys zuerst an einen Pferdehändler und dann weiterverkauft wurden. Den Pferdehändler haben wir nicht erreichen können und sind sehr traurig. Bitte helft uns !!!

Chipsi und Ponita sind mittlerweile 2 und 3 Jahre alt beide dunkelbraun und etwa 90cm groß. Sie wurden erst an einen Pferdehändler nach Otternhagen verkauft und dann weiter. Wir sind uns sicher, dass wir sie irgendwann finden werden. Und dann kaufen wir sie zurück!!!

CHIPSI und PONITA are the best !!!!!

Autor: Tanja und Dunja
Silfchen@aol.com