Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Weihnachten in der Speisekammer
1, 11 November, 2009, 6:40
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Unter der Türschwelle war ein kleines Loch. Dahinter saß die Maus Kiek und wartete.
Sie wartete bis der Hausherr die Stiefel aus- und die Uhr aufgezogen hatte; sie wartete, bis die Mutter ihr Schlüsselkörbchen auf den Nachttisch gestellt und die schlafenden Kinder noch einmal zugedeckt hatte; sie wartete auch noch, als alles dunkel war und tiefe Stille im Hause herrschte. Dann ging sie.

Bald wurde es in der Speisekammer lebendig. Kiek hatte die ganz Mäusefamilie benachrichtigt. Da kam Miek die Mäusemutter mit den fünf Kleinen, und Onkel Grisegrau und Tante Fellchen stellten sich auch ein.

„Frauchen, hier ist etwas Weiches, Süßes,“ sagte Kiek leise vom obersten Brett herunter zu Miek, „das ist etwas für die Kinder,“ und er teilte von den Mohnpielen aus. „Komm hierher Grisegrau,“ piepste Fellchen, und guckte hinter der Mehltonne vor, „hier gibt’s Gänsebraten, vorzüglich, sag ich dir, die reine Hafermast; wie Nuss knuspert sich’s.“ Grisegrau aber saß in der neuen Kiste in der Ecke, knabberte am Pfefferkuchen und ließ sich nicht stören.

Die Mäusekinder balgten sich im Sandkasten und kriegten Mohnpielen. „Papa,“ sagte das größte, „meine Zähne sind schon scharf genug, ich möchte lieber knabbern, knabbern hört sich so hübsch an.“ „Ja, ja, wir wollen auch lieber knabbern,“ sagte alle Mäusekinder, „Mohnpielen sind uns zu matschig,“ und bald hörte man sie am Gänsebraten und am Pfefferkuchen. „Verderbt euch nicht den Magen,“ rief Fellchen, die Angst hatte, selber nicht genug zu kriegen, „an einem verdorbenen Magen kann man sterben.“

Die kleinen Mäuse sahen ihre Tante erschrocken an; sterben wollte sie ganz und gar nicht, das musste schrecklich sein. Vater Kiek beruhigte sie und erzählte ihnen von Gottlieb und Lenchen, die drinnen in ihren Betten lägen und ein hölzernes Pferdchen und eine Puppe im Arm hätten; und dass in der großen Stube ein mächtiger Baum stände mit Lichtern und buntem Flimmerstaat, und das es in der ganzen Wohnung herrlich nach frischem Kuchen röche, der aber im Glasschrank stände, und an den man nicht heran könnte. „Ach,“ sagte Fellchen, „erzähle nicht so viel, lass die Kinder lieber essen.“ Die aber lachten die Tante mit dem dicken Bauch aus und wollte noch viel mehr wissen, mehr als der gute Kiek selbst wusste.

Zuletzt bestanden sie darauf, auch einen Weihnachtsbaum zu haben, und die zärtlichen Mäuseeltern liefen wirklich in die Küche und zerrten einen Ast herbei, der von dem großen Tannenbaum abgeschnitten war. Das gab einen Hauptspaß. die Mäusekinder quiekten vor entzücken und fingen an, an dem grünen Tannenholz zu knabbern; das schmeckte aber abscheulich nach Terpentin, und sie ließen es sein und kletterten lieber in dem Ast umher. Schließlich machten sie die ganze Speisekammer zu ihrem Sielplatz. Sie huschten hierhin und dorthin, machten Männchen, lugten neugierig über die Bretter in alle Winkel hinein, und spielten Versteck hinter den Gemüsebüchsen und Einmachtöpfen; was sollten sie auch mit dem dummen Weihnachtsbaum, an dem es nichts zu essen gab! Als aber das kleinste ins Pflaumenmus gefallen war und von Mama Miek und Onkel Grisegrau abgeleckt werden musste, wurde ihnen das Umhertollen untersagt, und sie mussten wieder artig am Pfefferkuchen knabbern.

Am andern Morgen fand die alte Köchin kopfschüttelnd den Tannen Ast in der Speisekammer und viele Krümel und noch etwas, was nicht gerade in die Speisekammer gehört, ihr werdet euch schon denken können was! Als Gottlieb und Lenchen in die Küche kamen, um der alten Marie guten Morgen zu wünschen, zeigte sie ihnen die Bescherung und meinte: „Die haben auch tüchtig Weihnachten gefeiert.“ die Kinder aber tuschelten und lachten und holten einen Blumentopf. Sie pflanzten den Ast hinein und bekränzten ihn mit Zuckerwerk, aufgeknackten Nüssen, Honigkuchen und Speckstückchen. die alte Marie brummte; da aber die Mutter lachend zuguckte, musste sie schon klein beigeben. Sie stellte alles andere sicher und ließ den kleinen Naschtieren nur ihren Weihnachtsbaum.

Die Kinder aber jubelten, als sie am zweiten Feiertage den Mäusebaum geplündert vorfanden und hätten gar zu gern auch ein Dankeschön von dem kleinen Volke gehört. „Den guten Speck vergesse ich mein Lebtag nicht,“ sagte Fellchen, und Grisegrau biss eine mitgebrachte Haselnuss entzwei; Kiek und Miek aber waren besorgt um ihre Kleinen, die hatten zuviel Pfefferkuchen gegessen, und ihr wisst, liebe Kinder, das tut nicht gut!

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Foto: © Africola (Lea M.)/ http://www.pixelio.de

Autor: Paula Dehmel
(geb. 1862, † 1918)

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Geschichte von Rodnye
1, 19 März, 2009, 11:29
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Als ich eines Sommertages mit einer Packung Corn Flakes nach Hause kam und dann mein Meerschweinchen Rodnye aus dem Käfig holte, wollte es in den Umkarton der Corn Flakes klettern, aber ich sagte dauernd: „Nein, dort darfst du nicht hinein!“

Das Tier hat keine Ruhe gegeben, also stellte ich die Verpackung auf den Tisch und das Meerschweinchen lief so schnell es konnte in die Verpackung – und kam anschließend natürlich nicht mehr hinaus.

So holte ich eine Schere und schnitt es wieder frei.

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Foto: © motograf / pixelio

Autor: Ein anonymer Tierfreund

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Sonntags ausschlafen
1, 8 April, 2008, 7:10
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Was haaaabbb ich mir gewünscht nach einer anstrengenden Woche heute morgen ausschlafen zu können.

Hab trotzdem ausnahmsweise nachts die Tür zum Chinzimmer offen gelassen, damit ich höre, falls meine Kenyatta ihre Babies in der Früh bekommt oder irgendwas ist.

Es sind immer noch meine beiden Süssen, Aaron Ohrenlos und seine Nuala, bei mir im Schlafzimmer. Manchmal träumen Chins ja nachts, dann kommt so ein Warnquietscher, der i.d.R. auch mich aufweckt. Ich sag dann was ganz ruhig im Halbschlaf und Chin schläft weiter. Ich dann auch.

Die andere Situation für morgendliche Warnrufe – die Chins finden ich schlafe zu lange und wollen Aufmerksamkeit. Kein Witz, wenn sich eine Routine eingestellt hat und ich mal eine Stunde länger schlafe, dann wird „gerufen“ und „geweckt“.

Anders heute morgen …

Aaron schlug Alarm. Und das vor 7 Uhr. Nicht nur ein Ruf, nein, gleich eine Reihe von Ausrufen. Ich wache auf, rede ruhig zurück. Ruhe. Dauert keine 2 Minuten, Aaron lässt wieder einen Schwall von Alarmrufen ab. Ich rede wieder ruhig noch total im Halbschalf auf ihn ein. Ruhe. Dauert wieder nicht lange – ich jetzt schon fast wach, fang an zu schimpfen. Aaron, gibt diesmal nur zwei Warnphiepser von sich – klingt allen Ernstes beleidigt. Auch gut, ich will schliesslich noch schlafen. Ca. 5 Minuten später – neue Aaron Alarmtirade. OK, ich stehe auf, checke dabei gleich mal das Chinzimmer. Alles wirkt normal.

Geh ins Bad und zurück ins Bett. Das Ganze von vorne. Und nicht nur von Seiten von Aaron – irgendwie knackt eine Feder in der Matratze so komisch. Die ist relativ neu – woher kommt das? Ich dreh mich in Erschöpfung und Halbschlaf zur Seite, um andere Federn zu belasten. Ruhe. Aaron Alarm. Ich schimpfe. Ruhe. Neue Feder knackt …

Ok, jetzt ist die Ruhe vorbei. Ich steh auf – zähle die Flauschnasen im Zimmer durch – alles scheinbar ok. Zurück ins Bett. Feder knacken. Aaron Warnschreie. Ich schimpfe. Aaron beleidigte Kurzphiepser. Federn knacken.

Jetzt ist meine Geduld am Ende – da stimmt was nicht. Ich raus aus dem Bett. Alles unterm Bett rausgeräumt. Liege flach auf dem kalten Parkett auf der Lauer. Nix. Stille. Ich warte … Ok, jetzt bin ich schon so wach, jetzt kann ich auch noch hinter dem letzten Karton ganz hinten rechts nachsehen.

Und siehe da … ein safirfarbener Chinpopo hoppelt unterm Bett hervor. Sarah bemerkt mich – gibt Gas – Hinterfüsschen paddeln auf dem Parkett – sie düst ins Wohnzimmer. Ich mit wehendem Morgenmantel hinterher. Das siegessichere Grinsen von Aaron Ohrenlos im Rücken …

Ca. Viertelstunde später – Sarah muss eine riesen Schmusattacke über sich ergehen lassen. Zurück in den Käfig. Ich zurück ins Bett, versuche zu schlafen. Aaron guckt mich selbstbewusst an.

Ein „blitzgscheites Kerlchen“ (Zitat, sein TA). Wohl wahr, wohl wahr …

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Autor: Claudia Mooser
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Vergesellschaftung mit Sprüheffekt
1, 8 April, 2008, 6:55
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Also, dass Vergesellschaftungen gerade bei älteren Chins mit starken Charakteren nicht einfach sind, ist ja mittlerweile bekannt. Manchmal kann man aber auch zu dem Schluss gekommen, dass genau diese starken Charaktere sich in einer 3-er Gruppe schön ausbalancieren. Dass für eine saubere Vergesellschaftung dazu aber auch das nötige Reaktionsvermögen gehört, hab ich erst dieser Tage gelernt.

Eine neue Familie für Iman

Nachdem aufgrund des diagnostizierten Herzfehlers von Layla, und der Angriffe von Iman beschlossen hab ihre Gruppe zu verkleinern, musste für meine Iman eine neue Familie gefunden werden. Iman ist nicht leicht zu vergesellschaften, das war sie als Jungtier schon nicht. Sie ist ein ganz liebes Chinny, aber ihre Macke ist, sie ist extrem territorial und dann auch schnell angriffslustig. Wenn ihr nicht gleich Parole geboten wird, dann wird sie sehr dominant. Dh man braucht mindestens ein gleich starkes Weibchen in einer Gruppe, das sich nicht einschüchtern lässt.

Meine Wahl fiel letztendlich auf Montalban und Coucou. CouCou hat eh gerne Abwechslung und Geselligkeit. Die Jungs freuen sich immer, wenn sie ein Weibchen mehr im Harem haben.

Vergesellschaftung – im Normalfall

Und jetzt im weiteren Verlauf der Geschichte, alle KBM-getrimmten Vergesellschafter bitte weghören – jetzt wird es nämlich gleich ganz schrecklich (einfach)!

Ok, egal… so geht es hier zu, bei „normalen“ Vergesellschaftungen folge ich einfach dem Vorbild von US Hobbyzüchtern mit wirklich langer Erfahrung (z.b. Sandy Kao) und dem erfahrenen Rat von Grosszüchter wie Randy Jagielo (1500 Chins), die den Hobbymarkt sensibel berücksichtigen. So hat es sich hier bei mir als sinnvoll bestätigt:

Ich beobachte die Tiere, wähle aus wer zusammen passen könnte, mache einen Schnuppertest gefolgt von einer Phase Käfig-an-Käfig, nehme bei positiver Resonanz dann das territorialere Tier aus seinem Käfig und setze es in den Käfig mit der neuen Gruppe (ob Käfig davor desinifiziert werden muss oder gerade nicht, ist individuell verschieden!). Beobachte, bleibe daneben sitzen, Tür offen, jederzeit bereit zum Eingreifen.

Normalerweise, sieht man innerhalb der ersten halben Stunde, ob die Gruppe funktionieren wird und wenn ja, wie gut. D.h. nicht unbedingt, dass alles gleich friedlich abgeht. Deshalb schlafe ich oft noch die erste Nacht neben dem Käfig der neuen Gruppe oder habe sie bei mir im Schlafzimmer. Im Normalfall, ist das in meiner Erfahrung die einfachste und stressfreieste Vergesellschaftung für die Chins, die zugleich eine langfristige Aussagekraft hat. Stressvoll ist sie eher für den Halter!

Meine Iman und ihre Eigenheiten

Nun, so geschehen im Fall Iman.

Und gerade bei Iman habe ich gelernt, dass erstmal Rangordnungen geklärt werden muß und das durchaus zickig abgeht. Das involviert Bellen und Pipiduschen (was drüber hinaus geht, da wird die Vergesellschaftung abgebrochen).

Ich halte Imans Näschen an das von Coucou. Iman und Coucou schmusen als wären sie die geborenen Busenfreundinnen. Gleiches Szenario im Käfig. Man könnte meinen die beiden haben sich auf Anhieb gefunden und lieb gehabt.

Tja, aber es wäre nicht meine Iman, wenn das so einfach weiter ginge. Die fängt nämlich bei soviel Harmonie und Einverständnis als nächsten Schritt gleich mal an ihre Dominanz rauszukehren. Macht sich in CouCous und Montys Käfig breit. Erklärt die gesamte untere Bodenfläche inkl. Sandbad, Futternapf und Wasserflasche zu ihrem Reich. Naja, das geht natürlich nicht. CouCou kommt runter, will nachschauen und schmusen. Iman zeigt Dominanz. Oh oh, jetzt heißt es Aufpassen für den VG-Manager.

Wer hat den Überblick über die Situation?

CouCou guckt verdutzt. Und motzt. Iman motzt frech zurück. CouCou dreht sich ruhig um, aber man merkt es lässt ihr keine Ruhe. Sie geht erneut auf Iman zu und versucht Näschen zu reiben und Dinge friedlich zu klären. Iman richtet sich auf die Hinterbeinchen auf. Oh oh, der Moment des Halters – jetzt alle Achtung, die Situation kann brenzlig werden. Ich auf Augenhöhe mit den beiden Kontrahenten.
Auf gleicher Höhe, direkt hinter Coucou bei offener Käfigtür, jederzeit bereit bei einer Eskalation eingreifen zu können.

Während ich noch kurz über den „toten Winkel“ in meinem Sichtfeld hinter Coucous Rücken nachdenke, motzen die sich weiter an. Iman steht nun erneut auf den Hinterbeinen mit dem Rücken zur Wand, zuckt mit dem Popo, diesen leichten kleinen Ruck nach vorne. Der Moment ist gekommen: Start frei für den Pipistrahl!

CouCou trifft es keineswegs unerwartet. Sie ist ebenfalls aufgerichtet und zeigt famoses Reaktionsvermögen und weicht mit dem Oberkörper zur Seite aus. Tja, jetzt ist der tote Winkel auch einsehbar. Der einzige, der keine Reaktion gezeigt hat und nicht ausgewichen ist war der Chinhalter – ich. Pipistrahl mitten ins Gesicht. Igiiiittttt!! Bäh!!!

Unsere Chinmami gluckst so komisch

Iman guckt mich verblüfft an. CouCou guckt Iman fragend an, dreht sich zu mir um, und schaut erstaunt auf meine verzogenen Gesichtszüge. Beide lauschen sie still und andächtig meinen komischen Glucksgeräuschen. Was Claudia für eigenartige Geräusche von sich geben kann? Weisst Du was sie meint??? Verblüfft gucken sich beide Chins an. Ratlosigkeit. Man reibt sich übers Näschen. Und geht wieder seiner ganz normalen Wege. Sie setzten sich entspannt hin, die eine knabbert ein bisschen an einem Heuhalm, die andere putzt ihr Fell. Es ist Ruhe und Frieden, als könnte kein Wässerchen diese harmonische Idylle trüben. Beide hoppeln ihrer Wege. Ich beträufeltes Riesenchinchilla hoppel erst mal ins Bad.

Tja, Mädels, blöde Vergesellschaftung… Entweder man hat gutes Chinny Reaktionsvermögen oder man beachte die toten Winkel, die sich plötzlich auftun können!

Im Grunde genommen mögt ihr Euch doch eh! Das nächste Mal könnt ihr Euch einfach alleine vergesellschaften …

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Autor: Claudia Mooser
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Nelly, das Unglücksschwein
1, 8 November, 2007, 12:33
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Vor zweieinhalb Jahren haben wir (meine Mutter und ich) Nelly in einer Zoohandlung gekauft. Damals hatten wir schon drei Meerschweinchen. Pigli, Speedy und Strubbel, unseren Bock.

Von Anfang an haben sich unser Rudel und Nelly sehr gut verstanden. Nelly saß immer bei Strubbel und Speedy immer bei Ihrer besten Freundin Pigli. Alles schien perfekt, doch ein Jahr später verstarb Pigli auf tragische Art und Weise. Es geschah, als unsere Schweinchen auf der Wiese im Garten in ihrem Gehege grasten. Ein Hund verirrte sich in unserem Garten und witterte die hilflosen Schweinchen. Er sprang in das Gehege, erwischte die schon (alltersbedingt) etwas langsamere Pigli und schüttelte sie wie ein Kuscheltier. Er brach ihr das Genick.

Für Speedy, die immer gerne mit ihr vor dem Heu saß, war das nicht schön. Sie suchte nun die Nähe zu Nelly. Nun hockten diese beiden immer vor dem Heu.

Einige Monate später bekamen wir ein kakaobraunes Meerschweinchen namens Lucy dazu. Sie verstand sich nicht so gut mit Nelly und Speedy, dafür aber sehr gut mit unserem Bock Strubbel. Der war natürlich happy, endlich ein neues Weibchen zu haben. Er hatte also jetzt eine neue Freundin.

Doch jetzt zur eigentlichen Geschichte: An einem sehr warmen Herbsttag in diesem Jahr war die Wiese trocken und wir beschlossen, unsere Meerschweinchen in ihr Wiesengehege zu stecken, damit der Rasen endlich mal wieder von ihnen gemäht würde, und die Meerschweinchen sich mal wieder so richtig austoben konnten. Das Gehege hatten wir schattig neben einigen Pflanzen und Büschen aufgebaut.

Am nächsten Tag kam ich von einem Termin, als meine Mutter meinte, ich sollte mal nach meinen Schweinchen sehen, denen es nicht gut ging. Sie hatte die Schweinchen bereits aus dem Stall geholt. Ich ging zu ihnen rein und sah Nelly und Lucy fast völlig regungslos auf dem Boden liegen. Die Köpfe der beiden lagen schlaff zur Seite gedreht auf dem Boden und sie atmeten schnell und schwer. Meine Mutter sagte zu mir, sie seien wie betrunken gewesen und seien in ihrem Stall herumgetorkelt.

Mir schossen die Tränen in die Augen. Sofort versuchten wir den tierärztlichen Notdienst zu ermitteln, denn es war Sonntag. Doch das war gar nicht so einfach. Auf der Hompage des Notdienstes stand zwar, welcher Tierarzt Notdienst haben sollte, doch als wir dort angerufen hatten, ging nur eine Bandansage an, dass wir außerhalb der Sprechzeiten anrufen. Also hat meine Mutter verzweifelt in einer Tierklinik angerufen, die uns dann mitteilte, dass sich der Notdienst geändert hatte. Sie gaben ihr den richtigen Tierarzt bekannt.

Sofort schnappten wir uns unsere Liebsten und fuhren zu diesem Tierarzt. Als wir dort waren, sagte man uns, dass sich die Tiere wahrscheinlich an einer Pflanze vergiftet hatten, sie dies aber wohl überstehen werden. Die Tierärztin gab ihnen eine Vitaminspritze. Wir sollten auf die Kotabsetzung achten, und darauf, dass sie noch etwas Heu zu sich nahmen.

Am Abend ging es Lucy schon wieder besser, doch völlig fit war sie noch nicht. Nelly hingegen schien es nicht besser zu gehen. Im Gegenteil, sie hatte etwas Durchfall. Das war gar nicht gut, denn Durchfall ist bei den kleinen Geschöpfen das Todesurteil. Anscheinend hatte unsere „Nelly-Maus“ auch nichts mehr gefressen. Ebenfalls kein gutes Zeichen.

Am nächsten Tag fuhr meine Mutter nochmals mit Nelly zu unserem Tierarzt. Dieser versicherte ihr ebenfalls, dass das Schweinchen es überstehen würde. Er gab ihr nochmals eine riesengroße Spritze, wovon Nelly sogar anfing zu bluten. Er gab meiner Mutter ein Mittel gegen Durchfall mit und eine Spritze. Dann drückte er ihr noch eine kleine Dose mit gemahlenem Heu in die Hand. Dieses sollten wir mit ein wenig Wasser vermischen und in die Spritze ziehen. Damit sollten wir Nelly zwangsernähren.

Am nächsten Morgen war es wieder soweit, Nelly musste zwangsernährt werden. Wir holten den kraftlosen Körper aus dem Käfig und versuchten dem Schweinchen das „Flüssigheu“ einzuflößen, doch sie spuckte alles wieder aus. Schwabbelig legte sie sich hin und fiel fast auf die Seite. Doch nun musste auch noch das Durchfallmittel rein. Ich hielt Nelly fest und meine Mutter spritzte das Mittel in ihren Mund. Wenigstens das hatte sie runtergeschluckt. Danach haben wir das kraftlose Geschöpf wieder zurück in ihren Käfig gelegt.

Voller Sorge um unser Nelly-Mäuschen saß ich in der Schule und meine Mutter auf der Arbeit. Ich war heilfroh, als es endlich nach der 6. Stunde klingelte. Ich schnappte mir mein Fahrrad und fuhr schnell nach Hause. Auf dem Nachhauseweg hoffte ich die ganze Zeit, dass es Nelly nun besser ging. Als ich zu Hause angekommen war, schloss ich die Tür auf und guckte sofort in Nellys Käfig. Da lag sie in ihrem Häuschen. Ich starrte auf ihren Bauch und sah, dass sie leider nicht mehr atmete. Wieder schossen mir die Tränen in die Augen. Nelly fand ihr Ende am 17.10.2007. Leider viel zu früh.

Selbstverständlich haben wir Sie in unserem Garten unter unserem Hibiskus begraben. Speedy, ihre Schweinchenfreundin, vermisste sie sehr. In den ersten Tagen stand sie immer an der Stalltür und hat leise erwartungsvoll gequiekt. Sie wartete immer darauf, dass irgendeiner Nelly zurück in den Stall setzte.

Heute wissen wir auch, woran sich die beiden Schweinchen vergiftet hatten. Es war der OLEANDER. Die Pflanze stand zwar neben dem Gehege, aber der Wind musste einige vertrocknete Blätter in das Gehege geweht haben, die unsere Schweinchen neugierig gefressen hatten. In der nächsten Gartensaison werden wir immer darauf achten, dass wir das Gehege nicht mehr neben Pflanzen aufbauen und dass auch keine Blätter darin liegen.

Lucy ging es nach zwei Tagen wieder bestens. Sie tobt heute schon wieder mit den Anderen. Hoffen wir, dass sie und ihre Kumpels ur… ur… ur… ur… ur… uralt werden. !!!

Autor: Manuela Rodacker
manuela.rodacker@t-online.de

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Kleiner Geist
1, 18 Juni, 2007, 10:31
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Ich schreckte hoch. Da war doch was! Ich stieg aus dem Bett und guckte mich verstohlen um … Da war es wieder: Ein leises Knabbern. Ich ging in die Küche, um etwas zu trinken und um den „Traum“ „wegzukippen“. Ich rannte in mein Zimmer da war es wieder. Spinne ich etwa?!

Ich legte mich im Wohnzimmer auf die Couch, um dem Geräusch zu entfliehen. Krzzzzzz … krzzzzzz …
OH NEIN!
Ich hielt mir die Ohren zu und……. HÖRTE ES TROTZDEM! -
MISTMISTMIST!!!

Ich suchte noch Mal und wechselte dabei den Raum.
Jetzt SAH ich es!
EINE MAUS!!! Sie hatte an den Bodenbelegen herumgeknabbert!
Mein Ausruf war: „Kleiner Geist!“

Ich setzte sie in den Keller und kaufte am nächsten Tag einen Käfig, drei weitere Mäuse, Trinken, Fressen, einen Schrank dafür, Streu, Heu, eine Heuraufe, einen Fressnapf, ein großes Schlafhäuschen und Schlafwatte für das Häuschen.
Ich habe meinen „kleinen Geist“ und die anderen zwei jetzt richtig lieb gewonnen!

Autor: Sabrina Hagemann
s-hagemann@aol.com



Schwein gehabt
1, 17 November, 2006, 8:05
Gespeichert unter: Nager

An einem sehr warmen Tag, 10. Juni 06, wurde ich von meiner Mutter angerufen, ich sollte doch von meiner Freundin etwas Meerschweinchen-Futter mitbringen, denn bei uns in der Nähe, würde eins frei herum rennen! Ich war ziemlich aufgeregt, als ich gegen 14.00 Uhr dann zu der Stelle in den benachbarten Schrebergärten ging.

Damals hatte ich noch keine Ahnung, wie lang der Tag noch werden würde! Ich legte mich auf die Lauer … es verging etwa eine Stunde, in der ich auf einer Stelle im Gras lag, in der prallen Sonne.
Dann kroch aus einem Busch ein kleines, super süßes Meerschwein heraus, es hatte mein ausgelegtes Futter gefunden!

Als es mich jedoch entdeckte, verschwand es panisch in de Hecke. Ich baute eine Falle aus einem Korb!. Weitere 4 Stunden und einige Schrammen später hatte ich das kleine Marathon-Meerlie, wie es ein Freund später nannte, gefangen! Er war abgemagert, hatte er schließlich schon fünf Tage dort gehaust! Heute ist er ein kleines Dickerchen. Ich war überglücklich, hatte ich mir schließlich vor einigen Jahren so sehr Meerschweinchen gewünscht!

Er bekam den Namen Flick von mir und wurde, als er alt genug war, kastriert. Heute lebt Flick glücklich mit seiner Frau aus dem Tierheim, seinem Stiefsohn und seiner Stieftochter draußen bei uns im Garten, nur abends kommen sie in einen geräumigen Stall! Man kann also sagen, dass das kleine freche Meerschweinchen „Schwein gehabt“ hat.

Autor: Jana Jarczak
janafienchen@yahoo.de



Osterhasen und Silvesternachwuchs
1, 7 November, 2006, 6:44
Gespeichert unter: Nager

Letztes Jahr habe ich zu Ostern zwei Löwenkopf-Zwergkaninchen bekommen, da leider mein Altes eine Woche vorher gestorben ist. Über die Neuen habe mich total gefreut und direkt einen Doppel-Käfig dazu bekommen (natürlich hinterher, damit das nicht auffällt). Zum Glück haben sich beide, aus verschiedenen Geschäften, auf Anhieb gut verstanden. Da wir ein Männchen und ein Weibchen hatten, wollten wir das Männchen kastrieren lassen. Nachdem es narkotisiert war, sagte uns der Tierarzt, dass das Kaninchen ein Weibchen wäre.

In der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester, begann dass „richtige“ Weibchen sich selbst und dem anderen Kaninchen Haare auszurupfen. Das hat mich nicht sonderlich interessiert, weil beide ziemlich viel Schwachsinn bauen. Vom 31.12.2004 bis zum 03.01.2005 war ich woanders. Als ich nachhause kam, machte ich sofort den Käfig sauber. Dabei fiel mir eine kleine Ecke auf, die sich bewegte. In dieser Ecke lagen drei kleine Hasenbabys. Der Tierarzt sagte mir, dass diese an Silvester geboren sein müssten. Mittlerweile sind sie größer geworden und noch verrückter als ihre Eltern. So haben meine zwei „Osterhasenweibchen“ süßen Silvesternachwuchs bekommen.

Autor: Tamara Müller
nc-muellebe48@netcologne.de



Tarzan
1, 7 November, 2006, 6:42
Gespeichert unter: Nager

Es war mitten im Winter 1999/2000 genau zur Jahrtausendwende. Ich ging mit meinem Hund Jana einen Weg, den ich sonst bei solch einem Matsch nie gehe. Es war allerdings gefroren, denn das Thermometer zeigte bereits seit Tagen Minusgrade an.

Wie ich also so versonnen auf den Boden stierend, um mir nicht die Beine zu brechen, an der Kleingartenanlage vorbei und zwischen Brombeerhecken hindurch laufe, läuft mir auf einmal ein kleines, unvererkennbar schwarzes Wesen, mit weißer Locke auf dem Kopf vor den Beinen her.
Als ich näher hinschaue, sehe ich : Das ist ein Meerschwein. Vielmehr die Karikatur eines Meerschweines. Superdünn und ab Hals völlig kahl.

Ich nach Hause, Meerschweinfutter gekauft, und an einem sicheren Platz das Wesen gefüttert. Aber fangen lassen wollte es sich nicht!

Ab ins Tierheim, Katzenfalle geliehen, mit Futter bestückt und 5 Tage Meerschwein gejagt. Am 5 Tag saß es an der Falle, hinter sich eine dicke fette Ratte und ich beschloß beide, im Fall eines Falles, wieder aus der Falle zu schütten. Zum Glück ging es rein und die Ratte haute ab.

Zu Hause in der Badewanne habe ich dann erst mal das Meerschwein in einen Vogeltransportkäfig geschüttet, da ich ja nicht wußte, ob das Tier krank ist und ich keinen Transportkäfig für Meerschweinchen hatte.

Diagnose des Tierarztes: unterernährt, Milbenverseucht, aber quietschfidel und munter.

Tarzan lebte, kastriert und mit einer Partnerin aus einem Tierheim noch mehrere Jahre bei mir, bis ich ihn gehen lassen musste. Der Tierarzt meinte damals: Nach der Entzündung der Haut und dem massiven Milbenbefall zu urteilen muß der Kleine wegen der Milben ausgesetzt worden sein, um die Tierarztkosten zu sparen.

Muß so etwas sein???

tarzan.jpg

tarzanplus.jpg

Tarzan mit Partnerin Line

Autor: Kerstin Meyer
Tinkasg@aol.com



Rabbit-Watching
1, 6 November, 2006, 9:13
Gespeichert unter: Nager

Seit 1976 wohnen wir, mein Mann und ich, in Kiel Mettenhof, einem Stadtteil mit Plattenbauten und Hochhäusern. Unser Wohnblock hat 3 Stockwerke und wir wohnen im ersten. Auf der anderen Seite unseres Hofes steht ein großer Block mit 7 Etagen, das Problemhaus Nr. 1 in Kiel. Der Hof hat Rasenflächen, Hügel, ein paar Bäume und Büsche.

Auf die Nager kamen wir 2001, weil uns auffiel, dass so ein Tier stundenlang unter einem Busch hockte und die Küchenfenster zu observieren schien. Es hatte einen kleinen Schlitz in einer Ohrspitze. Es gab hier eigentlich schon immer Kaninchen, aber diese Ausdauer von diesem da war schon erstaunlich.

Inzwischen haben wir gelernt, dass dieses reglose zur Kugel geformte Herumhocken der Kaninchen nichts mit Belagerung zu tun hat, sondern mit Ruhen. Sie „schlafen“ praktisch mit offenen Augen und Ohren und lassen sich dabei nicht stören, nicht Mal vom Fenster aus. Der kleine Schlitz, auch das lernten wir, schien praktisch nur die Männchen zu betreffen. Sie brachten sich derlei Verletzungen bei Streitigkeiten gegenseitig bei.

Der Nager gefiel uns, denn er leistete uns immer wieder an derselben Stelle Gesellschaft. Dann tauchte ein zweiter auf, der zumindest mir nicht so zusagte. Er schien etwas kleiner zu sein und hatte einen beachtlichen Riss im linken Ohr. Ich nannte ihn „Knickohr“.

Während die Besuche von Knickohr zunahmen, nahmen die des ersten Kaninchens ab. Er machte sich rar und verschwand ganz.

Foto: Knickohr 2002

2002 übernahm Knickohr die Herrschaft über den Rasen und die Büsche hinter dem Haus. Er hatte auch eine Frau mitgebracht. Sie schien ein bisschen größer zu sein als er. In diesem Jahr begannen wir mit dem Anfüttern, zum Leidwesen unseres Hausmeisters und seiner Gattin. Sie stand öfter in explosiver Stimmung vor unserer Tür. Es wurde weitergefüttert, auch von anderen. Es gab Wurzeln und Äpfel.

Das Weibchen klaute Knickohr ständig das Futter. Er bekam dann natürlich Nachschlag von uns. Sie waren bald sehr vertraut, aber auf das Experiment mit der angebundenen Wurzel (an einem weiß-grünen Band) fielen sie nicht herein. Zwar wollten sie zu gerne die Wurzel haben, waren aber sehr ängstlich und verstört, machten lange Hälse, immer fluchtbereit und trauten sich nicht heran. Es fehlte vielleicht noch ein halber Meter. Nachdem die Wurzel wieder entfesselt wurde, haben sie sie sofort bedenkenlos genommen.

Eine interessante Beobachtung gab es dann. Das Weibchen begann, direkt an der Hauswand ein Loch zu graben, wobei sie einen ziemlichen Sandberg an der Hauswand aufschichtete. Das Loch war immerhin so groß, dass sie ganz darin verschwand und wieder richtig herum herauskam. Dann drückte sie mit den Vorderpfoten den Sandberg fest. Sie stemmte dabei richtig ihr vorderes Gewicht auf die Pfoten und drückte kräftig. Wahrscheinlich wollte sie den Sandberg tarnen, so als sei hier nichts passiert. Nachdem sie sich genügend mit ihrem Werk befasst hatte, kratzte sie den Sand wieder ins Loch und machte es selber wieder dicht! Sie hat fast alles wieder hineingekriegt und festgedrückt. Was diese Aktion sollte, ist mir noch nicht klar.

In diesem Jahr erschien auch ein Jungtier, das wir „Biene“ nannten, denn Biene stellte sich schnell als Weibchen heraus: Sie hatte keinen Schlitz im Ohr und beklaute Knickohr ständig. Nun hatte er zwei Weiber um sich, die ihm das Futter abnahmen. Aber er gab es auch ab.

Foto: Biene 2002

2002 war auch das Jahr mit der Myxomatose. Alle drei waren befallen, aber am schlimmsten hatte das alte Weibchen zu leiden. Alle hatten die Entzündungen an Augen und Ohransätzen. Das Weibchen saß bald nur noch herum, riss und ab und zu das Maul auf und japste. Die Familie putzte sich gegenseitig, indem sie sich die entzündeten Stellen ableckten. Das taten sie mehrmals am Tag. Das alte Weibchen hat es nicht überlebt. Sie verschwand eines Tages spurlos.

Foto: Myxomatose, Knickohr rechts, das alte Weibchen links mit entzündetem Auge

Biene wurde groß und blieb mit Knickohr zusammen. Sie hatte eine kahle Stelle auf der Nase, wahrscheinlich von der Erkrankung. Die Stelle verschwand nicht mehr. Ebenso hatte Knickohr vor allem um das linke Auge einen hellen Rand zurückbehalten. Das Fell ist da nicht nachgewachsen.

Im Winter gab es dann sogar Schnee, etwa 20 cm. Zuviel für die beiden Nager. Unterhalb der Büsche hatten sie sich eine Spur getreten, aber in den hohen Schnee wagten sie sich nicht so recht. Ich musste sie ständig mit dem Futter ans Haus locken. Und dann steckte Knickohr da im Schnee und machte Männchen. Es sah schon komisch aus.

Das Männchenmachen hat er auch beibehalten. Er macht zu gerne unterm Fenster Männchen in Erwartung des Futters. So kam es auch einmal zu der spannenden Situation, dass ich gerade füttern wollte, Knickohr Männchen machte und die Frau des Hausmeisters, parterre, links unter mir das Fenster aufriss.

Knickohr sah sie also aufgerichtet an und sie sah ihn an. Beide stutzten eine Weile. Dann kam ihr Staubwedel raus und das mochte der Nager nicht.

Foto: Knickohr 2003

2003 waren Vater und Tochter weiterhin zusammen. Wenn es im Sommer warm ist, pflegen sie gerne ausgestreckt auf dem Rasen zu schlafen. Knickohr markiert unermüdlich sein Revier, indem er offensichtlich mit einer Drüse unterm Kinn über alle möglichen Pflanzen und Zweige streicht. Auch Biene wird ausgiebig markiert, allerdings mit Urin, mit dem er sie aus allen möglichen Winkeln erwischt. Oft schüttelt sie sich genervt und putzt sich das Gesicht. Besonders gerne besprüht er sie, wenn sie ihm gerade wieder das Futter geklaut hat.

Foto: Knickohr 2003

Foto: Biene, links, und Knickohr 2003

Die Weibchen klauen das Futter oft sehr energisch. Es gab regelrechte Angriffe, wobei sie über seinen Rücken sprang und ihn mit den Hinterpfoten trat. Es geht mit viel Geknurre ab, vor allem, wenn das Futter noch gar nicht geworfen wurde, sie aber vermutet, dass er es versteckt hat. Dann wird sie giftig. In solcher Situation wurde Knickohr von einer Wurzel auf den Rücken getroffen, wobei er sofort knurrte und sich umdrehte, weil er annahm, sie sei es. Während der Fütterungen wurde Knickohr schon mehrmals kräftig von einem Apfel- oder Wurzelstück auf der Schnauze getroffen, was ihn nie irgendwie verschreckt hat. Er hüpft gelegentlich in die Wurfbahn, ist aber hart im Nehmen.

Foto: Knickohr wartet auf Futter, 2003

In 2003 hatten Vater und Tochter ein Junges. Mehrere wurden nicht gesehen. Das Junge entpuppte sich schnell als Männchen, denn es klaute Papa nicht das Futter und hatte schon sehr früh einen kleinen Schlitz in der Ohrenspitze. Offenbar ist er einmal frech geworden … Das Junge verlässt die Familie recht früh.

Hin und wieder zeigen sich auch fremde Kaninchen im Hof. Knickohr hatte auch Rivalen. Gelegentlich sah er nach Kämpfen sehr zerrupft aus, einmal lahmte er etwas. Es hat sich schnell wieder gegeben.

2003 war auch das Jahr in dem die Anlage gerodet (verwüstet) wurde. Sämtliche Büsche, Brombeeren und dünne Bäume wurden entfernt. Stattdessen wurden Kriechgewächse und winzige Dinger in großem Abstand gepflanzt, aus denen mal Büsche werden sollen. Das hat den Nagern sehr zugesetzt. Sie brauchten lange, um sich daran zu gewöhnen, und sie sind noch immer nicht wieder so entspannt wie sie vorher waren.

Das „Unkraut“ wuchs prächtig, die Kaninchen hatten einen gut gedeckten Tisch. Hunderte von Mohnpflanzen machten sich breit und sorgten für Farbe. Leider rückt die Gärtnerkolonne öfter an, um den Wildwuchs zu beseitigen. Das beunruhigt die Kaninchen natürlich auch immer wieder. Zudem stört auch das dauernde Rasenmähen. Das Gras kommt überhaupt nicht mehr richtig zum Wachsen. Folglich halten sich die Kaninchen oft auf anderen Rasenflächen auf, die weniger „gepflegt“ werden. Sie holen sich bei uns meist nur das Futter ab. Das klappt oft über eine längere Zeit wie nach der Uhr. Meist kommen sie aber auch, wenn man sie „ruft“. Sie kennen die Geräusche. Oft kommen sie von weither gerannt wie die Hunde.

2004 haben die beiden vermutlich 4 Junge. Das war die höchste Zahl, mit der Biene mal gesehen wurde. Danach sah man immer nur 2 Junge. Kurz bevor die Jungen auftauchten, war Knickohr für etwa zwei Wochen verschollen. Stattdessen befand sich ein fremdes Männchen im Hof, das eifrig das Revier markierte. Es hatte auch ein fremdes Weibchen dabei. Biene schien sich ihm anzuschließen. Aber dann waren die Fremdlinge plötzlich verschwunden und Knickohr war wieder da. Er machte einen zerzausten Eindruck. Nun war er wieder dabei, sein Revier zu markieren.

Von den 4 Jungen blieb eines übrig. Ein Weibchen. Sie konnte sehr gut klauen, auch bei Mutter, die sie klauen ließ. Bald hatte sie gelernt, was es hieß, wenn ich sie zum Essen rief. Wir nannten sie „Spitzmaus“. Sie war ein extrem niedliches Tier und war stets damit beschäftigt, uns zu zeigen, dass sich auch Kaninchen sehr freuen können. Sie kam zum Futtern gesprungen mit Freudensprüngen! Sie wurde immer perfekter im „sich Freuen“.

Schließlich kam es zu „Zirkusvorstellungen“. Sie kam auch alleine zur Fütterung gehüpft wie ein Känguruh. Sie bekam natürlich ein Stück Apfel. Dann saß sie unter dem Fenster und guckte nach oben, weil sie mehr haben wollte. Plötzlich vollführte sie in einem Kreis von etwa 2 – 3 Metern die wildesten Bewegungen im Zickzack, Luftsprünge, Haken. Einmal im Kreis! Dann saß sie wieder da und sah nach oben. Das wiederholte sie noch drei Mal genauso, wobei der letzte Kreis größer war und auch noch quer über den Hügel führte.

Ich frage mich, was sie damit ausdrücken wollte. Wollte sie nur auf sich aufmerksam machen oder wollte sie zeigen, was sie konnte? Sie schätzte es auch während der Fütterungen mit den Eltern zusammen eine Kurzvorführung zu geben. Nachdem sie gefressen hatte, ging es wieder känguruhmäßig von dannen.

Später betrat ein anderes Jungtier, etwas größer als Spitzmaus, die Bühne und nahm an den Fütterungen teil. Wenn sie alle vier angerannt kamen, war es mir manchmal peinlich, weil andere Leute das beobachten konnten. Das zweite Jungtier wurde geduldet, gelegentlich aber auch von Knickohr gejagt. Ob es aus demselben Wurf stammte oder aus einem fremden, ließ sich nicht feststellen. Die Jungen verließen ihre Familie in der ersten Januarhälfte 2005.

Foto: Biene mit kahler Nase und Knickohr, 2004

Zwischendurch hat auch Biene mal ein Loch in den Hügel gegraben. Genau wie ihre Muter hat sie dann den Erdhaufen mit den Vorderpfoten plattgedrückt.

Auffällig sind auch die Wege, „Kaninchenautobahnen“, die sich auf dem Rasen deutlich abzeichnen.

Die festen Fütterungszeiten sind bei den Nagern wieder in Vergessenheit geraten. Meist muss man lange rufen. Vor allem sind sie nachts unterwegs zum Fressen, weshalb sie von uns noch im Dunkeln ein kleines Nachtmahl bekommen. Allgemein sieht man sie selten vormittags. Vor der Dämmerung machen sie sich rar. Dieses Verhalten ist mit der Rodung der Anlage stärker geworden.

Auf dem kahlen Hügel fiel auf, dass jedes Tier bevorzugte Sitzplätze einnahm. Knickohr beanspruchte besonders zwei der kümmerlichen Büsche, unter denen er zu ruhen pflegte. Er besetzte sozusagen seinen „Thron“. Auf solchen Plätzen konnte er es sehr lange aushalten, gerne auch mal im Regen, wobei er sich dann zwischendurch immer wieder putzte. Bei plötzlichen starken Güssen suchte er aber stets blitzartig Schutz unter dichteren Büschen.

Ob weitere Kaninchen in diesem Hof leben, wie es offenbar in anderen Höfen ist, ist unklar. Ist Knickohr so ein Raufbold, oder reicht das Futter nicht aus?

Autor: Gabriele L. Berndt
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