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Manchmal kann man es nicht glauben, warum die jungen Frauen von heute so rumjammern. Alles ist soviel Arbeit und sie haben fast keine Freizeit mehr. Haushalt und Kinder sind echt der totale Stress und sie fühlen sich ausgebrannt und überfordert. Fast jede zweite Frau ist unzufrieden und fühlt sich nicht verstanden, sucht nach neuen Wegen um sich selbst zu finden.
Ja, und wie war das bei uns als wir jung waren? Ganz anders …
Fangen wir beim Waschtag an. Wir hatten einen Waschkessel, der mit Holz und Kohle beheizt wurde. Die Wäsche wurde nach dem Waschen und Spülen zum Bleichen in die Sonne gelegt. Beim Wäschespülen fielen einem fast die Arme ab, so schwer war die nasse Wäsche.
Kochen durften wir meist mit einem Küchenherd, der natürlich auch mit Holz und Kohle befeuert wurde, und in einem so genannten Wasserschiffchen hatten wir immer heißes Wasser. Das Gemüse war meist im heimischen Garten gezogen und später eingeweckt, viel Arbeit und schwer noch dazu. Batterien von Einweckgläsern stapelten sich in der Küche und später im Keller, in den kleinen Gläsern die Marmelade und das Obst. Sogar Saft haben wir gemacht, es duftete im ganzen Haus und wir standen schwitzend aber glücklich mittendrin.
Damals brauchten wir keine Diät, so manches Kilo verloren wir bei der Hausarbeit. Unsere Männer halfen nicht dabei, es war „Frauensache“.
Gebadet wurde einmal in der Woche, der Badezimmerofen wurde mit Holz und Kohle gefüttert und heizte auch noch das Badezimmer. Damals hatten wir noch die gute alte Kernseife und natürlich keine Hautkrankheiten. Und wer ein Baby groß zog, der musste Stoffwindeln waschen, denn die Papierwindel kam erst 1972 nach Deutschland, die gute „Pampers“.
Und jetzt sagt mir mal, ihr jungen Frauen: Was wollt Ihr eigentlich, es geht euch doch gut. Alles ist einfacher geworden, der Haushalt, die Kinder, der Mann. Vielleicht zu leicht. Es geht euch zu gut, und das ist nie gut.
Foto: © Random-HH (Barbara Eckholdt) / http://www.pixelio.de
Autor: Ursula Geier
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Meine Freundin hat ihn “mitgebracht”, den Mann, den sie liebt. „Du musst ihn unbedingt kennen lernen“, hat sie mir am Telefon gesagt, „er ist einfach irre“.
Ich kenne meine Freundin schon fast zwanzig Jahre. Sie ist wirklich eine tolle Frau, unabhängig, fröhlich und sehr geschäftstüchtig. Geheiratet hat sie nie. Sie fand nicht den Richtigen, immer war da etwas, was sie störte. Ich war echt gespannt, wen sie mir da mitbrachte. Es musste ja ein toller Mann sein, wenn er sie so beeindruckte.
Endlich, da kamen sie beide. Sie, wie immer, elegant, charmant und sprachgewandt. Er klein, farblos und sehr ruhig, kein Adonis, eher ein Mitteldurchschnitt. Sie führte die Unterhaltung, er saß ruhig neben ihr, streichelte nur zärtlich ihre Hand und verhielt sich abwartend.
Ich war irgendwie ratlos – was war dran an dem Mann? Er sah nicht gut aus, er redete fast nichts, er war einfach nur da! Mein Gott, dachte ich so für mich, was für ein Langweiler! Nein, so einen Mann würde ich nicht geschenkt haben wollen. Was um alles in der Welt fand sie an diesem Menschen?
Wie sich im Gespräch herausstellte, konnte er nicht mal tanzen, reisen war auch nicht sein Ding. Er konnte eigentlich nur zuhören. Ob er vielleicht ein guter Liebhaber ist? Aber den Gedanken verwarf ich schnell. So sah er nicht aus.
Was er wohl beruflich mache, fragte ich ihn. „Hm, sehr viel und breit gefächert“, sagte er. Mann, war das eine Pfeife! Na ja, ich musste ihn ja nicht haben.
Meine Freundin lobte ihn in den höchsten Tönen, seine exzellenten Kochkünste, sein großes Organisationstalent, obendrein sei er ein Finanzgenie. Aha, dachte ich, er ist wahrscheinlich ein Börsenmakler oder Studienrat, hat einen eher trockenen Beruf der Gute. Dieser Mensch war nicht Fisch und nicht Fleisch, eine seltene Gattung Mann.
Endlich ging der kleine Nachmittagsplausch zu Ende. Ich war froh, so einen öden Nachmittag hatte ich lange nicht mehr gehabt!
Nach zwei Tagen rief mich meine Freundin an und fragte mich, wie ich ihn fände.
„Muss ich das wirklich sagen?“, fragte ich zurück. „Nein, musst du nicht. Ich weiß wie wundervoll er ist. Seit ich ihn habe, stimmt bei mir alles. Er kocht, er putzt, er kauft ein, er macht die Wäsche, und er braucht ganz wenig Haushaltsgeld. Und billig ist er noch dazu, er nimmt nur 1200 Euro im Monat. Ich muss ihn ganz schnell heiraten, bevor mir dieses Juwel von einer Anderen weg geschnappt wird.“
Ich lachte und lachte, so hatte ich lange nicht mehr gelacht. Der tolle Typ war ein “Hausmann”. Darauf wäre ich nie gekommen, und ein kleines bisschen neidisch war ich schon auf meine Freundin. Sie hatte Recht, so einen Mann gibt es nicht alle Tage, die haben schon Seltenheitswert.
Foto: © artoid (Franz Schneider) / http://www.pixelio.de
Autor: Ursula Geier
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Alles für die Katz – auch so ein blöder Ausspruch, aber meistens trifft er genau den Kern der Sache. Ich könnte mich immer kringeln, wenn ich meinen Bekannten zuhöre, was sie denn alles im “Neuen Jahr” anders und besser machen können, wollen und müssen. Ich kann mich da auch nicht ausschließen. Zuerst einmal abnehmen, jeden Tag mindestens 5 km laufen, sich mehr um den Mann, Partner oder Freunde kümmern. Ganz wichtig, „mit dem Rauchen aufhören“ und die Ernährung umstellen.
Im Grunde genommen sind das alles ganz einfache Dinge, und es ist gar nicht schwer, einige von ihnen in die Tat um zu setzen. Die guten Vorsätze sind da und der Wille ist übermächtig, nur mit der Umsetzung, da hapert es gewaltig. Und da wäre noch der innere Schweinehund zu überwinden. Der ist doch schuld, wenn es nicht funktioniert. Stänkert er doch rum und meint, das wäre alles absolut unnötig. Wie soll man es da schaffen, früh aus dem warmen Bett zu steigen um 5 km zu laufen, oder Karotten, statt einem dicken Butterbrot mit Schinken zu essen. Oder anstelle eines schönen Schweinbratens mit Knödeln Salatblätter mit Zitronensaft. Grrrr, schon der Gedanke daran lässt mich schaudern. Und wie soll sich bitte der Mensch abreagieren, wenn er sich nicht mehr an der Zigarette fest halten kann, das frage ich Sie?
Und deswegen mache ich mir im alten Jahr keine Gedanken mehr, was ich im Neuen Jahr besser machen könnte, denn der Frust ist mir viel zu groß, wenn ich es wieder einmal nicht geschafft habe. Ich erlaube mir, so zu leben, wie es mir gefällt, wenn ich es denn kann, solange ich hier unten verweile. Und da hilft mir ein Spruch der da lautet: “Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich haben wollen!” Und das ist schon schwerer als man es sich vorstellen kann.
Komm her, du “Neues Jahr”, und mach es besser, jetzt bist du mal dran …
Illustration: © pix2art / http://www.pixelio.de
Autor: Ursula Geier
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Ihr seid doch schlimme Krawallschachteln – so sagt man bei uns in Bayern, und das verstehen auch unsere lieben Nachbarn aus dem Norden. Ich kann Silvester gar nicht leiden, da scheppert, kracht und pfeift es aus allen Löchern. Raketen werden in den Himmel geschossen, drehende Leuchträder angenagelt und angezündet und die widerlichen Knallfrösche überall herumgeschmissen und entzündet.
Nicht nur das, schon vorher lärmen die Menschen in den Häusern und natürlich auch draussen herum, manchmal versteht man sein eigenes Wort nicht mehr.
Ja, ich weiß, es ist halt so, das Neue Jahr muss gebührend begrüßt werden, Korken müssen knallen, “Frohes Neues Jahr” muss laut zum Nachbarn gebrüllt werden.
Muss es das wirklich; geht es nicht ein bisschen leiser?
Wo bleibt da eigentlich die Besinnlichkeit, das Nachdenken, die Freude dass man wieder ein “Neues Jahr” erleben darf? Und warum denkt denn niemand an unsere Tiere? Die sind jetzt echt zu bedauern, sie leiden schrecklich, denn dieser Krach ist für ihre Ohren einfach zuviel, sie verkriechen sich meist in die hinterste Ecke. Noch nach Tagen sind sie verstört und und wollen nicht mehr auf die Strasse gehen, zu viel Lärm haben sie ertragen müssen.
Dabei geht es auch ein wenig leiser, und es ist viel schöner so ganz sachte ins “Neue Jahr” hinein zu gleiten, die Sterne am Himmel zu sehen und vielleicht eine Sternschnuppe, die vorbei saust, zu bewundern, und sich etwas zu wünschen. Unsere Tiere werden es uns danken und unsere Ohren freuen sich auch, in diesem Sinne wünsche ich allen lieben Menschen ein “Glückliches Neues Jahr”.
Foto: © DominoXL (Kurt F. Domnik) / http://www.pixelio.de
Autor: Ursula Geier
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Vor der Bude vom Zuckerbäcker stand
ein Opa, sein Enkelkind an der Hand.
Und Fritzchen wählte nach langem Suchen
ein großes Herz aus Honigkuchen.
Zuckerguss war darüber geglättet
und Plätzchen wie Perlen eingebettet.
Und für dieses Kinderglück
bezahlte der Opa ein Fünfmarkstück.
Nun gingen Opa und Fritzchen die Runde,
es dauerte schon eine gute Stunde.
Vor jeder Bude blieb Fritzchen steh’n,
überall gab es was Schönes zu seh’n.
Dann sagte er ganz leise: „Opilein,
Opa, ich muss mal eben, bloß mal klein!“
Da sagte der Opa, der Gute:
„Komm geh gleich hinter diese Bude,
ich bleibe dichte vor dir stehen,
dann kannste und keiner kann dich sehen.“
Fest in der Hand den Honigkuchen
tat Fritzchen nun das Knöpfchen suchen.
Der kalte Wind pfiff ihm um die Ohren,
die Finger waren ganz blau gefroren
und deshalb traf er auch einige Male
den Honigkuchen mit seinem Strahle.
Das kleine Fritzchen merkte das gleich,
der Honigkuchen wurde ganz weich.
Und nun jammerte er ohne Unterlass:
„Opa, mein schönes Herz ist ganz nass!“
Da ging der Opa, der einzig Gute
mit Fritzchen wieder zur Zuckerbude
und stillte dessen großen Schmerz
mit einem neuen Kuchenherz.
Nun hatt´ er zwei Herzen, und es war ihm klar,
dass eines davon nicht in Ordnung war.
Er wollte den Opa entscheiden lassen:
„Opa, was machen wir mit dem nassen?“
Der Opa wusste auch hier in der Tat
gleich wieder einen guten Rat.
„Weißte mein Junge, das machen wir so,
das schenkste der Oma, die tunkt sowieso!“
Foto: © Lisa-Marie (Ruth Rudolph) / http://www.pixelio.de
Autor: Unbekannt
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Wenn ich so an früher denke, da war die Welt noch in Ordnung. Die Familie bestand aus Eltern, Kindern und Enkelkindern, und sie lebten alle zusammen in einem Haus. Die Familie besteht immer noch aus den denselben Personen, so ist es auch heute noch, aber sie leben getrennt, jeder für sich.
Und dabei war es so schön, einer für alle, alle für einen! Den Spruch hatten schon die drei Musketiere und es funktionierte prächtig. Keiner war alleine, alle halfen sich, und das machte das Leben erträglich und leicht.
Meistens wohnten alle in einem Haus. Okay, die Häuser waren größer, die Wohnungen vermutlich etwas kleiner, nicht so komfortabel wie heute, aber behaglich. Schon die Küche unterschied sich von der Küche die es heute gibt: eine echte Wohnküche mit einer großen Eckbank und mehreren Stühlen, die um einen großen Tisch standen.
Der Herd ein wunderbares gusseisernes Ungetüm mit einem Wasserschiffchen in dem immer kochendheißes Wasser drin war. Die eisernen Ringe oben auf dem Herd, durch die das Holz hinein getan wurde. Und wenn es schnell gehen musste, dann wurden die Ringe entfernt und der Topf wurde viel schneller heiß und das Essen kochte ratzfatz.
Feuer gemacht wurde mit kleinem Abfallholz, später wenn es brannte kamen dicke Holzscheite dazu. Es prasselte und zischte. Herrlich so ein Feuer! Zuerst war es eine sanfte Wärme, sie steigerte sich zur dampfenden Hitze und der Ofen heizte oft das ganze Haus. Oft wurde auch Wäsche auf dem Ofen gekocht oder Gemüse und Obst eingekocht. Sogar Windeln wurden gewaschen, und die Wäsche erstrahlte in fleckenlosem Glanz.
An dem riesigen Tisch saßen manchmal 12 und mehr Personen und aßen. Da schmeckte es jedem und alle fühlten sich wohl und gut aufgehoben. Oder man schälte Kartoffeln, pulte Erbsen aus, schnippelte Bohnen, putzte Salat oder tat sonst etwas Nützliches.
Sogar die Wäsche wurde zusammengelegt, gezogen, gebügelt, die Socken geflickt und die Wäsche ausgebessert. Kuchen wurde gebacken an dem Tisch, Brot natürlich auch, und gespielt haben wir an dem Tisch: Schiffe versenken, Schafkopf, Mau-Mau und andere Spiele.
Es herrschte eine Fröhlichkeit an diesem Tisch und eine Zusammengehörigkeit die einem das Herz erwärmte. Wir lachten an diesem Tisch und freuten uns an diesem Tisch,wir waren eine Einheit an diesem Tisch, und wir liebten diesen Tisch.
Und wir haben gesungen an diesem Tisch, laut und fröhlich, manchmal sogar dreistimmig. Unsere Stimmen jubilierten und stiegen hoch in die Luft und erfreuten uns und die Menschen, die um uns waren. Geschichten haben wir gelesen an dem Tisch, oft war es mucksmäuschenstill an diesem Tisch, so richtig ehrfürchtig ging es zu.
Heute gibt es kleinere Tische und meist sitzen nur noch wenige Personen um den Tisch. Fast jeder hat seinen eigenen kleinen Tisch. Irgendwie traurig sitzen wir um unsere Tische, lachen weniger, singen weniger und reden weniger an unserem kleinen Tisch.
Wir sollten wieder große Tische haben, die Familie mit Uroma und Oma und Eltern und Kindern an einem großen Tisch sitzen und sich freuen das wir zusammen sein können, dann wäre für mich die Welt wieder schöner und bunter.
Foto: © SarahC. / http://www.pixelio.de
Autor: Ursula Geier, November 2009 UrsulaGeier@web.de
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Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von “Mind the Gap 5″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 6“ unterteilt in 6a bis 6c.
Illustration: © stefanbayer (Stefan Bayer)/ http://www.pixelio.de
22. Juli 2008
Es war super schön, obwohl das richtig gute Wetter diese Woche dran ist, es ist heiß in London und kann am Wochenende bis 30C klettern. Wir hatten uns in einem B&B in Ambleside eingebucht, das ist ein kleiner Ort am Lake Windermere, da war es ruhig und friedlich, mit grünen Bergen drumherum. Wir haben Lake Windermere und Coniston Water mit dem Ausflugsschiff getourt, etliche Gärten und Burgen besichtigt sowie Wordsworth und Beatrix Potter Respekt gezollt (mit Busladungen von Japanern). Coniston Water war wunderschön, friedlich und nicht überlaufen, wir haben uns auf dem Boot ausgestreckt und dem interessanten Kommentar über Campbell und seinen Geschwindigkeitsrekordversuch mit dem „Bluebird“ vor vielen Jahren zugehört – leider überschlug sich sein Boot und raste mit über 300 Meilen pro Stunde in die Tiefe. Die Leiche wurde erst viele Jahre später geborgen.
Und dann war da noch der Mann, der seine Frau umbrachte, sie aber nicht tief genug versenkte, so dass sie 7 Jahre später gefunden wurde. Es dauerte dann nochmal 25 Jahre, bis er des Mordes schuldig befunden wurde, aber jetzt sitzt er endlich. John war glücklich über das Lakeland Motor Museum (mit einer Bluebird Replika), und sogar ich fand das „Cars of the Stars“ Museum in Keswick interessant. Man sieht nicht alle Tage KITT von Knight Rider neben Batmobiles, dem Zurueck in die Zukunft DeLorean und Harry Potters Ford Anglia. Muncaster Castle war ganz toll, angeblich spukt es da, und ein Owl Centre gibt es auch. Das Beste war aber der South Lakes Wild Animal Park in Dalton-in-Furness, wo es neben Tigern, Löwen, Giraffen, Bären und Affen auch kleinere Tiere gab wie Känguruhs, Rehe und Lemuren – unglaublich goldige süße Tiere, die man mit Traubern füttern durfte, und die ich am liebsten mit nach Hause geschmuggelt hätte.
Beim Nachhausekommen haben wir festgestellt, dass während unserer Abwesenheit jemand alle Messinghausnummern und den Türgriff der Eingangshaustür gestohlen hat (vielen Dank auch), so dass ich am Montag erstmal die Hausverwaltung angerufen habe. Gott sei Dank haben wir jetzt neue Managing Agents, und die scheinen etwas mehr auf Zack zu sein als die vorigen, alle Fenster werden jetzt auch demnächst ausgetauscht, bevor sie die Feuchtigkeit ziehen wie letztes Jahr.
Der Manta ist immer noch nicht repariert (soll aber angeblich jetzt DEFINITIV nächste Woche fertig sein, wie oft habe ich das schon gehört), und die nächsten free previews habe ich auch schon wieder organisiert. Heute Abend waren wir in “Baby Mama”, das war total lustig.
Constanzes Nachfolgerin bleibt uns übrigens nicht erhalten, beide Seiten haben wohl endlich gemerkt, dass das nichts wird, und so wird sie uns spätestens zum Ende ihrer Probezeit verlassen – wir suchen also mal wieder.
24. Juli 2008
Meine Mutter schrieb mir folgendes zum Tuerklinkendiebstahl: “Auch wenn es kurios erscheint, der um sich greifende Metalldiebstahl in Großbritannien ist der Stuttgarter Zeitung heute einen Artikel auf der ersten Seite wert. Hintergrund sind die ungeheuer gestiegenen Metallpreise auf dem Weltmarkt (großer Bedarf in Indien und China). So werden nicht nur Stromkabel, Telefonleitungen, Gleise oder Zugsignale gestohlen, auch der königlichen Yacht Britannia fehlen zwei Ersatzpropeller, eine tonnenschwere Bronzeskulptur von Henry Moore vor dem Museum von Hertfordshire ist wohl längst eingeschmolzen, von einem Kriegerdenkmal in Plymouth wurden alle Gedenktafeln gestohlen und auf einem Friedhof von Swansea wurden sämtliche Wasserhähne, Kanaldeckel und Grabmalplaketten aus Metall entwendet. Da ist Eure Haustüre wohl nur ein kleines Zubrot. Man sollte die Eigentümer warnen, dass sie besser eine nichtmetallische Türklinke montieren, sonst ist sie vielleicht bald wieder weg.”
19. September 2008
Der Urlaub in Deutschland war sehr schön, wenn auch etwas anstrengend. Wir flogen von London City nach Frankfurt und stiegen für die erste Etappe in einen Zug nach Kaiserslautern, wo uns Susanne vom Bahnhof abholte. An dem Wochenende war in Kaiserslautern ein Musikfestival, so dass es überall in der Innenstadt Bühnen gab für die verschiedenen Musikrichtungen. Die „Opel Air Bühne“, gesponsert von Opel, hatte es John natürlich besonders angetan.
Susanne hatte uns für eine „Barbarossa-Tour“ angemeldet, durch die Katakomben unter der Stadt. Zuvor gab es einen Aperitif in kleinen Gläsern mit dem Stadtwappen drauf, John war ganz begeistert, als es hieß, dass wir die behalten durften. Wir haben an dem Wochenende noch eine Burg sowie den Zoo besucht und einen Abstecher nach Otterberg gemacht (sehr schöne Fachwerkhäuser). Sonntag Abend ging es dann schon weiter nach Köln zu Constanze, die am Montag ihren ersten Arbeitstag hatte. So haben wir uns am Montag 7 Stunden lang im Zoo verlustigt, der Kölner Zoo ist aber auch sehr schön, ich hätte den niedlichen Erdmännchen stundenlang zuschauen können!
Am Dienstag besuchten wir dann den Kölner Dom und das Schokoladenmuseum, bevor wir erschöpft zurückkehrten. Mittwoch Morgen ging es per Zug nach Biberach zu meiner Mutter, wo ich sowohl einen Friseurtermin sowie einen Augenarzttermin wahrnahm und jede Menge einkaufte. John kriegte im örtlichen Fachhandel ein Mantamodellauto, Größe 1:18 und war davon höchst begeistert.
Die Beantragung eines neuen Personalausweises hat leider nicht geklappt, weil ich ein wichtiges Dokument vergaß, das beweist, dass ich zwar in England wohnhaft bin, aber immer noch die deutsche Staatsbürgerschaft habe. Dann eben nächstes Jahr! In einem Restaurant bekam John ein Bierglas mit seinen Initialen drauf, worauf er prompt fragte, ob er es behalten kann. Wieder eins für die Sammlung! Am Freitag ging es dann zur letzten Anlaufstelle: Stuttgart. Ein Besuch des Auto & Technikmuseums in Sinsheim versetzte John in Hoechststimmung, aber auch ich war von den vielen Autos und Flugzeugen, inklusive Concorde beeindruckt. Dann fand er im Shop noch ein zweites Mantamodell, und obwohl er zu diesem Mantamodell in Biberach noch nein gesagt hatte, wollte er es jetzt auf einmal unbedingt haben, obwohl es hier 10 Euro mehr kostete. Typisch. Die Lindenstraßenforumler haben wir auch noch getroffen und sind am Sonntag in aller Gemütsruhe zum Flieger getuckert.
Der Rückflug von Frankfurt war ein Traum, wir hatten am Tag vorher online eingecheckt und mussten so nur noch das Gepäck abgeben, dann wurde beinahe mein Lesezeichen beschlagnahmt, da es spitz war und aus Metall, und ich habe herausgefunden, dass die Unmengen deutscher Zeitungen, die meine Chefs immer von Frankfurt mitbringen, kostenlos in der Lufthansa Lounge verteilt werden. That’s why! John hat herausgefunden, dass man im Flieger eine ganze Flasche Premium Pils kriegt, wenn man nach Bier fragt, während alle anderen Getränke in winzigen Plastikbecherportionen serviert werden. Der Blick über London mit Gherkin war atemberaubend, wir sollten wirklich öfter mal Lufthansa von City fliegen, es ist klasse! Man möchte gar nicht mehr zu den no-frills wie Ryanair zurueck.
Kaum zurückgekommen, ging die Bankenkrise los. „Meltdown Monday“ wurde gefolgt von „Terrible Tuesday“, und ich war dann doch froh, nicht bei Lehman Brothers zu arbeiten. Bei denen komme ich jedesmal vorbei, wenn ich zur Jubilee Line in Canary Wharf muss, das ist ein unheimlich schniekes Gebäude mit viel Glas und Marmor. Die City war natürlich in Aufruhr, London verliert nicht jeden Tag eine Bank mit 4,000 Mitarbeiten auf einen Schlag. Die Auswirkungen werden natürlich mannigfaltig sein, wenn Banker ihren Job verlieren, verlieren andere Geschäfte sie als Kunden. In dem Zusammenhang war ich doch recht amüsiert von dem Werbeblatt, das ich am Mittwoch per Post bekam (mit Poststempel Montag), in dem ein Immobilienmakler mit seinen Kunden warb: HSBC, Bank of America, Barclays, Lehman Brothers, Morgan Stanley, JP Morgan …
Die Wirtschaftskrise ist in vollem Schwung, HBOS wurde von Lloyds TSB geschluckt und die Fluggesellschaften fallen auch wie die Fliegen: XL Leisure ging pleite und Alitalia macht’s auch nicht mehr lange.
Es kann aber nicht alles Doom und Gloom sein, da Andrew Lloyd Webber den ehemaligen Lehman Brothers Angestellten kostenlose Karten für seine West End Shows angeboten hat – first come, first served und unter Vorlage eines P45 (das Dokument, das man bei Arbeitsende für die Steuer bekommt).
Folgendes Email macht gerade die Runde: “If you had purchased £1000 of Northern Rock shares one year ago it would now be worth £4.95, with HBOS, earlier this week your £1000 would have been worth £16.50, £1000 invested in XL Leisure would now be worth less than £5, but if you bought £1000 worth of Tennents Lager one year ago, drank it all, then took the empty cans to an aluminium re-cycling plant, you would get £214. So based on the above statistics the best current investment advice is to drink heavily and re-cycle”
Apropos Recycling, wir haben ja jetzt sogar vom Council einen braune Behälter mit kleinerem grauen Behälter geliefert bekommen für „Food Waste Recycling“. Man entsorge also Essensreste im grauen Behälter, der mit eine rosa Mülltüte ausgelegt ist, dann wird die rosa Mülltüte geknotet und in den braunen Behälter gelegt, der dann einmal wöchentlich vor die Haustür gestellt wird. Soweit so gut, außer dass am Mittwoch niemand den Behälter geleert hat, also gab’s einen Anruf beim Council, die eine Leerung innerhalb 24 Stunden versprachen. Es benötigte dann noch einen zweiten Anrufs gestern, da immer noch nichts geleert war – kein Wunder, dass die meisten Engländer das Recycling gar nicht erst anfangen!
War ja letzte Woche auch mal wieder beim Zahnarzt, nachdem ich den ursprünglichen Termin wegen Krankheit hatte verschieben müssen. Da stellte sich dann heraus, dass mein Zahnarzt (und ich darf in der Praxis keinen anderen sehen), nur Donnerstag nachmittags praktiziert (den Rest der Woche hält er wahrscheinlich in einer privaten Harley Street Klinik Hof), so dass der Termin um geschlagene 3 Wochen verschoben werden musste. Auf meine Klagen über Beschwerden mit einem Zahn wurde geröntgt und gereinigt, dann beschieden, dass zwei Zähne so aneinander lehnen, dass eine Lücke entsteht, aus der Essensreste schwer zu entfernen sind, daher manchmal der Ungemach. Aber Füllungen, die sowas beheben könnten, gibt’s nur privat und kosten wahrscheinlich bis zu £400. Ich solle halt ab und zu ein Mundwasser verwenden. Kostenpunkt fuer den Besuch: £51.20. Unglaublich.
Und der Manta – Ach Gott, der Manta. Wir hatten ja vor dem Urlaub noch eine Episode, wo der Mechaniker die Handbremse auswechseln wollte (ohne das geht die Karre nicht durch den TÜV!). Manta Mick sagte, er hätte eine rumliegen, also fuhr John mit dem Zug nach Birmingham, hängte sich bei Halt in Warwick Parkway aus dem Zug und ließ sich die Handbremse von Manta Micks Freundin rüberreichen, worauf es flott weiterging nach Brum. Das war am Freitag, am Samstag flogen wir nach Deutschland.
Nach der Rückkehr rief John am Montag den Mechaniker an. „Ja, wir finalisieren gerade nur noch ein paar Kleinigeiten.“ Also setzte sich John frohgemut in den Zug und holte die Karre ab – nach rund 10 Monaten. Über die Kosten breiten wir jetzt mal lieber den Mantel des Schweigens. Beim Nachhausekommen stellte er dann fest, dass die Karre Öl verlor. Da der Mechaniker in London jetzt sein Freund ist, hat die Reparatur auch fast nichts gekostet. Es veranlasste eine Nachbarin jedoch, mir folgende SMS zu schicken: „Meant to ask. Saw John at the garage the other day. Does that mean another problem with the car?”
Am Freitag wollte John dann zum Manta-Treffen, dass jeden dritten Freitag des Monats stattfindet. Er war kaum eine Stunde unterwegs, da kriegte ich eine SMS von ihm: „Have you ever felt like murdering someone?“ Uh-oh. Die Karre war an der Tankstelle einfach nicht mehr angesprungen. Hat er die AA rufen müssen, die eine Reparatur durchgeführt haben, John fuhr also frohgemut zum Manta-Treffen weiter, wo er mit den deutschen Mantamodellen angab. Auf der Rückfahrt, er war schon fast von der M25 runter, kommt ein Stau, er tritt auf die Bremse, und die Karre klinkt sich aus. Also wieder die AA – die ihn angesichts der fortgeschrittenen Stunde einfach nach Hause abgeschleppt hat. Der örtliche Mechaniker hat ihm dann heute fast für lau den ausstehenden Rest repariert, der Motor läuft jetzt, aber der Anlasser muss ersetzt werden, sonst springt der Wagen nur hin und wieder an. Aber das kriegen wir auch noch hin, in die örtlichen Mechaniker habe ich viel mehr Vertrauen als in den Deppen in Birmingham.
Wir sind schon wieder fleissig am Film Previews schauen, letzte Woche drei, diese Woche drei, nächste Woche drei. Eine davon ist Swing Vote mit Kevin Costner, was in der amerikanischen Botschaft gezeigt wird, wir haben schon ein Email bekommen mit Anweisungen zu den Sicherheitsmaßnahmen. Tropic Thunder mit Robert Downey Jr. kann ich übrigens wärmstens empfehlen, das ist urkomisch.
Habe gerade festgestellt, dass ich mittlerweile über 5 Jahre in London lebe!
27. Oktober 2008
Die Kreditkrise wird hier Credit Crunch genannt, und täglich überschlagen sich die Zeitungen mit neuen Meldungen ueber die Rezession: Angestellte werden entlassen, Restaurants gehen pleite, West End Theaterstuecke gehen früher zu Ende, Benzinpreise sinken aber Gaspreise gehen nach oben wie auch Lebensmittelpreise, die Bank of England senkt die Leitzinsen aber die Banken geben die Zinsen nicht weiter an die Hypothekenbesitzer, Immobilienmakler arbeiten für 0% Kommission …
Dafür kann man jetzt Superschnäppchen kriegen, da sich alle überschlagen, um ihre Ware an den Mann zu bringen. Ich habe gestern Abend Karten für Avenue Q (ein West End Musical gekauft) für £10 pro Karte, absolut unschlagbar, die Karten kosten sonst £51.50 + Buchungsgebühr. Und neulich sind wir in einem Pub in Canary Wharf umsonst verköstigt worden, da diese einen „free tasting of winter menu“ Abend veranstalteten. Dass noch keiner auf die Idee gekommen ist, „Credit Crunchies“ zu backen – die wären bestimmt ein Renner! Ich habe gerade noch einen Anteil von Johns Geld in einem 12-monatigen Bond mit 7,21% Zinsen versenkt, das ist allerdings selbst für hier unglaublich gut. Mein Bond wird leider erst im Januar reif, mal schauen, was dann die Angebote sind. Gott sei Dank hatten wir beide kein Geld in einer isländischen Bank versteckt.
Das London Film Festival war nichtsdestrotrotz gut besucht, die meisten Filme waren ausgebucht. Susanne kam am Donnerstag den 16.10. an, ich hatte mir 4 Tage freigenommen, und wir packten ein Theaterstück, einen London Walk, ein paar Abendessen, Sightseeing und viele Filme in die 5 Tage, die sie da war. Sie hatte etliche Filme gebucht und kam in ein paar andere mit dem Presseausweis hinein, ich habe „nur“ 5 Filme gesehen in der Zeit. „Riflemind“, das Theaterstück mit John Hannah hat mir gar nicht gefallen, kein Wunder, dass das nur noch diese Woche läuft anstatt bis Januar – wollte wohl keiner sehen.
Am Freitag sahen wir „Dean Spanley“, einen Film mit Sam Neill, Jeremy Northam und Peter O’Toole, die alle drei bei der Premiere waren und vor Beginn des Filmes kurz auf der Bühne ein paar Worte sagten. Der Film ist gut aber auch ein bisschen merkwürdig, es geht viel um Reinkarnation von einem Hund und Tokay-Wein.
Am Samstag waren wir auf eine Hochzeit eingeladen, aber da ich mir den Tag zuvor eine Erkältung eingefangen hatte, wahrscheinlich als Folge der Grippeimpfung am Montag davor, blieb ich zuhause und schaute mir am Nachmittag eine kostenlose Preview von „Sunshine Barry and the Disco Worms“ an – ein lustiger Zeichentrickfilm.
Am Sonntag ging es auf etliche Märkte, und Montag entwickelte sich zum Marathon-Filmtag, nachdem ich für uns alle Karten für „Hunger“ gewonnen hatte. Der Film wurde von eine TV-Firma gezeigt, die uns großzügig vorher mit Essen abfüllte (Frühlingsrollen, Samosas, Falafel, und ja, die Ironie von „Essen vor Hunger“ ging nicht an uns verloren!), aber ewig brauchte, bis sie den Einführungstake im Kasten hatten, und dann war das Kino so winzig, dass wir nur noch vorne Plätze bekamen – und ich hasse es, im Kino vorne zu sitzen. Der Film war dann auch ganz schrecklich.
Eine Bekannte, die auch da war, teilte uns dann mit, dass sie 4 Karten für „Ghost Town“ gewonnen habe, das am selben Tag um 18.45 Uhr im Paramount Pictures Studio nahe Piccadilly Circus gezeigt wurde. Wir sind also noch ein paar Stunden ins Tate Britain gegangen und haben uns dann wieder mit Gabriella getroffen. Auch diesmal wurden wir verköstigt, aber es war mehr die Chips und Nuesse-Variante. Dafür gab es unlimited Freibier, was John ganz toll fand, und der Film war dann auch richtig gut, in einem bequemen Kino mit viel Beinfreiheit.
Er endete um 20.20 Uhr , und fuer 20.30 Uhr hatten wir Karten für „Two Lovers“ am Leicester Square. Wir sind also rausgesaust und Susanne hinterher, die sich peinlicherweise in London besser auskennt als wir und uns mit ein paar shortcuts zielsicher bis vors Odeon West End führte, wo wir kartenwedelnd an Gwyneth Paltrow vorbeirannten, die sich gerade auf dem roten Teppich in Interviews mit Madonna solidarisch erklärte. Punkt 20.30 Uhr warfen wir uns in unsere Sitze, aber das Ganze ging dann erst eine Viertelstunde später los (was beim Film Festival üblich ist). Gwyneth hatte sich mittlerweile in Reihe 4 geschlichen und winkte von dort aus kurz allen zu. Sie nahm dann auch nach dem Film noch in einer Frage-und-Antwort Session teil, die wir leider nicht ganz verfolgen konnten, da wir den letzten Zug nach Hause erwischen wollten.
Am Dienstag flog Susanne wieder nach Hause und ich nutzte den Tag, um auszuschlafen und all die Zeitungen zu lesen, die sich angesammelt hatten (in den Film Festival Kinos liegt jeden Tag die Times aus, da die das Ganze sponsert, und im Tate Britain gab es den Observer umsonst). Jetzt hat mich das Büro wieder, es ist kalt draußen aber viel zu warm drinnen, da die Klimaanlage spinnt, und ich bin müde. Man gewöhnt sich so schnell ans Ausschlafen, dass das Frühaufstehenmüssen eine echte Tortur ist, vor allem, da gerade eh nicht viel los ist hier.
Der Manta läuft jetzt wieder prima, aber der Motor, den John hat einbauen lassen, ist leider nicht Standard für einen Manta, und die neue Versicherung, die er vor kurzem abgeschlossen hat, wollte alle möglichen Dokumente dazu sehen, wie auch die DVLA (Driver and Vehicle Licensing Agency – die englische Zulassungsstelle/das Zentralregister), die zuerst die AA zum Überprüfen schicken wollte (für schlappe £175), sich jetzt aber doch mit einem Schreiben des Mechanikers über Einbau und Motornummer zufriedengibt. „Red tape“ nennt man hier den überflüssigen Papierkram.
Gestern waren wir nochmal auf dem Film Festival, wir hatten Karten gewonnen für „The Secret of Moonacre“, einem Fantasyfilm mit Ioan Gruffudd, Natasha McElhone und Dakota Blue Richards. Tim Curry hatte auch eine Nebenrolle. Da es ein Galafilm war, war jeder Sitz mit einer Wasserflasche und einer Schokoladentafel bestückt (Green & Black’s, yummy!) Da der Film nicht ausverkauft war, sind wir am Schluss durch die leeren Reihen geschlichen und haben noch ein paar mehr Schokotafeln eingesammelt. 20 oder so … Man gönnt sich ja sonst nichts.
Autor: Beate
Beateher@yahoo.com
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Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von “Mind the Gap 5″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 6“ unterteilt in 6a bis 6c.
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März 2008 – Fortsetzung
Am Ostermontag gingen meine Freundin und ich in „Afrika! Afrika!“ für das ich es tatsächlich geschafft hatte, noch einmal kostenlose Karten zu ergattern, und am Abend ging sie noch zu St. Pauls für den Evensong. Jetzt glaubt sie, dass London total erschwinglich ist …
Am nächsten Morgen ging ich wieder ins Büro und sie flog von City Airport zurück nach Hause. Am Abend hatten wir dann schon wieder eine preview, aber Drillbit Taylor kann ich wirklich nicht empfehlen, was für ein Schwachsinn. Wenigstens hatte ich es an dem Tag geschafft, mit Hilfe meines Passes Geld über den Schalter von meinem Konto abzuheben.
Kaum waren die Feiertage vorüber, fing sich John einen heftigen Husten ein. Ich sagte, er solle sich einen Hustensaft kaufen, also ging er zur Apotheke, aber der nette Apotheker meinte, da ginge er besser mal zum Arzt, das höre sich gar nicht gut an. Die Ärztin verschrieb ihm Penicillin, sagte aber, er solle noch einen Tag oder zwei warten, um zu sehen, ob es nicht von selber besser wird. Was es auch tat. Warum verschrieb sie ihm dann überhaupt Antibiotikahämmer?? Meine Freundin emailte dann auch, dass sie eine fette Erkältung hätte, sie hat es wohl noch schlimmer erwischt. Wenn sich auch keiner beim dem eisigen Wetter richtig einmummelt! Wir hatten wirklich jedes Wetter über Ostern, Sonne, Regen, Wind, Hagel, Schnee …
Dann gab es am nächsten Tag gleich noch mehr schlechte Neuigkeiten: Constanze, meine Kollegin und gute Freundin, hat beschlossen, Ende Juni nach Deutschland zurückzukehren. Im Büro weiß es noch keiner, das wird noch lustig, vor allem, da ein Kollege aus ihrer Abteilung auch am nächsten Freitag geht – der geht nach Israel zurück.
Lisa, temp, Freundin und Constanzes Mitbewohnerin, geht ja auch am Freitag, wird aber im April noch meine und Constanzes Urlaubsvertretung übernehmen. Wenigstens bleibt sie in London, aber eine neue Mitbewohnerin wird sie sich auch in ein paar Monaten suchen müssen. Mann, wird das öde werden im Büro ohne Constanzes Gelächter, das man im ganzen Stockwerk hören kann …
P.S. Der Manta ist immer noch in Reparatur.
9. April 2008
Letzten Sonntag hat es geschneit wie verrückt! Richtig große Flocken, und es blieb sogar liegen! Die Nachbarn haben prompt einen kleinen Schneemann auf der Dachterrasse errichtet. Mittlerweile ist es etwas wärmer geworden, obwohl nicht viel.
Wir haben Premierekarten für “Fool’s Gold” gewonnen, morgen Abend am Leicester Square , Matthew McConaughey und Kate Hudson haben ihre Teilnahme angesagt. Meinte die Dame, bei der ich die Karten abholen muss: “The dress code is ‘Gold’ (but don’t feel you have to go in gold if you don’t want to!)” Sagt John “You want me to wear a golden tie? Are you mad?”
Und der Manta, der “im Prinzip schon fertig ist, nur noch ein paar Kleinigkeiten”, wird wohl nicht mehr rechtzeitig vor unserem Urlaub fertig, da der Mechaniker, der es auch nicht fertigbringt, einen Kostenvoranschlag zu machen (“Hab ich dich jemals übers Ohr gehauen?”), nur ab und zu, wenn er Zeit hat, daran arbeitet. Dafür leiht er uns dann ein Auto für den Urlaub. Ich hoffe, er macht das kostenlos, sonst fließt Blut. Ist ja nicht unsere Schuld, dass er so langsam ist!
6. Juni 2008
Yorkshire war wunderschön, das Wetter war größtenteils gut, und wir haben unglaublich viel gesehen. Unser wunderhübsches B&B war in Thirsk, direkt gegenüber der alten Praxis von James Herriot (Der Doktor und das liebe Vieh), und hatte auch in jedem Zimmer eine Gesamtausgabe seiner Werke stehen. Fountains Abbey, Hall, Water Garden and Deer Park ist fantastisch, und Thorp Perrow Arboretum and Falconry ist auch sehr zu empfehlen.
Dann haben wir durch Zufall noch herausgefunden, dass “Heartbeat” in Goathland in den Yorkshire Moors gedreht wird, also haben wir dahin auch noch einen Ausflug gemacht und sind in einem hübschen Ort gelandet, dessen Hotel in der Serie das Aidenfields Arms Pub ist, was auch durch ein permanentes Schild an der Gebäudeseite sichtbar gemacht wird. Und Bernie Scripp’s Werkstatt mit den Autos aus den 60er Jahren steht genau gegenüber. Genial. Für das zweite Wochenende sind wir dann nach Scarborough an der Küste umgezogen, aber da hat es mir nicht so gefallen, es war ein typisches seaside resort, zugemüllt mit Bingohallen und Fish’n’chips Läden. Wir haben also den Ort selber links liegengelassen und sind die Kueste rauf- und runtergegondelt. Ein Hähepunkt war dann eine Wanderung von North Landing zum Leuchtturm am Flamborough Head, an den Felsen und bird spotters vorbei, die ganz wichtig mit ihren Ferngläsern Stellung bezogen hatten.
Die Woche danach fing dann schon wieder gut an, wir hatten Karten für eine preview von “Iron Man” für das Odeon Leicester Square gewonnen, das ueber 1600 Leute fasst und proppevoll war. Obwohl das ein Aktionfilm ist, fand ich ihn sehr gut, Robert Downey Jr. ist fantastisch in der Rolle, und am Schluss haben alle geklatscht. Kann ich also nur empfehlen!
Am Dienstag gingen wir dann in “God of Carnage”, ein Theaterstück mit Ralph Fiennes und Tamsin Greig, sehr gut gespielt. Susanne war ein paar Tage zu Besuch, und da ich da noch meine einmonatige kostenlose Mitgliedskarte von Taste London hatte, sind wir vorher zum Real Greek essen gegangen, wo dank der Karte alles die Hälfte gekostet hat.
Unser Mietvertrag läuft heute aus, wir haben einen neuen 12-monatigen Vertrag unterschrieben, aber die Miete sollte um £15 pro Woche hochgeschraubt werden. Daher habe ich also mit der Vermieterin am Telefon verhandelt und es tatsächlich geschafft, die Mieterhöhung herunterzuschrauben auf £10 pro Woche. Und einen Wasserzähler kriegen wir jetzt auch endlich, der spart uns nochmal £150 im Jahr. Ich verstehe ja, dass im momentanen “credit crunch” auch die mortgage Zinsen hochgegangen sind, aber unsere Sparzinsen sind heruntergegangen, so dass seine 6%-ige Erhöhung schon happig gewesen wäre. Und die Hauspreise fallen ja jetzt auch endlich mal.
“Where in the World is Osama Bin Laden?”, der neueste Dokufilm von Morgan Spurlock, kann ich empfehlen, auch “Caramel” ist sehr gut. “What Happens in Vegas” ist dafür schlimmster kommerzieller Kitsch, fürchterlich.
Am Samstag 18. Mai haben wir uns im Zug auf nach Brighton gemacht, da an dem Tag der London to Brighton Mini Run stattfand. Ein paar unserer Stuttgarter Freunde sind begeisterte Minifahrer und sind extra dafür ueber den Teich gegondelt. Es hat schon was, Hunderte von Minis aufgereiht am Brightoner Pier zu sehen, und noch dazu in strahlendem Sonnenschein. Und Haribo aus Deutschland mitgebracht zu kriegen.
Und dann bin ich doch glatt von einer Sekretärinnenzeitschrift zu einem Ducktours Event mit James Bond Thema eingeladen worden! Diese Ente ist ein amphibisches Fahrzeug, das sowohl zu Lande als auch zu Wasser fahren kann: http://www.londonducktours.co.uk/ Hinterher gab es sogar noch Canapes und Drinks in einer Bar. Es war klasse, aber das Fahrzeug war offen, so dass ich doch etwas fror.
Der Manta ist immer noch nicht repariert, kann man es glauben? Also mussten wir für Wales schon wieder ein Auto mieten. Llangollen ist in North Wales, direkt an der Grenze zu England, jeden Sommer wird dort das Musikfestival Eisteddfod veranstaltet. Der Ort hat sehr viel Charme, mitten durch fließen Stromschnellen, es gibt eine altmodische Zugstrecke mit dampfgetriebenen Zügen, und einen Kanal gibt es auch. Wir haben eine Tour mit dem narrow boat gemacht, das von einem Pferd gezogen wurde, und eine Tour mit einem motorisierten narrow boat, das uns über den Pontcysyllte Aquaduct fuhr. Sehr beeindruckend, und Gott sei Dank war an dem Tag schönes Wetter.
Wir hatten leider auch etwas Regen, und da wir die Snowdon Mountain Railway in Llanberis vorbestellen mussten, fiel dieser Ausflug leider auf genau den Tag, an dem die Sicht vom Berg gleich Null war. Der Zug sah aus wie ein Geisterzug, der aus dem Nebel auftaucht! Die Pen y Ffrith Bird Gardens kann ich sehr empfehlen, die waren wunderschön. Die Pen y Bryn Falconry ist dagegen eine Abzocke, an dem Tag, an dem wir dort vorfuhren, gab es nur ein paar Farmtiere und zwei Llamas zu besichtigen, aber “der Falkner ist heute nicht da”.
Wir hatten in zwei verschiedenen B&Bs gebucht, und wenn ich die beiden hätte zusammenlegen können, wäre es perfekt gewesen. Das erste hatte die bessere Lage zur Innenstadt (obwohl sehr ruhig), die besseren Betten und den größeren Fernseher, aber das zweite hatte größere Räume, ein angeschlossenes Badezimmer (en suite) und einen wunderbaren Blick auf grüne Berge und Castle Dinas Bran. Und Llangollen hat sich bei mir beliebt gemacht, als ich erfuhr, dass die öffentliche Bücherei kostenlosen Internetzugang gewährt. Leider war der Ort größtenteils Zebrastreifenfrei, so dass das Wechseln der Straßenseite doch mit etwas Risiko verbunden war! Aber dafür gab es ein Motor Museum , so dass John glücklich war.
Im Büro gibt es gerade einige Änderungen. Es wurde umgebaut und Pappwände niedergerissen, so dass ich nun in der Mitte eines Großraumbueros sitze, an einem kleineren Schreibtisch. We are not amused. Dafür kriege ich einen neuen Titel, ich bin jetzt eine Management PA. Einen neuen Server gibt es demnächst auch noch (der alte ist zu klein und langsam), und einen neuen allsinging-alldancing Kopierer/Drucker/Scanner für alle. Es wird sogar ein neuer einheitlicher Firmenschriftsatz eingeführt. Und dann kriege ich glatt ab nächste Woche wieder eine neue Kollegin, obwohl es eine Zeitlang hieß, “Sparmaßnahmen, und Sie kommen ja gut alleine zurecht, nicht wahr?” Bin ja mal gespannt, wie die Neue so drauf ist, die Nachfolgerin für Constanze (letzter Tag 19. Juni, schluchz) ist schon da, und die ist nicht so mein Fall. Gestern habe ich Constanzes Farewell-Karte unterschrieben, und konnte gar nicht mehr aufhören, zu schreiben. Ich werde sie so vermissen.
Der neue Mayor Boris Johnson hat als erste Amtshandlung ein Alkoholverbot in der tube ausgesprochen, das am 1. Juni in Kraft trat. Wie wir die Engländer ja inzwischen kennen, lassen diese sich nicht gerne ihre Freiheiten beschneiden, auch wenn sie sonst sowieso nicht in der tube trinken würden. Also wurden am Vorabend des Banns Parties in der Tube abgehalten, die auch ganz selbstverständlich ins Chaos ausarteten, mit Randale, Beschädigungen, Festnahmen und vielen Brummschädeln.
Dienstag abend waren wir in einer preview von “Gone Baby Gone” mit Casey Affleck, ich habe zwar seinen Bostoner Akzent kaum verstanden, aber der Film war sehr gut, wenn auch etwas verstörend. Und das kleine Mädchen sah aus with Madeleine McCann. Spooky.
Am Samstag wird im Hyde Park der “2. Red Bull Flugtag” abgehalten, und wir haben Freikarten ergattert: “At the beginning of this year, the Red Bull Flugtag team ran a nationwide advertising campaign seeking crazy showmen and Jackass wannabes with a desire to build a man-powered flying machine that could soar off a 6m high ramp. Hundreds sent their designs in but only the 41 best entrants earned themselves a pilot’s licence for the event. On June 7th, these crazy teams will head for the ramp where they’ll be judged on three criteria: the distance their machine flies, the creativity of the machine and the team’s pre-flight performance. Check out the finalists on the Teams page now and have a look at the Team Blog for the latest news and some cheeky team banter: www.redbullflugtag.co.uk”
Gestern abend ging es zu einer “City Showcase Classical night”, mal was anderes. Die Karten habe ich natürlich, wie soll es auch anders sein, gewonnen. Ich war mir zuerst nicht sicher, ob ich gehen soll, klassische Konzerte sind nicht so mein Fall, aber eine Freundin sagte dann folgendes:“I’ll go to absolutely anything me, even more so if it’s free. I have two mantras that I follow … Life is all about random experiences … and … when was the last time you did something for the first time?”
Es war gar nicht so schlecht, aber komischerweise haben mir die zwei Hauptakte nicht gefallen, das Klavierkonzert fand ich absolut langweilig. Die Musikstudenten danach fand ich alle sehr gut, aber der Opernsaenger am Schluss, großartig angekündigt, sang sein Nessun Dorma so laut, dass Lisa und ich uns nur entsetzt angeguckt haben. Sie flüsterte “Can we go?” und ich sagte “Yes, please!”
Aber macht ja nichts, war ja kostenlos. Gehe ich überhaupt noch irgendwo hin, wenn es was kostet? Doch ja. Wir haben Karten für Joe Fiennes’ neuestes Theaterstueck “2,000 Feet Away” am 28. Juni, Susanne kommt extra dafür für einen Tag herübergejettet, es leben die Billigflüge.
Ach ja, und vor ein paar Stunden haben sie eine riesige Bombe aus dem zweiten Weltkrieg “kontrolliert gesprengt”, die am Montag in Bromley-by-Bow in Ostlondon gefunden wurde – 10 DLR-Stationen von uns entfernt. John sagte, er hat die Explosion gehört, als er auf dem Weg war, mich von der Station abzuholen.
11. Juli 2008
Am 19. Juni hat Constanze uns also endgültig verlassen. Wir hatten einen schönen Abschiedsabend im Pub nebenan, sie war ganz gerührt von den vielen Geschenken und Karten, die sie von Kollegen bekam.
Den Office Sweepstake zur EM habe ich natürlich nicht gewonnen, aber Schweden kam ja auch nicht sehr weit. John hat mal wieder den Kopf geschüttelt, dass ich plötzlich jede Menge Fußballspiele sehe, und beim Halbfinalspiel Deutschland – Türkei kam es aus seinem Zimmer geschallt „Was quietscht Du denn immer so?“ Was soll ich machen, das war ein Krimi.
Die Stimmung im Lande ist zur Zeit etwas gedrückt, Lebensmittel, Energiepreise und Hypotheken werden teurer, während Hauspreise stetig fallen. Es wird von einer Rezession gemunkelt, und das Ganze hat den Fachbegriff „credit crunch“ erhalten, da Kredite in jeder Form jetzt schwerer zu erhalten sind, und die Leute den Gürtel enger schnallen müssen.
Wir werden wohl auch erst im September nach Deutschland kommen, das spart uns sozusagen einen teuren Urlaub, den wir stattdessen irgendwo anders gehabt hätten. Es heißt ja auch, dass viele Leute anstatt ins Ausland zu fliegen, jetzt lieber im Lande Urlaub machen – so billig ist das nun aber auch nicht.
Da lobe ich mir doch meine kostenlosen previews. Wir haben den neuen Narnia Film (Prince Caspian) für umsonst gesehen, sowie „The Visitor“. Für Sonntag haben wir Karten für den neuen Pixarfilm „Wall.E“, der jetzt schon hochgelobt wird. Und ja, da sind wir schon im Urlaub. Ich habe ein Kino in der Naehe des Lake Districts gefunden, das eine preview abhält, LOL. Mamma Mia muss ich mir auch noch anschauen, nachdem ich vergeblich versucht habe, Karten für die Premiere am Leicester Square zu bekommen. Das wäre was gewesen – Colin Firth, Pierce Brosnan, Meryl Streep …
Dafür habe ich neulich Joe Fiennes im Theater gesehen – ein äußerst merkwürdiges Stück im kleinsten Theater, das ich je gesehen habe. Es gab nur drei Reihen von unbequemem Bänken, und wo immer du saßt, du warst nie mehr als 3 Meter von den Schauspielern entfernt. Susanne hat es nur mit Ach und Krach zum Theater geschafft, ihr Flug hatte Verspätung und dann haben an dem Wochenende auch noch die tube und DLR verrückt gespielt.
Die DLR ist zurzeit total nervig. Es werden Arbeiten durchgeführt, um einen dritten Wagen an jeden Zug anzuhängen und viele Bahnsteige müssen deswegen verlängert werden. Tower Gateway ist bis auf weiteres total gesperrt, und alle Züge von Bank halten entweder in Crossharbour oder spätestens in Island Gardens, wo du umsteigen musst, wenn du über den Fluss nach Greenwich oder Lewisham willst.
Die Züge fahren auch nicht so oft jetzt, dafür stehen an jedem Bahnsteig mindestens 5 Uniformierte rum, die verwirrten Reisenden den richtigen Weg weisen sollen – in Wirklichkeit schreien sie nur in Footballhooligan-Lautstärke irgendwelche Anweisungen oder versuchen einen, in die Ersatzbusse zu schubsen. Aber so schlau, dass sie die Stände mit den METRO-Zeitungen an der Bushaltestelle aufstellen, sind sie nicht. Da hatte ich beinahe eine Auseinandersetzung mit einem DLR-Menschen, als die DLR nicht fuhr und ich trotzdem an seinem ausgestreckten Arm vorbei Richtung Station lief, da ich eine Zeitung wollte, bevor ich mich in den Bus quetschte. Und Bank station ist sowieso der Horror momentan, man kommt nur noch zum DLR-Bahnsteig, wenn man sich vorher durch den überfüllten Bahnsteig der Northern Line quetscht.
Seit 26. Juni gibt es in Greenwich ein tolles neues Riesenrad, das wird da bis 28. September stehen: http://www.greenwichwheel.com/ Da sind wir mit Susanne natürlich gleich drauf, und da das Riesenrad da erst 3 Tage alt war, standen noch nicht so viele Menschen an und wir bekamen unsere eigene Gondel, von der aus wir wie die Weltmeister den Fluss, Canary Wharf und Greenwich von oben fotografierten. Man kann unsere Strasse von da oben sehen! Leider gab es nur drei Umdrehungen, und nach 10 Minuten war die Fahrt vorbei – aber es lohnt sich. Danach gingen wir noch ins Tex-Mex Restaurant und hatten Kino geplant – Sex and the City mit kostenlosen Karten. Leider hat der Ersatzbus so lange gebraucht bis West India Quay, dass die Vorstellung ausverkauft war – an einem Samstagabend auch nicht unbedingt verwunderlich, aber trotzdem nervig. Sind wir halt noch einen trinken gegangen, es war warm genug.
Das gute Wetter hat leider nicht lange gehalten, seit Tagen ist es durchwachsen, und gestern hat es geschüttet wie verrückt. Und das Wetter fuer den Lake District sieht auch nicht gerade rosig aus. Aber egal, Urlaub ist Urlaub. Samstag Morgen geht es los – im Mietwagen. Fragt nicht!
*** Fortsetzung folgt ***
Autor: Beate
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Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von “Mind the Gap 5″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 6“ unterteilt in 6a bis 6c.
Foto: © prspapa (M.Schlüter)/ http://www.pixelio.de
19. Februar 2008
Weihnachten und Neujahr hätten wir ja nun gut rumgebracht, wir haben viele Freunde getroffen und ein schönes Silvester in Stuttgart verbracht. Meine Mutter und ich sind uns allerdings gegenseitig diesmal so auf die Nerven gegangen, dass wir beschlossen haben, nächstes Weihnachten getrennt zu verbringen. Ich sehe mich schon eingeschneit in einem gemütlichen Cottage irgendwo in den Cotswolds …
Ich habe seit ein paar Monaten ein neues Hobby: so oft wie mäglich in kostenlose Filmvorpremieren gehen. Es ist unglaublich, wie viele Filme man hier umsonst sehen kann, und auch noch bevor sie offiziell ins Kino kommen! Man muss sich nur z.B. kostenlos bei www.seefilmfirst.com registrieren, und sobald man irgendwo einen Code findet, den eingeben, sich einloggen, und sich die Tickets für das Kino seiner Wahl schnappen. Es sind nicht immer dieselben Kinos, aber in London gibt es genug Kinos, die mitmachen und in Reichweite sind. Die Codes und andere Infos über kostenlose Filmvorführungen werden hilfreicherweise in einem Thread bei moneysavingexpert.com zusammengetragen. Seit Ende Oktober habe ich die folgenden Filme gesehen:
Elizabeth The Golden Age
Brick Lane
American Gangster
The Darjeeling Limited
Bee Movie
PS I Love You
Enchanted
The Kite Runner
Dan in Real Life
Sweeney Todd
Juno
Arctic Tale
Definitely, Maybe
The Lives of Others (Das Leben der Anderen)
Atonement
The Bucket List
The Bank Job
Be Kind Rewind
Und habe Karten für
The Edge of Heaven (Auf der anderen Seite)
The Other Boleyn Girl
27 Dresses
Nicht alle Filme sind toll, aber die paar Blindgänger sind nicht so tragisch. Wir haben unsere eigene kleine Gemeinde gebildet, die sich gegenseitig alarmiert, wenn neue codes kommen und Karten weitergibt, wenn jemand selber nichts kann etc. Time Out gibt auch Karten aus, aber man muss sich bewerben und ist nicht immer erfolgreich.
In dem Zusammenhang hatte ich neulich die folgende Email Konversation mit einer Freundin:
Ich: “I am going to see Sweeney Todd tonight. Why is it that the Odeon Covent Garden is in Shaftesbury Avenue, but the Cineworld Shaftesbury Avenue is in Coventry Street ??” – Sie: “London topography is CRAZY!!! The Charing Cross Hospital is in Fulham!”
Und ich weiß ja nicht, ob jemandem hier „Afrika! Afrika!“ von Andre Heller was sagt: Das ist eine Dance Performance Show mit schwarzen Akrobaten, und da wurden unglaublich viele kostenlose Karten vergeben. Ich war zweimal drin und habe den Rest der Karten verschenkt. Hier nennt man sowas ein “freebie”, und das war ein fantastisches freebie, da die Karten dafür unglaublich teuer sind, und die Show wirklich herausragend. Sie läuft noch bis 31. Maerz, und da wir über Ostern Besuch aus Deutschland kriegen, wäre es toll, wenn die kostenlosen Karten dann noch erhältlich wären, aber um Ostern rum mache ich mir da wenig Hoffnung.
Neulich kam auch ein Hinweis auf kostenlose Theaterkarten für “Much Ado About Nothing” im Globe Theatre am 14. Maerz, da musste ich natürlich sofort zuschlagen. Im Globe Theatre war ich zwar schon, aber noch nie für ein Theaterstück! Leider kam man am Telefon am betreffenden Tag ueberhaupt nicht durch, also habe ich John voller Panik zum Globe Theatre geschickt, der sich in einer recht beachtlichen Schlange anstellte, und tatsächlich noch richtig gute Karten erwischte. Ich freu mich schon sehr!
Und meine Freunde belächeln meine Freebiebesessenheit nur solange milde, bis ich es schaffe, ihnen Karten für irgendwas zu besorgen, LOL.
Am 16. Januar waren wir bei einer Aufzeichnung von “It Pays to Watch”, das ist eine Vorabendshow, die sich mit Geldangelegenheiten befasst. Der Moderator der Show ist Martin Lewis, kein geringerer als der Urheber von www.moneysavingexpert.com (momentan meine zweite Heimat), daher war es wirklich sehr interessant, hinter die Kulissen zu blicken und andere Leute vom Forum kennenzulernen. Die Aufzeichnung fand im obersten Stock von Whiteleys, dem Einkaufszentrum in Bayswater statt, und stilecht hat Café Rouge allen Zuschauern der Show an dem Tag 25% Discount gegeben.
Am 8. Februar ging’s zu “Madam Butterfly” im Coliseum, die Karten waren ein Weihnachtsgeschenk von Constanze und Lisa. Und somit hat sich endlich ein lebenslanger Traum für John erfuellt, der diese Oper immer schon mal sehen wollte. Sein Auto, das kurz vor Weihnachten den Geist aufgab, ist übrigens immer noch nicht repariert, und gestern ist er mal wieder nach Birmingham gefahren, um irgendein benötigtes Teil zu beschaffen. Sieht mal wieder so aus wie eine dieser Endlosreparaturen. Der Manta ist tot, lang lebe der Manta!
26. Februar 2008
Irgendwie kommt es zur Zeit knüppeldick. Am 21. Februar bekam ich ein Email, dass ich in einem Preisausschreiben 2 Tickets für „Afrika! Afrika!“ gewonnen habe – schon wieder, LOL, wem geb ich die bloß? Und heute kam ein Anruf, dass ich mit derselben Lokalzeitung ein “Tutankhamun Twilight Valentines Package” gewonnen habe, sprich, 2 VIP-Karten für die Tutankhamun-Ausstellung im O2 plus ein dreigängiges “romantisches” Menue bei Ha! Ha! Bar and Grill, gleichfalls im O2. Ich durfte mir den Termin diese Woche aussuchen, wir gehen am Freitag Abend. Und dann kamen heute noch zwei kostenlose Tagesfahrkarten für eine Fahrt mit der c2c-Zuggesellschaft an, gültig bis 31. Mai, da können wir mal am Wochenende nach Southend tuckern.
27. Februar 2008
Bin gestern nacht aufgewacht, weil unser Bett auf einmal wackelte. War urplötzlich hellwach, mit hämmerndem Herzen, es war total spooky, weil ich mir nicht erklären konnte, was das war, die Nachbarn können doch kaum so einen Krach gemacht haben, dass bei uns alles wackelt? John schlief auch selig weiter, also habe ich mich irgendwann umgedreht und bin wieder eingeschlafen, denkend, dass ich mir wohl alles eingebildet habe.
Beim Aufrufen der yahoo-Seite am naechsten Morgen stolperte ich dann über einen Artikel ueber “England’s biggest earthquake for 24 years” und ein Email eines deutschen Bekannten, ob ich noch heil sei. Die meisten Kollegen zeigten sich dann unbeeindruckt: “Erdbeben, was für ein Erdbeben, ich hab nichts gemerkt”. Na ja, kann nicht jeder so ein aufregendes Leben führen wie ich.
16. März 2008
Am Freitag waren wir im Globe Theatre für “Much Ado About Nothing”, Gott sei Dank hat es kurz vorher zu regnen aufgehört, sonst wären die Zuschauer auf den Stehplätzen vor der Bühne nass geworden. Wir hatten tolle Sitzplätze in der ersten Reihe der Upper Gallery, leider waren die Sitze an sich nur Holzbänke ohne Beinfreiheit, und gegen 20 Uhr wurde es etwas kalt. Ich glaube auch nicht, dass zu Shakespeare’s Zeiten Aufführungen von Flugzeugen überschallt wurden.
Das Publikum war voller Teenies, die haben wohl über ihre Schulen Karten bekommen, und viele fanden einfach alles nur komisch und lachten an Stellen, die nicht komisch waren. Wobei man zugeben muss, dass die politisch korrekte Idee, die Rolle der schönen Hero einer fetten Schwarzen zu geben, doch etwas gewöhnungsbedürftig war, vor allem, da alle Schauspieler moderne Klamotten anhatten, und sie da in rosa Kleidchen und Stöckelschuhen rumwirbelte. Das Publikum wurde aber nett mit einbezogen, als die Schauspieler sich öfters mal durch die Menge auf den Stehplätzen zwängten oder eine Leiter hinaufkletterten, um in der Middle Gallery zu verschwinden. Und bei der Hochzeitsszene regnete es Konfetti, das man den Teenies gegeben hatte, die direkt ueber dem Eingang saßen.
Nächste Woche bin ich total ausgebucht: Montag Abend Geburtstagsessen einer Freundin (wir konnten uns nur auf dem Montag einigen, da sich auch einen übervollen Kalender hat), Dienstag Abend nochmal 27 Dresses im Kino, Mittwoch Abend dann eine spezielle dreistündige “Red Carpet Preview” im Odeon Leicester Square, mit goody bag und live Q&A’s mit Direktoren, und am Donnerstag abend kommt eine Freundin aus Deutschland angereist, die mit uns Ostern verbringt. Und kaum ist Ostern rum, geht es mit den previews weiter, Dienstag wird “Drillbit Taylor” gezeigt, der neue Film mit Owen Wilson.
Den April-Urlaub haben wir jetzt auch gebucht, wir fahren von 19. – 26. April nach Yorkshire und verbringen erst 6 Nächte in Thirsk, dann 2 Naechte in Scarborough an der Küste.
Lisa, die temp (Praktikantin), ist jetzt leider nur noch bis 31. Maerz da (sie war allerdings jetzt auch fast ein Jahr da), und, da Kate definitiv nicht zurückkommen wird (HURRA!), werde ich den Laden demnächst alleine schmeißen müssen. Demnächst werden die Räumlichkeiten auch neu verteilt, ein paar Wände abgebaut etc. um das Ganze mehr zu einem Großraumbüro zu machen, das wird noch spaßig. Na ja, öfter mal was Neues, ich bin ja eine der Wenigen, die bis jetzt noch kein “Schreibtisch-wechsel-Dich” mitgemacht haben.
Ach ja, der Manta ist immer noch in Reparatur. Ich hätte ihn ja gerne vor Ostern zurückgehabt, aber solange er vor unserem Aprilurlaub zurückkommt und fährt, soll es mir egal sein.
30. März 2008
Die Red Carpet Preview – was eine Zeitverschwendung. Trailer, behind the scenes, Filmausschnitte, dann ein Interview mit Benicio del Toro, in dem er enorm viel fluchte und verriet, dass es 99% sicher sei, dass er beim Hobbit Regie führen wird, eine unspektakuläre goody bag, und Chaos beim Zurückgeben der Handys.
Am nächsten Morgen dann der fallout – ich konnte meinen Geldbeutel nicht mehr finden. Im Kino aus der Handtasche gefallen oder geklaut worden, wer weiß das schon – weg war er jedenfalls und alles darin. Und damit meine ich ALLES, Geld, drei Kreditkarten, 3 EC-Karten, mein Personalausweis und diverse store cards, Briefmarken etc. etc.
Ich bin beinahe durchgedreht. Bin um die Mittagszeit zum Kino gerast, aber der Geldbeutel war nicht aufgetaucht. Also ging es ans Canceln aller Karten. Ich nahm mir den Nachmittag frei und legte los, die Kreditkarten zuerst. HSBC war schmerzfrei, Alliance & Leicester hat genervt, aber den Vogel hat meine deutsche Kreissparkasse abgeschossen. Die EC-Karte konnte ich ueber die örtliche Nummer sperren, für die Kreditkarte musste eine andere Nummer angerufen werden, die aus dem Ausland einfach nicht funktionierte. Endlich kam ich mal durch, um bei einer ausländisch klingenden Tussi zu landen, der ich meinen Namen und Adresse dreimal buchstabieren musste, da sie die Daten nicht vor sich im Computer hatte. “Wir canceln hier nur Karten”. Ach ja, und das kostet 5 Euro Gebühr, und wenn ich eine neue will, muss ich das extra beantragen, bei einer dritten Nummer. Nett.
Ich habe ja für alles Listen, und für den Inhalt meines Geldbeutels wollte ich tatsächlich auch mal eine anlegen. Leider bin ich nie dazugekommen, musste jetzt also mein Gehirn anstrengen, um mich an alles zu erinnern.
NHS Card, National Insurance Card, Medical Exemption Certificate, Pharmacy First Card, Organ Donor Card, Next of Kin Card, Nectar Card, Boots Advantage Card, Welsh Heritage Card, National Trust Card, Bite Discount Card, Bodyshop Card, Idea Store Card, BHS Store Card, B&Q Store Card, W H Smith Card, Grand Designs Discount Card, Discount Card vom Friseur and eine vom Beauty Salon … ich saß da wie erschlagen.
Und dann machte ich beim Telefonieren die Feststellung, dass sowohl meine Bodyshop Card als auch meine B&Q Card ausgelaufen waren (hatte sie auch nicht wirklich benutzt), und die BHS Card, die habe ich einfach mal gecancellt gelassen ohne eine neue zu wollen. Und was die Idea Store Card betrifft, die hatte ich einmal benutzt, um Bücher auszuleihen, und jetzt wollten die £1 von mir fuers Neuausstellen – sonst noch was.
Und der Verlust meines Geldbeutels an sich hat mich auch geschmerzt. Der hat mal 50p auf dem Flohmarkt gekostet und war einfach perfekt – schwarzes Leder mit einem glaenzenden B vorne drauf – wie für mich gemacht.
Die Dame im deutschen Ordnungsamt war auch irgendwie goldig. Da muss ich einen neuen Personalausweis beantragen, und zwar persönlich, wann ich denn das nächste Mal hier wäre? Im August, ja dann muss das bis dahin warten. Gott sei Dank habe ich noch meinen Pass. Und dann murmelte sie noch was von ich müsste eine Meldebescheinigung meiner englischen Gemeinde vorbeibringen. Ich habe versucht ihr zu erklären, dass es sowas hier nicht gibt, aber das hat sie nicht interessiert. Dann müsste mir halt die deutsche Botschaft eine ausstellen. Wie die deutsche Botschaft mir etwas ausstellen kann, das es nicht gibt, ist mir schleierhaft, aber ich habe eine Bescheinigung, dass ich im Wahlregister eingetragen bin, und im übrigen bin ich immer noch in Deutschland gemeldet, wollen wir im August doch mal sehen, was der Käse soll.
Da macht man was mit. Wenigstens weiß man, dass man zum Stammpersonal gehoert, wenn man im Zeitungsladen/Cafe nebenan mit “Any news about your wallet?” begrüßt wird.
Am Abend kam dann nahtlos meine Freundin aus Deutschland angereist, da war ich noch am Telefonieren, und brachte jede Menge goodies mit, und viele Schoko-Osterhasen. Am Karfreitag war es eiskalt, aber sonnig, so dass die Themsefahrt ein voller Erfolg war. Am Samstag ging es nach Greenwich. Das Royal Observatory hat ein neues Planetarium, und sowohl dort als auch in der Painted Hall des Maritime Museums versuchten Maenner in Kostümen uns die Vergangenheit schmackhaft zu machen. Einer spielte Nicholas Flamsteed, den königlichen Astronomen, und einer Samuel Pepys (der aus dem 17. Jahrhundert mit dem Tagebuch). Für Sonntagmorgen hatte ich 3 Karten fuer eine preview von “Son of Rambow” ergattert, das war total gut. Am Nachmittag ging es ins Docklands Museum, das ueber die Osterfeiertage kostenlos war und eine hochinteressante Ausstellung über Sklaverei in London hatte.
*** Fortsetzung folgt ***
Autor: Beate
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Nichts konnte das frisch verliebte Töchterchen davon abhalten, ihrem Herzallerliebsten eine, nein zwei Geburtstagsfreuden zu bereiten. Eine Torte für ihn und eine für die Geburtstagsfeier mit den Arbeitskollegen.
Seine Torte war schnell gefunden, gebacken, nett dekoriert und sah einfach toll aus. Hm, für die 25 Kollegen musste aber schon etwas Größeres her. Die kürzlich bei Freunden mit Hochgenuss verspeiste „Donauwelle“ schien genau das Richtige.
Ui, ganz schön aufwändig. Na dann, frisch an´s Werk, so lange der Tag noch jung ist.
Den hellen Teig zuunterst auf´s Blech streichen, darüber den dunklen und dann die Sauerkirschen verteilen. Ab in den Ofen und 40 Min. backen. Ups, müsste das Ganze nicht irgendwie in die Höhe wachsen? Tut es, aber erschreckend minimal. Eigentlich war uns das anders in Erinnerung.
Na gut, fehlen ja noch der Tortenguss, die Creme und die Schokoglasur, dann wird´s schon gehen. Die fertige Creme war nur ein Hauch von Belag und reichte nicht für das ganze Blech! Also nochmals Pudding und Butter (vorsichtshalber die doppelte Menge) zu einer Creme schlagen und alles wieder abkühlen lassen. Jetzt zierte die ETWAS flache „Donauwelle“ eine kalorienträchtige Haube von insgesamt vier Paketen Pudding und einem Pfund Butter …. hatte aber an Höhe gewonnen und sah schon ganz gut aus. Schnell noch die Schokoglasur als krönenden Abschluss.
Inzwischen war der Tag nicht mehr so ganz jung und die Donauwellen-Begeisterung ein wenig verflogen. Konditoren hätten an dieser Stelle vermutlich nicht vergessen, mit der Gabel feine Wellen durch die dunkle Schokoglasur zu ziehen, bevor sie erkaltet. Wir sind keine gelernten Meisterbäcker – waren zu diesem Zeitpunkt auch keine fröhlichen Hobbybäcker mehr. Bleischwer lag nun die Glasur als große dunkle Masse auf dem eh schon flachen Kuchen. Grottenhäßlich!!! Gut, schneiden wir ihn also schon einmal in passende handliche Stücke, das lockert auf. Die zementharte Glasurplatte bekam ein Eigenleben und platzte unkontrollierbar in alle Richtungen. Gleichzeitig versuchte die darunter befindliche Creme, den Kuchen fluchtartig zu verlassen. Die Verwüstung war perfekt. Das Ganze sah aus, als wäre jemand barfuss über´s Blech gelaufen …
Ab mit der „Welle“ in die Vorratskammer, keiner mag sie mehr wirklich sehen!
Vorsichtshalber hatten wir zwischendurch noch rasch im Supermarkt eine Kirschkuchen-Fertigpackung geholt. Sollte im Zweifelsfall der Zweitkuchen zur “Welle” werden. Schnell angerührt, gebacken, konnte sich sehen lassen.
Der nächste Tag: Niemand traut sich in die Vorratskammer. Na komm, gestern waren wir alle irgendwie geschafft, wird schon nicht so schlimm sein. War bei genauem Hinsehen im hellen Tageslicht noch schlimmer!!! Dieses Monstrum darf niemals unsere Küche verlassen und in die Öffentlichkeit. Erschwerend kam jetzt der Zeitdruck hinzu, denn in wenigen Stunden sollten die Kuchen auf die Reise gehen.
Das Backmischungs-Sortiment unseres Supermarktes ist wirklich groß und umfangreich. Die Wahl fiel schnell auf Nuß- und Schokoflocken-Kuchen. Einfache, schnelle Zubereitung und vom Aussehen auf den Packungen durchaus akzeptabel.
Mixer, Rührschüsseln, Zutaten – alles stand bereit. Die Teigherstellung war ein Kinderspiel. Aber, zu dumm, unsere Kastenformen sind zu groß für die Teigmengen. Weitere Kuchen im Flachformat konnten wir uns nun nicht mehr leisten. Letzte Rettung: die hoffentlich vorhandenen Backformen-Sortimente der umliegenden Nachbarn.
Vermutlich machte die halbe Nachbarschaft genau an diesem Morgen einen gemeinsamen Ausflug – erst am fünften Haus bekamen wir Einlass und wurden fündig. Gleich zwei Kastenformen in genau der richtigen Größe. Für lange Erklärungen blieb keine Zeit. Bereitwillig, jedoch leicht irritiert ließ die nette Nachbarin uns mit ihren Backformen von dannen ziehen.
Fein platziert auf weißen Tortenspitzendeckchen und oben hübsch garniert thronten mittags in der Küche:
1 Tiramisu-Torte (für das Geburtstagskind)
1 Kirschkuchen, 1 Nusskuchen, 1 Schokoflocken-Kuchen (für die Geburtstagsfeier) .
Etwas abseits dümpelte das große Blech „Donauwelle nach dem Hurrikan“ still vor sich hin … für den Eigenbedarf! Die feinen Düfte nach köstlichen Backwaren werden uns wohl noch Wochen begleiten.
Das Allerbeste jedoch ist: Die „Hurrikan-Welle“ schmeckte soooo gut, dass wir mit Sicherheit alle ein paar Kilos zugelegt haben. Hingucken muss man beim Essen ja nicht unbedingt …
Gebacken wird hier in der nächsten Zeit NICHT mehr!!!
Foto: © ruhrcacher / pixelio
Autor: Inge Stolz
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