Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Mind the Gap 6c
1, 23 Oktober, 2009, 5:33
Gespeichert unter: Menschen

Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 5″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 6“ unterteilt in 6a bis 6c.

stefanbayer_22

Illustration: © stefanbayer (Stefan Bayer)/ http://www.pixelio.de

22. Juli 2008

Es war super schön, obwohl das richtig gute Wetter diese Woche dran ist, es ist heiß in London und kann am Wochenende bis 30C klettern. Wir hatten uns in einem B&B in Ambleside eingebucht, das ist ein kleiner Ort am Lake Windermere, da war es ruhig und friedlich, mit grünen Bergen drumherum. Wir haben Lake Windermere und Coniston Water mit dem Ausflugsschiff getourt, etliche Gärten und Burgen besichtigt sowie Wordsworth und Beatrix Potter Respekt gezollt (mit Busladungen von Japanern). Coniston Water war wunderschön, friedlich und nicht überlaufen, wir haben uns auf dem Boot ausgestreckt und dem interessanten Kommentar über Campbell und seinen Geschwindigkeitsrekordversuch mit dem „Bluebird“ vor vielen Jahren zugehört – leider überschlug sich sein Boot und raste mit über 300 Meilen pro Stunde in die Tiefe. Die Leiche wurde erst viele Jahre später geborgen.

Und dann war da noch der Mann, der seine Frau umbrachte, sie aber nicht tief genug versenkte, so dass sie 7 Jahre später gefunden wurde. Es dauerte dann nochmal 25 Jahre, bis er des Mordes schuldig befunden wurde, aber jetzt sitzt er endlich. John war glücklich über das Lakeland Motor Museum (mit einer Bluebird Replika), und sogar ich fand das „Cars of the Stars“ Museum in Keswick interessant. Man sieht nicht alle Tage KITT von Knight Rider neben Batmobiles, dem Zurueck in die Zukunft DeLorean und Harry Potters Ford Anglia. Muncaster Castle war ganz toll, angeblich spukt es da, und ein Owl Centre gibt es auch. Das Beste war aber der South Lakes Wild Animal Park in Dalton-in-Furness, wo es neben Tigern, Löwen, Giraffen, Bären und Affen auch kleinere Tiere gab wie Känguruhs, Rehe und Lemuren – unglaublich goldige süße Tiere, die man mit Traubern füttern durfte, und die ich am liebsten mit nach Hause geschmuggelt hätte.

Beim Nachhausekommen haben wir festgestellt, dass während unserer Abwesenheit jemand alle Messinghausnummern und den Türgriff der Eingangshaustür gestohlen hat (vielen Dank auch), so dass ich am Montag erstmal die Hausverwaltung angerufen habe. Gott sei Dank haben wir jetzt neue Managing Agents, und die scheinen etwas mehr auf Zack zu sein als die vorigen, alle Fenster werden jetzt auch demnächst ausgetauscht, bevor sie die Feuchtigkeit ziehen wie letztes Jahr.

Der Manta ist immer noch nicht repariert (soll aber angeblich jetzt DEFINITIV nächste Woche fertig sein, wie oft habe ich das schon gehört), und die nächsten free previews habe ich auch schon wieder organisiert. Heute Abend waren wir in „Baby Mama“, das war total lustig.

Constanzes Nachfolgerin bleibt uns übrigens nicht erhalten, beide Seiten haben wohl endlich gemerkt, dass das nichts wird, und so wird sie uns spätestens zum Ende ihrer Probezeit verlassen – wir suchen also mal wieder.

24. Juli 2008
Meine Mutter schrieb mir folgendes zum Tuerklinkendiebstahl: „Auch wenn es kurios erscheint, der um sich greifende Metalldiebstahl in Großbritannien ist der Stuttgarter Zeitung heute einen Artikel auf der ersten Seite wert. Hintergrund sind die ungeheuer gestiegenen Metallpreise auf dem Weltmarkt (großer Bedarf in Indien und China). So werden nicht nur Stromkabel, Telefonleitungen, Gleise oder Zugsignale gestohlen, auch der königlichen Yacht Britannia fehlen zwei Ersatzpropeller, eine tonnenschwere Bronzeskulptur von Henry Moore vor dem Museum von Hertfordshire ist wohl längst eingeschmolzen, von einem Kriegerdenkmal in Plymouth wurden alle Gedenktafeln gestohlen und auf einem Friedhof von Swansea wurden sämtliche Wasserhähne, Kanaldeckel und Grabmalplaketten aus Metall entwendet. Da ist Eure Haustüre wohl nur ein kleines Zubrot. Man sollte die Eigentümer warnen, dass sie besser eine nichtmetallische Türklinke montieren, sonst ist sie vielleicht bald wieder weg.“

19. September 2008
Der Urlaub in Deutschland war sehr schön, wenn auch etwas anstrengend. Wir flogen von London City nach Frankfurt und stiegen für die erste Etappe in einen Zug nach Kaiserslautern, wo uns Susanne vom Bahnhof abholte. An dem Wochenende war in Kaiserslautern ein Musikfestival, so dass es überall in der Innenstadt Bühnen gab für die verschiedenen Musikrichtungen. Die „Opel Air Bühne“, gesponsert von Opel, hatte es John natürlich besonders angetan.

Susanne hatte uns für eine „Barbarossa-Tour“ angemeldet, durch die Katakomben unter der Stadt. Zuvor gab es einen Aperitif in kleinen Gläsern mit dem Stadtwappen drauf, John war ganz begeistert, als es hieß, dass wir die behalten durften. Wir haben an dem Wochenende noch eine Burg sowie den Zoo besucht und einen Abstecher nach Otterberg gemacht (sehr schöne Fachwerkhäuser). Sonntag Abend ging es dann schon weiter nach Köln zu Constanze, die am Montag ihren ersten Arbeitstag hatte. So haben wir uns am Montag 7 Stunden lang im Zoo verlustigt, der Kölner Zoo ist aber auch sehr schön, ich hätte den niedlichen Erdmännchen stundenlang zuschauen können!

Am Dienstag besuchten wir dann den Kölner Dom und das Schokoladenmuseum, bevor wir erschöpft zurückkehrten. Mittwoch Morgen ging es per Zug nach Biberach zu meiner Mutter, wo ich sowohl einen Friseurtermin sowie einen Augenarzttermin wahrnahm und jede Menge einkaufte. John kriegte im örtlichen Fachhandel ein Mantamodellauto, Größe 1:18 und war davon höchst begeistert.

Die Beantragung eines neuen Personalausweises hat leider nicht geklappt, weil ich ein wichtiges Dokument vergaß, das beweist, dass ich zwar in England wohnhaft bin, aber immer noch die deutsche Staatsbürgerschaft habe. Dann eben nächstes Jahr! In einem Restaurant bekam John ein Bierglas mit seinen Initialen drauf, worauf er prompt fragte, ob er es behalten kann. Wieder eins für die Sammlung! Am Freitag ging es dann zur letzten Anlaufstelle: Stuttgart. Ein Besuch des Auto & Technikmuseums in Sinsheim versetzte John in Hoechststimmung, aber auch ich war von den vielen Autos und Flugzeugen, inklusive Concorde beeindruckt. Dann fand er im Shop noch ein zweites Mantamodell, und obwohl er zu diesem Mantamodell in Biberach noch nein gesagt hatte, wollte er es jetzt auf einmal unbedingt haben, obwohl es hier 10 Euro mehr kostete. Typisch. Die Lindenstraßenforumler haben wir auch noch getroffen und sind am Sonntag in aller Gemütsruhe zum Flieger getuckert.

Der Rückflug von Frankfurt war ein Traum, wir hatten am Tag vorher online eingecheckt und mussten so nur noch das Gepäck abgeben, dann wurde beinahe mein Lesezeichen beschlagnahmt, da es spitz war und aus Metall, und ich habe herausgefunden, dass die Unmengen deutscher Zeitungen, die meine Chefs immer von Frankfurt mitbringen, kostenlos in der Lufthansa Lounge verteilt werden. That’s why! John hat herausgefunden, dass man im Flieger eine ganze Flasche Premium Pils kriegt, wenn man nach Bier fragt, während alle anderen Getränke in winzigen Plastikbecherportionen serviert werden. Der Blick über London mit Gherkin war atemberaubend, wir sollten wirklich öfter mal Lufthansa von City fliegen, es ist klasse! Man möchte gar nicht mehr zu den no-frills wie Ryanair zurueck.

Kaum zurückgekommen, ging die Bankenkrise los. „Meltdown Monday“ wurde gefolgt von „Terrible Tuesday“, und ich war dann doch froh, nicht bei Lehman Brothers zu arbeiten. Bei denen komme ich jedesmal vorbei, wenn ich zur Jubilee Line in Canary Wharf muss, das ist ein unheimlich schniekes Gebäude mit viel Glas und Marmor. Die City war natürlich in Aufruhr, London verliert nicht jeden Tag eine Bank mit 4,000 Mitarbeiten auf einen Schlag. Die Auswirkungen werden natürlich mannigfaltig sein, wenn Banker ihren Job verlieren, verlieren andere Geschäfte sie als Kunden. In dem Zusammenhang war ich doch recht amüsiert von dem Werbeblatt, das ich am Mittwoch per Post bekam (mit Poststempel Montag), in dem ein Immobilienmakler mit seinen Kunden warb: HSBC, Bank of America, Barclays, Lehman Brothers, Morgan Stanley, JP Morgan …

Die Wirtschaftskrise ist in vollem Schwung, HBOS wurde von Lloyds TSB geschluckt und die Fluggesellschaften fallen auch wie die Fliegen: XL Leisure ging pleite und Alitalia macht’s auch nicht mehr lange.

Es kann aber nicht alles Doom und Gloom sein, da Andrew Lloyd Webber den ehemaligen Lehman Brothers Angestellten kostenlose Karten für seine West End Shows angeboten hat – first come, first served und unter Vorlage eines P45 (das Dokument, das man bei Arbeitsende für die Steuer bekommt).

Folgendes Email macht gerade die Runde: “If you had purchased £1000 of Northern Rock shares one year ago it would now be worth £4.95, with HBOS, earlier this week your £1000 would have been worth £16.50, £1000 invested in XL Leisure would now be worth less than £5, but if you bought £1000 worth of Tennents Lager one year ago, drank it all, then took the empty cans to an aluminium re-cycling plant, you would get £214. So based on the above statistics the best current investment advice is to drink heavily and re-cycle”

Apropos Recycling, wir haben ja jetzt sogar vom Council einen braune Behälter mit kleinerem grauen Behälter geliefert bekommen für „Food Waste Recycling“. Man entsorge also Essensreste im grauen Behälter, der mit eine rosa Mülltüte ausgelegt ist, dann wird die rosa Mülltüte geknotet und in den braunen Behälter gelegt, der dann einmal wöchentlich vor die Haustür gestellt wird. Soweit so gut, außer dass am Mittwoch niemand den Behälter geleert hat, also gab’s einen Anruf beim Council, die eine Leerung innerhalb 24 Stunden versprachen. Es benötigte dann noch einen zweiten Anrufs gestern, da immer noch nichts geleert war – kein Wunder, dass die meisten Engländer das Recycling gar nicht erst anfangen!

War ja letzte Woche auch mal wieder beim Zahnarzt, nachdem ich den ursprünglichen Termin wegen Krankheit hatte verschieben müssen. Da stellte sich dann heraus, dass mein Zahnarzt (und ich darf in der Praxis keinen anderen sehen), nur Donnerstag nachmittags praktiziert (den Rest der Woche hält er wahrscheinlich in einer privaten Harley Street Klinik Hof), so dass der Termin um geschlagene 3 Wochen verschoben werden musste. Auf meine Klagen über Beschwerden mit einem Zahn wurde geröntgt und gereinigt, dann beschieden, dass zwei Zähne so aneinander lehnen, dass eine Lücke entsteht, aus der Essensreste schwer zu entfernen sind, daher manchmal der Ungemach. Aber Füllungen, die sowas beheben könnten, gibt’s nur privat und kosten wahrscheinlich bis zu £400. Ich solle halt ab und zu ein Mundwasser verwenden. Kostenpunkt fuer den Besuch: £51.20. Unglaublich.

Und der Manta – Ach Gott, der Manta. Wir hatten ja vor dem Urlaub noch eine Episode, wo der Mechaniker die Handbremse auswechseln wollte (ohne das geht die Karre nicht durch den TÜV!). Manta Mick sagte, er hätte eine rumliegen, also fuhr John mit dem Zug nach Birmingham, hängte sich bei Halt in Warwick Parkway aus dem Zug und ließ sich die Handbremse von Manta Micks Freundin rüberreichen, worauf es flott weiterging nach Brum. Das war am Freitag, am Samstag flogen wir nach Deutschland.

Nach der Rückkehr rief John am Montag den Mechaniker an. „Ja, wir finalisieren gerade nur noch ein paar Kleinigeiten.“ Also setzte sich John frohgemut in den Zug und holte die Karre ab – nach rund 10 Monaten. Über die Kosten breiten wir jetzt mal lieber den Mantel des Schweigens. Beim Nachhausekommen stellte er dann fest, dass die Karre Öl verlor. Da der Mechaniker in London jetzt sein Freund ist, hat die Reparatur auch fast nichts gekostet. Es veranlasste eine Nachbarin jedoch, mir folgende SMS zu schicken: „Meant to ask. Saw John at the garage the other day. Does that mean another problem with the car?”

Am Freitag wollte John dann zum Manta-Treffen, dass jeden dritten Freitag des Monats stattfindet. Er war kaum eine Stunde unterwegs, da kriegte ich eine SMS von ihm: „Have you ever felt like murdering someone?“ Uh-oh. Die Karre war an der Tankstelle einfach nicht mehr angesprungen. Hat er die AA rufen müssen, die eine Reparatur durchgeführt haben, John fuhr also frohgemut zum Manta-Treffen weiter, wo er mit den deutschen Mantamodellen angab. Auf der Rückfahrt, er war schon fast von der M25 runter, kommt ein Stau, er tritt auf die Bremse, und die Karre klinkt sich aus. Also wieder die AA – die ihn angesichts der fortgeschrittenen Stunde einfach nach Hause abgeschleppt hat. Der örtliche Mechaniker hat ihm dann heute fast für lau den ausstehenden Rest repariert, der Motor läuft jetzt, aber der Anlasser muss ersetzt werden, sonst springt der Wagen nur hin und wieder an. Aber das kriegen wir auch noch hin, in die örtlichen Mechaniker habe ich viel mehr Vertrauen als in den Deppen in Birmingham.

Wir sind schon wieder fleissig am Film Previews schauen, letzte Woche drei, diese Woche drei, nächste Woche drei. Eine davon ist Swing Vote mit Kevin Costner, was in der amerikanischen Botschaft gezeigt wird, wir haben schon ein Email bekommen mit Anweisungen zu den Sicherheitsmaßnahmen. Tropic Thunder mit Robert Downey Jr. kann ich übrigens wärmstens empfehlen, das ist urkomisch.

Habe gerade festgestellt, dass ich mittlerweile über 5 Jahre in London lebe!

27. Oktober 2008
Die Kreditkrise wird hier Credit Crunch genannt, und täglich überschlagen sich die Zeitungen mit neuen Meldungen ueber die Rezession: Angestellte werden entlassen, Restaurants gehen pleite, West End Theaterstuecke gehen früher zu Ende, Benzinpreise sinken aber Gaspreise gehen nach oben wie auch Lebensmittelpreise, die Bank of England senkt die Leitzinsen aber die Banken geben die Zinsen nicht weiter an die Hypothekenbesitzer, Immobilienmakler arbeiten für 0% Kommission …

Dafür kann man jetzt Superschnäppchen kriegen, da sich alle überschlagen, um ihre Ware an den Mann zu bringen. Ich habe gestern Abend Karten für Avenue Q (ein West End Musical gekauft) für £10 pro Karte, absolut unschlagbar, die Karten kosten sonst £51.50 + Buchungsgebühr. Und neulich sind wir in einem Pub in Canary Wharf umsonst verköstigt worden, da diese einen „free tasting of winter menu“ Abend veranstalteten. Dass noch keiner auf die Idee gekommen ist, „Credit Crunchies“ zu backen – die wären bestimmt ein Renner! Ich habe gerade noch einen Anteil von Johns Geld in einem 12-monatigen Bond mit 7,21% Zinsen versenkt, das ist allerdings selbst für hier unglaublich gut. Mein Bond wird leider erst im Januar reif, mal schauen, was dann die Angebote sind. Gott sei Dank hatten wir beide kein Geld in einer isländischen Bank versteckt.

Das London Film Festival war nichtsdestrotrotz gut besucht, die meisten Filme waren ausgebucht. Susanne kam am Donnerstag den 16.10. an, ich hatte mir 4 Tage freigenommen, und wir packten ein Theaterstück, einen London Walk, ein paar Abendessen, Sightseeing und viele Filme in die 5 Tage, die sie da war. Sie hatte etliche Filme gebucht und kam in ein paar andere mit dem Presseausweis hinein, ich habe „nur“ 5 Filme gesehen in der Zeit. „Riflemind“, das Theaterstück mit John Hannah hat mir gar nicht gefallen, kein Wunder, dass das nur noch diese Woche läuft anstatt bis Januar – wollte wohl keiner sehen.

Am Freitag sahen wir „Dean Spanley“, einen Film mit Sam Neill, Jeremy Northam und Peter O’Toole, die alle drei bei der Premiere waren und vor Beginn des Filmes kurz auf der Bühne ein paar Worte sagten. Der Film ist gut aber auch ein bisschen merkwürdig, es geht viel um Reinkarnation von einem Hund und Tokay-Wein.

Am Samstag waren wir auf eine Hochzeit eingeladen, aber da ich mir den Tag zuvor eine Erkältung eingefangen hatte, wahrscheinlich als Folge der Grippeimpfung am Montag davor, blieb ich zuhause und schaute mir am Nachmittag eine kostenlose Preview von „Sunshine Barry and the Disco Worms“ an – ein lustiger Zeichentrickfilm.

Am Sonntag ging es auf etliche Märkte, und Montag entwickelte sich zum Marathon-Filmtag, nachdem ich für uns alle Karten für „Hunger“ gewonnen hatte. Der Film wurde von eine TV-Firma gezeigt, die uns großzügig vorher mit Essen abfüllte (Frühlingsrollen, Samosas, Falafel, und ja, die Ironie von „Essen vor Hunger“ ging nicht an uns verloren!), aber ewig brauchte, bis sie den Einführungstake im Kasten hatten, und dann war das Kino so winzig, dass wir nur noch vorne Plätze bekamen – und ich hasse es, im Kino vorne zu sitzen. Der Film war dann auch ganz schrecklich.

Eine Bekannte, die auch da war, teilte uns dann mit, dass sie 4 Karten für „Ghost Town“ gewonnen habe, das am selben Tag um 18.45 Uhr im Paramount Pictures Studio nahe Piccadilly Circus gezeigt wurde. Wir sind also noch ein paar Stunden ins Tate Britain gegangen und haben uns dann wieder mit Gabriella getroffen. Auch diesmal wurden wir verköstigt, aber es war mehr die Chips und Nuesse-Variante. Dafür gab es unlimited Freibier, was John ganz toll fand, und der Film war dann auch richtig gut, in einem bequemen Kino mit viel Beinfreiheit.

Er endete um 20.20 Uhr , und fuer 20.30 Uhr hatten wir Karten für „Two Lovers“ am Leicester Square. Wir sind also rausgesaust und Susanne hinterher, die sich peinlicherweise in London besser auskennt als wir und uns mit ein paar shortcuts zielsicher bis vors Odeon West End führte, wo wir kartenwedelnd an Gwyneth Paltrow vorbeirannten, die sich gerade auf dem roten Teppich in Interviews mit Madonna solidarisch erklärte. Punkt 20.30 Uhr warfen wir uns in unsere Sitze, aber das Ganze ging dann erst eine Viertelstunde später los (was beim Film Festival üblich ist). Gwyneth hatte sich mittlerweile in Reihe 4 geschlichen und winkte von dort aus kurz allen zu. Sie nahm dann auch nach dem Film noch in einer Frage-und-Antwort Session teil, die wir leider nicht ganz verfolgen konnten, da wir den letzten Zug nach Hause erwischen wollten.

Am Dienstag flog Susanne wieder nach Hause und ich nutzte den Tag, um auszuschlafen und all die Zeitungen zu lesen, die sich angesammelt hatten (in den Film Festival Kinos liegt jeden Tag die Times aus, da die das Ganze sponsert, und im Tate Britain gab es den Observer umsonst). Jetzt hat mich das Büro wieder, es ist kalt draußen aber viel zu warm drinnen, da die Klimaanlage spinnt, und ich bin müde. Man gewöhnt sich so schnell ans Ausschlafen, dass das Frühaufstehenmüssen eine echte Tortur ist, vor allem, da gerade eh nicht viel los ist hier.

Der Manta läuft jetzt wieder prima, aber der Motor, den John hat einbauen lassen, ist leider nicht Standard für einen Manta, und die neue Versicherung, die er vor kurzem abgeschlossen hat, wollte alle möglichen Dokumente dazu sehen, wie auch die DVLA (Driver and Vehicle Licensing Agency – die englische Zulassungsstelle/das Zentralregister), die zuerst die AA zum Überprüfen schicken wollte (für schlappe £175), sich jetzt aber doch mit einem Schreiben des Mechanikers über Einbau und Motornummer zufriedengibt. „Red tape“ nennt man hier den überflüssigen Papierkram.

Gestern waren wir nochmal auf dem Film Festival, wir hatten Karten gewonnen für „The Secret of Moonacre“, einem Fantasyfilm mit Ioan Gruffudd, Natasha McElhone und Dakota Blue Richards. Tim Curry hatte auch eine Nebenrolle. Da es ein Galafilm war, war jeder Sitz mit einer Wasserflasche und einer Schokoladentafel bestückt (Green & Black’s, yummy!) Da der Film nicht ausverkauft war, sind wir am Schluss durch die leeren Reihen geschlichen und haben noch ein paar mehr Schokotafeln eingesammelt. 20 oder so … Man gönnt sich ja sonst nichts.

Autor: Beate
Beateher@yahoo.com

*****

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de



Mind the Gap 6b
1, 22 Oktober, 2009, 5:12
Gespeichert unter: Menschen

Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 5″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 6“ unterteilt in 6a bis 6c.

101-0119_IMG

Foto: © NermoTorek (Nermo Torek)/ http://www.pixelio.de

März 2008 – Fortsetzung
Am Ostermontag gingen meine Freundin und ich in „Afrika! Afrika!“ für das ich es tatsächlich geschafft hatte, noch einmal kostenlose Karten zu ergattern, und am Abend ging sie noch zu St. Pauls für den Evensong. Jetzt glaubt sie, dass London total erschwinglich ist …

Am nächsten Morgen ging ich wieder ins Büro und sie flog von City Airport zurück nach Hause. Am Abend hatten wir dann schon wieder eine preview, aber Drillbit Taylor kann ich wirklich nicht empfehlen, was für ein Schwachsinn. Wenigstens hatte ich es an dem Tag geschafft, mit Hilfe meines Passes Geld über den Schalter von meinem Konto abzuheben.

Kaum waren die Feiertage vorüber, fing sich John einen heftigen Husten ein. Ich sagte, er solle sich einen Hustensaft kaufen, also ging er zur Apotheke, aber der nette Apotheker meinte, da ginge er besser mal zum Arzt, das höre sich gar nicht gut an. Die Ärztin verschrieb ihm Penicillin, sagte aber, er solle noch einen Tag oder zwei warten, um zu sehen, ob es nicht von selber besser wird. Was es auch tat. Warum verschrieb sie ihm dann überhaupt Antibiotikahämmer?? Meine Freundin emailte dann auch, dass sie eine fette Erkältung hätte, sie hat es wohl noch schlimmer erwischt. Wenn sich auch keiner beim dem eisigen Wetter richtig einmummelt! Wir hatten wirklich jedes Wetter über Ostern, Sonne, Regen, Wind, Hagel, Schnee …

Dann gab es am nächsten Tag gleich noch mehr schlechte Neuigkeiten: Constanze, meine Kollegin und gute Freundin, hat beschlossen, Ende Juni nach Deutschland zurückzukehren. Im Büro weiß es noch keiner, das wird noch lustig, vor allem, da ein Kollege aus ihrer Abteilung auch am nächsten Freitag geht – der geht nach Israel zurück.

Lisa, temp, Freundin und Constanzes Mitbewohnerin, geht ja auch am Freitag, wird aber im April noch meine und Constanzes Urlaubsvertretung übernehmen. Wenigstens bleibt sie in London, aber eine neue Mitbewohnerin wird sie sich auch in ein paar Monaten suchen müssen. Mann, wird das öde werden im Büro ohne Constanzes Gelächter, das man im ganzen Stockwerk hören kann …

P.S. Der Manta ist immer noch in Reparatur.

9. April 2008
Letzten Sonntag hat es geschneit wie verrückt! Richtig große Flocken, und es blieb sogar liegen! Die Nachbarn haben prompt einen kleinen Schneemann auf der Dachterrasse errichtet. Mittlerweile ist es etwas wärmer geworden, obwohl nicht viel.

Wir haben Premierekarten für “Fool’s Gold” gewonnen, morgen Abend am Leicester Square , Matthew McConaughey und Kate Hudson haben ihre Teilnahme angesagt. Meinte die Dame, bei der ich die Karten abholen muss: “The dress code is ‘Gold’ (but don’t feel you have to go in gold if you don’t want to!)” Sagt John “You want me to wear a golden tie? Are you mad?”

Und der Manta, der “im Prinzip schon fertig ist, nur noch ein paar Kleinigkeiten”, wird wohl nicht mehr rechtzeitig vor unserem Urlaub fertig, da der Mechaniker, der es auch nicht fertigbringt, einen Kostenvoranschlag zu machen (“Hab ich dich jemals übers Ohr gehauen?”), nur ab und zu, wenn er Zeit hat, daran arbeitet. Dafür leiht er uns dann ein Auto für den Urlaub. Ich hoffe, er macht das kostenlos, sonst fließt Blut. Ist ja nicht unsere Schuld, dass er so langsam ist!

6. Juni 2008
Yorkshire war wunderschön, das Wetter war größtenteils gut, und wir haben unglaublich viel gesehen. Unser wunderhübsches B&B war in Thirsk, direkt gegenüber der alten Praxis von James Herriot (Der Doktor und das liebe Vieh), und hatte auch in jedem Zimmer eine Gesamtausgabe seiner Werke stehen. Fountains Abbey, Hall, Water Garden and Deer Park ist fantastisch, und Thorp Perrow Arboretum and Falconry ist auch sehr zu empfehlen.

Dann haben wir durch Zufall noch herausgefunden, dass “Heartbeat” in Goathland in den Yorkshire Moors gedreht wird, also haben wir dahin auch noch einen Ausflug gemacht und sind in einem hübschen Ort gelandet, dessen Hotel in der Serie das Aidenfields Arms Pub ist, was auch durch ein permanentes Schild an der Gebäudeseite sichtbar gemacht wird. Und Bernie Scripp’s Werkstatt mit den Autos aus den 60er Jahren steht genau gegenüber. Genial. Für das zweite Wochenende sind wir dann nach Scarborough an der Küste umgezogen, aber da hat es mir nicht so gefallen, es war ein typisches seaside resort, zugemüllt mit Bingohallen und Fish’n’chips Läden. Wir haben also den Ort selber links liegengelassen und sind die Kueste rauf- und runtergegondelt. Ein Hähepunkt war dann eine Wanderung von North Landing zum Leuchtturm am Flamborough Head, an den Felsen und bird spotters vorbei, die ganz wichtig mit ihren Ferngläsern Stellung bezogen hatten.

Die Woche danach fing dann schon wieder gut an, wir hatten Karten für eine preview von “Iron Man” für das Odeon Leicester Square gewonnen, das ueber 1600 Leute fasst und proppevoll war. Obwohl das ein Aktionfilm ist, fand ich ihn sehr gut, Robert Downey Jr. ist fantastisch in der Rolle, und am Schluss haben alle geklatscht. Kann ich also nur empfehlen!

Am Dienstag gingen wir dann in “God of Carnage”, ein Theaterstück mit Ralph Fiennes und Tamsin Greig, sehr gut gespielt. Susanne war ein paar Tage zu Besuch, und da ich da noch meine einmonatige kostenlose Mitgliedskarte von Taste London hatte, sind wir vorher zum Real Greek essen gegangen, wo dank der Karte alles die Hälfte gekostet hat.

Unser Mietvertrag läuft heute aus, wir haben einen neuen 12-monatigen Vertrag unterschrieben, aber die Miete sollte um £15 pro Woche hochgeschraubt werden. Daher habe ich also mit der Vermieterin am Telefon verhandelt und es tatsächlich geschafft, die Mieterhöhung herunterzuschrauben auf £10 pro Woche. Und einen Wasserzähler kriegen wir jetzt auch endlich, der spart uns nochmal £150 im Jahr. Ich verstehe ja, dass im momentanen “credit crunch” auch die mortgage Zinsen hochgegangen sind, aber unsere Sparzinsen sind heruntergegangen, so dass seine 6%-ige Erhöhung schon happig gewesen wäre. Und die Hauspreise fallen ja jetzt auch endlich mal.

“Where in the World is Osama Bin Laden?”, der neueste Dokufilm von Morgan Spurlock, kann ich empfehlen, auch “Caramel” ist sehr gut. “What Happens in Vegas” ist dafür schlimmster kommerzieller Kitsch, fürchterlich.

Am Samstag 18. Mai haben wir uns im Zug auf nach Brighton gemacht, da an dem Tag der London to Brighton Mini Run stattfand. Ein paar unserer Stuttgarter Freunde sind begeisterte Minifahrer und sind extra dafür ueber den Teich gegondelt. Es hat schon was, Hunderte von Minis aufgereiht am Brightoner Pier zu sehen, und noch dazu in strahlendem Sonnenschein. Und Haribo aus Deutschland mitgebracht zu kriegen.

Und dann bin ich doch glatt von einer Sekretärinnenzeitschrift zu einem Ducktours Event mit James Bond Thema eingeladen worden! Diese Ente ist ein amphibisches Fahrzeug, das sowohl zu Lande als auch zu Wasser fahren kann: http://www.londonducktours.co.uk/ Hinterher gab es sogar noch Canapes und Drinks in einer Bar. Es war klasse, aber das Fahrzeug war offen, so dass ich doch etwas fror.

Der Manta ist immer noch nicht repariert, kann man es glauben? Also mussten wir für Wales schon wieder ein Auto mieten. Llangollen ist in North Wales, direkt an der Grenze zu England, jeden Sommer wird dort das Musikfestival Eisteddfod veranstaltet. Der Ort hat sehr viel Charme, mitten durch fließen Stromschnellen, es gibt eine altmodische Zugstrecke mit dampfgetriebenen Zügen, und einen Kanal gibt es auch. Wir haben eine Tour mit dem narrow boat gemacht, das von einem Pferd gezogen wurde, und eine Tour mit einem motorisierten narrow boat, das uns über den Pontcysyllte Aquaduct fuhr. Sehr beeindruckend, und Gott sei Dank war an dem Tag schönes Wetter.

Wir hatten leider auch etwas Regen, und da wir die Snowdon Mountain Railway in Llanberis vorbestellen mussten, fiel dieser Ausflug leider auf genau den Tag, an dem die Sicht vom Berg gleich Null war. Der Zug sah aus wie ein Geisterzug, der aus dem Nebel auftaucht! Die Pen y Ffrith Bird Gardens kann ich sehr empfehlen, die waren wunderschön. Die Pen y Bryn Falconry ist dagegen eine Abzocke, an dem Tag, an dem wir dort vorfuhren, gab es nur ein paar Farmtiere und zwei Llamas zu besichtigen, aber “der Falkner ist heute nicht da”.

Wir hatten in zwei verschiedenen B&Bs gebucht, und wenn ich die beiden hätte zusammenlegen können, wäre es perfekt gewesen. Das erste hatte die bessere Lage zur Innenstadt (obwohl sehr ruhig), die besseren Betten und den größeren Fernseher, aber das zweite hatte größere Räume, ein angeschlossenes Badezimmer (en suite) und einen wunderbaren Blick auf grüne Berge und Castle Dinas Bran. Und Llangollen hat sich bei mir beliebt gemacht, als ich erfuhr, dass die öffentliche Bücherei kostenlosen Internetzugang gewährt. Leider war der Ort größtenteils Zebrastreifenfrei, so dass das Wechseln der Straßenseite doch mit etwas Risiko verbunden war! Aber dafür gab es ein Motor Museum , so dass John glücklich war.

Im Büro gibt es gerade einige Änderungen. Es wurde umgebaut und Pappwände niedergerissen, so dass ich nun in der Mitte eines Großraumbueros sitze, an einem kleineren Schreibtisch. We are not amused. Dafür kriege ich einen neuen Titel, ich bin jetzt eine Management PA. Einen neuen Server gibt es demnächst auch noch (der alte ist zu klein und langsam), und einen neuen allsinging-alldancing Kopierer/Drucker/Scanner für alle. Es wird sogar ein neuer einheitlicher Firmenschriftsatz eingeführt. Und dann kriege ich glatt ab nächste Woche wieder eine neue Kollegin, obwohl es eine Zeitlang hieß, “Sparmaßnahmen, und Sie kommen ja gut alleine zurecht, nicht wahr?” Bin ja mal gespannt, wie die Neue so drauf ist, die Nachfolgerin für Constanze (letzter Tag 19. Juni, schluchz) ist schon da, und die ist nicht so mein Fall. Gestern habe ich Constanzes Farewell-Karte unterschrieben, und konnte gar nicht mehr aufhören, zu schreiben. Ich werde sie so vermissen.

Der neue Mayor Boris Johnson hat als erste Amtshandlung ein Alkoholverbot in der tube ausgesprochen, das am 1. Juni in Kraft trat. Wie wir die Engländer ja inzwischen kennen, lassen diese sich nicht gerne ihre Freiheiten beschneiden, auch wenn sie sonst sowieso nicht in der tube trinken würden. Also wurden am Vorabend des Banns Parties in der Tube abgehalten, die auch ganz selbstverständlich ins Chaos ausarteten, mit Randale, Beschädigungen, Festnahmen und vielen Brummschädeln.

Dienstag abend waren wir in einer preview von “Gone Baby Gone” mit Casey Affleck, ich habe zwar seinen Bostoner Akzent kaum verstanden, aber der Film war sehr gut, wenn auch etwas verstörend. Und das kleine Mädchen sah aus with Madeleine McCann. Spooky.

Am Samstag wird im Hyde Park der “2. Red Bull Flugtag” abgehalten, und wir haben Freikarten ergattert: “At the beginning of this year, the Red Bull Flugtag team ran a nationwide advertising campaign seeking crazy showmen and Jackass wannabes with a desire to build a man-powered flying machine that could soar off a 6m high ramp. Hundreds sent their designs in but only the 41 best entrants earned themselves a pilot’s licence for the event. On June 7th, these crazy teams will head for the ramp where they’ll be judged on three criteria: the distance their machine flies, the creativity of the machine and the team’s pre-flight performance. Check out the finalists on the Teams page now and have a look at the Team Blog for the latest news and some cheeky team banter: www.redbullflugtag.co.uk”

Gestern abend ging es zu einer “City Showcase Classical night”, mal was anderes. Die Karten habe ich natürlich, wie soll es auch anders sein, gewonnen. Ich war mir zuerst nicht sicher, ob ich gehen soll, klassische Konzerte sind nicht so mein Fall, aber eine Freundin sagte dann folgendes:“I’ll go to absolutely anything me, even more so if it’s free. I have two mantras that I follow … Life is all about random experiences … and … when was the last time you did something for the first time?”

Es war gar nicht so schlecht, aber komischerweise haben mir die zwei Hauptakte nicht gefallen, das Klavierkonzert fand ich absolut langweilig. Die Musikstudenten danach fand ich alle sehr gut, aber der Opernsaenger am Schluss, großartig angekündigt, sang sein Nessun Dorma so laut, dass Lisa und ich uns nur entsetzt angeguckt haben. Sie flüsterte “Can we go?” und ich sagte “Yes, please!”

Aber macht ja nichts, war ja kostenlos. Gehe ich überhaupt noch irgendwo hin, wenn es was kostet? Doch ja. Wir haben Karten für Joe Fiennes’ neuestes Theaterstueck “2,000 Feet Away” am 28. Juni, Susanne kommt extra dafür für einen Tag herübergejettet, es leben die Billigflüge.

Ach ja, und vor ein paar Stunden haben sie eine riesige Bombe aus dem zweiten Weltkrieg „kontrolliert gesprengt“, die am Montag in Bromley-by-Bow in Ostlondon gefunden wurde – 10 DLR-Stationen von uns entfernt. John sagte, er hat die Explosion gehört, als er auf dem Weg war, mich von der Station abzuholen.

11. Juli 2008
Am 19. Juni hat Constanze uns also endgültig verlassen. Wir hatten einen schönen Abschiedsabend im Pub nebenan, sie war ganz gerührt von den vielen Geschenken und Karten, die sie von Kollegen bekam.

Den Office Sweepstake zur EM habe ich natürlich nicht gewonnen, aber Schweden kam ja auch nicht sehr weit. John hat mal wieder den Kopf geschüttelt, dass ich plötzlich jede Menge Fußballspiele sehe, und beim Halbfinalspiel Deutschland – Türkei kam es aus seinem Zimmer geschallt „Was quietscht Du denn immer so?“ Was soll ich machen, das war ein Krimi.

Die Stimmung im Lande ist zur Zeit etwas gedrückt, Lebensmittel, Energiepreise und Hypotheken werden teurer, während Hauspreise stetig fallen. Es wird von einer Rezession gemunkelt, und das Ganze hat den Fachbegriff „credit crunch“ erhalten, da Kredite in jeder Form jetzt schwerer zu erhalten sind, und die Leute den Gürtel enger schnallen müssen.

Wir werden wohl auch erst im September nach Deutschland kommen, das spart uns sozusagen einen teuren Urlaub, den wir stattdessen irgendwo anders gehabt hätten. Es heißt ja auch, dass viele Leute anstatt ins Ausland zu fliegen, jetzt lieber im Lande Urlaub machen – so billig ist das nun aber auch nicht.

Da lobe ich mir doch meine kostenlosen previews. Wir haben den neuen Narnia Film (Prince Caspian) für umsonst gesehen, sowie „The Visitor“. Für Sonntag haben wir Karten für den neuen Pixarfilm „Wall.E“, der jetzt schon hochgelobt wird. Und ja, da sind wir schon im Urlaub. Ich habe ein Kino in der Naehe des Lake Districts gefunden, das eine preview abhält, LOL. Mamma Mia muss ich mir auch noch anschauen, nachdem ich vergeblich versucht habe, Karten für die Premiere am Leicester Square zu bekommen. Das wäre was gewesen – Colin Firth, Pierce Brosnan, Meryl Streep …

Dafür habe ich neulich Joe Fiennes im Theater gesehen – ein äußerst merkwürdiges Stück im kleinsten Theater, das ich je gesehen habe. Es gab nur drei Reihen von unbequemem Bänken, und wo immer du saßt, du warst nie mehr als 3 Meter von den Schauspielern entfernt. Susanne hat es nur mit Ach und Krach zum Theater geschafft, ihr Flug hatte Verspätung und dann haben an dem Wochenende auch noch die tube und DLR verrückt gespielt.

Die DLR ist zurzeit total nervig. Es werden Arbeiten durchgeführt, um einen dritten Wagen an jeden Zug anzuhängen und viele Bahnsteige müssen deswegen verlängert werden. Tower Gateway ist bis auf weiteres total gesperrt, und alle Züge von Bank halten entweder in Crossharbour oder spätestens in Island Gardens, wo du umsteigen musst, wenn du über den Fluss nach Greenwich oder Lewisham willst.

Die Züge fahren auch nicht so oft jetzt, dafür stehen an jedem Bahnsteig mindestens 5 Uniformierte rum, die verwirrten Reisenden den richtigen Weg weisen sollen – in Wirklichkeit schreien sie nur in Footballhooligan-Lautstärke irgendwelche Anweisungen oder versuchen einen, in die Ersatzbusse zu schubsen. Aber so schlau, dass sie die Stände mit den METRO-Zeitungen an der Bushaltestelle aufstellen, sind sie nicht. Da hatte ich beinahe eine Auseinandersetzung mit einem DLR-Menschen, als die DLR nicht fuhr und ich trotzdem an seinem ausgestreckten Arm vorbei Richtung Station lief, da ich eine Zeitung wollte, bevor ich mich in den Bus quetschte. Und Bank station ist sowieso der Horror momentan, man kommt nur noch zum DLR-Bahnsteig, wenn man sich vorher durch den überfüllten Bahnsteig der Northern Line quetscht.

Seit 26. Juni gibt es in Greenwich ein tolles neues Riesenrad, das wird da bis 28. September stehen: http://www.greenwichwheel.com/ Da sind wir mit Susanne natürlich gleich drauf, und da das Riesenrad da erst 3 Tage alt war, standen noch nicht so viele Menschen an und wir bekamen unsere eigene Gondel, von der aus wir wie die Weltmeister den Fluss, Canary Wharf und Greenwich von oben fotografierten. Man kann unsere Strasse von da oben sehen! Leider gab es nur drei Umdrehungen, und nach 10 Minuten war die Fahrt vorbei – aber es lohnt sich. Danach gingen wir noch ins Tex-Mex Restaurant und hatten Kino geplant – Sex and the City mit kostenlosen Karten. Leider hat der Ersatzbus so lange gebraucht bis West India Quay, dass die Vorstellung ausverkauft war – an einem Samstagabend auch nicht unbedingt verwunderlich, aber trotzdem nervig. Sind wir halt noch einen trinken gegangen, es war warm genug.

Das gute Wetter hat leider nicht lange gehalten, seit Tagen ist es durchwachsen, und gestern hat es geschüttet wie verrückt. Und das Wetter fuer den Lake District sieht auch nicht gerade rosig aus. Aber egal, Urlaub ist Urlaub. Samstag Morgen geht es los – im Mietwagen. Fragt nicht!

*** Fortsetzung folgt ***

Autor: Beate
Beateher@yahoo.com

*****

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de



Mind the Gap 6a
1, 21 Oktober, 2009, 6:06
Gespeichert unter: Menschen

Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 5″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 6“ unterteilt in 6a bis 6c.

DSCF2550

Foto: © prspapa (M.Schlüter)/ http://www.pixelio.de

19. Februar 2008
Weihnachten und Neujahr hätten wir ja nun gut rumgebracht, wir haben viele Freunde getroffen und ein schönes Silvester in Stuttgart verbracht. Meine Mutter und ich sind uns allerdings gegenseitig diesmal so auf die Nerven gegangen, dass wir beschlossen haben, nächstes Weihnachten getrennt zu verbringen. Ich sehe mich schon eingeschneit in einem gemütlichen Cottage irgendwo in den Cotswolds …

Ich habe seit ein paar Monaten ein neues Hobby: so oft wie mäglich in kostenlose Filmvorpremieren gehen. Es ist unglaublich, wie viele Filme man hier umsonst sehen kann, und auch noch bevor sie offiziell ins Kino kommen! Man muss sich nur z.B. kostenlos bei www.seefilmfirst.com registrieren, und sobald man irgendwo einen Code findet, den eingeben, sich einloggen, und sich die Tickets für das Kino seiner Wahl schnappen. Es sind nicht immer dieselben Kinos, aber in London gibt es genug Kinos, die mitmachen und in Reichweite sind. Die Codes und andere Infos über kostenlose Filmvorführungen werden hilfreicherweise in einem Thread bei moneysavingexpert.com zusammengetragen. Seit Ende Oktober habe ich die folgenden Filme gesehen:

Elizabeth The Golden Age
Brick Lane
American Gangster
The Darjeeling Limited
Bee Movie
PS I Love You
Enchanted
The Kite Runner
Dan in Real Life
Sweeney Todd
Juno
Arctic Tale
Definitely, Maybe
The Lives of Others (Das Leben der Anderen)
Atonement
The Bucket List
The Bank Job
Be Kind Rewind

Und habe Karten für
The Edge of Heaven (Auf der anderen Seite)
The Other Boleyn Girl
27 Dresses

Nicht alle Filme sind toll, aber die paar Blindgänger sind nicht so tragisch. Wir haben unsere eigene kleine Gemeinde gebildet, die sich gegenseitig alarmiert, wenn neue codes kommen und Karten weitergibt, wenn jemand selber nichts kann etc. Time Out gibt auch Karten aus, aber man muss sich bewerben und ist nicht immer erfolgreich.

In dem Zusammenhang hatte ich neulich die folgende Email Konversation mit einer Freundin:
Ich: “I am going to see Sweeney Todd tonight. Why is it that the Odeon Covent Garden is in Shaftesbury Avenue, but the Cineworld Shaftesbury Avenue is in Coventry Street ??” – Sie: “London topography is CRAZY!!! The Charing Cross Hospital is in Fulham!”

Und ich weiß ja nicht, ob jemandem hier „Afrika! Afrika!“ von Andre Heller was sagt: Das ist eine Dance Performance Show mit schwarzen Akrobaten, und da wurden unglaublich viele kostenlose Karten vergeben. Ich war zweimal drin und habe den Rest der Karten verschenkt. Hier nennt man sowas ein “freebie”, und das war ein fantastisches freebie, da die Karten dafür unglaublich teuer sind, und die Show wirklich herausragend. Sie läuft noch bis 31. Maerz, und da wir über Ostern Besuch aus Deutschland kriegen, wäre es toll, wenn die kostenlosen Karten dann noch erhältlich wären, aber um Ostern rum mache ich mir da wenig Hoffnung.

Neulich kam auch ein Hinweis auf kostenlose Theaterkarten für “Much Ado About Nothing” im Globe Theatre am 14. Maerz, da musste ich natürlich sofort zuschlagen. Im Globe Theatre war ich zwar schon, aber noch nie für ein Theaterstück! Leider kam man am Telefon am betreffenden Tag ueberhaupt nicht durch, also habe ich John voller Panik zum Globe Theatre geschickt, der sich in einer recht beachtlichen Schlange anstellte, und tatsächlich noch richtig gute Karten erwischte. Ich freu mich schon sehr!

Und meine Freunde belächeln meine Freebiebesessenheit nur solange milde, bis ich es schaffe, ihnen Karten für irgendwas zu besorgen, LOL.

Am 16. Januar waren wir bei einer Aufzeichnung von “It Pays to Watch”, das ist eine Vorabendshow, die sich mit Geldangelegenheiten befasst. Der Moderator der Show ist Martin Lewis, kein geringerer als der Urheber von www.moneysavingexpert.com (momentan meine zweite Heimat), daher war es wirklich sehr interessant, hinter die Kulissen zu blicken und andere Leute vom Forum kennenzulernen. Die Aufzeichnung fand im obersten Stock von Whiteleys, dem Einkaufszentrum in Bayswater statt, und stilecht hat Café Rouge allen Zuschauern der Show an dem Tag 25% Discount gegeben.

Am 8. Februar ging’s zu “Madam Butterfly” im Coliseum, die Karten waren ein Weihnachtsgeschenk von Constanze und Lisa. Und somit hat sich endlich ein lebenslanger Traum für John erfuellt, der diese Oper immer schon mal sehen wollte. Sein Auto, das kurz vor Weihnachten den Geist aufgab, ist übrigens immer noch nicht repariert, und gestern ist er mal wieder nach Birmingham gefahren, um irgendein benötigtes Teil zu beschaffen. Sieht mal wieder so aus wie eine dieser Endlosreparaturen. Der Manta ist tot, lang lebe der Manta!

26. Februar 2008
Irgendwie kommt es zur Zeit knüppeldick. Am 21. Februar bekam ich ein Email, dass ich in einem Preisausschreiben 2 Tickets für „Afrika! Afrika!“ gewonnen habe – schon wieder, LOL, wem geb ich die bloß? Und heute kam ein Anruf, dass ich mit derselben Lokalzeitung ein „Tutankhamun Twilight Valentines Package“ gewonnen habe, sprich, 2 VIP-Karten für die Tutankhamun-Ausstellung im O2 plus ein dreigängiges „romantisches“ Menue bei Ha! Ha! Bar and Grill, gleichfalls im O2. Ich durfte mir den Termin diese Woche aussuchen, wir gehen am Freitag Abend. Und dann kamen heute noch zwei kostenlose Tagesfahrkarten für eine Fahrt mit der c2c-Zuggesellschaft an, gültig bis 31. Mai, da können wir mal am Wochenende nach Southend tuckern.

27. Februar 2008
Bin gestern nacht aufgewacht, weil unser Bett auf einmal wackelte. War urplötzlich hellwach, mit hämmerndem Herzen, es war total spooky, weil ich mir nicht erklären konnte, was das war, die Nachbarn können doch kaum so einen Krach gemacht haben, dass bei uns alles wackelt? John schlief auch selig weiter, also habe ich mich irgendwann umgedreht und bin wieder eingeschlafen, denkend, dass ich mir wohl alles eingebildet habe.

Beim Aufrufen der yahoo-Seite am naechsten Morgen stolperte ich dann über einen Artikel ueber „England’s biggest earthquake for 24 years“ und ein Email eines deutschen Bekannten, ob ich noch heil sei. Die meisten Kollegen zeigten sich dann unbeeindruckt: „Erdbeben, was für ein Erdbeben, ich hab nichts gemerkt“. Na ja, kann nicht jeder so ein aufregendes Leben führen wie ich. ;-)

16. März 2008
Am Freitag waren wir im Globe Theatre für „Much Ado About Nothing“, Gott sei Dank hat es kurz vorher zu regnen aufgehört, sonst wären die Zuschauer auf den Stehplätzen vor der Bühne nass geworden. Wir hatten tolle Sitzplätze in der ersten Reihe der Upper Gallery, leider waren die Sitze an sich nur Holzbänke ohne Beinfreiheit, und gegen 20 Uhr wurde es etwas kalt. Ich glaube auch nicht, dass zu Shakespeare’s Zeiten Aufführungen von Flugzeugen überschallt wurden.

Das Publikum war voller Teenies, die haben wohl über ihre Schulen Karten bekommen, und viele fanden einfach alles nur komisch und lachten an Stellen, die nicht komisch waren. Wobei man zugeben muss, dass die politisch korrekte Idee, die Rolle der schönen Hero einer fetten Schwarzen zu geben, doch etwas gewöhnungsbedürftig war, vor allem, da alle Schauspieler moderne Klamotten anhatten, und sie da in rosa Kleidchen und Stöckelschuhen rumwirbelte. Das Publikum wurde aber nett mit einbezogen, als die Schauspieler sich öfters mal durch die Menge auf den Stehplätzen zwängten oder eine Leiter hinaufkletterten, um in der Middle Gallery zu verschwinden. Und bei der Hochzeitsszene regnete es Konfetti, das man den Teenies gegeben hatte, die direkt ueber dem Eingang saßen.

Nächste Woche bin ich total ausgebucht: Montag Abend Geburtstagsessen einer Freundin (wir konnten uns nur auf dem Montag einigen, da sich auch einen übervollen Kalender hat), Dienstag Abend nochmal 27 Dresses im Kino, Mittwoch Abend dann eine spezielle dreistündige „Red Carpet Preview“ im Odeon Leicester Square, mit goody bag und live Q&A’s mit Direktoren, und am Donnerstag abend kommt eine Freundin aus Deutschland angereist, die mit uns Ostern verbringt. Und kaum ist Ostern rum, geht es mit den previews weiter, Dienstag wird „Drillbit Taylor“ gezeigt, der neue Film mit Owen Wilson.

Den April-Urlaub haben wir jetzt auch gebucht, wir fahren von 19. – 26. April nach Yorkshire und verbringen erst 6 Nächte in Thirsk, dann 2 Naechte in Scarborough an der Küste.

Lisa, die temp (Praktikantin), ist jetzt leider nur noch bis 31. Maerz da (sie war allerdings jetzt auch fast ein Jahr da), und, da Kate definitiv nicht zurückkommen wird (HURRA!), werde ich den Laden demnächst alleine schmeißen müssen. Demnächst werden die Räumlichkeiten auch neu verteilt, ein paar Wände abgebaut etc. um das Ganze mehr zu einem Großraumbüro zu machen, das wird noch spaßig. Na ja, öfter mal was Neues, ich bin ja eine der Wenigen, die bis jetzt noch kein „Schreibtisch-wechsel-Dich“ mitgemacht haben.

Ach ja, der Manta ist immer noch in Reparatur. Ich hätte ihn ja gerne vor Ostern zurückgehabt, aber solange er vor unserem Aprilurlaub zurückkommt und fährt, soll es mir egal sein.

30. März 2008
Die Red Carpet Preview – was eine Zeitverschwendung. Trailer, behind the scenes, Filmausschnitte, dann ein Interview mit Benicio del Toro, in dem er enorm viel fluchte und verriet, dass es 99% sicher sei, dass er beim Hobbit Regie führen wird, eine unspektakuläre goody bag, und Chaos beim Zurückgeben der Handys.

Am nächsten Morgen dann der fallout – ich konnte meinen Geldbeutel nicht mehr finden. Im Kino aus der Handtasche gefallen oder geklaut worden, wer weiß das schon – weg war er jedenfalls und alles darin. Und damit meine ich ALLES, Geld, drei Kreditkarten, 3 EC-Karten, mein Personalausweis und diverse store cards, Briefmarken etc. etc.

Ich bin beinahe durchgedreht. Bin um die Mittagszeit zum Kino gerast, aber der Geldbeutel war nicht aufgetaucht. Also ging es ans Canceln aller Karten. Ich nahm mir den Nachmittag frei und legte los, die Kreditkarten zuerst. HSBC war schmerzfrei, Alliance & Leicester hat genervt, aber den Vogel hat meine deutsche Kreissparkasse abgeschossen. Die EC-Karte konnte ich ueber die örtliche Nummer sperren, für die Kreditkarte musste eine andere Nummer angerufen werden, die aus dem Ausland einfach nicht funktionierte. Endlich kam ich mal durch, um bei einer ausländisch klingenden Tussi zu landen, der ich meinen Namen und Adresse dreimal buchstabieren musste, da sie die Daten nicht vor sich im Computer hatte. „Wir canceln hier nur Karten“. Ach ja, und das kostet 5 Euro Gebühr, und wenn ich eine neue will, muss ich das extra beantragen, bei einer dritten Nummer. Nett.

Ich habe ja für alles Listen, und für den Inhalt meines Geldbeutels wollte ich tatsächlich auch mal eine anlegen. Leider bin ich nie dazugekommen, musste jetzt also mein Gehirn anstrengen, um mich an alles zu erinnern.

NHS Card, National Insurance Card, Medical Exemption Certificate, Pharmacy First Card, Organ Donor Card, Next of Kin Card, Nectar Card, Boots Advantage Card, Welsh Heritage Card, National Trust Card, Bite Discount Card, Bodyshop Card, Idea Store Card, BHS Store Card, B&Q Store Card, W H Smith Card, Grand Designs Discount Card, Discount Card vom Friseur and eine vom Beauty Salon … ich saß da wie erschlagen.

Und dann machte ich beim Telefonieren die Feststellung, dass sowohl meine Bodyshop Card als auch meine B&Q Card ausgelaufen waren (hatte sie auch nicht wirklich benutzt), und die BHS Card, die habe ich einfach mal gecancellt gelassen ohne eine neue zu wollen. Und was die Idea Store Card betrifft, die hatte ich einmal benutzt, um Bücher auszuleihen, und jetzt wollten die £1 von mir fuers Neuausstellen – sonst noch was.

Und der Verlust meines Geldbeutels an sich hat mich auch geschmerzt. Der hat mal 50p auf dem Flohmarkt gekostet und war einfach perfekt – schwarzes Leder mit einem glaenzenden B vorne drauf – wie für mich gemacht.

Die Dame im deutschen Ordnungsamt war auch irgendwie goldig. Da muss ich einen neuen Personalausweis beantragen, und zwar persönlich, wann ich denn das nächste Mal hier wäre? Im August, ja dann muss das bis dahin warten. Gott sei Dank habe ich noch meinen Pass. Und dann murmelte sie noch was von ich müsste eine Meldebescheinigung meiner englischen Gemeinde vorbeibringen. Ich habe versucht ihr zu erklären, dass es sowas hier nicht gibt, aber das hat sie nicht interessiert. Dann müsste mir halt die deutsche Botschaft eine ausstellen. Wie die deutsche Botschaft mir etwas ausstellen kann, das es nicht gibt, ist mir schleierhaft, aber ich habe eine Bescheinigung, dass ich im Wahlregister eingetragen bin, und im übrigen bin ich immer noch in Deutschland gemeldet, wollen wir im August doch mal sehen, was der Käse soll.

Da macht man was mit. Wenigstens weiß man, dass man zum Stammpersonal gehoert, wenn man im Zeitungsladen/Cafe nebenan mit „Any news about your wallet?“ begrüßt wird.

Am Abend kam dann nahtlos meine Freundin aus Deutschland angereist, da war ich noch am Telefonieren, und brachte jede Menge goodies mit, und viele Schoko-Osterhasen. Am Karfreitag war es eiskalt, aber sonnig, so dass die Themsefahrt ein voller Erfolg war. Am Samstag ging es nach Greenwich. Das Royal Observatory hat ein neues Planetarium, und sowohl dort als auch in der Painted Hall des Maritime Museums versuchten Maenner in Kostümen uns die Vergangenheit schmackhaft zu machen. Einer spielte Nicholas Flamsteed, den königlichen Astronomen, und einer Samuel Pepys (der aus dem 17. Jahrhundert mit dem Tagebuch). Für Sonntagmorgen hatte ich 3 Karten fuer eine preview von „Son of Rambow“ ergattert, das war total gut. Am Nachmittag ging es ins Docklands Museum, das ueber die Osterfeiertage kostenlos war und eine hochinteressante Ausstellung über Sklaverei in London hatte.

*** Fortsetzung folgt ***

Autor: Beate
Beateher@yahoo.com

*****

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de



Wir backen eine Donauwelle
1, 12 Januar, 2009, 8:22
Gespeichert unter: Menschen

Nichts konnte das frisch verliebte Töchterchen davon abhalten, ihrem Herzallerliebsten eine, nein zwei Geburtstagsfreuden zu bereiten. Eine Torte für ihn und eine für die Geburtstagsfeier mit den Arbeitskollegen.

Seine Torte war schnell gefunden, gebacken, nett dekoriert und sah einfach toll aus. Hm, für die 25 Kollegen musste aber schon etwas Größeres her. Die kürzlich bei Freunden mit Hochgenuss verspeiste „Donauwelle“ schien genau das Richtige.
Ui, ganz schön aufwändig. Na dann, frisch an´s Werk, so lange der Tag noch jung ist.

Den hellen Teig zuunterst auf´s Blech streichen, darüber den dunklen und dann die Sauerkirschen verteilen. Ab in den Ofen und 40 Min. backen. Ups, müsste das Ganze nicht irgendwie in die Höhe wachsen? Tut es, aber erschreckend minimal. Eigentlich war uns das anders in Erinnerung.

Na gut, fehlen ja noch der Tortenguss, die Creme und die Schokoglasur, dann wird´s schon gehen. Die fertige Creme war nur ein Hauch von Belag und reichte nicht für das ganze Blech! Also nochmals Pudding und Butter (vorsichtshalber die doppelte Menge) zu einer Creme schlagen und alles wieder abkühlen lassen. Jetzt zierte die ETWAS flache „Donauwelle“ eine kalorienträchtige Haube von insgesamt vier Paketen Pudding und einem Pfund Butter …. hatte aber an Höhe gewonnen und sah schon ganz gut aus. Schnell noch die Schokoglasur als krönenden Abschluss.

Inzwischen war der Tag nicht mehr so ganz jung und die Donauwellen-Begeisterung ein wenig verflogen. Konditoren hätten an dieser Stelle vermutlich nicht vergessen, mit der Gabel feine Wellen durch die dunkle Schokoglasur zu ziehen, bevor sie erkaltet. Wir sind keine gelernten Meisterbäcker – waren zu diesem Zeitpunkt auch keine fröhlichen Hobbybäcker mehr. Bleischwer lag nun die Glasur als große dunkle Masse auf dem eh schon flachen Kuchen. Grottenhäßlich!!! Gut, schneiden wir ihn also schon einmal in passende handliche Stücke, das lockert auf. Die zementharte Glasurplatte bekam ein Eigenleben und platzte unkontrollierbar in alle Richtungen. Gleichzeitig versuchte die darunter befindliche Creme, den Kuchen fluchtartig zu verlassen. Die Verwüstung war perfekt. Das Ganze sah aus, als wäre jemand barfuss über´s Blech gelaufen …

Ab mit der „Welle“ in die Vorratskammer, keiner mag sie mehr wirklich sehen!

Vorsichtshalber hatten wir zwischendurch noch rasch im Supermarkt eine Kirschkuchen-Fertigpackung geholt. Sollte im Zweifelsfall der Zweitkuchen zur „Welle“ werden. Schnell angerührt, gebacken, konnte sich sehen lassen.

Der nächste Tag: Niemand traut sich in die Vorratskammer. Na komm, gestern waren wir alle irgendwie geschafft, wird schon nicht so schlimm sein. War bei genauem Hinsehen im hellen Tageslicht noch schlimmer!!! Dieses Monstrum darf niemals unsere Küche verlassen und in die Öffentlichkeit. Erschwerend kam jetzt der Zeitdruck hinzu, denn in wenigen Stunden sollten die Kuchen auf die Reise gehen.

Das Backmischungs-Sortiment unseres Supermarktes ist wirklich groß und umfangreich. Die Wahl fiel schnell auf Nuß- und Schokoflocken-Kuchen. Einfache, schnelle Zubereitung und vom Aussehen auf den Packungen durchaus akzeptabel.

Mixer, Rührschüsseln, Zutaten – alles stand bereit. Die Teigherstellung war ein Kinderspiel. Aber, zu dumm, unsere Kastenformen sind zu groß für die Teigmengen. Weitere Kuchen im Flachformat konnten wir uns nun nicht mehr leisten. Letzte Rettung: die hoffentlich vorhandenen Backformen-Sortimente der umliegenden Nachbarn.

Vermutlich machte die halbe Nachbarschaft genau an diesem Morgen einen gemeinsamen Ausflug – erst am fünften Haus bekamen wir Einlass und wurden fündig. Gleich zwei Kastenformen in genau der richtigen Größe. Für lange Erklärungen blieb keine Zeit. Bereitwillig, jedoch leicht irritiert ließ die nette Nachbarin uns mit ihren Backformen von dannen ziehen.

Fein platziert auf weißen Tortenspitzendeckchen und oben hübsch garniert thronten mittags in der Küche:

1 Tiramisu-Torte (für das Geburtstagskind)
1 Kirschkuchen, 1 Nusskuchen, 1 Schokoflocken-Kuchen (für die Geburtstagsfeier) .

Etwas abseits dümpelte das große Blech „Donauwelle nach dem Hurrikan“ still vor sich hin … für den Eigenbedarf! Die feinen Düfte nach köstlichen Backwaren werden uns wohl noch Wochen begleiten.

Das Allerbeste jedoch ist: Die „Hurrikan-Welle“ schmeckte soooo gut, dass wir mit Sicherheit alle ein paar Kilos zugelegt haben. Hingucken muss man beim Essen ja nicht unbedingt …

Gebacken wird hier in der nächsten Zeit NICHT mehr!!!

img_1092

Foto: © ruhrcacher / pixelio

Autor: Inge Stolz
Merlin3@online.de

*****

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de



Hundefreunde oder die Kategorisierung der Menschheit
1, 1 Dezember, 2008, 7:14
Gespeichert unter: Hunde, Menschen

Die Menschheit lässt sich grundsätzlich in zwei Gruppen einteilen, die eine erste grobe Einschätzung mit allerdings hoher Treffsicherheit zulässt: in Hundeliebhaber und Unsympathen.

Die Hundefreunde ihrerseits trennen sich in zwei eher unversöhnliche Partien: die Katzenhasser und die restlichen Hundezugetanen. Katzenhasser sind alles andere als sympathisch, man darf sie daher ohne zu zögern in die Kategorie Unsympathen einreihen. Das erhöht nicht nur deren Zahl, sondern befördert sie zu einer veritablen Mehrheit.

Das jetzt schon als deutliche Minorität antretende Grüppchen der restlichen Kynophilen unterteilt sich wiederum in Schoßhundfreunde und Halter scharf gemachter Kampfhunde. Wer sich ausschließlich an gefährlichen, Zähne starrenden Ungeheuern ergötzen kann, wirkt im Regelfall auch selbst nicht so, dass man ihn mit größerer Sympathie bedenken würde.

Bleiben die Schoßhundfetischisten. Was an denen sonderlich liebenwert sein soll, erfreut sich keines leichten Zuganges. Wie hier schlüssig gefolgert wird, ist die Menschheit in ihrer Gesamtheit nicht zu mögen.

hundleckerli

Foto: © knipseline / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

*****

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de



Mind the Gap – 5c
1, 17 November, 2008, 8:35
Gespeichert unter: Menschen

Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 4″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 5“ unterteilt in 5a bis 5c.

bigbengitter

Foto: © my84 / pixelio

7. August 2007
Noch nie habe ich habe es so schwer gefunden, einen Urlaub zu organisieren wie diese Rheinreise im September. Wenn wir in den UK unterwegs sind, muessen wir nur die B&Bs buchen und uns eine ungefaehre Reiseroute ausdenken, dann fahren wir mit dem Manta hin und sind recht flexibel.

Die paar Male, die wir in Europa (jetzt fang ich auch schon so an, ich meine in anderen europaeischen Laendern) unterwegs waren, waren das entweder Heimatbesuche, die braucht man nicht zu planen, oder Staedtetouren (Salzburg, Mailand), die haben bessere Verkehrsanbindungen und alles Sehenswerte liegt mehr oder weniger auf einem Haufen.

Aber jetzt! Erstmal musste ich rausfinden, wo denn der beste Ort zum Uebernachten ist, dann galt es eine Bleibe zu finden, die nicht zu teuer oder schon ausgebucht ist, dann tue ich mich total schwer mit den Zug- und Faehrverbindungen und wie man von dort zu den Burgen kommt, aber ein Auto zu leihen ist viel zu teuer, und wir haben eh mit unserem Hotel schon zwei ganztaegige Schiffsfahrten gebucht, ich habe keine Ahnung, wieviele Burgen wir pro Tag effektiv schaffen werden, manche sind eh nicht zugaenglich oder in Hotels, Museen oder Falknereien umgewandelt, oder sie liegen in der Mitte des Rheines und man muss mit der Faehre hin. Die Rhein in Flammen-Feuerwerke werden wir wohl auch einfach nur vom Rheinufer aus anschauen, weil die meisten Schiffstouren schon ausgebucht sind. Und dann gilt es noch herauszufinden, ob ich uns lieber das Mittelrheinische Burgenticket oder die Rheinland Pfalz Card zulegen soll. Und dann will John unbedingt auf einen bestimmten Felsen bei Boppard raufklettern, weil er da mit zwoelf auf Klassenfahrt war, und sein Kumpel Barry Fisher hat ein Bild von ihm auf dem Felsen gemacht, und das hat den Klassenpreis gewonnen, und deshalb ist das ja schon wichtig. Das Bloede ist nur, dass er sich nicht mehr erinnern kann, wo der Felsen genau ist. Ich bin im Stress!

Harry Potter ist immer noch nicht in meinem ASDA aufgetaucht, aber John ist jetzt on first-name terms mit einem Angestellten dort, und der hat ihm letzte Woche das Buch aus einem anderen ASDA store mitgebracht. Da hatte ich zwar Lisas Ausgabe schon ausgelesen, aber ich wollte trotzdem meine Sammlung komplett machen. Im siebten Band hat sich Rowling nicht mehr mit irgendwelchen Fakten aus vorigen Buechern aufgehalten, man musste wissen, wer wer ist, und da ich ab und zu ins Gruebeln gekommen bin ueber manche Figuren, habe ich angefangen, die Reihe wieder von vorne zu lesen. Bin jetzt bei Band 4 und total erstaunt, wieviel ich vergessen hatte. John ist dafuer total erstaunt, dass es Leute gibt, die Buecher zweimal lesen. Aber der liest ja Buecher nicht mal einmal.

Er hat sich jetzt fuer Deutsch, Level 2 eingeschrieben ab dem Herbstsemester, anmelden kann man sich schon, obwohl das Kursbuch des Idea Store noch gar nicht verfuegbar ist, aber die gucken die Kurse halt im Computer nach. Das Kursbuch haette schon seit Wochen ausliegen sollen, aber wie mit Harry Potter ist wohl auch hier eine dunkle Macht namens Buerokratie verantwortlich. Es hat auch eine Stunde gedauert, bis er eingeschrieben war, da alle Daten nochmals in ein Formular eingetragen und dann in den Computer eingepflegt werden mussten, obwohl er da schon seit letztem Jahr drin ist. Und dann war der Fuehrerschein ploetzlich nicht mehr gut genug als Ausweis, und er musste nochmal mit dem Pass wiederkommen.

Und ich muss gerade ein laengliches Formular meiner privaten Krankenversicherung ausfuellen, die ich ueber die Firma habe. Die wollen alle moeglichen Details wissen, an die ich mich nicht mehr erinnern kann (“Wie oft waren Sie letztes Jahr beim Arzt, was waren die Ergebnisse etwaiger Bluttests?” etc.) Also habe ich einen Termin mit meiner Praxis zur Akteneinsicht machen muessen (Akteneinsicht kostet nur £10, Kopieren aller Daten kostet bis zu £50, sonst noch was), da gehe ich morgen nach der Arbeit hin. Wozu ich das ausfuellen muss, ist unklar, aber wat mut dat mut.

Poststreiks haben wir zur Zeit auch, da streikt einen Tag lang das Sortierbuero, dann einen Tag lang die Postboten selber, dann wird Dienst nach Vorschrift gemacht, und das heisst hier „work to rule“.

Der englische Sommer fand uebrigens dieses Jahr am 5. August statt, da gab es in London 30 Grad.

Aber kaum haben wir die Ueberschwemmungen ueberstanden, ist die Maul- und Klauenseuche zurueck. Und ich habe ewig nachgedacht, wie ich das auf Deutsch schreibe, ich denke naemlich mittlerweile zuerst auf Englisch, aber „food and mouth reared its ugly head again“ ist so nicht auf Anhieb uebersetzbar, zumindest nicht mehr von mir, denn ich verliere zunehmend mein Deutsch. Irgendwann schreibe ich hier nur noch auf Englisch, dann muesst ihr alle Vokabeln bueffeln gehen, hah. Aber noch kriege ich zumindest ein Doosie-Deutsch hin, kennt jemand noch die Doosie-Buecher von Werner Lansburgh? „I am calling you Doosie, weil ich noch nicht recht weiss, ob ich Du oder Sie zu Ihnen sagen soll. Deshalb. That’s why.“ Wunderbar. Mir hat neulich eine deutsche Kundin nach drei Jahren das Du angeboten, ich hab mich immer noch nicht dran gewoehnt, obwohl ich hier vom ersten Tag an meinen Chef mit Vornamen angesprochen habe.

8. August 2007
Johns Mutter ist heute morgen gestorben.

11. August 2007
Die Beerdigung ist naechsten Freitag, wenigstens kriege ich Compassionate Leave (i.e. Sonderurlaub fuer diesen Tag. Wir werden uns fuer 2 Naechte in einer Bettenburg einquartieren, needs must.

Wir haben uebrigens das Bild von John auf dem Felsen an die Bopparder Tourismusbehoerde gemailt, und die hat den Felsen tatsaechlich erkannt! Er liegt auf dem Filser Berg. Der Felsen in Filsen, wie passend.

3. September 2007
Letzten Montag war Bank Holiday, also sind wir uebers lange Wochenende in die Cotswolds gefahren. Wir haben uns ein huebsches B&B in Moreton-in-Marsh gesucht und sind mal wieder auf Burgenjagd gegangen, kombiniert mit Gartenjagd, denn Gaerten gibt es in den Cotswolds viele. Herausragend waren das Batsford Arboretum und Falconry Centre ganz in der Naehe von Moreton, und der Birdland Park Garden in Bourton-on-the-Water. Das Falconry Centre hat Flugvorfuehrungen gemacht mit verschiedenen Falken und Eulen, und John durfte einen Falken auf dem Arm tragen (mit Handschuh natuerlich). Im Birdland Park Garden werden jeden Nachmittag um 14:30 die Pinguine gefuettert, das ist immer ein Ereignis. Der Tierwaerter hat uebers Mikrofon Erklaerungen abgegeben, die immer mal wieder durch ein leises “Autsch” unterbrochen wurden, wenn ihn mal wieder ein ungeduldiger Pinguin ins Knie gezwickt hat. Ansonsten gab es Pelikane, Stoerche, Eulen und Papageien, mit denen sich John versucht hat, anzufreunden. Manche waren so zahm, dass es kein Problem war, die sassen einfach auf Stangen im Park herum, aber einer hat sich selbst nach einer Opfergabe eines Pommes Frites nicht aus der Reserve locken lassen. Der Birdland Park war wirklich sein Geld wert, ansonsten ist Bourton aber eher auf Touristenabzocke angelegt, und an einem Bank Holiday Monday um 13 Uhr derart voll, dass man schneller ein Mittagessen bekommt, wenn man sich ins Auto setzt und 30 Meilen faehrt.

Man mag es auch kaum glauben, aber dieses Wochenende hat der Manta keine Mucken gemacht! John hat sich mittlerweile auch mit dem Mechaniker angefreundet, der in der Autowerkstatt direkt neben Island Gardens Station sitzt, also keine 2 Minuten von uns weg. Erst wollte er da ewig nicht hin, “diese Londoner Mechaniker sind doch alles Abzocker, und meinen Manta verstehen die sowieso nicht”, aber nachdem der Mechaniker ihm fuer ein paar kleinere Handgriffe nichts berechnet hat, hat sich seine Einstellung doch langsam aber sicher geaendert.

Ach ja, und einen tube streik haben wir auch wieder mal. Fing heute abend um 18 Uhr an und soll 3 Tage lang gehen. Nur die Northern, Jubilee und Piccadilly Lines fahren noch, und natuerlich die DLR. Wir durften heute alle um 16 Uhr gehen, um es rechtzeitig nach Hause zu schaffen. Nachdem ich ja nur die DLR brauche, finde ich das sehr grosszuegig. Mal schauen, ob das die naechsten Tage auch so gehandhabt wird. Naechste Woche soll dann nochmal gestreikt werden, aber da sind wir schon am Rhein, und ich habe mir glaubhaft versichern lassen, dass da bis Ende September nicht gestreikt wird.

Lustig war ja auch Lisas Reaktion auf die tube Streiks: „Pah, die streiken ja gar nicht richtig. Wenn bei uns in Italien gestreikt wird, dann aber volle Pulle, und mit Demonstrationen und allem Drum und Dran, da bleibt keiner zuhause oder geht zur Arbeit, da ist dann ALLES dicht!“ Ist schon schlimm, nicht mal das Streiken kriegen die Englaender gebacken.

11. Oktober 2007
So, was kann ich ueber den Rheinurlaub sagen?

Wir haben unglaublich viele Burgen besichtigt und zwei tolle Feuerwerke erlebt, aber im nachhinein waere es mir doch lieber gewesen, wir haetten ein Auto zur Verfuegung gehabt, da die meisten Burgen so rein gar nicht auf Touristen ohne Autos eingestellt sind. Wir sind wie die Weltmeister mit Zug und Bus herumgegondelt, aber es hat doppelt so lange gedauert, und einmal war es uns wirklich zu bloed, nachdem der Burgenexpress zur Marksburg erst in 2 Stunden fahren sollte, und so haben wir tatsaechlich ein Taxi genommen. Gott sei Dank kam meine Freundin Susanne fuer einen Tag zu Besuch mit dem Auto vorbeigefahren, an dem Tag haben wir alle nur schwer zugaenglichen Burgen im Gewalttempo nachgeholt. Das Mittelrheinische Burgenticket wurde zu 100% ausgenutzt!

Das Wetter war in der zweiten Wochenhaelfte ausgesprochen schoen, wir haben ja eh immer Glueck mit dem Wetter. St. Goar ist ein huebsches Staedtchen mit guten Restaurants, wenn auch unser Hotel ein bisschen laut war. Wir haben zwei Schiffsfahrten gemacht, und beide waren Highlights unserer Reise. Die erste Schiffsfahrt ging nach Ruedesheim, vorbei an unglaublich vielen Burgen. Die Broemserburg und die Drosselgasse sind wirklich ein Besuch wert. Die Schiffsfahrt nach Boppard war auch klasse, wir sind mit dem Sessellift zum Gedeonseck gefahren und haben uns sowohl den Hufeisen- wie auch den Vierseenblick gegoennt. Wunderschoen.

Ein Highlight fuer John war natuerlich die Besteigung des Filser Felsens, den wir tatsaechlich gefunden haben. Es hat auch nur 45 Minuten gedauert, draufzukraxeln, auf Boppard hinunterzuschauen und “John auf seinem Felsen” Bilder zu schiessen. Ein Highlight fuer mich war ein erneuter Trip nach Ruedesheim am vorletzten Tag, diesmal mit dem Zug. Wir haben uns ein sogenanntes Romantik Ticket gekauf, mit dem wir mit der Seilbahn zum Niederwalddenkmal hochgefahren sind. Von dort sind wir eine Stunde durch den Wald zum Jagdschloesschen gelaufen, haben die Rehe gefuettert und zu Mittag gegessen, dann sind wir mit dem Sesselbahn nach Assmanshausen hinuntergefahren. Von dort fuhr ein Schiff zur Burg Rheinstein, setzte uns dort zur Besichtigung ab und holte uns ein paar Stunden spaeter wieder ab. Ein wirklich empfehlenswerter Tagesausflug.

Aufgefallen sind mir mal wieder
- die vielen Raucher im Restaurant
- Toilettenbenutzungsgebuehren ueberall, bis zu 50 Cent!
- der Hickhack mit Pfandflaschen, weil man die staendig zurueck zum Supermarkt tragen muss, und dann nimmt ein Supermarkt eine Flasche nicht zurueck, weil sie da nicht verkauft wird, und am Flughafen nach Security muessen komplizierte Umfuellmanoever vorgenommen werden, um das Pfand zurueckzukriegen.

Am vorletzten Abend habe ich mir noch eine fette Erkaeltung eingefangen vom Rumsitzen am Rheinufer. Am Sonntag ging es mir noch relativ gut, aber am Montag, unserem Rueckflugtag, war die Erkaeltung voll ausgebrochen und der Flug nicht gerade angenehm. Ich war dann auch den Rest der Woche zuhause, das Buero muss ich mir in so einem Zustand nicht antun.

Erschwerend dazu kam, dass ich auf einmal an einer merkwuerdigen allergischen Reaktion litt, die meine Lippen anschwellen liess. Ich sah aus wie Pete Burns, der Arzt konnte es sich nicht erklaeren und hat verschiedenen Antihistamine verschrieben. Allergietests gibt es selbstverstaendlich nicht, erst wenn die Sache immer wieder auftritt (war ja auch erst dreimal), und dann auf Privatversicherung. Es lebe die NHS.

Wunderbarerweise haben wir auch schon wieder eine Reihe von Poststreiks. Der erste war von Donnerstag bis Freitag, der zweite fing Montag morgen an, und dann sollen jeden Montag welche folgen (fuer jeweils zwei Tage glaube ich). Da merkt man dann erst, wie antiquiert das Bankensystem hier ist, wenn jede Menge Schecks nicht rechtzeitig eintrudeln.

Johns Deutschkurs wurde leider urploetzlich abgeblasen, kurz vor dem dritten Abend. Er ist stinksauer, weil erstens alle Deutschkurse gecancellt wurden, zweitens alle Deutschkurse von anderen Anbietern jetzt ausgebucht sind und es drittens angeblich bis zu fuenf Wochen dauert, um die Kursgebuehren wiederzubekommen. Und das ist noch ohne den Poststreik einzurechnen! Angeblich gab es zu wenige Interessenten, nimmt ja auch niemanden wunder, wenn die Kursbuecher erst ca. zwei Wochen vor Kursbeginn endlich vorliegen!

An eine Freundin schrieb ich folgende Zusammenfassung:
“Statt Zugstreiks haben wir Poststreiks, das Wetter ist regnerisch, ich habe gerade eine dreiwoechige Erkaeltung hinter mir und irgendeine merkwuerdige Allergie, Johns Deutschkurs wurde gestrichen, mein Drucker ist hinueber und sein PC wird gerade repariert. Also alles wunderbar, LOL.”

Lisa hatte am Samstag zum Brunch eingeladen, da sie vor kurzem Geburtstag hatte, aber so richtig brunchen (stundenlang mit Buffet) kann man in London nicht wirklich. Wir gingen zu “Giraffe”, einem Restaurant an der Royal Festival Hall, wo es verschiedene Fruehstuecksangebote gab. Leider waren die amerikanischen Pfannkuchen alle, dann haben wir uns halt doch fuer English Breakfast entschieden. Und einen orangefarbenen Ballon gab es dann auch noch.

Die Weihnachtsfluege haben wir jetzt endlich gebucht, am 22.12. geht es nach Friedrichshafen, am 01.01. zurueck von Stuttgart, einem Heinzitreffen steht also nichts mehr im Wege! Meine Mutter meinte allerdings entsetzt “Wie lange?”, aber als wir erklaerten, dass wir ab 28.12. Freunde besuchen wollten, sagte sie beruhigt “Dann ist ja gut.” Wir haben dieselbe Toleranzschwelle uns gegenueber – 6 Tage ist das Maximum, das wir uns aushalten koennen. Beim Buchen des Germanwing Fluges in Euro habe ich erstmal automatisch auf Zahlung per Kreditkarte gedrueckt, aber als die Kosten dafuer sichtbar wurden, habe ich entsetzt auf Lastschrift gedrueckt – Gott sei Dank habe ich ja noch ein deutsches Konto. Auf dem allerdings auch nicht mehr soviel drauf ist, seit dem ich im Rheinurlaub staendig Geld abgehoben habe.

6. November 2007
Wir sind gestern nacht relativ spaet ins Bett fuer einen Wochentag, es war schon 20 vor 1 und ich habe noch was gelesen. Ploetzlich hoere ich Gerumpel und Gepolter und denke, muessen die Nachbarn beim Heimkommen immer soviel Krach machen? Da es nicht aufhoerte, habe ich beschlossen, mal nach dem rechten zu schauen. Gehe also im Bademantel raus auf den Flur und gucke runter ins Treppenhaus. Sehe jemanden auf Zehenspitzen beim Eingang rumlaufen. Nehme an, dass die Nachbarn beschlossen haben, leise zu sein, und gehe zurueck Richtung Wohnungstuer. Auf einmal hoere ich Leute die Treppe rauflaufen. Denke mir immer noch nichts Boeses, schliesslich wohnen wir im obersten Stock, die Nachbarn werden also vorher abbiegen. Bis zwei schwarzgekleidete hoodies im Galopp um die Ecke biegen. Seid ihr jemals Typen in Skimasken gegenueber gestanden, und ich meine jetzt nicht im Skiurlaub? Ich stand da wie angewurzelt, und mir fiel nichts Besseres ein, als ganz laut zu schreien, dass sie abhauen sollen, und das hat sie wahrscheinlich so ueberrascht, dass sie auf dem Absatz kehrt gemacht haben und geflohen sind. Ich habe meine Fuesse wieder gefunden, bin zurueck in die Wohnung gelaufen, Tuer zugeschlossen, und erst jetzt grunzte John „Was’n los?“

In der Verwirrung habe ich meine oertliche Polizeistation angerufen anstatt 999, zwei Einheiten kamen aber trotzdem nach hoechstens 10 Minuten, mit Schaeferhund „to pick up the scent“. Eine Minute bevor sie ankamen, sah ich die zwei Typen zu einem Wohnblock am Fluss runterlaufen. Bis wir im Bett waren, nach Protokoll aufnehmen und allem Drum und Dran, war es 3 Uhr nachts. Die Polizei meinte uebrigens, das Schloss sei nicht beschaedigt, und die Haustuer koennte offen gewesen sein. Was war denn dann der Krach? Unsere Nachbarn haben sich auch tot gestellt, die haben nicht mal fuer die Polizei aufgemacht, ich dachte schon, wir waeren die einzigen, die zuhause waren, es war ja auch Guy Fawkes Night, aber heute morgen hoerte ich dann doch ein paar Tueren im Gebaeude auf- und zugehen. Ich habe nicht viel Schlaf gekriegt gestern nacht.

Nachtrag:
Wir hatten gerade Besuch von unseren netten italienischen Nachbarn, und einer sagte, er glaubt, dass die durch das Fenster im ersten Stock eingestiegen sind, das war naemlich sperrangelweit offen, und davor gibt es so eine Art Anbau. Das war dann wohl auch der Laerm. Wir haben jetzt mal Telefonnummern ausgetauscht, und die Fenster im Treppenhaus lassen wir jetzt immer zu. Wenigstens lernt man auf die Weise mal die Nachbarn naeher kennen.

8. November 2007
Von 23. bis 30. Oktober war Susanne mal wieder da fuers London Film Festival, und ich hatte mir Mittwoch bis Freitag frei genommen, so dass ich an selbigem auch (in begrenztem Rahmen) teilhaben konnte. Zusammen haben wir “Things we lost in the Fire”, “Into the Wild” und “Grace is Gone” angeschaut, und Susanne durfte John Cusack interviewen. ”Into the Wild”, dirigiert von Sean Penn, hat mir am besten gefallen. Mittlerweile war ich in einer kostenlosen Vorpremiere von “Elizabeth – The Golden Age” (viel schlechter als der erste Film) und “Brick Lane ” (sehr gut). Susanne hat natuerlich ungefaehr viermal mehr Filme angeschaut als wir und war auch noch in etlichen Konzerten abends. Einen London Walk haben wir dieses Jahr auch wieder mitgemacht, er hiess “Shakespeare’s und Dickens’ London ”. Fuehrer war ein unscheinbar aussehender kleiner Mann, und wir haben uns Sorgen gemacht, dass seine Stimme nicht traegt. Bis er seinen Mund aufmachte und schallend sagte “HELLO MY NAME IS RICHARD III”. Damit war das geklaert. Am Samstag habe ich mir dann auf dem Portobello Market den Fuss uebertreten, aber am naechsten Tag ging es schon wieder, und wir konnten ungehindert zu der “October Plenty” Veranstaltung an der Southbank gehen. Schauspieler haben uns ins Globe Theatre eingeladen und danach gab es eine Prozession zum Borough Market, wo auf einer kleinen Buehne ein kurzes Schauspiel zum Besten gegeben wurde. Die Kostueme waren toll, vor allem der Berry Man sah prima aus, wie ein wandernder Baum mit Kastanienketten um den Hals.

kostuem_kopie

Die alljaehrliche Statistik ueber “The 20 best and worst places to live in the UK ” wurde neulich bekanntgegeben: der schlimmste Wohnort ist Middlesbrough irgendwo im Norden Englands, und der beste Wohnort ist diesmal Edinburgh. Da war ich ja nun auch noch nie, das muss sich aendern.

Der Poststreik ist ja zwar seit ein paar Wochen vorueber, was in einer aufgeregten SMS von John resultierte: “Yeeehaaa I can see the postman!” Leider wird der Postberg sehr langsam abgetragen, wir warten immer noch auf diverse Post, und ich habe schon seit 3 Wochen keine Fernsehzeitschrift mehr geliefert bekommen. Aber man ist ja Kummer gewohnt hier.

John hat mir am Wochenende auf dem Flohmarkt fuer £5 einen second-hand Drucker gekauft, und nachdem ich auf der Epson Website den entsprechenden Druckertreiber heruntergeladen habe, kann ich endlich wieder drucken, hurra! Man freut sich ja schon ueber Kleinigkeiten.

Autor: Beate
Beateher@yahoo.com

*****

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de



Mind the Gap – 5b
1, 17 November, 2008, 8:19
Gespeichert unter: Menschen

Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 4″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 5“ unterteilt in 5a bis 5c.

queen-ausschnitt

26. April 2007
Johns Huefte tut ihm immer noch weh. Roentgen hat keinerlei Knochenprobleme gezeigt, also ist es wohl eine Muskelzerrung. Sowas kann Monate dauern, wenn es dumm laeuft. Er hat wie ein Weltmeister Pillen geschluckt, mittlerweile geht es ihm etwas besser, aber das mit dem “Ruhen” hat nicht so geklappt, da erstmal noch der Umzug von Constanze und Lisa ueber die Buehne gebracht werden musste. Constanzes Umzug ging sehr flott, 9 Uhr fing das Einladen an, um 12 Uhr war alles in Fulham ausgeladen. Am naechsten Tag ging’s ab nach Rushden, das dauerte natuergemaess etwas laenger, auch mit dem Einladen. Wir haben echt daran gezweifelt, ob Lisa alles in der neuen Wohnung unterbringen wird, aber irgendwie ging es gerade so. Am Sonntag abend waren wir dermassen kaputt, dass es gerade gut war, dass die darauffolgende Woche kurz war.

Am Karfreitag haben wir in aller Gemuetsruhe gefruehstueckt, gepackt und sind dann zum Flughafen gefahren. Alles ging nach Plan, ausser dass Cinzia uns nicht vom Flughafen abholen konnte und wir den Bus von Bergamo nehmen mussten. Der hatte einen Sonderpreis fuer die Fahrkarten (3 fuer den Preis von 2), und kaum hatten wir das Flughafengebaeude verlassen, wurden wir auch schon in den Bus geschubst.

Bis Ostermontag waren wir bei Cinzia und Lisas Eltern etwas ausserhalb Mailands untergebracht, und es ging recht gemuetlich zu. Am Samstag haben wir einen Ausflug in den Ort unternommen, Eis gegessen, Schildkroeten angeguckt und eingekauft (Lebensmittel und Geschenke). Am Abend habe ich auch das erste Mal italienisches Fernsehen erlebt. Es wimmelt nur so von Game Shows, die meisten abgekupfert von englischen (Who Wants to be a Millionaire, Deal or no Deal), aber mit mehr Drama, Pathos und leichtbekleideten langhaarigen Damen ausstaffiert. Bei Millionaire haben wir die Fragen und Antworten natuerlich nicht verstanden, also haben wir uns aufs Geratewohl eine Antwort ausgesucht (“Ich sage A.” “Ne, ich bin fuer C ”). Deal or no Deal war mehr oder weniger selbsterklaerend (jede Box repraesentiert eine Gewinnsumme), der Banker war der “Dottore”, und anstatt reinen Geldsummen enthielten manche Boxen auch “10 kg Holz” oder “einen Foen”. Die “Pacco X” enthielt eine Ueberraschungssumme, und eine Box enthielt ein Nilpferd, und wenn die Box gewaehlt wurde, tanzten alle, inclusive Moderator, zu “YMCA”. Genial.

Ostersonntag war dann ganz dem Barbecue gewidmet, alle sassen um einen Riesentisch im Hof herum und assen von mittags bis 9 Uhr abends. Vorspeisen, erster Gang, zweiter Gang, Pasta, Fleisch, Brot, Salat, Nachspeisen, Schokoladenhasen, Kuchen… Und am Abend ging das Ganze von vorne los. Noch mehr Pasta, noch mehr Brot. Und die Cousins schaufelten immer noch. Ich habe an diesem Tag zwei wichtige Woerter gelernt: “Basta” (Genug, ich kann nicht mehr!) und “Dopo” (Spaeter).

Am Ostermontag hat Cinzia uns nach Mailand gefahren, wir haben im B&B eingecheckt und einen ersten Gang durch Mailand unternommen. Aufgefallen ist uns da unter anderem, dass es in Mailand ein sehr grosses Graffitiproblem gibt – die Schmierereien sind wirklich an jeder Wand. Und die Mailaender fahren wirklich wie die Verrueckten, an Zebrastreifen angehalten wird schon mal gar nicht, und auch sonst ist man lieber super vorsichtig.

Die naechsten Tage haben wir alle wichtigen Sehenswuerdigkeiten abgegrast: den Duomo (der Blick vom Dach ist einmalig!), das Scala Theater, das Castello Sforzesco mit Park und Aquarium drumherum, die Kirche Santa Maria delle Grazie (allerdings ohne da Vincis Letztes Abendmahl zu sehen, da man dafuer Karten vorbestellen muss), den Naviglidistrikt mit den Kanaelen (in Navigli war auch das B&B), zwei wunderschoene Basiliken und das unglaublich interessante Wissenschaftsmuseum, das neben Holzmodellen von da Vincis Erfindungen auch ganze Unterseeboote, Zuege, Schiffe und Flugzeuge ausstellt.

Das B&B, das am ersten Tag noch wunderbar ruhig gewesen war, wurde am zweiten Abend von lautem Haemmern und Bohren erschuettert. Der Supermarkt nebenan wurde renoviert, und die Handwerker dachten nichts dabei, bis Mitternacht Laerm zu machen, und dann ab morgens um 4 (!) schon wieder draufloszuhaemmern! Wir haben dann auf die andere Seite des Blocks gewechselt, wo nichts mehr zu hoeren war, dafuer waren wir ueber der Rezeption untergebracht, wo staendig das Telefon klingelte. Immer noch besser als Bohrlaerm!

Am Freitag haben wir einen Tagesausflug an den Comer See gemacht, der trotz Zugstreiks reibunglos ablief, da die private Zuggesellschaft, die von Mailand Cadorna faehrt, nicht streikte. Wir haben mit dem Schiff einen Abstecher von Como nach Bellagio gemacht, das wirklich urig ist, aber fuer Fusskranke gar nicht geeignet, da es an einem steilen Abhang liegt. Da dies unser letzter Abend war, haben wir uns ein nettes Restaurant am Navigli-Kanal gesucht, das superleckere Wagenradpizzas anbot und einen Kellner, der alle Bettler verscheucht hat, die staendig auftauchten (wir sassen auf der Terrasse vor dem Restaurant).

Am Samstag, unserem Abfahrtstag, sind wir ausgecheckt, mit dem Bus zum Flughafen Bergamo gefahren, haben unsere Koffer im Autostradale Buero eingelagert und haben einen Bus in die Innenstadt genommen. Von dort fuhr eine Seilbahn in die Altstadt, und die war wirklich urig! Jede Menge Basiliken, Kirchen und eine Festung mit Park und tollem Ausblick. Dann sind wir mit einer weiteren Seilbahn noch hoeher auf den Berg hinaufgefahren und haben dort mit tollem Ausblick zu Mittag gegessen, bevor es wieder bergabwaerts ging.

Uns ist aufgefallen, dass die Mailaender im allgemeinen doch etwas grob und arrogant sind, vor allem, wenn man nicht 100%ig italienisch spricht. Die Einwohner von Bergamo haetten dagegen nicht freundlicher sein koennen. Ein Busfahrer, den wir fragten, ob sein Bus zum Flughafen fuehre, stellte den Motor ab, stieg in aller Seelenruhe aus dem Bus aus, zeigte uns auf dem Fahrplan den richtigen Bus plus Abfahrtszeit, stieg dann wieder ein, liess den Motor an und fuhr ab.

Am Sonntag habe ich dann die ueblichen Verdaechtigen zum Buffetlunch im Elephant Royale eingeladen, und da es etwa 24 Grad hatte, sassen wir auf der Terasse mit Themseblick. Durch verschiedene Transportprobleme bedingt (“und wir mussten warten, bis der Waschmaschinenzyklus zu Ende war”) kamen Lisa und Constanze ueber eine Stunde zu spaet, haben aber alles mit einem Korb voller deutsche Fressalien wieder gut gemacht. Den Rest des Tages haben wir nur noch ausgespannt.

Lisa hatte waehrend meiner Abwesenheit im Buero meinen Platz eingenommen und wurde auch die darauffolgende Woche noch eingesetzt, da Kate erst 3 Tage Urlaub hatte und dann 2 Tage krank war. Diese Woche ist sie jetzt auch noch da, weil Fiona (endlich!) gekuendigt hat und wir noch einen ganze Ladung alter Dokumente ins Archiv schaffen muessen, was immer ein Wahnsinnsakt ist. Bald ist keiner von der alten Garde mehr da!

Am Sonntag war mal wieder London Marathon, da es aber auch wieder recht warm war, sind wir zuhause geblieben und haben uns das Ganze im Fernsehen angeschaut. Es war ganz lustig zu sehen, welche Kostueme manche Laeufer anhatten – Indianer, Elvis, Paddington Bear, die ganze Palette war vertreten. Gordon Ramsey hat dieses Jahr 4.20 Stunden gebraucht, sehr enttaeuschend. Letztes Jahr lief er um die 3.30 Stunden, aber man wird halt aelter “und es war sooo heiss!” John war fruehmorgens zum Shoreditch Market gegangen, und als er zurueckkam, herrschte Chaos auf der DLR, er musste 2 Stationen laufen, und der Fusstunnel wurde auch ein paar Stunden lang gesperrt.

Vorgestern habe ich auch ein B&B in Wales gebucht fuer den ersten May Bank Holiday ( von Freitag 4. Mai bis Montag 7. Mai). Meine Mutter fragte “Warum geht ihr denn immer weg an Feiertagen, bleibt doch mal zuhause, geht ins Britische Museum oder macht eine Themsefahrt” Ja Mama, haben wir alles schon gemacht. Ich haette aber gerne mal ein paar Tage Ruhe von unserer Strasse, und es gibt soviel, was wir in Grossbritannien noch nicht gesehen haben. Eigentlich wollten wir uns in Newport oder Caerleon was suchen, aber am Samstag des fraglichen Wochenendes findet ein wichtiges Rugbyspiel in Cardiff statt, und rundherum scheint fuer Meilen alles ausgebucht zu sein. Also sind wir wieder in der Naehe von Tintern gelandet, da ist es aber auch schoen. Und wozu haben wir den Manta fuer Ausfluege?

Und jetzt surfe ich gerade das Internet ab fuer ein Cottage im Peak District fuer eine Woche Ende Mai. Fuer irgendwas muss man ja schuften.

8. Mai 2007
Tintern war prima, wir haben ein paar Burgen erkundet und diverse Flohmaerkte erforscht, aber irgendwie waren wir beide ziemlich kaputt am Wochenende, ich wegen einer fetter Erkaeltung, und John wahrscheinlich immer noch wegen der Huefte, und so waren wir ganz froh, als wir am Montag mittag wieder zuhause angelangt waren. Das B&B war recht huebsch und ruhig gelegen, und das Zimmer auch recht gross, mit einem Doppelbett, einem Einzelbett und einer Sitzecke vor dem Fernseher ausgestattet, aber mein Gott, war die Betreiberin geschwaetzig! Jedes Mal, wenn wir zur Tuer hereinkamen, kam sie wie ein Terrier von irgendwoher geschossen und hat uns Loecher in den Bauch gefragt. Und wir hatten zwar unser eigenes Bad, aber es war am anderen Ende eines langen Ganges, und John hat mich einmal mitten in der Nacht aufgeweckt, weil er aufs Klo musste und polternd im Schrank nach dem Bademantel gesucht hat. Er hat wohl gefuerchtet, dass sie immer noch auf ist und um die Ecke geschossen kommt auf der Suche nach einem Gespraech, und da wollte er wenigstens was anhaben, LOL.

Jetzt versuche ich nur noch die Woche rumzukriegen, es ist Kates letzte Woche vor ihrem Mutterschaftsurlaub, und ich kann es gar nicht abwarten, bis sie endlich die Biege macht. Ohne ihr konstantes Babygerede wird mir das wie ein zweiter Urlaub vorkommen. Lisa bleibt noch bis mindestens Ende Mai, und zusammen koennen wir dann endlich die Ablage auf Vordermann bringen.

Diese bloede Erkaeltung – ich fuehl mich so blah.

19. Mai 2007 – The Queen and I
Ich arbeite in City Road, und unser Buero schaut auf eine grosse Gruenflaeche, umgeben von Bueros und Haeusern. Er gehoert der Honorary Artillery Company, also der Armee, und wir sehen des oefteren Armeehubschrauber landen. Ab und zu werden Veranstaltungen abgehalten, und nach 7/7 wurden die weissen Zelte mit den Opfern der Terroranschlaege dort errichtet. Und gestern kam die Queen zu Besuch.

Alle 25 Jahre findet die “Presentation of Colours” statt, ein Armeeritual mit einer Menge Soldaten, viel TamTam und Marschmusik. Ein Kollege, der eingeladen war (und seine Mammi mitnahm, wie suess), erzaehlte uns davon, und da es nicht alle Tage vorkommt, dass die Queen im Hinterhof vorbeischaut, hat uns die Geschaeftsleitung tatsaechlich eine dreistuendige Mittagspause und einen Sandwichlunch vesprochen, damit wir uns nicht vom Fenster wegbewegen muessen. Der Aufbau von Zelt, Tischen, Stuehlen und Tribuenen fand am Vorabend statt, und am Morgen konnten wir schoen beobachten, wie langsam die geladenen Gaeste eintrudelten – die Maenner todschick in Anzug oder Smoking mit Bowlerhut und die Damen in Kostumen und Hueten, die Ascot-wuerdig waren.

Gegen 11.15 fingen bei schoenstem Kaiserwetter die Paraden an, es war alles maechtig aufregend, und dann fuhr ein Auto vor und spuckte eine kleine Person aus – die Queen im blauen Kostuem mit blauem Hut. Sie wurde in einem Art Glaskaefig verfrachtet (wohl aus Sicherheitsgruenden) und die Paraden gingen weiter. Dann schritt die Queen die Reihen ab, hielt eine Rede, die wir nicht hoeren konnten, schritt die Reihen nochmals ab, die Soldaten marschierten langsam aus dem Hof, und die Gaeste filterten zum Buffet.

Dies veranlasste uns, unsere Sandwiches zu verspeisen und sogleich die Fotos von der Digitalkamera auf den Officeserver abzuspeichern. Gegen 14.30 gab es nochmal lautes Hallo, als die Queen sich verabschiedete und in ihrer Staatskarosse davongefahren wurde, aber den Teil habe ich nur am Rande mitgekriegt. Ich fand es allerdings sehr fuersorglich von ihr, ganz in Blau gekleidet zu kommen, denn so stach sie prima von dem gruenen Rasen und den rot, weiss und schwarzuniformierten Soldaten ab. Ich kann also jetzt stolz sagen:

“I have seen the Queen and she was blue”.

queenklein

21. Mai 2007
Oh mein Gott, die Cutty Sark brennt! Wir haben uns schon ueber die Helikopter gewundert, und die Kameracrews vor dem Haus!

22. Juni 2007
Die Erkaeltung ist weg – Lisa ist noch da, voraussichtlich bis Ende September. Hach, ist das schoen hier ohne Kate!

Hurra, wir haben jetzt alle angeforderten Kontoueberziehungsgebuehren plus 8% Zinsen und Gerichtsgebuehren von Johns Banken zurueckbekommen! Es war richtig schoen zu sehen, wie eine Bank nach der anderen nachgegeben hat, zwar mit viel Getoese und “die Gebuehren sind nicht zu hoch und wir geben rein gar nichts zu”, aber dann eben doch einen Scheck geschickt hat, noch bevor ueberhaupt ein Gerichtstermin gesetzt war. John hat von dem Geld seinen Anteil am Peak District Urlaub bezahlen koennen.

Der Peak District ist wunderschoen! Wir hatten uns fuer 8 Naechte in einem sehr huebschen B&B in Bakewell einquartiert, vom Fenster aus sah man Kuehe auf der Wiese, aber der Ort war trotzdem nur ein Fussmarsch von 5 Minuten den Berg hinunter. Bakewell ist richtig urig, nicht zu gross, nicht zu klein, und nicht zu touristisch, mit richtig schoenen Cottages ueberall. Das Wetter war die ersten Tage etwas regnerisch, aber im Peak District gibt es soviel zu tun, dass das nichts ausmacht. Tropfsteinhoehlen, Jane Austen Herrenhaeuser, Burgen, Gaerten, Maerkte … Und gegen Mitte der Woche wurde es total warm!

In einem Herrenhaus (war es Sudbury Hall?) waren jede Menge Originalkostueme aus “Sense und Sensibility” ausgestellt, da der Film wohl in der Nahe gedreht wurde. Ich konnte Kate Winslets Kostuem ablichten, bevor mir bedeutet wurde, dass “aus Sicherheitsgruenden” ein Fotografierverbot herrsche. Das bedeutete, dass ich Colin Firth’s beruehmtes Kostuem aus Pride und Prejudice auch nicht ablichten konnte! Was fuer eine verpasste Gelegenheit. Der Glanz und Prunk mancher dieser Haeuser (z.B. Chatsworh House) ist phaenomenal. Manche sind allerdings so kostspielig zu unterhalten, dass sie entweder an den National Trust oder an English Heritage verkauft wurden (wir sind bei beiden Mitglied). In einem Haus herrschte gerade kreatives Chaos, da renoviert wird, und manche Zimmer als Rumpelkammern dienen und mit einer Mischung aus ausgestopften Tieren und Mineralien vollgestopft waren. Eine hochherrschaftliche Familie eines anderen Hauses muss im letzten Jahrhundert viel in Indien herumgekommen sein, ein ganzer Raum diente der Ausstellung von indischen Moebeln und Krimskrams, viel aus Elfenbein. Wenn man sich vorstellt, wie damals gereist wurde, kann man nur den Kopf schuetteln ueber all die schweren Gegenstaende, die da zurueck in die Heimat geschleppt wurden. Ryanair wuerde das nicht mehr zulassen!

Im nahe gelegenen Matlock gibt es die Heights of Abraham, ein Berg mit Park und Hoehlen, auf den man per cable car gelangt. Vor allem John war auch so richtig begeistert von einem tramway village, in dem nicht nur alle Strassenbahnen aus aller Welt ausgestellt sind, sondern auch mit einer vom einen Ende des Dorfes zum anderen fahren kann. Eine Birminghamer Strassenbahn hat er allerdings vergeblich gesucht, die gab’s nur als Modell, “weil die andere Schienen hatten”.

Der Manta hat natuerlich auch zweimal schlappgemacht, der Motor ging einfach aus. Beidesmal haben wir die AA angerufen, die auch nicht wirklich wussten, was denn eigentlich falsch war, weil die Karre beidesmal nach einer Weile wieder ansprang. Seitdem laeuft der Manta auch wieder, God knows was das wieder war. John schleppt jetzt diverse Ersatzteile und irgendein Spray mit sich herum, sollte es noch einmal vokkommen. Gott sei Dank brauchen wir in unseren naechsten beiden Urlaube kein Auto.

Den Sonntag der Abreise haben wir dazu genutzt, Einkaeufe fuer Freunde und Buero zu taetigen (ein paar Bakewell Tarts konnten auch nicht fehlen) und am Morgen noch eine Keramikausstellung zu besuchen, in die wir verbilligt hineinkamen, da andere B&B Gaeste dort ausstellten und discount vouchers verteilten. Ich habe mich dann doch tatsaechlich dazu hinreissen lassen, eine wunderschoene Keramikschale zu kaufen. Die B&B Landlady verkaufte uns dann noch “handmade Orange & Ginger und Lemon, Lime & Grapefruit Marmelade” und gab uns ein bisschen Kuchen und Pflaumenmarmelade, natuerlich auch selbergemacht, gratis obendrauf. Zu schade, dass sie nach diesem Jahr in Ruhestand geht! Da wuerde ich wieder hingehen – das Fruehstueck war auch hervorragend.

Am Dienstag war ich doch tatsaechlich mal beim Zahnarzt und habe zwei Fuellungen eingesetzt bekommen. Das ganze hat stolze £93.60 gekostet, was sich zusammensetzt aus NHS Gebuehren fuer die Untersuchung und das Roentgen und Privatgebuehren fuer die Fuellungen, weil ich weisse Fuellungen wollte. Der Zahnarztbesuch an sich war ja nicht schlimm, aber die Betaeubung hat 5 Stunden angehalten! Und ich hatte doch solchen Hunger. Na ja, jetzt muss ich hoffentlich eine Weile lang nicht mehr hin.

Gestern war “Lights out in London ”, da wurden von 9 – 10pm in vielen Buerogebaueden die Lichter tatsaechlich mal ausgeschaltet, und am Piccadilly Circus auch. Dummerweise war nur gestern der laengste Tag des Jahres, so dass es bis ca. 9.30pm noch relativ hell war – der Effekt waere in einer Dezembernacht sicher besser gewesen. Da merkt man erst, wie bloed es doch eigentlich ist, ueberall jede Nacht das Licht anzuhaben. Ueberhaupt ist Umweltschutz gerade das grosse Thema. Der “carbon footprint” ist hier in aller Munde, fuer mich das Unwort des Jahres. Kommt gleich vor “food miles”. Ja sicher, ich fliege ab jetzt nirgends mehr hin und esse nur noch Lebensmittel vom naechsten Bauernhof, und schon ist der Planet gerettet. Solange hier nicht endlich vernuenftige Anreize fuer mehr Recycling geschaffen werden (und zwar Belohnungen, nicht Strafen), wird das hier sowieso nichts. Wird den Englaendern zuviel von der Regierung aufgezwungen, reagieren die gleich rebellisch.

Ich bin ja auch mal gespannt, wie der smoking ban ab 1. Juli funktioniert. In allen anderen Laendern wie Irland, Schottland und Wales war es kein Problem, nach ein bisschen Motzerei hat sich jeder dran gewoehnt, dass er mit seinen Fluppen eben vor die Tuer muss. Ob das in England genauso reibungslos ablaeuft, wird sich zeigen. Ich fuer mein Teil kann es kaum abwarten, bis es endlich soweit ist.

Wir kamen gerade aus Island Gardens Station heraus und haben beobachtet, wie ein Riesenlaster direkt vor dem Laden gegenueber parkt – natuerlich auf double yellows, was streng verboten ist. Normalerweise ist mir das egal, was die Leute so tun, aber an der Ecke reagiere ich allergisch, weil es total gefaehrlich ist, wenn man nicht mehr ums Eck auf die Hauptstrasse sehen kann. Hab also meinen Mut zusammengenommen und den Fahrer angesprochen. Ob ihm klar sei, dass er auf double yellows parkt, halb auf der Strasse, an der Strassenecke, und dass man um seinen Riesenlaster nicht rumgucken kann. Habe mich innerlich fuer ein „F*ck off and mind your own business!“ gewappnet und wurde daher von seinem hoeflichen „Oh, sorry“ voellig aus der Bahn geworfen. Dann stieg er auch schon ein und fuhr den Laster weg. Ich bin immer noch ganz erschuettert. Wer die rauhen Londoner Sitten kennt, wo man eher ein Messer in den Bauch bekommt als eine Entschuldigung, weiss warum.

27. Juni 2007
Weihnachten kommt tatsaechlich immer frueher. Ging doch heute glatt ein Email von der Bueroleitung herum, dass wir gnaedigerweise alle den 24. Dezember als zusaetzlichen Urlaubstag geschenkt bekommen, da es der Montag vor den Feiertagen ist und wir die Firma einfach mal einen Tag lang komplett dicht machen. Habe also den 24. „refunded“ bekommen, da mein Weihnachtsurlaub schon beantragt war. Und dann kam ein Fax rein, aus dem ich entnahm, dass unsere Weihnachtsfeier auch schon gebucht ist! Wir fallen hier aber auch von einem Extrem ins andere, letzes Jahr wurden die Weihnachtskarten an die Kunden so um den 21. Dezember rum geschickt, LOL.

So, jetzt heisst der Premierminister also nicht mehr Tony Blair sondern Gordon Brown. Als mich ein Kollege fragte, was ich denn davon halte, war meine Antwort „Solange ich in diesem Land nur in Kommunalwahlen mitmischen darf, ist mir das herzlich egal, wer Premiermininster ist.“

Der Norden und die Midlands hat’s mal wieder voll erwischt mit schlimmen Regenfallen, vielerorts gibt es Ueberschwemmungen, ein Damm droht zu brechen. Und wer schon immer mal eine Kanufahrt durch Sheffields Strassen unternehmen wollte, hat jetzt Gelegenheit dazu! Vorhin hat es hier auch zweimal geschuettet wie aus Eimern, aber immer nur fuer ein paar Minuten.

Das O2 Gebaeude, formerly known as The Millenium Dome, wurde letzte Woche eroeffnet, der erste Gig war Bon Jovi. Dieses Wochenende gibt es anscheinend spezielle Deals fuer das Kino im O2. Das Wochenende darauf gibt Barbra Streisand ein Konzert und Johns Bruder geht hin. Das bedeutet, dass er uns das erste Mal in seinem Leben in London besucht, da wir ja nicht soweit weg wohnen, und er praktischerweise sein Auto in unserem Innenhof parken kann.

Ach ja, und Kate hat gestern ihr Baby bekommen. Ueber einen Namen konnte man sich noch nicht einig werden. Neun Monate sind ja auch wirklich zu kurz fuer so eine Entscheidung.

2. Juli 2007
Was kann in London innerhalb 72 Stunden so alles passieren? Lass mich mal nachdenken. Ein Poststreik. Ein Konzert fuer eine tote Prinzessin. Ein Rauchverbotsbeginn. Ach ja, und ein paar Autobomben. Also im Grunde fast alles wie immer.

Oder?

7. Juli 2007
Dieses Wochenende ist ganz schoen was los in London – Wimbledon (immer noch), Tour de France, Live Earth Konzert, Henley Regatta…. und da Constanze unbedingt die knackigen Ruderer begutachten will, habe ich meinen “Girls Afternoon In” mit viel Kuchen auf morgen nachmittag festgelegt. John ist das ganze Wochenende auf einer Car show, da kann er schonmal nicht stoeren. Eine Freundin aus Deutschland wollte eigentlich am Sonntag auch noch zu Besuch kommen, die hat Flug und Hotel von der Firma spendiert gekriegt, leider geht deren Flieger schon wieder Sonntag morgen.

Hoffentlich hat sie mehr Glueck mit ihren Fluegen als mein Chef am Mittwoch. Der wollte fuer den Tag geschaeftlich nach Glasgow fliegen, er wurde aber kurzfristig umgebucht auf einen Flug 5 Stunden spaeter. Der waere genau eine halbe Stunde vor seinem Rueckflug angekommen, also musste ich alles stornieren, was gar nicht so einfach war, da die Onlinesysteme von BA zusammengebrochen waren und fuer Stunden niemand ans Telefon ging. Und dann wollten sie nicht mit mir sprechen, da ich nicht der Fluggast selber war. Argh.

Bin mir nicht mehr so sicher, ob ich das Rauchverbot so gut finden soll. Als solches schon noch, das Dumme ist nur, dass die Raucher sich jetzt draussen vor die Tuer des Clubs stellen. Das erste Mal habe ich das hautnah am Donnerstag Nacht miterlebt, als vor dem rowing club ein laermiges Rauchertreffen abging. Double argh.

Ich weiss nicht ob euch Anya Hindmarch’s “I’m not a plastic bag” Tasche ein Begriff ist. Eine limitierte Designertasche, die vor ein paar Monaten mit viel Getoese bei Sainsbury’s (einem Supermarkt) fuer £5 pro Stueck verkauft wurde, binnen Minuten ausverkauft war, bei ebay landete und irre Preise erzielte. Ich finde den hype um diese Tasche unglaublich, die sieht nicht anders aus als jede andere Leinentasche fuer den Supermarkteinkauf, nur dass halt in grossen Buchstaben “I’m not a plastic bag” draufsteht und es eine Designertasche ist, die nur in limitierter Auflage verkauft wurde und sofort von vielen Stars zur Schau gestellt wurde. Dann wurde eine zweite Aktion gestartet fuer die Mailing List Mitglieder von “We are what we do”, der website, die hinter dem ganzen steckt und die nichts geringeres vorhat, als die Welt zu retten. Wer am 20. Juni eine Email bekam, “durfte” eine Tasche plus dazugehoeriges Buch kaufen.

Ich bekam ploetzlich am 3. Juli eine Email: “ Hello. This is an invitation to purchase a “I’m not a plastic bag” bag. We are giving this opportunity to you, patient subscriber, who were not selected in the draw. Luckily for you, the 7 day deadline has passed and some of the winners have not placed an order. The new season’s bags are blue, green and charcoal grey. Colours will be allocated at random and orders must be placed within seven days of email receipt otherwise the opportunity defers and the bag is allocated to another subscriber. The price of the new, set package is £21.78. this includes a copy of our second book ‘Change the World 9-5’, postage and packaging (by trackable courier delivery), VAT and covers a small increase in the cost of the bag (£7.50) to provide a more sustainable price point for We Are What We Do.” Was haettet ihr gemacht? Genau. Die Tasche sollte in ein paar Wochen da sein und dann geht’s auf zu ebay.

Die Bank of England hat gestern zum fuenften Mal innerhalb eines Jahres einen Zinssatzanstieg von 0.25% bekanntgegeben, obwohl der letzte Anstieg erst vor 2 Monaten war. Der momentane Zinsstand betraegt jetzt 5.75%. Fuer Hausbesitzer mit einer Hypothek sind das extrem schlechte Nachrichten, da die Hypothekenzinsen damit ansteigen, fuer jemanden wie mich mit Ersparnissen sind das extrem gute Nachrichten, da die Zinsen auf den Sparkonten auch ansteigen.

Was haben wir denn sonst noch so fuer Schlagzeilen? Gucken wir mal durch die lokale “The Docklands” Zeitung:
- “Defiant Docklands – business as usual for the wharf and City Airport, despite terror threat”
- “Riverside South project gets the go-ahead”, und gleich auf der naechsten Seite:
- “We will battle on, vow campaigners against a new 25-storey development in Docklands”
- “A chorus of O2 approval” (zur Eroeffnung des O2 Millenium Domes)
- “We’ve had enough of drunken yobbos” (betrunkene Teenager sind selten willkommen)
- “Fewer rubbish collections to cut down on landfill” (soll wohl Recycling ankurbeln)
- “Euan Blair gets Canary Wharf job”
- “Shrek faces fatherhood!”

26. Juli 2007
Ach du meine Guete, war das heiss in Deutschland. Wir sind am Sonntag, den 15. Juli gegen Nachmittag in Friedrichshafen gelandet. Leider hatten wir den Direktzug nach Biberach verpasst, eine Stunde warten auf den naechsten warten wollten wir aber auch nicht. Rief also meine Mutter an, die einen Zug nach Aulendorf und dann umsteigen aus dem Fahrplan herausfand. Haben also brav die Karten aus dem Automaten gezogen und uns auf Gleis 2 gestellt, denn Zuege in Richtung Ulm gehen IMMER von Gleis 2 aus. Man stelle sich also das Erstaunen aller auf Bahnsteig 2 Versammelten vor, als keine 2 Minuten spaeter auf dem gegenueberliegenden Gleis ein Zug mit Schild “Ulm Hbf” einfuhr. Zuege in Deutschland kommen tatsaechlich zu spaet an? Und dann noch auf dem falschen Gleis? „Sodom und Gomera“, wie Else Kling sagen wuerde. Alles sprintete los, aber so einfach ist das auch nicht, wir hatten total schwere Koffer, also haben wir den Aufzug nach oben genommen und ich sagte zu John nur noch “RUN”. Wir sind losgespurtet, die Koffer holterdipolter hinter uns herziehend die Treppe zur anderen Seite hinunter. Wie ein Wunder stand der Zug immer noch da, ich konnte es kaum fassen. Dann war mir auch klar, wieso. Er war total ueberfuellt, und Menschen haben noch immer versucht, sich hineinzuquetschen. Ich habe mich irgendwie hineingezwaengt, John hinter mir dachte, er kommt nicht mehr rein, hat sich gerade noch auf die Treppe geschwungen, dann schwang die Tuer zu und der arme Kerl hing kofferbalancierend auf der zweiten Stufe herum. Bei der Ankunft in Biberach waren wir schweissgetraenkt.

Wir haben die Woche nicht wie sonst mit Sightseeing vollgestopft, es war so heiss, und der Garten meiner Mutter so verlockend, wenn auch voller Wespen, Schnaken und Fliegen. Montag und Dienstag ging es aufs Schuetzenfest (Umzuege und Vergnuegungspark), Mittwoch war unser Einkaufstag in der Stadt, Donnerstag haben wir John den Federsee in Bad Buchau gezeigt und gingen anschliessend schwimmen, Freitag war reiner Faulenzertag, und Samstag ging’s dann nach Stuttgart, um den 96. Geburtstag meines Opas zu feiern, bevor es am Sonntag abend wieder zurueck nach London ging.

An manche Sachen muss man sich aber wirklich erst wieder gewoehnen. Die erste Apfelsaftschorle-Pfandflasche habe ich prompt weggeworfen, bis mir die Sache mit dem Pfand klar wurde. Was macht man aber, wenn man als Tourist auch nicht alle naselang in den Supermarkt wegen Pfandrueckgabe springen kann? Genau. Unsere Bekannten, bei denen wir am Samstag uebernachtet haben, haben jetzt 5 Pfandflaschen bei sich rumstehen, die letzte haben wir ihnen kurz vor Abflug noch in die Hand gedrueckt.

Die Frau vor uns in der Abflugschlange hatte 20 Milchschnitten im Handgepaeck, das gab beinahe eine Situation, bevor man sich darauf einigte, ihr eine Tupperschuessel zu geben, in der die Milchschnitten urploetzlich ungefaehrlich waren. Da war ich doch froh, dass mein Kaese im Koffer vor sich hinmueffelte!

Unser Flug war huebsch puentklich, bis auf den Schluss, als zwar die Tueren aufgingen und die Treppe herangerollt wurde, wir aber nicht aussteigen durften, da der Sicherheits-Treppenfreigabemensch nirgends aufzufinden war. 40 Minuten lang. Als wir endlich ans Kofferkarussell herankamen, waren die Koffer bestimmt schon 50mal rundherumgefahren, wir fanden sie jedenfalls sofort. Gegen 23 Uhr waren wir zuhause, todmuede.

Zwei Dinge habe ich verpasst, waehrend wir fort waren (wenn man Eastenders nicht mitzaehlt): das Harry Potter Band VII Eroeffungswochenende und die Ueberschwemmungen. Wir sind zwar nicht ueberschwemmt, obwohl wir nahe der Themse leben (aber auch nahe der Thames Barrier), aber ansonsten sieht es entlang der Fluesse recht duester aus. Am schlimmsten ist es rund um Gloucester und Oxford , aber auch der Westen Londons kann sich noch auf etwas gefasst machen. Da freut man sich doch, dass man im obersten Stockwerk wohnt.

Und Harry Potter habe ich mir von einer Freundin ausleihen muessen, da am Samstag ein solcher Run war auf die billigen Ausgaben (Tesco, ASDA, John Lewis, Morrisons und Costco haben den Band fuer £5 verschleudert), dass nach ein paar Stunden alles ausverkauft war. Ich haette eine Freundin bitten sollen, mir einen mitzukaufen. Oder in Deutschland kaufen am Samstag, aber da ist er ja schon recht teuer, und schwer wiegt der Band ja auch. Jetzt lese ich eben Lisas Erwachsenenausgabe. Constanze faengt gerade mit Band 1 an, sowas soll’s auch geben.

28. Juli 2007
The excitement never stops. Heute und morgen findet das Red Bull Air Race statt zwischen O2 Dome und Thames Barrier, und schon seit ein paar Tagen fliegen zwei der kleinen Flugzeuge ihre akrobatischen Kreise ueber uns. Bilder werden leider nichts, weil sie zu hoch oben sind, und richtige Tickets kann ich mir nicht leisten, aber der Laerm dieser kleinen Flugzeuge ist auch so richtig beeindruckend.

Und dann ging John zum wiederholten Male zu ASDA um zu gucken, ob die neue Palette Harry Potter endlich da ist – nein, ist sie nicht – und lief in eine grosse Ansammlung Polizisten, die irgendwas von „Bombe“ murmelten. Huch. Spaeter kam die Meldung dann online: Eine Kriegsbombe wurde bei Bauarbeiten in Millharbour gefunden. Das ist nicht wirklich weit von uns, zwischen Island Gardens und Crossharbour Stations.

Jetzt habe ich also den ausgeliehenen Harry Potter ausgelesen und weiss nicht, was mit meiner Zeit anfangen. Hm, vielleicht meinen Septemberurlaub am Rhein planen. Aber erstmal wird Der weisse Hai angeschaut. The excitement never stops.

Autor: Beate
Beateher@yahoo.com

*****

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de



Mind the Gap – 5a
1, 14 November, 2008, 8:35
Gespeichert unter: Menschen

Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 4″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 5“ unterteilt in 5a bis 5c.

london-tele

Foto: © my84 / pixelio

9. Januar 2007
So, jetzt hat wieder ein neues Jahr begonnen und mein Vorsatz, dieses Jahr mal eine Vorsatzliste zu machen, wurde immer noch nicht in die Tat umgesetzt. Bleibt halt alles beim alten. Trotzdem allen ein gutes neues Jahr!

Trotz des Nebels sind wir am 23.12. gut in Friedrichshafen fuer den Weihnachtsurlaub gelandet. Die Maschine hatte zwar eine halbe Stunde Verspaetung, weil jemand nicht rechtzeitig durch die Security durchkam, aber was ist schon eine halbe Stunde unter Freunden. In Stansted muss man jetzt sogar die Schuhe ausziehen und durch ein Roentgengeraet schicken!

Wir haben furchtbar viel gegessen, sind ausgiebig shoppen gegangen und haben den beinahe 96jaehrigen Opa in Stuttgart besucht, der ueberraschend gut englisch spricht, wenn er will. Auch wenn er nicht mehr weiss, was man ihm vor 2 Minuten erzaehlt hat.

John, der letztes Jahr einen auf ebay ersteigerten Modell-Manta geschenkt bekam, weil die so furchtbar schwer zu kriegen sind, spazierte in Biberach mit mir in ein Haushaltsgeschaeft und stand in der „boys ‘n toys“ Abteilung ploetzlich vor nicht nur einem sondern gleich vor zwei Mini Mantas. Sein Gesicht haettet ihr sehen sollen.!

Mir ist mal wieder aufgefallen, um wieviel hilfsbereiter deutsche Verkaeuferinnen sind, oder vielleicht ist das nur in Kleinstaedten so. Frueher ging mir das eher auf den Wecker, wenn sich eine Verkaeuferin gleich auf mich gestuerzt hat, aber heute finde ich das richtig nett, und man kann ja immer nein sagen, wenn man keine Lust auf Service hat. Ich hatte eine ausgesprochen nette Zeit mit der rothaarigen Verkaeuferin in einem Kleiderladen, die angestuerzt kam, als sie John und mich reden hoerte: “You speak English – I can help you!” John war allerdings voellig verbluefft, nachdem ich mir im Waeschegeschaeft einen BH gekauft habe: „Die kam ja zu dir in die Kabine rein! Das wuerden die in England nie wagen!“ Als ich im „Servicewueste England“ Thread im „Deutsche in London“-Forum davon berichtete, kam sofort diese Reaktion: „Verkäuferinnen, die beherzt zugreifen und den BH-Träger auf die richtige Länge bringen, „So muss der sitzen!“ und sich dann zufrieden das Ergebnis mit Dir zusammen im Spiegel angucken. Großartig.“ Und es ist tatsaechlich so, LOL.

Auf der Rueckreise, wir waren gerade am Einsteigen ins Flugzeug, draengelte ploetzlich der Kapitaen, wir haetten noch 3 Minuten Zeit zum Hinsetzen, dann duerfte er nicht mehr starten, da Friedrichshafen eine 22 Uhr Sperre hat. Dann sollte man keinen Flug auf 21.40 ansetzen, erst um 21.50 einsteigen, einen nicht zur Hintertuer reinlassen, und sich nicht um Priority Bookers kuemmern. Immer diese neumodischen Sitten. Das war doch immer der Trick mit Ryanair – komm frueh, dann wirst du zuerst geboardet. Mit der Betonung auf WAR. Dann kreisten wir ueber Stansted wegen Nebels nochmal 10 Minuten, kriegten aber noch den 23.30 Stansted Express, der gar nicht haette da sein sollen und schafften es, vor 1 Uhr mit der DLR noch bis Canary Wharf zu kommen. Der Rest wurde dann mit Taxi zurueckgelegt. Zum Glueck bin ich so organisiert, dass ich eine Taxinummer im Handy gespeichert habe.

Silvester war dann unglaublich gemuetlich und stressfrei. Wir fuhren zu Cinzia und Lisa nach Rushden, die ein leckeres Essen kochten. Mit Fernsehen und Spiele spielen ging der Tag bequem herum, und um Mitternacht haben wir auf BBC das Feuerwerk in London angeschaut, das wirklich spektakulaer war. Es war so regnerisch und windig ueber die Feiertage, dass mehrere Festivitaeten in Grossbritannien gecancelt werden mussten, London war davon verschont. Auch in Rushden fing der Regen erst um 20 nach Mitternacht an.

Neues Jahr, neuer Urlaubsetat, deshalb laeuft die Urlaubsplanung auch schon wieder auf vollen Zuegen. Ich neige zu Irland im April, Schottland Ende Mai, Bodensee im Juli und zum Rhein in Flammen Mitte September. Was meint ihr? John will unbedingt nach Boppard zurueck, wo er vor vielen Jahren als Schueler war und wo er bei einer Schiffsfahrt auf dem Rhein ploetzlich so eine Vorahnung hatte. “Wir biegen jetzt’s ums Eck, und da wird eine Burg auf einer Insel im Rhein sein und eine Burg hoch auf dem Huegel” sagte er zu seinem Kumpel Barry Fisher. “Na klar”, meinte der, stirntippend. Dann bogen sie um die Ecke und die Lautsprecheransage bellte “Und hier sehen sie zwei Burgen, genannt Katz und Maus, weil eine hoch auf dem Huegel ist und die andere mitten im Rhein.”

Und jetzt sagt er, er hat so eine Vorahnung, dass wir bald im Lotto gewinnen. Das Problem ist bloss, dass er vor sich sieht, wie er sein Ticket bei ASDA checken laesst, und da gehen alle Klingeln los und Lichter blinken – bloss, dass das dieses System vor vielen Jahren abgeschafft wurde wegen Anonymitaetsregelungen. Und wir haben zwar waehrend des Weihnachtsurlaubs im deutschen Lotto gewonnen, aber nur 10,20 Euro. “Das war nur der Auftakt”, davon ist John ueberzeugt.

Am Sonntag haben wir zusammen “Deal or no Deal” geschaut, und das Maedel hatte den Mut (oder die Dummheit, je nach Endergebnis), immer weiter zu machen, ohne die Angebote des Bankers anzunehmen. Am Schluss hatte sie noch £3,000 und £250,000 uebrig. Der Banker bot ihr £45,000. Sie guckte auf ihren Zettel, auf dem ihr persoenliches Ziel von £20,000 stand, holte tief Luft und sagte “No Deal”. Und gewann £250,000. Und wir sassen vor dem Fernsehr und haben uns wie die Schneekoenige gefreut. Solche Shows sind unglaublich gut fuer menschliche Dramen.

Mein Personalausweis laeuft am 1. Mai 2007 ab. Ich bin noch in Deutschland gemeldet, kann den dort also verlaengern lassen (waere ich nicht mehr gemeldet, haette ich keinen Anspruch mehr, und ein neuer Pass muesste bei der Deutschen Botschaft beantragt werden), fliege aber voraussichtlich erst im Juli wieder rueber. Und ich hab gegruebelt, ob ich mir ueberhaupt einen neuen ausstellen lassen soll, den braucht man hier ja sowieso nicht. Jetzt hab ich gerade bei meinem alten Einwohnermeldeamt angerufen und die Dame meinte, das sei alles kein Problem, ich muesse nur beim Beantragen (in Person) sagen, dass ich eine Abholvollmacht braeuchte, dann kann ich die vor Ort unterschreiben und meine Mutter koennte das Teil dann fuer mich in Empfang nehmen. Spaetestens bei Abholung des neuen Ausweises muss aber der alte Ausweis zur Ungueltigmachung mitgebracht werden, man koenne ihn aber auch gleich dalassen. Das ist ja nun kein Problem, da man ja noch einen Pass hat. Dann hab ich aber gefragt, ob das der gleiche Vorgang sei, wenn ich 2008 einen neuen Pass braeuchte und sie bejahte. Da dachte ich mir so, wenn ich zu diesem Zeitpunkt keinen Perso mehr haette, kaeme ich ja gar nicht mehr aus Deutschland raus, bzw nach Deutschland rein, um den neuen Pass bei meiner Mutter abzuholen (der Royal Mail traue ich ja nun nicht unbedingt ueber den Weg)! In dem Fall beantrage ich wohl doch einen neuen Perso, da hat man doch wenigstens immer ein reisefaehiges Dokument bei der Hand. Immer dieser Buerokratiekram.

18. Januar 2007
Von Kates Abendempfang an ihrer Hochzeit war ich ja nun nicht so beeindruckt. Der Saal war in totales Schummerlicht gehuellt, es gab nicht genug Tische und Stuehle, so dass es fuer uns praktisch ein dreistuendiger Stehemfpang war (nach drei Stunden hatte ich auch genug), die Reden von Trauzeugen und Brautvater waren akustisch fast nicht verstehbar und sowieso sinnentleert und das Buffet – na ja. Die Unterhaltung war eine absurde Mischung von Frank Sinatra-Musik und Bauchtanz (der Braeutigam ist Moslem), und meine Fuesse taten mir nach einer Weile einfach nur weh. Wenn ich da so an die Hochzeit meiner Freundin im Mai in Oesterreich denke … Aber wenigstens habe ich viele erheiternde Fotos meiner Kollegen mit der Bauchtaenzerin geschossen.

Es stuermt hier wie verrueckt! Vorhin fiel ein Baum im Square vor dem Buero um, man traut sich ja schon gar nicht mehr hinaus. Und morgens will man gar nicht erst aufstehen, wenn man den Wind ums Haus heulen hoert. Bei einem unserer Gebaeude in Slough hat es Nachbardaecher auf das Grundstueck getragen und Autos beschaedigt. Alle Zuege und viele Fluege sind erheblich beeintraechtig. Und ich dachte, ich haette kein Problem, da ich nur mit der DLR fahre. Bis ich in Bank ankam und es nur Zuege nach Canning Town gab. West India Quay war gesperrt, also haette ich den Bus nach Canary Wharf nehmen koennen, habe mich aber entschlossen, statt dessen mit East London Line und Jubilee Line drumrum zu fahren. Das Ganze hat rund eine halbe Stunde laenger gedauert als ueblich. Als ich in Canary Wharf ausstieg, hat mit die Schlange fuer die Gegenrichtung total umgehauen. Da muessen sich Tausende gestaut haben! John fuhr zur gleichen Zeit zu seinem Deutschkurs in Bethnal Green, der ist auch auf die Jubilee ausgewichen, allerdings rauf nach Stratford und dann rein in die Central Line. Schneller war das aber auch nicht. Er kam eine geschlagene Stunde nach der Zeit an. Und vor unserer Haustuer lagen jede Menge Ziegelsteine. Wenn einem sowas aufs Haupt donnert, ist das auch nicht so gut fuer die Gehirnzellen …

Die Wettersituation ist natuerlich ein Hauptthema in den Nachrichten, aber ein noch viel groesseres Thema ist „Rassismus in Big Brother“. Ueber eine Bollywood Schauspielerin wurde von einem Triumvirat laesternder Maedels nicht sehr nette Dinge gesagt, sowohl hinter ihrem Ruecken als auch ins Gesicht. Das Ganze beruht meiner Meinung nach hauptsaechlich in Neid auf eine in Kultur, Klasse, Intelligenz und Schoenheit ueberlegene Person, aber die Dinge, die gesagt wurden, haben schon einen stark rassistischen Unterton. Ich guck mir ja den Scheiss nicht an, weil ich mir diese Dumpfbacken wirklich nicht antun muss, aber du kommst ja in den Nachrichten nicht drum rum, jetzt haben sich sogar Politiker eingeschaltet und in Indien gehen sie auf die Strasse und protestieren. Es waere fast zum Lachen, wenn es nicht so traurig waere. Traurig deshalb, weil ganz offensichtlich vor Millionen Zuschauern jemand gemobbt wird und niemand, weder im BB Haus noch sonstwo, wirklich etwas dagegen tut. Big Brother kann das Ganze nur recht sein, die Einschaltquoten sind zumindest raufgegangen. So viel zu Klasse und Kultur im englischen Fernsehen und Alltag.

Apropos Kultur – Januar bis Maerz gehoeren dem Theater! Wir haben Karten gekauft fuer The Rocky Horror Show, Chicago, Cabaret und Porgy & Bess, und denken noch ueber Rock’n’Roll, Madam Butterfly und Spamalot nach. Trotz discount offers kosten die Karten immer noch zwischen £20 und £35 pro Person, aber wozu lebt man in London, wenn man sich nie eine Show ansieht?

Und damit ich das alles auch bezahlen kann, bringe ich gerade meine Finanzen in Ordnung. Habe mir schon ein grossartiges Buch gekauft, das sich „Money Diet“ nennt und viele hilfreiche Tipps ueber die billigsten Gasanbieter und die besten Zinssaetze der englischen Banken enthaelt, um nur mal ein paar Beispiele zu nennen.

Neulich kam doch glatt meine neue Kreditkarte fuer mein deutsches Konto einfach so mit der normalen Post an, in duennem Umschlag, die Karte war fuehlbar. Das mag ja innerhalb Deutschlands ok sein, und die Bank haftet ja auch fuer einen etwaigen Schaden durch Diebstahl, aber trotzdem finde ich das extrem fahrlaessig. Das habe ich denen auch in einem Schreiben mitgeteilt, mal sehen, was dabei herauskommt. Vielleicht sollte ich sie einfach stornieren – ich nehm sie eh kaum, zahle aber eine Jahresgebuehr (muss man fuer englische Kreditkarten nicht).

25. Januar 2007
Wir haben schon wieder mal eine Maus erlegt! Die war nicht mal besonders gross, wird sich herausstellen, ob Mamamaus und Papamaus auch noch irgendwo hervorkriechen.

Oh mein Gott, gestern hatte es doch tatsaechlich 2 cm oder so Schnee in London! Das ist natuerlich gar nichts gegen das Schneechaos in Deutschland, aber hier ist das ein richtiges Ereignis, denn es gibt genuegend Einwohner Londons, die, da sie urspruenglich aus waermeren Gefilden stammen, noch nie im Leben Schnee gesehen haben, und natuerlich ist sofort das Verkehrschaos da, wie nicht anders zu erwarten.

Jetzt ist der Sturm vorbei, dafuer hat sibirische Kaelte uns eingeholt. Nach so vielen Monaten mit fuer die Wintermonate zu hohen Temperaturen trifft es einen doppelt hart, wenn man sich ploetzlich wieder einmummeln muss. Mein Gesicht war total eingefroren heute morgen, vielleicht sollte ich mir eine von diesen Skimuetzen zulegen, wo nur die Augen rausgucken. Oder eine Burka tragen, damit faellt man hier eh nicht auf.

Gestern war ein richtig guter Tag. Ich habe praktisch den ganzen Tag nichts getan, denn erst wurde ich vom Boss zum Mittagessen mit deutschen Kunden eingeladen, und sowas geht ja immer stundenlang, dann bekam ich von der IT-Abteilung einen neuen PC mit 19 Zoll-Monitor, auf den alle Kollegen neidisch sind, und waehrend das installliert wurde, guckte ich den anderen beim Arbeiten zu. Ich darf sogar den alten Monitor nach Hause nehmen, den kriegt jetzt John. Meine Hasskollegin (die mit der merkwuerdigen Hochzeit) ist schwanger, und ein anderer etwas unbeliebter Kollege hat gestern in einer Kurzschlusshandlung gekuendigt. Er war beleidigt, weil der Boss ihn zum wiederholten Male auf sein Zuspaetkommen angesprochen hat. Und das kurz bevor, die Bonusse ausgezahlt werden … Und Johns Allergietests kamen alle negativ zurueck.

Dafuer ist heute die Klimaanlage im Buero ausgefallen und wir koennen auch kein Fenster aufmachen. *schwitz*

Nachtrag:
Hatte ich doch glatt vergessen, dass es sowas in vielen deutschen Bueros nicht gibt. Hier wird die Temperatur in den Bueros durch eine Klimaanlage (air condition) geregelt, jeder Raum hat einen Regler, den man bis auf 30 Grad drehen kann (dann ist es schoen warm im Winter), oder auf 0, wenn es einem zu heiss ist. Wenn die Anlage aber spinnt, ist es heiss, obwohl man total heruntergedreht hat, oder es ist arschkalt, obwohl man auf 30 Grad stehen hat. Hatten wir beides schon.

6. Februar 2007
Letzten Dienstag war “Cabaret” im Lyric Theatre an der Reihe, einem Theater, das Sitzreihen so eng beeinander hat, dass Sitzen relativ unbequem war. In Kinos kriegt man doppelt so viel Beinfreiheit! Es war ganz interessant, aber irgendwie doch viel freizuegiger, als ich es von einer Auffuehrung vor vielen vielen Jahren in meinem Kaff in Deutschland in Erinnerung hatte. Die sprangen staendig nackt herum! Constanze und ich haben uns nur noch angeguckt. Weniger waere hier wohl mehr gewesen. Auch die deutschen Akzente waren unglaublich dick aufgetragen.

Am Dienstag gab’s dann die Gespraeche ueber Gehaltserhoehung und Bonus, und waehrend die meisten maulten, dass die Gehaltserhoehung ja wohl nicht so brilliant sei dieses Jahr, bin ich allein schon von der Tatsache, automatisch mehr Geld zu bekommen, ohne betteln zu muessen, total entzueckt, kann mich also nicht wirklich beschweren. Und da auch irgendein Bausparvertrag (ein kleiner) zuteilungsreif wurde, kann ich mir im September vielleicht doch das Schlosshotel am Rhein leisten, wenigstens fuer eine Nacht!

Am Wochenende hatten wir die italienischen Zwillinge zu Besuch. Leider will Cinzia demnaechst nach Mailand zurueckziehen, und Lisa will daher nach London ziehen, einen neuen Job braucht sie dann auch. Wir haben ihnen angeboten, falls sie den Umzug um Ostern legen, koennen wir ihnen helfen. Dann machen wir eben in Mailand ein paar Tage Urlaub anstatt den Cotswolds. John ist richtig scharf darauf, einen Umzugswagen nach Mailand zu steuern. Das kann ich zwar nicht nachvollziehen, aber Mailand selber waere schon mal interessant.

Am Sonntag waren wir dann in einer kostenlosen Vorpremiere von “Charlotte ’s Web”. Ich habe die Geschichte von Wilbur dem Schwein und Charlotte der Spinne schon als Kind gerne gelesen, und der Film hat auch nicht enttaeuscht. Der Film war fuer 10.30 angesetzt, und alle sollten um 10 Uhr da sein. Waren wir auch, es bildete sich eine lange Schlange, aber aufgemacht wurde dann erst um 10.30, der Film fing 10 Minuten spaeter an. Und wir standen bibbernd in der Kaelte! Ausserdem hatte ich erfolgreich verdraengt, dass um diese Tageszeit auch Kinder in einen Kinderfilm gehen koennten, und wir hatten da ein paar Knilche vor uns, die staendig aufstanden, redeten und mit Popcorn schmissen, waehrend die Eltern nur milde laechelnd daneben sassen. Aber es war trotzdem nett, und danach ging es ins Thai Restaurant mit dem tollen Ausblick auf Themse und Maritime Museum. Sonntags ist Buffet-Tag und wir haben so richtig zugelangt. Die Dim Sums waren goettlich. Und erst der Kaesekuchen!

Und dann ging doch tatsaechlich heute eine Briefbombe hoch bei der Firma, die die Congestion Charge einzieht. Ob da wohl einer mit einem Bussgeld nicht einverstanden war? Es gingen dann auch gleich ueberall die Emails herum, welche Vorsichtsmassnahmen man beim Oeffnen von Briefen beachten soll. Gut, dass ich das nicht mehr machen muss. London ist schon ein gefaehrliches Pflaster. Aber man gewoehnt sich an alles. Ausser am Dativ.

Und heute ging die zweite Briefbombe hoch, in einer Firma, die Bussgelder eintreibt. Wenn das mal kein Zufall ist.

Und am Donnerstag wird es heftige Schneefaelle geben! Soviel Schnee wie schon seit Jahren nicht mehr! Ganze FUENF Zentimeter werden erwartet fuer London!! Das Land wird im Chaos versinken!!!

9. Februar 2007
Ihr werdet es nicht glauben, aber die gestrige Schlagzeile des LondonLite war „Wrong kind of flakes! Met Office chiefs blame transport chaos on ‘particularly sticky’ snow“. Angeblich waren die Flocken unueblich gross und daher „klebriger“ als normaler Schnee. Sachen gibt’s.

Es war echt Ausnahmezustand hier gestern, die meisten Schulen hatten auch geschlossen.
Als ich mich gestern von zuhause in meine Office Emails eingehackt habe, fand ich auch eines, in dem stand, dass alle frueher gehen duerfen. Ungefaehr 10 Emails gingen hin und her ueber Cappuccinos vom Oberboss fuer die Tapferen, die nicht nur gekommen waren, sondern sogar puenktlich, eins handelte von Schokolade und eins von Doughnuts zur Staerkung fuer den eisigen Heimweg. Mein Chef, der auch vorsorglich zuhause geblieben war, schrieb dann, dass ja wohl nicht soviel lossein koennte, wenn jeder Zeit fuer Cappuccino-Emails haette, und er gehe jetzt einen Schneemann bauen.

23. Maerz 2007
Und schon wieder ist ueber ein Monat ins Land gegangen! Manchmal weiss man einfach nicht, wo die Zeit geblieben ist, ich dreh mich gerade im Kreis mit finanziellen Geschichten und Urlaubsvorbereitungen (bin gerade am Verzweifeln mit mailaendischen B&Bs).

Von 6. – 14. April werden wir in Mailand sein (wir besuchen Cinzia), von 15. – 22. Juli ist ein Heimatbesuch angesagt, und von 7. – 17. September bereisen wir den Rhein und schauen uns den Rhein in Flammen an. Was wir Ende Mai machen, wissen wir noch nicht, aber wir bleiben in den UK .

Cinzia ist gestern nach Mailand zurueck, sie war letzte Woche hier, um sich zu verabschieden. Gott sei Dank hat sie jetzt ihren Kram durch ihre Firma nach Mailand transportieren koennen, und die sperrigen Moebel wuerden verkauft, also musste John nicht im Van durch halb Europa gondeln. Ihre Schwester Lisa zieht dagegen nach London und hat sich am vorletzten Wochenende zusammen mit Constanze Dutzende Wohnungen angeguckt. Am Samstag abend sassen sie ganz erschoepft bei uns und haben Pasta geschaufelt. Sie wollten ja eigentlich in unserer Ecke bleiben, haben aber urploetzlich eine Wohnung in Fulham Broadway aufgetan, die ihnen supergut gefaellt. Ende Maerz wird umgezogen, der Umzugswagen ist schon gemietet, die beiden teilen sich die Kosten. Am Samstag wird Constanze von Limehouse nach Fulham verfrachtet, und am Sonntag Lisa von Rushden nach Fulham. Das wird ein Spass.

Hoffentlich wird Johns Huefte bis dahin besser, der hat sich vor ca. 2 Wochen entweder einen Nerv eingeklemmt oder ein Ischiasproblem eingefangen, jedenfalls leidet er momentan sehr.

Eine Revolution geht durch England, und wir sind dabei! Hier in England sind Kontoueberziehungsgebuehren unglaublich hoch, teilweise bis zu £35 fuer einen Penny Ueberziehung, und viele Leute haben ueber die Jahre Tausende von Pfund an die Banken verloren. Seit letztem Jahr wird aber zurueckgeschlagen, da diese Gebuehren illegal, unfair und aus der Luft gegriffen sind. Es gibt einige websites (www.moneysavingexpert.com), die einem mit Musterbriefen und Rat und Tat zur Seite stehen. Man kann 6 Jahre zurueckgehen mit seiner Forderung, und wenn die Banken sich doof stellen, was sie gerne tun, dann muss man vor Gericht gehen, was sich schlimmer anhoert, als es ist. Im Grunde fuellt man nur ein online Formular aus und bezahlt ein paar Pfund, und bevor die Sache vor Gericht geht, gibt die Bank nach und zahlt einem den geforderten Betrag plus Zinsen und Gerichtsgebuehren zurueck. Nun habe ich ja noch nie im Leben mein Konto ueberzogen, aber John durchaus, und dessen Kontoauszuege haben wir gerade durchwuehlt und Gebuehren von £400 gefunden. Die will er jetzt natuerlich zurueck. Und eine ueberhoehte Hypothekabschlussgebuehr wurde auch gerade noch beanstandet, der Scheck kam am Samstag. Und dann bin ich gerade dabei, wegen hoeherer Zinsen sowohl mein Bankkonto als auch meinen ISA (das Konto fuer den jaehrlichen Steuerfreibetrag von £3000) zu wechseln. Hier trudeln also gerade taeglich irgendwelche application forms ein.

Autor: Beate
Beateher@yahoo.com

*****

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de



Mind the Gap 4c
1, 23 September, 2008, 11:04
Gespeichert unter: Menschen

Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 3″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 4“ unterteilt in 4a bis 4c. Die Fortsetzung in Gestalt von „Mind the Gap 5″ folgt demnächst.

Foto: Tricin (Simon Echterhof) / pixelio

8. September 2006
Gott, ist London laut. Das war mir zwar schon vorher bewusst, aber nach 7 Tagen in einem superleisen B&B in Cornwall faellt es einem doppelt auf. Am Samstag unserer Rueckkehr war natuerlich prompt wieder eine Party im Club gegenueber, und da das letztes Mal bis weit nach 1 Uhr nachts schallte, habe ich dieses Mal die Laermtruppe schon fruehzeitig gerufen. Leider kamen die erst gegen 12.15 an, und wie Murphy’s Law es so will, 2 Minuten vorher hatte die Musik aufgehoert. Sie sassen dann noch 20 Minuten in ihrem Auto mit offenen Fenstern, dann fuhren sie ab – und haben prompt den Abgang einiger laermender Partybesucher verpasst, die meinten, es sei spassig, sich mitten auf die Strasse zu stellen und rumzubruellen.

Als also vorgestern um Mitternacht ein Autoradio ploetzlich ganz laut spielte, war ich schon wieder auf 180 und riss erzuernt das Fenster auf. Saubande, dachte ich, kann es hier nicht einmal ruhig sein? Komisch, kein Auto weit und breit. Muessen die Nachbarn unter uns sein, die kennen auch gar nichts. Gott, ist das laut, klingt ja, als ob es vom Zimmer nebenan k…. oops. Rase ins Nebenzimmer, das von John als Buero genutzt wird, und siehe da, das Radio auf seinem Schreibtisch hatte sich selbsttaetig eingeschaltet und sendete mit voller Pulle.

Gestern gegen 11.30, das Twin Towers Drama in BBC1 war gerade zuende, fing dann eine Sirene im gegenueberliegenden Neubau an zu laermen. Die Feuerwehr kam um 12.15 mit drei (!) Wagen an und rueckte unverrichteter Dinge wieder ab, die Polizei kam eine Stunde danach vorbei und rueckte nach planlosem Umherlaufen auch wieder ab und die noise crowd versicherte mir am Telefon, sie wuerden sich drum kuemmern, da sie aber wahrscheinlich einen warrant braeuchten, um einzubrechen und den Alarm abzustellen, waere das wohl erst heute. Die Sirene verstummte heute morgen um 7.40. Und ich dachte immer, alle diese schicken Neubauten haetten 24 hour porterage und security. So kann man sich taeuschen. Und ich bin jetzt so muede, dass ich gleich einschl….

11. September 2006
Freitag abend hatte dann das Canary Wharf Community Centre, das gleich neben dem normalerweise laermenden Poplar Rowing Club liegt, eine Disco veranstaltet, und die schafften es, ab 10 Uhr dermassen Radau zu machen, dass ich schon wieder die Noise Prevention Officers rufen musste. Die kamen dann kurz nach Mitternacht (gibt anscheinend viel Laerm in London) und waren so entsetzt (“die Baesse hoert man ja ueberall und alle Tueren sind offen!”) dass sie die Musik sofort abgedreht und bei Wiederholung mit Entzug der Lizenz gedroht haben. Wenigstens mal ein Ergebnis, auch wenn es bis gegen 1 Uhr dauerte, bis alle Jugendlichen unter grossem Geschrei und mit quietschenden Reifen die Gegend verlassen hatten. Wir haben dann natuerlich prompt die Themse-Aufraeumaktion verschlafen, die seit Freitag bis morgen uns gegenueber am Ufer der Themse stattfindet, veranstaltet von der Thames 21 Charity (http://www.thames21.org.uk/). Sonntag morgen hatten wir dann keine Entschuldigung mehr und haben uns zum Dienst gemeldet (muss morgens sein wegen Ebbe). Wir bekamen Gummistiefel und Handschuhe gestellt und sind eine Stunde lang im Matsch herumgestapft und haben Plastik und Glas etc. aufgehoben. Es ist absolut unglaublich, wieviel Muell man an so einem kleinen Uferstreifen aufsammeln kann!

Es gibt seit letzer Woche zwei neue kostenlose Zeitungen in London, beide werden abends verteilt, im Gegensatz zur METRO, die es morgens gibt. Leider ist es wohl das Los aller kostenlosen Zeitungen, Druckerschwaerze abzufaerben, so dass man nach Lesen selbiger rabenschwarze Finger hat und schwarze Flecken im Gesicht, wenn man Beate heisst. Neulich hatte ich zuviel in der einen Hand und habe daher die Zeitungen in der anderen Hand an mich gepresst, was einen schwarzen Abdruck auf meinem weissen T-Shirt hinterliess. Aber lesen tut man sie trotzdem, denn kostenlos ist schliesslich kostenlos, und wenn die Nachrichten darin einen auch noch so depressiv machen. Das heisst aber auch, dass ich jetzt dem Evening Standard untreu geworden bin, der fuer 50p denselben Mist bringt. Hab mich ganz verstohlen an meinem ueblichen Zeitungsverkaeufer vorbeigeschlichen und kam mir wie ein Verraeter vor.

Ich bin schon wieder ganz schrecklich ergaelded und entdecke mal wieder, wie schrecklich englisches daytime telly ist. Der Vormittag besteht fast nur aus Programmen fuer gelangweilte Hausfrauen, denen vorgegaukelt wird, sie koennten aus jedem Muell Geld machen (Car Booty, Bargain Hunt, Flog It!). Das Abendprogramm ist im Grunde auch nicht viel besser. Dies ist das Bild, das englisches Fernsehen von den Englaendern zeichnet: Sie sind schmutzig (How Clean Is Your House?), fett (You Are What You Eat), unsportlich (Ian Wright’s Unfit Kids), noergelnd (Don’t Get Me Started, Grumpy Old Men), wuetend (Temper your Temper), mit vielen Schulden (The Price is Right, Deal or no Deal, Who Wants To Be A Millionaire) mit fluchenden, aggressiven Kindern (Supernanny) und Teenagern (Teen Tamer). Ausserdem haben sie keine Ahnung, wie sie ihre Haeuser so herrichten, dass sie verkaufbar sind (House Doctor, Selling Houses, Property Ladder) und sind ganz schrecklich risikoreich (One Year to Pay Off Your Mortgage, A New Life: Risking It All).

18. September 2006
Social overkill am Wochenende! Noch heftig schnupfend (John hat die Erkaeltung jetzt auch und leidet, wie nur Maenner leiden koennen), haben wir uns zu unserer alten Wohnung aufgemacht, um vom dortigen Innenhof das Great Thames River Race anzuschauen. Zurueckgekehrt zur neuen Wohnung, konnten wir von dort aus beobachten, wie die Boote direkt gegenueber am Ruderclubsteg an Land gehievt wurden und fuer Stunden die Strasse versperrten. Die Disco im Ruderclub (typisch) ging dann bis Mitternacht.

An diesem Wochenende war dann auch Open House London, aber dafuer hatten wir keine Zeit, wir haben uns auf das Thames Festival konzentriert, das das ganze Suedufer der Themse in Anspruch nahm, mit Musik, Essensstaenden etc. Wir haben im griechischen Restaurant an der South Bank ein ueberteuertes Souvlaki zu uns genommen und sind dann zum Picknick im Greenwich Park aufgebrochen, mit ein paar Freunden. Da haben wir dann festgestellt, dass Car Free Festival in Greenwich war (noch mehr Musik und Essen), und so haben wir uns schon wieder durch Massen von Leuten gewuehlt. Man muss dazu sagen, dass es ein wunderschoen warmer und sonniger Tag war, und so haben wir uns im Gras niedergelassen (die M&S Picknickdecke, eigens fuer solche Zwecke verkauft, hatte ich natuerlich vergessen) und zuviel Kuchen und Schokolade zu uns genommen. Dann ging es munter weiter, zurueck zum Thames Festival, denn ab 19 Uhr fand ein Night Carnival statt, mit Feuerwerk ab 21.45. Um 20 Uhr haben wir uns auf der Blackfriars Bridge zwischen die Leute gedraengt, bis anderthalb Stunden spaeter (der Karnival schlaengelte sich immer noch durch) unsere Beine nachgaben und wir uns einen guten Aussichtspunkt fuer das Feuerwerk suchten. Zu dem Zeitpunkt hing mein Magen durch und ich musste dringend wohin. Es war halb 12, bis wir endlich zuhause waren, und entweder es war das spaete Essen oder die vielen Eindruecke, aber ich konnte ewig nicht einschlafen. Dementsprechend haenge ich auch heute herum.

Letzte Woche habe ich mal wieder diverse Telefonate taetigen muessen, da ich staendig auf Post warte, die nie ankommt. Mein alter Stromlieferant (British Gas) hat mir immer noch keine Abschlussrechnungen geschickt, waehrend mein neuer Stromlieferant (EDF Energy) mir immer noch keine Bestaetigung geschickt hat ueber die Neueinrichtung des Kontos. Ich habe es ja auch erst am 12. Juni beantragt! Gas wurde Mitte Juli “geswitcht”, Strom anscheinend am 1. September. Aber es kann bis zu 28 Tagen dauern, bis es aktiviert wird. Oder so. Ich habe schon so oft bei denen angerufen, und jedesmal kriege ich eine andere Auskunft. Unglaublich.

Endlich habe ich auch mal jemanden im Moorfield Eye Hospital drangekriegt, deren Termin vor drei Monaten ich leider absagen musste. Die Dame meinte froehlich “Ja, wir haben Ihnen einen neuen Termin gegeben, haben Sie denn den Brief nicht gekriegt?” “Nein, fuer wann denn?” “Fuer November – das ist der schnellste Termin, den wir finden konnten”, fuegte sie noch hinzu. Ich will meinen deutschen Augenarzt wieder.

Die Dame im Idea Store konnte zuerst mein Problem auch nicht verstehen. “Alle Kursinformationen wurden verschickt und die Kosten abgebucht – letzte Woche schon. Obwohl wir ein bisschen Probleme mit der Post hatten, jetzt wo ich drueber nachdenke.” Dann hat sie mir meine Adresse vorgelesen, und siehe da, statt einer 10 hatte sie eine 1 notiert. Ups. Also habe ich John losgeschickt, um mal an die Haustuer von Wohnung Nr. 1 zu klopfen. “Die sind vor ein paar Wochen ausgezogen” meinte eine Nachbarin hilfsbereit. “Wie komm ich jetzt an deren Briefkasten ran?” “Wohnen Sie hier? Dann haben Sie doch einen Schluessel fuer die Tueren, hinter denen die Briefkaesten sind. Das ist ein Generalschluessel, der passt hier ueberall”. John hatte Glueck – die Post fuer Nr. 1 war auch hier HINTER den eigentlichen Briefkasten gesteckt worden, so dass er den Brief fuer mich ohne Probleme herausfischen konnte. Aber da kann man mal wieder sehen, wie toll die Royal Mail arbeitet. Wir haben auch zig Beschwerden losgeschickt, dass unsere Post nicht IM Briefkasten landet, sondern dahinter, denn, wie sich jetzt herausstellt, koennte dann das ganze Viertel dran! Und da wundern sich Leute, dass soviel Post nie ankommt!

16. Oktober 2006
Freitag vor einer Woche fuhr John nach Birmingham und kam mit einem neuen 19 Zoll Flatscreen Monitor fuer mich wieder, da mein alter Monitor merkwuerdige Symptome zeigte – das Bild wackelte, zog sich zusammen und dann wieder auseinander, und manchmal wurde der ganze Bildschirm schwarz mit Ausnahme einer weissen Linie in der Mitte. Da ich fuer moderne Kunst bei Monitoren nichts uebrig habe, wurde der alte Kasten voellig herzlos ausgetauscht. Wir haben erst ueberlegt, ihn Tracy Emin zu stiften fuer ein Projekt „die Vergeblichkeit der Moderne“ oder so, aber dann haben wir doch einfach die Gemeinde-Hotline angerufen, die fuer Sperrmuell zustaendig ist.

Ich hatte mein Handy zuhause vergessen, also rief ich John vom Buero aus an und bat ihn, es mittags vorbeizubringen, und gleichfalls diverse Unterlagen, die ich zuhause gelassen hatte. Als er dann um 12 Uhr ankam, drueckte er mir mein Handy in der Hand, aber die Unterlagen hatte er nicht dabei. Sage ich “Ich habe dich doch gebeten, die Unterlagen mitzubringen!” Sagt er “Ich war mir nicht mehr sicher was du wolltest, aber ich habe dich in einer SMS gefragt, hast du die nicht gekriegt?” Ich: “Du meinst eine SMS zu meinem Handy, dass DU hattest?” Sein Gesicht war fuer die Goetter.

Wir haben Maeuse in der Kueche und wir wohnen im dritten Stock! Beim Staubsaugen vor ein paar Tagen fand John eine angeknabberte Suppentuete in einem der Behaelter, die auf dem Kuechenboden stehen. Er hat daraufhin alle Behaelter auf die Arbeitsflaechen gestellt, aber am naechsten Tag waren wieder 2 Suppentueten angeknabbert. Bei einer englischen Bacon & Leek Suppe sage ich ja gar nichts, aber als meine Flaedlesuppe gelitten hat, wurde ich sauer. John meint, sie leben neben dem Boiler, weil er da ein kleines Loch gefunden hat, das unter die Fussbodenbretter fuehrt. Einen alten Behaelter mit „Pest Control“ Aufschrift hat er auch noch gleich daneben gefunden. Bisher haben wir mit einer Mausefalle zwei Maeuse erledigt, und die Pest Control kam am Samstag Mittag vorbeigeschlappt und legte Gift aus.

Aus einem Brief meiner Firma an einen Kunden bezueglich zuzueglicher Kosten fuer einen Auftrag: “The Company personnel who will provide the information will be myself, Mr X and our PA, Beate Y. The hourly rate for the above will be £350.00 for myself and XX and £150.00 per hour for Beate. Time will be charged in units of 6 minutes. “ Ich hab das mal ausgerechnet. Demnach muesste ich auf einem Jahresgehalt von £292,500 sein! WOW. Unterbezahlt ist gar kein Ausdruck.

Wenigstens hat John nun endlich auch das Wohnzimmer gestrichen! Hipphipphurra.

Und der Weihnachtsflug nachhause ist auch gebucht. Leider hat Ryanair ja die Gepaeckbegrenzungen ab 1. Nov. wieder auf 15 kg heruntergefahren, das wird bitter. Meine Kollegin hat heute ihre Weihnachtseinkaeufe angefangen. So organisiert bin ja nicht mal ich.

26. Oktober 2006
Wir bekamen gestern eine erste Gasrechnung von ueber £400 von EDF Energy – mit 2 voellig falschen Zaehlerstaenden drauf. Der richtige Anfangsstand ist 8307, dann hatte ich vor ein paar Tagen online einen Stand von 8324 durchgegeben. Ueber diese 17 Einheiten haette dann auch die Rechnung sein sollen. Statt dessen zitierte die Rechnung einen Anfangsstand von 3277 und einen neuen Stand von 3824. Und ueber diese 580 Einheiten wurde dann auch die Rechnung gestellt. Also riefen wir bei EDF an.

„Ja, der Zaehlerstand von 3277 kommt von TRANSCO, das ist die Firma, der der Zaehler gehoert.“br /> „Bei uns war aber nie einer zum Zaehlerablesen“.
„Aber das ist der Stand, denn wir von TRANSCO bekamen!“
„Das kann ja sein, aber der ist grottenfalsch! Und wieso steht hier eigentlich 3824 und nicht 8324 wie von mir durchgegeben?“
„Ja, das muss manuell geandert worden sein, wir dachten, Sie haetten sich vertippt.“
„Aber ich habe ihnen doch schon lange den richtigen Anfangszaehlerstand durchgegeben!“
„Hm, ja, jetzt wo sie es sagen, laut Computer haben sie am 19. Juli einen Zaehlerstand von 8307 durchgegeben.“
„Aha. Sie kriegen also einen Zaehlerstand von 8324 von mir und haben von TRANSCO einen Zaehlerstand von 3277. Und anstatt in den Akten nachzuschauen, nehmen sie einfach an, dass ich mich vertippt habe und aendern das mal eben manuell, was immer noch eine Anzahl von Einheiten ergibt, die man normalerweise nicht mal in einem Jahr verbraucht, geschweige denn in drei Monaten?“
„Aehm, was kann ich sagen …“

Ne, da faellt mir auch nichts mehr ein. Und das Schoene ist, dass ich mich angeblich nicht sorgen soll, sie glauben mir ja und die Rechnung wird storniert, aber das Ganze muss eben die noetigen Stellen durchlaufen und mit TRANSCO diskutiert werden, und es kann bis zu 28 Tage dauern, bis ich eine neue Rechnung bekomme. Nach einem Anruf bei British Gas ist mir jetzt auch klar, warum ich von denen seit drei Monaten keine Endrechnung bekomme – die haben einen Anfangsstand von 8302 von mir und einen Endstand von 3277 von TRANSCO. Und das passt natuerlich nicht zusammen. Aber anstatt dass die Firma dem mal auf den Grund geht und mich oder TRANSCO oder sonst jemanden anschreibt, wird der Zaehlerstand zwar in Frage gestellt, mir aber selbiges nicht mitgeteilt. Ich liebe den Dienst am Kunden hier.

Wenigstens mein Boss ist happy. Er war von Montag bis Mittwoch auf der EXPO Real in Muenchen und hat prompt seinen Blackberry irgendwo auf dem Ausstellungsgelaende verloren. Heute morgen rief eine Firma aus Hannover an, die das gute Stueck gefunden hat und per Post zustellen wird. „My faith in human nature is restored“, sagte er.

2. November 2006
Der folgende Beitrag ist weder von mir noch spiegelt er meine Meinung wieder (denn meistens koennte ich dieses Land auf den Mond schiessen), aber er ist trotzdem schoen geschrieben, und deswegen zitiere ich ihn hier. Und wenn ihr schoen brav seid, erzaehle ich euch am Wochenende das Neueste aus „Chez Beate and John“. http://www.londonleben.co.uk/london_leben/2006/10/this_country.html

8. November 2006
In der Woche vom 23. Oktober war es seltsam leer im Buero – die Haelfte aller Kollegen hatte Urlaub eingereicht (oder war krank), und dann fiel mir endlich ein, wieso: Es war half-term, also Herbstferienwoche. Da meine Arztpraxis jetzt mittlerweile davon ausgeht, dass die Grippeimpfungen erst Ende November eintrudeln (national shortage, mal wieder), bin ich am 27.10. zu Boots in der Liverpool Street gegangen, die eine flu jab fuer £15 anbieten. Das war auch relativ unkompliziert ohne Termin in der Mittagspause machbar. Und das Geld krieg ich von der Firma wieder.

Am selben Tag kam auch Susanne fuer das London Film Festival eingeflogen, wie jedes Jahr. Sie hatte jede Menge Filme eingeplant, wir haben aber, da ich mir Montag, 30. – Mittwoch 1. November frei genommen habe, auch ein bisschen Sightseeing hingekriegt, unter anderem Greenwich plus Themsefahrt, die Mumien im British Museum und einen aeusserst interessanten „London Walk“ mit dem Thema „Old London“. Der tour guide war eine quirlige Omma mit Apfelbaeckchen und mehr Energie als wir alle zusammen. Laut Broschuere war sie mal Schauspielerin und Dramalehrerin – von der Art, mit der sie ihre Geschichten ueber Christopher Wren und Samuel Pepys erzaehlt hat, kann ich mir das sehr gut vorstellen. Sie hat uns ein paar wunderschoene kleine Kirchen gezeigt, von denen ich bisher ueberhaupt nichts wusste. Vor St. Paul’s Cathedral hat sie uns dann verlassen, wo wir, da es schon fast 17 Uhr war, umsonst reinkamen.

Am Samstag haben wir uns „The Devil Wears Prada“ angeschaut, da ich manchmal einfach nur inhaltsfreie Unterhaltung will am Wochenende. – Schonkost sozusagen. War aber recht gut. Susanne hat sich meistenteils Problemfilme aus der „New English Cinema“ Reihe angeschaut und uns am Mittwoch, ihrem letzten Tag in „Small Engine Repair“ im Odeon West End geschleppt. Der Film handelte von einer Handvoll Loser in einem irischen Kaff (einer betrieb eine Autowerkstatt und einer wollte Country Musiker werden) und ueberraschenderweise war der Film richtig gut. John war von dem Moment an voellig gefesselt, in dem er einen Manta erspaehte, in dem die zwei Hauptfiguren waehrend des Films haeufiger in der Gegend herumfuhren. Da hat Susanne, ohne es zu wissen, zielsicher den wahrscheinlich einzigen Festivalfilm mit einem Manta drin ausgewaehlt! Nach dem Film gab es noch eine kurze Question&Answer session mit Regisseur und Hauptdarstellern und John hat tatsaechlich dem Regisseur fuer die Benutzung des Mantas im Film gedankt!

Nach dem Film flog Susanne direkt nach Hause, und da sie nur mit Handgepaeck unterwegs war, hat man ihr den lemon curd weggenommen, den sie als Souvenir gekauft hatte.

Am Freitag, den 3. hat John fuer £200 einen alten Manta gekauft, nur um ihn fuer Ersatzteile auszuschlachten. Dummerweise war der nicht mehr fahrtuechtig, so dass es ihn nochmal £80 gekostet hat, den von seinem alten Mechaniker in die Garage seines Bruders in Birmingham abschleppen zu lassen. Und jetzt ist er seit gestern dort, um die Schrottkarre auseinanderzuschrauben. Ein paar Sachen will er in seinen Manta einbauen lassen, den Rest will er verscherbeln. Theoretisch sollte das Geld dadurch wieder reinkommen, da Manta-Ersatzteile begehrt sind.

Am Sonntag war Guy Fawkes Night, auch Bonfire Night gedacht. Das ist wenn die Englaender einem Terroristen gedenken, der vor etlichen hundert Jahren versucht hat, das Parlament in die Luft zu sprengen. Da wird soviel Feuerwerk in die Luft geschossen wie sonst in einem Jahr nicht, und es beschraenkt sich auch laengst nicht mehr nur auf eine Nacht. Die ganze Woche wurde geboellert, was das Zeug haelt. Die Luft am Samstag war total schwefelhaltig.

Tower Hamlets Council, das jedes Jahr im Victoria Park in Hackney ein Feuerwerksspektakel abhaelt, hat dieses Jahr anscheinend vergessen, was der Anlass fuer Bonfire Night ist und hat dem Feuerwerk ein „Bengali Tiger Night“ Thema gegeben, was viele mal wieder dazu veranlasst hat, sich besorgt zu fragen, ob die englischen Traditionen in political correctness untergehen (30% aller Bewohner in Tower Hamlets sind Bengalis).

Gestern war ich beim Augenarzt, was mich den ganzen Vormittag gekostet hat. Die Augenoptikerin brauchte 40 Minuten, um zu dem Schluss zu kommen, dass meine Augen sich nicht verschlechter haetten (ich war auch schon voellig kollabiert von den -zig Entscheidungen, welche Linse ich besser finde, 1 oder 2, 3 oder 4…) Der Arzt meinte dann nach sporadischer Durchleuchtung meiner Augen, dass ja alles in Ordnung waere und keinen Folgetermin braeuchte – „nur wenn Sie meinen, dass was nicht stimmt, kommen Sie natuerlich sofort her“. Von Praeventativmedizin haelt man in diesem Land wirklich nicht viel! Werde jetzt mal schauen, wieviel eine einmaljaehrliche Behandlung bei meinem alten Augenarzt in Deutschland kosten wuerde, denn meine Augen sind mir schon wichtig!

Die Fenstersaga geht weiter – wir hatten jetzt schon drei verschiedene Menschen hier, die sich das Badezimmerfenster begutachtet haben, so wie die drei Fenster in Wohnzimmer/Kueche, die mittlerweile auch alle Feuchtigkeit im Innern der Doppelverglasung haben und daher ersetzt werden muessen. Ich bin ja mal gespannt, ob das tatsaechlich noch vor Weihnachten passiert. Wir warten ja auch erst seit Anfang Juni.

12. November 2006
Heute ist mal John dran. [rant on]
Der fuhr ja nach Brum wegen des Mantakaufs. Ich sag noch zu ihm „Nimm deine Rasiersachen und Zahnbuerste etc. mit. Und deine Puschen und den Morgenmantel. Und saubere Unterwaesche“. „Ja klar, mach ich“. Ich komm abends nach Hause und falle als erstes ueber seine Puschen im Badezimmer. Sein Kulturbeutel steht auch noch auf der Ablage. Und der Morgenmantel haengt ueber dem Haken. Dann war das mit der Unterwaesche wohl auch nichts.

Waehrend er dort war, vergass er ueber all dem Autoausschlachten auch glatt das Mittagessen. Dummerweise hatte er, als er es merkte, auch gemerkt, dass er sich aus dem Haus seines Bruders ausgeschlossen hatte (der bei der Arbeit war), und sein Geldbeutel lag oben im Gaestezimmer. Vielleicht war’s aber auch besser so, mit all den Massen an fettem Essen, das er dort aufgetischt bekam. Englische Esskultur eben.

Dann kam er ohne Mantabaseballkappe zurueck. Die er bei seinem Bruder liegengelassen hatte. Macht ja nichts, er hat ja noch seine Salzburg-Kappe. Die liess er dann in der darauffolgenden Woche ebenfalls bei seinem Bruder liegen. Der kann ja bald einen Shop aufmachen damit. Das bedeutete, er hatte nur noch eine andere Kappe (leuchtendrot, eigentlich nicht zu uebersehen), die er dann prompt im Cafe liegenliess, in dem wir am Freitag zusammen zu Mittag assen. Die waren aber nett und hoben sie auf, bis ich Zeit hatte, sie abzuholen. Der Mann wuerde noch seinen Kopf vergessen, wenn er nicht angewachsen waere!

Letzte Woche habe ich mich dazu hinreissen lassen, bei der jewellery lady im Greenwich Market (bei der ich schon 3 Ringe gekauft habe), eine Kette fuer meine Mutter zu kaufen. Bei der Auswahl wurde uns auch eine Kette gezeigt, die mir sehr gut gefiel. „Oh look“, sag ich zu John. „That’s pretty, I like that. Not for my Mum, it’s not her taste, but I wouldn’t mind that for myself.“ „Ja, stimmt er zu, „wirklich huebsch, steht dir“. Wir kaufen also die Kette fuer meine Mutter und gehen nach Hause. Wo er prompt anfaengt zu jammern, dass er KEINE Ahnung hat, was er mir zu Weihnachten schenken soll. Das hat mich doch sofort an den „Things My Girlfriend and I Argued About“ Blog erinnert. Margret beklagt sich „Why didn’t you give me a wormery? I dropped enough hints!“ Mil: „You WHAT? When?“ All the time, mate, all the time. Lasst euch was gesagt sein, ihr Maenner da draussen: Nie wird so heftig mit dem Zaunpfahl gewinkt, ach was, euch mit dem Zaunpfahl ueber den Kopf gehauen wie vor Weihnachten (und Geburtstagen)!! Ihr muesst nur einfach mal ZUHOEREN!!!! Ist denn das so SCHWER?

Leider musste ich John dann nochmal mit der Nase draufstossen, der die Kette heute nachmittag gekauft hat. Wenn ich warten wuerde, bis er von selber auf sowas kommt …
[rant over]

Und zu allem Ueberfluss hat nahe meiner Arbeitsstelle ein schnieker neuer Schokoladenladen aufgemacht: „Hotel Chocolat“. Da bin ich am Freitag aus reiner Neugierde mal rein. Oh mein Gott. Pralinen und Schokoladen in allen Varianten. Und ich wollte doch weniger Schokolade essen, nicht mehr! Das Leben ist ungerecht. Dabei bin ich beileibe nicht uebergewichtig. Aber ein paar Kilo weniger waeren auch nicht schlecht. Aber an Willenskraft fehlt es mir ganz gewaltig. Gestern habe ich diesen Blog entdeckt (wurde in einer Zeitschrift erwaehnt): The Amazing Adventures of Dietgirl, http://www.dietgirl.org

Die Frau ist einfach unglaublich. Innerhalb von 5 Jahren ist sie von 160 kg auf 80kg geschrumpft, von Australien nach Schottland gezogen und hat einen netten Schotten geheiratet, bevor ihr working visa auslief. Ganz abgesehen von ihrem hervorragenden, witzigen Schreibstil hat sie es gerafft: keine merkwuerdigen Diaeten, sondern eine Kombination aus 1. Iss weniger, 2. Iss das Richtige und 3. Exercise. Und beim Sport hapert’s immer bei mir.

23. November 2006
Unter der Rubrik “Man wartet ewig und dann kommen drei Busse gleichzeitig”, waere dieses zu vermelden:

Per Email von der Bueroleitung letzten Donnerstag:

11:31am
Good morning All!
I am just writing to confirm that the December payroll will be run early again this year and your December salary will be in your bank accounts on Friday, 15th December.
Many thanks,
L

11:57am
Dear all,
I am very pleased to be writing to let you all know that you have all been given an additional half day holiday this year to assist you with your Christmas Shopping – courtesy of Mr M!
Please note, this half day is to be taken in December and I would ask you all to liaise with me to ensure we have adequate cover in the office.
Many thanks and kind regards,
L

12:09pm
Dear All!
As promised, I just wanted to write and confirm that this year’s Christmas party is starting at 12.00 Noon, on Friday, 15th December:
The venue is now confirmed as follows:-
(…)
I will forward the menu options to you all shortly (as soon as I have an electronic version) but you will be able to make your choices on the day as there is no need to pre-order. If you do have any questions or queries, please feel free to ask! I am at present exploring options for a suitable “after lunch” venue and shall let you know this nearer the time!
We are looking forward to seeing you there!
With kind regards,
L

Nett, nicht?

Letztes Wochenende haben wir in Northamptonshire mit zwei italienischen Freunden verbracht (ein Zwillingspaerchen), die ich schon seit Jahren kenne. Wir werden auch zusammen Silvester feiern, worauf ich mich schon freue. Sie wohnen in einem fuer England sehr typischen Miethaus: unten ein laengliches Wohnzimmer (fuer englische Verhaeltnisse riesig) mit wunderschoenem Kaminsims. Der Kamin selber ist stillgelegt, aber der mantelpiece ist einfach klasse. Daneben ist die Kueche und hinter der Kueche ist das angebaute Bad (mit Teppichboden). Das war bei Johns Wohnung auch so, daran kann man sehen, wie alt das Haus schon ist. Ueber eine steile Treppe (auch mit Teppichboden) gelangt man in den ersten Stock, in dem sich drei unterschiedlich grosse Schlafzimmer befinden. Dazu noch ein kleiner Garten, und das Ganze kostet die Haelfte unseres Flats in Docklands. Rushden ist ein niedlicher kleiner Ort, dessen high street fast nur aus charity shops besteht. Wir waren bestimmt in 5 oder 6 davon, und haben jetzt genug Weihnachtskarten fuer die naechsten drei Jahre, da interessanterweise charity shops eine bessere und kitschfreiere Auswahl an Karten haben. Da musste ich natuerlich zuschlagen.

Der Manta in Birmingham ist endlich auseinandergenommen und verschrottet worden, jetzt muss er nur naechsten Dienstag ein letztes Mal hin, um die gearbox in seinen eigenen Manta einbauen zu lassen und die Heizung zu reparieren, die nicht mehr tat, seit der Mechaniker vor 2 Wochen oder so irgendwo neue Draehte eingepflanzt hat. Es war eine kalte Fahrt nach und von Northamptonshire!

Und dann das. Gestern abend, kurz vor dem Zubettgehen, John hat sich schon fertiggemacht. Ich gucke fluechtig aus dem Wohnzimmerfenster zum Rowing Club hinueber. Dort ist oefters abends ein Abschleppwagen geparkt, der die letzte Fuhre des Tages dort abstellt, um dann frueh am naechsten Morgen zum scrapyard zu fahren. Aus dem Augenwinkel sehe ich ein weisses Auto auf dem Abschleppwagen. Nun bin ich ja punkto Automarken die reinste Niete. Ich kann gerade noch einen Beetle von einem Mini unterscheiden, bei den groesseren Marken hoert es dann schon auf, wenn die nicht direkt neben mir stehen. Aber jahrelang mit einem Mantaenthusiasten zusammenzusein, faerbt wohl doch ab. Ich sage „John, guck mal, ist das ein Manta?“ und erwarte ein veraechtlich schnaubendes „Das ist ein Ford Mondeo, du Dussel“. Er aber sagt „Das ist allerdings ein Manta!“ Und wird leichenblass. Sein Manta ist auch weiss. „Ich hoffe, das ist nicht meiner“ fluestert er. Gegen jede Vernunft rase ich also aus der Wohnung, um vom Treppenhausfenster einen Blick auf den Hof zu werfen – wo Smellie Nellie friedlich schlaeft. Das waere also geklaert – es gibt in Docklands tatsaechlich zwei weisse Mantas. John kriegt aber nun ein metallisches Glitzern in den Augen. „Die Beifahrertuer sieht gut aus, ob er die mir wohl verkauft, bevor das Auto plattgemacht wird?“ „Frag ihn einfach“ sage ich. „Morgen frueh fange ich ihn ab“ beschliesst er. Sage ich „Spinnst du, der faehrt immer ganz frueh, was, wenn du ihn verpasst?“ „Soll ich etwa die ganze Nacht wachbleiben?“ „Nein, aber du koenntest ihm einen Zettel an die Windschutzscheibe haengen mit deiner Telefonnummer!“ Das hat er dann nach etwas Murren („Es regnet aber“) auch gemacht, und kam mit verklaertem Gesichtsausdruck zurueck. „Die Beifahrertuer ist eingedellt, aber die Scheinwerfer sind klasse und da ist ein original spoiler dran, die sind so selten wie rocking horse shit! Manta Mick kriegt die Krise, wenn ich ihm das erzaehle!“ (Er hat 2 Kumpels mit dem Namen Mick, einer ist Manta Mick und der andere ist Mad Mick. Nur so als nutzlose Info nebenbei). Am naechsten Morgen gegen 7 Uhr piept sein Handy – er hat tatsaechlich eine Nachricht bekommen. 10 Minuten spaeter ruft der Typ auch noch an, sie machen aus, sich in einer halben Stunde zu treffen, und John entspannt sich endlich. Angeblich ist er erst nach 2 Uhr nachts eingeschlafen, weil er so aufgeregt war. Mittlerweile hat er alles ausgebaut, was er wollte und dafuer nur einen Spottpreis bezahlt. Christmas came early, kann man da nur sagen!

Heute wurden auch, nach nur 6 Monaten Wartezeit, schon die neuen Fenster in Kueche und Bad, sowie zwei im Wohnzimmer eingebaut – und eine neue Waschmaschine gab es auch noch! Des weiteren kam eine Lieferung mit bestellten Weihnachtsgeschenken an und die Bueroleitung will uebernachste Woche allen Sekretaerinnen ein “un-official Xmas Support Team gathering” ausrichten. Und mein Horoskop berichtet, dass mein “joie de vivre is returning” und schlaegt vor, dass ich anfange, Franzoesisch zu lernen. Oder Yoga. Ich beschraenke mich erstmal darauf, die Waschmaschine zu zaehmen – ist second-hand, und die Bedienungsanleitung ist natuerlich nicht dabei. Habe eine halbe Stunde gebraucht, um den Ausknopf zu finden.

8. Dezember 2006
Dieser Dezember ist voll gepackt mit Excitement, Christmas Lights switch-on in Greenwich, Kino- und Theaterbesuche, “support staff gatherings” und die offizielle Weihnachtsfeier in einer Woche, vor der es mir echt graust, weil die Maedels alle total ausflippen und mich schon dreimal gefragt haben, was ich denn nun anziehe. Gestern abend ging es zu einer Weihnachtsfeier von Johns Deutschkurs, wir haben auch brav deutsche Lebkuchen und Christstollen mitgebracht, die es hier, man sollte es nicht glauben, bei Aldi und Lidl gibt. Andere brachten Vollkornbrot und Lyonerwurst mit (Sainsburys!), und so war es eine gute Mischung, vervollstaendigt durch Rittersport und Loewenbraeu. Heute habe ich meinen halben Tag “Christmas Shopping Leave”, und wir fahren nach Birmingham, zu Familienbesuchen, Friseurterminen, Weihnachtsmarktbesuchen und allgemeinem Christmas shopping. Obwohl ich die meisten Geschenke schon habe. Die Karten werden auch gerade verschickt, der Baum ist gekauft, wenn auch noch nicht geschmueckt, und die Christmas crackers werden dieses Jahr zu Silvester aufgemacht, da ich mich diesmal nicht traue, diese im Gepaeck nach Deutschland zu schmuggeln, wo wir ueber Weihnachten sein werden. Wir fliegen am Samstag, 23. Dezember nachmittags und kommen am Abend des 28. Dezembers zurueck. Und hoffentlich liegt kein Schnee.

Ganz London ist festlich geschmueckt, man sieht ueberall Lichter und Weihnachtsbaeume, und ein Gebaeude in der Naehe meiner Arbeitsstelle hat eine gesamte Schneelandschaft komplett mit Eisbaeren und schneebedeckten Baeumen aufgestellt. Unser Weihnachtsbaum im Buero ist eher klaeglich, und die Accessoires, die manche glauben, aufstellen zu muessen, relativ unsaeglich – ich sage nur tanzende Weihnachtsmaenner und musizierende Miniweihnachtsbaeume. Und alles blinkt natuerlich. Einen “Secret Santa”, sprich Wichteln gibt es dieses Jahr auch wieder. Hilfe, ich will hier raus!

Gestern fegte ein Tornado durch eine Strasse in Nordlondon, das hat mich an den Twister in Birmingham erinnert, der jetzt auch schon ueber ein Jahr her sein muss, da John da noch in Birmingham wohnte und sein geliebter Manta nur um Haaresbreite von einem umstuerzenden Baum verfehlt wurde. Es ist unglaublich regnerisch und windig momentan, ueberhaupt kein schoenes Wetter. Aber dafuer war es bisher unnatuerlich warm fuer die Jahreszeit.

11. Dezember 2006
Ein anstrengendes, aber erfolgreiches Wochenende! Freitag nachmittag ging es mit dem Manta los, erst zu seinem Bruder, um ein paar Geschenke und Karten loszuwerden, dann zu seinem Cousin Brian + Frau Geraldine, Gel genannt. Bei denen haben wir uebernachtet, und da wir beide total erschoepft waren, ging es frueh zu Bett.

Am naechsten Morgen ging es zuerst zum Friseur, dann in die Stadt zum deutschen Weihnachtsmarkt, wo wir Unmengen Geld fuer Essen, Lebkuchen etc. ausgegeben haben. Es ist mittlerweile wirklich kalt hier, und da Brum noerdlicher ist als London, waren es hier nochmal ein paar Grad weniger. Gott sei Dank hatte ich an Schal, Muetze und Handschuhe gedacht. Dann ging es noch ein paar Geschenke kaufen in Bhs und Debenhams (die beide 20% discount Tage hatten, was sehr praktisch war, da konnte ich aufs Billige noch die Kollegen versorgen), und in Waterstones, ein riesiges Gebaeude mit imposanter Kuppel, stand ein rotgewandeter Chor auf der Treppe und sang englische Weihnachtslieder. Richtig schoen, ich wollte gar nicht mehr gehen. Dann ging es zurueck zu Brian und Gel, um ihnen zwei Gluehweinbecher vom Markt zu ueberreichen, dann zu seiner Mutter ins Altenheim, die die Karte zweimal las, geruehrt war, dann samt Geschenk in ihre Tasche steckte, eine Minute spaeter wieder herauszog und erstaunt sagte “Wo kommt das denn her, von wem ist das, ist Muttertag?” Dann ging es zu seiner Schwester, die nicht da war, so konnten wir in ihrem Zimmer uebernachten. Wir wollten eigentlich noch ins Kino gehen, waren aber schon wieder viel zu kaputt. Bevor wir uns zu einem Fernsehabend zurueckzogen, ging es noch ins naechste Pub – ich liebe Pub Grub, und dieses Pub war keine Ausnahme. Das Essen war super, und die Kellnerin unglaublich freundlich und schnell.

Sonntag morgen ging es dann zu den Sunday markets, wo wir noch ein paar Schnaeppchen gemacht haben (ich besitze jetzt zwei Eisbaeren und einen Eisbaerenkalender, yippie), und dann bekam John einen Anruf vom Bruder, dass Aunty Gladys soeben die Christmas puddings fertiggestellt habe, und er koenne seinen abholen. Das nenne ich Timing! Also ging es auf zu Aunty Gladys, die so taub ist, dass sie statt zu reden schreit. Sie hoerte auch prompt die Tuerklingel nicht, worauf wir ums Haus rumgingen, wo die Kuechentuer offen war. Das nenn ich Vertrauen in deine Mitmenschen. “OH HELLO JOHN” bruellte Aunty Gladys, “LOVELY TO SEE YOU, DEAR!” Ich zog unwillkuerlich meine Muetze etwas weiter ueber meine Ohren, waehrend die zwei verhandelten, dass er einen grossen Pudding kriegt, da er selbst abholt, und dass er doch Dereks Pudding auch gleich mitnehmen soll. Also fuhren wir nochmal zu Derek, dem Bruder zurueck. Dann rief Neil, der Neffe an, der fuer John eine Software kopieren sollte. Die sei jetzt abholbereit. Da Neil erst kuerzlich umgezogen ist, dachte John, es sei schlau, zu Sandra, der Schwester zurueckzufahren, die wohne nicht weit weg und koennte ihm sagen, wo er hin muesse. Die war natuerlich jetzt nicht da, worauf John Neil anrief, der ihn leitete. Von den ganzen Verwandtenbesuchen und “I’ll put the kettle on, would you like a cuppa?” erschoepft, schlief ich prompt auf der Rueckfahrt ein, waehrend es draussen regnete und stuermte.

Mir sind an diesem Wochenende aber wieder ein paar sehr typische Sachen aufgefallen in englischen Haushalten:

Englaender haben keine Buecherregale. Einzig Johns Schwester scheint ueberhaupt Buecher zu besitzen. Wenn, dann hat man Vitrinen, in denen man sein Royal Doulton oder Wedgewood Geschirr zur Schau stellt.

Dafuer ist der Fernseher 24 Stunden am Tag an und laeuft als Geraeuchkulisse im Hintergrund, ob man nun hinguckt oder nicht. Und wenn Besuch kommt, wird der TV auch mitnichten ausgemacht. Als einziges Zugestaendnis schaltet man den Ton weg. Persoenlich finde ich sowas reichlich unhoeflich, aber die kennen das hier einfach nicht anders.

Dabei muessen Englaender staendig Besuch haben, wenn man nach der Anzahl Sofas in den Wohnzimmern schliesst. Nun sind englische Wohnzimmer verglichen mit deutschen sowieso zwergengleich, aber da werden unbekuemmert ein Dreisitzer, ein Zweisitzer UND ein Sessel reingepfercht, so dass fuer viel mehr als einen Fernseher sowieso kein Platz bleibt. Johns Schwester hat mit ihrem Mammutsofa den Zugang zum Garten versperrt, aber wer braucht schon einen Garten?

Englaender lieben gestreifte Tapeten in dunklen Farben und Netzvorhaenge. Und sie sind staendig am Dekorieren. In ausnahmslos allen Wohnungen wurden gerade entweder Waende gestrichen, Vorhaenge gefaerbt, neue Kuechen oder Treppen eingebaut oder ein “ensuite bathroom” errichtet. Zwei Haushalte hatten gerade neue Sofas gekauft, waehrend die anderen zwei kurz davor standen, die alten hinauszuwerfen (die zugegebenermassen scheusslich waren, aber die neuen waren auch nicht besser). Neil in seiner neuen Wohnung hat tatsaechlich mal die moderne Schiene versucht mit beigen Waenden und hellem Sofa, aber dann ruinierte er den guten Eindruck wieder, als er sagte “Und in diesem Zimmer werden wir eine Wand purpur streichen und einen schwarzen Drachen draufmalen.” Und sein Wohnzimmer war ausser mit Riesensofa noch mit einem langen Tisch und 6 Stuehlen vollgestellt, obwohl sie da zu zweit wohnen und in der Kueche schon ein runder Tisch mit vier Stuehlen steht. Erklaer mir mal einer die Englaender.

12. Dezember 2006

Habe gestern die erste Weihnachtskarte einer Buerokollegin erhalten. Am Wochenendegab’s schon ein paar Karten von Johns Verwandten, aber die sehen wir ja nun nicht mehr bis ins neue Jahr. Dann fiel mir ein, dass ich meine Karten auch schon vor dem Wochenende weggeschickt habe, irgendwie faengt Weihnachten in England frueher an als anderswo. Als ich noch klein war, wurde der Baum auch nie vor dem 23. Dezember aufgestellt und geschmueckt, hier faengt man damit Anfang Dezember an. Aber die Kollegen muessen bis naechste Woche warten, das ist noch frueh genug fuer die Bande.

Gestern sass ich in der DLR auf dem Weg nachhause und las muede mein LondonLite, habe also die Gruppe kichernder Maedels nicht weiter beachtet, die im Gang rumstanden. Bis eine mich ansprach. “Beate, hi, how are you doing?” Es war meine ehemalige Nachbarin Charlotte,die gerade mit einer Horde Freundinnen auf dem Weg zum Kino war. “Ach”, sag ich “The Holiday” wollte ich auch noch angucken.“ Da meinte sie “Komm doch einfach mit, wir haben noch eine Karte uebrig”. Nach etwas Zoegern habe ich zugestimmt und John angerufen “Aeh, ich geh ins Kino mit Charlotte, sie hat mich gerade gefragt.” Kam es total beleidigt zurueck “Oh I see, and I am not invited then?” Hab ich gesagt, wenn es ihm nichts ausmacht, mit ca. 9 Frauen in eine romantic comedy zu gehen, ist er herzlich eingeladen. Er hat sich also in den Sattel geschwungen und es stellte sich heraus, dass zwei, nicht nur eine Karte uebrig war, dieses Problem war also geloest. Ihm hat der Film sogar gefallen. Ich fand ihn etwas suesslich, obwohl Kate Winslet immer gut ist.

Meine Hasskollegin heiratet am 12. Januar (keine Ahnung, warum gerade dann, und es wurde auch erst vor 4 Wochen oder so beschlossen), und nachdem ich mir jetzt schon die ganze Zeit ihre Geschichten rund um die Hochzeit anhoeren muss, vor allem wie die boese deutsche Schwaegerin versucht, ihre Hochzeit umzuorganisieren, bin ich doch tatsaechlich zum Abendempfang eingeladen worden. Na ja, in Putney war ich noch nie, und John darf auch mitkommen, obwohl ich nicht weiss, ob das so gut ist, er hat naemlich mal geschworen, ihr eine zu semmeln, als ich ihm von ihr erzaehlt habe, und das kaeme an ihrem Hochzeitstag wohl nicht so gut. Und Constanze hat gedroht, mich zum Kleiderkauf in M&S zwangszuverpflichten – HILFE!

13. Dezember 2006
Nur noch zwei Tage bis zur Weihnachtsfeier und alle drehen sie durch. “Was ziehst du an, was machst du mit deinem Haar, ich lass mir noch die Augenbrauen zupfen und faerben, guck mal meine Schuhe, schwarz mit Spitzen….” etc. Constanze-“wann gehen wir einkaufen?”-Verraeterin will mich immer noch in ein Kleid stecken, und ich fange demnaechst an, die Herren zu fragen, welche Krawatte sie tragen werden! Himmel nochmal! Reicht doch schon, dass es zwar um 11.30 in Taxis losgeht, aber vor 14 Uhr kein Essen gibt und ab 18 Uhr eine Bar am Leicester Square gebucht wurde, damit man sich so richtig besaufen kann, falls man das vorher nicht schon geschafft hat. Dann gingen auch heute die Menus rum, damit man sich schon was aussuchen kann. Als Hauptgericht stehen zur Auswahl entweder ein Riesen beef steak, ein ganzer Lobster oder “turkey with all the trimmings”. Und zum Nachtisch Bread and butter pudding oder Christmas pudding. Huch. Gott sei Dank wurde im Email noch ein vegetarisches Menu erwaehnt, nach dem ich mich dann zaghaft erkundigt habe, und das etwas weniger heftige Optionen enthaelt: Tomato and mozzarella salad, homemade flans with mushroom, asparagus and spinach, und zum Nachtisch crème caramel, ice cream oder strawberries with cream. Puh. Gerettet.

21. Dezember 2006
Gott sei Dank, die Weihnachtsfeier ist ueberstanden. Empfehlen kann ich dieses schnieke West End Restaurant leider nicht – die waren desorganisiert, unprofessionell und unfreundlich, wir sassen total zusammengedraengt an einem langen Tisch, und zu allem Ueberfluss war das Essen auch noch nicht mal so toll. Ich hatte Crème Caramel bestellt, aber kurz vor den desserts wurde mir ploetzlich mitgeteilt, dieses sei ihnen ausgegangen. Wie kann einem Restaurant etwas ausgehen, was 2 Stunden vorher bestellt wurde! Hab ich halt Erdbeeren mit Sahne bestellt. Die ploetzlich alle anderen auch wollten, weil deren Nachtisch nicht so toll war. Das hat die Kellner total aus dem Konzept gebracht. “Aber sie haben doch schon was!” Daniel hat als einziger den Hummer bestellt, und da er keine Ahnung hatte, wie man den isst, kamen von allen Seiten die Tips, mit welchen Instrumenten er das Fleisch wie rauspulen soll. Und der Boss dachte, es sei total komisch, als arabischer Scheich verkleidet rumzusitzen. Bloss weil er kurz vorher geschaeftlich in Dubai war und da billig ein Kostuem erstanden hat.

Die Leutchen im Buero haben jetzt ihre Geschenke gekriegt sowie den obligatorischen Lebkuchenmann vom Weihnachtsmarkt in Brum. Ein Paket voller Geschenke kam am Montag an von einem Kunden in Deutschland, und fuer Constanze und mich lagen deutsche Weihnachtsplaetzchen dabei! Mir war gar nicht klar, wie gluecklich mich sowas machen kann. Constanze stiess auch einen Jubelschrei aus, als sie ihre sah. Von einer Kollegin gab es einen kleinen Eisbaeren, und von der Firma Champagner und eine Halskette. Ueber mein Secret Santa-Geschenk huellen wir besser den Mantel des Schweigens.

Am Samstag gab es vor dem Rowing Club eine Schlaegerei, als aus dem benachbarten Community Centre etwa 20 Jugendlich rausstroemten und mit einer Party aus dem Club zusammenprallten. Zwei von denen hielten sich nachher den Kopf, und es war eigentlich ganz unterhaltsam zu sehen, wie die Polizei, die ich gerufen hatte, versuchte, Ordnung zu schaffen und die zwei Rowdies zu beruhigen. “Mann, jedes Mal, wenn ich auf das Pflaster druecke, kommt mehr Blut” klagte der eine und hielt sich den Kopf. “Okay, wir fahren dich zu Whitechapel Hospital”. Fragt der zweite “Koennt ihr mich mitnehmen?” Die zwei ganz entruestet “Nein, wir sind kein Taxi Service!” “Aber es liegt doch auf dem Weg!” In diesem Moment springt der erste wieder aus dem Polizeiwagen raus und die Polizistin wirft die Haende gen Himmel “Herrje, ihr zwei Trunkenbolde, einigt euch mal, wo ihr hinwollt, wir fahren jetzt, wenn’s schlimmer wird, ruft ne Ambulanz”. Kurz nach 2 Uhr war dann endlich Ruhe.

Nur noch ein Arbeitstag bis zum Weihnachtsurlaub. Am Samstag geht der Flieger. Hoffentlich ueberstehe ich diese Woche, John fing sich Freitag eine Erkaeltung ein und hat die mittlerweile an mich weitergegeben. Typisch, knapp vor Weihnachten. Er schnieft und kraechzt rum und ich war Dienstag und Mittwoch auch bettlaegerig. Zu allem Ueberfluss liegt dicker Nebel ueber London, und die Haelfte aller Fluege aus Heathrow ist gestrichen. Wir fliegen zwar von Stansted aus, aber ich mach mir doch jetzt Sorgen. Constanze sitzt gerade am Flughafen dort und wartet auf ihre verspaetete Maschine. Und ich hab gerade mal wieder die Laermpolizei gerufen wegen des Rowing Clubs.

22. Dezember 2006
Na super, guckt man auf www.baa.com, steht da „Stansted is experiencing delays of up to 30 minutes, but there are no cancellations.“ Wenn man dann auf den Departure Link klickt, kommen jede Menge Cancellations, darunter beide Friedrichshafen Fluege (hin und zurueck) heute abend. Das stimmt mich toll ein auf morgen, wenn ich mein Glueck nach Friedrichshafen versuche. Anders kommen wir sowieso vor Weihnachten nicht mehr rueber, der Eurostar ist ja wohl auch schon so gut wie ausgebucht, und eine kleine Weltreise waere das auch. Scheissnebel. Und das GENAU zu Weihnachten. Na ja, vielleicht komme ich ja tatsaechlich dieses Jahr in den Genuss des weihnachtlichen englischen Fernsehprogramms.

Autor: Beate
Beateher@yahoo.com

*****

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de



Mind the Gap 4b
1, 22 September, 2008, 12:12
Gespeichert unter: Menschen

Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 3″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 4“ unterteilt in 4a bis 4c.

Foto: © promifotos.de (Alexander Hauk) / pixelio

20. Januar 2006
Nie wieder buche ich einen Flug fuer den Boxing Day. Wir hatten in weiser Voraussicht das Taxi eine Woche vorher bestellt und am Tag vorher nochmal bestaetigt, standen dann aber um 5.30 morgens trotzdem fuer 15 Minuten wie bestellt und nicht abgeholt auf der Strasse rum – der Fahrer konnte uns partout nicht finden. Ist ja auch sauschwer fuer einen oertlichen Fahrer … Dann setzte er uns auch nur irgendwo vor der Liverpool Street Station ab und wir hatten keine Ahnung, wo denn nun der Bus abfuhr. Anderen ging es aber aehnlich, und endlich erschien mal aus den Eingeweiden einer gespenstisch stillen Zugstation ein Uniformierter, der uns den Weg wies. Der Bus war dann genauso schnell wie normalerweise der Zug, um diese Tageszeit auch zu erwarten. Der Rest der Reise verlief problemlos, nachdem ich am Tag davor noch eine mittelschwere Panik ueberwinden musste, als Johns Pass („Wieso, den hast doch DU“) sich erst nach einer halben Stunde intensiven Suchens finden liess. Obwohl wir ueber 2 Stunden vor Abflug am Flughafen eincheckten, waren wir doch schon Nr. 39 und 40. Und wie jedermann weiss, muss man versuchen, in die 1 – 65 Kategorie zu kommen (oder ein Kleinkind dabei haben), um sich noch einen guten Platz im Flieger aussuchen zu koennen.

Mir schwante schon Uebles, als ich vom Flugzeug aus auf die weisse Landschaft um Friedrichshafen herum blickte, aber die Kaelte traf mich dann doch wie ein Hammerschlag. Wie gut, dass ich meine waermsten Klamotten dabei hatte, die Wohnung meiner Mutter war dann auch nicht so warm. Sie isch halt a Schwob und spart gern. Ihr Kachelofen hat dann vieles wieder gut gemacht. Im Rueckblick verschwimmen die Tage zu einer Einkaufs- und Essorgie. Wir hatten wirkliche Befuerchtungen, dass wir unsere Ryanair Koffergewichtserlaubnis (30 kg insgesamt) schwer ueberschreiten wuerden mit all den Klamotten, Buechern, Suppen, Pastasossen und Gewuerzen, die ich UNBEDINGT einkaufen musste, aber am Schluss waren es doch nur 29,30 kg. Gott sei Dank fuer 10kg Handgepaeckerlaubnis pro Person. Den Film “Merry Christmas” kann ich empfehlen – da er dreisprachig war, hat John auch das meiste mitgekriegt. Silvester war dann unbeschreiblich langweilig, und am naechsten Morgen ging’s wieder nach Hause. Familie ist ja nett, aber am nettesten mit dem Aermelkanal dazwischen.

Vor kurzem wurde in der City Road, nahe Old Street tube station, das Bavarian Beerhouse wieder eroeffnet, und so sind John und ich am Freitag abend mal vorbeigegangen, in der Hoffnung auf gutes Essen (ich) und gutes Bier (er). Seine Hoffnung wurde erfuellt, meine leider nicht. Die Wuerstchen waren viel zu klein und der Kartoffelsalat durchtraenkt mit Mayonnaise. Zudem war es unglaublich laut, was auch jede Unterhaltung im Keim erstickt hat. Und da das Essen auch total ueberteuert ist, kann ich das Beerhouse fuer Besucher nicht empfehlen und werde da selber auch nicht mehr hingehen. Wenn man bedenkt, wie nett und gemuetlich die englischen Pubs sind und wie gut der pub grub, faellt die Wahl auch nicht schwer.

Meine Urlaubsplanung laeuft auf vollen Touren. Da Ostern mal wieder auf meinen Geburtstag faellt, nehme ich da frei, sowie rund um den Bank Holiday Ende August. Dann hat mich eine Freundin zu ihrer Hochzeit im Juni eingeladen, und da die im oesterreichischen Zell am See stattfindet, machen wir da einen einwoechigen Urlaub draus, mit Besuch in Salzburg. Die Fluege habe ich gerade eben gebucht fuer die Haelfte des Geldes, das es noch vor ein paar Wochen gekostet haette. Manchmal lohnt es sich doch, zu warten! Jetzt darf ich allerdings nicht mehr checken, fuer den Fall, dass die Fluege in einer Woche fuer £0.01 angeboten werden …

Wenn wir allerdings heute abend die Euromillions gewinnen, ist das alles egal. Der Jackpot steht momentan bei ueber £85 Millionen, aber ich bin ja gar nicht so – £5 Millionen wuerden mir durchaus reichen. Man ist ja bescheiden.

Und ich gucke gerade alle 5 Minuten zum Kuechenfenster hinaus, ob ich den Wal in der Themse sehe, der sich heute morgen bis rauf nach Westminster in die Innenstadt verirrt hat, was viele zu Bemerkungen veranlasst hat wie “Der muss maennlich sein, der hat nicht nach dem Weg gefragt” und “Hoffentlich hat er auch die Congestion Charge bezahlt”. Ein kleiner Flaschennasenwal, der sich gerade wieder zur Thames Barrier zurueckkaempft. Hoffentlich geht das mal gut.

21. Januar 2006
Spiegel.de schreibt: „Den Londoner Wal-Helfern ist ein überraschender Erfolg gelungen: Mit Hilfe eines aufblasbaren Pontons haben sie den Wal, der sich in die Themse verirrt hatte, aus dem flachen Wasser des Flusses befreit. Anschließend hat ein Kran den tonnenschweren Meeressäuger auf einen Lastkahn gehoben. Das Schiff ist derzeit auf Kurs in Richtung Nordsee und wird voraussichtlich gegen 20 Uhr die rund 60 Kilometer von London entfernte Themse-Mündung erreichen.“

Der besagte Lastkahn fuhr vor 5 Minuten an unserem Haus vorbei, wir haben vom Balkon aus zugeguckt. Ohne John haette ich das Spektakel verpasst. Der hoerte was Laermiges den Fluss herunterkommen, dann sahen wir all die Menschen, die das Flussufer in beiden Richtungen saeumten und sind nach der Kamera gerannt. Von Constanze kam vor 4 Stunden eine SMS, dass sie auf der Battersea Bruecke steht und die Rettungsaktion beobachtet. Da waren wir in Lewisham, um das Einkaufszentrum zu testen, in dem wir noch nie waren, obwohl ich jetzt hier schon 2 1/2 Jahre lebe. Wir kamen uns vor wie in Birmingham: Klasse Schnaeppchen ueberall und ein Strassenmarkt mit frischem Obst und Gemuese davor. Und das Ganze ist nur 10 Minuten weit weg! Nur den „sausage man“, einen Deutschen, der im Zentrum angeblich Wurst verkauft, haben wir nicht gefunden – wir werden die Suche naechstes Wochenende intensivieren.

Nachdem wir die Euromillions doch nicht gewonnen haben, ist es immer gut, zu wissen, wo die Schnaeppchen sind. Der Jackpot ist mittlerweile auf £100 Millionen angewachsen …

Spaeter
Der Wal ist tot.

14. Februar 2006
Johns Hauskaeufer ist im Januar wieder abgesprungen, er wollte das Haus jetzt noch billiger haben, da “der Markt doch tot sei”. Grummel. Fangen wir eben wieder von vorne an.

Im Januar kam ja endlich die lang ersehnte Botschaft ueber die Hoehe der jaehrlichen Gehaltserhoehung + Bonus. Ich muss sagen, dass ich es hoechst entspannend finde, beides automatisch zu bekommen – ein deutliches Plus fuer die Englaender, auch wenn unsere Firma immer erst Ende Januar zahlt – viele bekommen ihren Bonus mit dem Dezembergehalt, die Bonusse im Bankenbereich kommen aber anscheinend erst jetzt. Dafuer sind sie auch viel hoeher.

Daraufhin habe ich im Ausverkauf am Wochenende zugeschlagen und ein paar weitere Buerohosen bei Marks & Spencer erstanden, die wie hier ueblich, statt mit einem Reissverschluss und einem nach aussen schliessenden Knopf, mit einem Reissverschluss, einem nach INNEN schliessenden Knopf UND einem Hakenverschluss ausgestattet sind. Dafuer sind wir ins Lewishamer Einkaufszentrum gefahren, das die ueblichen Hight Street Shops aufweist: M&S, Next, Boots, Bodyshop, Mothercare, British Homestores, Clinton Cards etc. Und einen Poundstretcher, fuer den kleinen Geldbeutel. Und den “sausage man” haben wir diesmal auch gefunden! Ein deutscher Wurstverkaeufer, der viel billiger ist als der German Deli auf dem Borough Market, und der Mann kommt aus Ravensburg – das ist bei mir zuhaus um die Ecke!

Man sollte es nicht glauben, was Restaurants hier am Valentinstag fuer ein Menue verlangen! Diesen Quatsch machen wir nicht mit, und ich habe John beauftragt, was Schoenes zu kochen. Gestern habe ich ihn zum West India Quay Kino geschickt, da ich zwei Gutscheine gesammelt hatte fuer kostenlose Tickets zu einer Vorpremiere von “Casanova”. Als er nach einer Stunde endlich schwer atmend wieder eintraf (ich wollte schon Suchtrupps losschicken, da er auch sein Handy zuhause vergessen hatte) – war er ohne Tickets, die waren schon alle, aber dafuer mit 12 roten Rosen bewaffnet. Von denen 4 keinen Kopf mehr hatten. Also ist er heute reklamieren gegangen und bekam das Geld zurueck und noch 6 Rosen umsonst. So sollte das immer laufen.

Seit ich hier lebe, denke ich viel mehr ueber Geld und meine Finanzen nach als frueher, weil hier alles so unglaublich teuer ist. Schnaeppchen, Umsonst-Angebote – ich bin dabei. Jetzt habe ich auch noch zwei neue Sparkonten angelegt, eins fuer 10% (aber nur fuer 10 Monate, Maximumbetrag £150 pro Monat) und einen Online Saver von HSBC fuer 4.75%, Laufzeit und Einlage bis zu 2 Millionen unbegrenzt, allerdings kriegt man keine Zinsen in einem Monat, in dem man Geld von diesem Konto abhebt. Hier gibt es auch noch die schoenen Einrichtung der sogenannten Cash Mini ISAs – Sparkonten, auf die man bis zu £3000 pro Steuerjahr einzahlen kann und die Zinsen, die zwischen 4 und 5 % liegen, steuerfrei bekommt.

Habe gerade gelesen, dass die ID Cards, obwohl Blair in Afrika festsass, doch durchgekommen sind bei der House of Commons vote, so dass ab 2008 jeder britische Staatsbuerger und auch Auslaender, die laenger als 3 Monate hier leben, einen haben sollen. Pflicht ist er vorerst nur fuer die, die 2008 gleichzeitig einen Pass beantragen, also komme ich, da deutscher Pass, wohl noch ein paar Jahre drum herum. Ich sehe eigentlich auch nicht ein, warum ich einen Pass und zwei Personalausweise mit mir herumschleifen soll. Wenigstens wurde gestern im House of Commons beschlossen, ab Sommer 2007 ein generelles Rauchverbot in oeffentlichen Plaetzen (pubs, private clubs, Kinos, Theater, Restaurants etc.) einzufuehren. Wird auch Zeit. Irland hat seit 2004 Rauchverbot, in Schottland kommt es im Maerz.

Und jetzt hat Ryanair auch noch eine Gepaecksteuer eingefuehrt. Sodom und Gomera, wie Else Kling sagen wuerde.

23. Februar 2006
ES SCHNEIT! Alle sind aus dem Haeuschen, und wenn der weisse Plunder liegen bleibt, gibt’s Chaos auf Strassen und Schienen wegen 1 mm Schnee. Krankkeiten gehen ja eh schon um, der „winter vomiting bug“ macht die Runde und jeder fuerchtet sich vor der Vogelgrippe. Ich bin noch ueberraschend gesund, aber die Bueromannschaft ist dezimiert zur Zeit. Englaender halten echt nichts aus.

11. April 2006
Was lange waehrt, wird endlich gut! Johns Wohnung wurde am 17. Maerz verkauft. TUSCH!!! Ich konnte es erst gar nicht glauben. Nach all der Zeit! Hier ist es ja so, dass man einen Vertrag unterschreibt, dann gibt’s kein Zurueck mehr, aber die Wohnung wechselt erst mit dem “completion date” den Besitzer, und das ist normalerweise ein paar Wochen spaeter. Bei John war es nur eine Woche und so ist er nach Birmingham gefahren und hat tagelang das Haus ausgeraeumt, Dinge abtransportiert, geputzt, Wasser und Strom abgelesen und alles um- bzw. abgemeldet. Er kam total erschoepft und 4.5 kg leichter, aber stolz wie ein Pfau zurueck, und wir haben dann gleich mal sein Geld gut angelegt (da er momentan arbeitslos ist, muss er auch keine Steuern auf Zinsen zahlen).

Trotzdem sparen wir gerade, wo es geht. John kennt eine Computerspezialistin in Birmingham, die Computer fuer lau repariert (da lohnt sich sogar die Anfahrt von London), dafuer haust sie aber auch in einter dreckigen heruntergekommenen Bude mit drei Rottweilern im Garten. Und sie ist Kettenraucherin. Das ging dann so “Also Donna *hust* kannst du mal gucken, warum mein Computer immer *hust* so langsam ist und ausserdem … *groessererhustenanfall* “Soll ich das Fenster aufmachen?” Das waere *hust hust* ganz prima, danke *roechel*

Unser Vermieter kam Ende Maerz mal wieder an mit dem Wunsch, die Wohnung in Staub huellen zu wollen, da er eine Wand zwischen Kueche und Wohnzimmer abreissen will, um die Kueche “open-plan” zu machen und eine “breakfast bar” einzurichten. “Ich hab das in all meinen anderen Wohnungen auch, und es sieht wirklich gut aus.” Ganz abgesehen davon, dass wir weiss Gott keine Fruehstuecksbar brauchen, wenn der Tisch gleich daneben steht und dass wir die Nase voll haben von seinen stuemperhaften Verbesserungen (unsere Klospuelung wuerde auf ewig weiterspuelen, wenn wir nicht jedesmal den oberen Deckel abheben und den roten Ball innen runterdruecken wuerden, und das ist nur ein Beispiel von vielen), moegen wir nunmal die Wohnung so wie sie ist, und diese doofen offenen Kuechen konnte ich noch nie leiden, da man nie die Tuer zu den Kochausduenstungen und zur laermenden Waschmaschine zumachen kann. Von daher haben wir diesmal nein gesagt, denn er braucht unsere Einwilligung dazu. Ein paar Tage spaeter, das war vor einer Woche, genau an Johns Geburtstag, kam dann das zweizeilige Email, in dem er mitteilte, dass er die Wohnung zu verkaufen gedenke und daher unseren Vertrag nicht wieder erneuern wuerde. Der laeuft Ende Oktober aus, und bis dahin kann er uns nicht rauswerfen, aber danach hat er natuerlich jedes Recht dazu. Stellt sich natuerlich die Frage, ob er wirklich die Wohnung zu verkaufen gedenkt. Wenn nicht, luegt er uns an, wenn doch, haette er einfach seine Verschlimmbesserungen machen wollen, waehrend wir drin wohnen und Miete zahlen und haette uns danach die Nachricht verpasst. So oder so nicht wirklich ehrlich, oder was denkt ihr?

John hat es erstmal den Geburtstag verdorben, aber dann wurde er kaempferisch. “Wir gehen ab morgen auf Wohnungssuche, ich will hier lieber heute als morgen raus, wenn der uns so kommt!”. Eigentlich will ich unserem Vermieter nicht wirklich einen Gefallen tun, aber wir haben nur eine einmonatige Kuendigungsfrist, und die habe ich neulich auf eine Woche heruntergehandelt, also sind wir zur Zeit im Besichtigungsfieber. Leider koennen wir uns Docklands nicht mehr wirklich leisten – mir ist erst jetzt klar geworden, wie gut wir es bis jetzt hatten, und nicht nur mit dem Preis. Es nicht schwer, etwas Neues zu finden, aber es ist unglaublich schwer, etwas Gutes zu finden. Zum einen ist hier alles schweineteuer, zum anderen haben die Englaender ein anderes Verhaeltnis zu Platz. Was wir fuer klein halten, halten die hier fuer gross. Auch da hatten wir es bisher gut, ein fuer englische Verhaeltnisse ueberdimensional grosses Wohnzimmer unser eigen zu nennen, was mir damals bei der Besichtigung gar nicht so aufgefallen ist, da die Groesse in etwa war wie bei meiner alten Wohnung in Deutschland.

Um das Preisproblem zu umgehen, gucken wir jetzt etwas weiter draussen nach, zuerst in Lewisham (aber da ist es nicht so schoen) und nun in Woolwich, das momentan per British Rail und Faehre zum Nordufer angebunden ist (in 2 Jahren kommt dann die DLR dazu). Leider ist es in Zone 4, meine Travelcard wird also teurer werden, aber das koennen wir hoechstwahrscheinlich ueber die billigere Miete wieder reinholen, und John faehrt sowieso ueberall umsonst.

Also haben wir uns am Samstag bei schoenstem Sonnenschein 4 Wohnungen in Woolwich angeschaut, und uns gefaellt die Gegend ausgesprochen gut. Das Zentrum gleich an der Woolwich Arsenal Station hat alle Laeden, die man braucht, und John war ganz besonders angetan von den Maerkten, die ihn sofort an Birmingham erinnert haben. Die erste Wohnung war im Zentrum, das ist uns dann doch zu laut, ist zwar alles doppelt verglast, aber man will ja im Sommer auch ab und an mal das Fenster aufmachen. Die zweite Wohnung war in Royal Arsenal, und da gefaellt es uns sehr gut, da ist es ruhig und Flussblick hat man auch. Leider sind das dort alles Neubauten und die sehen alle gleich aus. Zwei kleine Schlafzimmer, ein kleines Wohnzimmer mit winziger open-plan Kueche, dafuer aber zwei Badezimmer, eines davon en-suite. Das mag ja zwei Bankern vielleicht zusagen, die flaezen sich auch gerne in die schwarzen Ledersofas, aber ich will ersten sowieso lieber unmoebliert und zweitens verstehe ich nicht, warum in diesen Wohnungen immer alles huebsch aber total unpraktisch ist. Keine Abstellflaeche im Bad und kein Sofabett fuer Gaeste, aber Hauptsache man hat eine Spuelmaschine und “granite worktops” (Arbeitsflaeche aus Granit) in der Kueche. Und statt des zweiten Bads haette ich lieber mehr Wohnflaeche.

Die letzte Wohnung hat mich dafuer beinahe umgehauen. Eine “church conversion” (Umbau einer Kirche) mit fuer englische Verhaeltnisse unglaublich riesigen Raeumen, allein der Flur wuerde schon 2 unserer Buecherregale aufnehmen. Ruhige Gegend, Garten, off-street parking, unmoebliert, allerdings auch wieder 2 Badezimmer und open-plan kitchen. Wir haetten sie beinahe genommen, wenn die Zimmerhoehe nicht ungefaehr 5 Meter betruege (da heize ich ja staendig die Decke), und die Kirchenfenster nicht erst bei ca. 1,50m begaennen, so dass ich die sowieso nicht sehr attraktive Aussicht ueberhaupt nicht sehen kann. Wirklich schade, als ich die grossen Raeume sah, bin ich erst mal umgekippt.

Also, die Suche geht weiter. Wohnungen ohne open-plan kitchen scheint es ja fast nicht mehr zu geben hier. Aufgefallen ist mir auch ein neuer Trend: Lampen nicht an der Decke, sondern in der Mitte der Wand. Diese Leuchten sehen zwar nett aus, verhindern aber, dass man eine ganze Buecherregalwand aufbaut. Aber anscheinend lesen Londoner ja eh nicht, wenn man sich mal die Moeblierung in diesen Luxusschuppen ansieht.

Ueber Ostern (das diesmal auch noch auf meinen Geburstag faellt) wollten wir eigentlich an die Kueste runter, aber ersten haben wir nichts gebucht und zweitens ist das Wetter nicht wirklich berauschend dieses Jahr (Kent hatte gestern sogar nochmal Schnee), daher haben wir uns kurzentschlossen fuer drei Tage in Tintern, Wales eingebucht, wo wir vor zwei Jahren schon mal waren (damals allerdings im Juni).

Morgen faengt hier eine Ausstellung an, die sich “Bodies” nennt und wie weiland bei von Hagens “Koerperwelten” jetzt schon fuer Aufsehen sorgt, da sie zum Teil die gleichen Exponate zu zeigen scheint (plastinierte Koerper und Koerperteile, recht gruselig fuer viele). Ich fand das damals hoch interessant und habe beschlossen, John in den Osterferien reinzuschleifen. Mal sehen, ob wir noch Karten kriegen.

Fuer Mai haben John und ich eine gemeinsame Geburtstagsparty geplant, mal schauen, ob wir da noch im alten Flat sind! Wer also den Flussblick von Docklands aus geniessen will, muss uns bald besuchen kommen!

5. Mai 2006
Ostern in Tintern, Wales war richtig schoen! Wir waren in einem B&B untergebracht, das uns nicht nur ein Zimmer sondern ein ganzes kleines Cottage zur Verfuegung stellte, mit Schlafzimmer, Bad und Wohnzimmer mit Minikueche sowie eigener Terasse, die auf einen riesigen Garten hinausfuehrte. Das ganze ohne Strassenlaerm, dafuer mit Sonnenschein und Vogelsang – Glueckseligkeit. Das Essen war mal wieder hervorragend, und an meinem Geburtstag sind wir ganz schick ins Hotel essen gegangen. Ich hab mich vor lauter gedaempfter Musik und warmen Broetchen, die mit Zangen angefasst wurden, kaum zu fluestern getraut – ich bin wohl doch eher der Typ fuer robuste Pubs. Wir hatten richtig Glueck mit dem Wetter und haben mal wieder viele Burgen besichtigt (inklusive dreimal Ostereiersuchen in den Burgen fuer die Kinder, zu denen ich mich in solchen Momenten zaehle) sowie einen Flohmarkt besucht und einen Mantareifen repariert. Eine Freundin schenkte mir zum Geburstag ein Ostereisuchset, das wir dann im Cottage ausprobiert haben (John meinte “Ich mach das nicht da draussen im Garten, wo mir jeder zugucken kann!”)

Am Ostermontag waren wir gerade auf dem Rueckweg ueber Eastnor Castle (wunderschoenes Schloss), als Johns Bruder anrief mit der Nachricht, dass Dad gerade gestorben waere. Die Beerdigung war am 27. April, und Johns Mutter, die mit seinem Vater im Heim gelebt hatte und unter Alzheimer leidet, hat ueberhaupt nicht begriffen, was los war. Sie meinte am Abend nur, es sei schoen gewesen, die ganze Familie mal wieder versammelt zu sehen und wo sei eigentlich Bill? Schon traurig.

Der Manta hat natuerlich auch mal wieder schlapp gemacht, wir haben es gerade noch bis zur Werkstatt in Birmingham geschafft. Was dieses Auto schon alles an Reparaturen auf dem Buckel hat, geht auf keine Kuhhaut. Aber John weigert sich ja standhaft, sich ein anstaendiges Auto zuzulegen!

Ueber das lange Wochenende mit dem Maifeiertag sind wir doch tatsaechlich mal zuhause geblieben und haben Dinge aufgearbeitet, da ich mir auch nach Ostern noch eine Erkaeltung eingefangen und an John weitergegeben hatte und noch nicht wirklich auf der Hoehe war. Dafuer ist seine Benefit Saga hoffentlich bald positive beendet. Nach etlichem Hin und Her wurde ihm gnaedigerweise beschieden, dass man ihm ausnahmsweise Housing und Council Tax Beneft nachtraeglich bis zum Datum seines Hausverkaufs zahlen koennte (danach hat er naemlich zuviel auf dem Konto), da er ja in gutem Glauben gehandelt haette (natuerlich kein Wort davon, dass die Benefits People selber seinen Antrag verbockt haben mit falscher Information).

Ich habe jetzt sogar einen Zahnarzt! TUSCH! Habe einen in Greenwich gefunden, der NHS Patienten aufnimmt, und der war von meinen Zaehnen sogar richtig begeistert. Mein Zahnarzt zuhause hatte mich immer geschimpft, dass ich nicht genug putze. Aber hier ist der Standard halt doch etwas niedriger. Waere ich hier aufgewachsen, haette ich niemals die Zaehne, die ich jetzt habe, da hier Behandlungen selbst fuer NHS Patienten ganz schoen ins Geld gehen. Ich musste auch als allererstes bei der Rezpetionistin £15.50 entrichten, damit ich registriert werden darf.

Mal schauen, was bei den Local Elections herauskommt, bei denen ich sogar mitwaehlen durfte, nicht dass es einen Unterschied gemacht hat. Die Labour-Party hat ja ziemlich Federn gelassen, Home Secretary Charles Clarke wurde auch schon gefeuert.

Jetzt gibt’s am Wochenende erstmal eine Party – bei der Menge Essen, die ich gebunkert habe, sitzen wir wahrscheinlich noch in zwei Wochen da. Typisch ist ja mal wieder, dass es gestern total heiss war und auch heute noch angenehm war, dass aber fuer Samstag Regen angesagt ist.

6. Juni 2006
Unter der Rubrik “Unmoegliche Kollegen” waere folgendes zu berichten: Tony schickte ein getuerktes Email an Fiona, in dem stand, dass wir ab 1. Juni einen neuen Mitarbeiter mit befristetem Vertrag bekommen. Besagtes Email hatte ich letztes Jahr an alle verschickt, und Fiona konnte den Typ nicht ausstehen, deshalb fand Tony es wohl furchtbar lustig, so zu tun, als ob ich heute selbiges Email noch einmal verschickt haette. Leider hat Fiona das Email mit einem boesen Kommentar sofort an unsere Office Managerin weitergeleitet, die mich dann per Email anpfiff, warum sie davon nichts wuesste. Und ich sass vor meinem PC und verstand die Welt nicht mehr.

Das letzte Maiwochenende war mal wieder ein langes Wochenende, da der Montag Bank Holiday war, also haben wir am Samstag kurzerhand beschlossen, runter an die Kueste zu fahren und haben uns Weymouth ausgesucht, da wir da beide vor vielen Jahren (getrennt) schon waren, er in Sommerferien als Kind, ich in einem dreiwoechigen Aufenthalt bei Gastfamilie als Teenager. Das ist schon 20 Jahre her und an viel erinnert habe ich mich nicht mehr, aber nett war’s trotzdem. Die Anreise hat allerdings glatte 6 Stunden gedauert, also doppelt so lang als normal, da Hinz und Kunz auf den Autobahnen unterwegs war. Wir haben dann auch noch das letzte B&B-Zimmer in Weymouth ergattert, in einer Bruchbude am Strand. Da es da so eng und laut war, sind wir am Sonntag nach vielen Besichtigungen auch abends wieder nach Hause gefahren, zurueck dauerte es nur 3 Stunden. Und am Montag haben wir dann tatsaechlich Ikea unsicher gemacht, da ich herausgefunden habe, dass wir einen direkt in der Naehe haben, keine 15 Mintuen mit dem Auto entfernt.

Ich habe gerade in der Zeitung eine Bericht gelesen ueber einen Arbeiter, dessen Kollegen zusammengelegt haben, um ihm einen £700 teuren Gehirnscan im Privatkrankenhaus zu bezahlen, der dann prompt feststellte, dass er einen lebensgefaehrlichen Tumor hat und sofort unters Messer muss. Die Chirurgen erzaehlten ihm, dass er ohne die Operation innerhalb von wenigen Wochen tot gewesen waere. Die NHS hatte ihm beschieden, dass deren Warteliste fuer Gehirnscans viele Monate lang ist. Soviel zum tollen staatlichen Gesundheitswesen hier, das die Leute einfach verrecken laesst.

Die Zeitungen sind zur Zeit wieder voll mit Artikeln zu den Untersuchungsberichten ueber die Schnelligkeit von Krankenwagen/Feuerwehr/Polizei am 7. Juli – die Ergebnisse sind erschreckend. Die fehlende Kommunikation ruehrt zum Grossteil daher, dass jede Einheit ein anderes, nicht kompatbiles System benutzt, und Radios der Rettungstrupps immer noch nicht unter Tage funktionieren, was eigentlich schon vor 18 Jahren nach dem Feuer in Kings Cross beantragt wurde. Und das Schoene ist ja jetzt, dass durch die ganzen Zeitungsberichte auch alle Terroristen wunderbar ueber diese Tatsachen informiert sind.

So, jetzt aber zu den wichtigen Nachrichten: wir ziehen am Wochenende um! Und es ist in derselben Strasse nur ein paar 100m weiter! Wir haben auch lange genug gesucht nach einer Wohnung, die in etwa dieselbe ist wie die alte. Wir haben jetzt zwar Teppich statt Parkett und Flussblick nur noch durch eine Luecke zwischen zwei Haeusern durch (plus Blick auf das National Maritime Museum), dafuer haben wir wieder gleich viel Platz, sind wieder im obersten Stock, so dass eine Buehne auch noch dazu gehoert und haben diesmal sogar zwei Balkone, die leider beide auf die Strasse hinausgehen, aber dafuer kann unter uns keiner mehr einen Fussball donnernd gegen die Wand kicken, dass das ganze Gebaeude wackelt. (Die alte Wohnung lag ueber einer tunnelartigen Autozufahrt zu einem anderen Gebaeude). Wir haben auch wieder eine abgetrennte Kueche, kein doofes Open Plan, juhu! Die neue Wohnung kostet ein bisschen mehr als die alte, aber fuer den Preis in der Gegend ist sie immer noch guenstig, vor allem, wenn man bedenkt, was wir laut Marktwert eigentlich fuer die alte Wohnung haetten zahlen muessen.

Aber Gott, ist das stressig hier, ueber einen Immobilienmakler zu mieten! Erstmal waren zwei Immobilienmakler involviert, und wir haben die Wohnung nur “gewonnen”, da unser Makler fuer den Vermieter einen besseren Deal gemacht hat. Dann wollte der Makler gleich mal ein sogenanntes “holding deposit” von zwei Wochenmieten haben, also eine Kaution als Garantie, dass wir die Wohnung auch wirklich nehmen – nur dann wird die Wohnung vom Markt genommen. Dann mussten wir beide ein “application for tenancy” Formular ausfuellen mit allen moeglichen persoenlichen Daten und ich habe mir gleich noch vom jetzigen Vermieter und vom Arbeitgeber eine Referenz ausstellen lassen. Die erste Monatsmiete plus weitere drei Wochenmieten plus Verwaltungsgebuehr von £100 muessen wir morgen bei Vertragsunterzeichnung in “cleared funds” bezahlen, also entweder bar oder per banker’s draft, was so eine Art gesicherter Scheck ist. Deswegen war ich heute mittag bei der Bank, und es hat 45 Minuten und £15 gekostet, um das verdammte Ding auszustellen, allerdings meinte die Dame dann ganz mitfuehlend, wegen der langen Wartezeit koennte sie eventuell die Gebuehr stornieren. Es waere schneller und billiger gewesen, einfach das Geld bar abzuheben, aber bei meiner Bank muss man hierfuer einen Scheck an sich selber ausstellen, und ich hatte mein Scheckbuch nicht dabei. Die spinnen, die englischen Banken.

Wir mieten die Wohnung ab morgen, 7. Juni, aber da das mitten in der Woche ist, bleiben wir in der alten Wohnung noch bis Sonntag, transportieren waehrend der Woche den Kleinkram rueber und dann am Wochenende die schweren Sachen. Unser Vermieter hatte zaehneknirschend unsere zwei Wochen Kuendigungsfrist akzeptiert. Im Vertrag ist eigentlich ein Monat vereinbart, aber wir hatten uns am Telefon auf mindestens eine Woche geeinigt (der Mann will das Ding schliesslich verkaufen, und das ist ohne Mieter etwas einfacher, wuerde ich sagen). Gott sei Dank sind wir dann auch den Strom von Interessenten los, die bevorzugt abends und am Wochenende durchlaufen und bloede Kommentare abgeben wie “Da ist ja gar keine Spuelmaschine in der Kueche!”. Mann, wenn du Spuelmaschine und Granitarbeitsflaechen haben willst, kauf nebenan im Neubau, da kosten die Wohnungen auch nur £100,000 mehr fuer das Privileg!

Momentan sind wir also dabei, Gott und der Welt die neue Adresse zu geben und etliche andere Huerden aus dem Weg zu ballern wie die Tatsache, dass die alte Adresse nicht im Adressenfinder der Royal Mail auftaucht und deswegen unser Makler darauf draengt, dass wir die Adresse registrieren lassen, damit er den Vertrag auch aussstellen kann (die Logik habe ich nicht verstanden, aber egal). Habe also zwei Tage lang der Royal Mail und der Gemeinde hinterhertelefoniert, da Royal Mail meinte, sie wuerde ja schon, wenn sie koennte, aber die Gemeinde haette sie noch nicht von dieser Adresse in Kenntnis gesetzt. Ne klar, das Haus wurde ja auch erst 1984 gebaut, das ist ja verstaendlich! In meiner Verzweiflung habe ich gestern abend an Royal Mail ein dringendes Email geschickt und siehe da, heute morgen wurde die Adresse registriert – gerade noch rechtzeitig!

Dann wollte der Postweiterleitdienst der Royal Mail mal wieder zwei Adressnachweise von uns beiden, damit sie auch die Post an die neue Adresse weiterleiten koennen, und da auf einer der Rechnungen Johns Name nicht drauf stand, wurden wir an der Liverpool Street wieder weggeschickt. Unser oertliches Postamt hat dafuer nur mal kuerz ueber die Belege druebergeguckt, alles ok getickt und uns das Geld abgeknoepft – £23.25 fuer ein halbes Jahr pro Nachname! Waeren wir verheiratet, waere es also die Haelfte gewesen. Da aber hierzulande die durchschnittliche Hochzeit mit £16,000 zu Buche schlaegt, lohnt sich das wahrscheinlich doch wohl nicht …

Dann haben wir noch ein Problem damit, dass die Vormieter der neuen Wohnung sich noch nicht bei der British Telecom gemeldet und ihren Vertrag gekuendigt haben, so dass diese uns erst ab 7 Werktagen nach unseren ersten Kontakt mit BT in der neuen Wohnung anschliessen koennen. Da wir uns am 2. Juni zum ersten Mal zwecks Umzug/Beibehaltung der Nummer und Termin des Anschlusses gemeldet haben, werden wir am 13. Juni angeschlossen und nicht am 9. Juni wie unser Wunsch war. Also werden wir tagelang ohne Telefon und Internet sein, das macht Spass.

Das ganze Drama mit dem Wasserzaehler wird dann auch wieder von vorne anfangen. Hier gibt es im Regelfall keinen Wasserzaehler in Wohnungen, stattdessen zahlt man eine Pauschale, die fuer zwei Personen sowieso ueberteuert ist. Also haben wir vor Monaten um den Einbau eines selbigen gebeten. Da die Muehlen hier langsam laufen, war der Mann vom Wasseramt erst vor ein paar Wochen da, nur um festzustellen, dass aus diversen technischen Gruenden kein Wasserzaehler eingebaut werden kann, wir aber aufgrunddessen nur eine verbilligte Pauschale zahlen muessen. Der Brief hierueber kam eine Woche vor Auszug, das bedeutet, dass wir in der neuen Wohnung wohl wieder erstmal die ueberteuerte Pauschale zahlen muessen, bis die sich angeguckt haben, ob denn dort ein Wasserzaehler einbaubar ist. Man sollte meinen, dass mit all der Wasserknappheit, die zu einem Bann von Wasserschlaeuchen gefuehrt hat, es in deren Interesse sein muesste, schnellstens ueberall Wasserzaehler einzubauen, aber als dieser Vorschlag mal von irgendjemandem in der Regierung gemacht wurde, war das Geschrei in den Zeitungen ueber die Benachteiligung von Familien gross – eine Familie mit 4 Kindern ist natuerlich mit einer Pauschale besser dran als mit einem Wasserzaehler. Die Benachteiligung von 1-2 Personen-Haushalten ist aber natuerlich vernachlaessigbar, oder wie? Wie ich dieses Land und seine Logik liebe.

Letzte Woche haben wir bei Ikea noch ein Sofabett gekauft, da unser Vermieter nicht bereit ist, uns die alten Moebel vor einem Wohnungsverkauf zu verkaufen (hier wird immer alles moebliert praesentiert, da Englaender keine Fantasie zu haben scheinen). Es waren zwar Sofas in der neuen Wohnung, aber die kann man nicht zum Bett umfunktionieren, und wir haben ja schon mal oefter Gaeste aus Deutschland etc.!

Am kommenden Wochenende ist also Umzug angesagt und am Wochenende drauf geht’s nach Oesterreich – das Hotel in Salzburg habe ich jetzt auch mal endlich gebucht. Den Urlaub hab ich aber auch sowas von noetig. Und Gott sei Dank verpasse ich 10 Tage des World Cups (obwohl wir sicher TV im Hotel haben). Beckham, Rooney und Co. sind gestern gen Baden Baden aufgebrochen mit kiloweise Jaffa Cakes, Teebeuteln, Coco Pops und Rice Krispies im Gepaeck. Hat denen keiner gesagt, dass es sowas auch in Deutschland gibt, und hoechstwahrscheinlich billiger? Als ob sie in die russische Pampa fliegen wuerden …

9. Juni 2006
Man merkt, dass die Fussballmeisterschaft angefangen hat: Ueberall haengen die St. Georgs Flaggen an den Autos und Balkonen und heute morgen hat eine Kollegin als allererstes einen Sweepstake veranstaltet: Alle Mannschaften wurden auf Zetteln aufgeschrieben und diese in eine Dose gepackt. Fuer £2 konnte man ein Mannschaftslos ziehen, und wenn deine Mannschaft gewinnt, kriegst du den ganzen Einsatz von £64. Constanze hat solange Lose gekauft, bis sie endlich Deutschland hatte. Ich muss jetzt Frankreich und Trinidad & Tobago die Daumen halten.

Bezueglich der neuen Wohnung haben wir ein paar neue Huerden niedergerissen und ein paar andere haben sich wieder aufgestellt. Die Vormieter haben sich doch noch rechtzeitig bei BT gemeldet, so dass die Telefonleitung heute umgemeldet wird. Da die Vermieterin doch keinen Wasserzaehler will, haben wir wenigstens das Generve nicht nochmal, obwohl wir wohl dann wieder mehr zahlen muessen. Sie zeigte sich allerdings sehr erstaunt ueber den Betrag, den wir bis jetzt bezahlt haben, sie meinte, der wuerde hoechstwahrscheinlich falsch berechnet, so hoch wie der sei. Daraufhin habe ich bei Thames Water angerufen, die mir beschieden, dass die Pauschalen pro Gebaeude nach dessen Wert berechnet werden, oder so. Wir zahlen jetzt nur geringfuegig weniger als in der alten Wohnung.

Wir haben uns gestern abend mit der Vermieterin getroffen, um noch etliche Fragen abzuklaeren, und im Zuge dessen hat sich herausgestellt, dass der Immobilienmakler sowohl sie wie auch uns schlicht angelogen hat ueber gewisse Dinge, z.B. dass der Wasserzaehler kein Problem sei – die Vermieterin wusste davon ueberhaupt nichts. Desgleichen war sie nicht ueber bestimmte Maengel in der Wohnung informiert worden und zeigt sich hoch bestuerzt darueber, dass das zweite Bett, das ja eigentlich haette bleiben sollen, nur noch aus Matratze und Rost bestand. Der Makler hatte wohl jemanden beauftragt, diverse Moebelstuecke abzutransportieren, die wir nicht haben wollten, und die waren etwas zu eifrig. Uns hatte er erzaehlt, das zweite Bett sei beim Transportieren auseinandergebrochen, aber keine Sorge, die Vermieterin besorgt ein neues. Der Vermieterin hat er erzaehlt, wir haetten das Bett beim Abtransport kaputtgemacht! Da wir aber erst am Mittwoch den Schluessel bekommen haben, war das wohl schlecht moeglich. Das Bett ist jetzt wieder ganz und sie stellt auch Farbe fuer einen Generalanstrich der Wohnung (John hat sich angeboten, das zu uebernehmen). Eine Leiter fuer den Buehnenzugang muessen wir uns jetzt doch selber kaufen (auch so eine Luege des Makler, dass diese gestellt wuerde), und das Fenster ist auch noch nicht erneuert, wird aber demnaechst. Dann haben wir noch ewig nach dem Briefkasten, Muellabstellplatz und Stromzaehler gesucht, die sich dann neben der Haustuer hinter abgeschlossenen Tueren auffanden. Da will ich ja nur hoffen, dass der Postbote auch einen Schluessel hat! Dann hat sie noch kurz eine schriftliche Erlaubnis ueber das Aufhaengen von Bildern erteilt (die sind hier ein bisschen ete-petete mit ihren Pappwaenden) und eine Inventur aufgestellt. Hier stellen ja viele Vermieter jede Kleinigkeit in der Kueche, bis runter zu Besteck und Abtrockentuechern. Das meiste Geschirr ist allerdings so grausam gelb (und der Toaster ist gruen), dass wir alles auf die Buehne stellen werden und unser eigenes Zeug benutzen. “Ach, schmeisst das Zeug einfach weg, wenn ihr es nicht wollt”, meinte sie grosszuegig. Das “gas safety certificate” (das bestaetigt, dass der Boiler uns nicht morgen in die Luft jagt) kriegen wir naechste Woche (ich sage euch, dieses Mal bin ich soviel kenntnisreicher als bei der ersten Wohnung, was diese Dinge angeht). Die Haustuer muss auch dringend von der Hausverwaltung repariert werden, das faellt schon auseinander und jeder kann bis vor die Wohnungstuer vordringen. Aber John ist gluecklich, da der Parkplatz fuer diese Anlage viel geschuetzter ist als der alte (aber er aergert sich, dass er die £60 fuer den alten Parkpfosten nicht wiederbekommt). Morgen geht also der Umzug der schweren Moebelstuecke los, mit gemietetem Van und bei ueber 30 Grad Hitze. Wenigstens werden die Strassen frei sein, da England spielt.

19. Juli 2006
Oh mein Gott, ist es heiss heute! Das Quecksilber steht irgendwo bei 36 Grad, und keiner kann es so richtig fassen. Die Strassen werden gestreut wie im Winter, damit sie nicht schmelzen, in den U-Bahnen hat ed 47 Grad, in den Bussen 52 Grad. Es herrscht seit einer Weile schon ein sogenannter “hosepipe ban”, sprich man darf Rasen nicht mehr mit Hilfe von Schlaeuchen bewaessern und muss auch Eimer nehmen zum Autowaschen oder Poolfuellen. Thames Water, die momentan relativ verhasst sind, da sie durch nicht reparierte Lecks taeglich Millionen Liter an Wasser verlieren, aber fleissig Gebuehren anheben, wollen jetzt sogar noch eine “drought order” beantragen, sprich in der anhaltenden Duerre wuerde dann jeglicher “non-essential use of water” verboten. Super.

Am Samstag mache ich eine Housewarming Party, als ob es nicht schon warm genug waere. Aber zumindest sind jetzt mal alle Buecher eingeraeumt, alle Bilder aufgehaengt, die Haelfte aller Zimmer gestrichen und der Boiler repariert. Auch die Dusche, die nicht warm und kalt mischen will, haben wir in den Griff gekriegt, nachdem uns die Vormieter den Trick gezeigt haben: Man stelle den Strahl auf den Badehahn um, mische, lass kurz laufen und ziehe dann den Hebel nach oben fuer den Duschstrahl. Genial, wenn auch irgendwie unverstaendlich.

Die neue Wohnung hat so ihre Macken, alles ist alt und im Grunde renovierungsbeduerftig, wenn auch gerade noch funktionsfaehig. Wir kriegen jetzt noch das Badezimmerfenster ersetzt, weil es schon auseinanderfaellt, vielleicht koennen wir die Landlady ja noch zu groesseren Ausgaben ueberreden, (Kueche und Bad sind alt und unpraktisch) aber das muss man wohl langsam angehen. Und irgendwann sind die Handwerker auch bestimmt damit fertig, die Balkone zu streichen. Zur Zeit fahren sie immer nur relativ planlos in ihrem (nervtoetend piependen) Kran die Strasse auf und ab, streichen mal eben hier einen Pfosten und da ein Gelaender, und schon sind sie wieder weg. Sieht alles sehr nach ABM aus! Aber die Raeume sind schoen gross und ich habe jetzt sogar mehr Buecherregale als vorher! Aber was es alles gibt – die Wasserraten werden hier anscheinend nach Wert des Hauses berechnet, nicht nach Personenanzahl oder Verbrauch oder sonstwas. Nach Wert des Hauses! Und man erbt erstmal den Energielieferanten des Vorgaengers, weswegen ich gerade dabei bin, von British Gas, die ich nie wollte, zu meinem alten Lieferanten EDF Energy zu wechseln. Was bis zu 8 Wochen dauern kann. Die spinnen doch voellig, die Englaender.

Wie wir den Umzug ueberlebt haben, ist mir jetzt noch nicht ganz klar. Es war ein bruetend heisses Wochenende, und wir haben tagelang nur geschuftet – ich hab mir dann den Montag auch noch frei genommen, sonst waer das nie was geworden. Und der alte Vermieter schuldet uns immer noch £90 der Kaution, die wir schon laengst haetten zurueckkriegen sollen, da der Sessel mittlerweile repariert ist. Schweinebacke.

Schade, dass wir die Weltmeisterschaft nicht gewonnen haben, meine Kollegin und ich waren jedenfalls total im World Cup Fieber und haben sogar frueher freigekriegt, um das Argentinien-Spiel im Pub nebenan anzusehen. Wir hatten auf alle Faelle eine normalere Mannschaft als die Englaender, ich habe mich immer sehr amuesiert, wenn von den Fussballern und ihren “WAGs” (Wifes And Girlfriends) die Rede war. Ganz zurecht hat ein englischer Journalist Rooney & Co. als “freak show” bezeichnet. Wir haben das Spiel England – Portugal zuhause angeschaut, und einer der englischen Fans auf der Dachterasse gegenueber unserer Wohnung kam raus, lies einen Wutschrei los, depperte irgendwas auf den Boden und fiel dann heulend in die Arme seiner Freundin, die Memme. Von dem Tag an waren alle im Buero fuer die deutsche Mannschaft (fuer irgendjemanden muss man ja sein), vor allem, nachdem wir die verhassten Portugiesen aus der WM geraeumt haben. Ich habe meine Aufmerksamkeit dann auf die franzoesische Mannschaft gerichtet, da ich diese im office sweepstake gezogen hatte, aber dank Zidane gingen die £64 dann an meinen Kollegen Tony (nicht Yo! Blair).

Oesterreich war super! Salzburg ist eine irre schoene Stadt und das Essen ist fantastisch. John war im siebten Himmel, auch wegen des Bieres. Wir haben alles abgehakt, was so ging – Hohensalzburg, Altstadt, Mozarts Geburtshaus, Mozartausstellung, Mirabellgarten, Hellbrunn, Fiakerfahrt, Schiffsfahrt auf der Salzach etc. Das Haus der Natur ist uebrigens unglaublich spannend und empfehlenswert, und, wie so vieles, mit der Salzburg Card kostenlos. Ich empfehle jedem Salzburgtouristen auch die Lektuere von Erich Kaestners Klassiker “Der kleine Grenzverkehr oder Georg und die Zwischenfaelle.” Koestlich geschrieben. Natuerlich kannte John das nicht. Ich rief also “Ach kuck, da ist das Café Tomaselli!” Er: “Ja und?” “Das kommt bei Kaestner vor!” “Wem?” Es war auch da richtig heiss und vor allem unglaublich schwuel. In der Mitte des Residenzplatzes war eine Riesentribuene und ein Megafernseher aufgebaut, zum kostenlosen Gucken der WM. Ueberdacht war die aber nicht, das waere mir viel zu heiss gewesen.

In Zell am See war es auch schoen, allerdings waren mir da fast zu wenig Sehenswuerdigkeiten um den Weg, fuer die Krimmler Wasserfaelle mussten wir 1 ½ Stunden mit dem Bus durch die Pampa fahren. Es ist aber wunderschoen gelegen, mit praechtigen schneebedeckten Bergen im Hintergrund des Sees. Meine Freundin hatte uns fuer die Hochzeit im Schloss untergebracht, in dessen Kapelle die Trauung stattfinden sollte, und das war ein klein aber sehr fein, und das Gourmetrestaurant war gleich daneben. Am Vorabend vor der Hochzeit wurde dort gegrillt und John spielte mit den Kleinen Fussball, bis es ihn ins Gras setzte, was fuer die Kids natuerlich der Hoehepunkt des Spieles war. Und anstatt ihm aufzuhelfen habe ich natuerlich erstmal ein Foto geschossen. Die Hochzeit selber fand am Samstag um 14 Uhr statt, so dass nach der Trauung und zwischen Tortenanschneiden, Tanzen und Abendessen im Michelin-Restaurant noch genuegend Zeit blieb, das Deutschland – Schweden-Spiel zu verfolgen. Alles schrie “TOR!” und die Braut raffte ihr Kleid und rannte mit fliegendem Schleier nach drinnen zum Fernseher und groehlte mit. Schade, dass keiner schnell genug war, das auf Film zu bannen. Dafuer gibt es zahlreiche Bilder davon, wie John mit der Brautmutter jivt. Alles in allem ein sehr gelungener Tag.

Am Sonntag ging es zurueck nach Salzburg, um von dort Montag morgen den Flieger nach London zu kriegen. Als der Pilot beim Landeanflug auf Stansted dann beinahe entschuldigend sagte, dass es in London leider kuehl und regnerisch sei, haben John und ich nur gejubelt.

Leider hat sich das in der Zwischenzeit ja wieder geaendert, und die Zeitungen sind voll von tollen Tips zum Ueberleben des Wetters (“Vergessen Sie ihre Wasserflasche nicht!”) Es wird ja mittlerweile sogar vorgeschlagen, dass Maenner im Buero Jacke und Krawatte weglassen koennen. Wenn man sich die vielen Frauen in Miniroecken und Flip-Flops anguckt, eigentlich auch nur fair.

6. September 2006
Hoert diese Hitze denn niemals auf! Wir haben den 6. September, und draussen sind 27 Grad! Das ist natuerlich nicht mehr so schlimm wie Ende Juli, als wir 4 Tage lang in Stuttgart waren fuer die 95. Geburtstagsfeier meines Opas. Wir haben bei Freunden uebernachtet, die uns auf den Hamburger Fischmarkt und ins Mineralbad Leuze geschleift haben, und mit meinen Eltern sind wir in die Wilhelma gegangen, wo wir faule Eisbaeren besichtigt haben. Die haben’s gut. Wir haben viel zu viel deutsches Essen zu uns genommen, noch eine andere Freundin besucht, und sind mit 8 kg deutschen Lebensmitteln im Gepaeck nach London zurueckgekehrt. Ein voller Erfolg also.

Es gibt hier in London “Idea Stores”, die sind eine Mischung aus oeffentlicher Buecherei und Volkshochschule. Ein neuer Idea Store wurde gerade in Canary Wharf eroeffnet, und John und ich haben uns gleich mal angemeldet. Interneteinrichtungen haben sie auch, und vor ein paar Wochen kam der Katalog mit den Kursen ab September raus. Ich hab mich gleich mal fuer einen Pilateskurs angemeldet und John sich fuer einen Deutschkurs. Die Preise sind sowieso zivil, aber John als arbeitsloser Sechziger kriegt das Ganze nochmal subventioniert. In zwei Wochen geht’s los.

Am Montag 28. August war hier ein Bank Holiday, und so habe ich die Gunst der Stunde genutzt und Urlaub fuer die ganze Woche genommen. Diesmal ging es nach Cornwall, wo weder John und ich je vorher waren. Wir sind am Samstag losgefahren (und nach 10 Stunden angekommen) und hatten 7 Tage lang schoensten Sonnenschein. Am Samstag hat es dann auf der Rueckfahrt geregnet, aber da hat es uns nicht mehr gekratzt. Wir sollten uns das wirklich patentieren lassen – immer wenn wir in Urlaub fahren, scheint die Sonne. Egal wann und egal wo.

Wir hatten uns fuer die ganze Woche in einem B&B in Falmouth einquartiert, mit Seeblick und queen size bed, das uns als king size angepriesen wurde. Dafuer war es sehr bequem. Am Bank Holiday Wochenende war die ganze Stadt mit Touristen voll und, laut Anschlag am Tourismusbuero “there is no accommodation availably in Falmouth today”. Wenn nicht mal die Tourismusbehoerde mehr englisch kann, sieht es duester aus. Es ist auch immer wieder amusierend zu sehen, wie viel die Weglassung eines Kommas ausmacht, zu bewundern auf diesem Schild “Slow men working on verge”. Wenigstens arbeiten sie ueberhaupt, wenn auch langsam! Die erste Frage der B&B Betreiber war “Sind Sie fuer die Konzerte hier?” Anscheinend waren fuer dieses Wochenende Status Quo und Westlife angesagt auf Pendennis Castle, das eine wirklich beeindruckende Lage hoch ueber dem Hafen hat. Als wir die Burg kurz vor dem Westlife Konzert besichtigt haben (und wegen unzureichender Beschilderung die umstaendliche, dreimal so lange scenic route genommen haben), stand die Buehne schon und ueber Lautsprecher kamen Probeklaenge. Und dann sahen wir eine weisse Stretchlimo anrollen …

Falmouth hat 2 Burgen, ein Maritime Museum, viele Gaerten und den dritttiefsten natuerlichen Hafen der Welt (nach Sydney und Rio). Und es ist ein Hafen, in dem viele grosse Schiffe ankern, um repariert oder befuellt zu werden (und von dem aus Ellen MacArthur ihre Weltumsegelung gestarte hat), es gibt also immer viel zu sehen. Wir haben eine Bootsfahrt von Falmouth nach St. Mawes unternommen, wo die zweite Burg liegt, sowie eine zweistuendige Rundfahrt an der Kueste entlang. Falmouth ist fuer seine Austern beruehmt (jeden Oktober gibt es ein Oyster Festival), aber auch sonst gab es enorm viel Fisch und Meeresfruechte angeboten. Lecker.

Unterhalb von Pendennis Castle liegt Pendennis Point, mehr oder weniger ein Parkplatz mit Ausblick, auch fuer Picknicks sehr geeignet, am besten zwischen 6 und 7 fuer die letzte Abendsonne. Die meisten Leute bleiben einfach im Auto sitzen und gucken sich den Ausblick von dort an, wir sind natuerlich ueber alle moeglichen Felsen geklettert und haben eine Robbe im Wasser gesehen.

Lizard Point auf der Lizard Peninsula ist auch sehr huebsch und angeblich der suedlichste Punkt Cornwalls. Am besten parkt man aber im Ort selber und laeuft den Rest, denn der Weg zu den Klippen ist mal wieder eine dieser engen Strassen “not suitable for caravans and HGVs” (heavy goods vehicles). Worauf wir natuerlich prompt steckengeblieben sind, weil von der anderen Seiten zwei caravans angetuckert kamen und ein groesseres Chaos verursacht haben.

Land’s End ist als Vergnuegungspark eine echte Abzocke, aber wenn man nur die £3 Parkgebuehr zahlt und dann ein wenig an der Kueste entlangspaziert, ist es ganz ertraeglich, und wir haben auf den Klippen ein Pferd angetroffen, das da mal eben so rumstand und am Gras kaute.

In Cornwall ist ja nichts wirklich weit voneinander entfernt und alles, was wir uns anschauen wollten, war hoechstens eine Autostunde entfernt, und so sind wir auch nach Truro getuckert, um uns die Kathedrale anzuschauen und das Royal Cornwall Museum. Leider war das Museum geschlossen, und ansonsten gibt’s in Turo eigentlich nur Laeden, also sind wir wieder weitergefahren, nachdem auch der Manta mal wieder Probleme gemacht hat (keine laengere Reise ohne irgendwelche Wehwehchen). Er brauchte dringend neue Batterien fuer seinen Autoalarm, denn wenn der Alarm nicht an- oder ausgeschaltet werden kann, startet der Manta nicht. Der Typ im Spezialgeschaeft guckte sich nur kopfschuettelnd die Batterie and und meinte “Sowas hat hoechstens ein Typ auf dem Markt, aber der ist heute nicht da.” Gluecklicherweise war das eine grobe Falscheinschaetzung der Lage – nebenan bei Woolworth lagen die Batterien zuhauf rum.

St. Ives fanden wir auch nicht so unbedingt den Brueller, das ist so mit Touristen verseucht, das es keinen Spass mehr macht, und du kommst nicht an der Promenade entlang, da die Autos sich auch alle durch die Innenstadt zwaengen, was verboten werden sollte bei Strassen, die bei uns Fussgaengerbereiche waeren. Wenigstens gab es leckere Sandwiches und ich habe Freundschaft mit einer Moewe geschlossen (ob sie aussah als ob sie Jonathan hiesse, kann ich nicht beurteilen).

St. Michael’s Mount ist dagegen recht schnuckelig, eine Burg nahe Penzance auf dem Berg gelegen, der bei Flut nur mit dem Boot erreichbar ist, gefolgt von einem Fussmarsch ueber Stock und Stein. Der dazugehoerige Garten ist zu dieser Jahreszeit leider nur Donnerstags und Freitags zu besichtigen. Am besten man besichtigt so frueh wie moeglich morgens, ansonsten ist die Burg dermassen von Touristen ueberlaufen, dass man eine halbe Stunde fuer ein Boot ansteht.

Ein absolutes Muss ist das Minack Theatre, ein hoch ueber dem See gelegenes Amphitheater, das in den 30er Jahren von einer beherzten Dame, der der Grund gehoert, fast eigenstaendig erbaut wurde. Die Lage ist fantastisch, und man kann an Sommernachmittagen und Abenden gemuetlich sitzen und Shakespeare & Co. fuer nur £7.50 pro Nase geniessen. Haetten wir sofort gemacht, aber das Theater ist dermassen beliebt, dass der ganze Sommer bis in den September hinein schon ausgebucht war. Bei den Preisen und der Lage auch kein Wunder. Ueberall sind Palmen gepflanzt, die dank des milden Klimas in Cornwall gut gedeihen, und direkt daneben fuehrt ein steiler Pfad hinunter zum Strand. Traumhaft.

Den Freitag vor der Abreise, der noch einmal unglaublich warm war, verbrachten wir im Eden Project bei St. Austell, das eine unglaubliche Fuelle von Pflanzen aufweist, innen wie ausserhalb der Dome. Der Biodom mit dem mediterranen Klima war ja noch ertraeglich, den mit dem tropischen Klima habe ich allerdings nach ein paar Minuten schon wieder verlassen, da er bruellend heiss war. Dann gab es noch ein Baehnchen, das im Kreis durch die Gaerten fuhr sowie fuer die Abenteuerlustigen eine Art Seilbahn, die einen einmal quer ueber das Tal traegt, schoen eingehakt in Sicherheitsgurten. Zip-wire nannte sich das glaube ich.

Auf dem Rueckweg sind wir ueber Fowey gefahren, da ich auf der Karte eine Burg eingezeichnet gesehen hatte, und dafuer bin ich ja immer zu haben. Fuer St Katharine’s Castle muss man parken, dann runter zum Strand laufen, den ueberqueren, eine Leiter hochkraxeln und durch ein Waldstueck laufen und dann ist es nur eine Ruine. Aber was fuer eine Aussicht! Ich habe mich auf eine Burgmauer gesetzt, von der man ueber den ganzen Hafen blicken konnte. Da sass ich dann fuer die naechste halbe Stunde in der Sonne, voellig hin und weg und wusste “Das ist wieder einer der magischen Momente”. Ich hatte einen magischen Moment auf Carreg Cennen Castle in Wales, von wo aus man einen ausgezeichneten Rundblick ueber die Breacon Beacons hat und abends um 7 Uhr den Schatten ueber das Tal wandern sehen konnte. Einen anderen magischen Moment hatte ich beim ersten Blick auf Tintern Abbey (auch in Wales), auf Kerrera bei Oban in Schottland und in Irland im Connemara National Park, wo wir fast die einzigen Bewohner des Camping Parks waren in Kuestennaehe, windig aber wunderschoen. Da vergisst man fast den Alltag. Das sind so die Orte, da moechte man stundenlang mit einem Buch sitzen und immer mal wieder aufblicken und die Szenerie auf sich wirken lassen. Oh God, I am waxing lyrical.

Leider haben wir nicht halb soviel anschauen koennen, wie wir gewollt haetten, aber man kann ja wiederkommen, und da uns die Fuesse weh taten und der Manta wieder angefangen hatte zu stottern, haben wir am Samstag doch dankbar bei stroemendem Regen zum Aufbruch geblasen. Wir brauchten dank diverser Staus und stop and gos sage und schreibe ELF Stunden fuer die Rueckfahrt und haben den Sonntag daher dankbar zum Ausspannen und Waeschewaschen genutzt.

Autor: Beate
Beateher@yahoo.com

*****

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de