Der Schuhu hörte stets mit Ruh,
wenn zwei sich disputierten, zu. –
Mal stritten sich der Storch und Rabe,
Was Gott der Herr zuerst erschaffen habe,
Ob erst den Vogel oder erst das Ei.
„Den Vogel!“ – schrie der Storch -
„Das ist doch klar wie Brei!“
Der Rabe krächzt: „Das Ei, wobei ich bleibe;
wer’s nicht begreift, hat kein Gehirn im Leibe!“
Da fingen an zu quaken
Zwei Frösch in grünen Jacken.
Der eine quakt: „Der Storch hat recht!“
Der zweite quakt: „Der Rab hat recht!“
„Was?“ – schrien die beiden Disputaxe -
„was ist denn das für ein Gequakse??“ -
Der Streit erlosch. -
Ein jeder nimmt sich einen Frosch,
Der schmeckt ihm garnicht schlecht.
Ja – denkt der Schuhu – so bin ich!
Der Weise schweigt und räuspert sich!
Foto: © inuit (Michael Bührke)/ http://www.pixelio.de
Autor: Wilhelm Busch
(15. 4. 1832 Wiedensahl, Hannover, † 9. 1. 1908 Mechtshausen bei Seesen)
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Geheimnisvoll ist diese Nacht,
erfüllt von dunk’ len Spukgestalten,
die mit viel Zauber und mit Macht
uns in ihrem Banne halten.
Hat’s hier nicht geklopft, gepoltert,
ein glühend Auge wild geblitzt?
Ist dort nicht grad’ um die Ecke
ein schwarzes Wesen weggeflitzt?
Was verwirrt so uns’re Sinne
oder war da wirklich was?
Manchmal denk ich schon ich spinne,
hab zu tief geschaut ins Glas.
Nein, heute ist doch Halloween,
da will man gruseln und erschrecken.
Reich’ mal Süßigkeiten hin,
dann wirst du schon den Spuk entdecken.
Foto: © OlliC http://www.pixelio.de
Autor: Annegret Kronenberg
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Der gute Förster Theobald
verbringt den ganzen Tag im Wald.
Für alle Tiere hat er Zeit,
zu helfen ist er stets bereit.
Neben ihm springt durchs Revier
Waldemar, das Dackeltier.
Waldemar ist Clown und Held
für die Waldtier-Kinderwelt.
Da kommt ein Hirsch mit lahmem Bein:
„Ach, Theobald, ich leide Pein.“
Von weitem ruft der Fuchs: „Oh je,
die Zähne tun mir gar so weh!“
Der Igel quiekt ganz ungehemmt:
„Ein Stachel hat sich mir verklemmt!“
Waldi macht sich aus dem Staub,
für Igelrufe ist er taub.
„Noch heut’ ich mir das Maul verrenke,
wenn ich an Igelstachel denke.
Zum Toben ist er nicht mein Mann,
schau lieber ihn von weitem an.“
Im Baum der Eichelhäher hüpft:
„Die Jungen sind bei mir geschlüpft!“
Und eine ganze Hasenschar
stürzt sich auf Dackel Waldemar.
„Horch mal,“ krächzt der schwarze Rabe,
„was ich zu berichten habe:
In uns’rem Walde lebt ein Feind,
der es nicht gut mit Tieren meint.
Er schießt auf alles, was hier lebt.
Es donnert, dass die Erde bebt.“
Wir sind voll Angst und Traurigkeit.
Hilf Theo, mach ein End’ dem Leid.“
„Ja, ja, ich habe ihn schon entdeckt,
ein Wilddieb hält sich hier versteckt.
Ich werde ihm schon Beine machen
und ihr könnt wieder sorglos lachen.“
Häschen ruft ganz außer Atem:
„Theo, konnt dich kaum erwarten.
Schau mal ganz schnell rein bei mir,
ich habe Kindchen, es sind vier!“
Haselmaus möcht „Danke“ sagen,
kann jetzt wieder richtig nagen.
Beim Kuckuck ist die Freude groß,
wurd’ endlich seinen Husten los.
Theobald der Förstermann
stöhnt: „Wo fang’ ich jetzt bloß an?
Hier verbinden, dort was richten
und auch zuhör’n den Geschichten.
Ach, Waldemar, so hilf mir doch,
komm raus aus dem Karnickelloch!“
„Ich lauf ja schon und seh’ es ein,
doch Spielen, das muß auch mal sein.“
Er geht dem Theo brav zur Hand,
lässt nichts zurück in Laub und Sand.
Auf saub’re Umwelt steh’n, ist klar,
der Theobald und Waldemar.
Es dunkelt langsam schon im Wald.
„Schlaft gut!“ wünscht Förster Theobald.
Mit Waldemar zieht er nach Haus’
und ruht sich von der Arbeit aus.
Foto: © RainerSturm (Rainer Sturm) http://www.pixelio.de
Autor: Annegret Kronenberg
annegret@gedichte-garten.de
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Warum ist es so leicht zu verstehen,
dass das Nilpferd nicht fliegen kann?
Warum ist es so schwer zu verstehen,
dass deine Liebe plötzlich enden kann?
Liegt es daran …
dass das Nilpferd nicht fliegen will,
ich aber weiter deine Liebe will?
Könnte dass Nilpferd fliegen,
wenn es wollte?
Kann ich dich einfach vergessen,
wenn ich es sollte?
Foto: © speed_blondi (Karin Miersch) http://www.pixelio.de
Autor: Hanns Kronenberg
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Schwirrend und schwingend
smaragd und karmin
wie Bernstein bei Nacht
filigrane Sonnenstrahlen
brechen durch Flügel
aus Pergament
achter’m Diek …
betört von Distelblüten
und wildem Löwenzahn
Schwingungen in
warmen Lüften am Darß
Foto: © saguarofan (s.kunka) http://www.pixelio.de
Autor: Grit Vielhauer
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Reden und erzählen,
zuerst von den Beschwernissen.
Dann: Weißt du noch? Damals?
Es nimmt kein Ende.
Irgendwann verkrieche ich mich
mit meinem Hund.
Ich erzähle ihm, dass mir das Gerede
zuviel wird und beginne dabei
das ganze Spiel von vorne.
Der Hund hört geduldig zu.
Foto: © JackRed (Jens Roth) http://www.pixelio.de
Autor: Annegret Kronenberg
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„Nomen est omen“, sagt sich die Marie,
nennt ein Kätzchen Philo, das andre Sophie.
Eins ist ein Kumpel, das andere schlau,
so passen die Namen ja doch recht genau.
Foto: © asrawolf / http://www.pixelio.de
Autor: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http:// edithnebel.wordpress.com
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Katzensommer …
Tage und Nächte
großes Gähnen in der
Mittagssonne;
samtene Pfoten gestreckt,
grün-graue Augen blinzeln
und dann schleichen
irgendwann
auf leisen Sohlen
Katzen übers heiße
Promenadenpflaster
miau … miau … tönen
gefleckte Katzenkindermäuler;
warten auf die Dämmerung
grau in grau
anschleichen mit
aufgestellten Ohren in
gepflegten Parkanlagen;
angespanntes Lauschen …
ein Rascheln … ein Satz
gesicherte Beute … noch warm
genießen unter Duftrosen
zufriedene Katzenmütter
säugen Katzenkinder … schnurrend
bei Mondlicht in den
Katzenkindertraum
Foto: © Maren Beßler http://www.pixelio.de
Autor: Grit Vielhauer
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Zur Freude seiner Kinder
kauft Vater einen Hund.
Er ist ein Dackelwelpe,
recht kräftig und gesund.
Das Tier braucht einen Namen,
das leuchtet jedem ein.
Man einigt sich auf „Purzel“,
das klingt recht kurz und fein.
Von morgens früh bis abends
schallt’s „Purzel“ ohne Ruh.
Mama hält ganz verzweifel
sich beide Ohren zu.
Purzel soll gehorchen,
nach Möglichkeit auf’s Wort.
Der Hund will’s nicht begreifen
und schaut ganz einfach fort.
Er kann es gar nicht fassen:
„Man mag’s nicht, dass er stetig bellt“.
Das möcht’ er selbst entscheiden,
wenn’s ander’n auch missfällt.
Für Purzel heißt es lernen:
„Bächlein fließen nicht im Haus,
und ist ein Häufchen fällig,
dann geht man vorher raus“.
„Was stinkt denn hier zum Himmel?“,
ruft Vater ganz entsetzt,
als Purzel sehr genüsslich
den Abfallsack zerfetzt.
Das Handarbeitenkörbchen
ist Mamas großer Schatz,
bis Purzel es entdeckt hat,
es wurd sein Lieblingsplatz.
Als zornig fragt die Mutter:
„Was ist denn hier gescheh’n?“,
hat Purzel aus dem Körbchen
sie schmachtend angeseh’n.
Er lässt die Augen spielen
auf seine Dackelart,
den Klaps, den er sollt’ kriegen,
der bleibt ihm nun erspart.
Es dauert gar nicht lange,
da hat’s der Schlingel drin:
„Mit meinen Dackelaugen,
da krieg’ ich alles hin“.
Klein Purzel ist der Sieger,
er ist der Herr im Haus
und nimmt sich immer wieder
ganz neue Rechte raus.
Niemand kann ihm böse sein,
was er auch anstell’n mag.
Er bleibt stets der Sonnenschein,
selbst an ‘nem Regentag.
Foto: © inbe (B. Ineichen) http://www.pixelio.de
Autor: Annegret Kronenberg
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Unter all den hübschen Dingen
In der warmen Sommerzeit
Ist ein Korps von Schmetterlingen
Recht ergötzlich insoweit.
Bist du dann zu deinem Wohle
In den Garten hinspaziert,
Siehst du über deinem Kohle
Muntre Tänze aufgeführt.
Weiß gekleidet und behende
Flattert die vergnügte Schar,
Bis daß Lieb und Lust zu Ende
Wieder mal für dieses Jahr.
Zum getreuen Angedenken,
Auf den Blättern kreuz und quer,
Lassen sie zurück und schenken
Dir ein schönes Raupenheer.
Leidest du, daß diese Sippe
Weiterfrißt, wie sie begehrt,
Kriegst du nebst dem Blattgerippe
Nur noch Proben ohne Wert.
Also ist es zu empfehlen,
Lieber Freund, daß du dich bückst
Und sehr viele Raupenseelen,
Pitsch, aus ihren Häuten drückst.
Denn nur der ist wirklich weise,
Der auch in die Zukunft schaut.
Denk an deine Lieblingsspeise:
Schweinekopf mit Sauerkraut.
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Autor: Wilhelm Busch
(15. 4. 1832 Wiedensahl, Hannover, † 9. 1. 1908 Mechtshausen bei Seesen)
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