Gespeichert unter: Katzen
Monster sind in den Filmen Hollywoods zuhause, das ist erwiesen. Und in der Regel sind sie das Produkt blühender Fantasie. Hierzulande trifft man sie eher selten. Meistens werden sie als grauenhaft fellbesetzte Biester dargestellt. Wobei … fellbesetzt könnte schon hinkommen. Was mich jedenfalls betrifft, so wasche ich meine Hände in Unschuld.
An jenem denkwürdigen Tag hatte ich in Stuttgart zu tun und Miezka und Mowgli dürfen natürlich mit. Für Mowgli ist es die erste längere Reise. Er macht es sich auf der hinteren Ablage bequem, während Miezka eine zeitlang interessiert aus dem Seitenfenster schaut. Unterbrochen wird die Fahrt nur durch zwei kurze Pausen, bei denen die beiden Fellnasen aus dem Auto dürfen, natürlich an der Leine.
Nun ist es so, dass vor allem in Stuttgart eines knapp und teuer ist: Parkplätze! Folglich beschliesse ich in meiner allumfassenden Weisheit, statt mit dem eigenen Spritfresser mit der Straßenbahn in die Innenstadt zu fahren. Also wird das fahrbare Unterteil in einem Vorort geparkt und eben jenes oben erwähnte Vehikel zur Fahrt ins Zentrum der schwäbischen Metropole benutzt.
Ein großer Teil der Stuttgarter Straßenbahn verläuft unterirdisch und nennt sich deshalb U-Bahn, sozusagen die schwäbische Metro. Miezka habe ich dabei auf dem Arm, Mowgli sitzt ausnahmsweise nicht auf der Schulter. Denn ich habe einen großen Rucksack geschultert, auf dem er sich häuslich eingerichtet hat. Verwunderte Blicke werden mir zugeworfen und manche flüstern mit einem Seitenblick auf mich miteinander. Nun sind Miezka und Mowgli hier in der Stadt ein bisschen bekannt, aber ich denke mal, dass sich in der Landeshauptstadt ein solcher Anblick wohl weniger bietet.
So weit, so gut gereist. Meine Angelegenheiten kann ich mit Erfolg erledigen und es ist bereits 18 Uhr, als ich gedenke, mich wieder auf den Rückweg zu machen. An der U-Bahnhaltestelle sind eine Menge Leute, es ist Rush-hour. An einen Sitzplatz ist da nicht zu denken, alle stehen dicht an dicht in der Bahn. Miezka hat sich eng an mich gedrückt, allein Mowgli genießt seine Aussicht vom Rucksack aus.
Links, rechts, vor und hinter mir Leute. Direkt vor mir, mit dem Rücken zu mir, steht eine Frau. Und eben diese Frau ist es, die, aus welchem Grund auch immer, Mowgli’s Interesse weckt. Jedenfalls arbeitet er sich zu meiner Schulter vor und versucht mit seiner Pfote nach der Frau zu grapschen. Die kann natürlich nicht sehen, was da vor sich geht und interpretiert Mowgli’s Annäherungsversuche falsch. Ohne sich umzudrehen sagt sie ziemlich laut: „Lassad se des!“. Für Nichtschwaben: “Lassen sie das!“
Doch Mowgli gibt nicht auf, er will jetzt wissen was Sache ist und versucht ein weiteres Mal Kontakt herzustellen.
„Jetzt langd’s abr!“ („Jetzt reicht’s aber“).
Die Frau dreht sich um, wahrscheinlich um den potenziellen Urheber dieser Berührungsattacken zu eruieren und ihm eine Standpauke zu halten.
Sie dreht sich um …
Und …
Und sieht direkt in das Gesicht eines schwarzen Monsters, das ihr drohend eine mit furchtbaren Krallen besetzte Raubtierpranke direkt vors Gesicht hält.
In Bruchteilen von Sekunden wird sie kreidebleich und stösst einen Schrei aus, der vermutlich noch auf der Spitze des Fernsehturmes zu hören ist. Nur die direkt neben mir stehenden bekommen direkt mit, was geschehen ist, alle anderen hören in der überfüllten Metro nur den Schrei. Einige Köpfe drehen sich, aber kaum einer kann erkennen was los ist.
Es gibt Tage, da sitzt mir der Schalk im Nacken, besonders, wenn eben jene Tage erfolgreich verlaufen sind. So auch an diesem Tag.
Meine Antwort auf den Schrei ist nur: „Ha no, so hässlich sen mr doch et.“ („Ha nun, so hässlich sind wir doch nicht.“
Die Frau hat sich jetzt wieder gefangen und erkannt, dass das vorgebliche Monster nur eine Katze ist und beginnt eine Schimpfkanonade.
„D’ Leid so z’ vrschrecka, deand se dui Katz do weg. Ozoiga sod mr sia!“ (“Die Leute so zu erschrecken, tun sie die Katze da weg. Anzeigen sollte man sie!“)
Nur hat sie die Rechnung ohne die Fellnasen gemacht. Denn was sie übersehen hat ist, dass ich auf dem Arm ja noch Miezka als weitere Begleitung habe. Und eben dieser Miezka passt das Ganze überhaupt nicht. Sie beginnt die Frau anzufauchen. Ziemlich aggressiv anzufauchen! Die sieht jetzt erst Miezka und versucht zurückzuweichen, was in Anbetracht der vollgestopften Bahn völlig unmöglich ist. Niemand der anderen Fahrgäste unternimmt etwas und ich achte auch nicht darauf, was diese tun.
„Sia Riabl sia, des isch ja gemeingfährlich!“ („Sie Rüpel sie, das ist ja gemeingefährlich!“)
Der Schalk sitzt mir immer noch im Nacken: „Sia brauchad koi Angschd han, dui hot heid scho gveschbrd!“ („Sie brauchen keine Angst zu haben, die hat heute schon gevespert!“)
Das war eins zuviel. Die Frau bekommt einen hochroten Kopf und versucht erfolglos auf Distanz zu gehen. Jetzt erst kann ich erkennen, das einige der anderen Fahrgäste ganz offen grinsen.
Endlich hält die U-Bahn und die Frau steigt aus, nicht ohne ein „Leck me doch am Arsch!“ zu hinterlassen. Keine Ahnung, ob sie nun an ihrem Ziel ist oder einfach nur raus will. Es ist mir auch so ziemlich egal. Denn ich sollte mit den beiden Miezen nach Hollywood gehen. Echte und vor allem glaubwürdige Monster für Horrorstreifen werden dort immer benötigt.
Foto: © beekeeper (Karin Schumann)/ http://www.pixelio.de
Autor: Mike
champicnac@yahoo.de
*****
Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de
Gespeichert unter: Katzen
Ich hab nicht schlecht gestaunt, als ich eines Nachmittags von einer größeren Runde mit meinem Hund nach Hause kam. Es war mitten im Sommer und ich war eigentlich ziemlich knülle von der Wärme. Und so habe ich mich schon gefragt, ob meine Sinne mir einen Streich spielen: Ich stehe gerade im Flur und gucke zur Balkontür und was sehe ich da – da sitzt doch tatsächlich eine Katze draußen auf dem Balkon und schaut neugierig und fragend durch die Glastür in mein Wohnzimmer. Sie schaut mich an und mautzt.
Ich guck noch mal hin. Geht doch gar nicht! Wie kommt das Plüschi denn auf meinen Balkon, habe ich mich gefragt. Geht aber doch! Sie muss irgendwie „um die Mauerecken“ von einem Balkon auf den nächsten geklettert sein.
Im ersten Moment war ich etwas ratlos. Was mach ich jetzt mit ihr? Sich selbst überlassen oder nach ihrem Zuhause suchen? Naja, ersteres hab ich eigentlich gleich wieder verworfen. Ich hatte irgendwie Angst, dass sie von der Balkonbrüstung abrutschen könnte und herunterfällt. Ist immerhin die 3. Etage, in der ich wohne und darunter ist ein steingepflasterter Weg.
Nun war ich neugierig geworden und wollte herausfinden, wer mir da so überraschend einen Besuch abgestattet hat. Also erst einmal mein Hundi ausgesperrt und die Balkontür geöffnet … mal schauen, wie sie reagiert! Ich habe mich erst einmal ganz zaghaft der kleinen Miss Samtpfote genähert.
„Miau“, sagte sie gar nicht schüchtern und schnupperte interessiert an meiner ausgestreckten Hand. „Hallo, meine Kleine“, sagte ich zu ihr, „wer bist du denn“? „Maau, Maau“, war die kurze Antwort und schon tapste sie selbstbewusst weiter auf ihrer Entdeckungsreise über meinen Balkon. Ich beobachtete fasziniert ihre leichtfüßigen Bewegungen. Und dann setzte sie mit einem eleganten Sprung vom Tisch auf das Balkongeländer über.
Jetzt bekam ich es schon ein bisschen mit der Angst zu tun. ‘Hoffentlich rutscht die Kleine nicht ab’, dachte ich. Das Geländer ist so schmal, nur wenige Zentimeter breit. Es sah irgendwie gefährlich aus. Aber sie schien das überhaupt nicht zu stören. Neugierig tappste sie daher, balancierte wie eine kleine Seilkünstlerin auf dem schmalen Rand der Balkonbrüstung.
Da bei mir eigentlich immer eine Kamera griffbereit in der Wohnung herum liegt, war dies die Gelegenheit, ein paar schöne Fotos von der kleinen Kletter-Miss zu schießen. Sie setzte sich sogar ganz gemütlich auf dem schmalen Rand hin und schaute interessiert nach unten.
Ihre Kletterkünste in allen Ehren, aber ich hatte Sorge, sie könnte bei ihrer weiteren Wanderung von Balkon zu Balkon in Gefahr geraten. So beschloss ich, die kleine Ausbrecherin ‘zu retten’ und nach ihrem Zuhause zu suchen.
Gesagt, getan. Ich näherte mich der bezaubernden Schönheit, sprach ein wenig mit ihr und siehe da, sie kam zu mir und ließ sich kraulen und streicheln. Dann nahm ich sie behutsam auf den Arm. Sie hatte nichts dagegen.
Nun trat ich mit ihr eine kleine Reise durch unser Mehrfamilienhaus an. Ich wusste, das 2 Mieter im Haus eine Katze haben. Aber eigentlich hatte ich diese Katzen optisch in anderer Erinnerung. Aber vielleicht ein Neuzugang? Ich klingelte also bei den besagten Mietern, erntete aber nur überraschte Blicke, als ich mit der Katze auf dem Arm vor den Leuten stand. Nein – zu unserem Haus gehörte die kleine Samtpfote also nicht!
So ging unsere kleine Reise weiter. Aber auch in den Hauseingängen links und rechts fand sich kein Katzenbesitzer. Neugier und Aufmerksamkeit erregte ich jedoch schon mit meinem kleinen felligen Fundstück!
Irgendwo musste sie doch ihr Zuhause haben! Und dann erhielt ich den entscheidenen Tipp: Zwei Haustüren weiter seien neue Mieter eingezogen, da wurde wohl seitdem schon einige Male ein ‘entwischtes’ Kätzchen auf Wanderschaft beobachtet.
Wieder ein paar Klingelknöpfe drücken – und endlich geschafft! Wir hatten die Familie von Miss Samtpfote gefunden. Dort schien man gar nicht sonderlich überrascht. Es war ja auch nicht das erste Mal gewesen. Aber glücklich und zufrieden wechselte die kleine Spaziergängerin von meinem in Frauchens Arm, wohl schon den nächsten Ausflug im Wuschelköpfchen planend. Kann also durchaus sein, das man sich wiedersieht – und ich demnächst ab und an Samtpfotenbesuch auf meinem Balkon bekomme.
Fotos: K. Dartsch
Autor: K. Dartsch
viper9307@gmx.de
*****
Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de
Gespeichert unter: Katzen
Kater Cimba war sehr traurig, und das hatte auch seinen Grund. Er sollte mit seinem Frauchen nach Spanien fliegen, dabei wollte er das gar nicht. Es gefiel ihm sehr gut in Deutschland und da waren auch seine Freunde. Der Bernhardinerhund Lady, die Katze Steffi und das Meerschweinchen Charly und Vogel Otto.
Aber sein Frauchen hatte sich das in den Kopf gesetzt und er konnte nichts dagegen tun. Am meisten würde er Lady den Hund vermissen, der hatte ihn immer beschützt, wenn Gefahr in Verzug war.
Cimba erinnerte sich noch an die Zeit als er in München gewohnt hatte, dort konnte er über die Dächer spazieren und den Mond von ganz nah betrachten. Leider gefiel das den Menschen nicht, sie sahen es nicht gerne, wenn Cimba bei ihnen vorbei spazierte und laut miaute. Manchmal sogar in ihre Wohnungen sprang, wenn die Dachfenster geöffnet waren. Deswegen musste ihn sein erstes Herrchen auch abgeben und er kam zu seinem Frauchen, das er sehr liebte. Dort konnte er in einem schönen Haus mit Garten wohnen und mit seinen neuen Tierfreunden spielen. Am Anfang fürchtete er sich schon vor dem großen Bernhardinerhund, aber schnell merkte er wie gutmütig Lady war. Er durfte sogar aus dem gleichen Fressnapf naschen, aber sein Katzenfutter mochte er doch lieber.
Und jetzt sollte das alles vorbei sein und Cimba nach Spanien gehen. Sein Frauchen hatte sich dort ein Haus gekauft und wollte dort leben. Morgen würden sie fliegen, und Cimba überlegte wie er das verhindern könnte, aber es fiel ihm nichts ein.
Der nächste Tag war da, heute Mittag ging es zu Flughafen und dann in den Flieger. Cimba fühlte sich ganz schrecklich und versteckte sich hinter der Hecke am Haus, er hoffte, dass ihn niemand finden würde. Dort muss er wohl eingeschlafen sein, er bekam nicht einmal mit, das sein Frauchen ihn überall suchte. Als er wieder aufwachte dröhnte sein Kopf und ihm war schlecht. Dann sah er, das er in einem Käfig saß aus dem er nicht heraus kommen konnte, weil er abgesperrt war. Das entsetzte ihn und er fing an laut zu schreien, aber niemand hörte ihn, nur die anderen Tiere, die ebenfalls in Käfigen hocktenoder lagen. Sie erklärten ihm, das er in einem Flieger war, der nach Spanien flog.
Cimba sah ein, das er im Moment nichts tun konnte und er legte sich ganz ruhig hin um zu schlafen. Irgendwann wachte er auf und stellte fest, dass er sich nicht mehr im Flugzeug befand, sondern auf dem Laufband wo auch Koffer standen. Und da stand sein Frauchen und rief ihn. Cimba war sauer und er schrie und fauchte wie verrückt. So eine Gemeinheit, ihn in so einem engen Käfig ein zu sperren und in einen Flieger zu bringen, das würde er ihr lange nicht vergessen.
Dann nahm sein Frauchen den Käfig mit dem schreienden und fauchenden Cimba und stieg in ein Taxi. Sie fuhr direkt zum Haus und brachte Cimba in ein Zimmer. Dann öffnete sie die Käfigtüre und Cimba war frei, aber er schrie und fauchte immer noch wie wild und fressen wollte er auch nicht.
Vor lauter Erschöpfung schlief er auf seiner Decke ein, und ins Bett zu Frauchen wollte er ebenfalls nicht, zu sehr hatte sie ihn enttäuscht. Erst nach ein paar Tagen sah sich Cimba sein neues Zuhause an und er musste zugeben, es gefiel ihm ganz gut.
Foto: © Hartmut910 / http://www.pixelio.de
Autor: Ursula Geier, November 2009
UrsulaGeier@web.de
http://www.urska.jimdo.com
*****
Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de
Gespeichert unter: Katzen
Vor langer, langer Zeit, in einem fernen Land, wo der Nordstern tiefer steht, wo die Tage heiss und die Nächte kalt sind, da lebte eine Katze, die war trächtig. Vor langer Zeit waren ihre Vorfahren mit den Menschen aus dem Süden in dieses Land gekommen. Aber davon wusste sie nichts und es hätte sie auch nicht interessiert.
Sie wohnte nicht bei den Menschen, sondern streifte frei durch das Land. Eine Maus oder anders Getier fand sie meistens. Jetzt war sie in die Stadt gekommen, da sie fühlte, dass sie bald gebären würde. In letzter Zeit waren viele Menschen in der Stadt und die Gasthäuser der Menschen waren voll, so dass auch viele Mäuse in der Stadt waren die sich an den Abfällen der Menschen gütlich taten. Für die Katze war daher der Tisch reichlich gedeckt. Zwar hatte sie eine Scheu vor den Menschen und kam keinem zu nahe, aber manchmal konnte sie doch ein Stück Fleisch stibitzen.
An jenem Tag begann es bereits dunkel zu werden und die Häuser der Menschen waren voll. Wie sie nun um eine Ecke bog, sah sie ein Menschenpaar, das einen heftigen Wortwechsel mit einem weiteren Menschen führte. Sofort sah und roch die Katze, dass die Frau schwanger war. Aber nach der Katzen Art kümmerte sie der Menschen Geschäfte nicht.
Es war bereits dunkel, als sie das Paar noch einmal von weitem durch die Strassen ziehen sah. Nun galt es, einen sicheren Platz für ihr Nest zu finden. In der Stadt war das unmöglich. Also lief sie zum Stadtrand, da kannte sie eine Hütte. Zwar waren oft andere Tiere darin, aber die hatten ihr noch nie etwas getan. So lief die Katze zu der Hütte und suchte sich im Heu ein sicheres Versteck.
Die anderen Tiere beachteten sie nicht, sie gehörten den Menschen und sie kannten die Katze. Es dauerte auch nicht lange und die Katze gebar drei Junge, zwei Kätzchen und ein Katerchen. Sie biss die Nabelschnur durch und leckte sie trocken. Dann säugte sie die jungen Kätzchen zum ersten Mal.
Als sie sich ganz eng an ihre Jungen schmiegte um sie warm zu halten, gab es an der Tür ein lautes Gepolter. Die Tür ging auf und zwei Menschen kamen herein. Es war das Paar, dass sie heute schon zweimal gesehen hatte. Die Katze erschrak. Sie konnte ihre Jungen nicht im Stich lassen und jetzt war es unmöglich, ein neues Versteck zu suchen.
Die Frau konnte kaum noch laufen und hatte offensichtlich starke Wehen. Der Mann stütze sie. Sie legte sich auf einen Haufen Heu. Die Katze roch, dass die Frau jetzt gebären würde. Die anderen Tiere schauten den Geschehen interessiert zu. Und tatsächlich gebar sie nach einiger Zeit ein Kind. Sie wickelten es in Tücher, die sie bei sich hatten und legten es zum Schutz in eine leere Futterkrippe. Die ganze Zeit hatte sich die Katze still verhalten und alles nur aus ihrem Versteck beobachtet.
Nachdem etwas Ruhe eingekehrt war, widmete sich die Katze wieder ihren Jungen. Einige Zeit war vergangen, als die Tür zur Hütte wieder geöffnet wurde. Die Frau und der Mann erschraken erst, denn mehrere Männer kamen herein. Aber die Männer redeten nur mit den beiden Menschen.
Was dann geschah, begriff die Katze nicht. Die Männer nahmen vor der Futterkrippe Aufstellung und knieten auf den Boden. Dann sprachen sie für die Katze unverständliche Worte in der Menschensprache. Nach einiger Zeit gingen sie wieder.
Ruhe kehrte nun ein. Die Menschen schliefen im Heu. Jetzt wurde die Katze doch neugierig, auch wollte sie wissen, ob von dem Geschehen irgendeine Gefahr für ihre Jungen ausginge. Also schlich sie ganz vorsichtig durch das Heu zu den Menschen. Auch in die Futterkrippe schaute sie. Da lag dieses Menschenkind und schlief. Nun scheute die Katze eigentlich die Menschen, aber als sie dieses Kind sah, war alles ganz anders. Irgendetwas ging von dem Kind aus, das Vertrauen in der Katze weckte. Sie schnupperte an dem Kind. Dann fing sie an zu schnurren und ihm vorsichtig über das Gesicht zu lecken. Erst als das Kind unruhig wurde, sprang sie aus der Krippe und schlich wieder zu ihren Jungen.
Das Kind fing an zu weinen und die Frau wachte auf und stillte es. So verging die Zeit. Ab und zu verschwand der Mann und kehrte nach einiger Zeit mit Essen zurück. Eigentlich ist es die Art der Katzen, nach einiger Zeit nach einem neuen Versteck für die Jungen zu suchen, aber diesmal war es anders. Sie fühlte, dass dies der sicherste Ort war, den es gab.
Nach einigen Tagen gab es draussen vor der Hütte einige Aufregung. Es gab ein Gedränge und mehrere Männer kamen in die Hütte. Die waren ganz anders, als die Menschen, die sie bisher kennnenngelernt hatte. Sie waren auf eine Art gekleidet, welche die Katze noch nie gesehen hatte Auch sie knieten vor der Futterkrippe mit dem Kind und sagten unverständliche Worte. Und sie liessen seltsame Dinge zurück, als sie gingen. Da war etwas, dass in der Nase der Katze nicht gut roch, und anderes, das glitzerte, so dass sie gerne damit gespielt hätte.
Es vergingen wieder einige Tage. Dann passierte etwas Seltsames. Ein Licht war da und etwas nie gekanntes erfüllte den Raum. Aber seltsamerweise hatte die Katze keine Angst. Aus dem Licht kam eine Stimme in der Sprache der Menschen. Als das Licht wieder verschwunden war, waren die beiden Menschen in heller Aufregung. Sie packten eilig zusammen, was sie hatten, die Frau nahm das Kind und sie verschwanden aus der Hütte.
Jetzt war es auch an der Zeit für die Katze, umzuziehen. Sie wollte sich gerade aufmachen um ein neues Versteck zu suchen, als vor der Hütte Lärm erklang. Einige Menschen drängten sich herein und die Katze spürte sofort, dass diese übel gesinnt waren. Sie suchen in allen Winkeln der Hütte, aber sie fanden wohl nicht, was sie suchten.
Die ganze Zeit hatte sich die Katze mit ihren Jungen immer tiefer ins Heu zurückgezogen. Als die Menschen laut rufend wieder weg waren brachte sie ihre Jungen in ein anderes Versteck.
Schnell wuchsen die Kleinen heran und die Katze brachte ihnen alles bei, was man als Katze wissen muss. Und als die Zeit gekommen war, gingen sie ihre eigenen Wege. Die Katze aber streifte weiter durch das Land und obwohl sie immer noch vorsichtig war, hatte sie doch ihre Scheu vor den Menschen verloren.
Viel Zeit war vergangen, als sie auf einem ihrer Streifzüge einem Mann begegnete, von dem sie glaubte, ihn zu kennen. Aber ja, der roch so wie das Kind damals in der Hütte, nur war er jetzt erwachsen. Diesen Mann sah sie noch öfter auf ihrer Wanderung durch das Land. Und irgendwie hatte sie ein grosses Vertrauen zu ihm. Aber sie ging weiter ihren Katzengeschäften nach.
So lebte die Katze noch viele Jahre, länger als jede Katze vor ihr. Und sie war 35 Jahre alt, als sie unter einem Gebüsch einschlief. Als sie erwachte, war es heller Tag und es war warm. Sie steckte sich und schaute sich um. Um sie herum standen unzählige Tiere, von jeder Art. Zuvorderst ein grosser Kater, der den Kopf vor ihr neigte. Alle anderen Tiere taten es ihm gleich. Das verstand die Katze nicht. Da öffnete sich eine Gasse in der Menge der Tiere und ein Mensch kam auf sie zu. Sie erkannte ihn sofort. Das war der Mann, dessen Geburt sie miterlebt hatte. Aber wie sah der denn aus? Ganz blutig und mit vielen Wunden am Körper, an den Händen und den Füssen.
Die Katze fragte sich, wer ihn wohl so zugerichtet habe. Sie war bereit, jeden anzugreifen, der dem Mann zu nahe kam. Der aber bückte sich und nahm die Katze in seine Hände. Sie fühlte sich bei ihm so wohl, wie sie es noch nie erlebt hatte. Dann ging er mit ihr durch die Menge der Tiere. Jetzt sah sie erst wo sie war: Ein weites Land mit grünen Wiesen, wie sie es noch nie zuvor gesehen hatte. Von fern hörte man die Brandung des Meeres.
Der Mann trug die Katze immer weiter durch das Land, bis sie an Hügel kamen, die mit Wald bewachsen waren. Am Waldrand stand einer, der leuchtete in einem wunderbaren Licht. Als sie an ihm vorbeikamen verneigte sich auch der Leuchtende vor ihnen. Und weiter gingen sie durch den Wald bis sie wieder ans Meer kamen. Da ging ein in allen Farben schimmernder Weg in den Himmel. Die Katze kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Und so trug der Mann die Katze auf diese Brücke, die leuchtete wie ein Regenbogen, in den Himmel und mitten ins Licht hinein.
Foto: © HMathes (hmathes)/ http://www.pixelio.de
Autor: Mike
champicnac@yahoo.de
*****
Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de
Gespeichert unter: Katzen
Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, steht Miezka auf Musik. Sie tut alles, um ihren jeweiligen Musikgeschmack kundzutun. Wirklich alles. Peinlichkeiten eingeschlossen.
An jenem Tag Anfang Dezember war ich wegen einer Routineimpfung mit Miezka abends noch beim Tierarzt. Dazu ist keine Transportbox notwendig. Ich habe eine dieser praktischen aufrollbaren Leinen. Ausserdem will Miezka in dem beginnenden weihnachtlichen Trubel sowieso lieber getragen werden.
Der Weg führt durch die Innenstadt, wo vor einigen Tagen der Weihnachtsmarkt begonnen hat. Nun bin ich ja nicht unbedingt ein Freund solcherart weihnachtlich kommerzialisierter Institutionen, aber ein Glas Glühwein könnte man sich ja schon zu Gemüte führen. Alles auf der Welt ist im Wachsen begriffen, warum sollten da die Preise für Glühwein eine Ausnahme machen? Ausserdem findet der weihnachtliche Menschenauflauf nur einmal im Jahr statt, also, was soll’s. Miezka auf dem Arm stelle ich mich an einem Glühweinstand an, die verwunderte Blicke meiner Mitmenschen ignorierend.
Es gibt hier auch einige Stehtische, um die sich das Weihnachtsvolk glühweinschlürfend versammelt. Miezka schaut aufmerksam in die Runde, lässt sich aber ansonsten nicht stören. Jetzt bin ich doch einigen Fragen ausgesetzt. „Ja, Katze an der Leine, wie kommt’s?“, und Ähnliches.
Während des beginnenden Gesprächs erklingt mit einem mal eine Melodie. Einige Meter weiter, neben dem Eingang zum Rathaus, hat sich einer mit einer Geige postiert und beginnt zu spielen. Der, ein Junge von etwa 12 Jahren, intoniert gerade „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Schnell bildet sich ein Kreis um ihn, zu dem ich ebenfalls gehöre. Weihnachtsstimmung eben. Der Junge spielt nicht gerade wie ein Stargeiger, aber doch so halbwegs passabel. Glaubte ich. Ergriffen lauschen wir alle den Tönen.
Eben setzt er zur zweiten Strophe an. Da ertönt von meinem Arm ein langgezogenes, lautes „Miauuuuuuu!!!!!!!!“ Einige Köpfe wenden sich mir zu. Der Geiger fährt in seiner Interpretation fort. „Miauuuuuuu!!!!!“ Will Miezka etwa runter vom Arm? Nein, sie macht keine Anstalten. „Miauuuuuuu!!!!!“ Unüberhörbar. Einige der Anwesenden beginnen jetzt verschämt zu grinsen. „Miauuuuuuu!!!!!“
Der Stehgeiger zeigt jetzt eine leichte Irritation. Er hat wohl nicht mit Begleitgesang gerechnet. „Miauuuuuuu!!!!!“ Das war eines zuviel! Einige Leute beginnen lauthals zu lachen.
Immer mehr falsche Töne kommen aus dem Saiteninstrument. Anstelle spiritueller Ergriffenheit macht sich nun allgemeine Heiterkeit unter den Zuhörern breit. Schliesslich bricht der Spieler seine Darbietung ab.
Kaum hat die musikalische Berieselung aufgehört, stellt auch Miezka ihre Kommentare ein. Der Junge packt seine Geige ein und verschindet mit hochrotem Kopf in der Menge. Er tut mir richtig leid, aber was kann ich tun? Jedenfalls hat Miezka die Lacher auf ihrer Seite.
In dem Gewühl kann ich mich dann auch fast unauffällig verdrücken. Miezka jedenfalls lässt sich bis heute durch nichts zu einer Übersetzung ihrer Äusserungen ins Deutsche überreden. Aber was soll’s? Wenn sie bei Dieter Bohlen nicht als Superstar durchgeht, dann vielleicht in seiner Jury.
Foto: © Corrie (Judith Lisser-Meister) / pixelio
Autor: Mike
champicnac@yahoo.de
*****
Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de
Gespeichert unter: Katzen
Für meine Menschen daheim!
Ich bin Kätzchen Nr. K 489.
Keiner hier hat einen Namen. Hier; wo ist das? Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht daran erinnern, war einfach noch zu klein.
Hier – ist das alles, was das Leben für mich bereit hält? Es ist kalt und nass, bin mit vielen Tieren hier. Ich kenne sie noch nicht. Es gibt aber Böse und welche, mit denen ich auskomme.
Warum muß ich hier sein? Ich sehne mich nach einem eigenen Leben, nach Wärme und Geborgenheit. Hier gibt es nur Gitter und kalte Fliesen, keinen warmen Schlafplatz für mich. Ich habe solche Sehnsucht, weiß nur nicht genau wonach. Kenne ja nichts anderes. Aber es gibt auch Kätzchen, die von einem anderen Leben berichten, von dem ich dann nachts träumen darf. Warum werden diese Vierbeiner wohl hier sein, wenn es doch irgendwo anders sein soll? Man muß es ja nicht glauben.
Lange, so hab ich das Gefühl, bin ich jetzt hier. Täglich kommen Menschen, die uns sehen wollen. Die einzige Abwechslung. Doch abends sind sie immer wieder weg und ich bleibe da. Trostlos. Mitgehen möchte ich mit ihnen. Hoffnung! Irgend etwas, in meinem kleinen Herz sagt mir „Hoffnung!“
Schon wieder ist ein Winter vergangen. Wir freuen uns auf die warme Jahreszeit. Ostern ist es. Ostern 2002. Menschen suchen jetzt ihr Osternestchen, suchen ihr Glücksgeschenk. Ich finde mein Geschenk nicht! Karfreitag ist endlich vorbei. Ich mag keine Feiertage hier. Langsam kommt die Nacht und ich darf wieder träumen …
Langsam erwache ich. Es ist Ostersamstag. Die Sonne kitzelt meine Nase. Endlich wird es wärmer. Mein Gefühl sagt mir, gleich ist es mal wieder soweit und neugierige Menschen laufen am Gitter vorbei. Keiner schaut auf mich. Keiner spürt meine Sehnsucht. Andere Kätzchen haben mehr Glück. Sie sehen auch anders aus als ich. Mein Fell wirkt struppig. Mein linkes Ohr ist von Kämpfen um das Futter gezeichnet und auch meine kleine Zunge ist nicht mehr komplett. Ich bin schmal geworden, habe eine eitrige Nase, Schnupfen und einfach Hunger.
Solche Tage, an denen man zur Schau gestellt wird, mag ich nicht. Von den Menschen, die an unseren Gitterstäben verweilen, sprechen einige mit uns. Keiner mit mir. Ich bin auch nur ein ganz gewöhnliches Kätzchen. Eben Kätzchen K 489. Manchmal kommt jemand mit dem Personal, zeigt auf eine von uns, eine, die wir dann höchst selten wiedersehen. Ich weiß nicht, wo diese abbleiben.
Zwei junge Mädchen nähern sich unserer Unterkunft. Bleiben stehen und … schauen mich an und flüstern miteinander. Sie werden wohl gleich über mich lachen weil ich anders bin als die anderen. Krank und keinesfalls anschauenswert. Auch führen sie einen eigenartigen Behälter mit sich. Sieht aus wie der gleiche Käfig den ich bewohne, nur viel, viel kleiner. Schaurig!
Alle Mitbewohner werden jetzt aufmerksam, denn die jungen Damen rufen einen Pfleger herbei. Die Mädchen reden erneut miteinander. Sie sprechen sich mit Namen an. Aline und Steffi müssen sie wohl heißen. Aber eigentlich ist mir das egal. Ich schließe meine Augen und möchte damit nicht gesehen werden. Ich bin es auch einfach leid, ständig zu sehen wer von uns dieses traurige Heim verlässt und nicht mehr zurückkehrt. Ich döse vor mich hin.
Plötzlich spürte ich die unmittelbare Nähe des Pflegers. Als ich die Augen öffnete, war es bereits zu spät. Geübte Hände ergriffen mich und ich fand mich wenig später in diesem Miniaturkäfig wieder. Eine Reise von unbekanntem Ziel begann für mich. Ich habe Angst! Weiß nicht, was geschieht.
Verladen in einem Auto, begann für mich eine Fahrt ins Ungewisse. Eigentlich fahre ich gern mit dem Auto. Das kenne ich, weil ich oft in eine Tierarztpraxis gebracht wurde. Ich schaute aus dem Fenster. Es war nichts Bekanntes zu sehen, an das ich mich auf den Fahrten zum Arzt erinnern konnte. Alle Eindrücke waren neu. Lange war ich unterwegs.
Plötzlich hält das Auto an. Mein kleiner Käfig wird angehoben und ich schaukelte darin ein Stück unbekannte Straße entlang. Riesige Häuserzeilen, viele Türen, unbekannte Geräusche. Ein Treppenaufgang zu einer Tür. Meine Begleiterinnen drückten einen Knopf, die Tür öffnet sich.
Wieder Treppen, wieder eine Tür. Meine Nase witterte einen bekannten Duft. Den Duft von Vierbeinern, wie ich einer bin! Ein neues Tierheim? Aber es war warm, hell und ohne Gitter. Wo bin ich? Die Gittertür an meinem kleinen Käfig wurde entfernt. Vorsichtshalber bewegte ich mich vorerst nicht. Doch wie nun einmal die Art der Katzen ist, war die Neugier stärker. Ganz vorsichtig schaute ich aus meinem Behältnis und erblickte zwei neue Menschen. Sie sind offensichtlich etwas älter als meine Begleiter. Der eine schaute mich an, wie die Menschen vor meinem Tierheimzwinger. Ich fühlte, daß er mich nicht sonderlich mag. Trotzdem kletterte ich aus meinem „Bau.“ Oh, hier waren auch schon andere Kätzchen da. Vorsichtig inspizierte ich die Umgebung.
Es gab viel zu entdecken. Auch ein Zimmer, in dem sich Wasser und Katzentoiletten befanden, und ein Anderes, wo ich zu essen bekam. Da die anderen Kätzchen keinen Appetit zeigten, aß ich alles allein. Diese Gelegenheit, so glaubte ich, kommt nicht so schnell wieder! Dann schaute ich mich in dem großen Zimmer um. Vieles entdeckte ich, woraus ich schließen konnte, dass hier schon eine längere Zeit Kätzchen wohnten. Als meine beiden Begleiter samt Käfig die Wohnung verließen, hatte ich eine Ahnung! Sollte das mein Zuhause werden?
Ich nahm Kontakt zu den beiden Katzen auf. Delf und Felix waren zwei Kater. Sie erzählten mir von ihrem Zuhause. Sollte gerade mir es ab diesem Moment so gut gehen wie den beiden? Ich kann es nicht glauben.
Dienstag. Ein Käfig steht auf dem Tisch. Ich denke, jetzt geht es zurück.Nun, ich hatte ein schönes Osterfest. Wäre gern hier geblieben. Schade! Wieder in einer kleinen Box, wieder Gitter, wieder ein Auto. Doch es war eine sehr kurze Fahrt. Am Ende erkannte ich es am Geruch. Tierarzt. Er war ganz lieb zu mir. „Matzl“ nannte er mich. Trotzdem war es für mich unangenehm. Dreimal hat er mir wehgetan aber ich ertrug es, nur um nicht negativ aufzufallen. Medikamente bekamen die beiden Menschen mit nach Hause, die mich hierherbrachten. Aber auch mich nahmen sie wieder mit.
Glücksgefühl, als ich wieder aus der Box klettern durfte und ich wieder bei Felix und Delf war. Trotzdem war ich unsicher. Was sollte ich noch erleben? Wie lange darf ich hier verweilen? Wie sieht meine Zukunft aus? Wird der Mensch, der mich so kritisch anschaute als ich ankam, sich ändern? Sollte es vielleicht gerade für mich ein „Zuhause“ geben? Ich kann es nicht glauben, daß ich jemals menschliche Liebe erfahren sollte. Und doch war es so.
Ich bekam einen eigenen Futternapf, eine eigene Toilette und einen eigenen Schlafplatz. Ebenfalls fiel mir auf, daß, wenn mich die beiden Menschen ansahen, das Wort „Krümel“ fiel. Ich glaubte, ich hatte somit einen Namen. War nicht mehr Kätzchen K 489. Ich war zur Persönlichkeit geworden. Ich bin glücklich!! Ich glaube und ich weiß es: Ich bin endlich daheim!
Eine wunderbare Zeit! Aber auch diese hatte ihre Schatten. 2004 erkrankte mein kleiner Freund „Delf.“ 18 Jahre verbrachte er mit meinen, mir nun liebgewordenen Eltern. Es war traurig und fast zerbrach mein kleines Herz, als er von seinem Leid erlöst werden mußte. Viele Tage der Trauer vergingen. Aber auch noch heute erinnern wir uns lieb an ihn. Eine kleine Weile sollte nun ins Land ziehen, da wir allein waren, Felix und ich.
Die Aufmerksamkeit unserer Menschen bezog sich nun allein auf uns. Ich habe immer noch Angst. Angst davor, bei einem Fehler in meinem Verhalten, in das kalte Heim zurückgebracht zu werden. Deshalb überlegte ich mir jeden Schritt,jede Bewegung und jegliches Tun.
Besuch hat sich angesagt. Es wurde viel geräumt und gesäubert. Es hieß, ein neuer Bewohner zieht ein. Oje, er soll erst 12 Wochen alt sein. Ich halte nicht viel von solch „Jungen Gemüse!“ Mit der Ruhe wird es vorbei sein!
Es ist soweit. Der Besuch kommt, stellt einen ähnlich kleinen Käfig wie ich ihn kenne, im großen Zimmer ab, öffnet ihn und heraus kommt ein winziger „Angeber.“ Schwanz in die Höhe gestreckt, betritt er den Raum, als wohne er schon eine Ewigkeit hier. Mein Gott, was ist das? Langhaarig und blond. „Cream tabby“ soll sich die Farbe nennen. Rasse der Perser. „Furioso vom Kirschgarten“ sei sein Name. Aber die Leute, der Besuch sagte, man rufe ihn Einfach „Ossi.“ Dicke, fette Pfoten, keine Nase und rotzfrech. Aus mit unserer Ruhe! Na, wenigstens stinkt er nicht.
Der Herr mag nicht alles essen, muß gekämmt werden und hat Probleme mit der Tapete in der Wohnung, indem er die Wände hochklettert. Eigentlich hat man uns erklärt, das diese Rasse sehr ruhig und sensibel ist. Tut mir leid, wir beiden, Felix und ich, können nichts von dieser Eigenart erkennen. Ständig werden wir von ihm verfolgt und er will sich mit uns balgen, Junger Schnösel, Halbstarker, Angeber und „Gernegroß.“
Trotzdem begann eine schöne Zeit! Wir hatten immer volle Futternäpfe und nebenbei gab es auch ständig andere Leckereien, was man speziell mir bald auch ansah. Mir ging es sehr gut. Ich wurde immer satt, bekam viel Liebe, machte aber auch nichts falsch. Oft legte ich mich bei meinem Mensch, der mich anfangs so kritisch betrachtete, auf den Schoß und ich bekam viele Streicheleinheiten, für die ich mich mit Liebe und mit Folgsamkeit bedankte.
Nie hat einer mit mir schimpfen, oder ein lautes Wort sagen müssen. Bei den zwei Katern war es anders. Die machten aber auch laufend anderen Blödsinn. Liegen abwechselnd auf den Tischen rum, kratzen an Türen und klettern auf die Möbel usw. Das alles tue ich nicht. Ich wundere mich nur darüber und schaue mir das Drama an. Auch habe ich ein Spezialspielzeug. Eine Hasenpfote. Mit ihr spiele ich nachts, wenn die beiden Kater mit im Bett sind, „Mutter und Kind!“
Für mich ist mein Zuhause einfach die Erfüllung eines Traumes. Manchmal kann ich gar nicht begreifen, das gerade ich auch endlich glücklich sein darf. Meine Menschen sprechen auch viel mit uns. Ich möchte auch immer antworten, aber leider kann ich nicht „Miau“ sagen. Ich habe es nicht gelernt. Immer kommt nur ein „Mau“ aus meinem Schnäuzchen. Doch meine Menschen verstehen mich.
Glückliche, zufriedene und dankbare Jahre. Keine Kälte, Nässe und Hunger! Und doch schlummerte etwas in mir. Etwas Böses und bis in das Jahr 2007, Unerkanntes.
Seit einiger Zeit, fühle ich mich nicht mehr besonders. Ständig ist mir schlecht Und ich nehme ab. Längst esse ich auch nicht mehr alles. Ich habe Durst! Meine Menschen stellen für mich überall Trinkgelegenheiten auf. Ich mag kein Naßfutter mehr. Auch Gourmetkost, wie zum Beispiel Gewiegtes vom Rind muß ich nicht mehr haben.
Mir geht es nicht gut. Mein Körper wird immer schmächtiger. Meine Menschen bringen mich zum Arzt. Ein Bluttest bringt Erkenntnis. Meine kleinen Nieren funktionieren nicht mehr optimal. Infusionen und Spritzen bekomme ich. Umsonst. Ich fühle mich von Tag zu Tag schlechter. Ich esse nichts mehr. Durst ist alles, was ich noch habe. Meine Menschen sorgen sich um mich. Meine Mutti ernährt mich mit Brei- spritzen, die sie speziell vorbereitet.
Ich mag nicht mehr. Ich glaube, daß mein Leben von mir geht. Im Stillen nehme ich Abschied von meinen geliebten Eltern, die mir den Traum des Lebens erfüllten, endlich ein Zuhause zu haben. Eigentlich bin ich ja noch nicht alt. Gerade mal acht Jahre. Schade. Gerne wäre ich geblieben!! Ich denke an Ossi und Felix. Sie waren mir gute Gefährten.
Lebt wohl, alle die ich sehr geliebt habe, auch ich war mir euerer Liebe bewusst! Danke, danke für mein Leben mit euch. Zufrieden und glücklich habt ihr mich gemacht. Behaltet mich nur in euerem Herz. Weint nicht um mich! Meine Zeit mit euch, war die Hochzeit meines Daseins.
13. August 2007. Meine Eltern sind bei mir. Ich hab euch lieb!!
Abschied. Ich fühle etwas Endgültiges. Ich darf in den Armen meines Frauchens sein. Mein Vati ist auch ganz nahe bei mir. Die Erlösung kommt! Ich bin müde.
16.00 Uhr. Mein kleines Herz hört auf zu schlagen. Eines soll euch für immer bewußt sein: Es hat aus Dankbarkeit für „Euch“ geschlagen.
Lebt alle wohl und denkt oft an euer
KRÜMELCHEN.
Foto: Familie Schulz
Autor: Familie Schulz
frank-thomas.schulz@freenet.de
*****
Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de
Gespeichert unter: Katzen
Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als uns unsere Schulweisheit träumen lässt. Vor allem Dinge, denen wir noch nie begegnet sind, versetzen uns in Erstaunen. Gerüchten zufolge sollen ja Aliens unsere Erde schon lange besetzt haben. Und jeder geht damit anders um. Insbesondere, wenn dieser Jemand ein Fell und Krallen hat.
Nachmittags wollte ich mit Miezka und Mowgli noch an den Seepark. Nur war es heiss, sehr heiss. Denn die Hitze der Stadt ist im Sommer brutal. Daher sind wir sehr schnell umgekehrt, nachdem die beiden Fellnasen sich sofort in den Schatten geflüchtet haben und nur sehr schwer dazu zu bewegen waren, diesen geringfügig kühleren Ort wieder zu verlassen.
Doch kaum wieder in der Wohnung, maunzen die Haustiger die Türe an und Miezka springt hoch und will sie öffnen, obwohl sie wissen müsste, dass diese immer abgeschlossen ist, seit sie gelernt hat, wie Türen zu öffnen sind.Beide wollen wieder raus. Verstehe einer das Katzenvolk!
Ach nööö…, Dosi gedenkt nicht, mit den beiden rauszugehen und dann womöglich in der prallen Sonne stundenlang neben einem Gebüsch zu warten, während sich die felide Fraktion der Weltbevölkerung einer ausgiebigen Siesta hingibt und die Herrschaften sich irgendwann bequemen, sich wieder auf die Pfoten zu machen. Wir werden abends wieder rausgehen, wenn es nicht mehr so heiss ist, ihr könnt derweil auf den Balkon. Dosi wird derweil wieder an den See gehen, aber alleine, um ein kühlendes Bad zu nehmen. Ja, wärt ihr nicht so wasserscheu … So weit, so kühl.
So gegen 20 Uhr ist es zwar noch warm, aber nicht mehr die grosse Hitze. Also werden beide angeleint, Mowgli geschultert und Miezka auf den Arm genommen. Bei so einem Wetter ist der Seepark vor allem auch abends voller Leute und es dürfte fast unmöglich sein, eine freie Sitzbank zu ergattern. Daher beschliesse ich kurzfristig, nicht in den Seepark, sondern an den Fluss zu gehen. Der Weg dorthin ist zwar weiter, aber dort dürfte es nicht so überlaufen sein. Miezka muss eben, bis wir dort sind, an der Leine bleiben und Mowgli sitzt sowieso die meiste Zeit auf meiner Schulter.
Der Weg führt erst an der Strasse entlang und dann durch eine Schrebergartenkolonie zum Fluss. Der führt ob der andauernden Hitze sowieso ziemlich wenig Wasser. Die beiden Fellnasen beeindruckt das ziemlich wenig. Sie schnüffeln zwar am Wasser und auch die Wellenbewegung ist ja so interessant, aber da rein traut sich niemand. Miezka stromert hierhin und dorthin, schaut gelegentlich nach mir und Mowgli bleibt vorsichtshalber angeleint, aber die Rollleine ist ja 5 Meter lang.
Derweil vertiefe ich mich in ein Buch und die Zeit vergeht. Die Sonne ist bereits untergegangen und es dämmert schon ziemlich, als Miezka kommt und sich neben mir ins Gras legt. Das ist das Zeichen zum Aufbruch. Los, Dosi, wir haben Hunger! – Ok, mach ich, also Kater, spring mal auf, es geht nach Hause.
Es ist bereits fast dunkel, als wir durch die Schrebergartenkolonie kommen. Es sind kleine Parzellen, mal mit mehr mal weniger Liebe angelegt. Da wächst Gemüse und Blumen. Nur alle 50 Meter steht eine Wegbeleuchtung, aber für meine beiden Raubtiere dürfte das mehr als genug Licht sein. Miezka kann da soviel entdecken und auch Mowgli springt öfter von der Schulter um etwas zu untersuchen.
Irgendwo inmitten diese Labyrinthes von kleinen Wegen stutzt Miezka plötzlich und nimmt lauernde Haltung ein. Auch Mowgli richtet sich auf, die Ohren nach vorn, und macht sich sprungbereit. Dann ein Satz und er ist auf dem Boden. Irgend etwas ist da! Meinereiner sieht und hört nichts, aber ich bin ja auch nur der Dosi.
Die beiden Stubentiger starren auf einen Punkt an einem Zaun. Jetzt hört mein unsensibles Dosigehör auch was. Es ist ein leises Schmatzen und Rascheln. Für eine Maus ist es zu laut. Eine Ratte? Aber Ratten schmatzen nicht, glaube ich wenigstens. Erkennen kann ich noch nichts. Aber halt, da bewegt sich doch was in der Dunkelheit. Und langsam schiebt sich eine kleine Gestalt in das Dämmerlicht der Wegbeleuchtung. Ein Igel!
Nun weiss ich nicht, ob Miezka schon Igeln begegnet ist. Bevor ich in die Stadt gezogen bin, war sie ja Freigängerin auf dem Land. Aber Mowgli hat mit Sicherheit noch nie so einen stachligen Gesellen gesehen. Und hier zwischen den Schrebergärten mit unzähligen Komposthaufen und Verstecken dürften schon einige dieser Stacheltiere hausen. Jedenfalls sind beide Katzen erst mal vorsichtig und kommen dem Igel nur langsam und wachsam näher. Befürchtungen, dass der auf kätzischer Speisekarte landen könnte, habe ich nicht, denn so ein nächtlicher Wanderer ist ja mit exzellenten Defensivwaffen bestückt und ich glaube nicht, dass selbst Miezka und Mowgli vereint damit fertig werden.
Was ist das bloss? Eine spontane Mutation? Ein Ausserirdischer? Vorläufig besteht mal die felide Taktik im Beobachten. Auch ich verhalte mich völlig still. Es ist schon lange her, dass ich einen Igel gesehen habe. Der lässt sich davon nicht stören und sucht weiter nach Futter oder was Igel sonst so interessieren könnte.
Mowgli beginnt an dem Igel zu schnuppern, traut sich aber nicht vollständig an ihn heran. Er misstraut wohl dem seltsamen Geschöpf. Jetzt verharrt der Igel, er hat wohl gemerkt, dass da was ist. Miezka, als die Ältere und Erfahrenere wagt den ersten Schritt. Vorsichtig versucht sie das Stacheltier mit der Pfote zu berühren. Sofort reagiert der Igel und rollt sich ein.
Da liegt er nun, eine Kugel aus Stacheln, und wagt nicht mehr, sich zu bewegen. Miezka, und nun auch Mowgli, versuchen ihn zu betatschen. Nur, so wie’s aussieht merken beide Fellnasen schnell, dass dieses nicht so einfach ist. Denn so eine Igelstachel ist sehr, sehr spitz. Aber die beiden sind sehr vorsichtig, Verletzungen gibt es keine, sondern eher so etwas wie neugierige Verblüffung.
Ich habe schon öfter von Hunden gehört, die sich an Igeln blutige Nasen geholt haben, aber Katzen sind da viel vorsichtiger. Jedenfalls ist ein Status Quo eingetreten. Die rot-schwarze Koalition belauert die stachlige Festung, während diese weiterhin in katalytischer Starre verharrt. Dosi ebenso, er will erst mal abwarten, was passiert. Und es passiert – nichts.
Nach einigen reglosen Minuten verlieren die beiden Raubtiere das Interesse, da ist ja nichts zum jagen und zum spielen piekst es doch zu sehr. Miezka beginnt die Umgebung des Igelstandortes zu inspizieren und Mowgli kratzt an meinen Hosen. Er möchte wieder auf die Schulter. Ist mir recht, wir gehen nach hause.
Langsam entfernen wir uns vom Ort der nächtlichen Begegnung, als ein lautes Rascheln zu hören ist. Sofort ist Mowgli wieder von der Schulter runter und Miezka geht wieder in Lauerstellung. Aber das Objekt ihrer Neugier ist bereits wieder im Dunkel eines Gartens untergetaucht.
Nun gut, machen wir uns auf den Heimweg. Trotzdem schauen die beiden Fellnasen immer wieder in die Richtung, in die sich der Stachelpelz verdünnisiert hat. Zu gerne hätten sie wohl gewusst, was bei ihrer neuen Bekanntschaft so abgeht. Aber das Stachelalien ist und bleibt verschwunden.
Vielleicht werden die Miezen jetzt UFO-Forscher und melden das bei SETI. Wer kann das wissen?
Foto: © The M (Nadine Kluth)/ http://www.pixelio.de
Autor: Mike
champicnac@yahoo.de
*****
Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de
Gespeichert unter: Katzen
Der Schein trügt, so lautet eine Strassenweisheit. Schwarze Katz’ bleibt schwarze Katz. Und was bleibt Dosi? Wohl nur, gute Mine zum grotesken Spiel zu machen. Unsere Fellnasen bleiben davon allerdings wenig beeindruckt.
Die Spaziergänge mit Mowgli arten sich langsam zu einem teuren Spass aus. Denn sein Lieblingsplatz ist definitiv meine Schulter. Nein, Dosi, keine Diskussion, etwas anderes kommt nicht in Frage, basta! Das ist der Platz, den das Fellmonster ausser Haus beansprucht.
Nur ist Dosi der Leidtragende, ob dieser kätzischen Kletter- und Festhalteaktionen.Denn mittlerweile ist mein Verbrauch an Pflaster erheblich gestiegen und bereits ein Hemd und ein T-Shirt wanderten in die Kiste für Putzlappen. Dagegen muss dringend etwas unternommen werden, denn der faule Kater denkt nicht daran, Dosi zu schonen und sieht mich weiterhin als sein ganz persönliches Transportmittel an. Raus will er, will Miezka und will ich schliesslich auch.
Also, was tun? Die Lösung wird in einer waghalsigen Konstruktion gefunden und besteht erst mal in der Anschaffung von zwei neuen Hemden. Es sollen preiswerte sein, denn unter den gegebenen Umständen ist nicht abzusehen, ob sie lange halten. Nur ist die Auswahl bei preiswerten Hemden, die zudem eine gewisse Stabilität haben sollen, nicht eben besonders gross. Will heissen, in der von mir angestrebten Preisklasse gibt es zwar die richtige Grösse, aber nur in schwarz. Ok, Schwarz ist neutral und im übrigen ist Mowgli auch schwarz, also passt’s schon. Dieses war der erste Teil.
Als nächstes muss ein wenig Kunstleder besorgt werden. Echtes Leder wäre besser, aber als Unwissender wüsste ich auf die Schnelle nicht, wo ich einen halben Quadratmeter schwarzes Leder herbekomme. Zudem ist Leder auch ziemlich teuer und Kunstleder tut’s auch. Des weiteren werden in der Kurzwarenabteilung mehrere grosse und stabile Druckknöpfe erstanden und dazu den massivsten Zwirn, den ich bekommen kann, sowie einen Satz Nähnadeln. Nächste Aktion.
Zuhause angekommen müssen die Hemden erst mal vermessen werden, was gar nicht so einfach ist, angesichts der Neugierde der beiden Fellnasen. Warum müssen die sich bei einer so konzentrierten Arbeit auch immer einmischen? Erst ein erfolgreicher Bestechungsversuch mit einigen Katzensticks und Sahne verschaffen mir etwas Luft zum arbeiten. Also, die Hemden sind vermessen, jetzt muss das Schulterstück auf das Kunstleder aufgezeichnet und ausgeschnitten werden. Das klappt soweit ganz gut, es ist im Prinzip nur ein technisches Problem und damit werde ich fertig. Ist wie Blech, nur etwas schlappriger. Nun müssen die Druckknöpfe auf den Hemden und auf dem Kunstleder aufgezeichnet und angenäht werden. Kurzfristig hatte ich auch die Idee das Kunstleder komplett anzunähen. Ich hatte mir zwar vor Jahren mal eine billige Nähmaschine erstanden, aber ich habe vielleicht drei mal etwas damit repariert, seitdem steht sie im Keller. Ich bin eben kein Schneider sondern eher Techniker, und komme mit Stoffen nicht so richtig klar. Aber Druckknöpfe annähen, dazu reicht’s gerade noch.
So, Fertig! Das Lederstück wird mit den Druckknöpfen auf einem Hemd befestigt und dasselbige angezogen. Schaut im Spiegel nicht mal sooooo schlecht aus. Also, Katertier, komm mal her, wir machen mal einen Testlauf. Mowgli wird hochgehoben und auf die Schulter gesetzt, wo er sich auch sofort häuslich niederlässt. Er erwartet wohl, dass es jetzt rausgeht. Nein, erst mal schauen, wie sich’s anfühlt. Und hoppla, die Konstruktion taugt ja was, keine Katzenkrallen zu spüren, daher dürfte auch das Hemd nicht abbekommen. Und sollte mal der Lederersatz kaputt gehen, kann ich’s problemlos ersetzen. Aber Mowgli muss noch mal runter, ohne Katzengeschirr und Leine läuft da nichts.
So, fertig, also auf zur Premiere. Jetzt kann ich auch Miezka anleinen und auf den Arm nehmen. Und los geht’s. Auf dem Weg zum Seepark will Miezka sofort runter, nur Mowgli bleibt auf seinem Stammplatz. Und so folgt das mir sattsam bekannte Spiel: Miezka schnüffelt und inspiziert so ziemlich alles, Mowgli sitzt auf meiner Schulter und springt nur gelegentlich runter um etwas zu untersuchen, was ihn besonders interessiert. Nur mit dem Unterschied, dass diesmal an mir keine blutigen Kratzer zurückbleiben und auch das Hemd dank des Kunstlederschutzes nichts abbekommt. Ich habe eben alles bedacht.
Was ich aber nicht bedacht habe, ist mein Outfit in der Totalansicht. Man stelle sich folgende Szene vor: Man läuft ahnungslos auf dem Weg zwischen Seepark und Strasse und plötzlich kommt einer entgegen, schwarze (!) Klamotten, schwarze (!) Katze auf der Schulter und eine rote (!) Katze fast bei Fuss! Da können einem schon seltsame Gedanken durch den Kopf gehen.
Den konsternierten Blicken der Passanten kann ich entnehmen, das sie sich in einen schlechten Hollywoodstreifen versetzt sehen, oder glauben, das wäre „Versteckte Kamera“. Auch einige, die mich schon seit längerem mit Miezka oder Mowgli kennen und mit denen ich ins Gespräch komme, sind erkennbar leicht irritiert. Bin ich etwa einem Satanistenkult beigetreten, gehöre ich zur dunklen Seite der Macht oder zelebriere nachts schwarze Messen? Abarakadabera, dreimal schwarzer Kater! Das wüsste ich aber!
So langsam schleicht sich in mir der Gedanke ein, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, ausgerechnet ein schwarzes Hemd und schwarzes Leder auszuwählen. Und ich bin überzeugt, dass hinter meinem Rücken getuschelt wird. An diesen Aspekt meines selbstgebastelten Katerschutzanzugs habe ich wirklich nicht gedacht. Aber es ist nun mal jetzt so, also wird der Spaziergang fortgesetzt.
Eine Beruhigung der Situation ergibt sich erst, als ich mich auf einer Bank niederlasse und Miezka ableine. Sofort beginnt sie herumzustromern und alle paar Minuten nach mir zu schauen. Mowgli ist wieder von der Schulter und beginnt die Bank zu untersuchen. Somit bin ich zumindest nicht mehr auf den ersten Blick als Hexer und somit potenzielles Mitglied der schwarzen Magierzunft erkennbar.
Irgendwann kommt Miezka wieder und legt sich neben der Bank ins Gras. Das ist das Zeichen zum Aufbruch. Eine Runde um den See und dann geht’s nach hause. Der weitere Weg läuft genau so ab, wie der Weg zum See. Schultertransport, abspringen, aufsitzen. Bis mir eine Gruppe jüngere Typen entgegenkommen. Ob Männlein oder Weiblein ist auf den ersten Blick nicht auszumachen. Sie sind auch fast schwarz gekleidet. Das „fast“ bezieht sich auf die Haarfarbe, denn die schimmert in allen Farben. Ausserdem sind sie mit diversen Ketten behängt und mit Piercings bestückt. Nun ist mir solcherart schriller Anblick nichts neues, nicht mal im Seepark. Hier in der Stadt laufen noch viel schrägere Vögel herum, diese hier könnte man daher fast als normal bezeichnen. Nur habe ich bisher dieses gruftige Volk ignoriert und sie mich auch. Doch diesmal werde ich angesprochen.
„Schau mal, der trägt ne schwarze Katze.“, „Ey, geil!“, „Is’ ja irre!“ und ähnliches.
Und dann komme ich mit den Punkern oder für was auch immer sie sich halten, doch ins Gespräch. Denn ganz offensichtlich macht vor allem der schwarze Teufel auf meiner Schulter Eindruck und sie halten mich wohl für eine Art Seelenverwandten.
Mowgli bekommt einige Streicheleinheiten, aber erst, nachdem er sich mehrmals überzeugt hat, dass wirklich und absolut keine Gefahr droht. Miezka hat sich erst mal in ein Gebüsch verkrochen, kommt dann aber doch lieber zu Dosi. Die Gruppe ist jetzt ganz baff, als sie sieht, dass da noch eine Katze ist, die auch zu mir gehört. Miezka wird von mir erst mal auf den Arm genommen. Sie lässt sich auch erst nach anfänglichem Zögern anfassen.
Derweil flanieren weitere Spaziergänger an uns vorbei, die uns mit einem seltsamen Seitenblick betrachten. Aber was soll’s, ist der Ruf erst mal ruiniert … Dem Katzenvolk ist das alles ziemlich schnuppe, soll Dosi doch selbst sehen, wie er damit klarkommt.
Miau!
Foto: © Dirk Schelpe / http://www.pixelio.de
Autor: Mike
champicnac@yahoo.de
*****
Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de
Gespeichert unter: Katzen | Schlagworte: Adam und Eva, aus Katzensicht, Genesis, Paradies, Schöpfungsgeschichte
Ivani hatte schon lange gesehen, dass Lilith trächtig war, aber sie wusste nicht, wie das bei den Katzen vor sich ging und sie wollte Lilith nicht stören. Lilith hatte sich hinter den Deckenstapel zurückgezogen und blieb dort den ganzen Tag, Am Abend gebar sie ihre Jungen.Es waren drei, zwei Katzen und ein Katerchen. Sie biss die Nabelschnur durch und leckte sie trocken. Dann säugte sie die drei zum ersten Mal.
Ivani sah Lilith jetzt nur noch, wenn sie zum Jagen aus ihrem Versteck kam. Nach einigen Tagen kam aber Lilith zu Ivani und miaute. Ivani wusste erst nicht, was los war, aber dann begriff sie. Lilith wollte unbedingt Ivani ihre Jungen zeigen! Vorsichtig schaute sie hinter die Decken. Da lagen die drei, ganz winzig und mit geschlossenen Augen. Ivani streichelte Lilith. “Die sind aber niedlich. Ganz die Mutter.“ Zu berühren traute sie sich die Kleinen nicht. „Das muss ich Madan zeigen.
Ohne Hast verliess die Hütte und kam nach einiger Zeit mit Madan zurück.
„Madan, Madan, schau mal, sind die nicht süss?“
„Oh ja, darf ich eines nehmen?“
„Besser nicht. Tiere mögen es nicht, wenn man ihre Jungen anfasst.“
Lilith ging jetzt zu den Kleinen, legte sie neben sie und die drei begannen sofort bei ihr zu trinken. Lange noch schauten Madan und Ivani zusammen die drei Kätzchen an. Gemeinsam verliessen sie die Hütte.
Madan lebte alleine, seit seine Eltern durch eine Krankheit gestorben waren. Er bewohnte die Hütte direkt neben Jaweth’s Hütte. Oft sassen alle Dorfbewohner abends vor dem Feuer, auch Madan und Ivani. Lilith bemerkte sehr wohl, dass sich die beiden zueinander hingezogen fühlten, aber sie begriff nicht, warum sie kein Paar waren. Bei Katzen ist das nicht so kompliziert. Sie verstand nur, dass Jaweth irgendetwas erlauben musste, was anscheinend damit zusammenhing. Aber da die Menschen nur redeten und das Feuer zwar wärmte, sie aber trotzdem eine Scheu davor hatte, zog sie es vor, lieber in der Hütte nach Mäusen zu suchen. Ausserdem musste sie nach ihren Jungen schauen. Aber mit der Zeit wurden diese grösser und Lilith kam wieder öfter zu Ivani.
An einem Abend begann wieder das Palaver vor dem Feuer. Lilith legte sich erst neben Ivani und wurde gekrault. Aber dann langweilte sie sich und bekam ausserdem Hunger. Sie wollte zuerst noch eine Maus erlegen, bevor sie sich um ihre Jungen kümmerte. Also ging sie in die Hütte um zu sehen, was sich jagbares dort finden würde. Plötzlich hörte sie ein leises Rascheln. Sie spitzte die Ohren. Da war wieder dieses Geräusch. Es kam aus Richtung der Vorratskörbe und der Krüge Sofort drehte Lilith ihre Ohren in die Richtung. Nein, eine Maus war das nicht, es war etwas größeres.
Wieder raschelte es. Dann sah Lilith was es war: Eine Ratte und zwar eine ziemlich grosse. Sie sass auf einem der Tonkrüge, in denen die Menschen Vorräte aufbewahrten. Mit Ratten wurde Lilith spielend fertig und diese hier war besonders fett. Die Ratte war eine gute Kämpferin, sie pfiff einen Warnruf und flüchtete nicht wie die Mäuse, aber es nützte ihr nichts. Lilith hatte sie gestellt und in die Enge getrieben. Mit einem schnellen Satz war Lilith auf dem Tonkrug und hatte die Ratte im Genick gepackt. Der Tonkrug fiel scheppernd um. Die Ratte wehrte sich, aber Lilith hatte ihr nach kurzer Zeit das Genick gebrochen.
Durch den Krach waren die Bewohner des Dorfes aufmerksam geworden und Jaweth kam um nachzusehen, was los war. Er erfasste sofort die Situation. Über den umgeworfenen Tonkrug verlor er kein Wort. Dafür aber über Lilith: „Es ist unglaublich, das ist ein Riesenvieh. Du bist eine mutige Katze.“ Danach versammelte Jaweth alle Dorfbewohner um das Feuer und berichtete, was er gesehen hatte. Und er befahl, dass von nun an niemand einer Katze etwas zuleide tun dürfe. Auch verbot er allen, Katzen zu jagen.
Wieder vergingen einige Tage im gleichen Rhythmus. Eines Nachts schlich Lilith zu Ivani in ihre Schlafstätte. Sie wollte ihr einfach nahe sein. Ihre Jungen waren jetzt gross genug, so dass sie diese einige Zeit alleine lassen konnte. Sie schmiegte sich an Ivani und fing an zu schnurren. Von dem Tag an legte sie sich jede Nacht zu Ivani und dabei blieb es. Nur in den Nächten, in denen sie zum Treffpunkt ging, war sie nicht da. Den Tag über schlief sie in der Hütte oder erkundete das Dorf, das sie mittlerweile als ihr Revier betrachtete. Wenn sie Jaweth begegnete, bekam sie auch von ihm einen Streichler.
Jaweth war tagsüber die meiste Zeit mit dem Hund bei den Ziegen. Das Verhalten des Hundes war Lilith völlig unverständlich. Er kam, wenn er gerufen wurde und tat auch sonst immer was ihm von den Menschen befohlen wurde. Nie wäre es einer Katze in den Sinn gekommen, irgend jemandes Befehl zu folgen. Daher hatte sie auch nichts für den Hund übrig. Er war zwar viel grösser und gefährlich, aber da er auf die Menschen horchte, ging Lilith ihm einfach aus dem Weg. Aber nicht immer war das möglich. Denn der Hund schnüffelte überall herum und so kam er auch einmal Lilith zu nahe. Erst wusste er nicht, was er von Lilith halten sollte, aber dann verbellte er sie. Lilith jedoch floh nicht und zeigte auch keine Anstalten zur Flucht. Der Hund knurrte wütend. Lilith fauchte und ging auf den Hund los. Mit ihren messerscharfen Krallen zog sie ihm so schnell, dass er nicht reagieren konnte, einige blutige Striemen über die empfindliche Schnauze. Es musste fürchterlich schmerzen. Von diesem Tag an machte der Hund einen Bogen um Lilith.
Am Abend trafen sie sich wieder am Treffpunkt im Gebüsch bei dem grossen Baum. Seit Lilith bei den Menschen war, hatte es viele grosse Diskussionen gegeben. Einige wollten auch zu den Menschen, andere zogen es vor, weiter in der Wildnis zu leben. Nun gibt es bei Katzen, anders als bei Hunden, keinen Anführer und jeder ist frei in seinen Entscheidungen. Jedenfalls waren Lilith’s Berichte dazu angetan, dass einige ernsthaft erwogen, auch zu den Menschen zu gehen, allen voran Sandfell.
So wie es aussah, waren die Menschen doch nicht so gefährlich, im Gegenteil, sie boten Schutz und reiche Beute. Durch Lilith’s Erzählung wussten sie, wie die Menschen mit Feinden umgingen und das bot mehr Sicherheit, als sie hier in der Wildnis hatten. Auch dem Feuer und dem Hund konnte man problemlos aus dem Weg gehen. Und niemand befahl ihnen etwas, sie mussten nicht wie die Hunde auf Befehl gehorchen. Keine Katze würde das jemals tun, sie brauchten einfach nur da zu sein. Denn Mäuse würden sie sowieso jagen und wenn das den Menschen recht war, warum also nicht?
Da sie in der Sache frei waren, konnten sie kommen und gehen wie es ihnen beliebte. Sie konnten sich weiterhin treffen und wenn es einmal jemand gelüstete, in der Wildnis zu jagen, war das auch kein Problem. Und sollte einmal jemand genug von den Menschen haben, so konnte er jederzeit gehen. Aber jede Katze musste das für sich selbst entscheiden. Lilith drängte niemanden dazu, mit ihr zu gehen, allein der Gedanke daran, jemand zu irgendetwas zu drängen, wäre ihr nie in den Sinn gekommen. Sie berichtete nur das, was sie erlebt hatte.
Sandfell, Nachtlicht und Grossohr beschlossen, mit Lilith zu gehen um zu sehen, was da bei den Mensche alles passierte. Sie würden später zurückkommen und berichten. Spät in der Nacht machten sie sich zur Siedlung auf. Sie erreichten sie im Morgengrauen. Erst beobachteten sie das Geschehen aus sicherer Entfernung, aber als die Menschen auf ihre Felder gingen und die Siedlung verlassen war, getrauten sie sich zwischen die Hütten. Alles fanden sie so vor wie Lilith berichtet hatte. Daher beschlossen sie, auch bei den Menschen zu bleiben. Gelegentlich würden sie zum Treffpunkt gehen.
So fand Ivani am nächsten Tag vier Katzen in ihrer Hütte. Eine davon war Lilith, aber die anderen hatte sie noch nie gesehen. Die drei wichen zurück und suchten einen Ausweg, noch nie waren sie einem Menschen so nahe gewesen. Langsam kniete Ivani sich nieder, wie sie es bei Lilith getan hatte, als sie diese zum ersten Mal gesehen hatte. Die drei fremden Katzen wussten erst nicht recht, was sie davon zu halten hatten, aber da Lilith nicht warnend fauchte und auch sonst keine Anzeichen von Furcht zeigte, warteten sie einfach ab, was passierte.
Ivani versuchte, ihnen ein Stück Fleisch zu geben. Sie schnupperten daran, aber kamen nicht näher. Ivani legte das Fleisch auf den Boden und bewegte sich langsam rückwärts. Jetzt kam Sandfell näher und begann das Fleisch zu fressen. Nun war das Eis gebrochen und die drei wurden zutraulicher. Ivani ging langsam rückwärts aus der Hütte. Als sie nach kurzer Zeit wieder mit Madan zurückkam, lagen alle vier Katzen auf den Decken und putzen sich.
Von dem Tag an kamen Sandfell und die anderen jeden Tag zu den Menschen und nach einiger Zeit blieben sie ganz. Nur zu ihren nächtlichen Treffen gingen sie ab und zu. Daher kamen immer mehr Katzen in das Dorf und blieben. Und mit der Zeit wurde kaum noch etwas von den Vorräten von Mäusen und Ratten gefressen. Das Katzenvolk hatte sein Auskommen, denn trotzdem zog es immer wieder Mäuse und manchmal auch Ratten hierher, aber diese hatten nicht lange Freude an dem scheinbar gefundenen Fressen, die Katzen dafür umso mehr. Manchmal bekamen sie auch etwas Ziegenmilch und gelegentlich ein Stück Fleisch. Sonst mussten sie, im Gegensatz zu dem Hund, nichts weiter tun.
Liliths Junge waren jetzt gross und gingen selbst auf die Jagd. Es war nun Erntezeit und Jaweth hatte diesem Tag Madan befohlen, den Dreschflegel aus seiner Hütte zu holen. Der Dreschflegel hing an der Wand und Madan musste auf einen Stapel geschichtetes Holz steigen. Den Dreschflegel hatte er jetzt in der Hand und wollte wieder hinuntersteigen. Da sah er auf dem Holzstapel einen Skorpion in Richtung seines linken Beines krabbeln. Er machte einen Schritt zurück, das Holz kam ins Rutschen und Madan stürzte vom Stapel. Er lag auf dem Boden und wollte aufstehen. Aber Madan war ziemlich unglücklich gestürzt. Er konnte sich nicht mehr richtig bewegen und bekam kaum noch Luft. Offensichtlich hatte er sich einige Rippen gebrochen.
Der Skorpion war auch heruntergefallen, war jetzt direkt vor seinem Gesicht und hatte drohend seinen Stachel erhoben. Madan wagte nicht, sich zu bewegen, der Skorpion würde sofort zustechen. In dem Moment sah Madan, dass Lilith sich von hinten an den Skorpion heranschlich, die Ohren nach vorn gerichtet und jede seiner Bewegungen aufmerksam beobachtend. Lilith hatte schon mehrmals mit Skorpionen zu tun gehabt. Sie schmeckten sehr lecker, aber sie waren sehr schnell in der Hitze und man musste aufpassen, nicht von ihnen gestochen zu werden. Dieser hier war nicht sehr gross, aber trotzdem konnte sein Gift eine Katze umbringen. Und er war direkt vor Madan’s Gesicht und konnte jederzeit zustechen. Aber Lilith war genau hinter ihm und sie wusste, was zu tun war.
Der Skorpion war ausschliesslich auf Madan fixiert. Mit einem Satz schnellte Lilith nach vorn und drückte von hinten den Schwanz mit dem gefährlichen Giftstachel nach unten. Es knackste leicht, nur für Lilith hörbar. Der Skorpion war noch nicht tot, aber jetzt völlig wehrlos und der Schwanz mit dem Giftstachel zerquetscht. Noch zappelten seine Beine. Ein Biss und der gefährliche Happen war nur noch Katzenfutter. Mit Hochgenuss begann sie das zarte Fleisch zu verzehren, als Ivani in den Raum kam.
„Was ist hier passiert?“
„Lilith, Lilith.“ stöhnte Madan.
“Was ist mit Lilith?”
„Sie hat mich gerettet, ohne sie hätte mich der Skorpion gestochen.“
Er versuchte aufzustehen, stöhnte und brach gleich wieder zusammen.
„Was ist, bist du doch verletzt?“
„Es schmerzt, hier in der Brust.“
Madan stöhnte wieder.
„Warte, ich hole meinen Vater:“ sagte Ivani.
Nach kurzer Zeit kam sie mit Jaweth zurück.Er untersuchte Madan, der dabei wieder schmerzvoll stöhnte. „Es sind Rippen gebrochen.“ sagte Jaweth, „Es wird heilen, aber es wird einige Zeit dauern. Er wird Pflege brauchen.“
„Ich werde das übernehmen.“ antwortete Ivani.
Ihr Vater lächelte, er hatte schon seit langem gesehen, wie es um Madan und Ivani stand Und dies würde eine gute Gelegenheit sein, zu beweisen, was die beiden füreinander empfanden.
„Ich werde jetzt eine Weile fortgehen und Kräuter sammeln.“ sagte Jaweth, „Davon werde ich eine Salbe machen, die den Schmerz etwas lindert. Kümmere dich derweil um ihn.“
Als Jaweth gegangen war, holte Ivani ein Stück Fleisch um es Lilith zu geben. Lilith nahm es dankbar an, obwohl sie nicht begriff warum sie eine Belohnung erhalten hatte. Sie hatte ja als Belohnung bereits den äusserst delikaten Skorpion bekommen. Daher rieb sie sich an Ivani und begann zu schnurren.
Ivani blieb jetzt oft bei Madan und pflegte ihn. Alle Dorfbewohner begegneten Lilith jetzt mit Hochachtung und sie, aber auch ihre Jungen und die anderen Katzen, bekamen viele Streichler und manchmal Leckerbissen. Und die Mäusejagd gaben sie nicht auf. Sie erkannten, dass die Entscheidung, zu den Menschen zu gehen, richtig gewesen war.
Tage um Tage vergingen und langsam besserte sich Madan’s Zustand. Schmerzen hatte er keine mehr. Jaweth’s Salbe hatte auch das ihrige getan. Nach einiger Zeit war Madan gesund und begann wieder auf den Feldern zu arbeiten, oft begleitet von Ivani. Eines Abends sassen sie wieder um das Feuer. Jaweth wandte sich an Madan und Ivani.
„Ihr seit oft zusammen auf den Feldern.“ bemerkte er.
Die beiden schauten verlegen.
„Sollte mir etwas entgangen sein?“
Er lächelte. Madan fasste sich ein Herz.
„Es ist so …“ er stockte, wusste nicht mehr weiter.
„Liebt ihr euch?“
„Ja, Vater!“ sagte Ivani, mehr nicht.
Ein Schweigen trat ein. Jaweth nickte. „Dann sei es.“
Er erhob sich. „Hört mich an!“ rief er. „Madan und Ivani haben zueinander gefunden. Daher verkünde ich als Vorsteher dieses Dorfes, dass beim nächsten Vollmond Hochzeit sein soll.“
Es gab ein Gemurmel und zustimmendes Nicken, denn auch die anderen Dorfbewohner hatten längst mitbekommen, dass Madan und Ivani einander zugetan waren. Bis zum nächsten Vollmond war es nicht lange. Lilith verstand die Aufregung der Menschen in den Tagen davor nicht. Aber sie spürte, dass etwas Besonderes bevorstand.
Der Vollmond kam. Neugierig, aber etwas verunsichert, schaute Lilith dem Treiben zu. Sie wusste nicht, was sie davon zu halten hatte. Ivani wurde festlich gekleidet und auf den Dorfplatz geführt. Jaweth wartete schon am Feuerplatz mit den anderen Dorfbewohnern. Nach einiger Zeit kam Madan, auch er in festlicher Kleidung. Beide nahmen vor Jaweth Aufstellung. Er schaute erst das Paar an, dann der Reihe nach alle Dorfbewohner.
Dann fing er zu reden an.
„Es ist der Wille der Ahnen, dass Madan und Ivani füreinander bestimmt sind.“
Er schaute in die Runde.
„Möchte jemand etwas vorbringen?“
„Ja,ich.“ sagte einer der Dorfbewohner, „Es ist der Wille der Ahnen.“
„Es ist der Wille der Ahnen.“ wiederholte ein anderer.
„Es ist der Wille der Ahnen.“ kam es aus der ganzen Runde.
„Also sei es!“ rief Jaweth.
Er schaute zu Madan und Ivani.
„Da ihr euch liebt und es der Wille der Ahnen ist, sollt ihr von nun an zusammen sein.“
Er machte eine Pause und sah zu Madan.
„Und so gebe ich dir meine Tochter Ivani zur Gefährtin.“
Er machte eine weitere Pause.
Dann rief er: „Als Vorsteher dieses Dorfes und Vater von Ivani verkünde ich dies: Von nun an sind Madan und Ivani Mann und Frau. Möge ihr Leben glücklich und mit vielen Kindern gesegnet sein!“
Es gab Unmengen von Essen und ein Getränk, das in Liliths Nase nicht sehr gut roch, aber die Menschen tranken sehr viel davon. Und sie tanzten um das Feuer und sangen. Spät in der Nacht verschwanden Madan und Ivani in Madan’s Hütte.Das hatte Lilith noch nie erlebt, dass Ivani nachts bei Madan war. Aber sie mochte jetzt nicht zu ihnen, es war ihr zuviel Trubel gewesen und irgendwie hatte sie auch das Gefühl, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dazu war. Daher lief sie in der Nacht wieder zum Treffpunkt und kam erst im Morgengrauen zurück.
Ivani blieb bei Madan und da Lilith auch bei Ivani bleiben wollte, lebte sie von da an auch in Madan’s Hütte.
Das Jahr war bis jetzt sehr gut gelaufen, das Wetter hatte mitgespielt und daher standen die Felder gut und auch die Bäume waren voller Früchte. Die Leute waren damit beschäftigt die Früchte der Bäume zu ernten. Nur auf einen Baum gingen sie nicht, obwohl die Früchte bald überreif waren.
„Vater,“ fragte Ivani „warum ernten wir diesen Baum nicht?“
„Weil er dürre Äste hat, das ist zu gefährlich.“
„Aber die Früchte sind überreif und sind besonders süss.“
„Ich sage dir, iss nicht von den Früchten des Baumes!“ befahl Jaweth.
„Aber warum denn?“
„Die Äste sind dürr und werden brechen, wenn du da raufsteigst.“ mahnte ihr Vater.
„Aber die Früchte sind bereits reif und sie werden am Baum faulen, wenn man sie nicht erntet.“ entgegnete ihm Ivani.
„Nein, das ist zu gefährlich. Du lässt das bleiben!“
„Vater!“
„Das ist mein letztes Wort!“
Jaweth drehte sich um und ging langsam in Richtung der Ziegen. Aber die süssen Früchte lockten. Viele hingen auch auf den unteren Ästen, da müsste man nicht sehr hoch klettern und es könnte doch nicht so gefährlich sein. Jaweth irrte sich bestimmt, die Äste sahen stabil aus.Also begann sie trotz Jaweth’s Verbot auf den Baum zu klettern.
Lilith war Ivani gefolgt und sah ihr von unten zu. Vielleicht würde sie auch hochklettern, Lilith war gut im Klettern und schon oft auf Bäumen gewesen. Aber irgendwie traute sie sich diesmal nicht, etwas war an dem Baum, das sie davon abhielt. Ivani war jetzt auf dem Baum. Weit oben war sie nicht, viele Früchte hingen auch an den unteren Ästen. Langsam schob sie sich auf dem Ast nach vorne. Plötzlich stutze sie. Sie stiess einen spitzen Schrei aus und machte eine hastige Bewegung zurück. Dadurch verlor sie den Halt und wollte sich an dem Ast festhalten, der krachend brach. Der Ast mit Ivani stürzte zu Boden, nicht tief, es war ja nur einer der unteren Äste gewesen, daher verletzte sie sich nicht. Mit schreckgeweiteten Augen starrte sie auf den Ast. Lilith hätte der Ast fast getroffen, zuerst war sie zurückgesprungen, aber als sie Ivani regungslos auf den Ast sah, kam sie wieder.
Jetzt sah sie, was Ivani so erschreckt hatte. Da war eine Schlange auf dem Ast. Sie war noch jung, aber trotzdem, wie alle Schlangen in der Gegend, giftig. Lilith fauchte sie an. Die Schlange richtete sich auf und züngelte. Vorsichtig und ganz langsam bewegte sich Ivani rückwärts. Lilith würde niemals zulassen, dass Ivani etwas Schlimmes geschah.
Gelegentlich hatte sie eine Schlange erlegt, aber niemals im direkten Angriff, sie hatte immer nur gelauert und gewartet, bis der richtige Zeitpunkt zum Zuschlagen kam.Man musste sie direkt hinter dem Kopf erwischen um den Giftzähnen aus dem Weg zu gehen. Aber diesmal war es anders. Die Schlange war direkt vor ihr und hatte ihr Maul mit den Giftzähnen weit aufgerissen.
Bewegungslos starrte Lilith die Schlange an. Sie musste hinter die Schlange kommen, um sie zu erwischen. Sie würde sie nicht zulassen, dass diese Ivani angriff. Ivani wagte nicht, sich zu bewegen. Sie verfolgte entsetzt das Geschehen. Einige Bewohner des Dorfes, darunter auch Jaweth, hatten durch den Sturz bemerkt, dass etwas nicht stimmte und rannten herbei. Lilith begann zu fauchen.
Die Schlange züngelte wieder. Mit ganz langsamen Bewegungen schob sich Lilith zur Seite um hinter die Schlange zu kommen. Dann machte sie einen Satz zu Seite. Ruckartig folgte die Schlange der Bewegung. Wieder stand Lilith vollkommen reglos. Ein weiterer Sprung würde sie hinter die Schlange bringen. In dem Moment wollte die Schlange zustossen, aber Lilith war schneller. Sie wich aus und sprang dann vor. Jetzt war sie genau über der Schlange und wollte sie am Genick packen.Die wand sich blitzschnell und Lilith spürte einen Stich in ihrer rechten Vorderpfote. Trotzdem erwischte sie die Schlange und biss hinter dem Kopf zu. Die Bewegung der Schlange erlahmten. Sie war tot.
Ivani hatte sich wieder aufgerappelt und schaute nach Lilith. Im Laufschritt kam Jaweth angerannt. Fassungslos starrte er auf das Bild, das sich ihm bot. Er sah die tote Schlange, sah Ivani und Lilith und er erfasste sofort, was geschehen war. Ivani nahm Lilith in ihre Arme. Dann sah sie die kleine Wunde an Lilith’s Vorderpfote. Es blutete kaum, aber Lilith’s Vorderpfote schmerzte fürchterlich.
Ihr wurde seltsam zumute und zeitweise drehte sich alles vor ihren Augen. Der Schmerz wurde stärker und kroch hoch bis zur Schulter Aus den Augenwinkeln sah sie Sandfell, Nachtlicht und Langkralle. Langsam kamen die drei näher. Sie wussten was geschehen war und was geschehen würde und sie kamen immer näher und schnupperten und rieben sich an Lilith. Diese versuchte, sich die Wunde zu lecken, aber es gelang ihr nicht. Kaum noch bewegen konnte sie sich. Sie wusste, sie würde diesen Kampf verlieren und war bereit, in das Land am Rande der Zeit zu gehen. Dort konnte sie auf Ivani warten. Dann würden sie zusammen über den Regenbogenweg gehen. Sie fühlte keine Schmerzen mehr. Ihre Vorderpfote war jetzt völlig gefühllos. Ihr wurde kalt.
Als die Sonne unterging und die Dämmerung hereinbrach, starb Lilith. Sie wurde sieben Jahre alt. Alle Bewohner des Dorfes versammelten sich um die tote Lilith und trauerten und weinten die ganze Nacht. Am meisten weinte Ivani. Sie hielt Lilith in ihren Armen und betrauerte sie wie einen geliebten Menschen.
Am nächsten Tag kamen viele Menschen und Tiere von weit her, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Danach wurde Lilith bestattet als ob sie ein Mensch gewesen wäre.
Madan und Ivani zogen fort, denn sie wollten nicht mehr an dem Ort leben an dem sie soviel Freude aber auch tiefe Trauer erlebt hatten und sie kehrten nie mehr zurück. Und lange noch erzählten sich alle im ganzen Land die Geschichte von Lilith der Katze.
Heute wissen die meisten Menschen nicht viel von Lilith. Nur wenige kennen noch ihren Namen, die wirklichen Ereignisse haben sie vergessen. Und viele halten Lilith nur für ein Fabelwesen und manche sogar für einen Dämon In ihren Erzählungen wurde aus Madan und Ivani im Laufe der flüchtigen Jahre der Welt Adam und Eva und die Geschichte wird ganz anders erzählt. Doch alle Tiere, nicht nur die Katzen, erinnern sich noch an die Ereignisse und erzählen die wahre Geschichte noch heute, im Gedenken an Lilith, der Katze, welche die Welt der Menschen und der Tiere vereinte.
Foto: © Joujou (Schlangenfoto: Guedo – Günther Dotzler – , Bearbeitung: Joujou) / http://www.pixelio.de
Autor: Mike
champicnac@yahoo.de
*****
Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de
Gespeichert unter: Katzen
Julie’s Kitten sind jetzt schon einige Monate alt. Wenn Miezka zu Besuch kommt, sind die drei jetzt immer sehr neugierig und wollen alles von ihr wissen.
„Miezka, waren wir schon immer bei den Menschen?“
„Nein einst streiften wir frei durch das Land. Aber dann sind wir zu den Menschen gegangen.“
„Sind wir freiwillig zu den Menschen gegangen?“
„Ja, das sind wir, und es war die richtige Entscheidung.“
„Gab es denn eine erste Katze, die mit den Menschen lebte?“
„Miezka, weisst du das? Sag’s uns, bitte.“
„Ja, eine solche Katze gab es. Und das solltet ihr wirklich erfahren. Daher erzähle ich euch die Geschichte der allerersten Katze, die mit den Menschen lebte.“
So lange ist es schon her, so viele Sommer und Winter, dass niemand mehr genau weiss, wann es geschah, aber es war in einem fruchtbaren Land weit entfernt im Süden und im Osten. Langsam versank die Sonne hinter dem Horizont. Es wurde schnell dunkel in diesen Breiten. Es wurde Zeit, auf die Jagd zu gehen, die Dämmerung war die beste Zeit dafür. Langsam schlich Schattenwind durch die niedrigen Büsche. Von fern hörte sie einen Nachtvogel. Eidechsen waren um diese Zeit nicht mehr unterwegs, aber andere Beute wurde jetzt aktiv. Kleine Nager, die sich in der Dunkelheit sicher fühlten.
Sie hatte Geduld und legte sich auf die Lauer, als sie ein leises Rascheln hörte. Einer der Nager machte sich auf die Suche nach etwas essbarem. Er blieb kurz stehen, stellte sich auf die Hinterpfoten und schnupperte in die Luft. Aber er roch Schattenwind nicht, denn die hatte sich gegen den Wind angeschlichen. Sie duckte sich noch tiefer ins Gras und machte sich sprungbereit. Der Nager wollte sich gerade wieder auf seine Vorderpfoten fallen lassen, als die Katze vorschnellte und den Nager zu fassen bekam. Der quietschte in Todesangst und zappelte, aber Schattenwind hatte ihn sicher unter ihren Vorderpfoten. Dann liess sie los um sofort wieder zuzupacken. Dieses Spiel ging so einige Male, bis sie schliesslich genug hatte und dem Nager das Genick brach. Jetzt war das Essen gesichert und genüsslich machte sie sich darüber her. Nun machte sie sich auf zum Treffpunkt.
Der Treffpunkt lag unter einem Gebüsch in der Nähe eines weithin sichtbaren Baumes und wurde immer wieder von den Katzen der Gegend aufgesucht. Dort trafen sie sich und erzählten ihre Erlebnisse. Es war eine ziemliche Strecke dorthin. Die Nacht war heute lau und der Mond war noch nicht aufgegangen. Von fern hörte man das Brüllen eines grossen Tieres, dann war wieder Stille. Später hörte sie Vögel aufflattern. Sonst war es ruhig. Nach einiger Zeit konnte sie die Umrisse des grossen Baumes sehen. Zielsicher steuerte sie auf das Gebüsch zu. Eine Unruhe war in ihr. Sie fühlte, dass es Zeit war sich wieder zu paaren.
Einige ihrer Freunde waren schon da. Da war Renner, der schnellste von allen und Sandfell, Nachtlicht, Grossohr und noch einige andere. Sie begrüssten sich nach Katzenart und Schattenwind setzte sich hin, putze sich und wartete, was die anderen zu berichten hatten. Vieles waren uralte Geschichten, von den Elefanten, jenen grauen gutmütigen Riesen, Krokodilen, aber auch von den Löwen, den entfernten Verwandten, die weit, weit entfernt im Süden in der Steppe lebten. Elefanten gab es hier selten, sie lebten wie die Löwen weiter im Süden, aber manchmal wurde einer gesichtet.
Hier in der Gegend war es ruhig geblieben, nichts Besonderes hatte sich ereignet. Graustreif war gestorben. Er war ziemlich alt geworden und die Jagd bereitete ihm Probleme. Er war jetzt im Land am Rande der Zeit.
Auch diese Geschichte erzählten sie: Wenn ein Tier starb, dann ging es in ein zeitloses Land, von Meer umflossen, in dem keine Not oder Mangel herrschte, das Wetter immer freundlich war und niemand einem anderen ein Leid tat. Und dass es dort einen Weg in den Farben des Regenbogens gab. Wohin dieser führte, wusste niemand. Aber das waren Geschichten am Rande, wichtig war, was sich jetzt hier in der Gegend ereignet hatte.
Am Fluss gab es nun eine Kolonie Vögel bei der Brut und das könnte Beute versprechen. Die Krokodile hatten ihre Eier in den Sand gelegt, und waren jetzt noch gefährlicher als sonst. Bei den Hügeln zog eine Horde Warzenschweine durch. Ihnen musste man aus dem Weg gehen, denn sie waren immer übel gelaunt. Es gab Erzählungen, bei denen ein Warzenschwein eine angreifende Löwin so stark verletzt hatte, dass sie nicht mehr jagen konnte und jämmerlich zugrunde ging.
Und dann erzählte Nachtlicht, dass sie Menschen gesehen hätte. Menschen! Das war ein seltsames Volk, viele Tiere waren bei ihnen, hauptsächlich Ziegen, aber manchmal auch Hunde. Sie blieben nie lange an einem Ort, sondern wanderten mit ihrem gesamten Hab und Gut durch das Land. Man musste sich vor ihnen in Acht nehmen. Denn Schattenwind hatte schon mehrmals gesehen, dass ein Tier umgekommen war, obwohl niemand in der Nähe war. Aber jedes Mal war kurz danach ein Mensch aufgetaucht und hatte das Tier mitgenommen. Ob jemals eine Katze so ums Leben gekommen war, wusste niemand.Und sie hatten das Feuer gezähmt. Feuer war etwas, vor dem sich alle Tiere fürchteten. Schattenwind hatte im letzten Sommer erlebt, wie der Wald gebrannt hatte und dachte jetzt noch mit Schrecken daran. Daher suchten sie alle Deckung, wenn Menschen in der Nähe waren, und es war jetzt besonders wichtig, wachsam zu sein. Damit war zu diesem Thema alles gesagt und sie erzählten andere Geschichten.
Vieles weitere erzählten sie sich bei ihren nächtlichen Treffen. Von der Grossen Dunkelheit, die vor undenklichen Zeiten über das Land gekommen war und wie der schlaue Silberstreif einmal einen Affen überlistet hatte, wie Schwarzpfote einem Elefanten auf den Rücken gesprungen wäre und noch vieles mehr. Schattenwind lauschte den Erzählungen. Ein Seltsames Gefühl kam über sie. Sie fühlte sich plötzlich zu Sandfell hingezogen. Der bemerkte das, kam zu ihr und begann ihr das Fell zu lecken. Sie liess es geschehen. Nach einiger Zeit stand sie auf und entfernte sich langsam von den anderen. Sandfell folgte ihr, rieb sich an ihr und sie verschwanden in der Nacht.
Drei Tage streifte sie mit Sandfell durch die Gegend. Sie jagten und spielten zusammen und wenn es ihnen danach war, paarten sie sich. Aber nach vier Tagen hatten sie genug voneinander und jeder ging wieder seiner eigenen Wege. Schattenwind wusste, dass sie jetzt trächtig war, aber bis die Jungen zur Welt kämen, würde noch einige Zeit ins Land gehen. Sie jagte weiterhin in der Dämmerung und traf sich unter dem Gebüsch bei dem Baum mit den Anderen. So vergingen die Tage.
An einem Morgen war Schattenwind wieder auf einem ausgedehnten Streifzug. Weiter westlich am Fluss war die Vogelbrut jetzt geschlüpft und mit etwas Glück konnte man ein Küken erwischen. Die älteren Vögel waren zwar wachsam, aber man konnte sie ablenken, wenn man schnell genug war. Um die Sandbänke mit den Krokodilen machte sie einen weiten Bogen.Als ihr Weg sie wieder in Richtung Fluss führte, sah sie in einiger Entfernung Rauch aufsteigen. Was war das? Gab es wieder einen Waldbrand? Aber die dünne Rauchsäule blieb wo sie war und wurde auch nicht grösser. Langsam und vorsichtig schlich sie weiter, als sie Geräusche hörte. Menschen!Sie wusste aus dem Bericht von Nachtlicht, dass Menschen in der Gegend gewesen waren, aber sie hatte geglaubt, diese seien weitergezogen, wie sie das immer taten. Jetzt konnte sie die Menschen sehen.
Noch nie hatte sie etwas so Seltsames erblickt. Da waren feste Behausungen, welche die Menschen gebaut hatten. Ziegen waren dazwischen zu sehen und ein Hund döste in der aufgehenden Sonne Und in einiger Entfernung waren Bäume umgestürzt und Büsche herausgerissen worden und so eine grosse freie Fläche geschaffen worden. Dort waren auch Menschen, die den Boden umgruben, wie es die Warzenschweine machten, nur dass die Menschen dazu Werkzeuge benutzten. Langsam schlich Schattenwind näher. Alles war friedlich, die Ziegen beachteten sie nicht und auch der Hund hob nur einmal kurz den Kopf und witterte. Dann schlief er weiter.
In den folgenden Tagen kam sie immer wieder in die Nähe der Siedlung um zu sehen ob sich etwas geändert hätte. Aber der Rhythmus war immer der gleiche. Morgens gingen die Menschen auf ihre Felder, oft mit den Ziegen und dem Hund und nachts schliefen sie in ihren Hütten. Wenn die Menschen auf ihren Feldern waren, war das auch die Gelegenheit, immer eine Maus zu erwischen, die in der Menschensiedlung ziemlich zahlreich waren. Auch das Feuer war immer an der gleichen Stelle und griff nicht um sich.
Gelegentlich blieb sie in einer der Hütten schaute sich um und ruhte sich etwas aus, bevor die Menschen zurückkamen. Es gab dort weiche Decken, die dazu geradezu einluden. Das alles erzählte Schattenwind den anderen Katzen und so langsam legte sich die Aufregung über die Anwesenheit der Menschen.
Zweimal war jetzt Vollmond gewesen seit sie sich mit Sandfell gepaart hatte und Schattenwind wusste, dass sie bald gebären würde. Es wurde Zeit, sich ein sicheres Versteck zu suchen. Immer wieder untersuchte sie alle möglichen Stellen, aber keine war ihr sicher genug. So kam sie der Menschensiedlung immer näher. Hinter einigen Bäumen waren grossen Felsen mit dichtem Gestrüpp, das ausreichend Deckung bot. Nach zwei Seiten war zwischen den Felsen ein Durchgang offen, so dass sie von verschiedenen Richtungen hinein konnte. Vertrocknetes Gras war unter dem Gestrüpp und Schattenwind entschied, dass dies ein geeigneter Platz wäre um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Sie untersuchte die Stelle ausgiebig, aber es war kein Geruch von irgendwelchen grossen Raubtieren hier.
Gerade hatte sie die Inspektion abgeschlossen und den Platz für ideal befunden, als sie ein Geräusch hörte. Ein lautes Grunzen, das langsam näher kam. Warzenschweine! Sie zog sich zwischen die Felsen zurück und presste sich an den Boden. Immer näher kam die ungehobelte Horde, wühlte den Boden auf und grunzte andauernd. Aber sie entdeckten Schattenwind nicht.. Mit einem Mal waren sie unter dem Gebüsch und gruben den Boden auf der Suche nach Wurzeln um. Diese grunzenden Vielfrasse schreckten vor nichts zurück und Schattenwind war entsetzt darüber, dass sie ihr sorgsam ausgewähltes Wurfversteck zerstört hatten. Aber davon lässt sich eine Katze nicht abhalten. Sie würde ein neues Versteck finden.
In Richtung der Bäume konnte sie nicht, da waren die Warzenschweine und über die Felsen klettern mochte sie auch nicht, sie könnte von einem Raubvogel gesehen werden. Blieb nur der Rückzug nach hinten. Also schlich sie vorsichtig durch die Felsen, bis sie wieder freies Gelände erreichte.
Direkt vor ihr lag die Menschensiedlung. Sie war offensichtlich verlassen, die Menschen waren in einiger Entfernung auf ihren Feldern zu sehen. Niemand war bei den Hütten. Langsam schlich sie näher. Die Hütten waren aus Holz und Steinen gebaut und es gab Öffnungen, durch die Schattenwind hinein konnte. Es war wie eine grosse Höhle. Viele Gegenstände lagen darin, mit denen Schattenwind nichts anfangen konnte. Aber irgendwie roch es auch nach Essbarem.
Weiche Decken lagen in einer Ecke des Raumes und zwischen diesen und der Wand war Platz. Das könnte ein gutes Versteck für ihre Jungen abgeben. Sie beschnüffelte und begutachtete alles ausgiebig. Ja, der Platz war gut gewählt. Gerade als sie sich auf den Decken niederlassen wollte, hörte sie ein Geräusch. Am Eingang stand ein Mensch. Dem Geruch nach war das eine Frau. Erst wollte Schattenwind flüchten, aber die Frau stand zwischen ihr und dem Ausgang. Sie sah die Katze und kam langsam und vorsichtig näher. Schattenwind wusste erst nicht, was sie von der Situation halten sollte und fauchte erst mal vorsichtig warnend.
„Hab keine Angst, ich tu dir nichts.“ sagte die Frau beruhigend.
Sie kniete sich langsam zu Schattenwind nieder und streckte die Hand aus.
„Ich bin Ivani, wer bist Du denn?“
Schattenwind schnüffelte an ihrer Hand. Nein, da war kein aggressiver Geruch. Auch die Bewegungen liessen nicht auf einen Angriff schliessen. Seit sie hier war, waren die Menschen ihren eigenen Verrichtungen nachgegangen und nie war sie von ihnen belästigt worden, daher lies sie es zu, dass Ivani sie anfasste. Ganz vorsichtig streichelte Ivani über Schattenwinds Rücken. Sie liess es geschehen, ja, sie empfand es als angenehm. Ivani hatte zwar oft schon Katzen gesehen, aber noch nie hier in einer Hütte. Und diese hier war offensichtlich zutraulich.
„Magst du etwas fressen?“
Ivani drehte sich nach einem Topf um, holte etwas daraus hervor und hielt es in Schattenwinds Richtung. Schattenwind schnüffelte daran und es roch gut. Was sie angeboten bekam, war Fleisch. Dann schnappte sie danach und begann es zu fressen. Es schmeckte ungewohnt, aber sehr gut.
„Hast du einen Namen?“ fragte Ivani. „Ich werde dir einen Namen geben.“
Sie dachte kurz nach, dann sagte sie: „Ich nenne dich Lilith, das bedeutet Wind im Schatten oder auch Hoher Wind, denn wie der Wind aus dem Schatten oder aus der Höhe bist du hierher gekommen. Ja, ich denke, das ist ein guter Name. Gefällt er dir?“
Nun verstand Lilith zwar nicht alles, was Ivani sagte, aber sie begriff vieles davon. Bei den meisten Katzen ist das so, nur können sie sich den Menschen nicht immer verständlich machen. So wusste sie auch, was Ivani gesagt hatte. Und sie liess es gerne geschehen, dass Ivani sie streichelte und kraulte. Sie begann leise zu schnurren.
Lilith streckte sich und legte sich auf den Boden. Jetzt wusste sie, dass von den Menschen keine Gefahr drohte. Vielleicht wäre es sogar sicherer hier in der Hütte einen Wurfplatz für ihre Jungen zu haben. Denn so oft wie sie hier herumgeschlichen war, so hatte sie doch noch nie ein Raubtier bei den Menschen entdeckt.Offensichtlich wurden die Menschen von Raubtieren gemieden.
Nach einiger Zeit erhob sich Ivani und verlies die Hütte. Die Sonne stand schon tief, als sie zurückkehrte. Sie fand Lilith schlafend auf den Decken.
„Du bist ja noch da. Es gefällt dir wohl hier?“
Lilith wachte auf und streckte sich. Sie bekam einen Streichler von Ivani, den sie gerne annahm.
„Ich werde mit Jaweth sprechen, damit du hier bleiben kannst, wenn du magst. Er ist mein Vater und der Vorsteher unseres Dorfes. Er muss es erlauben.“Jaweth war erst dagegen, dass die Katze bei Ivana blieb. Nutzlose Fresser konnten sie nicht brauchen. Aber Ivani bettelte solange, bis Jaweth schliesslich wiederwillig zustimmte.
„Gut,“ meinte er, „Die Katze darf bei dir bleiben, aber keiner wird ihr Futter geben. Du musst dein Essen mit ihr teilen.“
Ivani fiel ihrem Vater fast um den Hals, als sie seine Zustimmung hatte.
So blieb Lilith bei den Menschen. Die Vorratskörbe waren voll von Früchten und auch Getreide, welches grosse Mengen von Mäusen und Ratten anlockte. Lilith wurde jeden Tag satt und die Zahl der Mäuse und Ratten nahm ab. Natürlich ging sie trotzdem immer wieder zum Treffpunkt am Baum, denn obwohl sie jetzt bei den Menschen lebte, war sie frei.
Bald bemerkten die Menschen, dass in Jaweth’s Hütte weniger Vorräte von Mäusen und Ratten vernichtet wurden und obwohl sie sich das erst nicht erklären konnten freuten sie sich darüber. Erst als Ivani Lilith einmal beim Erlegen einer Maus beobachtete, wurden die Zusammenhänge klar. Ivani sprach darüber mit Jaweth, ihrem Vater. Da Jaweth der Vorsteher des Dorfes war, verfügte er, dass Lilith daher für immer bleiben durfte.
So vergingen die Tage und Lilith wusste, dass sie bald gebären würde. Hinter den Decken war ein guter Platz und sie entschied, dass sie dort ihre Jungen zur Welt bringen würde. Gegen Abend kam Jaweth wieder in die Hütte. Er war bei den Ziegen gewesen und hatte sie gemolken. Lilith roch die Milch und strich Jaweth um die Beine. Neugierig, wie sie war, wollte sie wissen, was er da in dem Topf hatte. Als Jaweth sah, dass Lilith so sehnsuchtvoll nach der Milch schaute, nahm er ein kleines Tonschälchen und goss ein klein wenig Milch hinein.
„Diese Milch ist eigentlich nicht für dich, aber eine gute Mäusejägerin darf wohl schon etwas davon bekommen.“ meinte Jaweth.
Lilith roch an der Milch. Es roch nach Ziege, aber auch irgendwie süss. Sie begann, etwas von der Milch aus dem Schälchen zu lecken. Das war gut, sehr gut, etwas ähnliches hatte sie noch nie bekommen. Sie schaute Jaweth an und miaute.Von dem Tag an bekam sie öfters etwas Milch, meistens von Ivani, manchmal aber auch von Jaweth. Dann kam der grosse Tag.
– Fortsetzung folgt –
Foto: © wernerha (Werner Hagmüller) / http://www.pixelio.de
Autor: Mike
champicnac@yahoo.de
*****
Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de















