Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Wo die Liebe hinfällt!
1, 24 Oktober, 2007, 12:37
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Unser erster Jagdhund war Lea. Sie war das Produkt des liebestollen Försterdackels und einer Terrier-Mischlingsdame. Lea war schwarz mit weißer Brust und sah sehr edel aus. Vielleicht war es das, was zur großen Hundeliebe führte.

Jeden Tag ging nämlich an unserem Garten ein junger Mann mit einer riesigen schwarzen Deutschen Dogge mit einem weißen Brustfleck vorbei. Ein monumentaler Hund. Ich habe nie einen größeren gesehen.

Eines Tages passte ich nicht auf. Lea flitzt los. Da ist die Dogge!
Ich bin starr vor Schreck.
Der Doggenrüde jedoch glotzt mit verliebten Kalbsaugen auf das kleine Dingelchen zu seinen Füßen und beginnt die Kleine sanft zu bespielen.

Die Freundschaft der beiden hielt bis zu unserem Wegzug.

Wegen des Größenunterschiedes konnten die beiden nie ein Liebespaar werden. Frei nach dem Motto: „Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb“.

Lea ist nun schon lange über die Regenbogenbrücke gegangen, ihre große Liebe sicher auch. Ich kann für die beiden nur hoffen, dass sie sich dort endlich wiedergefunden haben.

Ingeborg Völker-Engler
ingeborg-voelker-engler@web.de

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Meine kleine Leica
1, 22 Juni, 2007, 11:06
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Hallo miteinander! Ich stelle mich mal vor. Ich bin die Leica, eigentlich heiße ich Blue of Chamber of Secrets und wurde am 25.08.2005 geboren. Mein Frauchen war schon ganz aufgeregt mich endlich zu sehen, denn sie begleitete mich von Anfang an.

Ein paar Wochen bevor ich auf die Welt kam, überlegte mein Frauchen sich einen tollen Namen für mich, schließlich braucht ein so schöner Hund wie ich auch den passenden Namen. Nach langem hin und her und langer Suche, stand mein Name fest: Leica … so sollte ich nun heißen, wenn ich endlich da bin.

Am 25.08.2005 war es dann so weit und mein Frauchen war schon ganz nervös mich endlich zu sehen. Ganz winzig und klein lag ich da mit meinen vier Brüdern und suchte verzweifelt die Milchbar. Mein Frauchen war sofort Feuer und Flamme für mich und konnte es nun nicht mehr abwarten mich endlich mitholen zu dürfen. Leider dauerte dies noch etwas, denn ich war ja noch so klein.

Mein Frauchen kam mich fast jeden Tag besuchen und ich durfte sogar, als ich etwas größer war, stundenweise zu Ihr nach Hause, also in mein neues Heim. Hui, da gab’s noch einen Hund! Hatte ich gleich ‚nen Spielkameraden, aber zum Toben musste ich schon noch ein wenig wachsen.

Als ich dann noch etwas größer wurde, blieb ich übers Wochenende bei meinem Frauchen, es gefiel mir recht gut. Lag da in so einem riesigen Bett mit meinem Frauchen und wir schmusten und kuschelten. Leider musste ich nach dem Wochenende wieder heim, denn um für immer zu bleiben war ich immer noch zu klein. Also wartete ich noch ein paar Wochen und ärgerte in der Zeit meine Brüder weiter. Natürlich kam mein Frauchen regelmäßig vorbei um nach mir zu sehen.

Endlich war es so weit, der Tag war gekommen, mein Frauchen holte mich ab und sagte “Komm, Leica, wir gehen heim!” … Hui, war das so schön, ich hatte ein zu Hause, obwohl bei meiner Mama ging’s mir auch sehr gut, aber nun hatte ich mein eigenes Frauchen, das ich mit niemandem teilen musste. Mann, war ich stolz.

Wir fuhren heim und daheim wartete schon der große Hund auf mich, mit dem ich gleich Freundschaft schloss. Weiter gab’s hier ‚ne menge Spielsachen, die ganz alleine mir gehörten. In jedem Zimmer steht ein gemütlicher Schlafplatz für mich, so dass ich überall, wo mein Frauchen gerade ist, mich gemütlich hinlegen kann um Ihr zuzusehen.

Und das tollste war und ist natürlich das Bett. Hei, war das groß. Habe mich gleich mal so breit darin gemacht, dass mein Frauchen, trotz dass ich so klein war, keinen Platz mehr hatte. Dort schliefen wir nun jede Nacht und ich wuchs und wurde immer größer.

Meine Kindheit war sehr schön … oft besuchten wir noch meine Mama und meine Geschwister (sogar heute sehe ich sie noch oft) und tobte mit Ihnen durch den Garten. Mein Frauchen hat auch nie viel geschimpft mit mir oder mich geschlagen. Kenne so was gar nicht.

Habe mein Frauchen oft geärgert, brauchte lange Zeit um stubenrein zu werden und habe auch mal ins Bett gemacht, den Teppich zerkaut und all die Dinge die ein junger Hund so macht gemacht. Aber immer hat mein Frauchen mir mit Geduld alles beigebracht und war nie richtig sauer auf mich.

Nun werde ich bald 2 Jahre alt und bin immer noch glücklich mit meinem Frauchen. Zwar ärgere ich sie ab und an immer noch, aber ich weiß Sie würde mich niemals wieder hergeben. Denn ich bin Ihr „Schatz“, sagt Sie immer, und Ihr ein und alles. Ich glaube wir werden uns für immer und ewig treu bleiben. Oft geht Sie aber für paar Stunden aus dem Haus, aber ich warte immer auf Sie und jedes Mal kommt Sie wieder zurück und bringt mir sogar oft was mit. Was zu futtern oder ein neues Spielzeug … als Entschädigung dafür, dass ich habe warten müssen.

Sie sagt mir immer, bevor Sie aus dem Haus geht, dass Sie arbeiten geht um mir viele Hundekuchen kaufen zu können und ich soll schön brav sein und aufpassen. Natürlich mach ich das dann auch. Wer macht das nicht für einen Hundekuchen?! Ach, mein liebes Frauchen, ich schätze es sehr, dass Du mich so liebst und danke Dir, dass Du für mich da bist…ich werde es auch IMMER für Dich sein.

***

So, meine Leica, nun bin ich aber dran! Hast ja schon viel erzählt. Ja, wie schön war die Zeit, als Du endlich da warst. Mann, war ich glücklich! Noch glücklicher war ich, als ich Dich endlich heim nehmen durfte.

Ich bin sehr froh, mich für Dich entschieden zu haben, und Du weißt auch, dass ich Dich niemals wieder hergeben werde und uns nichts und niemand auseinander bringt. Eigentlich muss ich Dir ja danken, dass Du immer für mich da bist. Du wartest auf mich, freust Dich immer wieder aufs neue, wenn ich heim komme, hörst mir zu, tröstest mich, freust Dich mit mir und schaust mich mit so einer Hingabe an, dass ich jedes mal vor Freude weinen könnte, wenn ich in Deine wundervollen Augen blicke.

So, wie Du mich begleitest und begleiten wirst, werde ich Dich auf alle Deinen Wegen begleiten, egal ob sie mal schwer oder auch leicht sein werden. Ich werde Dir zur Seite stehen so wie Du mir zu Seite stehst, denn ich liebe Dich, meine kleine Leica.

Autor: Susanne
Susanne-Maria-Anna@gmx.net

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Kleine Erinnerungen an unseren Micky
1, 4 Juni, 2007, 2:53
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Tja, Mick, nun bist du nicht mehr bei uns; aber gern erinnern wir uns an deine Macken und Angewohnheiten.

Du lagst am liebsten draussen, gleichgültig ob es schneite, regnete oder die Sonne schien.

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Obwohl der Regen dir nichts ausmachte, durfte „normales“ Wasser höchstens bis zur „Unterkante Bauch“ gehen.

Wenn du ins Haus wolltest, standest du vor der Haus- oder Terrassentür und belltest zwei Mal mit hoher Stimme. Umgekehrt, wenn du raus wolltest, genügte dir ein einmaliges, raues Bellen. Oder aber, du stupstest mich mit deiner feuchten Nase an und gingst zur Tür. Reagierte ich nicht sofort, standest du mit weit geöffnetem Maul hechelnd vor mir.

Sobald ich nur den geringsten Mucker machte, schossest du zur Tür und wartetest auf mich. Sobald ich die Fernbedienung zum Garagentor bediente, jaultest du in hohen Tönen und „das Wasser lief dir bereits im Maul zusammen“ – denn in der Garage lagerten deine Leckerlies: Rinderpansen Deine Reaktionsfähigkeit war sagenhaft. Du hättest bei der Fussball-WM jeden Elfmeter gehalten; der Ball konnte noch so unkontrolliert springen: du fingst ihn im Fluge.

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Nur ein Mal, als wir beide nach dem fliegenden Ball schnappten, hattest du meine Hand und den Ball gefangen. Unglücklicherweise riss mir dein Zahn eine alte, vernarbte Wunde am kleinen Finger auf. Mein Schmerzschrei, das Blut, ich lief eiligst ins Bad, um die Wunde zu versorgen. Als ich das Wasser wieder abstellte, härte ich ein jämmerliches Jaulen vor der Tür. Dort standest du, wartend, und als du mich wieder erblicktest, lecktest du meine Hand, so als wolltest du um Verzeihung bitten. An jenem Abend wichst du nicht mehr von meiner Seite.

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Tja, Mick, so warst du.

Autor: Friedhelm Markmann
markmannfried@web.de

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Nachruf auf unseren treuen Micky
1, 18 Mai, 2007, 7:32
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Bevor wir vor vier Jahren von der Großstadt aufs Land zu unserem Sohn zogen, kannten wir Micky – einen 11 jährigen Collie-Mix – als „Hundesitter“ schon einige Jahre. Er war ein „Wohnungshund“, ein „Sensibelchen“, fraß nur Diätfutter, litt unter Durchfall, gelegentlicher Inkontinenz und epileptischen Anfällen.

Dann übernahmen wir ihn ganz. Hier hatte er ein „eigenes Haus“, eine große Wiese und Auslauf. Nach wenigen Wochen verschwanden Durchfall, Inkontinenz und Anfälle fast vollständig. Er lebte förmlich auf, seine Augen sprühten vor Lebensfreude.

Sein Schlafplatz war unten. Morgens, wenn er wach wurde, lief er die Treppe hoch zum Schlafzimmer. Dort prüfte er zuerst, wessen Arm oder Hand am weitesten draußen lag. Laut schnaufend versuchte er, uns zu wecken, wenn das nicht klappte, „küsste“ er Hand, Arm oder sogar das Gesicht so lange, bis wir munter waren.

Eines Morgens hörten wir ihn kläglich jaulen. Er lag hilflos auf der Treppe: seine Hinterläufe hatten nicht mehr die Kraft, seine 36 kg Lebendgewicht hochzustemmen. Dieses „erste Mal“ wiederholte sich noch öfter, bis er selbst begriff, dass eine Treppe unbezwingbar für ihn geworden war.

Die Schwierigkeiten an seinen Hinterläufen mehrten sich. Der TA stellte eine fortgeschrittene schwere Arthrose fest; Herzinsuffizienz und eine Schilddrüsenunterfunktion kamen hinzu.

In dem Maße wie TA-Kosten und Medikamentenverbrauch stiegen, verringerten sich Beweglichkeit und Ausdauer. Jede Überwindung eines Höhenunterschieds wurde ihm zur Qual. Die ebenerdige Terrassentür war kein Hindernis. Bei den drei Stufen vorn zur Haustür aber, die er zunächst „schräg“ angehend überwandt, musste bald eine helfende Hand immer zugegen sein.

Anfangs unternahmen wir zwei Mal am Tag 6-8 km lange Spaziergänge. Die schrumpften langsam auf 50 Meter oder noch weniger zusammen. Doch immer, wenn ihm einer seinen „Kragen“ (Halsband) oder die Leine zeigte, oder wenn einer von uns zur Garderobe ging, brach die unbändige Freude auf einen Spaziergang aus ihm heraus. Er gebärdete sich wie toll: er bellte, holte seinen Gummiball, kämpfte mit seinem Zottel-Elch – kurzum er spielte den „übermütigen, jungen Hund“, bis – ja, bis vermutlich der Schmerz ihn in die Wirklichkeit zurückholte. Trotz seiner gesundheitlichen Einschränkung bewahrte er sich seine schier unglaubliche Geschicklichkeit beim Ballfangen. Und wenn er dann genug „gespielt“ hatte, küsste er die Hand oder nahm ganz behutsam und zärtlich den bloßen Unterarm in seine Fänge.

Obwohl er Schmerzen litt, begleitete er uns stets, wurde aber bald langsamer und drehte um, dabei schnaufte er wie zur Entschuldigung. Auf dem Hof führte er uns direkt zur Garage: dort lagerten nämlich seine Leckerlies: Rinderpansen. Da lief ihm schon vorher der Geifer aus dem Maul. Natürlich gab’s auch mal solche, die nicht seinem Geschmack entsprachen. Die fasste er dann mit ganz spitzen Zähnen und verbuddelte sie irgendwo auf dem Grundstück. An seiner dreckigen Nase konnte man den Erfolg seiner Bemühungen erkennen.

Micky war kein Schmusehund. Er ließ sich höchst ungern anfassen oder gar bürsten. Wenn er geduscht werden sollte, starb er vor und während der Prozedur tausend Tode. Er jammerte, jaulte und heulte dabei so erbärmlich, dass wir fast ein „schlechtes Gewissen“ bekamen. Ein Fremder, der das hörte, hätte uns vermutlich wegen Tierquälerei angezeigt.

Da jedoch diese „Waschzwänge“ immer öfter notwendig wurden – konnte er sich doch beim Koten nicht mehr in halbsitzender Stellung halten – denn er rutschte nach unten und verschmierte dabei sein Hinterteil.

Das dann zu reinigen, war für beide Teile keineswegs erfreulich.

Sein Schlafbedürfnis wuchs von Tag zu Tag. Wenn es aber auf Abend zuging, kehrte sich alles um. Er wurde von einer ziellosen Unruhe gepackt, so, als wenn er Angst hätte, einzuschlafen. Dazu kam ein unglaublich starkes Hecheln und „Nach-Luft-Schnappen“ hinzu, die Zunge hing ihm weit aus dem Maul, sein Trinkwasserverbrauch stieg enorm. Die Schlafphasen nachts waren relativ kurz; er musste raus. Draußen stand er manchmal wie orientierungslos. Er hörte nicht; man musste ihn zurückführen.

Und dann kam der 13.Mai. Micky konnte ohne unsere Hilfe nicht mehr aufstehen. Wenn er stand, schwankte er hin und her, fiel wieder um. Dabei schaute er uns – wie es schien – verzweifelt an. Das Hecheln verstärkte sich. Wir waren hilflos. Er akzeptierte jedoch unsere körperliche Nähe. Mit tröstenden Worten und Leckerlies wollten wir ihn aufmuntern. Ich weiß nicht, ob wir es schafften.

Am nächsten Morgen rief ich in aller Frühe den TA an. Er hatte uns ja schon früher auf Mickys Ableben vorbereitet; denn immerhin ist er schon 15 Jahre alt. Um 9.30h traf der TA ein. Nach kurzem Blick bestätigte er uns, dass nur ein rascher Tod unseren Mick vor weiteren Leiden bewahren und erlösen könne.

Zuerst bekam er eine Narkosespritze. Ich habe ihm die Augen zugehalten, seinen Nacken gestreichelt und beruhigende Worte in sein Ohr geflüstert. Als dann die finale Injektion gesetzt wurde, war in wenigen Sekunden alles vorbei. Er hat in meinen Armen den letzten Schnaufer getan.

Ich hoffen nur, dass unser Mick droben im Hundehimmel alle seine Freunde wiedertrifft.

Wir aber hier unten, wir haben geheult wie die Schlosshunde. Ich hätte nie gedacht, dass der Tod eines langjährigen Haustieres so viele Emotionen hervorruft.

Das sind noch ein paar Bilder aus „besseren Tagen“.

Walbertsweiler, im Mai 2007

Autor: Friedhelm Markmann
markmannfried@web.de

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2007: Neues von Mäxchen oder Ein unglaublicher Hund
1, 23 März, 2007, 7:10
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Fortsetzung von http://tiergeschichten.wordpress.com/2006/10/31/maxchen/

Nun sind schon wieder 2 Jahre ins Land gegangen. Unser Max ist alt und grau geworden, von seiner unbändigen Lebensfreude hat er jedoch nichts verloren.

Noch immer reist er mit uns auf den Campingplatz. Es gibt für ihn nichts schöneres, als dort herumzustromern, alle Nachbarn zu besuchen und sich anständig verwöhnen zu lassen. Am liebsten geht er zu unseren holländischen Nachbarn. Kein Wunder kaum hat er seine kleine Ledernase zum Zelt hereingesteckt erschallt auch schon: „Na mien Hundje wullst een lecker Kukje?“ – Na was soon richtiger verfressener Hund ist der sagt da nicht nein. Schwanzwedeln steht unser Moppel dann vor dem Schrank und wartet auf seinen Vollkornkeks. Noch ein paar Krauler und dann kommt er wieder auf unseren Platz.

Doch nun wird alles anders. Nichts mehr mit Kukjes oder anderen Leckereien.

Alles fing im letzten Jahr an. Unsere kleine Leberwurst auf 4 Pfoten wurde immer träger. Spazieren gehen und mit anderen Hunden spielen? Fehlanzeige. Am liebsten lag er auf seiner Decke und döste vor sich hin. Na ja, haben wir uns gedacht, er wird langsam alt. Da er sich sonst nicht veränderte, haben wir uns nichts dabei gedacht.

Das Jahr ging zu Ende – neugierig wie immer begrüßte Mäxchen das neue Jahr. Schwanzwedelnd stand er in der Haustür und schaute was die Menschen draußen so trieben, dann trottete er wieder rein. Der Geruch war doch zu streng für seinen empfindlichen Riechkolben.

Die Tage und Wochen vergingen. Es gab Tage, da war Max wieder fast ein junger Kerl und an anderen lag er auf seiner Decke und kam kaum hoch. Nur seine Kraul- und Kuscheleinheiten holte er sich wie gewohnt am Abend pünktlich zur Tagesschau.

Unser Max ist krank

Dann kam der bewusste Samstag. Ich war mit unserem Wau die gewohnte Runde gegangen. Dabei war mir aufgefallen, dass er kaum strullte und wenn, kam nur ein ganz dünner Strahl. Auch wich er kaum von meiner Seite.

Unruhig fuhr ich gleich am Montag mit ihm zum Tierarzt. Diagnose – ein riesiger Blasenstein machte ihm das Leben schwer. Gleichzeitig stellten die Tierdoktoren einen Herzklappenfehler und Wasser in den Lungen fest.

„Machen sie sich keine Sorgen da kann nichts passieren, die Harnröhre ist frei. Er bekommt jetzt Tabletten und in 10 Tagen operieren wir ihn.“ –
Am nächsten Tag kam noch weniger Urin. Wieder riefen wir bei den Ärzten an. Wieder nur beruhigende Worte.

Wieder beim Doktor

Am nächsten Tag schauten mich traurige Hundeaugen an. Ein kleiner Hundekopf presste sich an meine Beine und ein zartes Fiepen sagte: „Frauchen – bitte hilf mir.“ Meine Tochter, die gekommen war, um nach ihren Liebling zu schauen, war entsetzt. Und mir tat’s Herz weh, den kleinen Kerl so leiden zu sehen.
Am Nachmittag erreichte ich endlich die Tierärztin. Glücklicherweise war ihr Mann nicht da, und so schickte sie mich weiter zu einer befreundeten Kollegin, die eine etwas größere Tierklinik besitzt.

Lebensgefahr

Ein Blick auf die mitgebrachten Röntgenbilder und die Sache stand fest: Harnröhre dicht – von wegen nur ein Stein. Zwei weitere saßen in der Harnröhre. Sofort OP, Chance 50:50 – oder einschläfern. Von wegen! Die Chance sollte er haben.

Nachdem er narkotisiert war, machten wir uns schweren Herzens auf die Heimfahrt. Ich gestehe, meinem Mann, mir und Melanie liefen die Tränen wie Sturzbäche aus den Augen. Schließlich wussten wir nicht, ob unser Stinker wieder kommt.

Bei jedem Klingeln des Telefons zuckten wir zusammen. Es waren immer unser Schwiegersohn und unser Sohn. 5 Stunden später der erlösende Anruf. Zumindest die Operation hatte er schon mal überstanden. Am nächsten Tag durften wir ihn abholen. Dort erfuhren wir, dass seine Chancen in Wirklichkeit nur 10-20% betragen hatten.

Ein unglaublicher Hund

Und wie stand’s um den Dicken. Langsam, vorsichtig aber schwanzwedelnd kam er uns entgegen und zeigte uns, wie er strullern kann. Noch nie habe ich eine Tierärztin gesehen die sich so freute, dass ein Hund in ihrer Praxis Seen hinterließ. „Ein unglaublicher Hund, ein unglaublicher Hund.“ Immer wieder sagte sie diesen Satz. “Er muss Sie unendlich lieben. Die Schmerzen müssen die Hölle gewesen sein und das seit längerem.“

Auf meine Frage, wieso wir das nicht bemerkt haben, sagte sie: „ Er liebt Sie so unendlich, dass er das verheimlicht hat. Er wollte bei Ihnen, seinem Rudel bleiben. Unsere Hunde stammen ja bekanntlich von den Wölfen ab, und die verstoßen kranke und alte Tiere. Das wollte er nicht – deshalb haben sie nichts bemerkt.“

Ach Mäxchen – wir haben dich auch lieb.
Wieder flossen Tränen – aber diesmal vor Freude und Rührung.

Zwei Wochen sind seitdem vergangen. Mäxchen ist wieder ganz der Alte. Nein besser – es ist, als sei er 5 Jahre jünger. Er rennt und tobt wieder durch die Gegend, spielt mit anderen Hunden und freut sich, wenn wir 2 – 3 Stunden spazieren gehen.

P.S. An alle die uns gesagt haben 1.000,- Euro für eine Tierarztrechnung sind rausgeschmissenes Geld: Für Maxi immer wieder, er liebt selbstlos bis zum Ende. Ihr tut mir leid, denn so etwas werdet ihr nie erleben, da ihr ( Gott sei Dank) kein Tier habt und hoffentlich nie haben werdet, denn euch ist Geld mehr wert als ein Wesen aus Fleisch und Blut.

Autor: Familie Wolfgang Witt
Witt-IZ@versanet.de

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Die “Beiß”-wütige
1, 4 Dezember, 2006, 12:23
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Ich heiße Luna, bin ein Jahr alt und eine hübsche Bordercollie-Hundedame, in meinem Revier unter den Rüden sehr begehrt, das könnt Ihr mir glauben! Ich bin sehr munter und lebhaft, ich glaube, das ist für meine Besitzer manchmal schon ganz schön anstrengend, aber sie lieben mich über alles, das weiß ich ganz genau, so richtig böse können sie mir eigentlich gar nicht sein.

Ja und ich bin immer auf der Suche, mich irgendwie “sinnvoll” zu beschäftigen. Dieses Wochenende war wieder mal ein Highlight in meinem schönen “Hunde-Dasein”. Frauchens Oma war zu Besuch, auch über Nacht. Ich frage mich, warum die Menschen manchmal so komische Dinge bei sich haben?

Oma schlief so gut und fest. Ich bin mal im Dunkeln in ihr Zimmer geschlichen, muss doch überprüfen, ob alles in Ordnung ist … bin ja schließlich ein Hütehund.

Ja und da sah ich “ES”, so ein komisches Ding, direkt auf dem Kissen von der Oma, vor meiner super gut funktionierenden Hundenase. Ich musste doch gleich mal schnuppern, was das sein könnte.

Hmm, hab ich noch nie gesehen, ach, ich nehm’s mal mit auf meinen Schlafplatz, und untersuche dieses “Ding” etwas genauer.

Also, riechen tut es gut, nach Oma. Wie wird es wohl schmecken??? Ohh, es ist ja so schön hart, das mag ich besonders, hmmm, da kann ich so richtig toll drauf rumkauen und beißen. Ach, das macht ja richtig Spass, und es knackt so lustig, wenn diese weißen Dinger wegspringen.

So, nach einer halben Stunde “beißwütiger” Nachtarbeit bin ich jetzt aber auch müde geworden, mach die Augen zu und schlafe selig und zufrieden ein.

Upps, es ist ja schon hell draußen, nun aber schnell bei meinen Chefs an der Schlafzimmertür gemeldet,ich bin schließlich wach … dann alle mal geweckt und raus aus den Federn, also bitte! “Ich will spielen und spazieren gehen!“

Na endlich, sie haben mich gehört.

Ach .., da ist mein Frauchen! Sie streichelt mich und wünscht mir einen guten Morgen. Ich hab’s schon gut erwischt hier!

Nanu, warum lacht sie denn so, sehe ich heute morgen so komisch aus?

Oh je, warum guckt sie mich plötzlich so böse an? Diesen Blick kenne ich ganz genau von ihr. Irgendwas habe ich wohl mal wieder falsch gemacht.

Ach, da liegen ja auch diese weißen “Dinger” von Oma!

Hmmm …, irgendwo hab ich die doch schon mal gesehen …? Au weia, ich seh es ganz genau! Frauchen hat die gleichen “Dinger” in ihrem Mund.

Du meine Güte! Es waren Omas “ZÄHNE”!

Ich weiß nicht, warum die bei Oma auf dem Kopfkissen gelegen haben? Dann waren die bestimmt nicht echt. Ja, dass Menschen falsche Zähne haben, kann ich nun wirklich nicht wissen !!!

Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen wie Oma erst geguckt hat,als sie ihre Zähne (Gebiss) zerlegt, in viele kleine, einzelne “Zähnchen”auf meiner Decke hat liegen sehen. sSie hat nicht gelacht.

Dann werde ich jetzt mal meine Einschmeicheltour auflegen. Ihr wißt ja: Zum Glück kann man mir nicht böse sein, hihi …

Autor: Kerstin Metzig
kermet39@yahoo.de



Jetzt … bin ich alt
1, 20 November, 2006, 7:14
Gespeichert unter: Hunde, Menschen

Jetzt … bin ich alt.
Ich sitze hier auf dem langen geraden Flur und warte.
Ich warte … aber nichts passiert.
Irgendwann kam einer und sagte, so geht es nicht mehr:
die Wohnung ungepflegt, die Kleidung nicht sauber
und strenger Geruch überall.
Man rief einen Wagen und brachte mich fort.
Fort von der Wärme und dem weichen Fell meines Freundes.
Fort von der Pflicht mich um jemanden zu kümmern.
Sie sagten:
Schaut hier, der Hund kam nicht mehr regelmäßig raus,
man sieht es an der Wohnung!
Im Napf das Wasser ist alt!
Sie brachten mich fort …
Fort von der Liebe, mit der ich jeden Morgen geweckt wurde,
fort von der Hilfe die mein Hund mir gab,
damit ich meine Wohnung wieder finde.
Sie sagten:
Sie kann nicht mal für sich selber sorgen,
wie denn dann noch für ein Tier?
Sie brachten mich fort …
Und die ersten Tage versuchte ich die Menschen
zu überzeugen, dass ich nach Hause muss.
Es ist Mittag und mein Kleiner braucht Futter,
dunkel erinnere ich mich, dass ich danach mit ihm raus muss.
Aber keiner hört mich!
Will mich keiner verstehen??
Man sagt mir, der Hund sei gut untergebracht.
Was heißt das? Mein Kleiner gehört doch zu mir!?
Jetzt … bin ich alt.
Ich sitze hier auf dem langen Flur und warte …
im Arm meinen Stoffhund.
Aber niemand gibt mir die Wärme zurück und die Liebe …
Ich erinnere mich nicht mehr so richtig, aber etwas fehlt …

Autor: Kerstin Meyer
tinkasg@gmx.net



Der vergessene Dackel
1, 12 November, 2006, 4:08
Gespeichert unter: Hunde

Frohgemut lief ich mit Don und Danilo, unseren Australian Terriern, in der Stadt Richtung Einkaufsstraße. Mir entgegen kam eine alte Dame, die meine Hunde ganz reizend fand, und so unterhielten wir uns eine Weile. Sie erzählte mir auch, dass sie selber einen alten Dackel hätte, der so anhänglich sei, dass sie ihn immer überall hin mitnehmen müsste. Dann stutze sie, schaute suchend auf den Boden rings umher und auf einmal fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: „Meine Güte, ich habe ihn doch vor der Bank angebunden! Und da vergessen!“

Sie eilte zurück, es war nur ein kurzes Stück, und da saß ihr armer alter Dackel ganz irritiert und verlassen.
So was!

Autor: Tina Brass
TDBrass@web.de     



Leon bei den „Dahus“ in Chamonix
1, 4 November, 2006, 9:45
Gespeichert unter: Hunde

Ha, ich sehe euch schon verständnislos grinsen: „Dahu“ ? (sprich: da:ü), was ist denn das? Klar, nicht jeder kennt sich da aus; aber mein DH hat es mir genau erklärt: ein Dahu ist so eine Art „Wolpertinger“; die gibt`s , glaub ich, noch in Bayern; aber ein richtiger Dahu, der existiert nur in Chamonix. Er ist äußerst scheu und zeigt sich – wenn überhaupt – nur Sonntagskindern und, na? – Leons natürlich. (Aber nur bei Vollmond!)

Also, ein Dahu hat den Körper eines Wolfes, den Schwanz eines Auerhahns und – als Besonderheit – zwei Beine auf einer Seite, zur Bergseite nämlich, sind kürzer als auf der Talseite; damit kann er natürlich besser an den Bergflanken laufen. So, jetzt wisst ihr, was ein Dahu ist.

Wie gesagt, Dahus kommen nur in Chamonix vor!

Was lag daher näher, als mal dahin zu fahren? DH und DF hatten dort gegen Ende September eine Wohnung reserviert mit Blick auf den Aiguille du Midi und weiter nach rechts auf den mächtigen, eisigen Mont Blanc.

Nachdem wir uns installiert hatten, hielt es uns nicht lange in der Wohnung. Mussten wir doch das Terrain sondieren; denn bald war Vollmond und die Dahus sollten sich ja vorher von meiner Harmlosigkeit überzeugen;
Aber, wo waren ihre Verstecke?

Das Wetter war uns anfangs nicht wohl gesonnen. Ein hässlicher Regen fiel in dicken Tropfen auf uns herab. Aber schließlich verlangt die Hundenatur ja auch ihr Recht und außerdem musste das Revier markiert werden. Also raus!

Überall neue Gerüche, Spuren unbekannter Art – waren das etwa schon die gesuchten Dahus? Ich wurde richtig nervös – bildete ich mir als Optimist doch tatsächlich ein, sofort einen Dahu zu sehen.

Die einbrechende Dämmerung zwang uns, den ersten Erkundungslauf abzubrechen.

In der Nacht träumte mir, auf meinen Streifzügen einen Dahu aufgespürt zu haben und meldete das mit freudigem Bellen an. DH musste mich erst wieder beruhigen und klar machen, dass das nur ein schöner Traum war.

Am nächsten Morgen – kurz vor sechs Uhr – noch lag tiefe Dunkelheit über dem Tal – marschierte ich ins Schlafzimmer, um mein Rudel zu wecken. Trotz meines Bärenhungers, gestern während der Autofahrt hab´ ich ja nur wenig bekommen, hatte ich meine eigentlich Aufgabe, endlich einen echten Dahu kennen zu lernen, nicht vergessen. Das sollte möglichst bald geschehen.

Gott sei Dank war die Wohnung zu ebener Erde, so dass ich rasch über die Terrasse raus konnte, einen Strauch besuchte und sofort zurückstürmte. Das wartete nämlich ein kräftiges Frühstück auf mich.

Bekanntlich studiert ein voller Bauch nicht gern und der Besitzer eines solchen mag auch nicht sofort durch dichtes Unterholz, eiskalte Gebirgsbäche, steile Anstiege und halsbrecherische Abstiege laufen; es muss ja alles ernsthaft überdacht werden. Und das geht natürlich nur, wenn man sich verinnerlicht und die Außenwelt durch Schließen der Augen ausblendet.

Dann kann man sich alles wirklich vorstellen.

Donnerwetter! Mit einem Ruck fahr ich hoch. Da bin ich doch tatsächlich wieder fest eingeschlafen! Muntere Stimmen reißen mich aus meinen „Vorstellungen“. Die Sonne scheint hell ins Zimmer. Es duftet verführerisch nach frischem, knusperigem Baguette. Das ist natürlich nur für verweichlichte Menschen – „harte Hunde“ – brauchen etwas anderes: einen argentinischen Kauknochen, aus Büffelhaut, zum Beispiel.

DF und DH studieren eine Karte. Dann machen sie sich wanderfertig. Ich blicke sie erwartungsvoll an. „Hoffentlich vergessen sie nicht die Leckerlies“, denke ich noch, da wirft mir DF schon eine Kostprobe zu.
Elegant schnappe ich sie aus der Luft. Schluck! Weg!

Raus aus der Wohnung. Ein kleiner Durchgang. Da duftet es nach allen Wohlgerüchen, die ein Hundeherz höher schlagen lassen: Wurst, Käse, frisches Brot, und, und…aber brutal zieht mich DH daran vorbei. Auf der anderen Straßenseite habe ich schon alles vergessen, neue Spuren, Botschaften anderer Hunde, selbst markieren, usw.

Zuerst passieren wir noch mit Zäunen, Hecken oder Sträuchern eingefriedete Grundstücke. Gleich beim ersten hat mich ein riesiger Wolfshund an einem Loch in der Hecke durch sein wütendes, aggressives Gebell erschreckt. Ich war richtig fertig; DH hat mich aber sofort wieder „aufgebaut“. Später, wenn ich dann da vorbeikam, habe ich immer an der Lücke mein Bein gehoben und damit dem angeleinten Cerberus gezeigt, wo der Barthel den Most holt. Oh Gott, war der immer sauer. Er konnte mir ja gar nichts tun: denn erstens waren DH und DF bei mir und zweitens war sein eigener Aktionsradius durch die Laufleine begrenzt.

Auf den Wiesen und an den Waldrändern wuchs ein schmackhaftes Gras, das ich für meine Verdauung brauche, minutenlang auswähle und genüsslich abknabbere. Dann wieder preschte ich weiter durch dichtes Unterholz und Gestrüpp, so dass DH und DF kaum folgen konnten. Da – eine neue Spur, fremd und unbekannt! Sollte das etwa die Fährte eines Dahus sein? Nase runter und geschnüffelt, das die welken, bunten Blätter wie die Bugwelle bei einem Schiff auseinander flogen; ein immer lauter werdendes Rauschen kam hinzu. Wild zog ich vorwärts. Der Waldrand war erreicht: – ich stand oben am Steilufer des Aveyron: ein breites, mit glatt geschliffenen Riesensteinen chaotisch gefülltes Flussbett, überspült vom brausenden Wasser des noch jungen Flusses. Unmittelbar vor mir befand sich eine kleine Sandbank, die auf meiner Seite von ruhig strömenden Wassern umgeben war. Ein querliegender Baumstamm bot zusätzlichen Schutz.

Mit drei, vier Sätzen war ich unten; DH musste die Leine loslassen, sonst hätte er sich unter Umständen im eiskalten Wasser des Aveyron wieder gefunden. Ich sah nur das Wasser und hinein!

Plötzlich erblicke ich oben am Uferrand einen Artgenossen. Wie der Blitz ist er bei mir; wilde, stürmische Begrüßung als wären wir alte Bekannte. Und dann wird getobt! Sein Herrchen – die beiden kamen übrigens aus Versailles und verbrachten auch ein paar Tage Urlaub hier – wirft Äste, Stöckchen, Steine ins Wasser. Ein schwerer Stock geht unter, ich rein ins Wasser – muss tauchen und unter Wasser buddeln, weil der Ast fest sitzt.

„Nur die Schwanzspitze hat noch rausgeragt“, hat DH nachher voller Stolz erzählt. (..als wenn er diese Heldentat vollbracht hätte! Der Angeber!)

Wir müssen weiter; auf einer nahe gelegenen Wiese – ehemaliger Landeplatz des Drachenflieger-Club Chamonix – jage ich wie ein Weltmeister umher: Beschleunigung, Haken schlagen, Luftsprünge, Vollbremsungen. Mann-o-Mann, war das ein Erlebnis! Mein Fell ist fast ganz trocken. Mit glänzenden Augen sitze ich vor DH und stupse ihn vorsichtig mit der Nase an: “Na, Alter, wie sieht`s mit einem Leckerlie aus???“

(Ehrlich, die Belohnung hatte ich mir wahrlich verdient, denk ich mal….)

Als wir dann zuhause sind, spüre ich doch die ungewohnte Anstrengung. Dieses Abenteuer hat ganz schön geschlaucht. Eine wohltuende Müdigkeit überfällt mich; DF rückt auf der Couch etwas zur Seite, eine einladende Geste und mit staksigen Beinen klettere ich hinauf, rolle mich zusammen, schließe zufrieden die Augen und fühle mich sicher und geborgen.

Einige Zeit später – ich war schon überall bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“ und hatte unzählige Bekanntschaften geschlossen – kamen wir auf unseren Wanderungen zu einer sonnenüberfluteten Lichtung. Da spielte eine junge Mutter mit ihrem kleinen Töchterchen auf dem warmen Boden. Kaum hatte die Kleine mich gesehen, als sie auch schon mit freudigen Jubelrufen auf mich los stürzte. Die Mutter fragte erschreckt, ob ich beiße. DH beruhigte sie aber mit den Worten, dass ich – seines Wissens – noch keine kleinen Mädchen ganz aufgefressen hätte.

Anne, so hieß sie, war etwa einen Kopf größer als ich, umhalste mich gleich ohne Scheu, küsste meine Ohren (da bin ich doch so kitzelig!), streichelte meinen Rücken und wühlte förmlich ihr Gesicht in mein Fell. Das gefiel mir natürlich und ich legte mich auf die Seite, um diese Liebkosungen so richtig zu genießen. Ohne lange zu zögern, folgte sie dem Beispiel und kuschelte sich an mich; als ich dann noch meine rechte Vorderpranke über sie legte und ihr Gesicht und Hände abschleckte, war sie selig. Sie quietschte, strampelte und krähte vor Vergnügen. Bisou – Bisou.

Natürlich gab`s nicht nur angenehme Zeitgenossen, sowohl bei Mensch als auch bei Tier. Einige unter ihnen warfen uns böse Blicke zu; mehr war da wohl nicht drin. Denn meine stattliche Figur flößte ihnen schon den gebührenden Respekt ein. Andere Hundehalter bogen vorher ab oder kehrten sofort um, wenn sie uns sahen. Aber, mit denen wir Kontakt aufnahmen, war immer gut Auskommen. Dabei versuchte ich auch, Informationen über Dahus von ihnen zu bekommen. Manchen sagte der Name gar nichts; andere wiederum – besonders die Einheimischen – taten sehr geheimnisvoll oder blickten mich misstrauisch an.

Schließlich traf ich einen alten, lahmen, halbblinden Sennhund. „Suchen nützt da gar nichts“, verriet er mir.
„Du kannst dich nur in einer Vollmondnacht an einer Bergflanke verstecken, warten und hoffen, dass sie vorbeikommen. Aber Vorsicht! Bonne chance, mompti“.

Die Nacht des Vollmondes kam heran. Ich spürte es mit allen Fasern meines Körpers: „Dahu! Dahu!“ pochte mein Herz. Nur, wie jetzt DH klar machen, mitten in der Nacht rauszugehen? Ich spielte den unruhigen Geist, lief von einer Stelle zur anderen, dann zur Tür und setzte mich wartend davor. Das muss er doch merken!

Endlich hat er kapiert. Draußen zog ich gleich rechts zum nächsten Hang. Bleich schimmerten die weiten Eis- und Schneefelder des Mont Blanc im geheimnisvollen, fahlen Licht des Mondes. Stille! Absolute Stille! Nur weit entfernt rauschte leise der Aveyron.

Zuerst sitze ich erwartungsvoll in Horchstellung – nichts – nichts tut sich. Dann lege ich mich hin, den Kopf aufmerksam auf die ausgestreckten Vorderpfoten. Warten ist verdammt anstrengend. Ab und zu werden die Augen schon kleiner, das Mondlicht verschwindet gelegentlich, der Atem geht gleichmäßiger.

Da! Mit einem Schlag bin ich hellwach. Da sind sie! Ich sehe sie: Dahus! Aus allen Richtungen: von vorn, von hinten, von unten, von oben! Und jeweils zur Bergseite hin sind ihre Beine kürzer! Das ist eine Sensation: die von vorn kommen, haben links kürzere Beine; diejenigen von hinten, haben rechts kürzere Beine; die von unten haben ganz kurze Vorderbeine und die von oben ganz kurze Hinterläufe!!! Das hatte ich nicht erwartet! Eine Sensation. „Das muss ich sofort DH und DF zeigen“ jubiliere ich siegestrunken.

Ich will aufspringen und zurücklaufen. Doch irgendetwas umklammert mich, hält mich fest! So sehr ich auch versuche zu rennen – nichts – ich bewege mich nicht von der Stelle! Panik überfällt mich. Knurrend und hechelnd will ich der Starre entfliehen, ich zittere vor Anstrengung, meine Läufe zucken unkontrolliert. Das Zucken greift auf den ganzen Körper über. Ich stöhne wild, winsele erbärmlich, versuche zu bellen: nichts; kein Laut kommt aus meiner Kehle, nicht die geringste Bewegung: eine totale Lähmung hält mich am Boden fest.

Etwas greift beruhigend in meinen Nacken, schüttelt mich sanft und dann höre ich ganz weit entfernt eine vertraute Stimme: „Ruhig, Leon, ganz ruhig! Aufwachen. Du hast mal wieder geträumt! Es ist alles in Ordnung. Wir sind noch da.“

Ha, geträumt! Das glaubt DH doch selbst nicht. Ich habe die Dahus ganz genau mit eigenen Augen gesehen!
OK, beweisen kann ich das natürlich nicht. Wie sollte ich auch? Aber, Freunde, ihr werdet doch einem ehrlichen Hund nicht zutrauen, dass er euch beschwindelt, oder?

Ich weiß, einer von den alten Dahus hat mir sogar zugeblinzelt, als wenn er sagen wollte, dass mir das sowieso keiner glauben wird.

Aber, liebe Freunde, ihr vertraut mir doch wenigstens, nicht wahr? Sonst schwindele ich euch beim nächsten Mal nichts mehr vor, ehrlich!

Und tschüss

Euer Leon

Autor: Friedhelm Markmann

markmannfried@web.de



Celina, Stafford-Shire-Hündin, 1996 bis 2003 – Schwarzer Engel ohne Flügel
1, 1 November, 2006, 4:10
Gespeichert unter: Hunde

Kapitel 1, Lebens-Station 1
… bis 18. Mai 1996

Kurze Vorgeschichte

Ein kleines Dorf in Hessen.Hier lebten 1996 Familie Jacobi und Familie Schmidt.

Der blonde Labrador der Schmidts deckte die schwarze Stafford-Shire-Hündin der Jacobis.
Man nahm dies eher gelassen zur Kenntnis. Es war ja schliesslich nicht verboten. Eine der daraus entstandenen Hunde war Celina.

Celina hatte rabenschwarzes, kurzes Samt-Fell und war gut bemuskelt…mit einem breiten Grinsen um die Hundeschnauze und Knicköhrchen, liebevolle Sorgenfalten zwischen den großen rehbraunen Hundeaugen …

Celina wurde im Frühjahr 1996 als Stafford-Shire (-Mix) geboren. Mit knapp 8 Wochen zog sie zu Familie Maurer: Das Ehepaar Horst und Maria Maurer, sowie deren 15-jährige Tochter Maren.

Die Jacobis hatten bis dahin alles „für ihre Welpen getan“, doch mit dem Auszug der kleinen Hunde legten sie auch sämtliche Verantwortung für das weitere Leben der wachsenden Welpen, IHRER WELPEN, ab. Einmalig aus Versehen zu Hobbyzüchtern geworden, sahen sie ihre Möglichkeiten damit als bestens erledigt an.Kapitel 2, Lebens-Station 2
Mai 1996 – Januar 1998
Welpe Celina bei Familie Maurer – Die Sonne wirft auch erste Schatten
Celina wuselte durch das Haus und dem aufregenden grossen Garten der Maurers. Im hinteren Teil des Gartens war eine Ecke abgeteilt, wo Celina auch mal herzhaft buddeln und sich lösen durfte. Celina lernte schnell, das genau dieses eben auch nur genau dort erwünscht war.

Horst Maurer fuhr schon morgens um 5 Uhr weg zur Arbeit und kam nie vor fünf Uhr abends wieder. Meist sogar noch später. Anfangs spielte er dann noch mit Celina, doch bald war er dazu zu kaputt.

Maren Maurer besuchte die 10. Klasse der Realschule. Bevor sie zur Schule aufbrach, joggte sie eine kleine Runde mit Celina.

Wenn Maren dann zur Schule war, kam die Zeit von Hausfrau Maria Maurer und ihrem schwarzen Schatten. Maria genoss es, nun auch tagsüber etwas Lebendiges um sich zu haben und sprach den ganzen Vormittag mit freundlicher Stimme mit Celina.

Celina wackelte Rute-wedelnd jeden möglichen Schritt der freundlichen Menschen-Frau mit und lauschte aufmerksam dem melodischen Klang der Stimme. Maria hatte eigentlich keine grosse Lust mit Celina spazieren zu gehen und die Erziehung zu übernehmen, das überliess sie ihrer Tochter. Doch die Hausfrau und die Hündin genossen die intensive Zeit miteinander und Celina lernte vieles einfach nebenbei, schon bald, wenn Maria sagte „Ich muss jetzt staubsaugen“, lief der pfiffige Welpe vor zum Wandschrank, in dem der Staubsauger stand. Und wenn Maria Maurer die Küche fegte, sass Celina aufmerksam dabei und wartete ungeduldig auf das Kommando „Handfeger“, den sie dann voller Freude brachte.
Celina wollte dem Menschen, der den ganzen Tag für sie da war, einfach nur gefallen und sie gefiel diesem Menschen.

Manchmal kam auch die Nachbarin vorbei. Oft brachte sie ihren wilden Sohn Momo mit und dieser und die Hündin Celina genossen Tobe- und Kuschelspiele. Celina lernte schnell mit Menschenkindern vorsichtig umzugehen und wenn es ihr genug war, ging sie einfach davon. Doch eigentlich war Celina viel zu geduldig und auch zu verspielt, um wirklich mal genug zu haben und so liess sie sich nie lange bitten, die nächste Spielrunde einzuläuten. Momos Mutter und Maria Maurer beobachteten lächelnd das Spiel des ungleichen Paares.

Wenn die 15jährige Maren von der Schule kam, wurde erstmal mit Celina getobt. Noch bevor sie ihrer Mutter auch nur Guten Tag sagte. Maren nahm die vorher abgesprochene Aufgabe der Hunde-Erziehung sehr ernst und opferte einen grossen Teil ihres Taschengeldes für die Hundeschule im Nachbar-Ort. Celina war ein kleiner Star der Spielgruppe dort und lernte schnell und immer voller Begeisterung.

Celina lernte problemlos Komm, Bei Fuss, Sitz, Platz, Mach Rolle, Gib Pfötchen, Schäm Dich, Links und Rechts.Und einige andere Kunst-Stückchen. Und da sie so ein begeisterter Schüler war, lernte sie diese Befehle sowohl auf Stimme wie auch auf Sichtzeichen. Ebenso gab es in der Hundeschule immer wieder die Möglichkeit zum Spiel mit Artgenossen, was Celina über alles liebte. Sie lernte ihre Kraft gemässigt einzusetzen und damit die Hundepartner nicht zu überrollen.

So konnte man Celina ausgelassen mit dem Berner-Sennenhund Josh spielen und rangeln sehen und im nächsten Moment lag sie sich kaum bewegend am Boden, um die beiden Langhaardackel-Welpen, die auf ihr rumsprangen nicht zu verletzen.

Auch ausserhalb des Hundeplatzes hatten Maren und Celina viele Freunde. Beinahe täglich gingen sie mit einem Podenco spazieren und trafen meist noch andere Hunde. Celina lernte vom Chihuahua bis zur Dogge alle Hunderassen kennen und stellte sich sozial und Instinkt-sicher auf diese ein. Jeder Mensch, ob klein oder gross und jeder Hund, ob klein oder gross, war begeistert, Celina unterwegs zu treffen. Diese offene Freude machte aus der wachsenden schwarzen Hündin eine sehr freundliche Hündin, deren Rute sich ständig vor Freude und Lebenslust wie ein Propeller im Kreis drehte.

Niemand hier hatte Angst vor Celina oder vor der Rasse Stafford-Shire.

Maren bereitete ihre Hündin Celina auf die Begleithunde-Prüfung vor. Auch zeigte diese bereits viel Freude an leichten Agility-Übungen und legte viel Talent in erste Versuche zur Ausbildung als Rettungshund.In ihren ersten 1 ½ Jahren lernte die Hündin ausschliesslich die Sonnenseiten des Lebens kennen.

Celina machte Freude – und machte sich Freunde!- wo immer sie mit ihrem Teenager-Frauchen auftauchte. Gleichzeitig begann sich aber ab Celinas 18. Lebensmonat doch ein kleiner Schleier auf die Leichtigkeit des Seins der Hündin zu legen.

Maren schien irgendwie enttäuscht, das Celina auf jeden anderen Menschen ebenso hörte wie auf sie und sogar zu ihrer Mutter noch eine tiefere Bindung zu haben schien. Ausserdem war sie das erste Mal so richtig schwer verliebt und teilte ihre Freizeit nun lieber mit dem Jungen als mit Celina.

Horst und Maria Maurer stritten laut, sobald Horst von der Arbeit heimkam. Schon lange würdigte er der Hündin keinen Blick mehr und Celina war sehr verunsichert dem Herrn des Hauses gegenüber. Mit ihm verband sie kaum schöne Momente, aber immer wenn er kam, schien sich die Stimmung zu verschlechtern und niemand kümmerte sich um die manchmal dadurch verunsicherte, traurig in der Ecke sitzende Celina.

Einmal schien die Stimmung des Ehepaar Maurers nicht ganz so schlecht und sie nahmen sich zärtlich in die Arme. Celina war ausser sich vor Glück, erinnerte sie diese Szene doch stark an ihre ersten so sorglosen und glücklichen Monate bei dieser Familie, und sie sprang tollkühn und bellend an Horst Maurer hoch. Dieser trat der Stafford-Shire Hündin in den Bauch und schnauzte „Hau ab, blöde Töle“

Und der nächste Menschen-Streit war der Schlimmste, den die Hündin Celina je erlebt hatte. Maria Maurer schrie in Tonlagen, die die Hündin bis dahin nicht kannte und die ihr Angst machten. Horst Maurer warf brüllend ein Glas durch die Gegend und haute immer wieder drohend mit der Faust auf den Tisch.

Celina sass zitternd in ihrem Körbchen. Und da sass sie von nun ab immer, wenn Horst Maurer nach Hause kam. Knapp 1 ½ jährig, 58cm hoch und 34kg wunderschön geschmeidig bemuskelt, verlor die Hündin etwas von ihrer unvoreingenommenen Fröhlichkeit und war eigentlich viel zu ruhig für so einen jungen Hund. Doch die Menschen waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um zu merken, das die junge Hündin völlig verwirrt war.

Maren flüchtete viel zu anderen Jugendlichen, niemand aus ihrer Familie nahm wahr, das sie die erste Enttäuschung mit der Liebe verarbeiten musste. Sie hatte inzwischen ihren Realschul-Abschluss mit Bravour in der Hand und wusste noch immer gar nicht so recht, was sie werden sollte. Als sich dann die Gelegenheit ergab, auf einem Reiterhof ein Praktikum zu machen, sagte sie spontan zu. Maren ritt seit ihrem 6. Lebensjahr und verbrachte seitdem auch alle Sommerferien und oft auch noch die Herbstferien dort.

Der Reiterhof lag weit entfernt und Maren sollte dort für ein Jahr hin, hätte danach auch die Möglichkeit dort eine Lehre als Pferdewirtin zu machen.

Es war die Nacht vom 1. auf 2. Dezember 1997 als Maren weinend neben Celina lag und ihrer Hündin versprach, sie ganz oft zu besuchen. Celina spürte die Traurigkeit ihres kleinen Frauchens, aber auch die unendlich grosse Zärtlichkeit in der Stimme und hörte aufmerksam zu. Celina liebte diese Zwiegespräche zwischen Hund und Mensch. Auch wenn sie die Fülle der menschlichen Wörter kaum verstand, genoss sie einfach die sanft-vertraute Zweisamkeit zwischen sich und ihren Menschen.Sie hatte ihren hübschen schwarzen Kopf zwischen ihre Vorderpfoten gelegt, die Knickohren aufmerksam aufgestellt und mit ihren braunen Kulleraugen beobachtete sie sorgfältig die Miene des traurigen Menschens vor sich. Wenn Maren von den Pferden sprach, wurde ihre Stimme wieder ein klein wenig hoffnungsvoller und Celina wedelte zaghaft mit der schwarzen Rute.

In dieser Nacht nahm Maren die schwarze Schönheit mit in ihr Bett und schnell war das seidig-schwarz-glänzende Fell der Hündin von Tränen durchnässt.

Am nächsten Morgen fuhr Maria die Tochter weg. Maren verschwand aus dem Leben der jungen Hündin. Horst blieb zuhause, trank sehr viel Alkohol und schimpfte die ganze Zeit vor sich hin. Und Celina bekam eine dunkle Ahnung von Einsamkeit und Traurigkeit und sass ängstlich zitternd in ihrem Körbchen.

Das Zittern liess erst nach, als Maria am nächsten Tag heimkam.

Doch auch Maria umgab eine Traurigkeit, eine Schwere, die der Hund nicht begreifen konnte. In den folgenden Wochen redete sie kaum mit Celina, strich ihr nur manchmal sehr traurig über den Kopf.Die Hausarbeit, die immer beiden soviel Freude gemacht hatte, machte Maria Maurer nur noch seufzend.

Nur der wilde Momo, der Sohn der Nachbarin, spielte und tobte weiterhin ausgelassen mit der Hündin,wann immer sich die Gelegenheit dazu erbot und Celina sehnte täglich die Minuten herbei, an denen der kleine Mensch vom Kindergarten kam und gemeinsam buddelten sie Löcher, versteckten sich hinter Büsche und bestanden viele wilde Abenteuer. Die Begeisterung des kleinen Kindes weckte auch in Celina wieder und wieder die Begeisterung für Menschenkinder.Dabei war Celina immer vorsichtig und einfach nur an der Seite des kleinen Bengels. Niemals war sie so wild wie Momo selbst und die Erwachsenen konnten sich 100% auf Celina verlassen.

Manchmal kamen fremde Menschen und schauten sich das Haus an. Wenn diese dann weg waren, weinte Maria.

Horst kam irgendwann gar nicht mehr nach Hause. Horst war aus Celinas Leben verschwunden.Wie ja kurz zuvor bereits Maren. Und ganz am Anfang ihres Lebens die Familie Jacobi.

Celina verstand nicht, was passierte. Wollte jedoch ihrem Frauchen Maria nicht noch mehr Kummer bereiten und wartete so einfach immer nur artig auf ein liebes Wort, auf einen kleinen Spaziergang, auf eine kleine Streicheleinheit. Manchmal unternahm ja Maria auch noch kleine Kuschelrunden mit Celina und die Hündin zwang sich weiter dazu artig abzuwarten und jedes bisschen Liebe einfach nur dankbar anzunehmen.

Und Maria? War einfach froh, um die selbstlose Treue der Hündin und nahm diese selbstverständlich an.
Celina war der Haltepunkt in ihrem Leben, um nicht völlig zu verzweifeln. Und auch der Kontakt zur Gesellschaft!Der Draht zur Welt ausserhalb ihres eigenen Kummers.

3. Kapitel, Lebens-Station 3,
Januar 1998 – Mai 1998
Celina und Maria in der Stadt – Die Schatten werden länger

Maurers trennten sich bald endgültig, das Haus wurde verkauft und Maria Maurer zog mit dem Hund in die entfernte Großstadt in eine 2 Zimmer Wohnung. Nachdem Maria Maurer schon vorher bei ein paar Vermietern gemerkt hatte, das ein Hund zwar kein Problem sei, ein Stafford-Shire aber eben doch, hatte sie bei der Besichtigung dieser Wohnung angegeben einen Labrador-Mix zu besitzen, was ja auch noch nicht mal wirklich gelogen war.

Nur hatte Celina wirklich wenig Äußerlichkeiten von ihrem Hundevater geerbt, sie sah halt aus wie eine Staff-Hündin und es begannen erste Stimmen lauter zu werden, das diese Hunde eventuell gefährlich sein könnten. Tierschützer machten bereits seit mehreren Jahren darauf aufmerksam, das diese Hunderassen für höchst merkwürdige Zwecke missbraucht werden. Doch das wollte niemand hören!

Maria drückten diese zusätzlichen Probleme schwer auf der Seele. Wenn sie aber in Celinas geduldigen und treuen Augen schaute, versprach sie ihr in die Pfote, sie niemals im Stich zu lassen. So wie Celina immer für Maria da gewesen war,so wollte Maria immer für Celina da sein.Ihr kleiner schwarzer Engel, der sie im Alltag aufrecht hielt und wirklich immer nur lieb, brav und einfach da war.

Am Tag ihres Einzugs kam auch der Vermieter vorbei und regte sich sehr über Celina auf. Maria bot all ihre innere Stärke auf …Schliesslich erlaubte er den Einzug doch, aber drohte bei den kleinsten Beschwerden von Nachbarn Konsequenzen an.

Celina war wieder einmal sehr verwirrt, von der nicht greifbaren schlechten Stimmung, die Maria Maurer zu umgeben schien, sobald ein männliches Wesen aufkreuzte und zog sich still in ihr Körbchen zurück, das bereits in der engen Wohnung stand. Die Hündin hatte in ihrem jungen Leben gelernt, das stilles Abwarten am schnellsten zur ersehnten Harmonie zurückführte. Und als der Mann weg war, schien ihr Menschen-Frauchen sehr erleichtert und Maria lud die Hündin ein, neben ihr auf dem Sofa Platz zu nehmen und Celina hörte wieder einmal aufmerksam und tröstend den Worten von Frau Maurer zu.

Maren Maurer wurde von ihren Eltern vor vollendete Tatsachen gestellt und zog die Konsequenz, Abstand zu ihren Eltern zu halten und diese erstmal zu ignorieren. Es war inzwischen klar, das sie im Sommer die Ausbildung als Pferdewirtin beginnen würde. Sie hatte auch gefragt, ob sie Celina holen dürfe, doch die sonst sehr netten Reiterhof-Betreiber stellten sich da völlig stur und wollten auf keinen Fall „so einen Hund auf dem Ferien-Hof“ Maren bat ihren Hund in Gedanken um Abbitte und versprach, ebenfalls via Gedanken-Gruss, Celina zu sich zu holen, sobald sie ihr Leben geregelt hätte. Sie hielt oft gedankliche Zwiegespräche mit der Hündin, doch wieder gesehen hat sie diese eine sehr lange Zeit nicht.

Maria Maurer nahm eine Stelle bei einer Gebäude-Reinigungs- Firma an und war nun von 7 Uhr bis 12.30 Uhr ausser Haus und Celina alleine in der lauten und kleinen Stadt-Wohnung. Etwas, was Celina nie wirklich gelernt hatte, denn bis dato war eigentlich immer jemand da und wenn sie mal ein Stündchen alleine gewesen war, hatte sie die Möglichkeit gehabt, auch im Garten zu laufen. Hier hatte die Stafford-Shire Hündin auf einmal nur noch die Möglichkeit wartend in ihrem Körbchen zu liegen.

Celina vermisste Sand und Gras unter ihren Pfoten, die Hündin trauerte auch um ihren kleinen wilden Menschenfreund Momo und sehnte sich nach langen Wanderungen durch den heimischen Wald, sowie nach wilden Renn- und Tobespielen mit anderen Hunden, aber auch nach den Aufgaben auf dem Hundeplatz mit Maren. Ihr einst so spannendes und von Liebe und Stolz begleitetes Leben verlief trist und eintönig.

Wenn Maria von der Arbeit kam, ging sie mit Celina spazieren. Etwas, so ziemlich das einzige rund um den Hund, was sie noch nie besonders gerne gemacht hatte. Doch nun war sie mehrmals täglich dazu gezwungen. Und so sehr sie die schwarze Hündin Celina liebte, so sehr war sie von diesen Spaziergängen auch genervt. Und angestrengt. Denn die Spaziergänge mit der Staffordshire-Hündin wurden langsam zu einer Art Spiess-Ruten-Lauf.

Der Ruf der Rasse Stafford-Shire-Terrier wurde immer schlechter und die Menschen schienen beinahe froh, ein Feindbild zu haben. So machte sich kaum jemand die Mühe, Celinas tolles Wesen kennenzulernen,sondern man zeigte lieber angewidert mit den Finger auf den Hund.Im Stadtpark musste Celina die ganze Zeit an der Leine bleiben und die anderen Hundebesitzer duldeten keine Kontakt-Aufnahme. Das so lebensfröhliche Power-Paket Celina
wusste schon bald nicht mehr wohin mit all der Energie und begann beim Spazieren gehen die ganze Zeit über aufgeregt zu bellen.

Bald ging Maria nur noch 10 Minuten mit Celina und dies auch nicht öfter als 2x am Tag. Danach brachte Maria die Pelznase heim und erledigte allerlei der vielen menschlichen Aufgaben, ging aber oft auch einfach nur genießerisch Schaufenster bummeln, um ihre Gedanken zu ordnen. Luft holen, ohne angefeindet zu werden.

Celina sass dann zuhause und weinte ihre Einsamkeit und ihre aufgestaute Energie, aber auch ihre Unsicherheit, aus sich raus. Anfangs leise winselnd im Körbchen, dann immer lauter werdend. Manchmal klopften dann die anderen Bewohner des Mehrfamilienhauses an die Wohnungstür und Celina bellte aufgeregt und freudig in der Hoffnung, dasa der Mensch da vor der Tür sie abholen wolle zu einem aufregenden Spaziergang.

Celina weinte vielleicht um ihr Leben, das sie geführt hatte: Als Hund mit Denkaufgaben, körperlicher Auslastung und vollem Familien-Anschluss. Nun war sie ein einsamer Stadt-Hund und wartete immer nur darauf, dass Maria heimkam. Und wenn die dann heimkam, war auch nichts mehr wie früher.

Celina spürte, das da bald die nächste Veränderung auf sie zukommen würde.

Die Nachbarn hatten Angst vor der muskulösen Hündin und verkannten ihr lachendes Hundegesicht mit der Schnauze eines angreifenden Hundes. Das Jaulen Celinas nahmen sie zum Anlass, sich über den „unberechenbaren Hund“ zu beschweren. Marias Vermieter schickte einen Brief, mit der Auflage, den Hund sofort aus dem Wohnhaus zu entfernen.

Maria hatte keine Kraft mehr um Celina zu kämpfen. Sie wollte nun erstmal um ihr eigenes Leben kämpfen.Den Gedanken, das die schwarze Staff-Hündin all die letzten Monate ihr einziger Lebenshalt gewesen war, verdrängte sie dabei erfolgreich. Schliesslich und schlussendlich „war doch Celina nur ein Hund“!

Maria Maurer verteilte Zettel in den Einkaufsläden ihrer Umgebung. Auf denen sie ein neues Zuhause für Celina suchte. Am 18. Mai 1998, 2 Jahre nach dem Einzug des kleinen schwarzen Welpen bei den Maurers, nachdem das Glück für Celina so perfekt erschienen war, wie der 6er im Lotto wurde die treue vierbeinige Freundin per Handschlag weitergegeben an die Studentin Carmen, die versprach sich nach besten Wissen und Gewissen um Celina zu kümmern.

Maria verlangte keine Schutzgebühr, machte keinen Vertrag, wusste von Carmen keinen Nachnamen, sondern verliess sich eher erleichtert und nur leicht zögernd auf das „gute Gefühl, für den Hund das Beste gemacht zu haben.“

Maria Maurer verschwand einfach so von einem Tag auf den anderen aus Celinas Leben.
Celina verstand die Welt nicht mehr!

Am 18. Mai 1998, an ihrem zweiten Geburtstag, verliess die Hündin an der Seite einer fremden Frau –ihrem neuen Frauchen Carmen- das Leben, den Menschen, für den sie ihr eigenes Leben ohne zu zögern gegeben hätte.

4. Kapitel, Lebens-Station Nr.4,
Mai 1998 – Juni 1998
Celina und Carmen – Auch wenn die Sonne nur kurz scheint, scheint sie in diesem Moment hell … und wirft Schatten!

Carmen studierte BWL und war gerade von ihrem Freund verlassen wurden. Ihre Eltern gaben Carmen finanziell alles, was die Studentin nur wollte und so füllte Carmen ihre Einsamkeit mit Celina.

Carmen hatte ein langes Gespräch mit Frau Maurer geführt und spürte wirklich einen tiefen Willen in sich, für diese Hündin zu sorgen.

Carmen war zwar oft gedankenlos, aber nicht gerzlos und so erkannte sie mit sicherem Gespür, die kalte Faust der Unsicherheit und Angst, die das Hundeherz umgab. Und sie versprach der Hündin, immer gut für sie zu sorgen. Celina hörte – wie immer- aufmerksam der menschlichen Stimme zu und ihre Rute wedelte freudig erregt, da diese Zweisamkeit wieder da war, die die Hündin doch so sehr liebte und brauchte.

Carmen nahm Celina überall mit hin, beim Fernseh gucken sass Celina neben ihr auf dem Sofa und manchmal teilten sie sich sogar eine Tüte Chips. Abends lag sie mit im Bett eng an Carmen gekuschelt. Am Tage fuhr Carmen mit ihrem knallrotem VW-Beatle-Cabrio und der süssen schwarzen Hündin oft in den Wald und liess auf einsamen Wegen Celina auch frei laufen.

Celinas Lebenslust kehrte sehr schnell zurück. Nach nur wenigen Tagen reagierte sie auf das kleinste Kommando ihres neuen Menschen und dankte mit Treue und Freundlichkeit. All ihr hündisches Urvertrauen steckte sie in diese junge Menschen-Frau, so dass sie auch wieder problemlos ein paar Stunden alleine blieb, wenn Carmen an der Uni war. Danach gab’s ja Freizeit für und mit dem Hund pur. Die Abende verbrachten sie oft an einem Baggersee. Abends war es noch recht frisch und die Badegäste gingen nach Hause, das war dann die Zeit für übermütige Wasserspiele zwischen Carmen und Celina.

Und die ganze Zeit arbeitete Carmen dabei die Vergangenheit mit ihrem Exfreund auf. Celina hörte freudig gespannt zu. Diese Zweisamkeit, in der eine freundliche weibliche Stimme viele Worte zu ihr sprach, diese Zweisamkeit machte die Stafford-Shire Hündin in wenigen Tagen wieder glücklich. Denn damit verband die Hündin ihr erstes absolut sorgloses Lebensjahr, damit wurde sie vom tapsigen Welpen zum glücklichen Hunde-Teenie. Celina war wieder einmal binnen kürzester Zeit genau das, was der Mensch vom Hund erwartet: Sie war einfach der beste Freund des Menschen, dabei selbst völlig anspruchslos.

Als Carmens Exfreund Marc wieder auftauchte, schwebte Carmen auf rosaroten Wolken und während sie Marc noch etwas zappeln liess, überschüttete sie Celina mit Zärtlichkeiten und Aufmerksamkeit.

Als Marc dann nach kurzer Zeit wieder einzog, flog Celina erst aus dem Bett und schliesslich auch vom Sofa. Doch da Carmen so glücklich war, war es Celina auch.Celina liebte und wurde geliebt, mehr wollte die Hündin doch nie vom Leben.

Als Marc dann anfing von einem kompletten Neuanfang zu sprechen, von Semesterferien in den USA…da hatte Carmen nur kurz ein schlechtes Gewissen der neuen vierbeinigen Freundin gegenüber; verschenkte die Hündin dann aber kurzerhand an eine WG in Hannover, wo auch ihre Cousine Kati wohnte. Sie brachte Celina dorthin, liess der Mädchen-WG eine Menge Geld da und hatte damit ihrer Meinung nach „das Beste für den Hund getan!“

Nach zwei kurzen aber sehr intensiven Monaten verschwanden Marc und Carmen einfach aus Celinas Leben.Celina blieb wieder einmal verwirrt in einem für sie völlig neuem Leben bei völlig fremden Menschen zurück.

5. Kapitel, Lebens-Station Nr. 5,
Juni 1998 – Mai 2001
Celina in der Mädchen WG – Vom Schmusehund zur Kampfbestie! Die Sonne hat nicht immer genug Kraft zum wärmen

In der WG lebten 3 junge Frauen zwischen 18 und 22 Jahren und zwei Katzen. Celina hatte bisher noch keine näheren Kontakte mit Katzen gehabt, doch die drei Frauen Kati, Maja und Jule liessen soviel Geduld und Tier-Verstand mit einfliessen, das die schwarze Hündin und die beiden schwarz-weiss gefleckten Katzen schon nach 4 Wochen zusammen im Körbchen lagen.

Die Katzen Dascha und Minou hatten schon allerlei Besuchshunde erlebt und zeigten sich neugierig aufgeschlossen. Während die ältere Dascha vor allem genoss, angekuschelt an der Hündin zu dösen, entwickelten Minou und Celina ihre ganz eigene Art in der Wohnung miteinander zu spielen. Und selbst auf Spaziergängen sah man oft die Katze Minou als Begleiterin an der Seite der grossen schwarzen wunderschönen Hündin.

Celina mit ihrem sanften und sensiblen Wesen war nach nur knapp vier Wochen der Mittelpunkt der Mädchen-WG und die vertraute grosse Freundin der miauenden Samtpfoten.

Die Mädchen wurden öfter skeptisch-neugierig nach der Rasse der schwarzen, kräftigen Hündin gefragt und antworteten zielsicher und lachend: „Stoff-Terrier!“ Wenn die Mädchen da so ausgelassen lachten, stand ihr „Stoff-Terrier“ glücklich die Rute schlagend daneben und ihr Vertrauen zum Partner Mensch war wieder aufgebaut und unendlich gross.

Jule war mit 22 die älteste und arbeitete als Krankenschwester. Maja war ihre 18jährige Schwester, die gerade eine Ausbildung zur Floristin machte und Kati eine 20jährige Lehramt-Studentin, die auch die Katzen mit in die WG gebracht hatte.

Eigentlich war immer eine von den dreien für Celina da und wenn Freunde kamen oder Urlaub angesagt war, dann war Celina dabei. Auch lernten sie im nahen Stadt-Park Leute kennen, die keine Angst vor Celina hatten und endlich durfte Celli, wie sie nun meistens gerufen wurde, erstmals wieder offiziell frei laufen und mit anderen Hunden spielen. Celli dankte es mit Verlässlichkeit und absoluter Unkompliziertheit. Das Leben war wieder leicht und Celina war es auch.

Das schönste Erlebnis war für Kati, als sie mit der Hündin im Wald spazieren ging –Celli hatte inzwischen schon wieder rund um die Uhr ihr berühmtes Lachen im Gesicht- als ein ca. 2jähriger Menschen-Steppke auf den Hund zulief: „Hund-ei, Hund-ei!“ rufend und der Papa lachend in die Richtung von Kati und der Stafford-Shire-Hündin rief: „Keine Angst, der will nur spielen!“

Celina liebte nach wie vor Kinder und liess diese tollpatschigen kleinen Finger mit einer beispiellosen Geduld durch ihr Fell wandern. Ihr ausgelassenes Temperament schraubte sie dann stets auf ein Minimum herunter und nie hätte sie ein Kind auch nur aus Versehen umgerannt.Celli war durch und durch ein Verlass-Hund.

Ihre drei Frauchen hatten alle „feste Freunde“, aber auch diese hingen mit männlicher Zärtlichkeit am schwarzen Vierbeiner und Celina entwickelte auch wieder Vertrauen zu
Männern.

Die Mädel-WG war in Celinas jungem Leben nicht ihr erstes Zuhause. Doch ganz dem Wesen des treuen Freund des Menschen entsprechend zeigte Celli immer wieder die Fähigkeit sich neu und unvoreingenommen zu binden. Ihre Sensibilität, ihr Willen dem Menschen zu gefallen, machten aus ihr einen ganz besonderen Hund. Und alle, die Celina, die schwarze Stafford-Shire-Hündin, kennen lernten, freundeten sich schnell mit ihr an.

Einer sprach sogar von der „Wiedergeburt Lassies im schwarzen Fell“!

Und ihr Lerneifer , die schnelle Auffassungsgabe, der Mut der Hündin, alles zu tun,was die Menschen wohl erwarteten, gepaart mit eigener Kombinationsgabe -hätte selbst Komissar Rex blass werden lassen vor Neid. Celina hatte alle Charakterzüge eines gut-sozialisierten Staffs in sich verankert: Kinderlieb, flexibel, lernwillig, Wasserfreudig, sozial, hohe Toleranzschwelle, verspielt …

Aber diese Wesenszüge sprach man dem Stafford-Shire-Terrier allmählich ab.

Obwohl bereits Diskussionen um sogenannte Kampfhunde immer lauter wurden (in denen die Warnungen von Tierfreunden aber weiterhin komplett ignoriert wurden), hatte Celina eine glückliche Zeit und wurde allmählich ein sicherer Stadthund, der auch brav mit Strassenbahn fuhr oder im Cafe artig unter dem Tisch lag.

Celina hatte gelernt, sich auf den Befehl „Mach fein“ zu lösen, so dass die Mädels etwas beeinflussen konnten, wo Celina machte und es auch in dieser Beziehung keinen Anlass zum Ärger gab. Alle hatten Spass mit diesem tollen Hund!

Celina gehörte in ihrer Wohngegend einfach dazu und war wieder ein fröhlicher ungezwungener und vor allem sehr sozialer Hund, der liebte und geliebt wurde. Ein Stafford-Shire-Terrier wie es viele gab und doch ein ganz besonderer Hund, wie jeder Hund für seinen Menschen etwas ganz besonderes sein sollte.

Dann passierte dieses Unglück in Hamburg, bei dem der kleine Volkan von einem Hund der gleichen Rasse wie Celina tot gebissen wurde. An diesem Unglück war der kleine Volkan 100% unschuldig ……aber Celina doch auch! Welche Schuld könnte die in Hannover lebende Hündin an einem Unglück in Hamburg treffen? Wenn ein Mercedes-Fahrer bei Rot über die Ampel fuhr, würde man ja auch nie darauf kommen, allen Mercedes-Fahrern für vier Wochen den Führerschein zu entziehen.

Dieses Unglück des kleinen Jungen Volkan war ohne Frage mehr als schrecklich.
Und so unnötig und grausam. Aber ebenso ohne Frage war es nicht die Schuld der Hündin Celina!

Dann überschlugen sich die Presse-Meldungen mit Berichten über Opfer von Kampf-Hunde-Attacken. Denn endlich konnte die Presse Schlagzeilen bringen. Der Staffordshire-Terrier … ein beisswütiger Kampfhund!

Tatsächlich gab es in zwielichtigen Szenen viele – vor allem junge – Männer, die ihr nicht vorhandenes Selbstbewusstsein mit dieser muskulösen Hunderasse aufpolierten. Darauf machten Tierfreunde ja seit Jahren aufmerksam!Gerade diese Hunderasse war bekannt dafür, alles zu tun, was ihr Mensch von ihnen verlangte und wenn man nur ordentlich suchte, fand man auch Menschen, die Opfer von Beiss-Attacken von scharf gemachten Hunden waren.

Und diese Opfer waren unschuldig .… aber Celina auch!

Doch Celina war jetzt nicht mehr der Stoff-Terrier aus der Mädchen-WG.
Celina war seit diesem tragischen Unglück „eine von diesen“.
Ein Kampfhund,
eine Killer-Maschine,
eine Bestie,
unberechenbar …

Kein Lassie mehr!
Und erst Recht kein Rex mehr!
Kein treuer Freund des Menschen!

Celina war auf einmal eine Gefahr für die Menschen!
Und für andere Hunde!
Schlicht für alles und jeden!

Celina … über die gestern noch die Menschen gelacht hatten, weil ihre Rute stets und ständig wie ein Propeller im Kreis drehte und man befürchtete, das sie gleich abhebe in die Luft … war heute zum Kampfhund auserkoren!

Nachbarn -die vor kurzem noch liebevoll mit Celina geschmust und gespielt hatten- schrien, wenn sie Celina sahen. Drohbriefe flatterten ins Haus, Celina durfte nicht mehr frei laufen, musste einen Maulkorb tragen … Mütter rissen ihre Kinder hoch, wenn sie Celina sichteten, die Hündin durfte nicht mehr in den Gemeinschafts-Garten des Wohnhauses der WG.
Ältere Männer liefen mit der Harke in der Hand hinter Celina her und ältere Hausfrauen spuckten den Mädels und der Hündin vor der Füsse.

Gestern war Celli noch ein Idol unter den Hunden, wurde gleichgesetzt mit berühmten Fernseh-Hunden wie Lassie und Kommissar Rex…Heute schon war aber Celina gefährlicher als jeder überlebende Dinosaurier.

Die Dreier-WG wurde unsicher wegen der Reaktionen der Umwelt…Celina wurde unsicher, weil sich ihr Leben wieder so schlagartig geändert hatte und all die Unbeschwertheit war auf einmal wieder weg. Ihre Menschen flitzten meist nur noch im Dunkeln schnell mit Celli um die Ecke. Celli durfte weder in die Strassenbahn noch ins Cafe und die ganze Lebens-Situation war sehr angespannt.

Aber nicht einmal in all dieser Unsicherheit und Zeit der Veränderungen und Anfeindungen hat Celina geknurrt oder gar böse geguckt. In den wenigen Stunden, die Celina alleine war, begann sie wieder ihre Unsicherheit rauszuheulen.

Sie war nun nicht mehr das süsse schwarze Staff-Mädchen, der schwarze Engel der 3er WG, sie war nun ein Kampfhund!

Der Vermieter duldete „das“ nicht mehr und alle Gesetze und Nachbarn waren auf seiner Seite. Jule, die bisher eh am wenigsten Kontakt zu Celina hatte, war inzwischen schwanger und zog mit ihrem Freund zusammen. Ein bisschen schlechtes Gewissen hatte sie schon, ihre Freundinnen und Celina so im Stich zu lassen, doch da die Schwangerschaft nicht ganz komplikationslos verlief, war sie auch noch mit ganz anderen eigenen Sorgen beschäftigt.

Maja hatte nun ihre Ausbildung beendet, nebenbei hatte sie in der Abendschule das Abi nachgeholt und begann nun zu studieren. Sinnigerweise am anderen Ende von Deutschland, in Bayern. In diesem Bundesland, noch dazu im Studenten-Heim, brauchte sie nicht Mal darüber nachzudenken, sich weiter um Celli zu kümmern.Beinahe war sie ein bisschen erleichtert darüber, die Verantwortung für den Hund somit abschieben zu können.

Blieb Kati, die alleine die Miete für die WG Wohnung nicht mehr aufbringen konnte, keine neue bezahlbare Wohnung fand mit 2 Katzen und einem so genannten Kampfhund und unter grossem Druck der Öffentlichkeit stand.

Ihr wurde sogar klargemacht, dass sie ihre beruflich angestrebte Laufbahn als Grundschul-Lehrerin an den Nagel hängen kann, wenn sie sich weiter in der „Kampfhund-Szene“ rumtreiben würde!
Ihre ganze Zukunft hing davon ab.
Ihre ganze Zukunft hing davon ab, sich für oder gegen eine Zukunft dieser Hündin zu entscheiden.

Kati war nervlich am Ende und hielt dem Druck der Öffentlichkeit nicht länger stand. In ihrer Not gab Kati eine Anzeige im Tiermarkt-Anzeiger auf und gab Celina dem einzigen Bewerber mit, der sich darauf meldete. Jonas erschien Kati mit seinen knapp 50 Jahren als sehr vertrauens-erweckend.

Kati drückte die Katzen Dascha und Minou weinend an sich, als Celina mit Jonas um die Ecke verschwand.
Sie spürte das ungute Gefühl in sich.
Sie spürte das Verlangen, Celina an sich zu reissen und zu beschützen.
Doch ihr alleine fehlte der Mut.
Der Mut, im Jahre 2001 einen Hund zu lieben, der ein schwarzer Stafford-Shire-Terrier war.

So verschwanden innerhalb kürzester Zeit nochmal sechs Menschen und zwei Katzen-Kumpel aus dem Leben der schwarzen Staff-Hündin Celina, die doch bisher einfach immer nur artig gewesen war.
Und auch diese Menschen gaben, wie all die Menschen zuvor, nicht nur Celina ab, sondern auch die Verantwortung für das Leben der Hündin, die doch zuvor eine kleine Zeit lang das eigene Leben so aufgewertet hatte.

6. Kapitel, Lebens-Station Nr.6
Mai 2001 (3 Wochen)
Celina wird als Kampfhund verheizt – In zubetonierten Hinterhöfen scheint fast nie die Sonne

Jonas befand sich nun schon länger auf der schiefen Bahn, Drogen und Alkohol haben ihn seinen Job gekostet, seine Frau ist mit einem jüngeren Mann durchgebrannt, seine beiden Töchter haben sich angewidert von ihren Eltern abgewandt. Jonas hatte einen immensen Schulden-Berg und sah seine Chance mit Celina gekommen. Durch die ganze Panik- Mache in den Boulevard-Zeitungen hatte der ehemaliger Journalist recherchiert und wirklich Kontakt zur Kampfhund-Szene bekommen und er wusste, um welche Gelder es da ging.

Jonas wusste auch, das man die eigentlichen wirklichen Kampfhunde nie in der Öffentlichkeit sah und er wusste, das diese Kampfhunde, die für Hundekämpfe eingesetzt werden, dem Menschen nie was tun würden. Sie mussten dem Menschen gegenüber den „Will-to-please“ aufweisen und das war eben auch ein Charakterzug der Staffs & Co, der es überhaupt erst möglich machte, diese Rasse so zu missbrauchen.

Also nahm er die inzwischen 5 jährige und sehr kräftig gebaute und gut bemuskelte Celina mit . Es folgte eine „Ausbildung im Hinterhof“. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und wahrscheinlich fern der Phantasie der meisten normalen Hundehalter:

Celina bekam Schläge, mit Eisenstangen und noch glühenden Holzscheiten, wurde getreten und schwer misshandelt, immer dann, wenn ein anderer Hund in die Nähe kam, der wütend bellte … Es wurde mit Elektro-Schocks gearbeitet, die Hündin musste hungern und dursten. Celina wusste kaum noch wohin vor Angst – und genau das wars, was die Männer dort wollten: Dass der Hund vor Angst irre wird!

Nach 3 Wochen wurde ein bereits gedrillter Hund auf Celina losgelassen. Dieser andere Hund hatte nie was anderes gelernt, als andere Hunde zu zerstören und so ging er auch auf Celli los. Celina wehrte sich nicht, sondern kauerte sich ängstlich in die Ecke und ergab sich ihren Schicksal. Sie verstand nicht, was passierte … aber wenn die Menschen sie lieber tot sehen würden, würde sie sich eben anstandslos totbeissen lassen.

Der Kampf wurde von den Menschen beendet. Die fremden Menschen gingen lachend, spuckend und gröhlend mit ihrem Sieger-Hund davon und liessen Jonas verachtend stehen.Celina war sehr schwer verletzt, und Jonas registrierte, das er aus diesem Hund keinen Sieger in der dunklen Szene machen konnte.

Dafür war Celina einfach zu lieb. Trotz oder gerade wegen ihrer Rasse-Zugehörigkeit und ihres anfänglich so wunderbaren Lebensstarts.

Wütend drückte Jonas eine Kippe auf dem zerschundenen Körper von Celli aus und steckte diese dann in einen Jute-Sack, lud den ins Auto und schmiss den Sack, deren Inhalt die verletzte Hündin war, bei nächster Gelegenheit über eine Brücke.

Keiner hat ihn dabei gesehen. Und wenn doch: Keiner würde sich mit ihm anlegen. Menschen wie Jonas sind nicht unschuldig. Aber Menschen wie Jonas sind stark, manchmal einflussreich, auf jeden Fall aber sehr Gewalt-tätig. Da bleibt’ s für die anderen Menschen und die Boulevard-Presse halt einfacher auf Hunde wie Celli zu schimpfen, als auch nur 1x auf Menschen wie Jonas zu schimpfen.

Und diese Hunderasse dann zu verbieten war weitaus einfacher, als sich Gedanken darüber zu machen, an welcher Stelle unsere gesamte Gesellschaft so versagt haben könnte, das Menschen wie Jonas so einflussreich sein konnten.

Zumindest einflussreich genug, dass lieber alle beschämt wegsahen und NICHTS SAHEN!

Jonas dachte an die verwetteten Gelder, die ihm verloren gegangen waren. Und er freute sich an dem Gedanken, das der Hund wahrscheinlich noch nicht ganz tot war und nun jämmerlich im Jute-Sack ersoff.

7. Kapitel, Lebens-Station Nr. 7
Mai 2001 ( 2 Tage)
Celina unter der Brücke – Ein selbst gewähltes Schatten-Plätzchen

Celina kam irgendwie aus dem verschnürtem Jute-Sack frei, schwamm mit letzter Kraft an Land, schleppte sich humpelnd weiter und leckte sich im Schutz von hochgewachsenen Büschen unter einer anderen Brücke ihre Wunden.

Zwei Tage verbrachte sie dort. Dem Tod sehr nah. Doch sie focht den einzigen Kampf, den sie jemals gekämpft hatte: Sie kämpfte ums Überleben.Leise, still, alleine. Ein Kampf – den sie nicht wissend – inzwischen mit vielen anderen Stafford-Shire-Terriern teilte und nicht zum letzten Mal kämpfen musste.

8. Kapitel, Lebens-Station Nr. 8,
Mai 2001 (1 Tag)
Celina und Marius – Wenn ein Blick wärmt wie ein starker Sonnenstrahl

Marius, 12 Jahre, spielte manchmal an dieser Stelle des Flusses unter der Brücke.Der blonde Junge mit den Sommersprossen stand gerade an der verwirrenden Schwelle vom Kind zum Teenie und er genoss oft die Einsamkeit und Stille am Fluss. Er liess dort gerne seine Papierboote zu Wasser, ass alleine sein mitgebrachtes Butterbrot und verzettelte sich in wilden Tagträumen, in denen er stets der Held war.

Marius hörte ein leises Wimmern, ein Stöhnen und entdeckte die kraftlose Hündin. Er hatte viel mitbekommen von dem, was mit sogenannten Kampfhunden passierte … er hat auch seine Mutter weinen sehen.

Seine Mutter weinte um den kleinen Volkan … und sie weinte um die vielen unschuldigen Staffs. Um die Opfer auf beiden Seiten. Die unschuldigen Leidtragenden! Um die Hunde, die es nun auf einmal nicht mehr geben durfte. Hunde wie Celina. Seine Mutter hatte oft gefragt: „Wo führt das nur hin, mein Kind?“

Marius beobachtete die schwarze fremde Hündin—er erkannte in ihr die Rasse, vor der viele erwachsenen Menschen Angst hatten. Marius hatte auch etwas Angst, vor allem aber hatte er ein Gespür für Hunde und zögernd ging er Schritt für Schritt näher an Celina, die ihn ebenso aufmerksam und auch etwas ängstlich beobachtete.

Marius redete mit der Hündin und Celina begann mit der Rute zu wedeln. Ein Kind, eine sanfte Stimme … da wusste die kluge Hündin, das sie keine Angst zu haben brauchte. Und ihr kluges Gesicht entspannte sich. Und der kluge Marius sah die Hundeschnauze tapfer lächeln.

Er wusste, er spürte in sich, das dieser Hund ihm niemals was tun würde. Und –noch ganz Kind- verliess er sich auf dieses Gespür der reinen Wahrheit und näherte sich langsam dem wimmernden Vierbeiner, der sich inzwischen ganz klein machte und mit allen nur möglichen Körpersignalen anzeigte, das von ihm keine Gefahr ausginge.

Marius verstand. Er lächelte der Hündin zu.Celina legte sich von Schmerzen gezeichnet seitlich -und die lange Rute klopfte vorsichtig und freundlich auf den staubigen Boden. Der Junge zog sein Brot aus dem mitgebrachten Rucksack und gab es Celina zu fressen. Vorsichtig nahm sie Happen für Happen aus den Fingern des kleinen Menschen.

Sie blickte ihn an. Marius blickte die Hündin an. Und er hörte zu, wie sie mit stillem Augen-Aufschlag ihre ganze Geschichte erzählte. Marius streichelte sanft über das schwarze Fell der Hündin und er sprach mit ihr und erkannte die Misshandlungen an Celina, soweit diese ein Kind erkennen kann. Celina wedelte als Zeichen gegenseitigen Verstehens und Vertrauens weiter mit der Rute. Das Wedeln schmerzte ihren ganzen Körper und doch konnte sie nicht anders, als die Freundlichkeit des Jungen zu erwidern. Marius streichelte nochmal sanft die verletzte Hündin und versprach, Hilfe zu holen.

In seinen Tagträumen hatte Marius oft mit wilden Bestien gekämpft und ging als Sieger hervor. Hier unter der Brücke am Fluss, gemeinsam mit der verletzten fremden Hündin, begriff der 12jährige Junge auf einmal sehr viel von der Welt und dabei spürte er unendlichen Zorn in sich. Und er versprach der Hündin, das dies nun seine Chance war, wirklich ein Held zu werden. Und tief in sich, spürte er, das er bereits ein Held war. Ein Sieger. Weil er nicht verlernt hatte, mit Tieren zu sprechen. Sie auch stumm zu hören.

Marius redete und redete auf Celina ein, das er wüsste, das sie kein böser Kampfhund sei. Sondern eben einfach nur ein Hund…der beste Freund des Menschen…und er erzählte ihr, das er vielleicht noch klein sei, aber in dem Augenblick,als er ihr in die Augen geschaut hatte, sehr viel begriffen habe von der Welt und das er nun versuchen wolle, erwachsen zu sein, um der verletzten Hündin zu helfen.

Celina hörte aufmerksam zu und wedelte weiter mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte,verstehend mit ihrer pechschwarzen Rute. In nur wenigen Minuten waren Marius und Celina beste Freunde Marius spürte, wie sehr er diese Hündin brauchte. Und die Hündin spürte, wie sehr sie dieses Kind brauchte.

Liebe! Entstanden in einem zärtlichen Augenblick des Erkennens und Verstehens. Ohne wenn und aber. Einfach Liebe, sofort. Wie sie eben nur Kinder geben und empfangen können. Und Tiere!

Marius eilte davon. Seine Mutter war noch zur Arbeit, er wollte aber nicht mehr warten und fuhr – ahnend, das es ein Fehler sein könnte – zu seinem Onkel. Der Junge erzählte die verworrene Geschichte vom verletzten Kampfhund unter der Brücke, der kein Kampfhund sei und schliesslich folgte ihm der erwachsene Mann, der gerade begonnen hatte, seinen wohl-verdienten Feierabend mit einem Bier zu begrüssen.

So kam Marius mit seinem sehr skeptischen Onkel zurück zur Hündin Celina.

Celina spürte sofort das Misstrauen und die Angst des erwachsenen Mannes… Celina roch das Bier und extrem verunsichert stand sie geschwächt auf. Bereit, sich sofort zurück zu ziehen. Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten, aber dieser Mann, dieser Geruch, machten ihr Angst.

Marius` Onkel hatte ebenfalls Angst und nahm einen grossen Ast zur Verstärkung und schlug damit vor sich her in Richtung der verletzten Hündin, um diese zu beeindrucken und zu verjagen. Dabei schrie er wilde Beschimpfungen zu dem Hund und hielt mit einer Hand seinen Neffen zurück, der sich schluchzend zu befreien versuchte und doch nur der Hündin helfen wollte.

Celina rannte in Panik davon. Noch viele Kilometer hörte sie das verzweifelte Schreien voller verständnisvoller Liebe des Jungen und in all ihrer Panik wurde ihr doch das Herz sehr schwer das es ihnen nicht vergönnt war, gemeinsam nach einen Weg zu suchen.

Celina verschwand aus dem Leben von Marius, und Marius verschwand aus dem Leben von Celina. Doch auch wenn dieses gemeinsame Leben nicht Mal einen halben Tag andauerte, so wussten beide, das sie an diesem Tag unendlich viel gelernt hatten. Mehr als manche Menschen in ihrem ganzen Leben.

Sehen, verstehen, zuhören.
Vorurteilsfrei aufeinander zugehen.
Signale des anderen wahrnehmen.
Respekt vor dem anderen Lebewesen.
Vertrauen.
Instinkt.

Dann begleiteten die panische Hündin bald schon entsetzte Blicke und Angst-Schreie von Menschen, denen sie begegnete. Andere Hunde bellten wütend , Sirenen-Geheul und immer mehr Panik begleiteten ihren wahnsinnigen Run …
…bis sie schliesslich erschöpft zusammen brach.

Der Polizei-Beamte brachte die Hündin ins Tierheim der nächsten Stadt. Dort wurde Celina versorgt und dann in ein Auffang-Lager für solche Hunde-Rassen gebracht. In einer grossen Stadt, mit einem grossen Hafen …

9. Kapitel, Lebens-Station Nr.9
Mai 2001-Juni 2003
Celina in Haft – Ohne Sonne erlischt jegliches Leben

Welcher Engel Celina bewachte, das sie dort in diesen Hallen nicht sofort eingeschläfert wurde und ob das wirklich ein Engel war, das mag man als Mensch – der Hunde liebt – nicht beurteilen.

In diesem Auffang-Lager für Kampfhunde sass Celina 2 Jahre in einem 1,5 m² kleinem Draht-Käfig, der nicht mal mehr der Bezeichnung Zwinger standhielt. Ohne Sonnenlicht, ohne Beschäftigung, ohne Zuwendung, aber immer mit viel Lärm und auch Gestank von den anderen Hunden. Celina war gezwungen, in ihren Zwinger zu machen, alle paar Tage wurde dieser Mal gesäubert. Bei diesen Säuberungen wurden die Käfige mit einem kalten und harten Wasserstrahl ausgespritzt. Die Hunde hatten keine Rückzugsmöglichkeit, keine Chance diesem auszuweichen.

Manche Hunde sprangen in wilder Panik hin und her, wenn Menschen mit dem Schlauch in der Hand sich den „Zwingern“ näherten. Anfangs sprang auch Celina auf, wenn diese Männer kamen. Voller Hoffnung sah sie ihnen entgegen. Doch schon bald merkte sie, das nur kalter Hass zurückkam und so blieb sie einfach still liegen.

Ruhig abwartend. Der anfangs so hoffnungsvolle Blick immer stumpfer werdend. Und doch täglich ums Überleben bettelnd!

Manche Hunde schlossen ihre Augen für immer und erst viele Stunden später, manchmal auch erst Tage später, bekam das jemand mit.

In diesen Hallen herrschten das Wimmern, der Geruch und die Angst von hunderten Hunden.
Der Angst vor dem sinnlosen Tod.
Von „solchen Hunden“!
Solchen Hunden!
Hunden wie Celli,
einst sehr geliebt und geachtet. Nun missachtet.
Einst gebraucht. Nun missbraucht.

Celina sass die langen zwei Jahre dort zusammen gekauert in einer Ecke auf nacktem, kaltem Beton. So eng in sich zusammen gerollt, das die anderen vor Verzweiflung und Angst schier wahnsinnigen Hunde sie auch nicht durch das angrenzende Gitter ihres Käfigs packen konnten.

Ab und an kamen Menschen, die freundlich schauten und 2-3 Hunde mitnahmen, manchmal kamen auch Menschen, die nach Tod rochen und ebenfalls 2-3 Hunde mitnahmen. Manchmal kamen 2-3 neue Hunde, und da die jung waren, gingen dann 2-3 alte Hunde …

Wohin gingen sie nur?
Warum ?
Wie viele Hunde hat man in diesen Hallen zerstört?
Wie viele Kinder haben um diese Hunde, die ihre Freunde waren, geweint?

Im Juni 2003 kamen junge Menschen aus einer niedersächsischen Tierschutz-Organisation. In Niedersachsen hatte sich die Situation der sogenannten Kampfhunde etwas entschärft und die Menschen dort begannen zu begreifen, das ein Staffordshire noch immer genau so ein toller Hund sein konnte wie noch vor dem Jahrhundertwechsel.

Die Tierfreunde kamen, um fünf solcher Hunde mit aus diesen Hallen in ihr Tierheim zu nehmen. Fünf, für mehr bot ihr kleines Tierheim keinen Platz.

Die Tierschützer hatten schon viel gesehen und erlebt, doch dieses Auffang-Lager trieb ihnen Tränen des ohnmächtigen Zorns, hilfloser Wut und ohnmächtiger Trauer in die Augen. Sie blieben an Celinas Käfig stehen. Sie sahen den schwarzen Hund, der mit Narben übersät, ängstlich in der Ecke kauerte. Sie sahen in die dunklen Hundeaugen, die trotzdem dem Blick des Menschen standhielten – und sie sahen: Hoffnung!

Und sie nahmen Celina mit in ihr Tierheim.

10.Kapitel, Lebens-Station Nr.10,
Juni 2003 bis Oktober 2003
Celina im Tierheim – Vielleicht geht morgen die Sonne wieder auf

In diesem Tierheim bekam Celina einen Zwinger mit Innen- und Aussenbereich. Zum ersten Mal seit 2 Jahren konnte Celli wieder die Nase an die Gitterstäbe drücken und den Wind spüren. Sie konnte das Gras riechen, Schmetterlinge beobachten, sehen wie die Sonne aufgeht und spüren wie das staubige, stumpfe Fell vom Regen weich gespült wird. Wie die prasselnden Regentropfen ihre Narben massierten…Celina konnte erstmals wieder beim Atmen Luft holen!

Celina stand viele Tage im Aussenbereich ihres Zwingers und schien die lebendige Welt in sich einzusaugen. Sie nahm keinerlei Kontakt auf, weder zu Mensch noch zu Tier, weder freundlich noch böse,aber Celina stand da an ihrer Zwingertür, die Nase im Wind, die traurigen Augen weit in die Ferne gerichtet … und erfüllte ihren Körper nach und nach wieder mit Leben und Lebendigkeit.

Sie frass und trank.

Es schien so, als hätte sie abends Angst, dass am nächsten Morgen die Sonne nicht mehr aufgehen würde. Oft weinte sie wie ein Wolf die untergehende Sonne an.

Im Tierheim taufte man die schwarze Hündin auf den Namen Angel.

Ein Mitarbeiter, Steffen, stand oft an ihrem Zwinger und erzählte von seinem Tag und begann auch bald, mit Angel spazieren zu gehen. Nach ein paar Wochen nahm Celina freudig zur Kenntnis, wenn Steffen bei ihr stehen blieb und mit ihr redete oder gar das Halsband für einen gemeinsamen Spaziergang umlegte.

Zwiegespräche zwischen Mensch und Hund. Celli gab den Weg zu ihrer Hundeseele frei.

Angel-Celina lebte für Steffen. Sie trauerte nicht ihrem alten Leben hinterher, als Hund verschwendete sie keinen Gedanken an die gute alte Zeit. Sobald sie Steffen sah, spürte oder roch wurde ihre undurchdringliche Miene wieder ganz weich, die inzwischen angegraute Schnauze zog sich zu einem breiten Grinsen und die Rute drehte sich wieder so temperamentvoll im Kreis, das der Hintern mitwackelte.

Das schwarze Fell bekam trotz der vielen Narben wieder einen seidigen Schimmer und Celina wurde durch die tägliche Bewegung und Zuwendung beinahe wieder der schöne vor Kraft-strotzdende Hund, der vor etwas mehr als 7 Jahren in diese Welt geboren und mit offenen Armen empfangen worden war.

Und Steffen fand immer ein paar Minuten Extra-Zeit um Angel zu streicheln oder einfach nur mit ihr zu sprechen. Er holte bald ein anderes Staff-Mädchen mit in den Zwinger von der schwarzen,sanften Angel, die helle Kimba und Angel freundeten sich an. Steffen träumte von einer gemeinsamen Vermittlung der beiden so sanften Hundefreunde. Denn Kimba war jung und ungezwungen, verbotenerweise als Stafford-Shire im Jahre 2002 geboren, sass sie seitdem im Tierheim und suchte eine Lebensaufgabe.

Celina, jetzt ja Angel, hatte noch immer soviel Liebe in sich. Und die teilte sie nun auf für ihre Hundefreundin Kimba und den Menschen Steffen.

Vor anderen Menschen, besonders vor anderen Männern, hatte Celina sehr grosse Angst. Sie kniff die Rute ein, legte die Ohren an und kauerte sich knurrend und zitternd zusammen. Drehte der Bedrohung Mensch den Rücken zu. Sie hätte niemals einen Menschen gebissen, doch das wusste keiner.

Manchmal schaute sie sehnsüchtig Kindern hinterher, die zu Besuch im Tierheim waren -und darum beschloss man, diese Blicke völlig falsch deutend, Angel keinesfalls an eine Familie mit Kindern zu vermitteln.

Kimba fand dann doch Menschen, die sie lieben wollten. Ohne Angel.

Man machte sich im Tierheim die Entscheidung nicht leicht, doch die helle Hündin Kimba hatte diese Chance verdient und so trennte man, was man miteinander verbunden hatte. Und gerade als Angel-Celina dem Leben wieder etwas Leichtigkeit zusprechen wollte, verschwand wieder ein vertrauter Stützpunkt einfach so aus ihrem Leben. Kimba war weg! Ihre Nähe, ihr Geruch … einfach weg. Und kehrte nie zurück, so sehr die schwarze Hündin auch die Nase in den Wind hielt.

Von diesem Moment an akzeptierte Angel-Celina keinen anderen Hund mehr in ihrer Nähe. Wahrscheinlich war das ihre Art, die Traurigkeit ihres Lebens und den Verlust der Hundefreundin auszudrücken.

In der Woche darauf hatte Steffen auf dem Weg ins Tierheim einen Unfall und kam ins Krankenhaus.

Diesen Tag und auch die Tage danach, wartete Angel-Celina vergeblich auf diesen Menschen. Sie stand da, die Nase an die Zwingergitter gepresst und versuchte, die Nähe von Steffen zu erschnuppern. Sie stand da und dachte, wenn sie nur lang genug ihre Nase in den Wind drücken würde, würde dieser auch den vertrauten Geruch von Steffen zu ihr rüberwehen.
Sie strengte die Ohren an und hoffte doch so sehr seine Stimme zu hören. Doch sie hörte sie nie wieder.

Mit jedem Tag des Wartens mehr schien die einst so wunderschöne Hündin auch immer mehr in sich zusammen zu fallen, kleiner und dünner zu werden.

Ein schwarzer Engel ohne Flügel.
Verloren in dieser Welt.
Und doch noch in dieser Welt.

Nach einer Zeit vergeblichen Wartens resignierte die vom Leben so enttäuschte Hündin und legte sich apathisch in eine Ecke ihres Zwingers.
Bereit zum sterben,
auf den Tod wartend.
Auf was sollte sie auch sonst noch warten?

Nur noch selten drückte sie die Nase in den Wind …. Es spielte für die schwarze Hündin keine Rolle mehr, ob die Sonne auf- oder unterging. Man hörte sie nie wieder den Sonnen-Untergang mit ihrer Stimme begleiten.

Die örtliche Presse berichtete in einem grossen Artikel von „Angel- dem schwarzen Engel ohne Flügel“

Diesen Artikel las Pferdewirtin Maren Maurer, inzwischen 23 Jahre … Maren wohnte weit von ihrem damaligen Zuhause und auch ihrer Lehrstelle entfernt. Und sie wollte einfach nicht wahr haben, das so weit von ihrem ehemaligen Zuhause und so nah dran an ihrer jetzigen Heimat eine Hündin, enttäuscht vom Leben und mit Narben gekennzeichnet, vor sich hinvegetierte, die sie so enorm stark an ihre Celina erinnerte.

Celina.
Der Hund, der ihr viele Monate lang so eine wichtige Lebensstütze gewesen war, den sie dann aber doch aus ihren Gedanken verdrängt hatte.

Und doch …

…dieses Bild in der Zeitung, diese Augen

Maren haderte noch eine Woche, dann fuhr sie ins Tierheim.

11. Kapitel, letzte Lebens-Station
1. November 2003
Ein letztes Mal Celina und Maren – Wenn die Sonne für immer untergeht

Maren stand am Zwinger der geschundenen Angel und wusste doch sofort, das dort ihre Celina sass…abgemagert, entkräftet, enttäuscht von der Welt und trotzdem nie böse.

Maren wusste, das sich dort ein Hund aufgegeben hatte, der zwar ein Stafford-Shire-Terrier war, aber nie ein Kampfhund.

Maren wusste nicht, welche Schicksalswege Celina gegangen war, aber sie sah der Hündin an, das es nicht einfach war. Das es sogar mehr als schrecklich und hart gewesen war.

Maren liefen die Tränen in Sturzbächen übers Gesicht… Sie hasste sich für ihre jugendliche Unbeschwertheit, mit der sie damals das Schicksal ihrer Traum-Hündin einfach aus den Augen verloren hatte. Sie hasste sich dafür, nie den Mund aufgemacht zu haben, als andere Besitzer von Stafford-Shire-Terriern für ihre Hunde kämpften und Hilfe erhofften. Sie hasste sich dafür, noch diese Woche gezögert zu haben, bis sie endlich den Mut aufgebracht hatte, ins Tierheim zu fahren.

Das alles erzählte Maren mit leiser Stimme der Hündin. Ihrer Hündin. Celina, der schwarze Engel ohne Flügel, der stets alles im Leben richtig gemacht hatte .

Und Celina schaute auf und wedelte als Zeichen des Erkennens und Verstehens leise und kaum sichtbar mit der Rutenspitze. Die Hündin Celina spürte einen kleinen Funken Glück in sich, aber viel grösser war die Angst.

Und mit dieser kalten Faust der Angst, die ihr Herz endgültig umgriff, bevor der warme Funken der Liebe dort ankommen konnte, schloss die Hündin Celina ihre Augen.

Für immer.

Celina spürte die Streicheleinheiten, die Tränen und die verzweifelte Liebe von Maren nicht mehr. Celina wusste nicht, das sich der kranke Steffen um sie sorgte. Celina ahnte nicht, wieviele Menschen in diesem Moment stumm um sie weinten. Celina starb allein. Celina war ein schwarzer Stafford-Shire-Terrier.

Hinterm Regenbogen aber wird sie mit allen Menschen und Hunden spielen, die genauso unschuldig Opfer wurden wie sie, die schwarze Stafford-Shire-Hündin Celina. Und sie versprach Gott in ihren letzten Atemzügen, allen Kindern dieser Welt ein guter Schutzengel zu sein. Denn die Kinder von heute sind die Erwachsenen von Morgen, die wieder bereit sein werden, den Tieren und der Natur zuzuhören.

Autor: Tanja Leuschner
Tanja@acusticus.de