Einsortiert unter: Katzen | Schlagwörter: Gastkatzen, Katzen, Katzen füttern, Katzen in Pension, Katzen in Pflege, Katzenfutter, Katzenpension, Miezhaus, Pflegekatzen, Urlaubskatzen
Im Juni hatten wir wieder für zwei Wochen unsere Gastkatzen hier, Ivan und Olga. Zweimal jährlich urlauben sie bei uns, während ihre Menschen auf Reisen sind. Mittlerweile sind sie so in unseren häuslichen Ablauf integriert, dass das nicht mal mehr Stoff für eine Katzengeschichte gibt.
Das einzig Erwähnenswerte ist die morgendliche Abfütterungsaktion. Ivan besteht darauf, sein Frühstück auf dem Balkon einzunehmen, Olga bekommt ihres in unserem Büro, und unsere drei Coonies mampfen, wie gewohnt, in der Küche.
Theoretisch.
Praktisch sieht es so aus, dass ich morgens nach dem Aufstehen direkt in die Küche gehe. Alle gehen mit. Das heißt, sie latschen mir mit viel Gemaunze und Gegurre vor den Füßen rum. Ich wate quasi durch Fell.
Ich spüle die Näpfe unserer Coonies und gehe auf den Balkon, Ivans Fressnäpfchen einsammeln. Alle gehen mit. Ich trage Ivans Näpfe in die Küche. Alle gehen mit. Ich gehe ins Büro, um Olgas Näpfe zu holen. Sie ahnen es: Alle gehen mit. Ich bringe Olgas Näpfe in die Küche. Alle gehen mit – und sitzen dann erwartungsvoll um mich herum, während ich das Katzenfrühstück vorbereite. („Cooniebert, wenn du zwei Millimeter rücken würdest, könnte ich hier was arbeiten und es würd’ viel schneller gehen!“ – „Indie, wenn du im Napf stehst, wie soll ich da was reinfüllen?)
Ich stelle unseren Coonies das Futter in die Küche und trage Ivans Napf auf den Balkon. Alle gehen mit. Ich geh zurück in die Küche, um Olgas Näpfe ins Büro zu expedieren – und alle gehen mit.
Danach verteilt sich die Katzenbande auf der Etage. Yannick und Indie fressen Olgas Frühstück, Ivan und Cooniebert mampfen in der Küche und gehen dann gucken, was es auf dem Balkon und im Büro zu futtern gibt. Und während die Katerbande ihr Futter-Zirkeltraining absolviert und jeder mal aus jedem Napf frisst, um festzustellen, dass in allen das gleiche drin ist, geht Olga in aller Ruhe in die Küche und verspeist das Frühstück unserer Coonies.
Den Versuch, unseren Katern ihre Hausmarke zu servieren und den Gastkatzen das ihnen vertraute Futter, habe ich schon bei ihrem ersten Besuch bei uns aufgegeben. Es frisst doch eh jeder, was er will. Das Chaos ist unkontrollierbar. Jetzt gibt es abwechselnd an einem Tag unser Futter, am anderen Tag ihres. Keine Frage, dass immer das der anderen besser schmeckt. Am „Energiesparfutter“ (Diät-Trockenfutter) der Gäste hat ausgerechnet unser dürrer Cooniebert einen Narren gefressen.
Da bis jetzt aber noch kein Vierbeiner in unserem „Miezhaus“ vom Fleisch gefallen ist, wird das mit dem Fress-Chaos schon in Ordnung sein.
British-Kurzhaar-Kater Ivan hängt auf dem Kratzbaum ab
Olga schaut aus dem Schlafzimmerfenster, was sich auf der Straße tut. Nicht viel. Wir sind hier aufm Land.
Unsere drei Katern, Yannick, Cooniebert und Indie (v.l.n.r.) haben sich zu einem Fellknödel zusammengerollt und pennen auf dem Balkon.
Yannick thront auf dem Blumentisch …
… und besetzt den ganzen Katzenkorb. Der dürre Cooniebert braucht nur halb so viel Platz.
Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http:// edithnebel.wordpress.com
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Für Wasserfrösche eher selten
sind Namen wie Charlotte, Franz,
auch Hubert, Anneliese gelten
als rar und Waldemar fehlt ganz.
Warum sind christlich deutsche Namen
bei Lurchen derart unbeliebt?
Da nennen sich die Tümpeldamen
meist Rana, was mich sehr betrübt.
Doch selbst bei Männern, wie verschroben,
gilt Rana auch als Modeschrei.
Solch Einfalt will man ungern loben,
was will, was soll der Einheitsbrei?
Es soll mich weiter nicht bedrücken,
ich taufe sie nach meiner Wahl.
Gerlinde, würde mich entzücken,
auch Thomas, Leo, Hastrubal.
Foto: © Helga Schmadel / http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
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margeritenweiß
um gelben dotterfleck
falterandachtsort
zum stillen dankgebet
aus dem nektarkrug
ein kühler trunk geschöpft
auf zum nächsten weiß
mit gelbem dotterfleck
Foto: © Bolliger Hanspeter (Hanspeter Bolliger) / http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
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Räder drücken, quetschen, jäten,
halten Spuren blumenfrei.
Wege werden fest getreten,
alles Grüne darbt dabei.
Felder dulden freilich Pflanzen,
ausgesucht zu reichem Nutz.
Monotone Ährenlanzen,
Roggen, Gerste, Kukuruz.
Doch dazwischen, welches Leben,
kunterbuntes Farbenspiel.
Käfertanzplatz, gleich daneben
Falterei am Blätterstiel.
Grillen stimmen Violinen,
Heupferd hüpft im Takt dazu.
Drängelei der Honigbienen
an der Bar zur Nektarruh.
Lässt der Mensch die Zügel schleifen,
schenkt er Spielraum, freien Platz,
folgt ein schnelles Platzergreifen,
prassend aus dem Formenschatz.
Foto: © lens-flare (Steffen Göthling) / http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
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Des Löffelblattes Drüsenhaare
lauern voller Stickstoffdurst.
Der Sonnentau braucht Fleischesware,
Fliege, Käfer, Dauerwurst.
Photonisches Synthetisieren
reicht dem Moorgesellen nicht.
Geflügeltes zu integrieren
geht auch ohne Tageslicht.
Doch unbegründet wäre Schrecken
vor dem carnivoren Grab.
Kein Grund, im Schilf sich zu verstecken,
Menschenbraten lehnt es ab.
Foto: © Insektivor212 (Thorben Wengert) / http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
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Ungemach aus Menschenmund
dringt ans Schneckenganglion.
Weichtierhirn läuft nicht mehr rund,
Kauderwelsch in Wort und Ton.
Eile, Hasten, keine Zeit,
Stechuhr, Fahrplan, Arzttermin,
nicht dagegen Ewigkeit,
hört der Lauscher hin und hin.
Neues Auto, schneller noch,
Datensender aufgemotzt,
Schnecklein schaut ins schwarze Loch,
wie der Mensch mit Tempo protzt.
Masse kennt die Schnecke ja,
Fremd ist ihr Celeritas.
Relativisch denkt sie da,
Menschenschwatz, ich pfeif dir was.
Foto: © Knipsermann (Ernst Rose) / http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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Man nennt mich Samtpelz, Schaufelzehe,
Verbündeter der Bodennacht,
ich höre besser als ich sehe,
erklärst du mir die Wiesenpracht?
Mein Freund, mich freut es dir zu schildern,
welch Wunderwelt dein Reich bedeckt.
Ein Mosaik wird hier zu Bildern
für deine Fantasie gelegt.
Es reihen Rispen sich an Ähren,
die Dolde wird zum Schattenschild.
Wie Tropfen bunt gemischter Zähren
verwischt ein Blütenmeer sich mild.
Ja, denk dir, Schreck der Engerlinge,
da krabbelt, kreucht es durcheinand.
Die Emsen schleppen schwere Dinge,
Frau Grille zupft das Geigenband.
Ein Vogel, rot die stolze Kehle,
äugt hin zu deiner Deponie.
Auf Würmchen hofft die Sängerseele
und täuscht mit Flötenmelodie.
Das Heupferd hüpft, es scheut das Ziehen,
Zikaden schäumen sich ihr Nest.
Der Rosenkäfer scheint zu glühen,
ein Siebenpunkt schmaust Laus zum Fest.
Die Feldmaus, Riese unter Zwergen,
schärft kauend ihren Nagezahn.
Ein Kommen, Gehen und Verbergen
ist Alltag für den Wiesenklan.
Oh Meister Mull, du wirst verstehen,
zu Ende ist der Vortrag nicht.
Das Sommerwiesentaggeschehen
erschließt sich schwer im Kurzbericht.
Foto: © cossac / (dieter haugk)/ http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
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Einsortiert unter: Bücher | Schlagwörter: 19. Jahrhundert, Engadin, Findelkind, Gesellschaftsroman, Giovanni Segantini, historischer Roman, Kursaal Maloja, Maloja, Schweiz, Verdingkinder
Dörthe Binkert: Bildnis eines Mädchens, München 2010, Deutscher Taschenbuch Verlag dtv, ISBN 978-3-423-24784-9, 255 Seiten, Format: 13,5 x 21 x 3,5 cm, EUR 14,90 (D), EUR 15,40 (A)
„Ich habe die junge Frau angestellt, aber wir wissen nicht viel über sie. Sie stammt nicht aus Maloja. Zwei Burschen aus dem Dorf fanden sie verletzt in den Bergen und brachten sie hierher. Wahrscheinlich wollte sie ganz woanders hin, aber da sie offenbar kein Geld und kein Zuhause hat, ist sie hiergeblieben. Mehr kann ich Ihnen nicht berichten.“ (Seite 228)
Zum Glück weiß der Leser hier mehr als der Personalchef: Nika heißt die ärmlich gekleidete junge Frau, die im Mai 1896 im Oberengadin vom Hirten Gian Biancotti und seinem Bruder Luca aufgelesen wird. Die Rothaarige spricht nicht und hat sich den Knöchel verletzt. Da sich die jungen Männer nicht anders zu helfen wissen, nehmen sie die Frau mit hinunter ins Dorf, zu ihrer Familie. Mutter Benedetta Biancotti und Schwester Andrina sind nicht so begeistert von der „Straniera“. Aber sie darf im Stall schlafen, und Andrina vermittelt ihr umgehend Arbeit in der Wäscherei des Grandhotels „Kursaal Maloja“, wo sie selbst als Zimmermädchen arbeitet.
Wir erfahren auch Nikas Vorgeschichte. Aufgewachsen ist sie in Mulegns, als „Verdingkind“ auf einem Bauernhof. Wie sie wirklich heißt und wer ihre Eltern sind, weiß sie nicht, denn sie ist ein Findelkind. Nach dem Mittagshalt der Postkutsche hat die Posthalterin damals den ausgesetzten Säugling gefunden, zusammen mit einem Umschlag voller Geld und einem wertvollen Medaillon, das lediglich einen Zettel mit unverständlichen Schriftzeichen enthielt.
Eines Tages, so hat sich Nika schon als Kind geschworen, wird sie nach Italien reisen und ihre Mutter finden. Denn dass die Reisenden, die das Mädchen ausgesetzt haben, Italiener waren, dessen ist sich die Posthalterin ganz sicher. Doch um sich vor ihrer Geburtsfamilie ausweisen zu können, braucht Nika ihr Medaillon, und das haben ihr die Bauersleute, bei denen sie als eine Mischung zwischen Pflegekind und Sklave lebt, weggenommen. Sie stibitzt sich ihr Eigentum wieder zurück, und als ihre Tat aufzufliegen droht, flüchtet sie bei Nacht und Nebel und landet so in Maloja.
Stumm ist sie nicht. Sie hat nur nach einem traumatischen Erlebnis als Kind das Sprechen eingestellt.
Mit ihren roten Locken und den blaugrünen Augen ist Nika eine faszinierende Erscheinung. Nicht nur dem Personalchef des Hotels, Achille Robustelli, fällt das auf. Auch der berühmte Maler Giovanni Segantini wird auf die junge Frau aufmerksam. Er möchte, dass sie ihm Modell steht. Und nachdem er Erkundigungen über sie eingezogen hat, ahnt er, dass ihre Kindheitserfahrungen – elternlos, heimatlos, misshandelt und ungeliebt – den seinen gleichen.
Segantini macht seinen Einfluss geltend und Nika wird von der Wäscherei zur Gartenarbeit versetzt. Dort kann er sie öfter sehen. Er spricht sie immer wieder an, und in der Tat fasst sie Vertrauen zu ihm. Sie fängt sogar wieder zu sprechen an. Und sie zeigt ihm ihre Zeichnungen. Segantini erkennt, dass Nika Talent hat und bemüht sich, ihr zu helfen und sie zu fördern. Doch ihr Verhältnis zueinander bleibt aus verschiedenen Gründen problematisch.
Foto: Oberes Engadin, Maloja mit Grandhotel Kursaal und Silsersee, um 1900. “Photographs in this collection were published before 1923 and are therefore in the public domain.”
Problematisch ist auch die Beziehung des Vize-Hoteldirektors Achille Robustelli zum Zimmermädchen Andrina Biancotti. Hübsch ist sie, temperamentvoll und auch nicht allzu prüde. Aber auch sehr ehrgeizig, egoistisch und berechnend. Inzwischen bereut er es, ihr einen Heiratsantrag gemacht zu haben. Doch als Mann von Ehre kann er keinen Rückzieher machen, auch wenn er zum Schluss gekommen ist, dass Nika die bessere Ehefrau für ihn wäre.
Zwischen zwei Heiratskandidaten steht auch einer der Hotelgäste, die junge Mathilde Schobinger aus Zürich. Wegen ihrer angegriffenen Gesundheit ist sie in Begleitung ihrer lebenslustigen Tante Betsy zur Kur im Engadin – und verliebt sich prompt in einen Hotelgast, den deutsch-englischen Journalisten James Danby, einen attraktiven aber etwas oberflächlichen Frauenhelden. Und das, wo Mathilde in Zürich mit dem Erben des Bankhauses Zoller verlobt ist!
James schmeichelt Mathildes Verliebtheit, aber er amüsiert sich lieber mit Kate, der leichtlebigen Gattin des Unternehmers Simpson. Und er erweist sich auch sonst nicht unbedingt als Gentleman. Als sich Mathildes Gesundheitszustand rapide verschlechtert, ist es nicht James, der regelmäßig an ihr Krankenbett eilt, sondern sein etwas farbloser Jugendfreund, der Kunsthistoriker Edward Holbroke. Jetzt weiß Mathilde gar nicht mehr, wen oder was sie will …
Inzwischen hat es der Maler Giovanni Segantini geschafft: Nika steht ihm für ein Bild Modell. Das Resultat gefällt ihr aber ganz und gar nicht. Noch weniger gefällt ihr, dass Segantini sie wegschicken will, weil seine Lebensgefährtin Bice eifersüchtig auf sie ist. Und mit Bice will er sich keinesfalls verderben. Doch stellt sich sowieso die Frage, was Nika machen wird, wenn das Hotel über den Winter schließt.
Durch Zufall gerät Nikas wertvolles Medaillon in die Hände des Vize-Hoteldirektors Robustelli. Er meint, das eingravierte Wappen zu erkennen. Seine Vermutung bestätigen auch zwei Hotelgäste, der Graf Promoli und dessen Sekretär Fabrizio Bonin. Und im Herbst 1896 reist Nika tatsächlich nach Italien um mit Ihrer Familie Kontakt aufzunehmen …
Drei Jahre später, im September 1899, gelingt es James Danby, die Hotelgäste, die sich im Sommer 1896 miteinander angefreundet hatten, wieder im Grandhotel Maloja zusammenzutrommeln. Achille Robustelli ist noch immer Vizedirektor des Hotels. Ist er mit Andrina Biancotti glücklich geworden? Edward Holbroke reist aus England an. Tante Betsy kommt aus Zürich. Mathilde ist ebenfalls da. Wen sie wohl geheiratet hat? Auch Fabrizio Bonin hat die Reise ins Engadin angetreten. Giovanni Segantini ist leider nicht dabei. Und die überraschendste Geschichte von allen hat Nika zu erzählen …
Bis auf Giovanni Segantini und dessen Familie sowie ein paar Nebenfiguren sind alle Personen des Romans fiktiv – und doch so lebendig beschrieben, dass man mit ihnen hofft, bangt und leidet. Manchmal möchte man einzelne Romanfiguren schütteln, weil sie sich so verhalten, wie es Menschen eben in ihrer Unzulänglichkeit manchmal tun: naiv, gemein, bequem, selbstsüchtig oder unvernünftig. „Mathilde, lass die Finger von dem Kerl, der taugt nichts!“, möchte man ausrufen. „Betsy, rede nicht nur von sozialem Engagement, tu was!“ – „Signore Robustelli, Sie rennen in Ihr Unglück! Das Weib ist ein Luder!“
Bei Nika hat man noch am wenigsten das Bedürfnis, sie aufzurütteln. Sie weiß genau, was sie will. Und auch, wenn die Chancen auf eine Verwirklichung ihrer Pläne verschwindend gering sind, ist sie nicht bereit aufzugeben. Zäh und willensstark wurstelt sie sich durchs Leben und verliert nie ihr Ziel aus den Augen, das Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften. Und lernen will sie – mehr aus sich und ihrem Leben machen. Zu verlieren hat sie ja nichts. Wer eine so schreckliche Kindheit überlebt hat, den bringt wohl auch so etwas Banales wie die Möglichkeit des Scheiterns nicht aus dem Konzept.
Ehrgeizig ist auch Nikas „Gastschwester“ und Kollegin Andrina Biancotti. Doch sie setzt weniger auf eigene Leistung als auf die Wahl möglichst vermögender und einflussreicher Lebenspartner. Aus heutiger Sicht ist man schnell geneigt, sie zu verurteilen und zu sagen, die eine arbeitet sich nach oben, während sich die andere nach oben schläft. Doch zur damaligen Zeit war eine eigene Karriere für Frauen noch nicht der Normalfall. Wollte eine Frau den sozialen Aufstieg, musste sie ihn erheiraten. Liebe war bei der Eheanbahnung sekundär. Ein Luxus. Das ist es auch, was der jungen Mathilde Schobinger zu schaffen macht: Die Eltern erwarten einen reichen, angesehenen Schwiegersohn, aber Mathilde will in erster Linie einen Mann, den sie liebt. Und der sie liebt.
Sollte aus einer Ehefrau eine Witwe werden, kann sie zu damaliger Zeit von Glück sagen, wenn der Gatte vermögend war und sie nach seinem Tod finanziell unabhängig wird, wie Mathildes Tante Betsy. Witwen ohne Erbe müssen zusehen, wie sie ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder verdienen. Und während sie sich als Waschfrauen oder Fabrikarbeiterinnen durchschlagen, nimmt man ihnen die Kinder weg und steckt sie ins Heim, weil die arbeitenden Mütter sich nicht um sie kümmern können. Deshalb erwägt Tante Betsy ernsthaft, sich mit einem Teil ihres ererbten Vermögens für eine Besserstellung armer Witwen und Waisen einzusetzen. Für Witwen- und Waisenrenten, zum Beispiel.
Was aus Waisenkindern wird, erfahren wir in diesem Buch ja auch: Wenn Verwandte sie nicht aufnehmen, landen sie entweder im Waisenhaus oder als Verdingkinder auf Bauernhöfen, wo sie schlechter gehalten werden als das Vieh und von klein auf schuften müssen, als seien sie erwachsene Knechte oder Mägde. So wie Nika. Und so ist dieser Roman nicht nur die faszinierende Geschichte eines geheimnisvollen Findelkinds, sondern auch ein Gesellschaftsroman, der uns die Verhältnisse im ausgehenden 19. Jahrhundert nahe bringt.
Giovanni Segantini, wie gesagt, gab es wirklich. Und auch das Bild „Eitelkeit“, für das in diesem Roman die Hotelangestellte Nika Modell gestanden hat.
Foto: „Segantini – ein Leben in Bildern“, Werd-Verlag Zürich; upload by Adrian Michael. Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Wen nun die Neugier plagt, der kann sich einen Teil der Kunstwerke, von denen im Buch die Rede ist, im Internet ansehen. Wer sich eingehender informieren möchte, kann auf eine Reihe von Büchern über den Künstler zurückgreifen, von denen manche allerdings nur noch antiquarisch erhältlich sind.
So liefert dieser Roman nicht nur spannende und mitreißende Unterhaltung, sondern auch jede Menge Informationen, Denkanstöße und interessante Themen, mit denen man sich gerne weiter beschäftigt.
Die Autorin
Dörthe Binkert studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft. Nach ihrer Promotion hat sie jahrelang für große deutsche Publikumsverlage gearbeitet. Seit 2007 ist sie freie Autorin und lebt heute in Zürich.
Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http:// edithnebel.wordpress.com
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Auf der Wiese steht ein Stroch,
legasthenisch, wie man hröt.
Rechnen aber kann er droch,
Lesen ist es was ihn ströt.
Fragrich scheint jedoch die Knust,
die Herrn Adebar wohl fleht.
Försche fängt im Morgendnust
auch wer falsche Lettern wläht.
Foto: © Stefanie2606 (Angelina Abel)/ http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
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Tausende Linsen erfassen und richten
Bilder, gestückelt und wieder vereint.
Tausend Facetten des Auges verdichten,
was dem Insektenkopf merkenswert scheint.
Schillernd im Bogen gebrochenen Lichtes
nimmt uns das Netzwerk gebannt ins Visier.
Speichert die Fliege ein schattenhaft schlichtes
oder ein wertendes Abbild von mir?
Foto: © insektivor212 (Thorben Wengert) / http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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