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Tümpel, kaum vom Eis befreit,
Ziehen Warzengäste an.
Krötenmann und Krötenmaid,
Massenhochzeit, Liebeswahn.
Blind vor Paarungstollerei
Drückt Herr Lurch ein Stückchen Holz,
Wartet auf das erste Ei,
Einsatz für den Männerstolz.
Kehlen füllen sich mit Luft,
Pressen Schauertöne aus.
Keiner weiß, wer werbend ruft,
Unmoral im Schwimmblatthaus.
Später dann im frühen Jahr
Quappt es dann in Teich und Bach.
Wie man sehen kann, so war
Doch Methode in der Sach.
Foto: © renate65 (gartenfee) / http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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Die Wärme weckt der Biene Fleiß,
Zum Auwald strebt die Imme hin,
Betört von eines Glöckchens Weiß,
Willkommen ist die Sammlerin.
Die Blüte ist empfangsbereit,
Weit offen steht das Nektartor.
Man nimmt und spendet ohne Neid,
Ist nachher reicher als zuvor.
Zwei kleine Wesen treten an,
Bescheiden, ohne große Schau.
Der Frühling hat nun freie Bahn
Für Wucher nach des Winters Stau.
Foto: © ulrichvelten (Ulrich Velten) / http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
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Die Sage von Sandfell, Teil 2: Der Spruch des Königs
Sandfells Wanderung führte ihn den Fluss entlang. Er hoffte, dass er so eine weitere Menschensiedlung finden und etwas über den Verbleib von Ivani und Madan erfahren würde. Nach einigen Tagen kam er durch eine Gegend die ihm unbekannt war, dort war er noch nie gewesen.
In der Mittagssonne ruhte er sich im Schatten unter einem Gebüsch aus. Die Luft flirrte in der Hitze des Tages, doch Sandfell konnte einen Punkt am Himmel erkennen, der in der Höhe seine Kreise zog. Ein Raubvogel wohl, der nach Beute suchte. Er flog weiterhin hoch, kam aber Sandfell langsam näher. Der konnte den Vogel jetzt genau erkennen. Es war ein hochfliegender Adler. Das war schon seltsam, denn die Adler lebten im Gebirge. Hier dürfte eigentlich keiner sein. Der Kater zog sich weiter in den Schatten der Büsche zurück, damit er nicht entdeckt wurde. Doch der Adler zog weiterhin seine Kreise und verschwand dann in der Ferne.
Sandfell setzte seinen Weg fort. Einige Tage später sah er wieder Adler. Jetzt waren es drei und sie kreisten in der Luft, als ob sie etwas suchen würden. Kurze Zeit später erreichte er ein Waldgebiet, wo er vor den Räubern aus der Luft sicher war. Und er bemerkte nach einiger Zeit, dass ihn irgend etwas verfolgte. Er duckte sich unter einigen Baumwurzeln, aber da war nichts.
Vorsichtig schlich er weiter, dann sah er es. Das war ein Pavian. Pavianen gingen die Katzen aus dem Weg, denn sie waren unberechenbar. Dieser jedoch verfolgte ihn schon seit einiger Zeit und lies ihn nicht aus den Augen. Doch es gab kein Anzeichen eines Angriffes. Also schlich Sandfell weiter durch das Unterholz am Wegrand. Der Pavian folgte ihm.
Irgendwann hatte der Kater genug von diesem Spiel und versteckte sich unter einer grossen Wurzel. Der Pavian hatte ihn verloren du sah sich suchend um. Da kam Sandfell aus seinem Versteck und stellte den Pavian zur Rede.
„Wer bist du, dass du mich verfolgst?“, fragte er.
„Ich bin ein Gesandter“, antwortete der Pavian.
„Gesandter? Wer hat dich gesandt? Und was willst du von mir?“
„Viele Fragen hast du, Kater! Mein Herr, dein Verwandter, der Löwe, welcher der König der Tiere ist, befiehlt, dass du dich an seinem Hofe begibst.“ sprach der Pavian.
„Er befiehlt? Was wünscht der König der Tiere von mir, dass ich mich an seinen Hof begeben soll?“ fragte Sandfell.
„Rede und Antwort sollt du stehen über deine Taten.“ antwortete der Pavian.
„Wer bin ich denn, dass ich einem vom Affenvolk traue?“
„Wie ich bist auch du ein Untertan des Königs und musst seinem Ruf Folge leisten. Siehst du nicht die Adler in der Höhe? Auch sie sind Boten des Löwen und haben lange nach dir gesucht.“
Der Pavian streckte dem Kater seine Hand entgegen und öffnete sie. Darin lag ein Stück Elfenbein, welches Kratzer von mächtigen Pranken aufwies.
„Dies ist das Siegel des Königs der Tiere.“ sagte der Pavian, „daran erkennst du, dass ich sein Bevollmächtigter bin.“
Da wusste Sandfell, dass der Pavian die Wahrheit sprach und dass er ihm zum König der Tiere folgen würde.
Lange dauerte diese Reise und sie ging in den Süden. Die Steppe durchquerten sie, hohe Berge, undurchdringliche Wälder und reisende Flüsse. Und immer waren in der Luft die Adler des Königs zu sehen, die über sie wachten. Niemand griff sie in der Zeit an, denn sie reisten unter dem Schutz des Königs der Tiere.
So gelangten sie endlich an den Hof des Löwen. Dort waren viele Tiere versammelt. Und Sandfell trat vor den König und dieser sprach:
„Mir ist berichtet worden, dass du und deinesgleichen sich mit den Menschen verbündet haben. Mit Menschen! Das kann ich nicht dulden! Denn niemand kann sagen, ob sich in der Zukunft Übles daraus ergeben wird. Daher verlange ich, dass du mir Rede und Antwort stehen sollt. Danach will ich entscheiden, was geschehen soll.“
„Mein König,“ sprach Sandfell, „die Menschen sind nicht so, wie Ihr denkt, auch wenn Ihr vielleicht etwas anderes gehört habt. Aber sollte ich etwas Unrechtes getan haben, so werde ich dafür stehen. Nur bitte ich, verschont alle anderen Katzen, denn sie sind nur Lilith und mir gefolgt.“
Foto: © turtlemama (Rosemarie Spies)/ http://www.pixelio.de
Der Löwe schaute Sandfell lange und durchdringend an, dann sagte er: „Ich werde eine Versammlung der Tiere berufen, noch vor der nächsten Regenzeit. Und ich werde mir anhören was die Tiere zu deinen Taten zu sagen haben. Dann wird ein Urteil gefällt werden.“
Der Tag kam, an dem sich alle Tiere vor dem König versammelten. Und der Löwe rief sie auf zu sprechen, für oder wider den Kater. Zuerst sollte Sandfell selbst sprechen. Und Sandfell trat vor den König und die versammelten Tiere und sprach:„Was ich getan habe, bereue ich nicht. Denn in der Wildnis haben wir gelebt und nicht immer war genügend Beute da. Und mannigfaltigen Gefahren waren wir ausgesetzt. Niemand von uns Katzen wollte ursprünglich zu den Menschen, denn viele Geschichten haben wir über sie gehört, und keine war von gutem Ausgang für ein Tier. Auch gibt es Feuer bei ihnen und davor fürchten sich alle Tiere. Doch Lilith, die Ihr als Schattenwind kennt, hat es gewagt und wir haben erkannt, dass die Menschen nicht so sind, wie erzählt wird. Wir haben ausreichend Nahrung gefunden, ja, manchmal geben uns die Menschen sogar von ihrer Nahrung. Und Schutz haben wir, denn niemand wagt es, gegen die Menschen vorzugehen. Keine Furcht haben wir nun vor dem Feuer, denn die Menschen wissen, wie man es zähmt. Wir jagen nur Mäuse und Ratten, wie wir es auch in der Wildnis taten, aber die Menschen danken es uns und sie lieben uns aufrichtig. Und wir können kommen und gehen wie es uns beliebt. Nichts Übles wollen wir einem anderen Tier tun, es sei denn es wäre Beute für uns, so wie es auch in der Wildnis war. Mehr habe ich nicht zu sagen.“
Der König hatte der Rede des Katers aufmerksam zugehört. Danach hiess er die anderen zu sprechen. Als erster sprach der Wolf. „Halten sich die Katzen etwa für etwas Besseres? Nur sich selbst gehorchen sie, zu ihrem eigenen Vorteil. Wir jagen im Wald und in der Steppe und wir jagen gemeinsam.Die Katzen jagen alleine. Wenn sich also eine Katze mit anderen verbündet, so kann doch nur ein hinterhältiger Gedanke der Grund dafür sein. Und seht, was ist aus meinen Verwandten, den Hunden geworden? Den Menschen müssen sie gehorchen und haben kein sicheres Rudel mehr. Daher, mein König, misstraut den Katzen und misstraut den Worten des Katers. Denn was sie tun ist gegen ihre Natur und führt zu nichts Gutem.“
Da erhob das Schwein seine Stimme: „Einige meiner Sippe sind auch bei den Menschen. Doch was der Kater erzählt, kann nicht gelten. Denn viele meines Volkes sind in engen Zäunen eingekerkert und müssen fressen, was die Menschen ihnen vorwerfen. Sie dürfen nicht mehr in Freiheit nach leckeren Wurzeln graben. Und die Menschen töten sie nach ihrem Gutdünken. Wenn also die Katzen sich den Menschen anbiedern, so kann das kein gutes Ende nehmen für alle Tiere. Mein König, Ihr müsst dem Einhalt gebieten, zum zukünftigen Wohl aller.“
Für die Affen sprach der Schimpanse. Der war sehr listig und wollte den Menschen gleich sein. Daher war er mit Misstrauen erfüllt gegenüber den Katzen. Und er sprach also: „Von allen Tieren sind wir den Menschen am nächsten verwandt. Vor Urzeiten haben sie mit uns in den Bäumen und der in Steppe gelebt und doch sind wir nicht wie sie. Das Feuer haben sie bezähmt und viele andere Dinge getan, die wir nicht verstehen. Ja, das Feuer, und auch wir vom Volk der Affen wüssten zu gerne wie man seiner Herr wird. Trotzdem sind wir nicht zu den Menschen gegangen. Mag es also sein, dass die Katzen nach dem Feuer gieren? Dass sie sich zu Herren der Welt ausrufen wollen? Und dass sie euch, mein König, von Eurem Thron stürzen wollen? Das ist Frevel, schlimmer noch, der grösste Verrat, den ein Tier je begehen kann. Darum fordere ich, gebietet dem Einhalt und bestraft Sandfell und die Seinen hart, auf dass sie sich nicht über euch erheben.“ So sprach der Schimpanse und es gab ein Gemurmel und viele stimmten ihm zu.
Für die Bewohner des Waldes sprach der Bär. Und er führte diese Rede: „Was ist denn so besonderes an den Menschen? Sie haben keine scharfen Zähne oder mächtige Krallen und stark sind sie auch nicht. Und käme einer, so würde ich ihn einen Tag vorher riechen und hören. Ich habe mehr als einen besiegt, obwohl man es eigentlich keinen Sieg nennen könnte, denn so schwach waren sie. Doch es gibt ihrer viele und zusammen sind sie stärker als alle Tiere. Wollen sich die Katzen, da sie sich den Menschen angeschlossen haben, aus freien Stücken, wie der Kater sagt, über alle Tiere erheben? Auch über Euch, mein König? Das dürft Ihr nie zulassen, deshalb müssen die Katzen wieder von den Menschen gehen. Und der Kater muss dafür bestraft werden, dass er sich mit ihnen verbündet.“
Als nächstes erhob der Adler seine Stimme: „Meine Heimat sind die hohen Berge, doch spreche ich für viele vom fliegenden Volk. Frei fliegen wir über die Höhen und meine Verwandten fliegen durch die Bäume. Doch auch wenn wir des Fliegens mächtig sind, so können doch die ach so schwachen Menschen einige von uns fangen. Sie haben das mit Hinterlist getan und mit Waffen, die wir nicht anwenden können. Und ich sage auch, dass manche Katze den ein oder anderen Vogel erlegt hat. Wenn sich die Katzen nun mit den Menschen verbünden, so verbündet sich Gleiches mit Gleichem und daraus wird eine grosse Gefahr für alle Tiere erwachsen. Mein König, dem müsst Ihr Einhalt gebieten, sonst werden wir alle verloren sein.“ So sprach der Adler und schaute in die Runde.
Da trat der Panther vor und mit ihm gingen der Tiger und der Gepard. Der Panther trat vor den König und sprach: „Wie ihr, mein König, gehöre auch ich zu den Katzen. Meine Verwandtschaft und ich wollen Sandfells Taten nicht verurteilen, aber auch nicht für ihn sprechen. Denn bedenkt, dass alle Katzen frei in ihren Entscheidungen sind. Nicht wie die Wölfe, oder schlimmer noch, wie die Hunde, gehorchen sie ihrem Führer. Ich bitte daher nur darum, um aller Katzen willen, dass ihr dieses bei eurer Entscheidung abwiegt. Denn wenn die Katzen bei den Menschen leben wollen, so ist das ihre Sache. Noch nie hat sich eine Katze, egal von welcher Sippe sie ist, einem fremden Willen unterworfen und sie werden sich auch nicht den Menschen unterwerfen oder sich mit ihnen gegen irgend jemand verbünden.“
So redeten die Tiere vor dem König, ein jedes nach seiner Art. Nur die Eule hatte bis jetzt geschwiegen. Sie galt als weiseste unter den Tieren und manche glauben, dass sie die Gabe des Sehens hätte. Daher war ihr Wort gewichtig vor dem König.Sie schaute in die Runde der Versammelten, dann redete sie: „Schwach sind die Menschen, wie der Bär sagte und ihre Körper haben keine Waffen. Und doch können sie andere Dinge benutzen als Waffen und seien es nur Steine in der Wüste oder Äste aus dem Wald.
Und ich sehe, wenn die Zeit gekommen ist, werden diese, die ihr Schwächlinge nennt, die Welt beherrschen zum Guten oder zum Schlechten, wer kann das wissen? Und zahlreich werden sie sein über alle Maßen. Sie werden die Dinge an sich erforschen und die Welt wird nicht mehr so sein, wie wir sie kennen. Denn ich sehe, dass sie das Land erobern werden und dazu die Ozeane und sogar die Lüfte. Und vielleicht werden sie sogar nach den Sternen greifen wollen, wer kann das wissen.
Denn auch wenn wir scharfe Augen, feine Nasen und grosse Ohren haben, so werden die Menschen doch Dinge sehen und hören können, die wir nicht sehen und nicht hören können und ihren Nutzen daraus ziehen. Wenn es dann nur mehr wenige von uns gibt, warum auch immer, so werden doch die Katzen, die bei ihnen sind, zahlreicher werden. Denn ich sehe auch, dass die Menschen jeden beschützen können, wenn sie das nur wollen.
Und wenn die Katzen bei den Menschen leben, aus freien Stücken, dann werden die Menschen auch sie beschützen. Und trotz allem steht es den Katzen bei den Menschen frei, zu kommen und zu gehen, wie es ihnen beliebt. Denn auch wenn es so scheint, dass die Katzen nichts dafür tun müssten, so geben sie den Menschen Liebe und Geborgenheit und diese werden es ihnen danken. Und darum werden sie alle Tiere mit anderen Augen schauen und sie achten. Und so sage ich, bestraft Sandfell nicht, sondern erkennt, dass die Katzen nicht nur um ihretwillen zu den Menschen gegangen sind, sondern zum Wohl aller Tiere.“ Nach dieser Rede schwiegen alle lang.
Auch der Löwe hatte schweigend der Rede der Eule zugehört, doch dann erhob sich der König der Tiere und er sprach: „Ich habe nun alle gehört. Und ich werde es bedenken. Zwar betrifft dies vor allem die Menschen, aber auch uns alle, die wir hier versammelt sind. Daher ist mir in dieser Sache Befugnis gegeben. Ich werde nun fortgehen und darüber nachdenken. Der Mond ist schmal jetzt. Beim nächsten Vollmond werde ich zurück sein und mein Urteil verkünden. Bis dahin seit meine Gäste.“
Er wandte sich um und ging majestätisch zwischen den Bäumen hindurch auf die Steppe zu. Bald darauf war er im hohen Gestrüpp verschwunden.
Die Tage vergingen und alle warteten voller Ungeduld auf die Rückkehr des Löwen. Niemand konnte vorhersagen, wie der König der Tiere entscheiden würde und manch einer hoffte, er würde keine Entscheidung treffen oder ein Urteil gegen Sandfell fällen.
Endlich kam der Vollmond. Und der König trat wieder vor die Versammlung der Tiere und sprach: „Hört mich an! Ich habe lange nachgedacht und eure Worte fein abgewogen. Und dies ist mein Spruch: Was Sandfell getan hat, soll ihm oder seiner Sippe nicht übel vergolten werden. Ich bin der Löwe, der König der Tiere. Und da ich das bin, sind alle Tiere meine Untertanen.
Auch die Katzen sind meine Untertanen, aber sie sollen selbst ihre Entscheidungen treffen über das was sie tun wollen oder wo sie leben wollen. Von nun an sind sie freie Herren und sollen geachtet werden von jedermann in der ganzen Welt. Und niemand ausser ihnen selbst soll über ihre Taten richten. Denn dies habe ich erkannt: Die Freiheit und der freie Wille ist ein zu hohes Gut, als dass er um irgendeines Königs Willen missachtet werden darf. So hab’ ich gesprochen, so soll es geschehen.“
So sprach der Löwe und alle Tiere standen stumm und hörten seinen Spruch. Und jeder, der die Worte des Königs der Tiere vernahm, erkannte seine Macht und seine Weisheit. Und die Tiere nahmen sich des Königs Worte zu Herzen. Dann sprach der Löwe weiter: „Sandfell, Kater, tritt vor.“
Und der Kater trat vor den König der Tiere und dieser sprach: „Kater Sandfell, von nun an nennt Euch Herr Sandfell und Ihr und euer Volk seit eure eigenen Herren. Nur das Eine verlange ich von Euch: dass Ihr mich als den König der Tiere weiterhin anerkennt und nicht gegen mich handelt.“
Sandfell verneigte sich vor dem König und ging, nun sein eigener Herr, durch die Reihen der versammelten Tiere. Und Sandfell wanderte als freier Kater fort, einer ungewissen Zukunft entgegen, doch er wusste, dass er nicht ruhen würde, bis Lilith’s Vermächtnis erfüllt war.
Fortsetzung folgt.
Autor: Mike
champicnac@yahoo.de
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Jerusalem schwingt Palmenwedel,
Das Tor zur Stadt steht bittend offen.
Gewänder wallen – grob wie edel,
Ein Jubel hin zum großen Hoffen.
Der Esel aber fällt in Sinnen,
Er wurde niemals so empfangen.
Nun sieht er Augenwasser rinnen,
Es netzt die rot erregten Wangen.
Der Reiter auf des Tragtiers Rücken
Liebkost des Esels Hals und Mähne.
Die schlichte Einfalt schafft Entzücken,
Der Herr verwischt sich eine Träne.
Foto: Maesta. Duccio. Christ Entering Jerusalem – back side of Maesta Altar. Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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Mit den ersten Frühlingsboten
steht vor uns die Osterzeit.
Wir verbannen Schal und Mütze,
schlüpfen froh ins Frühlingskleid.
Viele bunte Blütenglöckchen
läuten ein das Osterfest.
Und so mancher Osterhase
baut fleißig schon an seinem Nest.
Lasst die Hasen Eier malen,
rot und blau und groß und klein;
wir werden uns in diesen Tagen
am warmen Sonnenschein erfreu’n.
Foto: © (Peter Hebgen) / http://www.pixelio.de
Autor: Annegret Kronenberg
annegret@gedichte-garten.de
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Wieder einmal ist Erzählzeit mit Miezka und Julie’s Kitten, und diesmal ist Mowgli auch dabei.
„Miezka, du hast uns doch die Geschichte von Lilith erzählt. Was wurde eigentlich aus Sandfell und den Anderen, nachdem Lilith gestorben war?“
„Die blieben doch bei den Menschen, oder?“
„Ja, sie blieben bei den Menschen, aber das ist eine ganz andere Geschichte.“
„Bitte erzähl sie uns.“
„Vieles davon ist Legende, niemand weiss genau ob es sich so zugetragen hat, aber ja, ich will sie euch erzählen.“
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Die Sage von Sandfell, Teil 1: Liliths Vermächtnis
Sandfell war niedergeschlagen. Lilith war tot. Er mochte nichts mehr unternehmen und ignorierte sogar den Hund. Aber auch der nahm keine Notiz von ihm, denn alle Tiere trauerten um Lilith. Sandfell schlich durch das Dorf und wollte nicht einmal mehr jagen. Auch bei den Menschen herrschte tiefe Trauer, die noch lange anhielt. Nachtlicht versuchte, ihn zu trösten, aber auch ihr ging Liliths Tod nahe.So schlich er ziellos durch das Dorf. Auch die Dorfbewohner waren niedergeschlagen und redeten kaum noch miteinander.
Einige Tage waren vergangen und Sandfell wollte zu Ivani, also ging er zu Madan’s Hütte. Ivani war nicht da und so begann Sandfell sie zu suchen. Aber weder im Dorf noch auf den Feldern konnte er sie finden. Erst jetzt fiel ihm auf, dass auch Madan verschwunden war.
Als er zurück zu Madan’s Hütte kam, fand er sie leer. Alles was darin gewesen war, war verschwunden, die Decken, die Tonkrüge, einfach alles. Der Kater war verwirrt. Erfolglos untersuchte er alle Hütten in der Siedlung, aber er fand Madan und Ivani nicht. Auch nach einigen Tagen waren die beiden nicht wieder aufgetaucht.
Sandfell war jetzt oft in Jaweth’s Hütte. Manchmal kamen Dorfbewohner in die Hütte und Sandfell hörte die Gespräche. Zwar verstand er nicht alles, was sie erzählten, aber soviel begriff er, dass Madan und Ivani nicht mehr da waren. Aber wo waren sie hin?
Eines Abends sassen die Menschen wieder um das Feuer und Sandfell war auch dabei. Zwar hielt er einige Entfernung zu den Flammen, aber er wusste, dass ihm davon keine Gefahr drohte, wenn Menschen in der Nähe waren. Er lauschte den Gesprächen der Menschen und erfuhr so, dass Madan und Ivani fortgegangen waren. Besonders Jaweth war darüber sehr traurig.
Später, als die Menschen noch um das Feuer sassen, schlich Sandfell in Jaweth’s Hütte. Jaweth fand ihn dort schlafend. Er streichelte Sandfell und dieser wachte auf. „Ach Sandfell,“ sagte Jaweth, „warum ist das alles so gekommen? Meine Tochter Ivani ist mit ihrem Mann fortgegangen und ich glaube nicht, dass sie wieder zurückkehren. Aber ohne euch Katzen hätte ich keine Tochter mehr, denn sie wäre tot. Lilith hat sie gerettet und ist selbst dabei umgekommen. Dafür schulde ich den Katzen dank bis in alle Ewigkeit.“ Er begann, Sandfell zu kraulen und der Kater schmiegte sich an ihn und begann zu schnurren.
Sandfell blieb nicht bei Jaweth, sondern war fast jeden Tag in einer anderen Hütte. Oft war er mit Nachtlicht zusammen, die bei einer älteren Menschenfamile lebte. Und gelegentlich traf er sich mit anderen Katzen beim Treffpunkt in der Nähe des grossen Baumes. Immer wieder waren Katzen dort, die noch in der Wildnis lebten, aber es waren immer mehr, die zu den Menschen gingen und dort blieben. Sandfell versuchte, von ihnen etwas über den Verbleib von Ivani oder Madan zu erfahren, aber obwohl am Treffpunkt immer öfter Katzen von weit her kamen, konnte er nichts in Erfahrung bringen. Auch hatte sich die Geschichte von Lilith unter den Katzen schnell verbreitet und auch Sandfell war unter ihnen kein Unbekannter mehr, denn immer wieder versuchte er, Berichte über den Verbleib von Ivani zu erhalten, vor allem von Katzen, die von weit her kamen.
Eines Morgens kam er vom Treffpunkt zur Siedlung zurück, als er einige Menschen still im Gras liegen sah. Sie waren ihm unbekannt und sie lagen ganz ruhig da. Tot waren sie nicht, das roch er. Auch zeigten sie keine Anzeichen von Krankheit. Plötzlich robbte einer der Menschen ein Stück vor und nach kurzer Zeit folgten die anderen. Dann lagen sie wieder still. Und sie waren bewaffnet. Sandfell lebte inzwischen lange genug bei den Menschen, so dass er sehr wohl wusste, wie die Waffen der Menschen aussahen.
Der Kater begriff, sie waren auf der Lauer. Aber was jagten sie und warum hier? Dies war das Revier von Jaweth und den Dorfbewohnern, ausserdem konnte der Kater keine Jagdbeute in der Nähe entdecken. Und weiter robbten die Fremden durch das hohe Grass auf die Siedlung zu. Sie wollten zur Siedlung. Und dort würden sie jagen. Der Kater wusste nicht, wozu das gut sein sollte, aber er musste Jaweth warnen. Unbemerkt von den Fremden, die nur auf das Dorf achteten, schlich der Kater weiter und gelangte in Jaweths Hütte.
Jaweth war nicht da, vermutlich war er mit dem Hund bei den Ziegen. Also rannte er zum Ziegenpferch und tatsächlich war Jaweth dort. Der Hund war erst erschrocken, traute sich aber nicht, dem Kater näher zu kommen. Er hatte Respekt vor allen Katzen, seit Lilith ihm gezeigt hatte, wozu Katzenkrallen fähig waren. Aufgeregt sprang Sandfell an Jaweth hoch und maunzte laut. Jetzt merkte auch der Hund, dass etwas nicht stimmte. Aber er konnte sich des Katers Verhalten nicht erklären. Jaweth war auch verwirrt, so hatte er Sandfell noch nie erlebt.
Sandfell rannte wieder auf die Hütten zu und blieb dann stehen und schaute zu Jaweth. Auch der Hund kam jetzt in Richtung der Hütten. Er hatte eine fremde Witterung aufgenommen. Jetzt begriff Jaweth: Etwas war passiert und der Kater wollte ihm das zeigen. Plötzlich begann der Hund laut zu bellen und starrte in Richtung des Graslandes. Da sah Jaweth eine Bewegung im Gras. Dort war jemand! Fremde!
Es kamen manchmal Fremde in das Dorf, vor allem seit die Katzen bei ihnen waren, aber die kamen offen und versteckten sich nicht im Gras. Diese hier konnte nichts Gutes bedeuten.
Jaweth begann zu handeln. Beim Feuerplatz lag ein grosser hohler Baumstamm, den sie dazu benutzten um über weite Entfernungen Nachrichten zu übermitteln. Jaweth nahm einen grossen Ast, der daneben lag und schlug auf den Baumstamm ein. Die Schläge waren weithin zu hören. In Kurzer Zeit waren die Dorfbewohner alarmiert und liefen zusammen. Mit ihren Speeren und Bogen warteten sie in der Mitte des Dorfplatzes. Nichts geschah. Doch dann war wieder eine Bewegung im Gras zu sehen.
Jaweth gab einen Befehl und die Dorfbewohner rannten mit lautem Geschrei los. Jetzt bekamen die Fremden im Gras es offensichtlich mit der Angst. Sie wussten, dass sie entdeckt waren und versuchten zu flüchten. Viele ihrer Waffen warfen sie fort. Doch nach kurzer Zeit hatten die Dorfbewohner sie eingeholt und es gab ein Handgemenge.nDie Fremden wurden überwältigt und ins Dorf geführt.
Sandfell hatte dem von weitem zugesehen, aber nicht begriffen, was da vor sich ging. Er hatte noch nie Menschen gegen Menschen kämpfen sehen. Zwar kämpften die Kater öfter miteinander, aber da ging es meist um eine Katze oder um ein Revier. Und wenn ein Kampf entschieden war, ging jeder wieder seiner Wege. Katzen würden niemals einfach so gegeneinander kämpfen.
Die Fremden wurden vor Jaweth geführt.
„Ich frage euch, was wollt ihr hier und warum habt ihr euch mit Waffen hier angeschlichen?“
Einer der Fremden antwortete: „Ich bin Josip, der Damgar aus Kullib und dir keine Antwort schuldig. Was wir tun, geht dich nichts an.“ „So? Das mag sein. Doch ich bin hier der Vorsteher und wenn ihr hier auf Raubzug wart, werde ich entscheiden, was mit euch zu geschehen hat. Bringt sie weg!“
Die Fremden wurden gefesselt und in Madans Hütte gelegt, die jetzt leer stand.
Später schlich Sandfell in die Hütte um sich die Fremden anzuschauen. Die waren sehr erstaunt, als sie den Kater sahen. Sie kannten Katzen, aber in einer Hütte hatten sie noch nie eine gesehen und sie wussten nicht dass Katzen bei den Menschen lebten.
Am nächsten Tag kam Jaweth mit einigen anderen in die Hütte.
„Ich will wissen, was ihr vorhattet. Sagt es nicht und ihr werdet hier in dieser Hütte verfaulen.“
Die Fremden hatten bis jetzt nichts zu essen oder trinken bekommen und hatten sich den Tag wohl anders vorgestellt.
Der Anführer der Fremden hatte wohl erkannt, dass sie keine Aussicht hätten, jemals wieder hier wegzukommen, wenn er nicht redete.
„Wir haben von euch gehört.“, begann er, „Es geht die Rede, dass dieses Dorf reich wäre und die Vorratstöpfe wären immer voll. Und dass kein Ungeziefer hierher käme. Wir wohnen viele Tagesreisen weiter unten am Fluss. Aber es hat ein Hochwasser gegeben und unsere Felder wurden überschwemmt und die Ernte vernichtet. Unsere Vorräte werden von den Mäusen und Ratten gefressen und wir werden bis zur nächsten Ernte eine Hungersnot haben. Daher hat unser Vorsteher uns ausgesandt um nachzuforschen ob die Erzählungen stimmen und etwas Getreide zu erbeuten.“
Jaweth dachte nach, dann sagte er: „Das müssen wir beraten. Ihr bleibt vorerst hier.“
Er wandte sich um und ging mit den anderen aus der Hütte.
Am Abend berieten sich die Dorfbewohner wieder am Feuer und Sandfell war wieder dabei.
„Können wir das dulden, dass wir überfallen werden? Wenn wir diese laufen lassen, werden sie wiederkommen und andere auch. Wir müssen einen Ausweg finden.“
„Töten wir sie.“, sagte ein anderer. „Niemand weiss, dass sie bis hierher gekommen sind. Sie könnten ja auch auf der Reise umgekommen sein.“
Wieder ein anderer warf ein: „Das stimmt schon, aber ihr Vorsteher weiss, wohin er sie geschickt hat und weitere würden kommen. Und niemand kann voraussagen ob wir wieder gewarnt werden.“
„Wer hat uns dich eigentlich gewarnt, Jaweth?“ fragte ein weiterer.
„Der Kater war es, Sandfell!“ antwortete Jaweth.
Ein Gemurmel ging durch die Versammlung.
Dann sagte einer: „Das ist nicht das erste mal, dass uns die Katzen helfen. Jaweth, du bist ein guter Vorsteher. Deine Entscheidung, die Katzen bei uns leben zu lassen, war die einzig Richtige. Wir sollten den Ahnen ein Opfer bringen, als Zeichen des Dankes, dass sie uns die Katzen geschickt haben.“
„Das werden wir.“, sprach Jaweth, „Aber jetzt sollten wir entscheiden, was zu geschehen hat.“
„Also, was tun wir?“
Jaweth sagte: „Ich denke, wir sollten sie laufen lassen. Aber zuvor zeigen wir ihnen, warum unsere Vorräte nicht von Ungeziefer gefressen wird.“
„Du willst ihnen die Katzen zeigen?“
„Ja, die Katzen haben uns geholfen und sie haben uns gezeigt, dass das Leben auch ohne Kampf und Krieg bestehen kann. Und vielleicht können wir ihnen auch ein oder zwei Katzen mitgeben, hier leben genug und einige möchten vielleicht mitgehen.“
„Und wozu soll da gut sein?“
„Seht doch, wenn wir so handeln, werden sie nicht wiederkommen und sich vielleicht sogar dankbar zeigen und sich mit uns verbünden. Wir hätten Frieden für lange Zeit.“
Sandfell hatte den Reden zugehört und er war erst nicht glücklich darüber, dass einige der Katzen mit den Fremden mitgehen sollten, aber dann dachte er, dass vielleicht doch nicht so schlecht wäre, wenn die Katzen auch bei anderen Menschen lebten.
Am nächsten Tag wurden die Fremden aus der Hütte und vor Jaweth geführt. Sie wussten nicht was das alles zu bedeuten hatte, aber Jaweth und die anderen Dorfbewohner machten keinen feindseligen Eindruck mehr.
Dann trat Jaweth vor und sagte: „Wir haben beraten. Wir sehen, dass ihr in Not gehandelt habt. Und daher, Josip, Damgar aus Kullib, weil euer Dorf in Not ist, werden wir euch ein wenig von unseren Vorräten mitgeben. Und wir geben euch zwei Katzen mit, sie werden die Mäuse und Ratten jagen und eure Vorräte schützen. Achtet sie und ehrt sie, denn es sind zwei aus dem Wurf von Lilith und Lilith ist uns heilig.“
Einer der Dorfbewohner trat vor und auf seinem Arm waren zwei Katzen. Die gab er Jaweth und Jaweth gab sie den Fremden.
Sandfell hatte alles gesehen und er wusste, dass er der Vater der beiden Katzen war. Aber er war nicht traurig, darüber, dass sie jetzt fort gingen.
So kamen die Fremden als Feinde und mit der Hilfe von Sandfell dem Kater und den Katzen gingen sie als Freunde.
Sandfell aber wusste nun, dass er hier Ivani nicht finden würde und dass er das, was Lilith begonnen hatte, fortführen und ihr Vermächtnis erfüllen würde. Und so begab sich Sandfell der Kater in die Welt hinaus und auf seine Wanderschaft.
Fortsetzung folgt.
Foto: © cossac (dieter haugk) / http://www.pixelio.de
Autor: Mike
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Die Tiere und die Natur haben etwas gemeinsam… sie geben uns Frieden.
Wenn die Träume der Nacht sich verfangen über den schlafenden Wald, dann schweigt die Zeit, als wäre sie niemals an diesem Ort gewesen. Schwer atmet die Sehnsucht uralter Bäume über den Wegen und wenn du dich einmal versehentlich nach dorthin verirrst, dann horche auf, denn sie tuscheln und raunen und manchmal, da hörst du sie ganz leise weinen. Verstecke dich in den Büschen und warte geduldig ein paar Augenblicke, bis der Mond seine silbernen Schatten wirft.
Von irgendwo her tritt eine Elfe aus den Schatten hervor … sie kommt nur in der Nacht und sie spricht zu den heran blühenden Bäumen. Manchmal erzählt sie lange Geschichten aus vergangenen Zeiten und sie lehnt ihren Rücken an einen trockenen Stumpf. Sie schaut träumend zu den silbernen Schatten hin und in ihrer Stimme liegt ein leichtes Beben, wenn sie zu erzählen beginnt … von dem alten Baum, der genau an dieser Stelle seinen Platz im Walde verlor und Abschied nahm von seinem Leben.
Sei ganz still, wenn du das Glück hast und die Elfe durch die silbernen Schatten gehen siehst. Du wirst es fühlen… auf deiner Haut und in deinen Haaren und als flöge ein Zauber über den schlafenden Wald, wird die Luft schwer und süß und hüllt dich in den Duft wilder Rosen. Bleibe geduldig. Ich weiß, sie wird kommen und nach den heran blühenden Bäumen sehen. Doch zeig dich ihr nicht oder erschrecke sie, denn es ist die letzte der Elfen, die es in unserer Welt noch gibt. Warte, bis der Mond seine silbernen Schatten wirft …
Der alte Baum ist tot und nie vergaß ich sein Tränengesicht, als er im dämmernden Morgenlicht fiel. Er liebte seinen Wald und wäre so gern dort geblieben, doch die Menschen hatten anders über sein Leben entschieden.
Foto: © JennySch (Jenny Scheidig) / http://www.pixelio.de
Mein Freund, der Baum … weit ragte sein Geäst bis in den Horizont und mehr als hundert Jahre stand er an seinem Platz im Walde. Es freuten ihn die Vögel sehr, jeden Frühling kamen sie von Süd und Westen her und sangen ihre schönen Lieder. Sie bauten ihre Nester im Schutze seines Geästs und der Wind strich seine Blätter, wenn er kam, um einen Augenblick zu ruhen. Er erzählte gern von seinen Reisen durch das Regenbogenland und wusste auch, worüber die Tiere aus dem Walde sprachen und warum die Elfen grüne Kleider tragen.
Und jeden Tag, so in der Früh, da kam ein Mädchen mit langen roten Haaren in einem bunten Leinenkleid über den Wiesenpfad, ließ sich zu seinen Füßen nieder und zauberte aus einem weißen Blütenmeer die schönsten Blumenkränze her. Der Baum neigte sein Gesicht ganz nah herab und besah sich die Blumen von allen Seiten bewundernd an. Er mochte dieses Mädchen sehr und hat an jedem Tag gewartet, bis es kam und die schönen Kränze für ihn band. Oft lag es auf dem weichen Moos, träumte in den Tag hinein und vertraute all seine Sorgen dem alten Baume an. Schützend streckte er dann weit seine Arme aus … wie gern hätte er das Mädchen für alle Ewigkeit bei sich versteckt. Es blieb bei ihm bis hin zur Abenddämmerung und sang ein kleines Lied, bevor es durch den Wald zurück nach Hause lief.
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An einem Tage, er neigte sich dem Ende bald, die Sonne stand schon tief und auch der Wind war lang schon fort gezogen … so friedlich im Geäst der Vogel schlief. Da wurde Gelächter laut und Männer in gegerbten Lederhosen traten hin zum Baume in den Wald. Die Männer trugen eine Säge und eine Axt auf ihren Schultern und hielten in der Hand einen großen schwarzen Spaten, um sogleich vor seinen Füßen ein großes Loch zu graben.
„Es ist wohl an der Zeit“, sagte der Baum und eine Träne rann zu seinen Lippen. „Mein Blut wird heute Nacht über all die weißen Blumen fließen und meine Seele wird den Brüdern folgen, die in dem Windes Trauerlied ihr Leben ließen. Wo mag das Mädchen seinen Kummer weinen, wird statt meiner nur ein abgesägter Stumpf verweilen … es wird nach meinem Tode sicherlich sein Leben lang verwundbar bleiben.“ Er seufzte schwer und weckte auf den Vogel, sah hin zum Sternenlicht …
Da tat die Axt den ersten Hieb. Der Baum stöhnte laut und seine Schreie hallten durch das Abendrot. Die lange Nacht hindurch blähte er sein mächtiges Geäst, kämpfte gegen Säge und die Axt. Das Blatt der Säge brach, doch mit jedem Hieb der Axt, da schwand des alten Baumes Kraft. Im ersten Sonnenrot starb er. Seine Tränen fielen auf das weiße Blumenmeer und das grüne Moos färbte sich in seinem Blut.
Erstarrt vor so viel Weh streckten die Elfen ihre Hände zu einem Gebet. Sie blieben eng beisammen gerückt und hielten sich stumm im hohen Gras versteckt. Der Wind zog seine Kreise und der Wald … weinte ganz leise.
Die Männer in den gegerbten Lederhosen hackten den Baum in gleich große Teile und sie sägten aus ihnen viele armdicke Stücke. Sie schwitzten und fluchten und als die Sonne ihr Gesicht in den Nachtnebel verbarg, da hatten sie den Baum auf einen rostigen Karren geladen. Weiß und kahl lag er dort und sein grünes Kleid war achtlos in den Blumenkränzen und auf den weißen Blumen verstreut.
Dann brüllten die Männer den Ochsen zu … zieht endlich an, dummes Vieh, und sie schlugen mit Peitschen auf die Tiere ein. Sie schnauften und mühten mit dampfenden Mäulern sich durch den schweigenden Wald bis hinab in das Tal.
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So wurde aus dem Baum ein Stubenschrank.
Von Hand geschnitzt war er und füllte beinah die ganze Stube aus. Die Leute sahen stolz zu ihm herauf und strichen sacht mit ihren Händen über dieses edle Holz. Katz und Mäuslein aber spitzten in einer jeden Nacht ihre Ohren weit, denn sie hörten in der guten Stube Geflüster und auch leises Raunen. Da träumte im Schutz der Dunkelheit der edle Schrank, er wär zu einem Baum geworden und stünde an seinem Platz im Walde. Sein Geäst würde er weit bis in den Himmel strecken und kleine bunte Vögel kämen von Süd und Westen her, um sich in seinen Ästen zu verstecken. Der Wind hatte sich für einen Augenblick verfangen und Morgentau tat erfrischend seine Seele wecken. Die Elfen sah er nach den Sternen greifen, das Mädchen sang so lieblich… es lag im weichen Moos unter seinem grünen Kleid und der alte Baum war unter seinen Brüdern wohl der glücklichste im Walde weit und breit.
Der Duft der weißen Blumen zog mit der nahenden Morgendämmerung davon. Er spürte eine Träne, die zu seinen Lippen rann… da stieg das Rot der Sonne auf und höher noch, die Nacht zog fort und warf ihre letzten Schatten an die Wand. Dann wurde der Baum wie an jedem Tag zu einem edlen Holz und zarte Hände wischten hier und dort darüber. Es knarrte in der ganzen Stube laut.. fast schien es so, als weine der schöne Stubenschrank.
Doch eines Nachts, da dachten Katz und Mäuslein wohl, sie träumten einen Traum. Auch die Menschen schliefen ahnungslos und sie hörten nicht den Wind, der sich suchend durch die Räume trieb. Er zog durch jedes Zimmer und stieß die Türen auf. In der besten Stube fand er den alten Baum. Groß und mächtig lehnte er ächzend an der Wand und streckte weinend seine Äste nach dem Winde aus.
„Es ist nur dein grünes Kleid, das dir verloren scheint“, sagte der Wind und blies die Häkeldeckchen fort vom Baumgesicht. „Deine Seele kehrt dorthin zurück, wo Anfang und Ende ineinander verschlungen immer wieder von vorn beginnen.“
Da weinte der Baum nicht mehr und er nahm des Windes Hand. Sie zogen die Treppe des Hauses hinunter bis zu dem Ende der Straße und durch all die Gassen und an den Läden der Stadt vorbei folgten sie dem Gesang der Vögel. Silberne Schatten zogen über den Wald. Das Moos war noch feucht von der Nacht und die weißen Blumen schienen gerade erwacht. Erste Sonnenstrahlen hielten des Baumes Seele auf ihren Armen und trugen sie immer weiter über die Wiesen und über die Felder und über den kleinen Bach, der die Regentropfen auffing und die Tränen der Waldelfen.
Noch heute steht der Schrank in des Menschen schönster Stube. Mit Holzlasur wurde er eingestrichen und mit einem weichen Tuch kräftig poliert. Die Leute schauen stolz zu ihm herauf und streichen immer wieder über dieses edle Holz. Und bricht die Abenddämmerung herein, dann ruhen die Katzen und die Mäuse in der Stube still. Fortan war kein Laut mehr
zu hören. Kein Flüstern mehr und auch kein Raunen.
Mein Freund, der Baum starb nicht allein. In viele Stücke brach mein Herz entzwei, als ich an einem Morgen kam und sein Blut auf den moosbedeckten Wegen fand. Doch wie schön ist es zu träumen an diesem Platz, wo er einst stand und sich tief zu mir beugte, während ich die weißen Blumenkränze für ihn band.
Mein Freund, der Baum … der Wind hat ihn auf seinen Armen fort getragen und lange schon steht er im ewigen Tal inmitten weißer Lilien an der Seite seiner Brüder auf einer kleinen Anhöhe, die ihm einen guten Blick in die Weite der Stille ermöglicht.
Warte noch ein Weilchen, bevor du wieder deines Weges ziehst.
Gewiss wird die Elfe zu der kleinen Lichtung dort drüben gehen. Sie wird vor einem Bäumchen nieder knien, mit ihren Händen sein grünes Kleid berühren… vielleicht wird sie aus den bunten Zweigen einen hübschen Kranz zu seinen Füßen dekorieren und scheu nach allen Seiten blickend schnell zurück durch die Schatten ihres Waldes huschen. Lasse sie gehen… ich bitte dich darum. Verliere kein Wort über das, was du sahst.
Menschen sind rastlos in ihren Wünschen und sie geben nicht eher Ruhe, bis sie gefunden haben, wonach sie suchen und in die Enge getrieben, wird auch die letzte Elfe aus unserer Welt für immer verschwindén und mit ihr all die Geschichten, die dich und mich und viele andere so tief berührten.
Mein Freund, manchmal ist es klüger, ein Geheimnis zu hüten und es im Herzen einzuschließen, damit es dort bleibt bis an den Tag, an dem sich die Tür für dich öffnet in das ewige Tal …Tu es für dich und tu es für all die Seelen der uralten Bäume, denen nichts anderes blieb als verlorene Träume …
Autor: Barbara Schüring
hoepfel@online.de
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Ich kann’s ja nicht lassen, auf der Internetseite vom „Literarischen Katzenkalender“ immer mal wieder Fotos von unseren Viechern einzureichen – für die Wahl zur „Katze des Monats“. Und in der Hoffnung, dass es mal eins unserer Fotos in diesen wunderbaren Kalender schafft.
Unser Indie hat’s zumindest in die Auswahl für März 2010 geschafft. Das hab ich schon Anfang des Monats entdeckt, doch vor lauter Hektik vergessen zu erwähnen.
Hier könnte man für ihn – oder für einen Artgenossen eigener Wahl – abstimmen, wenn man wollte: http://www.literarischer-katzenkalender.de/katzen/photodesmonats/
In Wahrheit geht’s bei der Internet-Abstimmungsaktion um nix. Denn wie das so ist bei den online-Abstimmungen: Es gewinnt der, der am meisten Internetkumpels zum Mitmachen motivieren kann. Da aber in der Redaktion des Schöffling-Verlags ausgebuffte Profis sitzen, pfeifen die aus großer Höhe auf die Abstimmungsergebnisse und sichern sich die Abdruckrechte für genau die Bilder, die sich aus inhaltlicher, künstlerischer und qualitativer Hinsicht für eine Veröffentlichung in ihrem Kalender eignen. Ich hab den „Literarischen Katzenkalender“ seit Jahren zu Hause und hab mal nachgeprüft, welche Bilder aus der Internetaktion tatsächlich gedruckt erscheinen. Das sind nicht zwangsläufig die Abstimmungs-Sieger. Und das ist auch gut so.
So sieht die Abstimmungsseite aus, wenn niemand unseren Indie optisch heraushebt:
Autor: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http:// edithnebel.wordpress.com
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Die Echse stahl, betrog und fluchte,
Kam dessentwegen vor Gericht.
Der Richter, der die Wahrheit suchte,
Verzagte, denn er fand sie nicht.
Er ließ auf Kreuz und Bibel schwören.
Das Tierchen sprach die Litanei
Die Meineidechse, war zu hören,
Ging ob der Lüge wieder frei.
Foto: © Familie Merk (Max) / http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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Wind streicht übers Röhricht her,
Wellen formt das Uferband,
Kräuselt wie ein sanftes Meer.
Wogenzauber auf dem Land.
Trockne Halme rascheln leis,
Haubentaucher ziehn davon.
Rallenstirnen blitzen weiß,
Mücken üben Oberton.
Frösche stülpen Blasen aus,
Quaken Hochzeitsmelodien.
Übers ferne Fischerhaus
Sieht man Eiderenten ziehn.
Diese Welt aus hohlem Rohr
Zwingt mich zur Gedankenrast.
Lange schwebt sie mir noch vor,
Bis das Bild der Ruh verblasst.
Foto: © Knipsermann (Ernst Rose) / http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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