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Wie ich schon erwähnt habe, ist schwarzes Outfit eine auffällige Angelegenheit. Ob schick am Abend oder einfach im Alltag, macht es schon was her. Und wenn man dauerhaft schwarz ist, gibt es vor allem jetzt im Winter einen durchaus reizvollen Kontrast. Mowgli ist sich dessen vollauf bewusst. Wenn da nur nicht manchmal widrige Umstände wären …
***
Endlich, endlich Wochenende. Es ist das Wochenende vor Weihnachten und ich sollte am Nachmittag noch unbedingt einige Besorgungen erledigen. Daher geht es auch früh aus den Federn. Draussen ist es noch dunkel, also wird erst mal gefrühstückt, soweit das möglich ist. Denn ich muss aufpassen, dass mir meine beiden Fellnasen nicht alles vom Teller klauen, obwohl sie natürlich ihr Katzenfrühstück schon bekommen haben. Diebesgesindel!
Das Frühstück zieht sich hin und draussen wird es hell. Also werden mal die Jalousien hochgezogen. Aber was ist das denn? Das war doch gestern nicht da!Alles weiss! Es hat über Nacht geschneit. Es sieht so aus, als ob es doch noch weisse Weihnachten gibt. Na, da sollte man vielleicht mal in den Seepark. Auf Katzenvolk, raus geht’s!
Erst werden mal einige wärmende Hüllen übergestreift und die Katzenbande angeleint. Die beiden sind natürlich ganz aus dem Häuschen, als sie merken, dass es rausgeht. Was folgt, ist die sattsam bekannte Prozedur: Mowgli auf der Schulter und Miezka auf dem Arm.
Draussen eröffnet sich erst die ganze weise Pracht. Miezka schaut interessiert in die Runde, vielleicht erinnert sie sich noch an den letzten Winter, wer kann das wissen? Nur Mowgli weis nicht wo er zuerst hinblicken soll. Er ist im März geboren, dies ist sein erster Winter. So etwas hat er noch nie gesehen.
Der Weg zum Seepark ist immer noch der gleiche, aber wo ist jetzt das Gras? Natürlich muss das weisse Zeug sofort untersucht werden. Dosi sagt was von Schnee. Heisst das weise Zeug etwa so? Also, der Schnee ist weich und er kann seine Spuren darin entdecken. Er ist so weich, dass er zum reinkuscheln einlädt. Macht ja richtig Spass.
Noch ein Schritt und noch ein Schritt. Miezka ist schon gemein, weil sie Mowgli nie von dieser Herrlichkeit erzählt hat. Es ist kalt, viel kälter als auf dem Balkon, Dosi nennt das Winter. Aber es macht nichts, wozu hat man ein wärmendes Fell?
Miezka schnüffelt im Schnee, vielleicht erinnert sie sich noch an den letzten Winter, und auch Mowgli arrangiert sich immer mehr mit dem weisen Pulver. Er hinterlässt kaum Spuren darauf. Hin und wieder schüttelt er sich oder seine Pfoten, aber dann geht’s weiter. Und irgendwann richtet der schwarze Herr sich auf einer grösseren Schneefläche häuslich ein und schaut in die Runde wie weiland Napoleon auf seinem Feldherrenhügel über die eroberten Gebiete.
Während Miezka fast unsichtbar unter einigen dürren Zweigen schnüffelt, sitzt der Man in black weithin sichtbar als schwarzer Herrscher über die weisse Pracht über seinem kalten Territorium. Sozusagen das absolute optische Kontrastprogramm.
Gelegentlich wird die weiss-kalte Masse betatscht, denn dies ist etwas völlig Unbekanntes. Nur, dass die eben manchmal an den Pfoten kleben bleibt, stört doch ein wenig, denn sie ist eben kalt. Doch anscheinend halten sich in diesem Territorium Partisanenkämpfer auf, denn auf irgendeine Art wehrt sich das weise Zeug gegen Mowgli’s Inspektionstour. Denn dieses weisse Zeug ist Schnee und dieser Schnee tut genau das, was Schnee bei Körperwärme eben tut: Er schmilzt!
Dem Man in black passt das jetzt überhaupt nicht. Denn das Ergebnis ist NASS! Und Nässe und Mowgli passt genau so wenig wie Miezka und Nässe, nämlich gar nicht. So versucht der schwarze Kontrast dem nassen Element zu entkommen, was ihm einige Schwierigkeiten bereitet, denn es ist einfach überall.
Die einzige Rettung heisst Dosi. Der hat der ganzen Aktion schmunzelnd zugeschaut und erwartet das nasse Katerchen schon. Also klettere mal auf die Schulter. Macht er auch sofort, von Miezka erstaunt beobachtet.
Gut, jetzt weisst du, dass Schnee nass sein kann, also wir gehen jetzt an den See. Bis zum See sind’s nur ein paar Meter. Trotz der Kälte ist er noch nicht zugefroren, nur am Rand ein wenig und der Schnee liegt bis zum Wasser. Miezka tollt irgendwo im Schnee und putzt sich gelegentlich. Mowgli will jetzt aber wieder von der Schulter und diese seltsame Umwelt näher begutachten. Und so tappt er vorsichtig Richtung Wasser, wo ganz leichte Wellenbewegungen zu erkennen sind.
Was er nicht erkennt, ist, dass einige Zentimeter vor dem Wasser ja schon das Eis beginnt. Und eben dieses Eis ist sehr, sehr dünn. Und Mowgli ist mittlerweile sehr gross und schwer. Jetzt kommt die Physik zum tragen. Oder auch nicht zum tragen, wie man’s eben betrachtet. Jedenfalls knirscht es nicht mal, sondern die nur millimeterdicke Eisdecke bricht und Mowgli steht mit einemmal im Wasser. Es ist nicht tief hier, nur einige Zentimeter. Aber diese Zentimeter reichen! Mowgli hat kaum eine Schrecksekunde, dann macht er einen Satz zurück, dreht sich, sprintet zu Dosi und springt an ihm hoch. Nie wieder runter! Nie wieder Wasser!
Da sitzt der schwarze Kater nun auf meiner Schulter und schaut ungläubig auf den weissen Schnee. Aber glauben kann man in der Kirche. Ich jedenfalls glaube, dass der Kater für heute genug vom Winter hat und nach hause will. Jedenfalls so lange, bis die Neugier unter seinem wärmenden schwarzen Pelz wieder siegt. Denn ich bin sicher, er ist lernfähig und wird irgendwann mit dem Schnee klarkommen, es wie Miezka vielleicht lieben. Wenn es dann soweit ist, wird er bestimmt skifahren lernen.
Foto: © Rainer Freynhagen / http://www.pixelio.de
Autor: Mike
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Christa Schütt: Die Pferde sind an allem schuld, Norderstedt 2008, Books on Demand GmbH, ISBN 978-3-8370-3037-2, 212 Seiten, Softcover, Format: 13,5 x 21,3 x 1,5 cm, EUR 14,80.
Auf 40 Jahre Reit- und Pferdeerfahrung sowie auf 50 veröffentliche Pferdebücher für Kinder und Jugendliche kann die Autorin zurückblicken. Sie weiß also, wovon sie spricht, und sie kann mitreißend, mit viel Sinn für Humor und Situationskomik, erzählen. So ist es auch für erwachsene Leser ein Vergnügen, Spannendes und Unterhaltsames über die Turbulenzen und Abenteuer zu erfahren, die ein Leben mit Pferden mit sich bringt.
Eigentlich können die Pferde ja nichts dafür, dass Christa Schütt als Kind in den 60-er Jahren mit der „Pferderitis“ infiziert wurde und unbedingt reiten lernen wollte. Doch dieser “Virus Equus“ beeinflusst fortan ihr Leben.
Der Wunsch nach Reitstunden stößt in ihrem Elternhaus zunächst auf wenig Gegenliebe. Ihr Vater, ein Kapitän, hält das Reiten für elitär – auch wenn die Lehrmethoden und die Ausrüstung der Reiter im Vergleich zu heute weniger exklusiv als primitiv waren. Mit Mutters Hilfe kommt Teenager Christa doch noch zu ihrem Reitunterricht. Weder Anfangsschwierigkeiten noch die zweifelhafte Pädagogik des Reitlehres, eines Ex-Militärs, können sie entmutigen.
„Freizeitreiter“ gilt damals noch als Schimpfwort, Ponys und Kleinpferde betrachtet man mit einer gewissen Herablassung. Westernreiter und die Reiter von Islandpferden werden für Spinner gehalten. Es ist schon einiges anders als heute.
Auch wenn manch einer gedacht haben mag, Christa lernt’s nie: Nach einiger Zeit darf sie selbst Ausritte führen – was nicht immer ohne Zwischenfälle abgeht. Doch die junge Reiterin hat den Satz „Das kann ich nicht“ aus ihrem Wortschatz verbannt und nimmt jede Herausforderung an. Auch wenn ihr so manches, was von ihr erwartet wird, eine Nummer zu groß erscheint.
Wir fiebern mit ihr mit, als sie im Auftrag von Bauer Peter ihren ersten Alleinritt meistern muss und Stute Flora ihren eigenen Kopf hat. Noch mehr zittern wir mit ihr beim Traktorfahren. Sie, die seit ewigen Zeiten nicht mal mehr Auto fährt, soll einen Trecker mit zwei vollbeladenen Anhängern von der Wiese zum Hof fahren. Alles geht gut, bis sie ins Dorf kommt, wo sie rechts abbiegen soll …
Aber das Landleben kann man lernen. Und Christa bleibt gar nichts anderes übrig, denn unter anderem sind die Pferde daran schuld, dass sie ihr Leben irgendwann konsequent und radikal umkrempelt. Mit ihrer Stute Winnie und deren Tochter Lindy zieht sie aufs Dorf, gibt ihr Stelle als Buchhändlerin auf und lebt fortan vom Schreiben. Einen Hund hat sie jetzt auch.
Ihre Pferde hält sie, zur Überraschung und zum Entsetzen mancher Zeitgenossen, in einem Offenstall. Doch der Erfolg gibt ihr Recht. Den Tieren geht es gut, und die Pferdeherde wird immer größer. Der Wallach Rebell kommt dazu, ein 16-jähriger Haflinger-Mix, und die Norweger-Stute Mara, die furchtlos ist aber „biegsam wie eine Eisenbahnschwelle“ (S. 80).
Christa nimmt Ferienkinder auf, die viel Spaß bei Reiterspielen und Ausritten haben und denen besonders ein Ausritt im dichten Nebel in Erinnerung bleiben wird …
„Lernen kann man nie genug“ (S. 88), sagt sich die erfahrene Pferdefreundin und besucht die verschiedensten Lehrgänge und Kurse. Da sie mit Liebe und Sachverstand dabei ist und sich auch für Neues begeistern kann, lernt sie sehr viel. Und davon profitieren ihre Pferde, ihre Reitschüler – und ihre Leser.
Wäre es nicht wunderbar, mal wieder Fohlen zu haben? Was für eine Frage! Christa und ihre Freundin Ute kaufen sich je einen Absetzer. Christa bekommt die temperamentvolle Bonny, Ute die vorsichtige Kyra. Ihren vierbeinigen „Pflege-Opa“ suchen sich die beiden Stütchen selbst aus: den alten Wallach Rebell. Er freut sich, weil er wieder eine Aufgabe hat und blüht sichtlich auf. Die beiden Frauen raufen sich derweil die Haare, denn es hat ganz den Anschein, als gebe Rebell den Kleinen Tipps aus seinem reichen Erfahrungsschatz – in Sachen Blödsinn und Schabernack.
Christa und Ute träumen davon, die beiden jungen Fuchsstuten eines Tages vor eine Kutsche spannen zu können. Sie besuchen eigens einen Fahrkurs. Und der hat es in sich: „Allein schon sich die tausend Teile zu merken, die zum Geschirr gehörten, war ein abendfüllendes Programm (…) Das Glanzstück der Begriffe war ohne Zweifel die Oberblattstrupfenschnallstößeldornspitze!“ (S. 135) Diesem Kurs hat die Autorin einen ausführlichen, humorvollen Rückblick gewidmet – in Reim und Vers. Eine tolle Leistung!
Doch Kurs hin oder her – Stute Bonny hat einfach keinen Bock, eine Kutsche zu ziehen. Um nicht alles zu vergessen, was sie mühsam gelernt haben, fahren Christa und Ute einmal die Woche mit unterschiedlichen Stutengespannen einer Bekannten. Als sie jedoch ein Brautpaar zur Kirche kutschieren solle, wird das zu einem nervenzerfetzenden Abenteuer …
Wesentlich erfreulicher verläuft zumeist das Abenteuer „Wanderreiten“. Eine Gruppe von Reitern geht auf einen mehrtägigen Ausritt, sucht im Vorfeld die beste Strecke heraus und legt Tagesetappen sowie Quartiere fest. Dass dann selten etwas so läuft wie geplant, ist das Aufregende an diesen Unternehmungen. Auch wenn die Reiter und ihre Tiere auf ihrer Tour durch die Natur mit der Zeit wie die Vagabunden aussehen, werden sie überall freundlich und neugierig empfangen und sind mancherorts ein regelrechte Attraktion.
Auf jeden Fall ist so ein Wanderritt Lebensfreude pur: „Unsere schönsten Tage brachen an, als wir in die Magdeburger Börde kamen. Es war August, das Korn war von den Äckern verschwunden und überall um uns herum gab es riesige, kilometerlange Stoppelfelder. Felder bis zum Horizont und noch darüber hinaus. Paradiesische Zustände. Reiter wie Pferde packte gleichermaßen die große Lauflust. (…) Davon hatte ich mein Leben lang geträumt.“ (S. 181/182) Spätestens hier wird auch einem Leser, der noch nie auf einem Pferderücken saß, deutlich, was die Faszination des Reitens ausmacht.
Christa Schütt unterhält uns bestens mit ihren mitreißenden und amüsanten Geschichten aus dem Reiterleben. Man ahnt, dass manche er heiteren Erlebnisse nur im Rückblick komisch sind, wenn eine geübte Erzählerin uns davon berichtet. Live und vor Ort war manches sicher gar nicht zum Lachen. Doch wie dem auch sei: Der Leser amüsiert sich königlich und könnte noch ewig in die Geschichten um Winnie, Lindy, Rebell und Co schwelgen. Und ob Experte oder Laie: Wohl jeder lernt bei dieser Lektüre noch dazu.
Kein Wunder, dass der Autorin über Jahrzehnte hinweg nie der Stoff für ihre Jugendbücher ausging – bei einer solchen Inspiration! Wenn die Pferde an diesem außergewöhnlichen privaten und beruflichen Werdegang „schuld“ sind, dürfen sie diesen Vorwurf getrost als Kompliment betrachten.
Die Autorin
Christa Schütt lebt seit 1979 als freie Autorin mit Pferden und Hund am Rande der Lüneburger Heide im Aller-Leine-Tal. Sie hat neben 50 Kinder- und Jugendbüchern, darunter 4 Sachbücher, auch Artikel für Zeitschriften geschrieben und über 20 Jahre das Ensslin-Reitertaschenbuch herausgegeben.
Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http:// edithnebel.wordpress.com
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Was man hat, das hat man. Denn heutzutage steht Besitz hoch im Kurs und der wird verteidigt bis zum letzten Blutstropfen. Unsere fell- und krallenbesetzten Mitbewohner scheren allerdings materielle Werte ziemlich wenig. Oder doch? Oder nicht? Nun ja, fast jedenfalls.
***
Ich gehe gerne auf Flohmärkte. Es macht einfach Spass, zu stöbern, eventuell etwas lang Gesuchtes zu ergattern und zu feilschen. Und eine meiner beiden Miezen ist immer dabei. Und diesmal war es Mowgli. Beide mag ich nicht mitnehmen, es ist zuviel Stress. Nicht für die beiden Fellnasen, sondern für mich.
Es ist ein grosser Hallenflohmarkt in den Messehallen. Natürlich ruft Mowgli ziemliches Erstaunen hervor. Ich werde oft angesprochen und der Kater bekommt so manche Streicheleinheit, welche er mit totaler Gelassenheit über sich ergehen lässt, ja, sogar erwartet. Dabei ergibt es sich dass ich mit einer Standbetreiberin in ein längeres Gespräch komme. Frau B. ist im Tierschutz engagiert und hat auch im weiteren Umkreis Futterstellen für Wildlinge eingerichtet. Und irgendwann äussert sie den Wunsch, dass sie gerne ein Foto von mir und Mowgli hätte, wie er auf meiner Schulter sitzt. Na klar, den Foto habe ich dabei. Ich verspreche noch es auszudrucken und ihr zu schicken. Dann verabschiede ich mich, denn auf dem Flohmarkt gibt es noch viel zu entdecken.
Einige Tage später ist das Foto ausgedruckt. Na ja, nicht gerade berauschend. Unrasiert und fern der Heimat! Aber Mowgli ist gut drauf. Und so schickte ich es Frau B., zusammen mit einigen weiteren von Mowgli und Miezka. Damit geriet die Sache in Vergessenheit.
Über Weihnachten war ich einige Tage weg und kam erst in der ersten Januarwoche wieder. An der Tür überrascht mich die Nachbarin. Es sei etwas für mich abgegeben worden. Eine Tasche mit Katzenfutter und Spielzeug, liebevoll verpackt. Es ist von Frau B. Dazu ein Brief mit Grüssen. Das find ich aber nett und ich werde mich auf jeden Fall revanchieren.
Das Katzenfutter ist Nass- und Trockenfutter, das Spielzeug unter anderem eine selbstgemachte Maus aus Sisal. Das ist was neues und sofort müssen die beiden Samtpfoten damit herumtollen. Wenigstens einige zeitlang. Denn irgendwie lässt Mowgli das neue Spielzeug nicht mehr aus den Augen und Miezka hat das Nachsehen, obwohl sie hier eigentlich die Chefin ist.
Jetzt erst fällt mir auf, dass der Kater die Sisalmaus regelrecht bewacht. Denn Miezka will jetzt auch mal damit spielen, aber das schwarze Ungetüm lässt das nicht zu. Mit einem Pfotenhieb will er den rotweiss getigerten Besitzanspruch abwehren. Miezka belässt es vorläufig dabei, soll der schwarze Kapitalist das Ding doch behalten, vielleicht ergibt sich ja später eine Gelegenheit. Mowgli jedenfalls hat die Sisalmaus zwischen den Vorderpfoten und rührt sich nicht von der Stelle.
Erst nach einiger Zeit verlässt er seinen Wachposten um sich am Futternapf gütlich zu tun. Das Siasalteil liegt einsam und verlassen auf der Couch. Und diese Einsamkeit ist es, die Miezka nicht zulassen kann. Sofort will sie dem Ding Gesellschaft leisten. Und genau so sofort ist Mowgli vom Futternapf weg und auf der Couch. Ein Gefauche geht los, bei dem Mowgli eins klar machen will: das Spielzeug ist seines! SEINES! Basta! Miezka hat da nichts zu suchen.
Und wieder bewacht der Herr der Dinge sein neues Eigentum. Das muss fotografiert werden. Und entgegen den sonstigen Gepflogenheiten lässt Mowgli das mit Argusaugen zu. Er will wohl demonstrieren, dass das Teil ihm und nur ihm und sonst niemand gehört.
Später gehen wir, oder vielmehr gehe ich, denn Mowgli geht ja nicht, in den Seepark. Während dieses Spazierganges gibt der getragene Pascha keinerlei Anzeichen von sich, dass er eventuell seine neues Eigentum vermisst. Aber vergessen hat er es nicht. Wieder zuhause, stürzt er sich sofort auf die Couch, wo er es liegen gelassen hat. Er muss sofort danach schauen, ob noch alles in Ordnung ist.
Nun ja, Eigentum verpflichtet. Man muss es hüten. Und er hütet. Denn als Miezka ihm wieder zu nahe kommt, lässt er sich zwar von ihr das Fell lecken, aber als sie an dem rot-blauen Spielzeug schnüffeln will, fängt sie sich sofort einen Pfotenhieb. Doch genau das lässt sie sich nicht gefallen und so ergibt sich sofort ein Gerangel auf der Couch.
Diese furiose Aktion hat zur Folge, dass das Spielzeug von der Couch fällt. Es ist nicht mehr da, weg von der Couch. Das kann sich der schwarze Verteidiger des Besitztums nicht gefallen lassen. Kurz stutz er, um sofort von Miezka abzulassen und sein verlorenes Eigentum zu suchen. Miezka hat jetzt genug und zieht sich zurück, beobachtet aber weiterhin des Katers dubiose Kapriolen. Der hat das Spielzeug auf dem Boden wiedergefunden, schnüffelt kurz daran und fährt mit seinem Wachdienst auf dem Boden fort.
Zur Sicherheit setzt er sich schon mal drauf. Das Wort „Besitz“ erfährt jetzt seine wortwörtliche Bedeutung. Miezka jedenfalls will jetzt wieder Frieden schliessen und kommt langsam näher, was der Kater kommentarlos zulässt. Doch das Katertier bleibt wachsam und lässt zwar zu, dass sie ihm, aber nicht der Maus zu nahe kommt. Erst in der Nacht kehrt Ruhe ein. Wenigstens teilweise. Denn irgendwann werde ich durch lautes Gezerfe geweckt. Offensichtlich gibt es wieder eine Schlacht um materielle Sachwerte. Wie soll das noch enden?
Wie das endet?
Am Morgen finde ich den schwarzen Wächter auf dem Boden neben seinem rot-blauen Fetisch.Mowgli hat wohl endgültig beschossen, Besitztümer anzuhäufen. Vielleicht wird er ja mal Banker oder Immobilienmogul oder so was. Unter den Umständen sollte ich diesen Aspekt nicht aus den Augen verlieren.
Foto: © Gerhard Löw
Autor: Mike
champicnac@yahoo.de
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Heiteres Leuchten im braunen Gesicht,
Wählig der Himmel hinrollendes Licht
Prächtige Bläue so unten, so oben
Singender Jubel, freudiges Toben.
Greifende Arme ins tolle Gemisch
Kinder mit Flossen, zappelnder Fisch
Fassen und fliehen, krähen und haschen,
Taumeln und tauchen, spritzen und waschen.
Siehe der Väter verwunderlich Treiben
Wissen vor Freude nirgends zu bleiben
Greifende Arme ins tolle Gemisch
Fassen die Kinder, fassen den Fisch.
Schauen ihr lachendes Weltwunder an
Ja, so ein Vater, das ist euch ein Mann.
In seinem Kinde ist nochmal sein Leben,
Kann sich nun selber ja schwingen und heben.
Wie eine Sonne die selber sich scheint
Einmal rosig, das andere gebräunt
Wirft an das Licht sein fliegendes Wunder,
Das an der Brust hält glattzackigen Flunder.
Auf grünem Gestein rotflossige Hand
Goldüberrollt ins verschwimmende Land
Schauen zwei Augen,
Sterne stiller Freude
Ins verschwindende Weite.
Lustige Väter, junge berauscht
Schleudern mit Flossen ausspannender Hand
Schuppenumglitzerte Kinder krähend ans Land –
Mutter lauscht.
So ist es, daß die Erden
Von allem Wachsen schöner werden.
Foto: © gd (Kurt Michel)/ http://www.pixelio.de
Autor: Peter Hille
(*11.9.1854 in Erwitzen/Kreis Höxter; † 7.5.1904 in Berlin-Großlichterfelde)
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Er wohnte nur zwei Wochen bei uns und ich bin immer noch traurig, wenn ich an ihn denke. Der kleine Kater war kaum größer als meine Hand, als wir ihn aufnahmen, ein halbverhungertes bernsteinfarbenes Häufchen mit einem fadendünnen Schwänzchen, das Ben in der Nacht am Straßenrand aufgelesen hatte und das nun zitternd auf unserem Küchentisch saß.
In unserer kleinen tunesischen Stadt am Rand des Großen Salzsees, dort wo die Sahara beginnt, gibt es viele verwilderte herumstreunende Katzen. Sie leben in leerstehenden Häusern oder auf unbebauten Grundstücken inmitten von Plastiktüten, Müll, Sand, Geröll und vertrockneten Pflanzen. Manchmal werden sie in Gärten oder Höfen geduldet und doch immer wieder verjagt. Sie sind mager, struppig, oft sandfarben, so dass sie zwischen den ebenfalls sandfarbenen Häusern und auf den unasphaltierten staubigen Strassen und Wegen kaum auffallen. Ihre Nahrung suchen sie in den offenen Müllcontainern, die überall herumstehen. Alt werden die wenigsten. Sie verhungern, sterben an irgendeinem Gift oder einer Seuche oder werden überfahren. Aber es gibt immer wieder Nachwuchs. Oft zu viel für die Katzenmütter, die ihre Jungen verlassen oder aussetzen, wenn ihnen die Kraft für die Aufzucht fehlt.
«Der Kleine ist bestimmt ein Waisenkätzchen», sagte Ben «Ich hätte ihn fast überfahren. Und jetzt hat Luna einen Freund.»
Luna ist unsere Siamkatze. Sie wollte keinen Freund, jedenfalls keinen in ihrem Haus. Knurrend und zischend umkreiste sie den Küchentisch. Der winzige Kater pustete mutig zurück. Richtig fauchen konnte er noch nicht. Löwenherz, dachte ich.
«Das geht nicht gut», sagte ich. «Und woher willst du überhaupt wissen, dass der Kleine ein Waisenkind ist? Seine Mutter sucht ihn vielleicht. Du musst ihn zurück bringen.»
Luna zeigte ihren Unmut immer deutlicher und heulte wie ein Wolf. Das überzeugte Ben. Wir gaben dem kleinen Löwenherz ein bisschen Milch, bevor wir zu dem unbewohnten Haus fuhren, vor dem Ben ihn gefunden hatte. Löwenherz saß auf meinem Schoß, eingegraben zwischen meinen Beinen, immer noch zitternd, aber nicht mehr pustend. Ich fühlte seine spitzen Schulterblätter und dünnen Rippen unter dem Bernsteinfell.
Warum war er allein auf der Straße gewesen? Waren seine Geschwister schon vor Hunger gestorben und hatte er sich schließlich mit unbändigem Überlebenswillen auf den Weg gemacht, um seine Mutter zu finden ? Würde die Mutter jemals zurückkommen?
Ben schob Löwenherz unter dem Haustor hindurch in den Hof. Er war sich sicher, dass dort Katzen lebten. Der kleine Kater schrie, ich weinte, Ben griff wieder durch die Lücke unter dem Tor, zog den Kater hervor und brachte ihn ins Auto zurück.
Foto: © Astrid Kuhl
«Er kann fürs Erste im Keller schlafen», sagte ich. «Luna darf dann da nicht hin.»
Unser Keller war damals noch nicht fertig. Es gab keine Treppe, die hinunter führte, sondern nur eine alte Leiter, an der eine Sprosse fehlte. Und er war voller Gerümpel, alte Gegenstände, die Ben gesammelt hatte, riesige Holzfässer, Kupferkessel, schmiedeeiserne Gitter, die in der Altstadt Fenster verziert hatten, ausrangierte Türen aus Dattelpalmenholz, Kutschenräder, Truhen, an denen die Farbe abblätterte, Lehmziegel und bemalte Kacheln. Luna fand den Keller sehr reizvoll. Sie kletterte jeden Tag über die aufgestapelten Holztüren hinunter und jagte die Vögel und Eidechsen, die Schatten suchend durch die noch scheibenlosen Kellerfenster herein kamen, oder sie lag stundenlang auf einer großen Holztruhe und meditierte. Damit war nun Schluss.
Wir brachten einen alten Teppich in den Keller, legten einen kleinen Karton mit Haushaltspapier und zwei weichen Stofftaschentüchern aus und stellten ein Schälchen Milch hin. Das Nachtlager für Löwenherz war fertig. Luna schlief wie immer in unserem Bett oben in der ersten Etage, der kleine Kater schrie im Keller und ich machte mir Sorgen. In sechs Wochen würde ich zusammen mit Luna Tozeur verlassen und für drei Monate in Estland arbeiten. Was würde dann aus Löwenherz? Ben, das wusste ich, würde kaum Zeit für ihn haben. Und würde Luna Löwenherz jemals akzeptieren?
Am nächsten Morgen brachte ich frische Milch in den Keller. Löwenherz war nicht zu sehen; aber ich hörte ihn hinter den Holzfässern pusten. Ich setzte mich auf einen dicken Holzbalken und wartete. Vorsichtig näherte sich der kleine Kater dem Milchschälchen, Und allmählich ging sein Pusten in Schnurren und Schlabbern über. Als ich langsam aufstand, verschwand Löwenherz jedoch sofort wieder hinter den Holzfässern und pustete voller Angst. Von da an verbrachte ich Stunden auf dem Hozbalken im Keller. Ich nahm Bücher mit und las Löwenherz Geschichten vor, damit er sich an meine Stimme gewöhnen konnte. Löwenherz spielte unterdessen mit den beiden Taschentüchern, die er aus seinem Karton gezupft hatte.
Am zweiten Tag gelang es mir ihn zu fangen und auf meinen Schoß zu setzen. Erst pustete er wieder heftig und schlug mit seinen kleinen, noch viel zu zarten Krallen nach mir. Aber er blieb auf meinem Schoß sitzen und fing schließlich an zu schnurren, während ich ihm über die Stirn strich, seinen Nacken kraulte und ihm Geschichten aus Marokko von Paul Bowles vorlas.
So ging es mehrere Tage. Löwenherz wurde von Mal zu Mal zutraulicher. Schon bald kam er von alleine, wenn ich anfing zu lesen, vorsorglich pustend zwar; aber er flüchtete nicht mehr, wenn ich meine Hand nach ihm ausstreckte. Ich feuchtete meine Finger mit Spucke an, putzte sein Fell, kratzte verkrusteten Sand von seinen Pfoten und bürstete ihn vorsichtig mit einer kleinen Plastikbürste. Löwenherz schnurrte. Inzwischen hatte ich auch eine kleine ockergelbe Plastikschüssel gekauft und sie mit Sand gefüllt als Toilette hingestellt. Löwenherz benutzte sie sofort. Als er am dritten Tag mit seinen spitzen Zähnchen an meinen Fingern nagte, fand ich, dass er bestimmt schon festere Nahrung zu sich nehmen konnte. Ich gab ihm Eigelb mit ein bisschen Butter, Hähnchenfleisch, Truthahnwurst, Thunfisch, Schmelzkäsestückchen und eingeweichtes Trockenfutter aus Lunas Vorräten. Löwenherz fraß alles. Milch wollte er nicht mehr. Er trank jetzt Wasser. Sein Bauch wurde rund wie ein kleiner Ballon und seine spitzen Schulterblätter waren schon bald nicht mehr zu spüren. Sogar um sein dünnes Schwänzchen wuchs langsam ein Polster.
Foto: © Astrid Kuhl
Jedes Mal wenn ich aus dem Keller kam, wartete Luna mit finsterem Blick hinter der Tür. Sie wollte unbedingt hinunter und nach dem Rechten sehen. Schließlich ließ ich sie. Löwenherz spielte mit seinen Taschentüchern, Luna kauerte einen Meter über ihm auf den Holztüren, jederzeit zum Sprung bereit, und ich saß angespannt auf dem Balken gegenüber, ebenfalls sprungbereit, falls Luna zum Angriff überging. Als ich mit einer neuen Geschichte begann, kam Löwenherz pustend wie immer auf meinen Schoß. Luna sprang von den aufgestapelten Holztüren, schnüffelte an Löwenherz’ kleinem ockergelben Plastikklo, zwängte sich hinein, pinkelte und ließ sich dann gähnend zu meinen Füβen nieder.
Es waren anstrengende heisse Tage im Keller. Jedenfalls für mich. In Tozeur war der Sommer wie ein Feuer ausgebrochen. Draußen in der grellen, erbarmungslos brennenden Sonne war die Luft drückend und atemberaubend. Im Keller war es zwar einigermaßen erträglich. Trotzdem war ich schweißgebadet, während ich aus Tolstois Familienglück vorlas, Löwenherz auf meinem Schoß klebte und Luna gleichgültig tat, uns aber nicht aus den Augen ließ.
An einem Nachmittag nahm ich Löwenherz von meinem Schoß herunter und setzte ihn auf den Boden. Luna, die eben noch scheinbar uninteressiert dagelegen hatte, wurde zu einer fauchenden Bestie. Löwenherz flüchtete sofort hinter die Fässer; Luna sprang auf die Holztüren, schlug wütend zischend mit ihren langen scharfen Krallen nach mir und verschwand dann ebenfalls hinter den Fässern. Durch ein schmiedeeisernes Gitter konnte ich die dunklen Tatzen eines lauernden Siamungeheuers erkennen. Weiter hinten leuchtete ein kleiner bernsteinfarbener Buckel mit zu Berge stehendem Fell. Ich griff zu der einzigen Waffe, die ich finden konnte: Löwenherz’ Wasserschüsselchen. «Raus!» brüllte ich und zielte mit dem Wasser auf Luna, die empört maunzend über die Holztüren aus dem Keller floh. Ich schnappte Löwenherz, kletterte mit ihm die Leiter hinauf und setzte ihn auf einen Sessel im Wohnzimmer. Luna war ins oberste Fach des Bücherregals geklettert und schielte hinter dem dicken Band Tom Sawyer und Huckleberry Finn hervor. Ich stellte die Klimaanlage an und fuhr mit Tolstois Familienglück fort. Löwenherz spielte mit den Troddeln der schwarzen Baumwolldecke, die über der Sessellehne hing. Luna sprang vom Regal herunter und breitete sich gähnend auf dem kühlenden Steinboden aus, gelegentlich misstrauische Blicke auf Löwenherz werfend.
Ich holte Löwenherz nun immer nach dem Frühstück und am späten Nachmittag aus dem Keller. Inzwischen konnte auch er schon auf die Holztüren klettern, von wo aus er mich jedes Mal leise pustend auf sich aufmerksam machte. Auf dem Wohnzimmersessel beendete ich Tolstois Erzählung und begann mit den Sizilianischen Novellen von Giovanni Verga. Abends, wenn die Hitze draußen etwas nachließ und die Luft endlich nicht mehr still stand, setzte ich mich mit Löwenherz auf die Treppe vor der Haustür. Der kleine Kater kniff seine Augen zusammen und hielt sein Näschen in den warmen Abendwind, der sein feines Bernsteinfell aufplusterte. Luna wälzte sich im Sand oder zupfte Grashalme aus und ich lernte Estnisch.
Der Frieden war trügerisch. Für Luna blieb Löwenherz ein unerwünschter Eindringling. Wenn ich mich ihr mit dem kleinen Kater auf dem Arm näherte, verwandelte sie sich in eine heulende Hyäne und wenn Löwenherz einmal allein auf dem Wohnzimmersessel saß, schlich sie sich wie eine Schlange heran, um in einem günstigen Moment anzugreifen. Ich verhinderte rechtzeitig alle günstigen Momente, brachte Löwenherz zum Schlafen wieder in den Keller und legte mich mit Luna erschöpft vor den Fernseher.
Wäre es nicht doch besser, Löwenherz bei Lamia, der alten französischen Dame, unterzubringen, von der mir meine Freundin erzählt hatte und die sich einen kleinen Kater als Gefährten wünschte? Als Isabelle mir diese Möglichkeit zum ersten Mal vorgeschlagen hatte, schien mir meine ganze Katzenwelt zusammen zu brechen. Die Vorstellung, Löwenherz einfach weg zu geben, zerriss mir das Herz. Mit rauher Stimme und Tränen in den Augen las ich ihm den Augsburger Kreidekreis vor. Ach, Löwenherz!
Aber dann rief ich Lamia an. Sie hatte eine warme freundliche Stimme. Isabelle hatte ihr schon von Löwenherz erzählt und Lamia wollte den kleinen Kater sehr gerne adoptieren. Sie hatte, sagte sie mir, sogar schon ein Körbchen als Bett für ihn anfertigen lassen. Löwenherz würde es bestimmt gut gehen bei ihr. Ach, Löwenherz!
Am Umzugstag saß ich ein letztes Mal mit dem kleinen Kater auf dem blauen Sessel. Luna strich um uns herum und ich weinte. Löwenherz’ kleiner Karton mit frischem Haushaltspapier und seinen beiden Taschentüchern stand für den Transport bereit. Auch sein ockergelbes Plastikklo, das Haarbürstchen, ein Döschen mit Stücken von gebratener Hähnchenbrust und eine kleine Tüte mit Trockenfutter hatte ich eingepackt.
Am späten Nachmittag fuhr Ben uns zu Lamia, vorbei an dem unbewohnten Haus, hinter dessen Tor Löwenherz vor zwei Wochen so jämmerlich geschrieen hatte, bis ans andere Ende der Stadt. «Es ist das kleine Haus mit den Bougainvilleasträuchern im Vorgarten», hatte Lamia gesagt. Sie strahlte, als sie uns begrüßte. Und sie sah aus, als hätte sie sich für unsere Ankunft besonders schick gemacht, mit ihrem langen schwarzen, goldgelb bestickten Gewand, den silbergrauen locker zurückgebundenen Haaren, den leuchtenden blauen mit Khol umrandeten Augen und den bougaivillearot geschminkten Lippen.
Wir brachten Löwenherz und sein Umzugsgut in Lamias Wohnzimmer. Ben verabschiedete sich gleich wieder und ich setzte mich zu Lamia aufs Sofa. Den Karton, in dem der kleine Kater sich nicht rührte, stellte ich auf Lamias Schoß. Lamia lächelte glücklich und der kleine Bernsteinkater fing an zu pusten. «Ich habe ihn Löwenherz genannt, weil er so mutig ist», sagte ich. «Aber Sie dürfen ihm einen anderen Namen geben». Lamia konnte das deutsche Wort Löwenherz nicht aussprechen und die französische oder die arabische Übersetzung klangen längst nicht so herzlich.
Lamia erzählte mir noch viel von den Katzen, die früher bei ihr gewohnt hatten, zeigte mir Fotos auf ihrem Computer, erkundigte sich nach Löwenherz’ Essgewohnheiten und den Möglichkeiten, einen kleinen Kater in Tozeur impfen zu lassen, und sagte, ich dürfe Löwenherz natürlich jederzeit besuchen. Ich kraulte Löwenherz ein letztes Mal im Nacken und fuhr dann im Taxi nach Hause.
Von nun an würde es keine Vorlesestunden mehr geben und auch keine gemeinsamen Estnischlektionen auf der Treppe; ich würde nicht mehr über die alte Leiter in den Keller klettern müssen, wo mich ein kleiner Kater pustend erwartete. Und ich musste Löwenherz nicht mehr vor Luna, dem Ungeheuer, in Sicherheit bringen. Ich fing wieder an zu weinen. Luna, das Ungeheuer, wich mir nicht von der Seite, als wollte sie mich trösten. Sie ist jetzt wieder unsere einzige Katze, die zufrieden im Keller meditiert, auf dem Bücherregal schläft, sich unter der Decke auf dem Sessel versteckt und abends den Garten inspiziert. Lamia hat den kleinen Kater Bijou genannt. Das passt zu seinem Bernsteinfell. Ich habe die Beiden nur noch einmal besucht. Ich glaube, ich sollte sie nicht stören. Ach, Löwenherz!
Autor: Astrid Kuhl
AstridKuhl@web.de
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Was liegt im Gras?
Ein Sternlein.
Wie leuchtet das,
Gibt grünen Schein.
Am Himmel blau,
Da war es gold.
Auf grüne Au
Ists hingerollt.
Das Leuchten blieb,
Nun ward es grün,
Der Erd zulieb
Will Sternlein blühn.
Foto: © saguarofan (s.kunka)/ http://www.pixelio.de
Autor: Peter Hille
(*11.9.1854 in Erwitzen/Kreis Höxter; † 7.5.1904 in Berlin-Großlichterfelde)
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Einsortiert unter: Internes
Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Autorinnen und Autoren,
in den kommenden drei Wochen geht’s hier nur mit gebremster Kraft weiter: Die Tiergeschichten-Redaktion macht Urlaub! Ich werde zwar im Lande sein, aber wahrscheinlich nicht jeden Tag online.
Natürlich können Sie auch während dieser Zeit Beiträge an feedback@tiergeschichten.de schicken und die vorliegenden Texte im Blog kommentieren. Es wird aber jeweils ein paar Tage dauern, bis ich mich darum kümmern kann.
Edith von den Tiergeschichten
Foto: © Knipseline / http://www.pixelio.de
Ein schwarzer Pudel, dessen Haar
des abends noch wie Kohle war,
betrübte sich so höllenheiß,
weil seine Dame Flügel spielte,
trotzdem er heulte: dass (o Preis
dem Schmerz, der solchen Sieg erzielte!)
er beim Gekräh der Morgenhähne
aufstand als wie ein hoher Greis -
mit einer silberweißen Mähne.
Foto: © Schwimmerin (Karin Passmann) / http://www.pixelio.de
Autor: Christian Morgenstern
(* 6. Mai 1871 in München; † 31. März 1914 in Meran)
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Einsortiert unter: Katzen
Damals lebte ich noch in Spanien und hatte schon meinen Kater Cimba. An ein weiteres Tier dachte ich nicht, zumindest nicht an eine Katze. Und einen Hund besaß ich auch, meinen Schäferhund Rex. Abends saß ich bei diesem herrlichen Wetter meist auf meiner Terrasse und hörte Musik oder las in einem Buch.
An einem dieser Sommerabende gebärdete sich Kater Cimba höchst eigenartig. Er sprang auf die Gartenmauer und fauchte so richtig bösartig. Natürlich stand ich auf um nachzusehen, warum er sich so aufführte. Als ich über die Mauer sah, huschte eine andere Katze schnell weg und verschwand im nahen Wald.
Einige Tage ging das so. Kater Cimba sprang auf die Gartenmauer und fauchte und miaute laut und lang gezogen. Es klang etwa so: “Miauauuuurrrr”, Miauauauaruuuu“ – ein schauriges Konzert, das immer dann endete, wenn die andere Katze verschwunden war.
Und ich staunte als ich eine fremde Katze auf der Gartenmauer herum spazieren sah, und Kater Cimba nicht mehr fauchte und böse miaute. Ob es die Katze war, die Kater Cimba immer so böse angefaucht hatte, wusste ich nicht, aber ich nahm es an. Eine schöne Tigerkatze in grau mit schwarzen Streifen kam immer öfter zu uns. Rex, der Hund, liebte Katzen und schleckte den Getigerten liebevoll ab. Cimba, der Kater, schien die Katze auch zu mögen, er verhielt sich mal friedlich.
Die neue Katze die sich hinterher als Kater entpuppte, schmuste gerne und schnurrte fast den ganzen Tag. Ich taufte den Neuen auf den Namen Felix, und er hörte darauf. Kater Felix besuchte uns etwa dreimal in der Woche. Er tauchte plötzlich auf, begann zu miauen und zu schnurren, dann fraß er sein Futter, schmuste noch ein paar Minuten und schon verzog er sich wieder.
Mit der Zeit bekam ich heraus das Kater Felix mehrere Stellen zum Fressen hatte, und überall mochte man den Schmusekater.
Foto: © FRIESE 1962 (Jens Bredehorn) / http://www.pixelio.de
Autor: Ursula Geier
UrsulaGeier@web.de
http://www.urska.jimdo.com
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Einsortiert unter: Bücher
Cornelia Read: Es wartet der Tod, Kriminalroman, OT: The Crazy School, Deutsch von Sophie Zeitz, München 2009, Deutscher Taschenbuchverlag dtv, ISBN: 978-3-423-24753-5, Klappbroschur, 336 Seiten, Format 13,2 x 21 x 3,2 cm, EUR 14,90 (D), EUR 15,40 (A)
Letztes Jahr“, sagte ich, „hat jemand, den ich sehr geliebt habe, versucht, mich umzubringen.“ (…)
„Hast du Angst, dass er es wieder versucht?“, fragte sie.
„Nein“, sagte ich.
„Bist du dir sicher?“, fragte sie. „Solche Verhaltensmuster …“
„Ich habe ihm aus nächster Nähe zwei Ladungen Schrot in den Hals gepumpt. Sein Kopf war so gut wie ab.“ (S. 81)
Massachusetts, 1989: Madeline Dare, 26, hat ein traumatisches Erlebnis hinter sich*. Wenigstens hat sie es geschafft aus Syracuse, dem stinklangweiligen Heimatort ihres Ehemanns Dean, wegzukommen. Für die Zeitung schreibt sie auch nicht mehr. Jetzt unterrichtet sie Geschichte an der Santangelo Academy, einem teueren privaten Internat für schwer erziehbare Jugendliche. Ob sie sich damit wesentlich verbessert hat, ist die Frage. Aber wählerisch kann sie nicht sein: Ihr Mann ist trotz hervorragender Qualifikationen arbeitslos. Sie sind auf ihren Verdienst angewiesen.
Madeline, die nicht gerade ein Ausbund an political correctness ist, hält Schulleiter David Santangelo für einen Scharlatan und aufgeblasenen Schwätzer und das pädagogische Konzept der Schule für Psychogelaber und Hippie-Bullshit. Die Kids haben eine Meise, die Lehrer haben eine Meise – der ganze Laden ist in Madelines Augen „ein Mekka für Ornithologen“ (S. 259). Trotz dieser schnoddrigen Analyse tun ihr die Schüler Leid. Sie sind dem dubiosen Psychosektenquatsch wehrlos ausgeliefert und hätten Besseres verdient.
Die einzige Verbündete, die Madeline an der Schule hat, ist ihre Kollegin Lulu, eine bodenständige Farmerstochter. Der Rest des Personals ist, vorsichtig formuliert, ein wunderlicher Haufen: Dekanin Dhumawati, die früher einmal Gloria hieß und unter dramatischen Umständen ihre Tochter verlor, der ehemalige Mathe-Professor Gerald, der aus unerfindlichen Gründen seine gut dotierte Stelle aufgab und in Santangelo anfing, Pete, der suizidgefährdete Ex-Musiker, Tim das Weichei und Mindy, eine weinerliche Alptraum-Tussi in Rosarot. Und natürlich der undurchsichtige guruhafte Chef des ganzen, David Santangelo, der nicht nur seine Schüler, sondern auch deren Eltern und sein Lehrpersonal zum Psychiater schickt. Das haben zweifelsohne alle nötig, aber was in diesen Sitzungen abgeht, ist eindeutig kontraproduktiv. Sieht fast so aus, als würde der Chef Spannungen, Misstrauen und Feindseligkeiten gezielt schüren.
Auch wenn Madeline Zweifel daran hat, ihrem Job gewachsen zu sein – schließlich hat sie keine pädagogische Ausbildung – fassen einige der Schüler Vertrauen zu ihr: der paranoide Sitzman, der Pyromane Wiesner sowie das Liebespaar Mooney und Fay. Vielleicht spüren Sie Madelines Aufrichtigkeit, vielleicht liegt’s auch daran, dass sie ihre Sprache spricht.
Am Morgen nach der Feier von Fays 18. Geburtstag macht Lehrer Gerald eine schreckliche Entdeckung: Mooney und Fay liegen tot auf dem Dachboden – vergiftet! Ein Doppelselbstmord? An dieser bequemen Theorie bestehen schnell Zweifel.
Derweil liegt Madeline mit schweren Vergiftungssymptomen bewusstlos im Schnee. Doch weil ihre Fingerabdrücke auf den Gläsern der toten Teenager sind, sie Fays Halskette in ihrer Jackentasche hat und die Polizei herausfindet, dass Madeline vor einem Jahr in Notwehr einen Mann getötet hat, gerät sie umgehend unter Mordverdacht.
So leicht ist Madeline nicht unterzukriegen – es gibt ja noch den „Klüngel“. Die Familie ihrer Mutter ist vermögend und einflussreich. Patenonkel Alan, ein Jurist, schickt seiner Nichte den jungen Anwalt Markham D. Stuyvesant: in Boston ansässig, in den Südstaaten aufgewachsen und mit allen Wassern gewaschen. Madeline findet ihn spontan sympathisch. Und der junge Mann versteht sein Geschäft! Was Markham und seine Mitarbeiter über die Vorgänge an der Santangelo Academy herausfinden, lässt einem die Haare zu Berge stehen. Doch es sind noch weitere Todesfälle zu beklagen, bis endlich offenbar wird, was tatsächlich hinter den Morden steckt.
Und dann sieht es so aus, als würde es einem der Verbrecher gelingen, sich klammheimlich aus der Verantwortung zu stehlen. Aber vielleicht findet sich ja noch jemand, der ihm rechtzeitig in die Suppe spuckt …
Cornelia Read und ihre kodderschnäuzige Heldin Madeline Dare polarisieren. Die einen mögen oder verstehen ihren sarkastischen Witz nicht, die anderen sind von der kritischen und respektlosen jungen Frau begeistert. Die einen langweilen sich bei der fast schon satirischen Schilderung gesellschaftlicher Zustände und hätten lieber mehr Krimi. Die anderen lesen Cornelia Reads Bücher vor allem als bissige Gesellschaftsromane und könnten auf die Krimihandlung zur Not verzichten. So genau kann man bei Cornelia Reads Büchern nie sagen, ob man nun ein belletristisches Werk vorliegen hat oder einen Krimi. Ihre Bücher sind immer ein wenig von beidem, und das kann natürlich bei Lesern, die mit einer bestimmten Erwartung an die Lektüre herangehen, zu Enttäuschungen führen.
ES WARTET DER TOT ist in der ersten Hälfte eine bitterböse Abrechnung mit dem New-Age-Psychogequatsche der 70-er Jahre und mit einem Schulkonzept, das mehr darauf aus ist, reichen Eltern gegen gutes Geld ihre problembeladenen Kinder vom Hals zu halten als den Jugendlichen wirklich zu helfen. Das ist, bei aller Tragik und Ernsthaftigkeit des Themas, wunderbar lebendig und unterhaltsam erzählt.
In der zweiten Hälfte des Buchs steigern sich zwar Spannung, Erzähltempo und Leichenaufkommen, aber die Auflösung des Falls ist nicht so recht überzeugend. Dafür kann die Geschichte am Schluss noch mit einem hübschen Knalleffekt aufwarten.
Man sieht: Die Rezensentin bevorzugt den belletristischen Teil des Buchs und mag das lose Mundwerk der rebellischen Madeline Dare. Es werden sich jedoch mit Sicherheit auch Leser finden, die „das ganze Schulgedöns“ schrecklich öde finden und dafür den Krimiteil lieben und loben.
Auch wenn vorne im Buch der obligatorische Disclaimer steht: „Die Namen, Figuren, Orte und Vorkommnisse in diesem Buch sind fiktiv. Jede Ähnlichkeit mit wirklichen Personen oder Ereignissen wäre rein zufällig.“, liegt die Vermutung nahe, dass reale Erlebnisse die Autorin zu diesem Buch inspiriert haben. Die Widmung lautet nämlich: „Für die Schüler der Desisto School, besonders die, die ich unterrichtet habe. (…)“ Recherchiert man ein wenig, stößt man auf die DeSisto School in den Berkshires, Massachusetts, die man 2004 mit der Begründung geschlossen hat, dass sie Gesundheit und Sicherheit ihrer Schüler gefährde. Diese Institution hatte anscheinend mit Cornelia Reads fiktiver Santangelo Academy nicht nur die geographische Lage gemein.
Gruseliger als die gesamte Krimihandlung ist die Vorstellung, dass es Zustände, wie sie in dem Buch geschildert werden, so oder ähnlich tatsächlich gegeben haben soll.
*) Cornelia Read: Schneeweißchen und Rosentot, dtv 2008, 978-3-423-24668-2
Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http:// edithnebel.wordpress.com














