Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Der gestiefelte Kater 2.0 by edithtg
1, 12 Oktober, 2009, 5:39
Einsortiert unter: Katzen

Miezka ist bei Julie zu Besuch. Julie ist eine liebe Katze, sie hat 3 Junge, die Miezka sehr mag. Aber die drei Kitten nerven.Ihnen ist langweilig.
„Miezka, Miezka, erzähl uns eine Geschichte.“
„Oh ja.“
„Bitte, bitte!“
„Also gut, dann erzähle ich euch die Geschichte vom gestiefelten Kater, so wie sie sich wirklich zugetragen hat.“

Der König Lukrazius der Neunte, den man auch den Prächtigen nannte, herrschte über Alborien. Er hatte eine Tochter, die er über alles liebte. Diese Tochter, die Prinzessin Amelia, war ganz lieblich anzuschauen und auch sonst war sie das liebste Mädchen, das man sich denken konnte. Nur wollte sie König Lukrazius niemandem zur Frau geben, es war ihm einfach keiner gut genug. An jedem hatte er etwas auszusetzen, sei es, dass er nicht von genügend edler Abstammung wäre, oder er wäre kein rechter Held, oder einfach die Haarfarbe würde nicht zu ihr passen. Die Prinzessin war deswegen sehr betrübt und sie wünschte sich nichts mehr, als dass einer käme, der ihrem Vater recht wäre.

Sie hatte aber eine kleine Maus in einem goldenen Käfig, das war ihr einziger Spielgefährte. Im Käfig hatte die Maus ein Laufrad und ein kleines Häuschen, in dem sie schlief. Wieder einmal waren viele Bewerber um die Hand der Prinzessin ins Schloss gekommen. Unter ihnen war verkleidet der Räuberhauptmann Mantinas, genannt der Schreckliche.

Am nächsten Tag sollten sich alle dem König vorstellen. In der Nacht aber schlich sich Mantinas heimlich in die Gemächer der Prinzessin. Die wollte er entführen und ein Lösegeld erpressen. Aber die Wachen entdeckten ihn und er versteckte sich in einer Kammer. Dies war aber die Kammer in welcher der goldene Käfig mit der Maus stand.

Mantinas sah sofort, welch Möglichkeit sich ihm hier bot. Der Schlüssel steckte im Schloss des Käfigs und so öffnete er ihn. Die Maus schlief in ihrem Mausehäuschen und so nahm Mantinas das Häuschen mitsamt der Maus. Dann versteckte er sich bis zum Morgen und schlich sich dann unerkannt aus dem Schloss. Als entdeckt wurde, was geschehen war, gab es einen grossen Aufruhr und die Prinzessin flehte Ihren Vater an, alles zu tun, um das Mäuschen wieder herbeizuschaffen. Sie fiel in Trübsinn und wollte mit niemandem mehr reden, auch nicht mit ihrem Vater.

Am nächsten Tag kam ein Bote ins Schloss und brachte eine Botschaft von Mantinas: Wenn der König die Maus wiederhaben und damit die Prinzessin aus ihrer Trübsal hervorholen wolle, solle er abdanken und ihm ganz Alborien und alles was darin ist übergeben. Der König sandte darauf seine Reiterei aus um den Räuberhauptmann zu fangen und das Mäuschen wieder herbeizubringen. Aber sie konnten ihn nicht finden.

Der König berief daher alle Weisen des Reiches zusammen, um vielleicht zu erfahren, wie man des Mantinas habhaft werden könne. Viele kamen an den Hof, Räuberologen, Kitnappisten, Vielwisser, Alleswisser, ein Professor und sogar der Doktor Faustus. Über diese und jenes, die Räuberei betreffend, sprachen sie, aber am Schluss war der König so gescheit wie vorher. Daher machte er einen Aufruf an seine Untertanen: Dies und das wäre passiert, der schamlose Räuber Mantinas Horriblius Raffzahniensis habe die Maus der Prinzessin entführt und wer der Prinzessin die Maus wiederbeschaffen könne, der bekäme sie zur Frau und würde obendrein Kanzler des Reiches.

Davon hörte auch der arme Robert. Der war Flickschuster in der Stadt und lebte mehr schlecht als recht. Das Einzige was ihn erfreute war sein Kater Diabolino, den hatte er lieb.
„Ach,“ dachte er, „wenn ich auch nur ein Held wäre, dann könnte ich in die Welt hinausziehen und der Prinzessin ihr Mäuschen zurückbringen.“ Und er dachte das nicht nur, er sprach auch so zu Diabolino, so als ob der ein Mensch wäre. Aber Diabolino verstand jedes Wort. Und zu Roberts bleibendem Erstaunen fing Diabolino an zu reden.
„Lass mich nur machen. Du warst immer gut zu mir und hast immer für mich gesorgt, auch wenn es dir nicht gut ging. Daher will ich dazu beitragen, dass dein Wunsch erfüllt wird.“
„Wie soll das denn gehen, ich bin doch nur ein armer Flickschuster und du nur ein Kater.“
„Eben dieses meine ich. Nimm von den Resten des Leders, was du hast und mache mir ein Paar Stiefel daraus. Dann wirst du schon sehen dass übers Jahr alles ins Lot kommt.“

Robert war erstaunt über diesen Wunsch, aber er machte sich ans Werk und nach einiger Zeit waren die Stiefel für Diabolino fertig. Die zog er an und ging aufrecht wie ein Mensch aus dem Haus. In der Zwischenzeit waren viele Helden, die von dem Aufruf gehört hatten, ins Schloss gekommen. Da kam Elefatis von ungeheurem Wuchs und in massiver Panzerung. Arachno kam, der seine Feinde in selbstgesponnene Netze einhüllte. Und es kam Electrophorus, blinkend und blitzend. Maxischreck und Morischreck, die beiden Schnellen, die alle Feinde überspringen konnten. Es kam Definitus, der alleine durch sein Denkvermögen jeden besiegen konnte. Und ganz zu Schluss stand bescheiden an der Tür des Thronsaales ein kleiner Kater in Stiefeln. Das war Diabolino, den hatten die Wachen eingelassen, weil er die Stiefel trug. Sie hatten noch nie eine sprechende Katze in Stiefeln gesehen und dachten, er wäre etwas Besonderes.

Wie sie so alle vor dem König standen, schien es, als sei Diabolino der geringste von allen. Und alle zogen sie fort um das Mäuschen für die Prinzessin zu finden. Als erster zog Elefatis aus. Nach langer Reise gelangte er in das Land Manega. Am meisten liebten die Maneganer den Zirkus und die Tiere in der Manege. Sie freuten sich, ihn zu sehen und sie zeigten keine Furcht. Das verwunderte ihn sehr, war er doch wohl gerüstet. Doch die Maneganer waren ein sehr listiges Volk. Sie gruben eine tiefe Grube, lockten ihn dort hinein und fingen ihn so. Dann legten sie ihn in Ketten und jeden Tag musste er Kunststücke in der Manege für sie aufführen.

Den Zweite, Arachno, verschlug es nach Norden, denn er dachte, dass in der Eiswüste für Mantinas ein gutes Versteck wäre. So hoffte er, ihn zu finden. Wie er aber immer weiter nach Norden kam, wurde es immer kälter und die Tage immer kürzer, bis es überhaupt nicht mehr Tag wurde. Arachno wusste nicht mehr wo er war und wie er zurückfinden sollte. Da spann er ein Netz und hüllte sich darin ein, damit er nicht erfröre. So irrt er bis zum heutigen Tag immer noch in den eisigen Gefilden und hat keine Aussicht jemals wieder zurückzukommen.

Electrophorus ging die Sache anders an. Er begab sich nach Zerbalien. Die Leute dort waren als Denker berühmt. Ihnen wollte er erzählen, was er über Mantinas wusste und sie sollten dann herausfinden, wo er ihn finden konnte. Die Zerbalier sahen schon von weiten sein funkeln und blitzen. Und da sie eins und eins zusammenzählen konnten, wussten sie, dass eine grosse Gefahr auf sie zukäme. Denn wenn sie Electrophorus alles gesagt hätten, was er wissen wollte, würde er sie vernichten, schon um zu verhindern, dass die anderen Helden auch an dieses Wissen kämen. Sie brauchten nicht lange zu beratschlagen um eine Lösung zu finden. Sie zerstörten die einzige Brücke, die über den Fluss zu ihrer Stadt führte. Als nun Electrophorus sah, dass keine Brücke in die Stadt führte, begann er, den Fluss zu durchwaten.Aber kaum hatte das Wasser seine Beine berührt, gab es ein Zischen und Dampf stieg auf. Electophorus fiel um, ganz ins Wasser, der Fluss brodelte und dampfte und das war das Ende des Electophorus.

Maxischreck und Morischreck wollten über das Land springen und alles niedermachen was sie fanden. So hofften sie, auch Mantinas zu erwischen. Sie sprangen durch viele Länder und verwüsteten sie, aber Mantinas fanden sie nicht. Zum Schluss sprangen sie immer höher um zu sehen ob da nicht doch etwas wäre. Schliesslich sprangen sie höher als der Mond ist und wurden nie wieder gesehen.

Definitus schliesslich ging anders vor. Er ging erst einmal nach Hause. Dort setzte er sich hin und dachte nach. Das tat er ein Jahr lang. Endlich kam er zu einem Schluss: Niemand konnte Mantinas oder die Maus finden, zu gut waren sie versteckt. Er schämte sich aber, mit dieser Erkenntnis zum König zu gehen. Deshalb schnürte er des Nachts heimlich sein Bündel und verliess das Land für immer.

Über ein Jahr war vergangen und der König hatte schon alle Hoffnung aufgegeben, dass jemals einer der Helden zurückkäme. Da wurde ihm gemeldet, dass ihn Diabolino zu sprechen wünsche. Und tatsächlich, Diabolino war zurück und er hatte die Maus mitgebracht. Mit grossem Pomp wurde er empfangen und musst sofort erzählen, wie es ihm denn ergangen sei.

Er erzählte wie er in das Land der Promusker gereist sei, von denen bekann sei, dass der Räuber Mantinas oft dort war. Dort habe er erfahren, dass Mantinas immer aus dem Süden in das Land kam. Also machte er sich auf den Weg in den Süden. Wüsten mit schlimmen Sandstürmen musste er durchqueren, den Stamm der Pavonen besiegen, reisende Flüsse alleine überqueren und dabei gegen riesige hungrige Krokodile kämpfen. Aber die habe er schliesslich alle besiegt.

Endlich sei er in das Land der Kerobier gekommen, die den Weg zu Mantinas wussten. Undurchdringliche Wälder und riesige Berge musste er auf dem Weg dorthin bezwingen, bis er endlich allen Wiedernissen zum Trotz in das Land des Mantinas kam. Einen schrecklichen Kampf gab es dort, aber letztendlich habe er Mantinas besiegt und das Mäuschen zurückgewinnen können. Über die Rückreise wollte er sich nicht mehr gross auslassen.

Der König und sein Gefolge hatten dem Bericht gespannt zugehört und waren so erstaunt darüber, dass sie nicht weiter fragten. Nun gingen sie alle zu der Prinzessin Amelia die weinend vor dem leeren Käfig sass. Diabolino setzte die Maus in den Käfig und schloss ihn ab. Beiläufig erwähnte er, dass er das Häuschen auch gehabt hätte, es aber in der Schlacht von Meldowa wohl verloren hätte. Damit gaben sich alle zufrieden.

Aber jetzt war der König ratlos. Er konnte doch keinen Kater zum Kanzler und Ehemann seiner Tochter machen.
„Auch dafür habe ich Rat.“ sagte Diabolino. „Seht, oh mein König, nur für meinen Herrn habe ich alle diese Abenteuer bestanden und ich will diese Ehre gerne an ihn abtreten. Für mich erbitte ich nur ein Schälchen Milch jeden Tag.“
König Lukrazius war so erfreut darüber, dass es seiner Tochter wieder gut ging, dass er dem Vorschlag des Katers gerne zustimmte. Robert wurde an den Hof geholt und dort zum Kanzler ernannt. Und nach einiger Zeit heiratete er die Prinzessin Amelia und sie lebten alle glücklich bis an ihr Lebensende.

Der König liess für das Mäuschen ein neues Häuschen anfertigen, nach dem verlorenen fragte er nicht mehr und das ist schade. Denn dann wäre vielleicht herausgekommen, dass Diabolino diese Abenteuer überhaupt nicht erlebt hatte. Er hatte einfach ein Jahr lang zuhause bequem abgewartet, zum einen, um durch eine zu schnelle Rückkehr keinen Verdacht zu erregen, zum anderen um sicher zu sein, dass niemand von den anderen Helden zurückkehrte. Dann hatte er einfach die nächste Maus gefangen, die er erwischen konnte, und war damit zum König gegangen. So waren alle zufrieden. Denn der Schwindel kam nie ans Licht. Und daran kann man erkennen, dass ich kein Märchen erzählt habe, sondern die Wahrheit. Denn im Märchen siegt immer die Tugend.

Gestief-Kater20

Zeichnung: Edith Nebel, inspiriert durch eine Kindergarten-Ausmalvorlage :-D

Autor: Mike
champicnac@yahoo.de

*****

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de
Weitere Tiergeschichten gibt es hier: http://www.tiergeschichten.de


1 Kommentar bis jetzt
Hinterlasse einen Kommentar

Klasse! Der Gestiefelte Kater als Schurken- und Schelmenstück. Das gefällt mir.

Morgen gibt’s die klassische Version, damit niemand lange suchen muss, wenn er denn nicht mehr so genau weiß, wie das damals die Gebrüder Grimm erzählt haben.

Kommentar von edithtg




Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s



Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.