Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Halloween
1, 29 Oktober, 2009, 2:07
Gespeichert unter: Lyrik

Geheimnisvoll ist diese Nacht,
erfüllt von dunk’ len Spukgestalten,
die mit viel Zauber und mit Macht
uns in ihrem Banne halten.

Hat’s hier nicht geklopft, gepoltert,
ein glühend Auge wild geblitzt?
Ist dort nicht grad’ um die Ecke
ein schwarzes Wesen weggeflitzt?

Was verwirrt so uns’re Sinne
oder war da wirklich was?
Manchmal denk ich schon ich spinne,
hab zu tief geschaut ins Glas.

Nein, heute ist doch Halloween,
da will man gruseln und erschrecken.
Reich’ mal Süßigkeiten hin,
dann wirst du schon den Spuk entdecken.

P1000673

Foto: © OlliC http://www.pixelio.de

Autor: Annegret Kronenberg
annegret@gedichte-garten.de
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Charlaine Harris, Toni L.P. Kelner (Hrsg.): Werwölfe zu Weihnachten
1, 29 Oktober, 2009, 6:36
Gespeichert unter: Bücher

Charlaine Harris, Toni L.P. Kelner (Hrsg.): Werwölfe zu Weihnachten, OT: Wolfsbane and Mistletoe, 15 Kurzgeschichten, München 2009, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN: 978-3-423-21175-8, 479 Seiten, Format: 12 x 19 x 2,8 cm, EUR 9,95 (D), EUR 10,30‚(A)

Werwolfcover

Jede Wette: Die beiden Herausgeberinnen hatten eine Menge Spaß mit dieser Kurzgeschichtensammlung. Nachdem ihre vorige Anthologie „Happy Bissday“ – Vampirgeschichten zum Thema Geburtstag – so gut ankam, haben Charlaine Harris und Toni Kelner dieses Erfolgsrezept erneut aufgegriffen. Sie haben sich eine schräge Begriffs-Kombination ausgedacht – Werwölfe und Weihnachten –, dann eine Reihe bekannter Autorinnen und Autoren angeschrieben und sie um eine Kurzgeschichte zu diesem Thema gebeten.

J. K. Rowling hatte etwas Besseres zu tun, aber die meisten anderen Schriftsteller haben noch eine Story in ihrem Terminplan untergebracht. Charlaine Harris und Toni Kelner konnten für diese Anthologie wieder mal aus dem Vollen schöpfen. Herausgekommen ist eine wilde Mischung aus spannenden, witzigen und gruseligen Werwolf-Geschichten, geschrieben von ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet.

„Am besten bei Vollmond lesen – aber die Türen gut verschlossen halten“, empfiehlt der Verlag. Ob Sie das wagen möchten, müssen Sie selbst entscheiden. Hier ein kleiner Einblick in das, was Sie in diesem abwechslungsreichen Band erwartet:

Charlaine Harris: Ein unvergessliches Weihnachtsfest, OT: Gift Wrap, deutsch von Britta Mümmler. Weil Freunde und Verwandte andere Pläne haben, muss Sookie Stackhouse, die gedankenlesende Kellnerin, das Weihnachtsfest dieses Jahr alleine verbringen. Dass es trotzdem weder einsam noch langweilig wird, dafür sorgen ein verletzter Werwolf, den Sookie bei einem Waldspaziergang findet, und ihr Urgroßvater Niall Brigant.

Donna Andrews: Das har des thieres, OT: The Haire of the Beast, deutsch von Barbara Ostrop. Tom möchte ein Werwolf werden. Bei der Übersetzung des Zaubertrank-Rezepts soll ihm seine Schwester helfen. Schließlich versteht sie etwas von alten Sprachen. Ob das Rezept auch mit Haaren vom Nachbarshund funktioniert, wenn gerade kein Werwolfsfell zur Hand ist? Jetzt wäre es hilfreich, wenn man den Trank vorab testen könnte …

Simon R. Green: Lucy, alle Jahre wieder, OT: Lucy at Christmastime, deutsch von Christine Blum. Er ist ein Werwolf, und wie jedes Jahr verbringt er Heiligabend im „Strangefellows“, der ältesten Kneipe der Welt. „Dort, wo Träume wahr werden können, wenn man nicht gut aufpasst“ (S. 46). Er trifft sich mit Lucy, die seine erste große Liebe war. Doch das ist nicht das einzige, was die beiden verbindet …

Dana Cameron: Die Nacht, die alles verwandelte, OT: The Night Things Changed, deutsch von Britta Mümmler. Psychiaterin Claudia ist Vampirin, ihr Bruder Gerry Privatdetektiv und Werwolf. Werwölfe, so erfahren wir, sind auf der Welt, um das Böse auszulöschen, Vampire, um Blut zu reinigen und zu heilen. Beide gehören zu den Guten. Ein Patient, der Claudia in ihrer Praxis angreift, bringt das Weltbild der Geschwister ins Wanken …

Kat Richardson: Ein Werwolf zu Weihnachten, OT: The Werewolf Before Christmas, deutsch von Barbara Ostrop. Durch einen Flugzeugabsturz hat es den Werwolf Matt an den Nordpol verschlagen. Nachdem er dort das Leit-Rentier des Weihnachtsmanns gefressen hat, hat er ein Problem. Kurzerhand macht ihn Santa-Claus nämlich zum Ersatz-Zug- und Flugtier. Und auch sonst ist der alte Herr für manche Überraschung gut …

Alan Gordon: Ungebetene Gäste. OT: Fresh Meat, deutsch von Britta Mümmler. Sam Lehrmann ist Hundetrainer und ein Werwolf. Vor seiner Freundin Mona konnte er letzteres geheim halten, doch nicht vor Mr. Taylor. Der hat etwas gegen Werwölfe und rückt ausgerechnet an Heiligabend mit seinen Söldnern an, um Sam den Garaus zu machen. Doch Sam ist nicht so wehrlos und unvorbereitet wie Taylor meint. Und auch nicht so allein …

Carrie Vaughn: Il es né, OT: Il Est Né, deutsch von Ute Brammertz. Werwolf David hat keine Ahnung, wie er seine Verwandlungen kontrollieren kann. An Weihnachten trifft er zum ersten Mal im Leben auf eine Artgenossin. Doch ehe sie ihm hilft, wäre noch zu klären, ob David nicht ein gesuchter Serienmörder ist. Aufgrund seiner Erinnerungslücken wäre alles möglich. In Wolfsgestalt leisten die beiden Detektivarbeit …

Dana Stabenow: Das perfekte Geschenk, OT: The Perfect Gift, deutsch von Britta Mümmler. „Wenn wir ihre Population nicht dezimieren, wird bald auf alle Jagd gemacht“ (S. 202). Mennaro, seine Männer und seine Nichte Neri rüsten sich zum Kampf. Doch wer jagt hier wen? Dass die Polizei den oder die Wolfsmörder sucht ist klar. Aber wie passen Mennaro und seine Leute ins Bild? – Wer auf die Personennamen achtet, kommt vielleicht den raffinierten Wendungen in dieser erotischen Geschichte auf die Spur …

Keri Arthur: Der Geist der vergangenen Weihnacht, OT: Christmas Past, deutsch von Christine Blum. Hannah hat ein untrügliches Gespür für das Böse und arbeitet im Dezernat für paranormale Angelegenheiten des FBI. Jetzt steht sie frierend im Elfenkostüm auf der Straße, als Lockvogel für den vampirischen Spendensammler-Mörder, und muss ausgerechnet mit ihrem Ex, dem Werwolf Brodie, zusammenarbeiten …

J.A. Konrath: Das Buch Bob, OT: SA, deutsch von Christine Blum. Kommt ein Mann mit einer Stuhlprobe zum Arzt … Was wie ein Stammtischwitz beginnt, steigert sich zu einer furiosen Geschichte, originell, tierisch komisch und unheimlich abgefahren. Knöpfe, Reißverschlüsse, Schmuckstücke und Zähne findet der Arzt in der Stuhlprobe von Robert Weston Smith. Smith, der sicher ist, nichts dergleichen verzehrt zu haben, fragt sich, wie diese Fremdkörper in seinen Körper kommen. Seine Internetrecherchen ergeben, dass er ein Therianthrop sein könnte, ein Wergeschöpf.

Auch dafür gibt es zum Glück Selbsthilfegruppen. Smith tritt einer solchen bei und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nicht nur, dass er Wereichhörnchen, Werschildkröten und sogar Werkorallen (!) begegnet, er erfährt auch wer die schlimmsten Feinde der Therianthropen sind. Wenn er das mal vorher gewusst hätte!

Patricia Briggs: Davids Stern, OT: The Star of David, deutsch von Barbara Ostrop. Der sechzehnjährige Devonte Parish liegt im Krankenhaus und behauptet, von einem Vampir angegriffen worden zu sein. Sozialarbeiterin Stella Christiansen zuckt nicht mit der Wimper und ruft ihren Vater David zu Hilfe. Der ist Ex-Soldat und Werwolf. Seine Theorie: Der Vampir wird keinen Zeugen am Leben lassen wollen und bald bei dem Jungen auftauchen. David und Stella legen sich auf die Lauer …

Nancy Pickard: Besser nicht schmjollen, OT: You’d Better Not Pyout, deutsch von Barbara Ostrop. Die russischen Vampir-Vettern Pascha und Serge machen sich von Miami Beach aus auf den Weg zum Nordpol um zu überprüfen, ob der Weihnachtsmann und seine Elfen tatsächlich Vampire sind wie sie. Wie sie dann allesamt in Südafrika landen, wo die Werwölfin Ingrid dem Wildhundrudel helfen möchte, von dem sie großgezogen wurde, das ist eine Geschichte für sich. – Abgedreht und ein bisschen, äh, mjerkwürdig.

Karen Chance: Schwarze Schafe, OT: Rogue Elements, deutsch von Christine Blum. Fünf Werwölfinnen sind verschwunden. Die Clans bitten den „Silbernen Kreis für Weiße Magie“ um Hilfe, und der Fall landet auf dem Schreibtisch der Kriegsmagierin Accalia de Croisset. Weil ihre Mutter eine Werwölfin war, erhofft ihr Chef sich Insider-Informationen. Doch Accalia ist eine Ausgestoßene, die Clans werden ihr nicht helfen. Dass sie sich mit einem anderen Außenseiter-Wolf zusammentut, bringt überraschende Resultate …

Rob Thurman: Milch und Plätzchen, OT: Milk and Cookies, deutsch von Britta Mümmler. Blöde Weihnachten! Der dreizehnjährige Nikolai trauert der Zeit hinterher, als er sich noch auf den Weihnachtsmann freuen konnte. Außerdem hat ihn Jed, der mieseste Schläger der Schule, auf dem Kieker. Zwar hat Nikolai seinem Vater versprochen, sich keinen Ärger einzuhandeln, aber manchmal darf man die A***löcher dieser Welt einfach nicht gewinnen lassen … – Eine blitzböse Geschichte, in der nichts so ist wie es zunächst scheint.

Toni L.P. Kelner: Denn siehe, er hütet seine Herde, OT: Keeping Watch Over His Flock, deutsch von Britta Mümmler. Statt, wie versprochen, mit seinem Ziehsohn Jake durch die weihnachtlicheVollmondnacht zu streifen, passt Leit-Werwolf Brian auf seine kleine Tochter auf. Teenager Jake ist sauer und zieht verbotenerweise alleine los. Prompt gerät der unerfahrene junge Werwolf in eine Situation, die ihn überfordert …

Die Disney-Cola-Plastik-Weihnachtsstimmung in den Geschichten wirkt auf einen europäischen Leser schon sehr amerikanisch. Andererseits … je kitschiger die heile Welt, desto größer ist der Kontrast zu den unheimlichen Geschöpfen, die sich darin herumtreiben. Und dann passt’s ja wieder.

Auf jeden Fall ist die Kurzgeschichtensammlung sehr abwechslungsreich und vergnüglich und durchaus nicht nur was für minderjährige weibliche Fans des Urban-Fantasy-Genres. Romantik pur darf man in dieser Anthologie nicht erwarten. Bei manchen Geschichten ist es hilfreich, wenn man bei etwas derberem Humor und grob gestrickter Wildwestmoral nicht gleich schockiert in Ohnmacht sinkt. (Gerade diese Beiträge erweisen sich oft als besonders unterhaltsam.)

Kurzbiographien sämtlicher teilnehmender Autorinnen und Autoren runden den Band ab und bescheren dem Leser manch eine überraschende Erkenntnis. Und wer auf den Geschmack gekommen ist und von dem einen oder anderen Schriftsteller noch mehr lesen möchte, erfährt auch etwas über sein übriges Werk. Bei ein paar TeilnehmerInnen dürfte es sich durchaus lohnen, sie im Auge zu behalten.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
http://edithnebel.wordpress.com



Der Förster Theobald
1, 28 Oktober, 2009, 6:14
Gespeichert unter: Lyrik

Der gute Förster Theobald
verbringt den ganzen Tag im Wald.
Für alle Tiere hat er Zeit,
zu helfen ist er stets bereit.

Neben ihm springt durchs Revier
Waldemar, das Dackeltier.
Waldemar ist Clown und Held
für die Waldtier-Kinderwelt.

Da kommt ein Hirsch mit lahmem Bein:
„Ach, Theobald, ich leide Pein.“
Von weitem ruft der Fuchs: „Oh je,
die Zähne tun mir gar so weh!“

Der Igel quiekt ganz ungehemmt:
„Ein Stachel hat sich mir verklemmt!“
Waldi macht sich aus dem Staub,
für Igelrufe ist er taub.

„Noch heut’ ich mir das Maul verrenke,
wenn ich an Igelstachel denke.
Zum Toben ist er nicht mein Mann,
schau lieber ihn von weitem an.“

Im Baum der Eichelhäher hüpft:
„Die Jungen sind bei mir geschlüpft!“
Und eine ganze Hasenschar
stürzt sich auf Dackel Waldemar.

„Horch mal,“ krächzt der schwarze Rabe,
„was ich zu berichten habe:
In uns’rem Walde lebt ein Feind,
der es nicht gut mit Tieren meint.

Er schießt auf alles, was hier lebt.
Es donnert, dass die Erde bebt.“
Wir sind voll Angst und Traurigkeit.
Hilf Theo, mach ein End’ dem Leid.“

„Ja, ja, ich habe ihn schon entdeckt,
ein Wilddieb hält sich hier versteckt.
Ich werde ihm schon Beine machen
und ihr könnt wieder sorglos lachen.“

Häschen ruft ganz außer Atem:
„Theo, konnt dich kaum erwarten.
Schau mal ganz schnell rein bei mir,
ich habe Kindchen, es sind vier!“

Haselmaus möcht „Danke“ sagen,
kann jetzt wieder richtig nagen.
Beim Kuckuck ist die Freude groß,
wurd’ endlich seinen Husten los.

Theobald der Förstermann
stöhnt: „Wo fang’ ich jetzt bloß an?
Hier verbinden, dort was richten
und auch zuhör’n den Geschichten.

Ach, Waldemar, so hilf mir doch,
komm raus aus dem Karnickelloch!“
„Ich lauf ja schon und seh’ es ein,
doch Spielen, das muß auch mal sein.“

Er geht dem Theo brav zur Hand,
lässt nichts zurück in Laub und Sand.
Auf saub’re Umwelt steh’n, ist klar,
der Theobald und Waldemar.

Es dunkelt langsam schon im Wald.
„Schlaft gut!“ wünscht Förster Theobald.
Mit Waldemar zieht er nach Haus’
und ruht sich von der Arbeit aus.

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Foto: © RainerSturm (Rainer Sturm) http://www.pixelio.de

Autor: Annegret Kronenberg
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Impressum
1, 27 Oktober, 2009, 6:32
Gespeichert unter: Zum Schluss: Impressum

Vielleicht sollten wir uns mal ein anständiges Impressum geben, damit die gschlamperten Verhältnisse hier ein Ende haben:

Impressum

Dietmar Nächilla
Frauenstrasse 32
67549 Worms
Telefon 06241-209499

Edith Nebel
Hermann-Seeger-Strasse 1
73760 Ostfildern
Telefon: 0711 3 48 25 89



Für meine Menschen daheim!
1, 27 Oktober, 2009, 6:24
Gespeichert unter: Katzen

Für meine Menschen daheim!

Ich bin Kätzchen Nr. K 489.
Keiner hier hat einen Namen. Hier; wo ist das? Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht daran erinnern, war einfach noch zu klein.

Hier – ist das alles, was das Leben für mich bereit hält? Es ist kalt und nass, bin mit vielen Tieren hier. Ich kenne sie noch nicht. Es gibt aber Böse und welche, mit denen ich auskomme.

Warum muß ich hier sein? Ich sehne mich nach einem eigenen Leben, nach Wärme und Geborgenheit. Hier gibt es nur Gitter und kalte Fliesen, keinen warmen Schlafplatz für mich. Ich habe solche Sehnsucht, weiß nur nicht genau wonach. Kenne ja nichts anderes. Aber es gibt auch Kätzchen, die von einem anderen Leben berichten, von dem ich dann nachts träumen darf. Warum werden diese Vierbeiner wohl hier sein, wenn es doch irgendwo anders sein soll? Man muß es ja nicht glauben.

Lange, so hab ich das Gefühl, bin ich jetzt hier. Täglich kommen Menschen, die uns sehen wollen. Die einzige Abwechslung. Doch abends sind sie immer wieder weg und ich bleibe da. Trostlos. Mitgehen möchte ich mit ihnen. Hoffnung! Irgend etwas, in meinem kleinen Herz sagt mir „Hoffnung!“

Schon wieder ist ein Winter vergangen. Wir freuen uns auf die warme Jahreszeit. Ostern ist es. Ostern 2002. Menschen suchen jetzt ihr Osternestchen, suchen ihr Glücksgeschenk. Ich finde mein Geschenk nicht! Karfreitag ist endlich vorbei. Ich mag keine Feiertage hier. Langsam kommt die Nacht und ich darf wieder träumen …

Langsam erwache ich. Es ist Ostersamstag. Die Sonne kitzelt meine Nase. Endlich wird es wärmer. Mein Gefühl sagt mir, gleich ist es mal wieder soweit und neugierige Menschen laufen am Gitter vorbei. Keiner schaut auf mich. Keiner spürt meine Sehnsucht. Andere Kätzchen haben mehr Glück. Sie sehen auch anders aus als ich. Mein Fell wirkt struppig. Mein linkes Ohr ist von Kämpfen um das Futter gezeichnet und auch meine kleine Zunge ist nicht mehr komplett. Ich bin schmal geworden, habe eine eitrige Nase, Schnupfen und einfach Hunger.

Solche Tage, an denen man zur Schau gestellt wird, mag ich nicht. Von den Menschen, die an unseren Gitterstäben verweilen, sprechen einige mit uns. Keiner mit mir. Ich bin auch nur ein ganz gewöhnliches Kätzchen. Eben Kätzchen K 489. Manchmal kommt jemand mit dem Personal, zeigt auf eine von uns, eine, die wir dann höchst selten wiedersehen. Ich weiß nicht, wo diese abbleiben.

Zwei junge Mädchen nähern sich unserer Unterkunft. Bleiben stehen und … schauen mich an und flüstern miteinander. Sie werden wohl gleich über mich lachen weil ich anders bin als die anderen. Krank und keinesfalls anschauenswert. Auch führen sie einen eigenartigen Behälter mit sich. Sieht aus wie der gleiche Käfig den ich bewohne, nur viel, viel kleiner. Schaurig!

Alle Mitbewohner werden jetzt aufmerksam, denn die jungen Damen rufen einen Pfleger herbei. Die Mädchen reden erneut miteinander. Sie sprechen sich mit Namen an. Aline und Steffi müssen sie wohl heißen. Aber eigentlich ist mir das egal. Ich schließe meine Augen und möchte damit nicht gesehen werden. Ich bin es auch einfach leid, ständig zu sehen wer von uns dieses traurige Heim verlässt und nicht mehr zurückkehrt. Ich döse vor mich hin.

Plötzlich spürte ich die unmittelbare Nähe des Pflegers. Als ich die Augen öffnete, war es bereits zu spät. Geübte Hände ergriffen mich und ich fand mich wenig später in diesem Miniaturkäfig wieder. Eine Reise von unbekanntem Ziel begann für mich. Ich habe Angst! Weiß nicht, was geschieht.

Verladen in einem Auto, begann für mich eine Fahrt ins Ungewisse. Eigentlich fahre ich gern mit dem Auto. Das kenne ich, weil ich oft in eine Tierarztpraxis gebracht wurde. Ich schaute aus dem Fenster. Es war nichts Bekanntes zu sehen, an das ich mich auf den Fahrten zum Arzt erinnern konnte. Alle Eindrücke waren neu. Lange war ich unterwegs.

Plötzlich hält das Auto an. Mein kleiner Käfig wird angehoben und ich schaukelte darin ein Stück unbekannte Straße entlang. Riesige Häuserzeilen, viele Türen, unbekannte Geräusche. Ein Treppenaufgang zu einer Tür. Meine Begleiterinnen drückten einen Knopf, die Tür öffnet sich.

Wieder Treppen, wieder eine Tür. Meine Nase witterte einen bekannten Duft. Den Duft von Vierbeinern, wie ich einer bin! Ein neues Tierheim? Aber es war warm, hell und ohne Gitter. Wo bin ich? Die Gittertür an meinem kleinen Käfig wurde entfernt. Vorsichtshalber bewegte ich mich vorerst nicht. Doch wie nun einmal die Art der Katzen ist, war die Neugier stärker. Ganz vorsichtig schaute ich aus meinem Behältnis und erblickte zwei neue Menschen. Sie sind offensichtlich etwas älter als meine Begleiter. Der eine schaute mich an, wie die Menschen vor meinem Tierheimzwinger. Ich fühlte, daß er mich nicht sonderlich mag. Trotzdem kletterte ich aus meinem „Bau.“ Oh, hier waren auch schon andere Kätzchen da. Vorsichtig inspizierte ich die Umgebung.

Es gab viel zu entdecken. Auch ein Zimmer, in dem sich Wasser und Katzentoiletten befanden, und ein Anderes, wo ich zu essen bekam. Da die anderen Kätzchen keinen Appetit zeigten, aß ich alles allein. Diese Gelegenheit, so glaubte ich, kommt nicht so schnell wieder! Dann schaute ich mich in dem großen Zimmer um. Vieles entdeckte ich, woraus ich schließen konnte, dass hier schon eine längere Zeit Kätzchen wohnten. Als meine beiden Begleiter samt Käfig die Wohnung verließen, hatte ich eine Ahnung! Sollte das mein Zuhause werden?

Ich nahm Kontakt zu den beiden Katzen auf. Delf und Felix waren zwei Kater. Sie erzählten mir von ihrem Zuhause. Sollte gerade mir es ab diesem Moment so gut gehen wie den beiden? Ich kann es nicht glauben.

Dienstag. Ein Käfig steht auf dem Tisch. Ich denke, jetzt geht es zurück.Nun, ich hatte ein schönes Osterfest. Wäre gern hier geblieben. Schade! Wieder in einer kleinen Box, wieder Gitter, wieder ein Auto. Doch es war eine sehr kurze Fahrt. Am Ende erkannte ich es am Geruch. Tierarzt. Er war ganz lieb zu mir. „Matzl“ nannte er mich. Trotzdem war es für mich unangenehm. Dreimal hat er mir wehgetan aber ich ertrug es, nur um nicht negativ aufzufallen. Medikamente bekamen die beiden Menschen mit nach Hause, die mich hierherbrachten. Aber auch mich nahmen sie wieder mit.

Glücksgefühl, als ich wieder aus der Box klettern durfte und ich wieder bei Felix und Delf war. Trotzdem war ich unsicher. Was sollte ich noch erleben? Wie lange darf ich hier verweilen? Wie sieht meine Zukunft aus? Wird der Mensch, der mich so kritisch anschaute als ich ankam, sich ändern? Sollte es vielleicht gerade für mich ein „Zuhause“ geben? Ich kann es nicht glauben, daß ich jemals menschliche Liebe erfahren sollte. Und doch war es so.

Ich bekam einen eigenen Futternapf, eine eigene Toilette und einen eigenen Schlafplatz. Ebenfalls fiel mir auf, daß, wenn mich die beiden Menschen ansahen, das Wort „Krümel“ fiel. Ich glaubte, ich hatte somit einen Namen. War nicht mehr Kätzchen K 489. Ich war zur Persönlichkeit geworden. Ich bin glücklich!! Ich glaube und ich weiß es: Ich bin endlich daheim!

Eine wunderbare Zeit! Aber auch diese hatte ihre Schatten. 2004 erkrankte mein kleiner Freund „Delf.“ 18 Jahre verbrachte er mit meinen, mir nun liebgewordenen Eltern. Es war traurig und fast zerbrach mein kleines Herz, als er von seinem Leid erlöst werden mußte. Viele Tage der Trauer vergingen. Aber auch noch heute erinnern wir uns lieb an ihn. Eine kleine Weile sollte nun ins Land ziehen, da wir allein waren, Felix und ich.

Die Aufmerksamkeit unserer Menschen bezog sich nun allein auf uns. Ich habe immer noch Angst. Angst davor, bei einem Fehler in meinem Verhalten, in das kalte Heim zurückgebracht zu werden. Deshalb überlegte ich mir jeden Schritt,jede Bewegung und jegliches Tun.

Besuch hat sich angesagt. Es wurde viel geräumt und gesäubert. Es hieß, ein neuer Bewohner zieht ein. Oje, er soll erst 12 Wochen alt sein. Ich halte nicht viel von solch „Jungen Gemüse!“ Mit der Ruhe wird es vorbei sein!

Es ist soweit. Der Besuch kommt, stellt einen ähnlich kleinen Käfig wie ich ihn kenne, im großen Zimmer ab, öffnet ihn und heraus kommt ein winziger „Angeber.“ Schwanz in die Höhe gestreckt, betritt er den Raum, als wohne er schon eine Ewigkeit hier. Mein Gott, was ist das? Langhaarig und blond. „Cream tabby“ soll sich die Farbe nennen. Rasse der Perser. „Furioso vom Kirschgarten“ sei sein Name. Aber die Leute, der Besuch sagte, man rufe ihn Einfach „Ossi.“ Dicke, fette Pfoten, keine Nase und rotzfrech. Aus mit unserer Ruhe! Na, wenigstens stinkt er nicht.

Der Herr mag nicht alles essen, muß gekämmt werden und hat Probleme mit der Tapete in der Wohnung, indem er die Wände hochklettert. Eigentlich hat man uns erklärt, das diese Rasse sehr ruhig und sensibel ist. Tut mir leid, wir beiden, Felix und ich, können nichts von dieser Eigenart erkennen. Ständig werden wir von ihm verfolgt und er will sich mit uns balgen, Junger Schnösel, Halbstarker, Angeber und „Gernegroß.“

Trotzdem begann eine schöne Zeit! Wir hatten immer volle Futternäpfe und nebenbei gab es auch ständig andere Leckereien, was man speziell mir bald auch ansah. Mir ging es sehr gut. Ich wurde immer satt, bekam viel Liebe, machte aber auch nichts falsch. Oft legte ich mich bei meinem Mensch, der mich anfangs so kritisch betrachtete, auf den Schoß und ich bekam viele Streicheleinheiten, für die ich mich mit Liebe und mit Folgsamkeit bedankte.

Nie hat einer mit mir schimpfen, oder ein lautes Wort sagen müssen. Bei den zwei Katern war es anders. Die machten aber auch laufend anderen Blödsinn. Liegen abwechselnd auf den Tischen rum, kratzen an Türen und klettern auf die Möbel usw. Das alles tue ich nicht. Ich wundere mich nur darüber und schaue mir das Drama an. Auch habe ich ein Spezialspielzeug. Eine Hasenpfote. Mit ihr spiele ich nachts, wenn die beiden Kater mit im Bett sind, „Mutter und Kind!“

Für mich ist mein Zuhause einfach die Erfüllung eines Traumes. Manchmal kann ich gar nicht begreifen, das gerade ich auch endlich glücklich sein darf. Meine Menschen sprechen auch viel mit uns. Ich möchte auch immer antworten, aber leider kann ich nicht „Miau“ sagen. Ich habe es nicht gelernt. Immer kommt nur ein „Mau“ aus meinem Schnäuzchen. Doch meine Menschen verstehen mich.

Glückliche, zufriedene und dankbare Jahre. Keine Kälte, Nässe und Hunger! Und doch schlummerte etwas in mir. Etwas Böses und bis in das Jahr 2007, Unerkanntes.

Seit einiger Zeit, fühle ich mich nicht mehr besonders. Ständig ist mir schlecht Und ich nehme ab. Längst esse ich auch nicht mehr alles. Ich habe Durst! Meine Menschen stellen für mich überall Trinkgelegenheiten auf. Ich mag kein Naßfutter mehr. Auch Gourmetkost, wie zum Beispiel Gewiegtes vom Rind muß ich nicht mehr haben.

Mir geht es nicht gut. Mein Körper wird immer schmächtiger. Meine Menschen bringen mich zum Arzt. Ein Bluttest bringt Erkenntnis. Meine kleinen Nieren funktionieren nicht mehr optimal. Infusionen und Spritzen bekomme ich. Umsonst. Ich fühle mich von Tag zu Tag schlechter. Ich esse nichts mehr. Durst ist alles, was ich noch habe. Meine Menschen sorgen sich um mich. Meine Mutti ernährt mich mit Brei- spritzen, die sie speziell vorbereitet.

Ich mag nicht mehr. Ich glaube, daß mein Leben von mir geht. Im Stillen nehme ich Abschied von meinen geliebten Eltern, die mir den Traum des Lebens erfüllten, endlich ein Zuhause zu haben. Eigentlich bin ich ja noch nicht alt. Gerade mal acht Jahre. Schade. Gerne wäre ich geblieben!! Ich denke an Ossi und Felix. Sie waren mir gute Gefährten.

Lebt wohl, alle die ich sehr geliebt habe, auch ich war mir euerer Liebe bewusst! Danke, danke für mein Leben mit euch. Zufrieden und glücklich habt ihr mich gemacht. Behaltet mich nur in euerem Herz. Weint nicht um mich! Meine Zeit mit euch, war die Hochzeit meines Daseins.

13. August 2007. Meine Eltern sind bei mir. Ich hab euch lieb!!
Abschied. Ich fühle etwas Endgültiges. Ich darf in den Armen meines Frauchens sein. Mein Vati ist auch ganz nahe bei mir. Die Erlösung kommt! Ich bin müde.

16.00 Uhr. Mein kleines Herz hört auf zu schlagen. Eines soll euch für immer bewußt sein: Es hat aus Dankbarkeit für „Euch“ geschlagen.

Lebt alle wohl und denkt oft an euer

KRÜMELCHEN.

Krume

Foto: Familie Schulz

Autor: Familie Schulz
frank-thomas.schulz@freenet.de

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Unheimliche Begegnung der nächtlichen Art
1, 26 Oktober, 2009, 6:12
Gespeichert unter: Katzen

Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als uns unsere Schulweisheit träumen lässt. Vor allem Dinge, denen wir noch nie begegnet sind, versetzen uns in Erstaunen. Gerüchten zufolge sollen ja Aliens unsere Erde schon lange besetzt haben. Und jeder geht damit anders um. Insbesondere, wenn dieser Jemand ein Fell und Krallen hat.

Nachmittags wollte ich mit Miezka und Mowgli noch an den Seepark. Nur war es heiss, sehr heiss. Denn die Hitze der Stadt ist im Sommer brutal. Daher sind wir sehr schnell umgekehrt, nachdem die beiden Fellnasen sich sofort in den Schatten geflüchtet haben und nur sehr schwer dazu zu bewegen waren, diesen geringfügig kühleren Ort wieder zu verlassen.

Doch kaum wieder in der Wohnung, maunzen die Haustiger die Türe an und Miezka springt hoch und will sie öffnen, obwohl sie wissen müsste, dass diese immer abgeschlossen ist, seit sie gelernt hat, wie Türen zu öffnen sind.Beide wollen wieder raus. Verstehe einer das Katzenvolk!

Ach nööö…, Dosi gedenkt nicht, mit den beiden rauszugehen und dann womöglich in der prallen Sonne stundenlang neben einem Gebüsch zu warten, während sich die felide Fraktion der Weltbevölkerung einer ausgiebigen Siesta hingibt und die Herrschaften sich irgendwann bequemen, sich wieder auf die Pfoten zu machen. Wir werden abends wieder rausgehen, wenn es nicht mehr so heiss ist, ihr könnt derweil auf den Balkon. Dosi wird derweil wieder an den See gehen, aber alleine, um ein kühlendes Bad zu nehmen. Ja, wärt ihr nicht so wasserscheu … So weit, so kühl.

So gegen 20 Uhr ist es zwar noch warm, aber nicht mehr die grosse Hitze. Also werden beide angeleint, Mowgli geschultert und Miezka auf den Arm genommen. Bei so einem Wetter ist der Seepark vor allem auch abends voller Leute und es dürfte fast unmöglich sein, eine freie Sitzbank zu ergattern. Daher beschliesse ich kurzfristig, nicht in den Seepark, sondern an den Fluss zu gehen. Der Weg dorthin ist zwar weiter, aber dort dürfte es nicht so überlaufen sein. Miezka muss eben, bis wir dort sind, an der Leine bleiben und Mowgli sitzt sowieso die meiste Zeit auf meiner Schulter.

Der Weg führt erst an der Strasse entlang und dann durch eine Schrebergartenkolonie zum Fluss. Der führt ob der andauernden Hitze sowieso ziemlich wenig Wasser. Die beiden Fellnasen beeindruckt das ziemlich wenig. Sie schnüffeln zwar am Wasser und auch die Wellenbewegung ist ja so interessant, aber da rein traut sich niemand. Miezka stromert hierhin und dorthin, schaut gelegentlich nach mir und Mowgli bleibt vorsichtshalber angeleint, aber die Rollleine ist ja 5 Meter lang.

Derweil vertiefe ich mich in ein Buch und die Zeit vergeht. Die Sonne ist bereits untergegangen und es dämmert schon ziemlich, als Miezka kommt und sich neben mir ins Gras legt. Das ist das Zeichen zum Aufbruch. Los, Dosi, wir haben Hunger! – Ok, mach ich, also Kater, spring mal auf, es geht nach Hause.

Es ist bereits fast dunkel, als wir durch die Schrebergartenkolonie kommen. Es sind kleine Parzellen, mal mit mehr mal weniger Liebe angelegt. Da wächst Gemüse und Blumen. Nur alle 50 Meter steht eine Wegbeleuchtung, aber für meine beiden Raubtiere dürfte das mehr als genug Licht sein. Miezka kann da soviel entdecken und auch Mowgli springt öfter von der Schulter um etwas zu untersuchen.

Irgendwo inmitten diese Labyrinthes von kleinen Wegen stutzt Miezka plötzlich und nimmt lauernde Haltung ein. Auch Mowgli richtet sich auf, die Ohren nach vorn, und macht sich sprungbereit. Dann ein Satz und er ist auf dem Boden. Irgend etwas ist da! Meinereiner sieht und hört nichts, aber ich bin ja auch nur der Dosi.

Die beiden Stubentiger starren auf einen Punkt an einem Zaun. Jetzt hört mein unsensibles Dosigehör auch was. Es ist ein leises Schmatzen und Rascheln. Für eine Maus ist es zu laut. Eine Ratte? Aber Ratten schmatzen nicht, glaube ich wenigstens. Erkennen kann ich noch nichts. Aber halt, da bewegt sich doch was in der Dunkelheit. Und langsam schiebt sich eine kleine Gestalt in das Dämmerlicht der Wegbeleuchtung. Ein Igel!

Nun weiss ich nicht, ob Miezka schon Igeln begegnet ist. Bevor ich in die Stadt gezogen bin, war sie ja Freigängerin auf dem Land. Aber Mowgli hat mit Sicherheit noch nie so einen stachligen Gesellen gesehen. Und hier zwischen den Schrebergärten mit unzähligen Komposthaufen und Verstecken dürften schon einige dieser Stacheltiere hausen. Jedenfalls sind beide Katzen erst mal vorsichtig und kommen dem Igel nur langsam und wachsam näher. Befürchtungen, dass der auf kätzischer Speisekarte landen könnte, habe ich nicht, denn so ein nächtlicher Wanderer ist ja mit exzellenten Defensivwaffen bestückt und ich glaube nicht, dass selbst Miezka und Mowgli vereint damit fertig werden.

Was ist das bloss? Eine spontane Mutation? Ein Ausserirdischer? Vorläufig besteht mal die felide Taktik im Beobachten. Auch ich verhalte mich völlig still. Es ist schon lange her, dass ich einen Igel gesehen habe. Der lässt sich davon nicht stören und sucht weiter nach Futter oder was Igel sonst so interessieren könnte.

Mowgli beginnt an dem Igel zu schnuppern, traut sich aber nicht vollständig an ihn heran. Er misstraut wohl dem seltsamen Geschöpf. Jetzt verharrt der Igel, er hat wohl gemerkt, dass da was ist. Miezka, als die Ältere und Erfahrenere wagt den ersten Schritt. Vorsichtig versucht sie das Stacheltier mit der Pfote zu berühren. Sofort reagiert der Igel und rollt sich ein.

Da liegt er nun, eine Kugel aus Stacheln, und wagt nicht mehr, sich zu bewegen. Miezka, und nun auch Mowgli, versuchen ihn zu betatschen. Nur, so wie’s aussieht merken beide Fellnasen schnell, dass dieses nicht so einfach ist. Denn so eine Igelstachel ist sehr, sehr spitz. Aber die beiden sind sehr vorsichtig, Verletzungen gibt es keine, sondern eher so etwas wie neugierige Verblüffung.

Ich habe schon öfter von Hunden gehört, die sich an Igeln blutige Nasen geholt haben, aber Katzen sind da viel vorsichtiger. Jedenfalls ist ein Status Quo eingetreten. Die rot-schwarze Koalition belauert die stachlige Festung, während diese weiterhin in katalytischer Starre verharrt. Dosi ebenso, er will erst mal abwarten, was passiert. Und es passiert – nichts.

Nach einigen reglosen Minuten verlieren die beiden Raubtiere das Interesse, da ist ja nichts zum jagen und zum spielen piekst es doch zu sehr. Miezka beginnt die Umgebung des Igelstandortes zu inspizieren und Mowgli kratzt an meinen Hosen. Er möchte wieder auf die Schulter. Ist mir recht, wir gehen nach hause.

Langsam entfernen wir uns vom Ort der nächtlichen Begegnung, als ein lautes Rascheln zu hören ist. Sofort ist Mowgli wieder von der Schulter runter und Miezka geht wieder in Lauerstellung. Aber das Objekt ihrer Neugier ist bereits wieder im Dunkel eines Gartens untergetaucht.

Nun gut, machen wir uns auf den Heimweg. Trotzdem schauen die beiden Fellnasen immer wieder in die Richtung, in die sich der Stachelpelz verdünnisiert hat. Zu gerne hätten sie wohl gewusst, was bei ihrer neuen Bekanntschaft so abgeht. Aber das Stachelalien ist und bleibt verschwunden.

Vielleicht werden die Miezen jetzt UFO-Forscher und melden das bei SETI. Wer kann das wissen?

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Foto: © The M (Nadine Kluth)/ http://www.pixelio.de

Autor: Mike
champicnac@yahoo.de

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Nilpferd Liebe
1, 23 Oktober, 2009, 5:39
Gespeichert unter: Lyrik

Warum ist es so leicht zu verstehen,
dass das Nilpferd nicht fliegen kann?

Warum ist es so schwer zu verstehen,
dass deine Liebe plötzlich enden kann?

Liegt es daran …
dass das Nilpferd nicht fliegen will,
ich aber weiter deine Liebe will?

Könnte dass Nilpferd fliegen,
wenn es wollte?

Kann ich dich einfach vergessen,
wenn ich es sollte?

Nilpferd

Foto: © speed_blondi (Karin Miersch) http://www.pixelio.de

Autor: Hanns Kronenberg
http://www.gedichte-garten.de

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Mind the Gap 6c
1, 23 Oktober, 2009, 5:33
Gespeichert unter: Menschen

Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 5″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 6“ unterteilt in 6a bis 6c.

stefanbayer_22

Illustration: © stefanbayer (Stefan Bayer)/ http://www.pixelio.de

22. Juli 2008

Es war super schön, obwohl das richtig gute Wetter diese Woche dran ist, es ist heiß in London und kann am Wochenende bis 30C klettern. Wir hatten uns in einem B&B in Ambleside eingebucht, das ist ein kleiner Ort am Lake Windermere, da war es ruhig und friedlich, mit grünen Bergen drumherum. Wir haben Lake Windermere und Coniston Water mit dem Ausflugsschiff getourt, etliche Gärten und Burgen besichtigt sowie Wordsworth und Beatrix Potter Respekt gezollt (mit Busladungen von Japanern). Coniston Water war wunderschön, friedlich und nicht überlaufen, wir haben uns auf dem Boot ausgestreckt und dem interessanten Kommentar über Campbell und seinen Geschwindigkeitsrekordversuch mit dem „Bluebird“ vor vielen Jahren zugehört – leider überschlug sich sein Boot und raste mit über 300 Meilen pro Stunde in die Tiefe. Die Leiche wurde erst viele Jahre später geborgen.

Und dann war da noch der Mann, der seine Frau umbrachte, sie aber nicht tief genug versenkte, so dass sie 7 Jahre später gefunden wurde. Es dauerte dann nochmal 25 Jahre, bis er des Mordes schuldig befunden wurde, aber jetzt sitzt er endlich. John war glücklich über das Lakeland Motor Museum (mit einer Bluebird Replika), und sogar ich fand das „Cars of the Stars“ Museum in Keswick interessant. Man sieht nicht alle Tage KITT von Knight Rider neben Batmobiles, dem Zurueck in die Zukunft DeLorean und Harry Potters Ford Anglia. Muncaster Castle war ganz toll, angeblich spukt es da, und ein Owl Centre gibt es auch. Das Beste war aber der South Lakes Wild Animal Park in Dalton-in-Furness, wo es neben Tigern, Löwen, Giraffen, Bären und Affen auch kleinere Tiere gab wie Känguruhs, Rehe und Lemuren – unglaublich goldige süße Tiere, die man mit Traubern füttern durfte, und die ich am liebsten mit nach Hause geschmuggelt hätte.

Beim Nachhausekommen haben wir festgestellt, dass während unserer Abwesenheit jemand alle Messinghausnummern und den Türgriff der Eingangshaustür gestohlen hat (vielen Dank auch), so dass ich am Montag erstmal die Hausverwaltung angerufen habe. Gott sei Dank haben wir jetzt neue Managing Agents, und die scheinen etwas mehr auf Zack zu sein als die vorigen, alle Fenster werden jetzt auch demnächst ausgetauscht, bevor sie die Feuchtigkeit ziehen wie letztes Jahr.

Der Manta ist immer noch nicht repariert (soll aber angeblich jetzt DEFINITIV nächste Woche fertig sein, wie oft habe ich das schon gehört), und die nächsten free previews habe ich auch schon wieder organisiert. Heute Abend waren wir in „Baby Mama“, das war total lustig.

Constanzes Nachfolgerin bleibt uns übrigens nicht erhalten, beide Seiten haben wohl endlich gemerkt, dass das nichts wird, und so wird sie uns spätestens zum Ende ihrer Probezeit verlassen – wir suchen also mal wieder.

24. Juli 2008
Meine Mutter schrieb mir folgendes zum Tuerklinkendiebstahl: „Auch wenn es kurios erscheint, der um sich greifende Metalldiebstahl in Großbritannien ist der Stuttgarter Zeitung heute einen Artikel auf der ersten Seite wert. Hintergrund sind die ungeheuer gestiegenen Metallpreise auf dem Weltmarkt (großer Bedarf in Indien und China). So werden nicht nur Stromkabel, Telefonleitungen, Gleise oder Zugsignale gestohlen, auch der königlichen Yacht Britannia fehlen zwei Ersatzpropeller, eine tonnenschwere Bronzeskulptur von Henry Moore vor dem Museum von Hertfordshire ist wohl längst eingeschmolzen, von einem Kriegerdenkmal in Plymouth wurden alle Gedenktafeln gestohlen und auf einem Friedhof von Swansea wurden sämtliche Wasserhähne, Kanaldeckel und Grabmalplaketten aus Metall entwendet. Da ist Eure Haustüre wohl nur ein kleines Zubrot. Man sollte die Eigentümer warnen, dass sie besser eine nichtmetallische Türklinke montieren, sonst ist sie vielleicht bald wieder weg.“

19. September 2008
Der Urlaub in Deutschland war sehr schön, wenn auch etwas anstrengend. Wir flogen von London City nach Frankfurt und stiegen für die erste Etappe in einen Zug nach Kaiserslautern, wo uns Susanne vom Bahnhof abholte. An dem Wochenende war in Kaiserslautern ein Musikfestival, so dass es überall in der Innenstadt Bühnen gab für die verschiedenen Musikrichtungen. Die „Opel Air Bühne“, gesponsert von Opel, hatte es John natürlich besonders angetan.

Susanne hatte uns für eine „Barbarossa-Tour“ angemeldet, durch die Katakomben unter der Stadt. Zuvor gab es einen Aperitif in kleinen Gläsern mit dem Stadtwappen drauf, John war ganz begeistert, als es hieß, dass wir die behalten durften. Wir haben an dem Wochenende noch eine Burg sowie den Zoo besucht und einen Abstecher nach Otterberg gemacht (sehr schöne Fachwerkhäuser). Sonntag Abend ging es dann schon weiter nach Köln zu Constanze, die am Montag ihren ersten Arbeitstag hatte. So haben wir uns am Montag 7 Stunden lang im Zoo verlustigt, der Kölner Zoo ist aber auch sehr schön, ich hätte den niedlichen Erdmännchen stundenlang zuschauen können!

Am Dienstag besuchten wir dann den Kölner Dom und das Schokoladenmuseum, bevor wir erschöpft zurückkehrten. Mittwoch Morgen ging es per Zug nach Biberach zu meiner Mutter, wo ich sowohl einen Friseurtermin sowie einen Augenarzttermin wahrnahm und jede Menge einkaufte. John kriegte im örtlichen Fachhandel ein Mantamodellauto, Größe 1:18 und war davon höchst begeistert.

Die Beantragung eines neuen Personalausweises hat leider nicht geklappt, weil ich ein wichtiges Dokument vergaß, das beweist, dass ich zwar in England wohnhaft bin, aber immer noch die deutsche Staatsbürgerschaft habe. Dann eben nächstes Jahr! In einem Restaurant bekam John ein Bierglas mit seinen Initialen drauf, worauf er prompt fragte, ob er es behalten kann. Wieder eins für die Sammlung! Am Freitag ging es dann zur letzten Anlaufstelle: Stuttgart. Ein Besuch des Auto & Technikmuseums in Sinsheim versetzte John in Hoechststimmung, aber auch ich war von den vielen Autos und Flugzeugen, inklusive Concorde beeindruckt. Dann fand er im Shop noch ein zweites Mantamodell, und obwohl er zu diesem Mantamodell in Biberach noch nein gesagt hatte, wollte er es jetzt auf einmal unbedingt haben, obwohl es hier 10 Euro mehr kostete. Typisch. Die Lindenstraßenforumler haben wir auch noch getroffen und sind am Sonntag in aller Gemütsruhe zum Flieger getuckert.

Der Rückflug von Frankfurt war ein Traum, wir hatten am Tag vorher online eingecheckt und mussten so nur noch das Gepäck abgeben, dann wurde beinahe mein Lesezeichen beschlagnahmt, da es spitz war und aus Metall, und ich habe herausgefunden, dass die Unmengen deutscher Zeitungen, die meine Chefs immer von Frankfurt mitbringen, kostenlos in der Lufthansa Lounge verteilt werden. That’s why! John hat herausgefunden, dass man im Flieger eine ganze Flasche Premium Pils kriegt, wenn man nach Bier fragt, während alle anderen Getränke in winzigen Plastikbecherportionen serviert werden. Der Blick über London mit Gherkin war atemberaubend, wir sollten wirklich öfter mal Lufthansa von City fliegen, es ist klasse! Man möchte gar nicht mehr zu den no-frills wie Ryanair zurueck.

Kaum zurückgekommen, ging die Bankenkrise los. „Meltdown Monday“ wurde gefolgt von „Terrible Tuesday“, und ich war dann doch froh, nicht bei Lehman Brothers zu arbeiten. Bei denen komme ich jedesmal vorbei, wenn ich zur Jubilee Line in Canary Wharf muss, das ist ein unheimlich schniekes Gebäude mit viel Glas und Marmor. Die City war natürlich in Aufruhr, London verliert nicht jeden Tag eine Bank mit 4,000 Mitarbeiten auf einen Schlag. Die Auswirkungen werden natürlich mannigfaltig sein, wenn Banker ihren Job verlieren, verlieren andere Geschäfte sie als Kunden. In dem Zusammenhang war ich doch recht amüsiert von dem Werbeblatt, das ich am Mittwoch per Post bekam (mit Poststempel Montag), in dem ein Immobilienmakler mit seinen Kunden warb: HSBC, Bank of America, Barclays, Lehman Brothers, Morgan Stanley, JP Morgan …

Die Wirtschaftskrise ist in vollem Schwung, HBOS wurde von Lloyds TSB geschluckt und die Fluggesellschaften fallen auch wie die Fliegen: XL Leisure ging pleite und Alitalia macht’s auch nicht mehr lange.

Es kann aber nicht alles Doom und Gloom sein, da Andrew Lloyd Webber den ehemaligen Lehman Brothers Angestellten kostenlose Karten für seine West End Shows angeboten hat – first come, first served und unter Vorlage eines P45 (das Dokument, das man bei Arbeitsende für die Steuer bekommt).

Folgendes Email macht gerade die Runde: “If you had purchased £1000 of Northern Rock shares one year ago it would now be worth £4.95, with HBOS, earlier this week your £1000 would have been worth £16.50, £1000 invested in XL Leisure would now be worth less than £5, but if you bought £1000 worth of Tennents Lager one year ago, drank it all, then took the empty cans to an aluminium re-cycling plant, you would get £214. So based on the above statistics the best current investment advice is to drink heavily and re-cycle”

Apropos Recycling, wir haben ja jetzt sogar vom Council einen braune Behälter mit kleinerem grauen Behälter geliefert bekommen für „Food Waste Recycling“. Man entsorge also Essensreste im grauen Behälter, der mit eine rosa Mülltüte ausgelegt ist, dann wird die rosa Mülltüte geknotet und in den braunen Behälter gelegt, der dann einmal wöchentlich vor die Haustür gestellt wird. Soweit so gut, außer dass am Mittwoch niemand den Behälter geleert hat, also gab’s einen Anruf beim Council, die eine Leerung innerhalb 24 Stunden versprachen. Es benötigte dann noch einen zweiten Anrufs gestern, da immer noch nichts geleert war – kein Wunder, dass die meisten Engländer das Recycling gar nicht erst anfangen!

War ja letzte Woche auch mal wieder beim Zahnarzt, nachdem ich den ursprünglichen Termin wegen Krankheit hatte verschieben müssen. Da stellte sich dann heraus, dass mein Zahnarzt (und ich darf in der Praxis keinen anderen sehen), nur Donnerstag nachmittags praktiziert (den Rest der Woche hält er wahrscheinlich in einer privaten Harley Street Klinik Hof), so dass der Termin um geschlagene 3 Wochen verschoben werden musste. Auf meine Klagen über Beschwerden mit einem Zahn wurde geröntgt und gereinigt, dann beschieden, dass zwei Zähne so aneinander lehnen, dass eine Lücke entsteht, aus der Essensreste schwer zu entfernen sind, daher manchmal der Ungemach. Aber Füllungen, die sowas beheben könnten, gibt’s nur privat und kosten wahrscheinlich bis zu £400. Ich solle halt ab und zu ein Mundwasser verwenden. Kostenpunkt fuer den Besuch: £51.20. Unglaublich.

Und der Manta – Ach Gott, der Manta. Wir hatten ja vor dem Urlaub noch eine Episode, wo der Mechaniker die Handbremse auswechseln wollte (ohne das geht die Karre nicht durch den TÜV!). Manta Mick sagte, er hätte eine rumliegen, also fuhr John mit dem Zug nach Birmingham, hängte sich bei Halt in Warwick Parkway aus dem Zug und ließ sich die Handbremse von Manta Micks Freundin rüberreichen, worauf es flott weiterging nach Brum. Das war am Freitag, am Samstag flogen wir nach Deutschland.

Nach der Rückkehr rief John am Montag den Mechaniker an. „Ja, wir finalisieren gerade nur noch ein paar Kleinigeiten.“ Also setzte sich John frohgemut in den Zug und holte die Karre ab – nach rund 10 Monaten. Über die Kosten breiten wir jetzt mal lieber den Mantel des Schweigens. Beim Nachhausekommen stellte er dann fest, dass die Karre Öl verlor. Da der Mechaniker in London jetzt sein Freund ist, hat die Reparatur auch fast nichts gekostet. Es veranlasste eine Nachbarin jedoch, mir folgende SMS zu schicken: „Meant to ask. Saw John at the garage the other day. Does that mean another problem with the car?”

Am Freitag wollte John dann zum Manta-Treffen, dass jeden dritten Freitag des Monats stattfindet. Er war kaum eine Stunde unterwegs, da kriegte ich eine SMS von ihm: „Have you ever felt like murdering someone?“ Uh-oh. Die Karre war an der Tankstelle einfach nicht mehr angesprungen. Hat er die AA rufen müssen, die eine Reparatur durchgeführt haben, John fuhr also frohgemut zum Manta-Treffen weiter, wo er mit den deutschen Mantamodellen angab. Auf der Rückfahrt, er war schon fast von der M25 runter, kommt ein Stau, er tritt auf die Bremse, und die Karre klinkt sich aus. Also wieder die AA – die ihn angesichts der fortgeschrittenen Stunde einfach nach Hause abgeschleppt hat. Der örtliche Mechaniker hat ihm dann heute fast für lau den ausstehenden Rest repariert, der Motor läuft jetzt, aber der Anlasser muss ersetzt werden, sonst springt der Wagen nur hin und wieder an. Aber das kriegen wir auch noch hin, in die örtlichen Mechaniker habe ich viel mehr Vertrauen als in den Deppen in Birmingham.

Wir sind schon wieder fleissig am Film Previews schauen, letzte Woche drei, diese Woche drei, nächste Woche drei. Eine davon ist Swing Vote mit Kevin Costner, was in der amerikanischen Botschaft gezeigt wird, wir haben schon ein Email bekommen mit Anweisungen zu den Sicherheitsmaßnahmen. Tropic Thunder mit Robert Downey Jr. kann ich übrigens wärmstens empfehlen, das ist urkomisch.

Habe gerade festgestellt, dass ich mittlerweile über 5 Jahre in London lebe!

27. Oktober 2008
Die Kreditkrise wird hier Credit Crunch genannt, und täglich überschlagen sich die Zeitungen mit neuen Meldungen ueber die Rezession: Angestellte werden entlassen, Restaurants gehen pleite, West End Theaterstuecke gehen früher zu Ende, Benzinpreise sinken aber Gaspreise gehen nach oben wie auch Lebensmittelpreise, die Bank of England senkt die Leitzinsen aber die Banken geben die Zinsen nicht weiter an die Hypothekenbesitzer, Immobilienmakler arbeiten für 0% Kommission …

Dafür kann man jetzt Superschnäppchen kriegen, da sich alle überschlagen, um ihre Ware an den Mann zu bringen. Ich habe gestern Abend Karten für Avenue Q (ein West End Musical gekauft) für £10 pro Karte, absolut unschlagbar, die Karten kosten sonst £51.50 + Buchungsgebühr. Und neulich sind wir in einem Pub in Canary Wharf umsonst verköstigt worden, da diese einen „free tasting of winter menu“ Abend veranstalteten. Dass noch keiner auf die Idee gekommen ist, „Credit Crunchies“ zu backen – die wären bestimmt ein Renner! Ich habe gerade noch einen Anteil von Johns Geld in einem 12-monatigen Bond mit 7,21% Zinsen versenkt, das ist allerdings selbst für hier unglaublich gut. Mein Bond wird leider erst im Januar reif, mal schauen, was dann die Angebote sind. Gott sei Dank hatten wir beide kein Geld in einer isländischen Bank versteckt.

Das London Film Festival war nichtsdestrotrotz gut besucht, die meisten Filme waren ausgebucht. Susanne kam am Donnerstag den 16.10. an, ich hatte mir 4 Tage freigenommen, und wir packten ein Theaterstück, einen London Walk, ein paar Abendessen, Sightseeing und viele Filme in die 5 Tage, die sie da war. Sie hatte etliche Filme gebucht und kam in ein paar andere mit dem Presseausweis hinein, ich habe „nur“ 5 Filme gesehen in der Zeit. „Riflemind“, das Theaterstück mit John Hannah hat mir gar nicht gefallen, kein Wunder, dass das nur noch diese Woche läuft anstatt bis Januar – wollte wohl keiner sehen.

Am Freitag sahen wir „Dean Spanley“, einen Film mit Sam Neill, Jeremy Northam und Peter O’Toole, die alle drei bei der Premiere waren und vor Beginn des Filmes kurz auf der Bühne ein paar Worte sagten. Der Film ist gut aber auch ein bisschen merkwürdig, es geht viel um Reinkarnation von einem Hund und Tokay-Wein.

Am Samstag waren wir auf eine Hochzeit eingeladen, aber da ich mir den Tag zuvor eine Erkältung eingefangen hatte, wahrscheinlich als Folge der Grippeimpfung am Montag davor, blieb ich zuhause und schaute mir am Nachmittag eine kostenlose Preview von „Sunshine Barry and the Disco Worms“ an – ein lustiger Zeichentrickfilm.

Am Sonntag ging es auf etliche Märkte, und Montag entwickelte sich zum Marathon-Filmtag, nachdem ich für uns alle Karten für „Hunger“ gewonnen hatte. Der Film wurde von eine TV-Firma gezeigt, die uns großzügig vorher mit Essen abfüllte (Frühlingsrollen, Samosas, Falafel, und ja, die Ironie von „Essen vor Hunger“ ging nicht an uns verloren!), aber ewig brauchte, bis sie den Einführungstake im Kasten hatten, und dann war das Kino so winzig, dass wir nur noch vorne Plätze bekamen – und ich hasse es, im Kino vorne zu sitzen. Der Film war dann auch ganz schrecklich.

Eine Bekannte, die auch da war, teilte uns dann mit, dass sie 4 Karten für „Ghost Town“ gewonnen habe, das am selben Tag um 18.45 Uhr im Paramount Pictures Studio nahe Piccadilly Circus gezeigt wurde. Wir sind also noch ein paar Stunden ins Tate Britain gegangen und haben uns dann wieder mit Gabriella getroffen. Auch diesmal wurden wir verköstigt, aber es war mehr die Chips und Nuesse-Variante. Dafür gab es unlimited Freibier, was John ganz toll fand, und der Film war dann auch richtig gut, in einem bequemen Kino mit viel Beinfreiheit.

Er endete um 20.20 Uhr , und fuer 20.30 Uhr hatten wir Karten für „Two Lovers“ am Leicester Square. Wir sind also rausgesaust und Susanne hinterher, die sich peinlicherweise in London besser auskennt als wir und uns mit ein paar shortcuts zielsicher bis vors Odeon West End führte, wo wir kartenwedelnd an Gwyneth Paltrow vorbeirannten, die sich gerade auf dem roten Teppich in Interviews mit Madonna solidarisch erklärte. Punkt 20.30 Uhr warfen wir uns in unsere Sitze, aber das Ganze ging dann erst eine Viertelstunde später los (was beim Film Festival üblich ist). Gwyneth hatte sich mittlerweile in Reihe 4 geschlichen und winkte von dort aus kurz allen zu. Sie nahm dann auch nach dem Film noch in einer Frage-und-Antwort Session teil, die wir leider nicht ganz verfolgen konnten, da wir den letzten Zug nach Hause erwischen wollten.

Am Dienstag flog Susanne wieder nach Hause und ich nutzte den Tag, um auszuschlafen und all die Zeitungen zu lesen, die sich angesammelt hatten (in den Film Festival Kinos liegt jeden Tag die Times aus, da die das Ganze sponsert, und im Tate Britain gab es den Observer umsonst). Jetzt hat mich das Büro wieder, es ist kalt draußen aber viel zu warm drinnen, da die Klimaanlage spinnt, und ich bin müde. Man gewöhnt sich so schnell ans Ausschlafen, dass das Frühaufstehenmüssen eine echte Tortur ist, vor allem, da gerade eh nicht viel los ist hier.

Der Manta läuft jetzt wieder prima, aber der Motor, den John hat einbauen lassen, ist leider nicht Standard für einen Manta, und die neue Versicherung, die er vor kurzem abgeschlossen hat, wollte alle möglichen Dokumente dazu sehen, wie auch die DVLA (Driver and Vehicle Licensing Agency – die englische Zulassungsstelle/das Zentralregister), die zuerst die AA zum Überprüfen schicken wollte (für schlappe £175), sich jetzt aber doch mit einem Schreiben des Mechanikers über Einbau und Motornummer zufriedengibt. „Red tape“ nennt man hier den überflüssigen Papierkram.

Gestern waren wir nochmal auf dem Film Festival, wir hatten Karten gewonnen für „The Secret of Moonacre“, einem Fantasyfilm mit Ioan Gruffudd, Natasha McElhone und Dakota Blue Richards. Tim Curry hatte auch eine Nebenrolle. Da es ein Galafilm war, war jeder Sitz mit einer Wasserflasche und einer Schokoladentafel bestückt (Green & Black’s, yummy!) Da der Film nicht ausverkauft war, sind wir am Schluss durch die leeren Reihen geschlichen und haben noch ein paar mehr Schokotafeln eingesammelt. 20 oder so … Man gönnt sich ja sonst nichts.

Autor: Beate
Beateher@yahoo.com

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Libellensommer
1, 22 Oktober, 2009, 5:15
Gespeichert unter: Lyrik

Schwirrend und schwingend
smaragd und karmin
wie Bernstein bei Nacht
filigrane Sonnenstrahlen
brechen durch Flügel
aus Pergament
achter’m Diek …
betört von Distelblüten
und wildem Löwenzahn
Schwingungen in
warmen Lüften am Darß

Libelle

Foto: © saguarofan (s.kunka) http://www.pixelio.de

Autor: Grit Vielhauer
http://www.gedichte-garten.de

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Mind the Gap 6b
1, 22 Oktober, 2009, 5:12
Gespeichert unter: Menschen

Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 5″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 6“ unterteilt in 6a bis 6c.

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Foto: © NermoTorek (Nermo Torek)/ http://www.pixelio.de

März 2008 – Fortsetzung
Am Ostermontag gingen meine Freundin und ich in „Afrika! Afrika!“ für das ich es tatsächlich geschafft hatte, noch einmal kostenlose Karten zu ergattern, und am Abend ging sie noch zu St. Pauls für den Evensong. Jetzt glaubt sie, dass London total erschwinglich ist …

Am nächsten Morgen ging ich wieder ins Büro und sie flog von City Airport zurück nach Hause. Am Abend hatten wir dann schon wieder eine preview, aber Drillbit Taylor kann ich wirklich nicht empfehlen, was für ein Schwachsinn. Wenigstens hatte ich es an dem Tag geschafft, mit Hilfe meines Passes Geld über den Schalter von meinem Konto abzuheben.

Kaum waren die Feiertage vorüber, fing sich John einen heftigen Husten ein. Ich sagte, er solle sich einen Hustensaft kaufen, also ging er zur Apotheke, aber der nette Apotheker meinte, da ginge er besser mal zum Arzt, das höre sich gar nicht gut an. Die Ärztin verschrieb ihm Penicillin, sagte aber, er solle noch einen Tag oder zwei warten, um zu sehen, ob es nicht von selber besser wird. Was es auch tat. Warum verschrieb sie ihm dann überhaupt Antibiotikahämmer?? Meine Freundin emailte dann auch, dass sie eine fette Erkältung hätte, sie hat es wohl noch schlimmer erwischt. Wenn sich auch keiner beim dem eisigen Wetter richtig einmummelt! Wir hatten wirklich jedes Wetter über Ostern, Sonne, Regen, Wind, Hagel, Schnee …

Dann gab es am nächsten Tag gleich noch mehr schlechte Neuigkeiten: Constanze, meine Kollegin und gute Freundin, hat beschlossen, Ende Juni nach Deutschland zurückzukehren. Im Büro weiß es noch keiner, das wird noch lustig, vor allem, da ein Kollege aus ihrer Abteilung auch am nächsten Freitag geht – der geht nach Israel zurück.

Lisa, temp, Freundin und Constanzes Mitbewohnerin, geht ja auch am Freitag, wird aber im April noch meine und Constanzes Urlaubsvertretung übernehmen. Wenigstens bleibt sie in London, aber eine neue Mitbewohnerin wird sie sich auch in ein paar Monaten suchen müssen. Mann, wird das öde werden im Büro ohne Constanzes Gelächter, das man im ganzen Stockwerk hören kann …

P.S. Der Manta ist immer noch in Reparatur.

9. April 2008
Letzten Sonntag hat es geschneit wie verrückt! Richtig große Flocken, und es blieb sogar liegen! Die Nachbarn haben prompt einen kleinen Schneemann auf der Dachterrasse errichtet. Mittlerweile ist es etwas wärmer geworden, obwohl nicht viel.

Wir haben Premierekarten für “Fool’s Gold” gewonnen, morgen Abend am Leicester Square , Matthew McConaughey und Kate Hudson haben ihre Teilnahme angesagt. Meinte die Dame, bei der ich die Karten abholen muss: “The dress code is ‘Gold’ (but don’t feel you have to go in gold if you don’t want to!)” Sagt John “You want me to wear a golden tie? Are you mad?”

Und der Manta, der “im Prinzip schon fertig ist, nur noch ein paar Kleinigkeiten”, wird wohl nicht mehr rechtzeitig vor unserem Urlaub fertig, da der Mechaniker, der es auch nicht fertigbringt, einen Kostenvoranschlag zu machen (“Hab ich dich jemals übers Ohr gehauen?”), nur ab und zu, wenn er Zeit hat, daran arbeitet. Dafür leiht er uns dann ein Auto für den Urlaub. Ich hoffe, er macht das kostenlos, sonst fließt Blut. Ist ja nicht unsere Schuld, dass er so langsam ist!

6. Juni 2008
Yorkshire war wunderschön, das Wetter war größtenteils gut, und wir haben unglaublich viel gesehen. Unser wunderhübsches B&B war in Thirsk, direkt gegenüber der alten Praxis von James Herriot (Der Doktor und das liebe Vieh), und hatte auch in jedem Zimmer eine Gesamtausgabe seiner Werke stehen. Fountains Abbey, Hall, Water Garden and Deer Park ist fantastisch, und Thorp Perrow Arboretum and Falconry ist auch sehr zu empfehlen.

Dann haben wir durch Zufall noch herausgefunden, dass “Heartbeat” in Goathland in den Yorkshire Moors gedreht wird, also haben wir dahin auch noch einen Ausflug gemacht und sind in einem hübschen Ort gelandet, dessen Hotel in der Serie das Aidenfields Arms Pub ist, was auch durch ein permanentes Schild an der Gebäudeseite sichtbar gemacht wird. Und Bernie Scripp’s Werkstatt mit den Autos aus den 60er Jahren steht genau gegenüber. Genial. Für das zweite Wochenende sind wir dann nach Scarborough an der Küste umgezogen, aber da hat es mir nicht so gefallen, es war ein typisches seaside resort, zugemüllt mit Bingohallen und Fish’n’chips Läden. Wir haben also den Ort selber links liegengelassen und sind die Kueste rauf- und runtergegondelt. Ein Hähepunkt war dann eine Wanderung von North Landing zum Leuchtturm am Flamborough Head, an den Felsen und bird spotters vorbei, die ganz wichtig mit ihren Ferngläsern Stellung bezogen hatten.

Die Woche danach fing dann schon wieder gut an, wir hatten Karten für eine preview von “Iron Man” für das Odeon Leicester Square gewonnen, das ueber 1600 Leute fasst und proppevoll war. Obwohl das ein Aktionfilm ist, fand ich ihn sehr gut, Robert Downey Jr. ist fantastisch in der Rolle, und am Schluss haben alle geklatscht. Kann ich also nur empfehlen!

Am Dienstag gingen wir dann in “God of Carnage”, ein Theaterstück mit Ralph Fiennes und Tamsin Greig, sehr gut gespielt. Susanne war ein paar Tage zu Besuch, und da ich da noch meine einmonatige kostenlose Mitgliedskarte von Taste London hatte, sind wir vorher zum Real Greek essen gegangen, wo dank der Karte alles die Hälfte gekostet hat.

Unser Mietvertrag läuft heute aus, wir haben einen neuen 12-monatigen Vertrag unterschrieben, aber die Miete sollte um £15 pro Woche hochgeschraubt werden. Daher habe ich also mit der Vermieterin am Telefon verhandelt und es tatsächlich geschafft, die Mieterhöhung herunterzuschrauben auf £10 pro Woche. Und einen Wasserzähler kriegen wir jetzt auch endlich, der spart uns nochmal £150 im Jahr. Ich verstehe ja, dass im momentanen “credit crunch” auch die mortgage Zinsen hochgegangen sind, aber unsere Sparzinsen sind heruntergegangen, so dass seine 6%-ige Erhöhung schon happig gewesen wäre. Und die Hauspreise fallen ja jetzt auch endlich mal.

“Where in the World is Osama Bin Laden?”, der neueste Dokufilm von Morgan Spurlock, kann ich empfehlen, auch “Caramel” ist sehr gut. “What Happens in Vegas” ist dafür schlimmster kommerzieller Kitsch, fürchterlich.

Am Samstag 18. Mai haben wir uns im Zug auf nach Brighton gemacht, da an dem Tag der London to Brighton Mini Run stattfand. Ein paar unserer Stuttgarter Freunde sind begeisterte Minifahrer und sind extra dafür ueber den Teich gegondelt. Es hat schon was, Hunderte von Minis aufgereiht am Brightoner Pier zu sehen, und noch dazu in strahlendem Sonnenschein. Und Haribo aus Deutschland mitgebracht zu kriegen.

Und dann bin ich doch glatt von einer Sekretärinnenzeitschrift zu einem Ducktours Event mit James Bond Thema eingeladen worden! Diese Ente ist ein amphibisches Fahrzeug, das sowohl zu Lande als auch zu Wasser fahren kann: http://www.londonducktours.co.uk/ Hinterher gab es sogar noch Canapes und Drinks in einer Bar. Es war klasse, aber das Fahrzeug war offen, so dass ich doch etwas fror.

Der Manta ist immer noch nicht repariert, kann man es glauben? Also mussten wir für Wales schon wieder ein Auto mieten. Llangollen ist in North Wales, direkt an der Grenze zu England, jeden Sommer wird dort das Musikfestival Eisteddfod veranstaltet. Der Ort hat sehr viel Charme, mitten durch fließen Stromschnellen, es gibt eine altmodische Zugstrecke mit dampfgetriebenen Zügen, und einen Kanal gibt es auch. Wir haben eine Tour mit dem narrow boat gemacht, das von einem Pferd gezogen wurde, und eine Tour mit einem motorisierten narrow boat, das uns über den Pontcysyllte Aquaduct fuhr. Sehr beeindruckend, und Gott sei Dank war an dem Tag schönes Wetter.

Wir hatten leider auch etwas Regen, und da wir die Snowdon Mountain Railway in Llanberis vorbestellen mussten, fiel dieser Ausflug leider auf genau den Tag, an dem die Sicht vom Berg gleich Null war. Der Zug sah aus wie ein Geisterzug, der aus dem Nebel auftaucht! Die Pen y Ffrith Bird Gardens kann ich sehr empfehlen, die waren wunderschön. Die Pen y Bryn Falconry ist dagegen eine Abzocke, an dem Tag, an dem wir dort vorfuhren, gab es nur ein paar Farmtiere und zwei Llamas zu besichtigen, aber “der Falkner ist heute nicht da”.

Wir hatten in zwei verschiedenen B&Bs gebucht, und wenn ich die beiden hätte zusammenlegen können, wäre es perfekt gewesen. Das erste hatte die bessere Lage zur Innenstadt (obwohl sehr ruhig), die besseren Betten und den größeren Fernseher, aber das zweite hatte größere Räume, ein angeschlossenes Badezimmer (en suite) und einen wunderbaren Blick auf grüne Berge und Castle Dinas Bran. Und Llangollen hat sich bei mir beliebt gemacht, als ich erfuhr, dass die öffentliche Bücherei kostenlosen Internetzugang gewährt. Leider war der Ort größtenteils Zebrastreifenfrei, so dass das Wechseln der Straßenseite doch mit etwas Risiko verbunden war! Aber dafür gab es ein Motor Museum , so dass John glücklich war.

Im Büro gibt es gerade einige Änderungen. Es wurde umgebaut und Pappwände niedergerissen, so dass ich nun in der Mitte eines Großraumbueros sitze, an einem kleineren Schreibtisch. We are not amused. Dafür kriege ich einen neuen Titel, ich bin jetzt eine Management PA. Einen neuen Server gibt es demnächst auch noch (der alte ist zu klein und langsam), und einen neuen allsinging-alldancing Kopierer/Drucker/Scanner für alle. Es wird sogar ein neuer einheitlicher Firmenschriftsatz eingeführt. Und dann kriege ich glatt ab nächste Woche wieder eine neue Kollegin, obwohl es eine Zeitlang hieß, “Sparmaßnahmen, und Sie kommen ja gut alleine zurecht, nicht wahr?” Bin ja mal gespannt, wie die Neue so drauf ist, die Nachfolgerin für Constanze (letzter Tag 19. Juni, schluchz) ist schon da, und die ist nicht so mein Fall. Gestern habe ich Constanzes Farewell-Karte unterschrieben, und konnte gar nicht mehr aufhören, zu schreiben. Ich werde sie so vermissen.

Der neue Mayor Boris Johnson hat als erste Amtshandlung ein Alkoholverbot in der tube ausgesprochen, das am 1. Juni in Kraft trat. Wie wir die Engländer ja inzwischen kennen, lassen diese sich nicht gerne ihre Freiheiten beschneiden, auch wenn sie sonst sowieso nicht in der tube trinken würden. Also wurden am Vorabend des Banns Parties in der Tube abgehalten, die auch ganz selbstverständlich ins Chaos ausarteten, mit Randale, Beschädigungen, Festnahmen und vielen Brummschädeln.

Dienstag abend waren wir in einer preview von “Gone Baby Gone” mit Casey Affleck, ich habe zwar seinen Bostoner Akzent kaum verstanden, aber der Film war sehr gut, wenn auch etwas verstörend. Und das kleine Mädchen sah aus with Madeleine McCann. Spooky.

Am Samstag wird im Hyde Park der “2. Red Bull Flugtag” abgehalten, und wir haben Freikarten ergattert: “At the beginning of this year, the Red Bull Flugtag team ran a nationwide advertising campaign seeking crazy showmen and Jackass wannabes with a desire to build a man-powered flying machine that could soar off a 6m high ramp. Hundreds sent their designs in but only the 41 best entrants earned themselves a pilot’s licence for the event. On June 7th, these crazy teams will head for the ramp where they’ll be judged on three criteria: the distance their machine flies, the creativity of the machine and the team’s pre-flight performance. Check out the finalists on the Teams page now and have a look at the Team Blog for the latest news and some cheeky team banter: www.redbullflugtag.co.uk”

Gestern abend ging es zu einer “City Showcase Classical night”, mal was anderes. Die Karten habe ich natürlich, wie soll es auch anders sein, gewonnen. Ich war mir zuerst nicht sicher, ob ich gehen soll, klassische Konzerte sind nicht so mein Fall, aber eine Freundin sagte dann folgendes:“I’ll go to absolutely anything me, even more so if it’s free. I have two mantras that I follow … Life is all about random experiences … and … when was the last time you did something for the first time?”

Es war gar nicht so schlecht, aber komischerweise haben mir die zwei Hauptakte nicht gefallen, das Klavierkonzert fand ich absolut langweilig. Die Musikstudenten danach fand ich alle sehr gut, aber der Opernsaenger am Schluss, großartig angekündigt, sang sein Nessun Dorma so laut, dass Lisa und ich uns nur entsetzt angeguckt haben. Sie flüsterte “Can we go?” und ich sagte “Yes, please!”

Aber macht ja nichts, war ja kostenlos. Gehe ich überhaupt noch irgendwo hin, wenn es was kostet? Doch ja. Wir haben Karten für Joe Fiennes’ neuestes Theaterstueck “2,000 Feet Away” am 28. Juni, Susanne kommt extra dafür für einen Tag herübergejettet, es leben die Billigflüge.

Ach ja, und vor ein paar Stunden haben sie eine riesige Bombe aus dem zweiten Weltkrieg „kontrolliert gesprengt“, die am Montag in Bromley-by-Bow in Ostlondon gefunden wurde – 10 DLR-Stationen von uns entfernt. John sagte, er hat die Explosion gehört, als er auf dem Weg war, mich von der Station abzuholen.

11. Juli 2008
Am 19. Juni hat Constanze uns also endgültig verlassen. Wir hatten einen schönen Abschiedsabend im Pub nebenan, sie war ganz gerührt von den vielen Geschenken und Karten, die sie von Kollegen bekam.

Den Office Sweepstake zur EM habe ich natürlich nicht gewonnen, aber Schweden kam ja auch nicht sehr weit. John hat mal wieder den Kopf geschüttelt, dass ich plötzlich jede Menge Fußballspiele sehe, und beim Halbfinalspiel Deutschland – Türkei kam es aus seinem Zimmer geschallt „Was quietscht Du denn immer so?“ Was soll ich machen, das war ein Krimi.

Die Stimmung im Lande ist zur Zeit etwas gedrückt, Lebensmittel, Energiepreise und Hypotheken werden teurer, während Hauspreise stetig fallen. Es wird von einer Rezession gemunkelt, und das Ganze hat den Fachbegriff „credit crunch“ erhalten, da Kredite in jeder Form jetzt schwerer zu erhalten sind, und die Leute den Gürtel enger schnallen müssen.

Wir werden wohl auch erst im September nach Deutschland kommen, das spart uns sozusagen einen teuren Urlaub, den wir stattdessen irgendwo anders gehabt hätten. Es heißt ja auch, dass viele Leute anstatt ins Ausland zu fliegen, jetzt lieber im Lande Urlaub machen – so billig ist das nun aber auch nicht.

Da lobe ich mir doch meine kostenlosen previews. Wir haben den neuen Narnia Film (Prince Caspian) für umsonst gesehen, sowie „The Visitor“. Für Sonntag haben wir Karten für den neuen Pixarfilm „Wall.E“, der jetzt schon hochgelobt wird. Und ja, da sind wir schon im Urlaub. Ich habe ein Kino in der Naehe des Lake Districts gefunden, das eine preview abhält, LOL. Mamma Mia muss ich mir auch noch anschauen, nachdem ich vergeblich versucht habe, Karten für die Premiere am Leicester Square zu bekommen. Das wäre was gewesen – Colin Firth, Pierce Brosnan, Meryl Streep …

Dafür habe ich neulich Joe Fiennes im Theater gesehen – ein äußerst merkwürdiges Stück im kleinsten Theater, das ich je gesehen habe. Es gab nur drei Reihen von unbequemem Bänken, und wo immer du saßt, du warst nie mehr als 3 Meter von den Schauspielern entfernt. Susanne hat es nur mit Ach und Krach zum Theater geschafft, ihr Flug hatte Verspätung und dann haben an dem Wochenende auch noch die tube und DLR verrückt gespielt.

Die DLR ist zurzeit total nervig. Es werden Arbeiten durchgeführt, um einen dritten Wagen an jeden Zug anzuhängen und viele Bahnsteige müssen deswegen verlängert werden. Tower Gateway ist bis auf weiteres total gesperrt, und alle Züge von Bank halten entweder in Crossharbour oder spätestens in Island Gardens, wo du umsteigen musst, wenn du über den Fluss nach Greenwich oder Lewisham willst.

Die Züge fahren auch nicht so oft jetzt, dafür stehen an jedem Bahnsteig mindestens 5 Uniformierte rum, die verwirrten Reisenden den richtigen Weg weisen sollen – in Wirklichkeit schreien sie nur in Footballhooligan-Lautstärke irgendwelche Anweisungen oder versuchen einen, in die Ersatzbusse zu schubsen. Aber so schlau, dass sie die Stände mit den METRO-Zeitungen an der Bushaltestelle aufstellen, sind sie nicht. Da hatte ich beinahe eine Auseinandersetzung mit einem DLR-Menschen, als die DLR nicht fuhr und ich trotzdem an seinem ausgestreckten Arm vorbei Richtung Station lief, da ich eine Zeitung wollte, bevor ich mich in den Bus quetschte. Und Bank station ist sowieso der Horror momentan, man kommt nur noch zum DLR-Bahnsteig, wenn man sich vorher durch den überfüllten Bahnsteig der Northern Line quetscht.

Seit 26. Juni gibt es in Greenwich ein tolles neues Riesenrad, das wird da bis 28. September stehen: http://www.greenwichwheel.com/ Da sind wir mit Susanne natürlich gleich drauf, und da das Riesenrad da erst 3 Tage alt war, standen noch nicht so viele Menschen an und wir bekamen unsere eigene Gondel, von der aus wir wie die Weltmeister den Fluss, Canary Wharf und Greenwich von oben fotografierten. Man kann unsere Strasse von da oben sehen! Leider gab es nur drei Umdrehungen, und nach 10 Minuten war die Fahrt vorbei – aber es lohnt sich. Danach gingen wir noch ins Tex-Mex Restaurant und hatten Kino geplant – Sex and the City mit kostenlosen Karten. Leider hat der Ersatzbus so lange gebraucht bis West India Quay, dass die Vorstellung ausverkauft war – an einem Samstagabend auch nicht unbedingt verwunderlich, aber trotzdem nervig. Sind wir halt noch einen trinken gegangen, es war warm genug.

Das gute Wetter hat leider nicht lange gehalten, seit Tagen ist es durchwachsen, und gestern hat es geschüttet wie verrückt. Und das Wetter fuer den Lake District sieht auch nicht gerade rosig aus. Aber egal, Urlaub ist Urlaub. Samstag Morgen geht es los – im Mietwagen. Fragt nicht!

*** Fortsetzung folgt ***

Autor: Beate
Beateher@yahoo.com

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