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Carlo und Diabolo
1, 2 Juli, 2009, 7:26
Gespeichert unter: Katzen

Carlo

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Es stimmt, ich hatte einige Katzen in Alexandria. Aber keine von denen ist mir geblieben, bis auf Carlo, der seinen Einzug in unsere Familie mit einer Strategie betrieben hatte, die einem Generalfeldmarschall in Nichts nach stand.

Es war der 26. November 1995. Susan und ich hatten Elke in Roushdy besucht und waren gegen 20 Uhr nach Hause ge-kommen. Es hatte zwar noch nicht viel geregnet, aber es war bereits windig und kühl, vor allem in der Nacht.

Seit wir wussten, dass wir im Mai nächsten Jahres zurück nach Berlin gehen würden, hatten wir beschlossen keine Katze mehr aufzunehmen. Der Verlust von Gershwin, der – während wir in Berlin waren – bei Elke gestorben war, lag uns noch immer zu sehr in den Knochen, und was hätten wir mit einer Katze gemacht, wenn wir nach Berlin gehen? Auch das hatten wir bereits einmal durchgemacht. Nein, danke …!

Nun gut, wir bogen langsam in unsere Straße und bremsten gefühlvoll vor unserem Haus ab – zum Glück sehr gefühlvoll – als ein kleines orangefarbenes Fellbündel vor unser Auto torkelte. Ich trat voll auf die Bremsen und kam unmittelbar vor dem kleinen Kätzchen zum Halten. Besorgt sprangen wir aus dem Wagen.

Der kleine Kerl saß noch immer vor dem Wagen und mauzte empört. Ohne Scheu ließ er sich von mir aufheben und auf die Motorhaube setzen. Selbstbewusst hockte er sich hin, sah mich an und teilte mir mit, dass er beschlossen hatte bei uns einzuziehen. Natürlich verstand ich ihn nicht, mein Arabisch war nach acht Jahren noch immer alles andere als perfekt, es war in diesem Falle auch nicht notwendig. Der kleine Kater hatte Susan und mich im Sturm erobert, nur durch einen gekonnten Augenaufschlag und selbstbewusstes Gebrüll.

Ich schätzte den kleinen Kerl auf etwa vier Wochen, und er hatte den Vorteil, dass er perfekt in die Tasche meiner Jacke passte. Susan und mir war klar, es gab kein Zurück mehr. Dieses kleine Katerchen gehörte jetzt zu uns. Die einzige Hürde die noch zu nehmen war, war mein Mann, aber ein ernstes Problem bedeutete dies eigentlich nicht.

Ahmed war nicht zu Hause, und so konnten wir das Katerchen, das sich scheinbar sehr wohl in meiner Jackentasche fühlte, unbe-merkt nach oben in Susans Zimmer bringen. Es fanden sich zwei kleine Schüsselchen in die wir Wasser und eine kleine Portion Fleisch mit gekochtem Reis füllten, und während er von dem Wasser noch etwas übrig ließ, verputzte er das Fressen aus der zweiten Schüssel ohne große Probleme. Jetzt mussten wir nur noch ein provisorisches Katzenklo finden. Der Deckel eines 10 Liter Waschpulvereimers, darauf eine ordentliche Portion Sand von dem es ausreichend vor unserer Haustür gab löste unser Problem, und der kleine Kerl lernte schnell und erledigte sein erstes Geschäft ohne viel Federlesen.

Wir beschlossen den Kater ein paar Tage vor Ahmed zu verbergen, was ohne Weiteres gelingen würde, da der obere Be-reich der Wohnung Susan gehörte und Ahmed es vermied dort aufzutauchen. In der Zeit in der Ahmed ins Bad gehen würde, um zu duschen, würde ich die Katze in Susans Zimmer verbergen.

Carlo lebte sich schnell bei uns ein. In räumlicher Isolation vom Herrn des Hauses gehalten, war er vom ersten Tag an sauber, mit einer Einschränkung, nachdem er sein Geschäft auf dem Plastikdeckel abgelegt hatte, scharrte er als ginge es um sein Leben. Entsprechend verteilte sich der Sand um das Örtchen herum. Auch heute noch ist Carlo ein Meister im Verscharren seiner Ausscheidungsprodukte, nur fliegen sie jetzt zusammen mit Klumpstreu im Badezimmer herum.

Doch der Tag kam, und wir mussten Ahmed und Carlo miteinander bekannt machen. Es musste ja nicht sein, dass Ahmed irgendwann in dunkler Nacht auf dem Weg zum WC über dieses kleine Fellbündel stürzte.

Die Re-aktion meines Mannes war voraussehbar gewesen. Ich wurde des totalen Wahnsinns be-zichtigt, was ich jedoch mit stoischer Ruhe ertrug, während sich Carlo auf Ahmeds riesige Füße stürzte.
„Und was passiert mit dem Tier wenn ihr nach Deutschland geht?“
„Na, was schon. Er kommt mit?!“

„Ihr habt ja ne Macke!“ lachte Herr El Hendy und tippte sich vielsagend an die Stirn. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ich die Emigration dieses Katerchens organisieren könnte, aber wie so oft im Leben, wenn ich gefordert wurde, lief ich zur Höchstform auf.

Drei Wochen später begleitete uns Carlo zu mei-ner Freundin Laila. Laila hatte einen Tierarzt ausfindig gemacht, der zwei Semester Kleintiermedizin in Deutschland studiert hatte. Dr. Samir Nouhr hat sich zum Hausbesuch angemeldet, um Lailas Katze zu untersuchen und war bereit sich auch Carlo anzusehen.

Ich hatte – ebenso wie Laila – einige schlechte Erfahrungen mit einem ägyptischen Tierarzt hinter mir und war natürlich heilfroh, dass sich jemand gefunden hatte, der wirklich Ahnung von Kleintiermedizin hatte.

Oh nein, das war 1995 in diesem Land gar nicht selbstverständlich.

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Carlo wurde untersucht, was ihm nicht allzu viel Freude bereitete, doch da musste er durch, ob er wollte oder nicht. Zum Glück wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dies erst der Anfang seiner Bekanntschaft mit Tierärzten und ihren Missetaten war.

Carlo entwickelte sich prima. Zum Glück gab es zu dieser Zeit das erste Trockenfutter für Katzen in Alexandria, wenn auch nur in Ramleh Station, so dass er im Gegensatz zu Gershwin mit katzengerechtem Futter versorgt werden konnte. Wenn es auch Katzenfutter gab, so war von Katzensteinen weit und breit nichts zu sehen, und es blieb uns nichts ande-res übrig, als ganz gewöhnlichen Sand zu nehmen, den es zum Glück überall in der Stadt auf den zahlreichen Baustellen zu finden gab. Es hatte nur den einen Nachteil, er war mit Flöhen vermengt, die nichts besseres zu tun hatten als sich auf den weitaus nahrhafteren Kater Carlo zu stürzen. Carlo hatte ein helles, orangefarbenes Fell mit schneeweißen Pfoten in denen die kleinen braunen, flinken Gesellen gut auszumachen, und wenn man entsprechend geschickt war – und das war ich nach sieben Jahren Katzenerfahrung in Ägypten – auch gut zu fangen waren. Katzenflöhe gehen zwar nicht auf Menschen, aber sie legen ihre Eier gerne im Teppich ihres Wirtshaushaltes ab, aber das erfuhr ich erst nachdem mein Mann 1996 nach einem längeren Deutschlandurlaub wieder nach Ägypten zurückkehrte und das Muster des Teppich zum Leben erweckt war. Es hatte einer intensiven Behandlung mit Pestiziden bedurft bis er endlich von den Parasiten befreit war, das gleiche galt für die Couch, doch wir entschlossen uns letztendlich doch dazu Teppich und Couch durch einen Neukauf zu ersetzen, zumal wir wohl nie wieder eine Katze in den ägyptischen Haushalt auf-nehmen würden.

Carlo entwickelte sich schnell zu einem lebhaften Kerlchen der aus unserer Familie nicht wegzudenken war, und nachdem wir einen fachkundigen Tierarzt gefunden hatten, sollte es auch kein Problem sein, ihn für die Übersiedlung nach Berlin fit zu machen.

Im April 1996 war es dann so weit. Ich musste mich um die nötigen Papiere und Impfungen für Carlo kümmern. Mein Mann hielt mich für nicht ganz zurechnungsfähig, als ich ihm meinen Plan mitteilte, und mir war klar, dass ich von ihm keinerlei finanzielle Unterstützung für meinen Aus- und Einwanderungsplan zu erwarten hatte. Das Geld für das Katzenfutter hatte ich ihm ja noch irgendwie abluchsen können, doch die Beträge für den Tierarzt konnte ich nicht mit irgendwelchen unvorhergesehenen Ausgaben begründen. Doch auch da hatte ich schnell eine Lösung gefunden.

Da ich meine gesamten, fast neunhundert Bücher nicht mit nach Deutschland zurücknehmen konnte, verkaufte ich sie an die deutschen Frauengruppe, und der Erlös daraus deckte gut und gerne die Kosten für Carlos Auswanderung.

Carlo benötigte einige Impfungen und gültige Auswanderungspapie-re der ägyptischen Behörde, immerhin war er ja ägyptischer Staatsbürger. Diese Papiere bekam man nur am Flughafen bei der zuständigen Zollbehörde. Da Ahmed sich vehement weigerte diese Fahrt mit mir zu unternehmen, verabredete ich mich mit Dr. Nour. Ich sollte ihn in Somoha, vor seiner Wohnung abholen, und auf der Fahrt zum Flughafen würde Carlo im Auto seine Impfungen bekommen. Die Organisation der Papiere würde Dr. Nour dann vor Ort übernehmen. Gesagt – getan!

Ich verabredete mich mit Dr. Nour, und verstaute Carlo in den Transportkäfig den mir Elke von ihrem letzten Deutschlandurlaub mitgebracht hatte. Dieses Behältnis war aus Kunststoff, und es bereitete Carlo keine große Anstrengung und Mühe ihn während der Fahrt auseinander zu nehmen. War mein Katerchen noch arglos, von Neugier getrieben freiwillig in den Käfig gekrochen so begann er augenblicklich, nachdem die Tür verschlossen war jämmerlich zu schreien.

Während ich die Küstenstraße entlang fuhr, begann Carlo mit der ganzen Kraft seiner Jugend an der Käfigtür zu ziehen und zu kratzen. Als ich auf die Horreyastreet bog hatte er es geschafft. Den Kopf voraus, mit lan-gem Hals schob er sich durch die Tür, die nur noch in einer Halterung hing, sprang auf meinen Schoß und rollte sich zufrieden schnurrend zusammen. Gott sei Dank hatte damit auch das schrille Gekeife ein Ende gefunden.

Wie verabredet und fast auf die Minute pünktlich stieg Dr. Nour in den Wagen. Lachend musterte er den genervten Kater auf meinem Schoß, und seine Gedanken leuchteten, deutlich sichtbar wie auf einem Leuchtband an seiner Stirn vor mir auf: So bescheuert können auch nur die Deutschen sein!!!

In wenigen Minuten erreichten wir den Flughafen von Alexandria: Noshar, passierten den wachhabenden Soldaten und fuhren, anders wie sonst, wenn ich nach Deutschland flog, am Parkplatz vorbei, über eine kurze Asphaltstraße, direkt auf eine einsam im Sand stehende Baracke zu mit der Aufschrift: Quarantäne.

Ich brauchte den Wagen nicht zu verlassen, zum Glück, denn Carlo hätte ich ganz sicher nicht noch einmal in sein Gefängnis bekommen. Ich grübelte bereits jetzt schon, wie ich Carlo später heil die 12 Etagen in unsere Wohnung bekäme.

Vom Auto aus beobachtete ich, dass auch hier das übliche Zeremoniell des Tee trinkens Gang und Gebe war. Der Offizier und Dr. Nour unterhielten sich angeregt, während die Papiere ausgefüllt wurden, die Gebührenmarke draufgepappt und die Stempel zu guter Letzt auf die Unterschriften geschmettert wurden. Die ganze Aktion dauerte etwa eine halbe Stunde, dann hielt ich meine offiziellen Ausreisepapiere für den ägyptischen Staatsbürger Kater Carlo in meinen Händen.

Bevor der Doktor sich vor seinem Haus bei mir verabschiedete gab er mir eine Ampulle, eine Spritze mit Kanüle und einen Zettel mit der Dosierung des Beruhigungsmittels, dass ich Carlo am Morgen unseres Fluges injizieren sollte. Ich hatte keine Bedenken dies höchstpersönlich zu tun, und Dr. Nour traute mir dies anscheinend zu, natürlich sehr erleichtert, nicht selber morgens um sieben Uhr bei uns auf-tauchen zu müssen.

Den Rest der Heimfahrt verbrachte Carlo weiterhin auf meinem Schoß. Zu Hause angekommen krallte ich mir den armen Kerl ohne viel Federlesens, stopfte ihn in den ramponierten Käfig und drückte ihn mir so unter den Arm, dass die Tür nicht aufgehen konnte.

Ich sehe noch heute den verwirrten Blick unseres Buabs (Hausmeister) als ich wie eine Furie an ihm auf den Fahrstuhl zuhetzte, während aus dem Korb unter meinem Arm schrilles, ohrenbetäubendes Gekreische zu hören war. Aufgeregt raffte Abdel Halim seine Gallabeya und kam hinter mir her, um mir die Fahrstuhl aufzuhalten.

„Madame! Ya Madame!“ rief er aufgeregt. „Eh de? Eh de?“ (Madame, was ist das?)
“Otta Carlo ! Malesh ! (Katze Carlo! Nicht schlimm!)“ lachte ich gequält und erntete einen un-gläubigen Blick! Schnell ließ Abdel Halim die Tür los. Heilfroh dem fragenden Blick zu entfliehen atmete ich erleichtert auf, als die Wohnungstür hinter mir ins Schloss knallte und Carlo aus seinem Gefängnis konnte.

Für den Rest des Tages verkroch sich das verwirrte und beleidigte Tier in der oberen Etage und erst der große Hunger ließ ihn wieder zum Vorschein kommen.

Am Sonntag, dem 9. Mai startete unser Flugzeug um 8 Uhr vom Alexandria Airport, so dass wir mindestens um 6 Uhr 30 am Flughafen sein mussten. Carlo hatte ich lange zuvor bei der Lufthansa angemeldet, also konnte eigentlich nichts mehr schief gehen.

Nachdem wir fertig angezogen waren, gefrühstückt hatten und die Koffer vor der Wohnungstür bereit standen, schlug Carlos Stunde. Den Transportkäfig hatten wir mit Draht repariert, mit Schnur an allen möglichen und unmöglichen Stellen verstärkt, so dass wir sicher sein konnten, dass Carlo ihn nicht wieder zerfetzen konnte, zumal er ja auch eine Betäubungsspritze bekommen würde.

Tja, die Spritze …!

Den Käfig hatten wir bis zur letzten Minute vor Carlo versteckt. Susan stand, von dem armen Kater unbemerkt mit dem Käfig bereit, als ich ihn packte, auf den Tisch setzte und ihm die vorbereitete Spritze völlig überraschend ins Nackenfell rammte. Ein empörter Schrei, ein vergeblicher Versuch mich zu beißen und schon schlug die Klappe hinter ihm zu. Auf dem Weg zum Fahrstuhl, im Fahrstuhl und im Foyer unseres Hause schrie er noch zum Gott erbarmen, doch bereits auf der hinteren Sitzbank im Auto, wurde das mauzen leiser, um dann völlig zu verstummen.

Meinem Mann war der Gang an den Wachsoldaten vorbei in die Flug-hafenhalle äußerst peinlich. War sonst unsere hochgewachsene Tochter immer das Objekt allgemeinen Interesses gewesen, so war es dieses Mal meine Person mit dem Kater im Käfig. Mich konnten die lachenden Soldaten in keiner Weise erschüttern. Ich war stolz, dass ich die Organisation geschafft hatte, und ob es stimmte, dass ganz Alexandria von der verrück-ten „Agnabeia (Ausländerin) mit der Katze“ sprach, oder nicht, war mir mehr als „wurscht“!

Der Chef der Lufthansagentur in Alexandria stand am Schalter. Sofort als er uns kommen sah eilte er auf mich zu. „Guten Morgen, Frau El Hendy!“ begrüßte er mich und nahm den Käfig an sich. Er hob ihn ein paar mal auf und nieder, strahlte mich an und meinte: „Sind Sie einverstanden, 3 Kilo? 50 (ägypt.) Pfund (12,- DM)?!“

Natürlich war ich einverstanden. Erleichtert nickte ich bejahend. Ich hatte mich bereits vorher entschieden Carlo bis Berlin durch zu checken, da es kein Vergnügen sein konnte, bei einer eventuell voll besetzten Maschine den Käfig vier Stunden auf dem Schoß halten zu müssen und das Gejaule meines Katers zu ertragen. Ich muss zugeben, da war ich dann doch ein wenig feige, aber gerade deswegen hatte ich die teurere Lufthansa für den Flug nach Berlin gewählt. Bei dieser Fluggesellschaft konnte ich sicher sein, meinen Kater wohlbehalten in Berlin in Empfang zu nehmen und nicht tief gefroren …!

Der Flug war unproblematisch. Wir kamen pünktlich in Frankfurt und machten uns voll freudiger Erwartung, unsere tollen Einreisepapiere bei der Zollkontrollen in Frankfurt zeigen zu können auf den Weg zum Weiterflug nach Berlin. Ach wie verwundert waren wir, als uns kein Bundesdeutscher Zollbeamter nach den Papieren unseres Katers fragte. Woher sollten die gewissenhaften Menschen auch wissen, dass wir ein Tier mit uns führten …? Auf den Tickets war jedenfalls kein Vermerk. Na, dann eben nicht.

In Berlin warteten wir am Gepäckband auf unsere Koffer. Während Susan auf die Koffer achtete, die über das Band trudelten, ließ ich meinen Blick nicht vom Lastenfahrstuhl in dem mein Kater zu uns gebracht werden sollte. Erst kamen zwei riesigen Boxen mit zwei Doggen, dann noch ein paar große Gepäckstücke, und ich spürte bereits Panik aufkommen, dass Carlo vielleicht noch in Frankfurt stand, oder noch schlimmer, bereits in Alexandria vergessen wurde! Aber nein, endlich öffnete sich die Fahrstuhltür ein weiteres Mal und ein freundlicher Mensch drückte mir den Käfig in die Hand. Im Käfig hockte, noch immer völlig benebelt, aber wohlbehalten Kater Carlo. Nicht mal einen noch so zaghaften Mauzer gab er von sich. Es dauerte noch ein paar Stunden bis er sich in der Wohnung, die uns meine Freundin Darena besorgt hatte, langsam aber vorsichtig umschaute.

Carlo lebte sich sehr schnell in der neuen Wohnung, in der Hechelstraße ein und war der ungekrönte König, bis ich das Gefühl hatte, er langweile sich, während ich den halben Tag auf Arbeit war. Also besorgte ich über eine frühere Bekannte beim Berliner Katzenschutzbund einen Kumpel für Carlo.

Diabolo

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Diabolo, ein frecher, aber lieber Respekt- und furchtloser Kater, der sein neues Zuhause ohne Carlo zu beachten sofort inspizierte. Beleidigt verzog sich Carlo unter die Essecke und kam den ganzen Tag nicht mehr darunter vor. Erst nachdem ich mindestens zwei Stunden ebenfalls unter der Essecke gelegen hatte und ihm ständig voller Inbrunst klar gemacht hatte, dass er weiterhin der King und Pascha sei, kam er zum Vorschein, fauchte den neuen Mitbewohner wütend an, scheuchte ihn durch alle Räume der Wohnung und fand sofort Gefallen an diesem Spiel.

Seit diesem Tag herrscht Burgfrieden zwischen den beiden, wenn auch nicht gerade die große Liebe. Carlo wurde von Diabolo respektiert und sollte Diabolo einmal aus Versehen einen bevorzugten Platz von Carlo eingenommen haben, so brauchte Carlo ihn nur scharf ansehen und schon verschwand er – wenn auch mit einem empörten Mauzen – und überließ dem Pascha seinen Platz.

Natürlich musste Carlo auch den Prozess des Kastrierens durchmachen. Nach den negativen Erfahrungen in Ägypten hatte ich mir vorgenommen diese OP in Deutschland machen zu lassen. Auch das überstand er ohne große Probleme. Allerdings hat er seit dieser Zeit die Macke, nie wieder in einen Katzentragekäfig zu gehen. Er brauchte nur eine Tasche oder ähnliches zu sehen, so war er im Schrank verschwunden und mit nichts wieder hervor zu locken, während Diabolo mit wahrer Begeisterung in jedes Behältnis kroch, egal ob Papierkorb, Plastiktüte oder Waschmaschine.

Immer wenn es an der Wohnungstür klingelte verschwand Carlo im Kleiderschrank und kam nicht heraus, bevor der Besuch gegangen war. Mein Mann und ich hatten oft überlegt, warum dies so war, bis mein Mann eines Tages ganz trocken be-merkte, er wisse jetzt, warum Carlo das tat.
Ich wartete gespannt auf seine Erklärung. „Der Junge hat keine Aufenthaltserlaubnis! Der hat Angst er wird abgeschoben!“
So wird’s wohl sein.

Übrigens, die ganze Zeit über während ich diese Geschichte schreibe, sitzt Carlo neben der Tastatur des Computers und schläft. Früher, bei meinem ersten Computer saß er immer auf dem alten Monitor und ließ die Pfoten über dem Bildschirm hängen. Als er dies jedoch bei dem neuen Monitor versuchte und ständig nach hinten rutsch-te, verlegte er seinen Lieblingsplatz neben die Tastatur ohne jemals die Tasten zu berühren.

Vor einer Woche ist mein Mann wieder nach Ägypten geflogen, um alles für unseren Urlaub in diesem Jahr Ende September vorzubereiten und Carlo und Diabolo zeigten enor-mes Interesse an seinem Koffer.
„Na mein Freund!“ wandte sich mein Mann an seinen Landsmann, obwohl er sonst eher selten mit Carlo sprach. „Willst mitkommen, was?! Hast Heimweh, alter Kumpel nach Ägypten?!“

Das glaubte ich jedoch nicht, behielt aber meine Meinung lieber für mich. Wenn Carlo sich damals nicht vor unser Auto geworfen hätte, wäre er wohl schon längst im ägyptischen Katzenhimmel.

Übrigens, Carlo äußerte sich zu der Annahme meines Mannes ebenfalls nicht, legte lediglich den Kopf auf die Pfoten und döste mit halb offenen Augen vor sich hin …

Nachtrag:

Ende 2006 erbrach Carlo häufiger, fraß nur noch wenig und schlief sehr viel. Ich brachte sein Verhalten mit seinem oberen, rechten ge-schwollenen Reißzahn in Zusammenhang und beschloss mit ihm zum Tierarzt zu gehen. Ich konnte ihn nur in die Tragetasche bekommen, indem ich mir vom Tierarzt eine Beruhigungstablette geben ließ, diese auflöste und ihm mittels Überraschungseffekt einflößte. In der Tier-klinik wurde ihm Blut abgenommen, er wurde geröntgt, aber die Werte waren in Ordnung. Auch der Wert auf FIP war negativ, doch das hieß nicht, dass er kein FIP hätte. Der Tierarzt erklärte mir, dass man um einen exakten Befund zu bekommen eine Leberbiopsie machen müsste. Da Carlo jedoch bereits sehr abgemagert und geschwächt war, und auf Grund sei-nes Alters, er war jetzt 11 Jahre alt, wurde er eingeschläfert.

Der Tierarzt erklärte mir noch, dass Carlo, da er in Ägypten auf der Straße geboren wurde, diesen Virus sicher schon über seine Mutter mitbekommen habe, und dass FIP nicht ausbrechen muss, es aber unter Stress, oder bei einer anderen Erkrankung, wie zum Beispiel einem entzündeten Zahn zu einer akuten Erkrankung kommen kann. Ich brauche keinem Menschen, der selber schon ein Tier verloren hat, beschreiben wie ich mich gefühlt habe!

Ein paar Monate später, ich hatte Diabolo bei einem Katzensitter untergebracht, da ich von Januar bis März 2007 nach Ägypten reiste, wurde er dort von deren Kater so stark attackiert und in den Nacken gebissen, dass er trotz schneller 1. Hilfe starb. Zwei Wochen später ist der ‘Mörder’ von Dia-bolo zusammengebrochen, und einen Tag später ebenfalls verstorben. Es stellte sich heraus, dass er Krebs hatte und wahrscheinlich auf Grund von starken Schmerzen, oder sogar Metastasen so aggressiv reagiert hatte.

Jetzt gibt es wieder einen neuen Kater in meinem leben. Seit dem 24.5.2009 lebt Klopfer bei mir. Ihn habe ich aus dem Tierheim ge-holt und er hat auf Grund eines früheren Unfalls eine kleine Behinderung und humpelt, ist aber ansonsten sehr verspielt und aktiv.

Autor: Gabriele El Hendy
gabi@elhendy.de

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