Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Hochmoor
1, 1 Juli, 2009, 1:31
Gespeichert unter: Rosmaringo

Das Torfmoos wuchert, stickt die Bäume,
Es häuft sich auf in tausend Lagen.
Die Wölbung lässt nur kleine Räume
Für Senken, die noch Wasser tragen.

Erst Öde, schleierhaft verhangen,
Nur kurz, dann siegen Farbpaletten.
Das Blaugrün spielt mit Goldgelb fangen
Und Wollgras bildet weiße Betten.

Der Sonnentau streckt Drüsenhaare,
Das Riedgras kuschelt sich zu Seggen.
Der Birkhahn steppt und Entenpaare
Beginnen, laut den Tag zu wecken.

Der Bekassine Kratzgesänge
Verhallen trudelnd in der Bläue.
Vorbei der Eindruck klammer Enge,
Zu Freunden zählt das Moor jetzt neue.

Hochmoor

Foto: © slicer / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Ähnlich ist nicht gleich
1, 1 Juli, 2009, 8:43
Gespeichert unter: Rosmaringo

Das Taubenschwänzchen setzt sich nie,
Ganz ähnlich einem Kolibri,
Auf Nektarquellen in der Wiese,
Es schwirrt im Stehflug nur um diese.

Beim Trinken gleicht es ebenso
Dem Vogelzwerg aus Idaho.
Ein Saugrohr, fast in Körperlänge,
Erreicht des Blütengrundes Enge.

Das alles wäre ja kein Ding,
Doch wähnt sich dieser Schmetterling
Verwandt mit Drossel oder Ammer.
Insektenkundlich wohl ein Jammer.

Taubenschwanzch

Foto: © des_michel / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Die Geschichte von Wollad und Bint
1, 1 Juli, 2009, 6:22
Gespeichert unter: Katzen

November 1989

Die erste Zeit als wir in Ägypten waren hatte ich noch keine neuen Freunde gefunden und war tagsüber oft alleine zu Hause. Wir wohnten in einer Wohnung in der 1. Etage, und so blieb es nicht aus, dass sich ab und zu eine wild lebende Katze von der Straße vor unsere Wohnungstür Tür verirrte.

Eine dieser Katzen war eine hochschwangere weiße Katze, die ich natürlich fütterte. Bald ließ ich sie in die Wohnung und fütterte sie in der Küche. Nach und nach, und mit viel Geduld schaffte ich es, dass sie sich von mir streicheln ließ. Ich erzählte nur meiner Tochter von ihr, und an einem schulfreien Sonntag konnte Susan sie das erste Mal bewundern.

Dann blieb die Katze ein paar Tage verschwunden , und ich befürchtete, sie sei von einem Auto überfahren. Eines Tages jedoch saß sie wieder mauzend vor der Tür und es war deutlich zu sehen, dass sie ihre Jungen geboren hatte.

Sie kam wieder regelmäßig zum Fressen und nach ein paar Wochen sah ich sie vor unserem Haus mit ihren Jungen. Ein schwarz-weißes und ein schneeweißes, beide quicklebendig und wohlgenährt. Na ja, kein Wunder, so wie die Mutter von mir gefüttert wurde.

Irgendwann brachte sie dann ihre beiden Jungen mit zu mir, und sie nahmen zu dritt die Küche in Beschlag, die beiden Jungen ließen sich jedoch nie von mir anfassen. Die Kleinen wurden größer, und eines Tages, nachdem ich die drei längere Zeit nicht gesehen hatte, saßen die beiden Jungen ohne ihre Mutter vor der Tür. Völlig verdreckt und abgemagert. Sie stürzten sich auf das Fressen, ließen sich aber weiterhin nicht anfassen. Inzwischen wusste ich, dass die schwarz-weiße ein Kater und die weiße eine Katze war, und sie bekamen von mir die arabischen Namen Wollad(Junge) und Bint(Mädchen).

Wollad_und_Bint_003

Einige Zeit kamen sie regelmäßig zu zweit, dann kam nur noch die weiße. Ich hatte viel Zeit Vormittags, und so begann ich mit viel Geduld die weiße an mich zu gewöhnen, und schaffte es, dass sie sich von mir streicheln ließ und sogar von alleine zu mir kam, um mit mir zu schmusen. Sie blieb manchmal bis zu zwei Stunden, verlangte dann aber immer wieder zu gehen. Das auffallendste an Bint waren die beiden verschieden farbigen Augen, eines war hellblau, eines grün.

Dann kam die Zeit, als Bint das erste Mal rollig war, und bald darauf stellte ich fest, sie war schwanger. Der Bauch wurde immer runder, und Bint kam jeden Tag und ruhte sich stundenlang bei uns aus. Inzwischen hatte auch mein Mann sie kennen gelernt. Er meinte, ich hätte eine Macke was Katzen anbetraf, aber was soll’s, es gab Schlimmeres, und das sah auch mein Mann ein.

4. Mai 1990

Eines Tages, Susan und ich wollten gerade die Wohnung verlassen, huschte Bint durch die offene Wohnungstür und strich unruhig und laut miauend durch alle Zimmer. Ich ahnte, dass sie einen Platz für eine ungestörte Entbindung suchte. Da wir aber in sechs Wochen unseren alljährlichen Sommerurlub antreten würden, wollte ich nicht, dass Bint ihre Jungen bei uns auf die Welt bringt und sich zu sehr an uns gewöhnte. Als wir die Wohnung verließen nahmen wir sie mit raus und ließen sie im Treppenhaus zurück. Wenige Stunden später, als wir zurück kamen war Bint nirgends zu sehen. Wahrscheinlich hatte sie einen ruhigen Platz im Haus oder im Hof gefunden.

Katzen_006

Gerade hatten wir es uns bequem gemacht, als ich vor der Wohnungstür ein lautes Miauen hörte. Susan und ich sahen uns an. Ich wollte nicht aufmachen! Bint miaute noch einmal laut und durchdringend. Gut, lenkte ich unter Susans flehendem Blick ein, ich stelle ihr das Futter und was zu trinken vor die Tür.

Susan und ich öffneten gemeinsam die Tür und blieben wie vom Donner gerührt stehen. Vor uns auf der Matte saß Bint, im Maul ein kleines, gerade geborenes schneeweißes Kätzchen. Sie nutzte den Moment unserer Überraschung und flitzte an uns vorbei, direkt in die Küche. Wir mussten nicht eine Sekunde überlegen. Ich bat Susan ein paar saubere Küchenhandtücher aus dem Schrank zu holen, griff nach einem großen Pappkarton, der vom letzten Einkauf noch in der Ecke stand, baute ihn auf und polsterte ihn mit den Handtüchern aus. Sofort legte Bint ihr Junges dort herein, legte sich selber auf die Seite und brachte innerhalb der nächsten halben Stunde noch drei weitere schneeweiße Kätzchen zur Welt.

Mein Mann, der in der Zwischenzeit nach Hause gekommen war, setzte sich zu uns auf den harten Küchenboden, und gemeinsam beobachteten wir mit feuchten Augen vor Rührung die Geburt dieser kleinen Kätzchen. Bint hatte solch tiefes Vertrauen zu uns, dass sie sich durch uns nicht stören ließ und wir auch ihre Jungen, nachdem sie sie trocken geputzt hatte, sachte streicheln durften.

Die ersten beiden Tage blieb Bint bei ihren Jungen, dann verlangte sie das erste Mal nach draußen, kam aber nach wenigen Minuten zurück. Nur wenn sie ihr Geschäft verrichten musste verließ sie in den nächsten beiden Wochen die Wohnung und kam jedes Mal schnell zurück.

Nach zwei Wochen, die Kleinen begannen langsam rege zu werden und die Äuglein gingen nach und nach auf, als Bint eines Tages nicht wieder von ihrem Aussgang zurück kam. Wir riefen sie, suchten sie, aber es gab keine Spur von ihr. Die ganze Nacht überlegte ich, wie ich die vier Kleinen versorgen könnte. Es war das Jahr 1989, und in Ägypten gab es keine Möglichkeit, weder von der tierärztlichen Versorgung noch von der Ernährung her, vier zwei Wochen alte Kätzchen künstlich zu ernähren. Ich war der Verzweiflung nahe und sah die Kleinen schon verhungert und tot in ihrem Karton liegen.

Am nächsten Morgen saßen Susan und ich niedergeschlagen und wortlos am Frühstückstisch, als wir vor der Tür ein heiseres, krächzendes miauen hörten. Wir sprangen hoch, rissen die Tür auf und an uns vorbei flitzte eine völlig verschmutzte Bint in die Küche zu ihren Kindern. Wir hockten uns zu ihr, und sie unterbrach kurz die Massage ihrer Kinder und klagte uns mit heiserer Stimme ihr Leid.

Wir vermuteten, dass sie in eines der zahlreichen Garagengeschäfte spaziert war, und der Besitzer hatte sie nicht bemerkt, bei Geschäftsschluss die Rollläden herunter gelassen und Bint ungewollt eingeschlossen. Diese hatte wohl die ganze Nacht nach ihren Kindern gerufen, und versucht aus dem Gefängnis zu entkommen. Erst am Morgen, als der Geschäftsinhaber wieder die Rollläden hochgezogen hatte, konnte sie zu uns und zu ihren Kindern kommen.

Die Kleinen entwickelten sich prima. Sie wurden größer und munterer, nahmen die ganze Wohnung in Beschlag, und tollten vollkommen sorglos miteinander. Aber unser Abreisetag rückte immer näher, und wir mussten uns etwas einfallen lassen. Wir wollten die Kleinen auf keinen Fall weg geben, sondern uns erst Gedanken machen, wenn wir aus Berlin zurück waren. Doch wohin mit ihnen in diesen drei Monaten? Selbst mein Mann machte sich Sorgen um die Rasselbande, doch er selber traute es sich nicht zu, sich um sie zu kümmern, zumal er vier Wochen später nach Berlin kommen wollte. Es kam Rettung, Feya, die erste Frau meines Mannes war bereit sich um die Katzenfamilie zu kümmern.

1. Juni 1990

Erleichtert machten wir uns einen Tag vor unserer Abreise daran, die ganze Familie in einer großen geräumigen Reisetasche zu verstauen, um sie in Feyas Wohnung zu transportieren. Genau in dem Moment als wir Bint in der Tasche hatten, klingelte es an der Wohnungstür und Bint erschrak sich so heftig, dass sie mit einem Riesensatz aus der Tasche sprang und wir es nicht mehr schafften, sie erneut darin zu verstauen. Ich habe dem Freund meines Mannes bis heute nicht verziehen, dass er uns genau in diesem Augenblick besuchen kam, obwohl er ja gar nichts dafür konnte.

Leider blieb uns nichts anderes übrig als Bint mitsamt dem bequemen Karton und ihren Kindern in unserem Treppenhaus auszusetzen. Mein Mann gab dem Hausmeister den Auftrag, verbunden mit einer Geldsumme, die Katzen zu füttern, dann mussten wir uns beeilen den Flughafen und unser Flugzeug zu erreichen.

Als wir drei Monate später nach Alexandria zurück kamen, war weder von Bint noch von ihren Kindern etwas zu sehen. Sie waren spurlos verschwunden, und wir machten uns schwere Vorwürfe. Aber was hätten wir tun können? Die wenigen ausländischen Freunde, die wir fragen konnten, wollten selber die Sommermonate über Alexandria verlassen, und Ägypter hätten sich nie und nimmer verantwortungsvoll um fünf Katzen gekümmert.

Ein Jahr nachdem wir Bint mit ihren Kindern verlassen hatten, hatten Susan und ich ein merkwürdiges Erlebnis. Wir kamen vom Einkaufen und ließen die Wohnungstür offen, da wir nochmals zum Auto gehen mussten. Wir stellten die Tüten in der Küche ab, als wir plötzlich ein lautes tiefes miauen hörten. Erschrocken gingen wir ins Wohnzimmer und standen einer großen weißen Katze gegenüber. Um den Hals trug sie ein locker gebundenes rotes Band mit einer Schleife, und sie war gut genährt, und ihr Fell war schneeweiß und glänzte, als würde es täglich gebürstet.

Ruhig und gelassen, mit einer Spur von Arroganz starrte uns die Katze aus einem grünen und einem hellblauen Auge an. Während wir noch wie vom Donner gerührt stocksteif da standen ging die Katze mit geschmeidigen Schritten langsam durch alle Räume der Wohnung. Wortlos, wie hypnotisiert folgten wir ihr, doch sie ließ sich durch uns nicht irritieren und machte ohne Unterbrechung ihre Runde durch die Wohnung und ging zurück ins Wohnzimmer. Inzwischen hatten wir sehen können, dass es ein Kater war.

Vor der immer noch offenen Wohnungstür blieb die Katze stehen und drehte nur den Kopf zu uns um. Sie sah uns lange an, dann gab sie ein tiefes kurzen mauzen von sich und verließ die Wohnung mit gemessenen Schritten. Wir waren so verdutzt, dass wir nicht darauf achteten wohin sie ging, und als wir endlich reagieren konnten und ins Treppenhaus liefen, war sie verschwunden.

Susan und ich waren und sind noch heute sicher, dass es einer von Bints Jungen war. Ein Bewohner des Hauses muss den Kater aufgenommen und sich sehr gut um das Tier gekümmert haben.

Ich habe bis heute den Klang des Mauzens vor dem Verlassen der Wohnung nicht vergessen. Es war, als ob sich der Kater erinnert hatte und sich bei uns für alles bedanken wollte.

Autor: Gabriele El Hendy
gabi@elhendy.de

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