Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Die Dame im Kurpark
1, 30 März, 2009, 6:37
Gespeichert unter: Rosmaringo

Die Dame sitzt, in Stein gehauen,
Im Kurpark, eher nackt, und friert.
Trotz Steinmetzzwang nach rechts zu schauen,
Bemerkt man, dass sie sich geniert.

Ihr Lächeln wirkt leicht eingefroren,
Wie Mona Lisas Lippenschwung
Und Taubenkot klebt an den Ohren,
Die rechte Brust ziert Spatzendung.

Man müsst den Künstler herzitieren,
Mit Hut und Mantel gäb’s das nicht.
Kein Schmutz würd je die Haut berühren,
Die Dame wäre vogeldicht.

statue

Foto: © schoefli (Barbara Frolik) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Warum heißt der Damhirsch Damhirsch?
1, 30 März, 2009, 6:35
Gespeichert unter: Rosmaringo

Der Damhirsch schwitzt, er rätselt nämlich,
Wie er zu dem Namen kam.
Von Dame, Damm, am End von dämlich?
Herrgott Sepp, was heißt denn Dam?

Zum Daumen sagt man Dam zuweilen,
Mundart, wo man südlich spricht.
Damaskus ist nicht aufzuteilen,
Wäre auch gedanklich schlicht.

Auch Damokles wär allzu kindlich.
Scheint weit hergeholt zu sein.
Bei Dampf, da stört das pf empfindlich,
So fällt ihm nur mehr damisch ein.

Nun, damisch ist der Hirsch vom Grübeln
Über seines namens Born.
Doch hätte mehr an solchen Übeln
Wohl das Rentier um die Ohr’n.

damhirsch-02

Foto: © josupewo / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Warum das Pfauenauge Pfauenauge heißt
1, 30 März, 2009, 6:33
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Ein Schmetterling, gar wunderschön,
Mit Tupfen, Augen gleich, am Rande,
Der konnt’ die Umwelt nicht versteh’n,
Man rief ihn Hühneraug, welch Schande.

Man weiß, wo dieses Auge sitzt,
Es wuchert zwischen Wohlduftzehen.
Mit einem Wort, es klingt verschwitzt,
Nicht schwer, den Unmut zu verstehen.

Ein Pfau, des Wegs am Wiesenrain,
Sah Hühneraug im Taumeltanze.
Das Auge glich im Sonnenschein
Den Farbenmustern hint am Schwanze.

Ein Aug’ von meinem Federwerk,
So rief der bunte Vogel heiser.
Noch heute nimmt den Pfauvermerk
Der Augbefleckte zum Beweis her.

pfauenauge

Foto: © JuniperBerry (JPW.Peters) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Warum die Amsel Amsel heißt
1, 30 März, 2009, 6:31
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Der Vogel mit dem schwärzlichen Gefieder
Galt landesweit als bürgerlich und bieder.
Er hatte aber keinen echten Namen,
Wie etwa Emmerich.
Der hätte auch den Herren und den Damen
Aus bester Sozialschicht nicht gefallen,
Behaupte ich.
Er wollte sich vom Ruf als schwarze Drossel trennen,
So trat er insgeheim
Auf einem weißen Lammfell
Zur Taufe an, um neu sich zu benennen.
Er rief sich nun, in vollem Wissen um den schlechten Reim,
Doch stolz im Grunde seines Herzens, Amsel.

amsel

Foto: © Pilsterl (Hans Fröhler) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Das Dichterross
1, 27 März, 2009, 7:14
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Die Nüstern beben, Atem dampft,
Das Dichterross verharrt im Lauf.
Ein letztes Mal noch aufgestampft,
Dann steigt es in den Äther auf.

Mit adlergleichem Flügelschlag
Erreicht der Pegasus den Ort,
An dem des Menschen Erdenplag
Nicht mehr ist als ein schales Wort.

Die Gerten- wird zur Federhand,
Am Metrum feilt der Reitpoet.
Balladen füllen bald den Band,
Vom Flug des Pegasus gesät.

pegasus

Foto: © albi84 (Almut Bieber) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Katzenfutter
1, 25 März, 2009, 12:49
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In Herrn Maiers großem Garten
Treiben Weidenkätzchen aus.
Leider nur die dünnen zarten,
Keinesfalls ein Augenschmaus.

Maier hadert sehr betroffen.
Kätzchen liebt er rund und satt.
So bestreicht er, voller Hoffen,
Das Gezweig mit Kitekat.

weidenkaetz1

Foto: © geliwo (Angelika Wolter) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
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Damhirschehre
1, 24 März, 2009, 7:43
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Der Damhirsch streift durchs Unterholz,
Das Haupt mit Aufsatz hochgereckt.
In seinem Blick liegt Männerstolz,
Wer hat schon Knochen aufgesteckt?

Doch plötzlich hängt die Schaufel fest,
Das Dickicht lässt sie nicht mehr her.
Die Stange knickt, es bleibt kein Rest,
Der Damhirsch gleicht dem Einhorn sehr.

Der Hirsch erscheint als Witzfigur,
Zu Recht aus Damhirschdamensicht.
Der Hirsch erträgt es tapfer, nur
Als Vater taugt er heuer nicht.

damhirsch

Foto: © cossac (Dieter Haugk) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Der Kleiber
1, 23 März, 2009, 8:44
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Der bunte Kleiber weiß nicht recht,
Ist er Meise oder Specht.
So sitzt Kopf unten er am Baum
,Grübelt nach und rührt sich kaum.

Als Specht bezieht er dessen Bau,
Klebt das Loch zu, wahrlich schlau,
Denn derart reicht der Einlass bloß
Vögeln, die nur meisengroß.

Ich denk, der Kleiber wird sich nie
Echt entscheiden ob und wie
Er Specht, wenn nicht, dann Meise sei.
Ist ja auch ganz einerlei.

kleiber

Foto: © Geliwo (Angelika Wolter) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Warum der Zilpzalp Zilpzalp heißt
1, 23 März, 2009, 8:40
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Ein Zilp verliebte sich einst in
Den Zalp, es führt’ zur Ehe hin.
Zilp legte Eier in das Nest,
Was Weibsgeschlecht vermuten lässt.

Den Jungen, insgesamt nur zwei,
Stand Zalp als guter Vater bei.
Er suchte Namen für die Brut,
Fand keinen, der besonders gut.

Er tüftelte so hin und her,
Nur Zilp und Zalp, sonst gar nichts mehr
An Namen fiel dem Vater ein,
Drum ließ er es bei Zilpzalp sein.

Seit dieser Zeit, man glaubt es kaum,
Trägt jeder Sänger auf dem Baum,
Dem unser Vogel Vorfahr war,
Das kombinierte Namenspaar.

zilpzalp1

Bild von N (Aleph), http://commons.wikimedia.org Diese Datei ist lizenziert unter der Creative Commons-Lizenz Attribution ShareAlike 2.5.

Autor: Ingo Baumgartner
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Charlotte Sandmann: Kalte Zärtlichkeit – Roman
1, 23 März, 2009, 8:19
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Charlotte Sandmann: Kalte Zärtlichkeit – Roman, München 2009, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-24699-6, 378 Seiten, Softcover, Format 13,5 x 21 x 3 cm, Euro 14,90 [D] 15,40 [A]sFr 25,80.

kalte-cover

München, 1853: Dr. Carl-Ludwig Nicolai – oder eigentlich: Dr. Aaron Marsalla, 27, ist ebenso arm wie ehrgeizig. Der junge Arzt, Sohn einer orthodoxen sephardischen Jüdin, die wegen ihres zweiten Ehemanns zum Katholizismus konvertiert ist, behandelt keine Patienten. Er ist Assistenzarzt von Professor Max Pettenkofer an der Königlich-Bayrischen Universität München und befasst sich mit der Entstehung von Krankheiten. Wie sein Chef vermutet er, dass Miasmen, also üble Dünste, für die Krankheiten verantwortlich sind.

Ein ungewöhnliches Geschäft: Mitgift gegen Bildung
Da dem jungen Mediziner für seine Forschungen und für ein angemessenes Auskommen das nötige Kleingeld fehlt, macht er der albernen jungen Erbin Clara Colberg den Hof. Als Ehemann hätte er die Verfügungsgewalt über ihr Vermögen und damit ausgesorgt. Clara Colberg ist genau so lange interessant, bis er auf einem Debütantinnenball eine noch reichere Erbin kennen lernt: die 16-jährige Henriette Dalbeck, eine Kaufmannstochter aus großbürgerlichem Haus, die einmal die reichste Frau Münchens sein wird. Doch Henriette ist kein albernes Gänschen. In punkto Pragmatismus, Abgebrühtheit und Geschäftstüchtigkeit ist sie Nicolai mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen.

Henriette ist bewusst, dass das Interesse ihrer Verehrer auf ihr Vermögen gerichtet ist und nicht auf sie als Person. Und wenn das Heiraten schon ein Geschäft ist, dann will sie sich wenigstens den besten Ehemann kaufen, der für Geld zu haben ist. Gebildet muss er sein, denn Henriette will unbedingt etwas lernen. Freiherr Dr. Rudolf von Lauderbach-Sillern, ein Arzt, der seit längerem um sie wirbt, wäre ein ganz brauchbarer Kandidat, wenn er nur nicht immer mit ihr sprechen würde, als wäre sie ein begriffsstutziges Kind!

Dr. Nicolai ist da schon die bessere Wahl: intelligent, gut aussehend, exotisch und geheimnisvoll – und so sehr auf Henriettes Geld angewiesen, dass sie ihm die Geschäftsbedingungen diktieren kann: „Wir haben doch beide einen Herzenswunsch, nicht wahr? Sie wollen reich sein. Ich will gebildet sein. Niemand wird uns den Wunsch erfüllen, wenn wir es nicht gegenseitig tun. Nehmen Sie mein Geld und unterrichten Sie mich!“ (S. 162) Dr. Nicolai bleibt nichts anderes übrig, als dem Handel zuzustimmen – und zu hoffen, dass Henriette bald das Interesse am Unterricht verliert.

Auch wenn Freunde, Verwandte und unbefugte G’schaftlhuber Henriette Dalbeck eindringlich vor einer Ehe mit dem undurchsichtigen Dr. Nicolai warnen, heiraten die beiden. Natürlich hat Schwiegervater Heinrich Dalbeck den Kandidaten zuvor von einem Detektiv durchleuchten lassen. Und Onkel Friedrich, der Rechtsanwalt, hat einen wasserdichten Ehevertrag aufgesetzt. Auch beim Erwerb eines Schwiegersohns überlassen die Dalbecks nichts dem Zufall.

Schon vor der Geschichte mit Henriette war Freiherr Dr. Rudolf von Lauderbach-Sillern seinem Kollegen Nicolai nicht grün. Auch Lauderbach erforscht die Entstehung der Krankheiten, ist aber ein Anhänger der unpopulären Bazillen-Theorie. Jetzt hasst er „den Moische“, der ihm die Braut ausgespannt hat, aus ganzem Herzen. Auch wenn die Nicolais es nicht ernst nehmen: In Rudolf von Lauderbach haben sie nun einen Todfeind.

Mit dem Geld aus Henriettes Mitgift richtet sich Dr. Nicolai ein erstklassiges Labor ein und betreibt seine Forschungen. Die beiden Frauen in seinem Leben – Ehefrau Henriette und seine nicht minder bildungshungrige und „frauenbewegte“ Schwester Wilhelmina – haben nur begrenzt Einblick in seine Arbeit.

Ein altes Lied: Machtspielchen contra Fortschritt
Im Sommer 1854 kommt es in Dr. Nicolais Labor zu einem dramatischen Zwischenfall, der weitreichende Folgen hat. Selbst seine bisherigen Freunde und Förderer wenden sich von ihm ab. Von heute auf morgen ist Dr. Nicolai beruflich und gesellschaftlich erledigt. Nur seine Frau, seine Schwester und die Dalbecks halten zu ihm.

Als er im Juli bei einem Nachbarn die cholera asiatica diagnostiziert, will ihm niemand glauben. Vor allem die Behörden sperren sich, denn ein Seuchenalarm würde den Todesstoß für die gerade stattfindende Industrieausstellung bedeuten – und einen Milliardenschaden für die bayrische Wirtschaft. Die beginnende Epidemie lässt sich zwar für kurze Zeit herunterspielen, aber aufhalten ließe sie sich nur, wenn die Herren in den Ämtern und der Ärzteschaft mal einen Moment lang ihre persönlichen Gockeleien und Animositäten beiseite lassen könnten und zum Wohl der Allgemeinheit kooperieren würden. Aber es sieht nicht danach aus …

Vieles an diesem Roman ist fiktiv, doch der Streit um die ersten Entdeckungen lebenden Krankheitserregern ist authentisch. Auch Professor Max Pettenkofer ist eine historische Person – ein genialer Forscher, der sich durch das starrsinnige Beharren auf veralteten Theorien ins Zwielicht rückte.

Dr. Nicolai, der männliche Held des Romans, macht es einem wahrlich nicht leicht, ihn zu mögen. Er ist abwechselnd kalt und jähzornig, oft berechnend und egoistisch. Dazu betreibt er noch recht unappetitliche Forschungen. Anfangs gönnt man ihm jeden Ärger, den er sich mit seiner energischen und naseweisen jungen Gattin eingehandelt hat. Kein Mitleid mit dem Mitgiftjäger! Doch im Verlauf der Geschichte verschieben sich die Loyalitäten. Nicolai mag unsympathisch sein, aber er verfolgt seine wissenschaftlichen Ziele nicht nur aus persönlichem Ehrgeiz, sondern weil er den Menschen mit seinen Erkenntnissen helfen möchte. Dass man so mit ihm umspringt wie seine Gegner es tun, die ihn aus höchst unprofessionellen Gründen beruflich ausbremsen, das hat er nicht verdient. Dass die sympathischen Heldinnen, Henriette und Wilhelmina, ihm zugetan sind, tut ein Übriges. Wenn diese beiden tollen Frauen ihn mögen, kann er dann ein durch und durch übler Kerl sein?

Dass vor 150 Jahren vieles anders war als heute, wird uns in diesem Roman auf interessante, unterhaltsame und anschauliche Weise vor Augen geführt: die steifen Rituale der großbürgerlichen Gesellschaft, das komplizierte Verfahren der Brautwerbung und das Leben der Frauen, die damals von Bildung, Eigenständigkeit und einer Karriere nur träumen konnten. Und manches ändert sich wohl nie: Neid, Eifersucht, Engstirnigkeit, Eitelkeit, Fremdenfeindlichkeit und Rachsucht. Heute würde man das, was Dr. Nicolai widerfahren ist, wohl „Mobbing“ nennen. Einzelne Menschen mag man damit aus dem Konzept bringen können. Aber der wissenschaftliche Fortschritt lässt sich auf Dauer weder hinwegmobben noch aufhalten.

Der Roman „Kalte Zärtlichkeit“ ist weit mehr als eine schöne Liebesgeschichte in historischem Ambiente. Er ist ein Sittengemälde des ausgehenden 19. Jahrhunderts und bringt dem Leser zudem ein bedeutendes Stück der Medizingeschichte nahe.

Die Autorin
Charlotte Sandmann, Generation 50+, ist in der Erwachsenenbildung tätig, Autorin, Ghostwriterin und Übersetzerin.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
http:// edithnebel.wordpress.com