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Renate Blaes (Hrsg.): Das kunterbunte Katzenbuch, Norderstedt 2006, Books on Demand GmbH, ISBN 978-3833462207, Softcover, 120 Seiten, davon 31 in Farbe, 15 x 21 x 0,8 cm, EUR 14,95.
Renate Blaes (Hrsg.): Das kunterbunte Katzenbuch Nr. 2, Norderstedt 2008, Books on Demand GmbH, ISBN 978-3-8370-6733-0, Softcover, 120 Seiten, davon 22 in Farbe, 15, x 21 x 0,8 cm, EUR 14,95.
„Die Menschheit lässt sich grob in zwei Gruppen einteilen. In Katzenliebhaber und in vom Leben Benachteiligte“, erkannte schon im 14. Jahrhundert der italienische Dichter Francesco Petrarca. So steht es im ersten Band des kunterbunten Katzenbuchs. Und daran dürfte sich auch bis zum heutigen Tag nicht viel geändert haben, zumindest nicht aus der Sicht der Katzenliebhaber.
Rund 40 „vom Leben bevorzugte“ Autorinnen und Autoren haben für diese beiden Bände ihre ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen rund um die Katz’ aufgeschrieben. Und was das Erfrischende ist: In den kunterbunten Katzenbüchern kommen nicht die großen Schriftsteller und prominenten Zeitgenossen zu Wort, sondern Katzenfreunde wie Sie und ich.
Neben ihrer erklärten Liebe zu Samtpfoten und Stubentigern haben die Autorinnen und Autoren noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie können wirklich gut Geschichten erzählen! Ob Glosse, Kurzgeschichte, Erzählung oder Reportage, Ernsthaftes, Locker-Humorvolles oder Poetisches – in den kunterbunten Katzenbüchern ist alles in einer unterhaltsamen und abwechslungsreichen Mischung vertreten.
In Band 1 gibt’s unter anderem die Geschichte einer alten Katzendame, die zur „Praxis-Katze“ wird, einen Beitrag über das Leben mit Hund und Katz – und die heitere Geschichte vom diebischen Kater Simon. Wir erfahren, warum die Perserkatze von Uschi Weiller ausgerechnet „Frau Hendlmaier“ heißt und erleben den ganz normalen Samstags-Wahnsinn in einem Katzenzüchter-Haushalt mit. Es gibt eine Liste berühmter Katzenfreunde und eine „Übersetzungshilfe“ für die Katzensprache. Wir lernen gärtnernde, kluge, neugierige, lebensfrohe, schnurrende und schnorrende Katzen kennen, Katzen, die sich ein neues Zuhause suchen und solche, die trotz körperlicher Behinderungen ein zufriedenes Leben führen. Es geht um Kater, Katzenmütter und Katzenkinder. Und Kater Simons gut gehütetes Geheimnis erfahren wir auch. Das ist natürlich noch lange nicht alles …
Band 2 steht dem ersten Band in nichts nach. Er hat die gleiche liebevolle Aufmachung mit Fotos – ja ganzen Fotoromanen! –Schwarz-Weiß und Farbe, mit witzigen Illustrationen und ansprechender (typo-)graphischer Gestaltung. In diesem Band begegnen wir Kater Lino, der sich nach dem Tod seines Menschen in einen „Weiberhaushalt“ integrieren muss, treffen auf eine kleine wilde Katze, die in einem Kraftwerk lebt, erfahren wie die blinde Kätzin Annie und ihre tierischen Freunde einen Umzug meistern und wie ungemein anstrengend der Arbeitsalltag zweier Rechtsanwaltskatzen ist. Kater Alois verrät uns seinen Tagesablauf und Kater Fritz sagt uns ganz unverblümt, was er von Weihnachten hält. Einen Katzentest gibt es auch … hier kann die Katze testen, ob sie auch ein angemessenes Zuhause hat. Köstlich!
Mann kann gar nicht aufzählen, was man in diesen beiden herrlichen Katzenbüchern alles findet! An diesem Vorhaben sind schon ganz andere gescheitert. Zum Beispiel Kater Fritz, der von der Herausgeberin Renate Blaes damit beauftragt wurde, ein Inhaltsverzeichnis von Band 1 zu erstellen. Irgendwann muss er gestehen: „ (…) Ich hab auch mein Bestes versucht. Aber irgendwann bin ich dann total irre geworden – mit all dem Zeug. Deswegen gibt’s jetzt kein Inhaltsverzeichnis.“ Bei Band 2 versucht er es gar nicht erst. Er findet: „(…) Lesen und Fotos kucken reicht doch.“ Ja, Fritz, hast Recht. Wir lieben die Katzenbücher auch ohne Inhaltsverzeichnis!
Der eine oder andere tierische Held mag den Kennern der „Katzenszene“ bekannt vorkommen. Und das nicht ohne Grund: Manch ein Verlag hat schon Geschichten von hier vertretenen Autoren gekauft und in seinen Publikationen abgedruckt. Ein deutlicher Hinweis auf die hohe Qualität der Beiträge in diesen beiden Büchern.
Illustrationen, Fotos, Gedichte, Tipps, Informationen und Worte großer Persönlichkeiten runden die Katzengeschichten-Sammlung ab. Die kunterbunten Katzenbücher sind eine rundum vergnügliche, interessante und informative Lektüre für alle Katzenfreunde. Und auch dem Klappentext von Band 1 kann man uneingeschränkt zustimmen: Wir erfahren „(…)viel über Katzen, zwischen den Zeilen steht aber auch viel über Menschen, denen eine Katze begegnet ist und die dies als Glück für sich begriffen haben.“
Ob Renate Blaes, Kater Fritz und die Katzenbuch-Crew wohl schon an einem dritten kunterbunten Band arbeiten? Es gibt bestimmt noch viele tolle Katzengeschichten, die nur darauf warten, erzählt und gelesen zu werden.
Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http:// edithnebel.wordpress.com
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Edmund Schauer: Schwarze Tränen – Thriller; A-Zillingdorf 2008, ATQ-Verlag, ISBN 978-3-9502360-8-8, Softcover, 330 Seiten, Format 12 x 18,5 x 2 cm, EUR 12,90.
Mit letzter Kraft schleppt sich ein schwer kranker junger Mann mitten in der Nacht zur Notaufnahme einer kleinen österreichischen Klinik und bricht an der Eingangstür zusammen.
Wer der Mann ist, weiß man nicht. Er ist nicht mehr ansprechbar und hat keine Papiere bei sich. Auch woran er leidet, ist zunächst unklar. Die Vogelgrippe ist es nicht. Symptome in dieser Kombination hat keiner behandelnden Ärzten je gesehen, und der Patient spricht auch auf keine Behandlung an. Dem Ärzteteam schwant nichts Gutes. Als der Schwerkranke aus Nase und Augen blutet, ahnen sie, womit sie es hier zu tun haben: mit einem virusbedingtem hämorrhagischen Fieber, hoch ansteckend und fast immer tödlich. Irgendetwas unaussprechlich Gefährliches in der Größenordnung von Ebola, Hanta oder Marburger.
Chefarzt Dr. Neumann ist klar, dass er unverzüglich handeln muss, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Die Klinik muss unter Quarantäne gestellt und der Fall den Behörden gemeldet werden. Man sollte schleunigst herausfinden, wer der junge Mann ist, woher er das Virus hat – und wer eventuell sonst noch infiziert ist. Und dann müssen Experten mit Hochdruck daran arbeiten, das Virus zu identifizieren und ein Gegenmittel zu entwickeln.
Nur einen kurzen Augenblick denkt Neumann daran, welche Konsequenzen es für seine Karriere haben könnte, sollte er jetzt falschen Alarm geben. Doch dann greift er beherzt zum Telefon und informiert die Bundesverwaltungsbehörde, die alle erforderlichen Maßnahmen einleiten soll. Auch wenn Krankenhausdirektor Pohl voller Verdruss an Imageprobleme und Verdienstausfall denkt und der Landessanitätsdirektor die ganze Aktion für übertriebene Panikmache hält – die Klinik wird von der Außenwelt abgeriegelt und ein Kriseninterventionsteam zusammengestellt.
Der unbekannte junge Mann, genannt „Patient Null“, stirbt. Alles, was man bei ihm findet, ist die Abbildung einer mittelalterlichen Münze. Theresa Brandt, die am Empfang des Krankenhauses arbeitet, wird beauftragt, im Internet nach der Münze zu recherchieren. Vielleicht führt diese ja auf die Spur des unbekannten Patienten. Zur absoluten Vertraulichkeit hat man Theresa nicht verpflichtet, und so mailt sie die Abbildung der Münze und ein Foto des Unbekannten an ihren Mann Erich.
Erich Brandt, ein ehemaliger Berufspilot, sitzt krank vor Sorge um seine Frau zu Hause. Als sie ihm die Bilddaten schickt, hat er endlich das Gefühl, ihr helfen zu können, zumindest bei der Identifizierung des von „Patient Null“. Brandt bittet einen alten Freund um Unterstützung, Dr. Georg Hartmann, einen Biologen, der zeitweise als Journalist gearbeitet hat. Hartmann, ein alter Abenteurer mit leicht paranoiden Zügen, stürzt sich gleich mit Feuereifer in die Recherche.
In der Tat dauert es nicht lange, und sie haben Name und Adresse des Unbekannten. Doch statt nun die Behörden zu informieren und alle weiteren Maßnahmen den Profis zu überlassen, lassen sich Hartmann und Brandt zu einem haarsträubenden Himmelfahrtskommando hinreißen: Sie treffen umfangreiche Vorbereitungen und durchsuchen die Wohnung des Virenopfers. Dort finden sie höchst erstaunliche und aufschlussreiche Dinge …
Inzwischen gibt es einen weiteren Krankheitsfall. Eine Wissenschaftlerin ist mitten in einem Supermarkt zusammengebrochen und wurde von einem medizinischen Team in Schutzanzügen abtransportiert, was natürlich von der Öffentlichkeit nicht unbemerkt blieb. Ein kleiner Internet-Fernsehsender, der sich mit einem miesen Trick ein paar Hintergrundinformationen ergaunert hat, berichtet darüber. Der Medienzirkus nimmt seinen Anfang.
Die Situation ruft die CIA auf den Plan, genauer gesagt, die Sondertruppe „BIO-Terror“. Die Herrschaften würden gerne an ein paar Virentoten Gewebeuntersuchungen vornehmen. Den Grund
spricht General Goldberg ganz unverblümt aus: „Wollen Sie, dass der Erreger Terroristen oder Schurkenstaaten in die Hände fällt und am Ende gegen unser Land eingesetzt wird? Wenn der Erreger je eingesetzt wird, dann sollte das durch unsere Streitkräfte erfolgen und nicht durch andere …“ (S. 184). Mit offiziellen Dienstwegen halten sich die Amerikaner nicht lange auf, statt dessen starten sie zur klammheimlichen „Operation Black Death“. „Die Österreicher werden gar nicht merken, dass wir sie besucht haben“, glaubt Major Wyngarde (S. 184). Wenn er sich da mal nicht täuscht …
Durch ihre illegalen Nachforschungen in Sachen „Patient Null“ verfügen die beiden Privatleute Erich Brandt und Dr. Georg Hartmann über wesentlich mehr Informationen als die Behörden. Was machen sie jetzt damit? Dr. Hartmann, der vor Jahren als Biologe für eine Seuchenbehörde gearbeitet hat, gibt seine Erkenntnisse an eine ihm bekannte Virologin aus dem Kriseninterventionsteam weiter – und wird sofort zur Mitarbeit an dem Fall herangezogen. Brandt, der der Meinung ist, die Öffentlichkeit habe ein Recht auf rückhaltlose Information, kontaktiert anonym die lokale Presse und gibt dort sein Wissen preis – womit er einen bespiellosen Medienrummel lostritt.
Mittlerweile gibt es zahlreiche weitere Krankheitsfälle, auch außerhalb des Landes. Und alle enden sie tödlich. Dank des internationalen Personen- und Warenverkehrs verbreitet sich das Virus nahezu ungehindert auf der ganzen Welt. Die gefürchtete Pandemie ist da – mit verheerenden Folgen.
Wird es den Wissenschaftlern gelingen, ein wirksames Gegenmittel zu finden? Ist die Menschheit zu retten?
„Wir liefern uns ein Wettrennen mit Viren und Bakterien, und wenn wir nur einmal nicht aufpassen, könnten wir am Ende als Verlierer da stehen“, sagt der Epidemologe Dr. C. J. Peters. Und in dem beklemmenden Szenario, das der Autor hier entwickelt, sieht man, wie leicht der Mensch bei diesem Wettlauf ins Hintertreffen geraten kann. Hier eine Panne, da eine kleine Unwägbarkeit, eine menschliche Schwäche, eine ungebetene Einmischung – und schon ist der schönste Notfallplan nur noch Makulatur. Was sich in der Theorie vernünftig anhört, muss in der Praxis noch lange nicht reibungslos funktionieren. Der Mensch ist eben unberechenbar.
Der Autor hat, wie bei allen seinen Büchern, genau recherchiert. Und er weiß, wovon er spricht. Durch seine über 20-jährige Tätigkeit als Elektroniker in einem staatlichen Forschungszentrum hatte er Kontakt mit Forschungsprojekten. 1988 gründete er ein Unternehmen, das sich mit Hard- und Softwareentwicklungen im medizinischen Bereich beschäftigt. Dadurch bekam er weitere Einblicke in das Gesundheitswesen.
Man könnte sich diesen packenden und kenntnisreichen Wissenschaftsthriller sehr gut als actionreichen Fernsehfilm vorstellen. Beim Lesen ertappt man sich dabei, im Geist schon die Rollen zu besetzen.
Manch ein Leser wird wohl das Bedürfnis haben, großzügig Kommata im Buch zu verteilen. Es wäre mit Sicherheit von Vorteil gewesen, wenn sich vor Drucklegung ein professioneller Korrektor des Textes angenommen hätte. Doch darf man nicht vergessen, dass hinter diesem Thriller keine riesige und gut geölte Verlags-Maschinerie steht: Dieses Buch ist ein ein-Mann-Projekt. Und das ist eine reife Leistung!
Wer über formale Unvollkommenheiten großzügig hinwegsehen kann, wird nicht nur spannend unterhalten sondern auch umfassend informiert werden … und bis auf weiteres überall in den Medien über das Thema „Viren“ stolpern. Manche Lektüre unterhält eben nicht nur, sondern wirkt auch nachhaltig auf den Verstand – und auf die selektive Wahrnehmung.
Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http:// edithnebel.wordpress.com
Dich freut die warme Sonne.
Du lebst im Monat Mai.
In deiner Regentonne,
Da rührt sich allerlei.
Viel kleine Tierlein steigen
Bald auf-, bald niederwärts,
Und, was besonders eigen,
Sie atmen mit dem Sterz.
Noch sind sie ohne Tücken,
Rein kindlich ist ihr Sinn.
Bald aber sind sie Mücken
Und fliegen frei dahin.
Sie fliegen auf und nieder
Im Abendsonnenglanz
Und singen feine Lieder
Bei ihrem Hochzeitstanz.
Du gehst zu Bett um zehne,
Du hast zu schlafen vor,
Dann hörst du jene Töne
Ganz dicht an deinem Ohr.
Drückst du auch in die Kissen
Dein wertes Angesicht,
Dich wird zu finden wissen
Der Rüssel, welcher sticht.
Merkst du, daß er dich impfe,
So reib mit Salmiak
Und dreh dich um und schimpfe
Auf dieses Mückenpack.
Foto: © Jenzig71 (www.JenaFoto24.de) / pixelio
Autor: Wilhelm Busch
(15. 4. 1832 Wiedensahl, Hannover, † 9. 1. 1908 Mechtshausen bei Seesen)
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Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 4″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 5“ unterteilt in 5a bis 5c.
Foto: © my84 / pixelio
7. August 2007
Noch nie habe ich habe es so schwer gefunden, einen Urlaub zu organisieren wie diese Rheinreise im September. Wenn wir in den UK unterwegs sind, muessen wir nur die B&Bs buchen und uns eine ungefaehre Reiseroute ausdenken, dann fahren wir mit dem Manta hin und sind recht flexibel.
Die paar Male, die wir in Europa (jetzt fang ich auch schon so an, ich meine in anderen europaeischen Laendern) unterwegs waren, waren das entweder Heimatbesuche, die braucht man nicht zu planen, oder Staedtetouren (Salzburg, Mailand), die haben bessere Verkehrsanbindungen und alles Sehenswerte liegt mehr oder weniger auf einem Haufen.
Aber jetzt! Erstmal musste ich rausfinden, wo denn der beste Ort zum Uebernachten ist, dann galt es eine Bleibe zu finden, die nicht zu teuer oder schon ausgebucht ist, dann tue ich mich total schwer mit den Zug- und Faehrverbindungen und wie man von dort zu den Burgen kommt, aber ein Auto zu leihen ist viel zu teuer, und wir haben eh mit unserem Hotel schon zwei ganztaegige Schiffsfahrten gebucht, ich habe keine Ahnung, wieviele Burgen wir pro Tag effektiv schaffen werden, manche sind eh nicht zugaenglich oder in Hotels, Museen oder Falknereien umgewandelt, oder sie liegen in der Mitte des Rheines und man muss mit der Faehre hin. Die Rhein in Flammen-Feuerwerke werden wir wohl auch einfach nur vom Rheinufer aus anschauen, weil die meisten Schiffstouren schon ausgebucht sind. Und dann gilt es noch herauszufinden, ob ich uns lieber das Mittelrheinische Burgenticket oder die Rheinland Pfalz Card zulegen soll. Und dann will John unbedingt auf einen bestimmten Felsen bei Boppard raufklettern, weil er da mit zwoelf auf Klassenfahrt war, und sein Kumpel Barry Fisher hat ein Bild von ihm auf dem Felsen gemacht, und das hat den Klassenpreis gewonnen, und deshalb ist das ja schon wichtig. Das Bloede ist nur, dass er sich nicht mehr erinnern kann, wo der Felsen genau ist. Ich bin im Stress!
Harry Potter ist immer noch nicht in meinem ASDA aufgetaucht, aber John ist jetzt on first-name terms mit einem Angestellten dort, und der hat ihm letzte Woche das Buch aus einem anderen ASDA store mitgebracht. Da hatte ich zwar Lisas Ausgabe schon ausgelesen, aber ich wollte trotzdem meine Sammlung komplett machen. Im siebten Band hat sich Rowling nicht mehr mit irgendwelchen Fakten aus vorigen Buechern aufgehalten, man musste wissen, wer wer ist, und da ich ab und zu ins Gruebeln gekommen bin ueber manche Figuren, habe ich angefangen, die Reihe wieder von vorne zu lesen. Bin jetzt bei Band 4 und total erstaunt, wieviel ich vergessen hatte. John ist dafuer total erstaunt, dass es Leute gibt, die Buecher zweimal lesen. Aber der liest ja Buecher nicht mal einmal.
Er hat sich jetzt fuer Deutsch, Level 2 eingeschrieben ab dem Herbstsemester, anmelden kann man sich schon, obwohl das Kursbuch des Idea Store noch gar nicht verfuegbar ist, aber die gucken die Kurse halt im Computer nach. Das Kursbuch haette schon seit Wochen ausliegen sollen, aber wie mit Harry Potter ist wohl auch hier eine dunkle Macht namens Buerokratie verantwortlich. Es hat auch eine Stunde gedauert, bis er eingeschrieben war, da alle Daten nochmals in ein Formular eingetragen und dann in den Computer eingepflegt werden mussten, obwohl er da schon seit letztem Jahr drin ist. Und dann war der Fuehrerschein ploetzlich nicht mehr gut genug als Ausweis, und er musste nochmal mit dem Pass wiederkommen.
Und ich muss gerade ein laengliches Formular meiner privaten Krankenversicherung ausfuellen, die ich ueber die Firma habe. Die wollen alle moeglichen Details wissen, an die ich mich nicht mehr erinnern kann (“Wie oft waren Sie letztes Jahr beim Arzt, was waren die Ergebnisse etwaiger Bluttests?” etc.) Also habe ich einen Termin mit meiner Praxis zur Akteneinsicht machen muessen (Akteneinsicht kostet nur £10, Kopieren aller Daten kostet bis zu £50, sonst noch was), da gehe ich morgen nach der Arbeit hin. Wozu ich das ausfuellen muss, ist unklar, aber wat mut dat mut.
Poststreiks haben wir zur Zeit auch, da streikt einen Tag lang das Sortierbuero, dann einen Tag lang die Postboten selber, dann wird Dienst nach Vorschrift gemacht, und das heisst hier „work to rule“.
Der englische Sommer fand uebrigens dieses Jahr am 5. August statt, da gab es in London 30 Grad.
Aber kaum haben wir die Ueberschwemmungen ueberstanden, ist die Maul- und Klauenseuche zurueck. Und ich habe ewig nachgedacht, wie ich das auf Deutsch schreibe, ich denke naemlich mittlerweile zuerst auf Englisch, aber „food and mouth reared its ugly head again“ ist so nicht auf Anhieb uebersetzbar, zumindest nicht mehr von mir, denn ich verliere zunehmend mein Deutsch. Irgendwann schreibe ich hier nur noch auf Englisch, dann muesst ihr alle Vokabeln bueffeln gehen, hah. Aber noch kriege ich zumindest ein Doosie-Deutsch hin, kennt jemand noch die Doosie-Buecher von Werner Lansburgh? „I am calling you Doosie, weil ich noch nicht recht weiss, ob ich Du oder Sie zu Ihnen sagen soll. Deshalb. That’s why.“ Wunderbar. Mir hat neulich eine deutsche Kundin nach drei Jahren das Du angeboten, ich hab mich immer noch nicht dran gewoehnt, obwohl ich hier vom ersten Tag an meinen Chef mit Vornamen angesprochen habe.
8. August 2007
Johns Mutter ist heute morgen gestorben.
11. August 2007
Die Beerdigung ist naechsten Freitag, wenigstens kriege ich Compassionate Leave (i.e. Sonderurlaub fuer diesen Tag. Wir werden uns fuer 2 Naechte in einer Bettenburg einquartieren, needs must.
Wir haben uebrigens das Bild von John auf dem Felsen an die Bopparder Tourismusbehoerde gemailt, und die hat den Felsen tatsaechlich erkannt! Er liegt auf dem Filser Berg. Der Felsen in Filsen, wie passend.
3. September 2007
Letzten Montag war Bank Holiday, also sind wir uebers lange Wochenende in die Cotswolds gefahren. Wir haben uns ein huebsches B&B in Moreton-in-Marsh gesucht und sind mal wieder auf Burgenjagd gegangen, kombiniert mit Gartenjagd, denn Gaerten gibt es in den Cotswolds viele. Herausragend waren das Batsford Arboretum und Falconry Centre ganz in der Naehe von Moreton, und der Birdland Park Garden in Bourton-on-the-Water. Das Falconry Centre hat Flugvorfuehrungen gemacht mit verschiedenen Falken und Eulen, und John durfte einen Falken auf dem Arm tragen (mit Handschuh natuerlich). Im Birdland Park Garden werden jeden Nachmittag um 14:30 die Pinguine gefuettert, das ist immer ein Ereignis. Der Tierwaerter hat uebers Mikrofon Erklaerungen abgegeben, die immer mal wieder durch ein leises “Autsch” unterbrochen wurden, wenn ihn mal wieder ein ungeduldiger Pinguin ins Knie gezwickt hat. Ansonsten gab es Pelikane, Stoerche, Eulen und Papageien, mit denen sich John versucht hat, anzufreunden. Manche waren so zahm, dass es kein Problem war, die sassen einfach auf Stangen im Park herum, aber einer hat sich selbst nach einer Opfergabe eines Pommes Frites nicht aus der Reserve locken lassen. Der Birdland Park war wirklich sein Geld wert, ansonsten ist Bourton aber eher auf Touristenabzocke angelegt, und an einem Bank Holiday Monday um 13 Uhr derart voll, dass man schneller ein Mittagessen bekommt, wenn man sich ins Auto setzt und 30 Meilen faehrt.
Man mag es auch kaum glauben, aber dieses Wochenende hat der Manta keine Mucken gemacht! John hat sich mittlerweile auch mit dem Mechaniker angefreundet, der in der Autowerkstatt direkt neben Island Gardens Station sitzt, also keine 2 Minuten von uns weg. Erst wollte er da ewig nicht hin, “diese Londoner Mechaniker sind doch alles Abzocker, und meinen Manta verstehen die sowieso nicht”, aber nachdem der Mechaniker ihm fuer ein paar kleinere Handgriffe nichts berechnet hat, hat sich seine Einstellung doch langsam aber sicher geaendert.
Ach ja, und einen tube streik haben wir auch wieder mal. Fing heute abend um 18 Uhr an und soll 3 Tage lang gehen. Nur die Northern, Jubilee und Piccadilly Lines fahren noch, und natuerlich die DLR. Wir durften heute alle um 16 Uhr gehen, um es rechtzeitig nach Hause zu schaffen. Nachdem ich ja nur die DLR brauche, finde ich das sehr grosszuegig. Mal schauen, ob das die naechsten Tage auch so gehandhabt wird. Naechste Woche soll dann nochmal gestreikt werden, aber da sind wir schon am Rhein, und ich habe mir glaubhaft versichern lassen, dass da bis Ende September nicht gestreikt wird.
Lustig war ja auch Lisas Reaktion auf die tube Streiks: „Pah, die streiken ja gar nicht richtig. Wenn bei uns in Italien gestreikt wird, dann aber volle Pulle, und mit Demonstrationen und allem Drum und Dran, da bleibt keiner zuhause oder geht zur Arbeit, da ist dann ALLES dicht!“ Ist schon schlimm, nicht mal das Streiken kriegen die Englaender gebacken.
11. Oktober 2007
So, was kann ich ueber den Rheinurlaub sagen?
Wir haben unglaublich viele Burgen besichtigt und zwei tolle Feuerwerke erlebt, aber im nachhinein waere es mir doch lieber gewesen, wir haetten ein Auto zur Verfuegung gehabt, da die meisten Burgen so rein gar nicht auf Touristen ohne Autos eingestellt sind. Wir sind wie die Weltmeister mit Zug und Bus herumgegondelt, aber es hat doppelt so lange gedauert, und einmal war es uns wirklich zu bloed, nachdem der Burgenexpress zur Marksburg erst in 2 Stunden fahren sollte, und so haben wir tatsaechlich ein Taxi genommen. Gott sei Dank kam meine Freundin Susanne fuer einen Tag zu Besuch mit dem Auto vorbeigefahren, an dem Tag haben wir alle nur schwer zugaenglichen Burgen im Gewalttempo nachgeholt. Das Mittelrheinische Burgenticket wurde zu 100% ausgenutzt!
Das Wetter war in der zweiten Wochenhaelfte ausgesprochen schoen, wir haben ja eh immer Glueck mit dem Wetter. St. Goar ist ein huebsches Staedtchen mit guten Restaurants, wenn auch unser Hotel ein bisschen laut war. Wir haben zwei Schiffsfahrten gemacht, und beide waren Highlights unserer Reise. Die erste Schiffsfahrt ging nach Ruedesheim, vorbei an unglaublich vielen Burgen. Die Broemserburg und die Drosselgasse sind wirklich ein Besuch wert. Die Schiffsfahrt nach Boppard war auch klasse, wir sind mit dem Sessellift zum Gedeonseck gefahren und haben uns sowohl den Hufeisen- wie auch den Vierseenblick gegoennt. Wunderschoen.
Ein Highlight fuer John war natuerlich die Besteigung des Filser Felsens, den wir tatsaechlich gefunden haben. Es hat auch nur 45 Minuten gedauert, draufzukraxeln, auf Boppard hinunterzuschauen und “John auf seinem Felsen” Bilder zu schiessen. Ein Highlight fuer mich war ein erneuter Trip nach Ruedesheim am vorletzten Tag, diesmal mit dem Zug. Wir haben uns ein sogenanntes Romantik Ticket gekauf, mit dem wir mit der Seilbahn zum Niederwalddenkmal hochgefahren sind. Von dort sind wir eine Stunde durch den Wald zum Jagdschloesschen gelaufen, haben die Rehe gefuettert und zu Mittag gegessen, dann sind wir mit dem Sesselbahn nach Assmanshausen hinuntergefahren. Von dort fuhr ein Schiff zur Burg Rheinstein, setzte uns dort zur Besichtigung ab und holte uns ein paar Stunden spaeter wieder ab. Ein wirklich empfehlenswerter Tagesausflug.
Aufgefallen sind mir mal wieder
- die vielen Raucher im Restaurant
- Toilettenbenutzungsgebuehren ueberall, bis zu 50 Cent!
- der Hickhack mit Pfandflaschen, weil man die staendig zurueck zum Supermarkt tragen muss, und dann nimmt ein Supermarkt eine Flasche nicht zurueck, weil sie da nicht verkauft wird, und am Flughafen nach Security muessen komplizierte Umfuellmanoever vorgenommen werden, um das Pfand zurueckzukriegen.
Am vorletzten Abend habe ich mir noch eine fette Erkaeltung eingefangen vom Rumsitzen am Rheinufer. Am Sonntag ging es mir noch relativ gut, aber am Montag, unserem Rueckflugtag, war die Erkaeltung voll ausgebrochen und der Flug nicht gerade angenehm. Ich war dann auch den Rest der Woche zuhause, das Buero muss ich mir in so einem Zustand nicht antun.
Erschwerend dazu kam, dass ich auf einmal an einer merkwuerdigen allergischen Reaktion litt, die meine Lippen anschwellen liess. Ich sah aus wie Pete Burns, der Arzt konnte es sich nicht erklaeren und hat verschiedenen Antihistamine verschrieben. Allergietests gibt es selbstverstaendlich nicht, erst wenn die Sache immer wieder auftritt (war ja auch erst dreimal), und dann auf Privatversicherung. Es lebe die NHS.
Wunderbarerweise haben wir auch schon wieder eine Reihe von Poststreiks. Der erste war von Donnerstag bis Freitag, der zweite fing Montag morgen an, und dann sollen jeden Montag welche folgen (fuer jeweils zwei Tage glaube ich). Da merkt man dann erst, wie antiquiert das Bankensystem hier ist, wenn jede Menge Schecks nicht rechtzeitig eintrudeln.
Johns Deutschkurs wurde leider urploetzlich abgeblasen, kurz vor dem dritten Abend. Er ist stinksauer, weil erstens alle Deutschkurse gecancellt wurden, zweitens alle Deutschkurse von anderen Anbietern jetzt ausgebucht sind und es drittens angeblich bis zu fuenf Wochen dauert, um die Kursgebuehren wiederzubekommen. Und das ist noch ohne den Poststreik einzurechnen! Angeblich gab es zu wenige Interessenten, nimmt ja auch niemanden wunder, wenn die Kursbuecher erst ca. zwei Wochen vor Kursbeginn endlich vorliegen!
An eine Freundin schrieb ich folgende Zusammenfassung:
“Statt Zugstreiks haben wir Poststreiks, das Wetter ist regnerisch, ich habe gerade eine dreiwoechige Erkaeltung hinter mir und irgendeine merkwuerdige Allergie, Johns Deutschkurs wurde gestrichen, mein Drucker ist hinueber und sein PC wird gerade repariert. Also alles wunderbar, LOL.”
Lisa hatte am Samstag zum Brunch eingeladen, da sie vor kurzem Geburtstag hatte, aber so richtig brunchen (stundenlang mit Buffet) kann man in London nicht wirklich. Wir gingen zu “Giraffe”, einem Restaurant an der Royal Festival Hall, wo es verschiedene Fruehstuecksangebote gab. Leider waren die amerikanischen Pfannkuchen alle, dann haben wir uns halt doch fuer English Breakfast entschieden. Und einen orangefarbenen Ballon gab es dann auch noch.
Die Weihnachtsfluege haben wir jetzt endlich gebucht, am 22.12. geht es nach Friedrichshafen, am 01.01. zurueck von Stuttgart, einem Heinzitreffen steht also nichts mehr im Wege! Meine Mutter meinte allerdings entsetzt “Wie lange?”, aber als wir erklaerten, dass wir ab 28.12. Freunde besuchen wollten, sagte sie beruhigt “Dann ist ja gut.” Wir haben dieselbe Toleranzschwelle uns gegenueber – 6 Tage ist das Maximum, das wir uns aushalten koennen. Beim Buchen des Germanwing Fluges in Euro habe ich erstmal automatisch auf Zahlung per Kreditkarte gedrueckt, aber als die Kosten dafuer sichtbar wurden, habe ich entsetzt auf Lastschrift gedrueckt – Gott sei Dank habe ich ja noch ein deutsches Konto. Auf dem allerdings auch nicht mehr soviel drauf ist, seit dem ich im Rheinurlaub staendig Geld abgehoben habe.
6. November 2007
Wir sind gestern nacht relativ spaet ins Bett fuer einen Wochentag, es war schon 20 vor 1 und ich habe noch was gelesen. Ploetzlich hoere ich Gerumpel und Gepolter und denke, muessen die Nachbarn beim Heimkommen immer soviel Krach machen? Da es nicht aufhoerte, habe ich beschlossen, mal nach dem rechten zu schauen. Gehe also im Bademantel raus auf den Flur und gucke runter ins Treppenhaus. Sehe jemanden auf Zehenspitzen beim Eingang rumlaufen. Nehme an, dass die Nachbarn beschlossen haben, leise zu sein, und gehe zurueck Richtung Wohnungstuer. Auf einmal hoere ich Leute die Treppe rauflaufen. Denke mir immer noch nichts Boeses, schliesslich wohnen wir im obersten Stock, die Nachbarn werden also vorher abbiegen. Bis zwei schwarzgekleidete hoodies im Galopp um die Ecke biegen. Seid ihr jemals Typen in Skimasken gegenueber gestanden, und ich meine jetzt nicht im Skiurlaub? Ich stand da wie angewurzelt, und mir fiel nichts Besseres ein, als ganz laut zu schreien, dass sie abhauen sollen, und das hat sie wahrscheinlich so ueberrascht, dass sie auf dem Absatz kehrt gemacht haben und geflohen sind. Ich habe meine Fuesse wieder gefunden, bin zurueck in die Wohnung gelaufen, Tuer zugeschlossen, und erst jetzt grunzte John „Was’n los?“
In der Verwirrung habe ich meine oertliche Polizeistation angerufen anstatt 999, zwei Einheiten kamen aber trotzdem nach hoechstens 10 Minuten, mit Schaeferhund „to pick up the scent“. Eine Minute bevor sie ankamen, sah ich die zwei Typen zu einem Wohnblock am Fluss runterlaufen. Bis wir im Bett waren, nach Protokoll aufnehmen und allem Drum und Dran, war es 3 Uhr nachts. Die Polizei meinte uebrigens, das Schloss sei nicht beschaedigt, und die Haustuer koennte offen gewesen sein. Was war denn dann der Krach? Unsere Nachbarn haben sich auch tot gestellt, die haben nicht mal fuer die Polizei aufgemacht, ich dachte schon, wir waeren die einzigen, die zuhause waren, es war ja auch Guy Fawkes Night, aber heute morgen hoerte ich dann doch ein paar Tueren im Gebaeude auf- und zugehen. Ich habe nicht viel Schlaf gekriegt gestern nacht.
Nachtrag:
Wir hatten gerade Besuch von unseren netten italienischen Nachbarn, und einer sagte, er glaubt, dass die durch das Fenster im ersten Stock eingestiegen sind, das war naemlich sperrangelweit offen, und davor gibt es so eine Art Anbau. Das war dann wohl auch der Laerm. Wir haben jetzt mal Telefonnummern ausgetauscht, und die Fenster im Treppenhaus lassen wir jetzt immer zu. Wenigstens lernt man auf die Weise mal die Nachbarn naeher kennen.
8. November 2007
Von 23. bis 30. Oktober war Susanne mal wieder da fuers London Film Festival, und ich hatte mir Mittwoch bis Freitag frei genommen, so dass ich an selbigem auch (in begrenztem Rahmen) teilhaben konnte. Zusammen haben wir “Things we lost in the Fire”, “Into the Wild” und “Grace is Gone” angeschaut, und Susanne durfte John Cusack interviewen. ”Into the Wild”, dirigiert von Sean Penn, hat mir am besten gefallen. Mittlerweile war ich in einer kostenlosen Vorpremiere von “Elizabeth – The Golden Age” (viel schlechter als der erste Film) und “Brick Lane ” (sehr gut). Susanne hat natuerlich ungefaehr viermal mehr Filme angeschaut als wir und war auch noch in etlichen Konzerten abends. Einen London Walk haben wir dieses Jahr auch wieder mitgemacht, er hiess “Shakespeare’s und Dickens’ London ”. Fuehrer war ein unscheinbar aussehender kleiner Mann, und wir haben uns Sorgen gemacht, dass seine Stimme nicht traegt. Bis er seinen Mund aufmachte und schallend sagte “HELLO MY NAME IS RICHARD III”. Damit war das geklaert. Am Samstag habe ich mir dann auf dem Portobello Market den Fuss uebertreten, aber am naechsten Tag ging es schon wieder, und wir konnten ungehindert zu der “October Plenty” Veranstaltung an der Southbank gehen. Schauspieler haben uns ins Globe Theatre eingeladen und danach gab es eine Prozession zum Borough Market, wo auf einer kleinen Buehne ein kurzes Schauspiel zum Besten gegeben wurde. Die Kostueme waren toll, vor allem der Berry Man sah prima aus, wie ein wandernder Baum mit Kastanienketten um den Hals.
Die alljaehrliche Statistik ueber “The 20 best and worst places to live in the UK ” wurde neulich bekanntgegeben: der schlimmste Wohnort ist Middlesbrough irgendwo im Norden Englands, und der beste Wohnort ist diesmal Edinburgh. Da war ich ja nun auch noch nie, das muss sich aendern.
Der Poststreik ist ja zwar seit ein paar Wochen vorueber, was in einer aufgeregten SMS von John resultierte: “Yeeehaaa I can see the postman!” Leider wird der Postberg sehr langsam abgetragen, wir warten immer noch auf diverse Post, und ich habe schon seit 3 Wochen keine Fernsehzeitschrift mehr geliefert bekommen. Aber man ist ja Kummer gewohnt hier.
John hat mir am Wochenende auf dem Flohmarkt fuer £5 einen second-hand Drucker gekauft, und nachdem ich auf der Epson Website den entsprechenden Druckertreiber heruntergeladen habe, kann ich endlich wieder drucken, hurra! Man freut sich ja schon ueber Kleinigkeiten.
Autor: Beate
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Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 4″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 5“ unterteilt in 5a bis 5c.
26. April 2007
Johns Huefte tut ihm immer noch weh. Roentgen hat keinerlei Knochenprobleme gezeigt, also ist es wohl eine Muskelzerrung. Sowas kann Monate dauern, wenn es dumm laeuft. Er hat wie ein Weltmeister Pillen geschluckt, mittlerweile geht es ihm etwas besser, aber das mit dem “Ruhen” hat nicht so geklappt, da erstmal noch der Umzug von Constanze und Lisa ueber die Buehne gebracht werden musste. Constanzes Umzug ging sehr flott, 9 Uhr fing das Einladen an, um 12 Uhr war alles in Fulham ausgeladen. Am naechsten Tag ging’s ab nach Rushden, das dauerte natuergemaess etwas laenger, auch mit dem Einladen. Wir haben echt daran gezweifelt, ob Lisa alles in der neuen Wohnung unterbringen wird, aber irgendwie ging es gerade so. Am Sonntag abend waren wir dermassen kaputt, dass es gerade gut war, dass die darauffolgende Woche kurz war.
Am Karfreitag haben wir in aller Gemuetsruhe gefruehstueckt, gepackt und sind dann zum Flughafen gefahren. Alles ging nach Plan, ausser dass Cinzia uns nicht vom Flughafen abholen konnte und wir den Bus von Bergamo nehmen mussten. Der hatte einen Sonderpreis fuer die Fahrkarten (3 fuer den Preis von 2), und kaum hatten wir das Flughafengebaeude verlassen, wurden wir auch schon in den Bus geschubst.
Bis Ostermontag waren wir bei Cinzia und Lisas Eltern etwas ausserhalb Mailands untergebracht, und es ging recht gemuetlich zu. Am Samstag haben wir einen Ausflug in den Ort unternommen, Eis gegessen, Schildkroeten angeguckt und eingekauft (Lebensmittel und Geschenke). Am Abend habe ich auch das erste Mal italienisches Fernsehen erlebt. Es wimmelt nur so von Game Shows, die meisten abgekupfert von englischen (Who Wants to be a Millionaire, Deal or no Deal), aber mit mehr Drama, Pathos und leichtbekleideten langhaarigen Damen ausstaffiert. Bei Millionaire haben wir die Fragen und Antworten natuerlich nicht verstanden, also haben wir uns aufs Geratewohl eine Antwort ausgesucht (“Ich sage A.” “Ne, ich bin fuer C ”). Deal or no Deal war mehr oder weniger selbsterklaerend (jede Box repraesentiert eine Gewinnsumme), der Banker war der “Dottore”, und anstatt reinen Geldsummen enthielten manche Boxen auch “10 kg Holz” oder “einen Foen”. Die “Pacco X” enthielt eine Ueberraschungssumme, und eine Box enthielt ein Nilpferd, und wenn die Box gewaehlt wurde, tanzten alle, inclusive Moderator, zu “YMCA”. Genial.
Ostersonntag war dann ganz dem Barbecue gewidmet, alle sassen um einen Riesentisch im Hof herum und assen von mittags bis 9 Uhr abends. Vorspeisen, erster Gang, zweiter Gang, Pasta, Fleisch, Brot, Salat, Nachspeisen, Schokoladenhasen, Kuchen… Und am Abend ging das Ganze von vorne los. Noch mehr Pasta, noch mehr Brot. Und die Cousins schaufelten immer noch. Ich habe an diesem Tag zwei wichtige Woerter gelernt: “Basta” (Genug, ich kann nicht mehr!) und “Dopo” (Spaeter).
Am Ostermontag hat Cinzia uns nach Mailand gefahren, wir haben im B&B eingecheckt und einen ersten Gang durch Mailand unternommen. Aufgefallen ist uns da unter anderem, dass es in Mailand ein sehr grosses Graffitiproblem gibt – die Schmierereien sind wirklich an jeder Wand. Und die Mailaender fahren wirklich wie die Verrueckten, an Zebrastreifen angehalten wird schon mal gar nicht, und auch sonst ist man lieber super vorsichtig.
Die naechsten Tage haben wir alle wichtigen Sehenswuerdigkeiten abgegrast: den Duomo (der Blick vom Dach ist einmalig!), das Scala Theater, das Castello Sforzesco mit Park und Aquarium drumherum, die Kirche Santa Maria delle Grazie (allerdings ohne da Vincis Letztes Abendmahl zu sehen, da man dafuer Karten vorbestellen muss), den Naviglidistrikt mit den Kanaelen (in Navigli war auch das B&B), zwei wunderschoene Basiliken und das unglaublich interessante Wissenschaftsmuseum, das neben Holzmodellen von da Vincis Erfindungen auch ganze Unterseeboote, Zuege, Schiffe und Flugzeuge ausstellt.
Das B&B, das am ersten Tag noch wunderbar ruhig gewesen war, wurde am zweiten Abend von lautem Haemmern und Bohren erschuettert. Der Supermarkt nebenan wurde renoviert, und die Handwerker dachten nichts dabei, bis Mitternacht Laerm zu machen, und dann ab morgens um 4 (!) schon wieder draufloszuhaemmern! Wir haben dann auf die andere Seite des Blocks gewechselt, wo nichts mehr zu hoeren war, dafuer waren wir ueber der Rezeption untergebracht, wo staendig das Telefon klingelte. Immer noch besser als Bohrlaerm!
Am Freitag haben wir einen Tagesausflug an den Comer See gemacht, der trotz Zugstreiks reibunglos ablief, da die private Zuggesellschaft, die von Mailand Cadorna faehrt, nicht streikte. Wir haben mit dem Schiff einen Abstecher von Como nach Bellagio gemacht, das wirklich urig ist, aber fuer Fusskranke gar nicht geeignet, da es an einem steilen Abhang liegt. Da dies unser letzter Abend war, haben wir uns ein nettes Restaurant am Navigli-Kanal gesucht, das superleckere Wagenradpizzas anbot und einen Kellner, der alle Bettler verscheucht hat, die staendig auftauchten (wir sassen auf der Terrasse vor dem Restaurant).
Am Samstag, unserem Abfahrtstag, sind wir ausgecheckt, mit dem Bus zum Flughafen Bergamo gefahren, haben unsere Koffer im Autostradale Buero eingelagert und haben einen Bus in die Innenstadt genommen. Von dort fuhr eine Seilbahn in die Altstadt, und die war wirklich urig! Jede Menge Basiliken, Kirchen und eine Festung mit Park und tollem Ausblick. Dann sind wir mit einer weiteren Seilbahn noch hoeher auf den Berg hinaufgefahren und haben dort mit tollem Ausblick zu Mittag gegessen, bevor es wieder bergabwaerts ging.
Uns ist aufgefallen, dass die Mailaender im allgemeinen doch etwas grob und arrogant sind, vor allem, wenn man nicht 100%ig italienisch spricht. Die Einwohner von Bergamo haetten dagegen nicht freundlicher sein koennen. Ein Busfahrer, den wir fragten, ob sein Bus zum Flughafen fuehre, stellte den Motor ab, stieg in aller Seelenruhe aus dem Bus aus, zeigte uns auf dem Fahrplan den richtigen Bus plus Abfahrtszeit, stieg dann wieder ein, liess den Motor an und fuhr ab.
Am Sonntag habe ich dann die ueblichen Verdaechtigen zum Buffetlunch im Elephant Royale eingeladen, und da es etwa 24 Grad hatte, sassen wir auf der Terasse mit Themseblick. Durch verschiedene Transportprobleme bedingt (“und wir mussten warten, bis der Waschmaschinenzyklus zu Ende war”) kamen Lisa und Constanze ueber eine Stunde zu spaet, haben aber alles mit einem Korb voller deutsche Fressalien wieder gut gemacht. Den Rest des Tages haben wir nur noch ausgespannt.
Lisa hatte waehrend meiner Abwesenheit im Buero meinen Platz eingenommen und wurde auch die darauffolgende Woche noch eingesetzt, da Kate erst 3 Tage Urlaub hatte und dann 2 Tage krank war. Diese Woche ist sie jetzt auch noch da, weil Fiona (endlich!) gekuendigt hat und wir noch einen ganze Ladung alter Dokumente ins Archiv schaffen muessen, was immer ein Wahnsinnsakt ist. Bald ist keiner von der alten Garde mehr da!
Am Sonntag war mal wieder London Marathon, da es aber auch wieder recht warm war, sind wir zuhause geblieben und haben uns das Ganze im Fernsehen angeschaut. Es war ganz lustig zu sehen, welche Kostueme manche Laeufer anhatten – Indianer, Elvis, Paddington Bear, die ganze Palette war vertreten. Gordon Ramsey hat dieses Jahr 4.20 Stunden gebraucht, sehr enttaeuschend. Letztes Jahr lief er um die 3.30 Stunden, aber man wird halt aelter “und es war sooo heiss!” John war fruehmorgens zum Shoreditch Market gegangen, und als er zurueckkam, herrschte Chaos auf der DLR, er musste 2 Stationen laufen, und der Fusstunnel wurde auch ein paar Stunden lang gesperrt.
Vorgestern habe ich auch ein B&B in Wales gebucht fuer den ersten May Bank Holiday ( von Freitag 4. Mai bis Montag 7. Mai). Meine Mutter fragte “Warum geht ihr denn immer weg an Feiertagen, bleibt doch mal zuhause, geht ins Britische Museum oder macht eine Themsefahrt” Ja Mama, haben wir alles schon gemacht. Ich haette aber gerne mal ein paar Tage Ruhe von unserer Strasse, und es gibt soviel, was wir in Grossbritannien noch nicht gesehen haben. Eigentlich wollten wir uns in Newport oder Caerleon was suchen, aber am Samstag des fraglichen Wochenendes findet ein wichtiges Rugbyspiel in Cardiff statt, und rundherum scheint fuer Meilen alles ausgebucht zu sein. Also sind wir wieder in der Naehe von Tintern gelandet, da ist es aber auch schoen. Und wozu haben wir den Manta fuer Ausfluege?
Und jetzt surfe ich gerade das Internet ab fuer ein Cottage im Peak District fuer eine Woche Ende Mai. Fuer irgendwas muss man ja schuften.
8. Mai 2007
Tintern war prima, wir haben ein paar Burgen erkundet und diverse Flohmaerkte erforscht, aber irgendwie waren wir beide ziemlich kaputt am Wochenende, ich wegen einer fetter Erkaeltung, und John wahrscheinlich immer noch wegen der Huefte, und so waren wir ganz froh, als wir am Montag mittag wieder zuhause angelangt waren. Das B&B war recht huebsch und ruhig gelegen, und das Zimmer auch recht gross, mit einem Doppelbett, einem Einzelbett und einer Sitzecke vor dem Fernseher ausgestattet, aber mein Gott, war die Betreiberin geschwaetzig! Jedes Mal, wenn wir zur Tuer hereinkamen, kam sie wie ein Terrier von irgendwoher geschossen und hat uns Loecher in den Bauch gefragt. Und wir hatten zwar unser eigenes Bad, aber es war am anderen Ende eines langen Ganges, und John hat mich einmal mitten in der Nacht aufgeweckt, weil er aufs Klo musste und polternd im Schrank nach dem Bademantel gesucht hat. Er hat wohl gefuerchtet, dass sie immer noch auf ist und um die Ecke geschossen kommt auf der Suche nach einem Gespraech, und da wollte er wenigstens was anhaben, LOL.
Jetzt versuche ich nur noch die Woche rumzukriegen, es ist Kates letzte Woche vor ihrem Mutterschaftsurlaub, und ich kann es gar nicht abwarten, bis sie endlich die Biege macht. Ohne ihr konstantes Babygerede wird mir das wie ein zweiter Urlaub vorkommen. Lisa bleibt noch bis mindestens Ende Mai, und zusammen koennen wir dann endlich die Ablage auf Vordermann bringen.
Diese bloede Erkaeltung – ich fuehl mich so blah.
19. Mai 2007 – The Queen and I
Ich arbeite in City Road, und unser Buero schaut auf eine grosse Gruenflaeche, umgeben von Bueros und Haeusern. Er gehoert der Honorary Artillery Company, also der Armee, und wir sehen des oefteren Armeehubschrauber landen. Ab und zu werden Veranstaltungen abgehalten, und nach 7/7 wurden die weissen Zelte mit den Opfern der Terroranschlaege dort errichtet. Und gestern kam die Queen zu Besuch.
Alle 25 Jahre findet die “Presentation of Colours” statt, ein Armeeritual mit einer Menge Soldaten, viel TamTam und Marschmusik. Ein Kollege, der eingeladen war (und seine Mammi mitnahm, wie suess), erzaehlte uns davon, und da es nicht alle Tage vorkommt, dass die Queen im Hinterhof vorbeischaut, hat uns die Geschaeftsleitung tatsaechlich eine dreistuendige Mittagspause und einen Sandwichlunch vesprochen, damit wir uns nicht vom Fenster wegbewegen muessen. Der Aufbau von Zelt, Tischen, Stuehlen und Tribuenen fand am Vorabend statt, und am Morgen konnten wir schoen beobachten, wie langsam die geladenen Gaeste eintrudelten – die Maenner todschick in Anzug oder Smoking mit Bowlerhut und die Damen in Kostumen und Hueten, die Ascot-wuerdig waren.
Gegen 11.15 fingen bei schoenstem Kaiserwetter die Paraden an, es war alles maechtig aufregend, und dann fuhr ein Auto vor und spuckte eine kleine Person aus – die Queen im blauen Kostuem mit blauem Hut. Sie wurde in einem Art Glaskaefig verfrachtet (wohl aus Sicherheitsgruenden) und die Paraden gingen weiter. Dann schritt die Queen die Reihen ab, hielt eine Rede, die wir nicht hoeren konnten, schritt die Reihen nochmals ab, die Soldaten marschierten langsam aus dem Hof, und die Gaeste filterten zum Buffet.
Dies veranlasste uns, unsere Sandwiches zu verspeisen und sogleich die Fotos von der Digitalkamera auf den Officeserver abzuspeichern. Gegen 14.30 gab es nochmal lautes Hallo, als die Queen sich verabschiedete und in ihrer Staatskarosse davongefahren wurde, aber den Teil habe ich nur am Rande mitgekriegt. Ich fand es allerdings sehr fuersorglich von ihr, ganz in Blau gekleidet zu kommen, denn so stach sie prima von dem gruenen Rasen und den rot, weiss und schwarzuniformierten Soldaten ab. Ich kann also jetzt stolz sagen:
“I have seen the Queen and she was blue”.
21. Mai 2007
Oh mein Gott, die Cutty Sark brennt! Wir haben uns schon ueber die Helikopter gewundert, und die Kameracrews vor dem Haus!
22. Juni 2007
Die Erkaeltung ist weg – Lisa ist noch da, voraussichtlich bis Ende September. Hach, ist das schoen hier ohne Kate!
Hurra, wir haben jetzt alle angeforderten Kontoueberziehungsgebuehren plus 8% Zinsen und Gerichtsgebuehren von Johns Banken zurueckbekommen! Es war richtig schoen zu sehen, wie eine Bank nach der anderen nachgegeben hat, zwar mit viel Getoese und “die Gebuehren sind nicht zu hoch und wir geben rein gar nichts zu”, aber dann eben doch einen Scheck geschickt hat, noch bevor ueberhaupt ein Gerichtstermin gesetzt war. John hat von dem Geld seinen Anteil am Peak District Urlaub bezahlen koennen.
Der Peak District ist wunderschoen! Wir hatten uns fuer 8 Naechte in einem sehr huebschen B&B in Bakewell einquartiert, vom Fenster aus sah man Kuehe auf der Wiese, aber der Ort war trotzdem nur ein Fussmarsch von 5 Minuten den Berg hinunter. Bakewell ist richtig urig, nicht zu gross, nicht zu klein, und nicht zu touristisch, mit richtig schoenen Cottages ueberall. Das Wetter war die ersten Tage etwas regnerisch, aber im Peak District gibt es soviel zu tun, dass das nichts ausmacht. Tropfsteinhoehlen, Jane Austen Herrenhaeuser, Burgen, Gaerten, Maerkte … Und gegen Mitte der Woche wurde es total warm!
In einem Herrenhaus (war es Sudbury Hall?) waren jede Menge Originalkostueme aus “Sense und Sensibility” ausgestellt, da der Film wohl in der Nahe gedreht wurde. Ich konnte Kate Winslets Kostuem ablichten, bevor mir bedeutet wurde, dass “aus Sicherheitsgruenden” ein Fotografierverbot herrsche. Das bedeutete, dass ich Colin Firth’s beruehmtes Kostuem aus Pride und Prejudice auch nicht ablichten konnte! Was fuer eine verpasste Gelegenheit. Der Glanz und Prunk mancher dieser Haeuser (z.B. Chatsworh House) ist phaenomenal. Manche sind allerdings so kostspielig zu unterhalten, dass sie entweder an den National Trust oder an English Heritage verkauft wurden (wir sind bei beiden Mitglied). In einem Haus herrschte gerade kreatives Chaos, da renoviert wird, und manche Zimmer als Rumpelkammern dienen und mit einer Mischung aus ausgestopften Tieren und Mineralien vollgestopft waren. Eine hochherrschaftliche Familie eines anderen Hauses muss im letzten Jahrhundert viel in Indien herumgekommen sein, ein ganzer Raum diente der Ausstellung von indischen Moebeln und Krimskrams, viel aus Elfenbein. Wenn man sich vorstellt, wie damals gereist wurde, kann man nur den Kopf schuetteln ueber all die schweren Gegenstaende, die da zurueck in die Heimat geschleppt wurden. Ryanair wuerde das nicht mehr zulassen!
Im nahe gelegenen Matlock gibt es die Heights of Abraham, ein Berg mit Park und Hoehlen, auf den man per cable car gelangt. Vor allem John war auch so richtig begeistert von einem tramway village, in dem nicht nur alle Strassenbahnen aus aller Welt ausgestellt sind, sondern auch mit einer vom einen Ende des Dorfes zum anderen fahren kann. Eine Birminghamer Strassenbahn hat er allerdings vergeblich gesucht, die gab’s nur als Modell, “weil die andere Schienen hatten”.
Der Manta hat natuerlich auch zweimal schlappgemacht, der Motor ging einfach aus. Beidesmal haben wir die AA angerufen, die auch nicht wirklich wussten, was denn eigentlich falsch war, weil die Karre beidesmal nach einer Weile wieder ansprang. Seitdem laeuft der Manta auch wieder, God knows was das wieder war. John schleppt jetzt diverse Ersatzteile und irgendein Spray mit sich herum, sollte es noch einmal vokkommen. Gott sei Dank brauchen wir in unseren naechsten beiden Urlaube kein Auto.
Den Sonntag der Abreise haben wir dazu genutzt, Einkaeufe fuer Freunde und Buero zu taetigen (ein paar Bakewell Tarts konnten auch nicht fehlen) und am Morgen noch eine Keramikausstellung zu besuchen, in die wir verbilligt hineinkamen, da andere B&B Gaeste dort ausstellten und discount vouchers verteilten. Ich habe mich dann doch tatsaechlich dazu hinreissen lassen, eine wunderschoene Keramikschale zu kaufen. Die B&B Landlady verkaufte uns dann noch “handmade Orange & Ginger und Lemon, Lime & Grapefruit Marmelade” und gab uns ein bisschen Kuchen und Pflaumenmarmelade, natuerlich auch selbergemacht, gratis obendrauf. Zu schade, dass sie nach diesem Jahr in Ruhestand geht! Da wuerde ich wieder hingehen – das Fruehstueck war auch hervorragend.
Am Dienstag war ich doch tatsaechlich mal beim Zahnarzt und habe zwei Fuellungen eingesetzt bekommen. Das ganze hat stolze £93.60 gekostet, was sich zusammensetzt aus NHS Gebuehren fuer die Untersuchung und das Roentgen und Privatgebuehren fuer die Fuellungen, weil ich weisse Fuellungen wollte. Der Zahnarztbesuch an sich war ja nicht schlimm, aber die Betaeubung hat 5 Stunden angehalten! Und ich hatte doch solchen Hunger. Na ja, jetzt muss ich hoffentlich eine Weile lang nicht mehr hin.
Gestern war “Lights out in London ”, da wurden von 9 – 10pm in vielen Buerogebaueden die Lichter tatsaechlich mal ausgeschaltet, und am Piccadilly Circus auch. Dummerweise war nur gestern der laengste Tag des Jahres, so dass es bis ca. 9.30pm noch relativ hell war – der Effekt waere in einer Dezembernacht sicher besser gewesen. Da merkt man erst, wie bloed es doch eigentlich ist, ueberall jede Nacht das Licht anzuhaben. Ueberhaupt ist Umweltschutz gerade das grosse Thema. Der “carbon footprint” ist hier in aller Munde, fuer mich das Unwort des Jahres. Kommt gleich vor “food miles”. Ja sicher, ich fliege ab jetzt nirgends mehr hin und esse nur noch Lebensmittel vom naechsten Bauernhof, und schon ist der Planet gerettet. Solange hier nicht endlich vernuenftige Anreize fuer mehr Recycling geschaffen werden (und zwar Belohnungen, nicht Strafen), wird das hier sowieso nichts. Wird den Englaendern zuviel von der Regierung aufgezwungen, reagieren die gleich rebellisch.
Ich bin ja auch mal gespannt, wie der smoking ban ab 1. Juli funktioniert. In allen anderen Laendern wie Irland, Schottland und Wales war es kein Problem, nach ein bisschen Motzerei hat sich jeder dran gewoehnt, dass er mit seinen Fluppen eben vor die Tuer muss. Ob das in England genauso reibungslos ablaeuft, wird sich zeigen. Ich fuer mein Teil kann es kaum abwarten, bis es endlich soweit ist.
Wir kamen gerade aus Island Gardens Station heraus und haben beobachtet, wie ein Riesenlaster direkt vor dem Laden gegenueber parkt – natuerlich auf double yellows, was streng verboten ist. Normalerweise ist mir das egal, was die Leute so tun, aber an der Ecke reagiere ich allergisch, weil es total gefaehrlich ist, wenn man nicht mehr ums Eck auf die Hauptstrasse sehen kann. Hab also meinen Mut zusammengenommen und den Fahrer angesprochen. Ob ihm klar sei, dass er auf double yellows parkt, halb auf der Strasse, an der Strassenecke, und dass man um seinen Riesenlaster nicht rumgucken kann. Habe mich innerlich fuer ein „F*ck off and mind your own business!“ gewappnet und wurde daher von seinem hoeflichen „Oh, sorry“ voellig aus der Bahn geworfen. Dann stieg er auch schon ein und fuhr den Laster weg. Ich bin immer noch ganz erschuettert. Wer die rauhen Londoner Sitten kennt, wo man eher ein Messer in den Bauch bekommt als eine Entschuldigung, weiss warum.
27. Juni 2007
Weihnachten kommt tatsaechlich immer frueher. Ging doch heute glatt ein Email von der Bueroleitung herum, dass wir gnaedigerweise alle den 24. Dezember als zusaetzlichen Urlaubstag geschenkt bekommen, da es der Montag vor den Feiertagen ist und wir die Firma einfach mal einen Tag lang komplett dicht machen. Habe also den 24. „refunded“ bekommen, da mein Weihnachtsurlaub schon beantragt war. Und dann kam ein Fax rein, aus dem ich entnahm, dass unsere Weihnachtsfeier auch schon gebucht ist! Wir fallen hier aber auch von einem Extrem ins andere, letzes Jahr wurden die Weihnachtskarten an die Kunden so um den 21. Dezember rum geschickt, LOL.
So, jetzt heisst der Premierminister also nicht mehr Tony Blair sondern Gordon Brown. Als mich ein Kollege fragte, was ich denn davon halte, war meine Antwort „Solange ich in diesem Land nur in Kommunalwahlen mitmischen darf, ist mir das herzlich egal, wer Premiermininster ist.“
Der Norden und die Midlands hat’s mal wieder voll erwischt mit schlimmen Regenfallen, vielerorts gibt es Ueberschwemmungen, ein Damm droht zu brechen. Und wer schon immer mal eine Kanufahrt durch Sheffields Strassen unternehmen wollte, hat jetzt Gelegenheit dazu! Vorhin hat es hier auch zweimal geschuettet wie aus Eimern, aber immer nur fuer ein paar Minuten.
Das O2 Gebaeude, formerly known as The Millenium Dome, wurde letzte Woche eroeffnet, der erste Gig war Bon Jovi. Dieses Wochenende gibt es anscheinend spezielle Deals fuer das Kino im O2. Das Wochenende darauf gibt Barbra Streisand ein Konzert und Johns Bruder geht hin. Das bedeutet, dass er uns das erste Mal in seinem Leben in London besucht, da wir ja nicht soweit weg wohnen, und er praktischerweise sein Auto in unserem Innenhof parken kann.
Ach ja, und Kate hat gestern ihr Baby bekommen. Ueber einen Namen konnte man sich noch nicht einig werden. Neun Monate sind ja auch wirklich zu kurz fuer so eine Entscheidung.
2. Juli 2007
Was kann in London innerhalb 72 Stunden so alles passieren? Lass mich mal nachdenken. Ein Poststreik. Ein Konzert fuer eine tote Prinzessin. Ein Rauchverbotsbeginn. Ach ja, und ein paar Autobomben. Also im Grunde fast alles wie immer.
Oder?
7. Juli 2007
Dieses Wochenende ist ganz schoen was los in London – Wimbledon (immer noch), Tour de France, Live Earth Konzert, Henley Regatta…. und da Constanze unbedingt die knackigen Ruderer begutachten will, habe ich meinen “Girls Afternoon In” mit viel Kuchen auf morgen nachmittag festgelegt. John ist das ganze Wochenende auf einer Car show, da kann er schonmal nicht stoeren. Eine Freundin aus Deutschland wollte eigentlich am Sonntag auch noch zu Besuch kommen, die hat Flug und Hotel von der Firma spendiert gekriegt, leider geht deren Flieger schon wieder Sonntag morgen.
Hoffentlich hat sie mehr Glueck mit ihren Fluegen als mein Chef am Mittwoch. Der wollte fuer den Tag geschaeftlich nach Glasgow fliegen, er wurde aber kurzfristig umgebucht auf einen Flug 5 Stunden spaeter. Der waere genau eine halbe Stunde vor seinem Rueckflug angekommen, also musste ich alles stornieren, was gar nicht so einfach war, da die Onlinesysteme von BA zusammengebrochen waren und fuer Stunden niemand ans Telefon ging. Und dann wollten sie nicht mit mir sprechen, da ich nicht der Fluggast selber war. Argh.
Bin mir nicht mehr so sicher, ob ich das Rauchverbot so gut finden soll. Als solches schon noch, das Dumme ist nur, dass die Raucher sich jetzt draussen vor die Tuer des Clubs stellen. Das erste Mal habe ich das hautnah am Donnerstag Nacht miterlebt, als vor dem rowing club ein laermiges Rauchertreffen abging. Double argh.
Ich weiss nicht ob euch Anya Hindmarch’s “I’m not a plastic bag” Tasche ein Begriff ist. Eine limitierte Designertasche, die vor ein paar Monaten mit viel Getoese bei Sainsbury’s (einem Supermarkt) fuer £5 pro Stueck verkauft wurde, binnen Minuten ausverkauft war, bei ebay landete und irre Preise erzielte. Ich finde den hype um diese Tasche unglaublich, die sieht nicht anders aus als jede andere Leinentasche fuer den Supermarkteinkauf, nur dass halt in grossen Buchstaben “I’m not a plastic bag” draufsteht und es eine Designertasche ist, die nur in limitierter Auflage verkauft wurde und sofort von vielen Stars zur Schau gestellt wurde. Dann wurde eine zweite Aktion gestartet fuer die Mailing List Mitglieder von “We are what we do”, der website, die hinter dem ganzen steckt und die nichts geringeres vorhat, als die Welt zu retten. Wer am 20. Juni eine Email bekam, “durfte” eine Tasche plus dazugehoeriges Buch kaufen.
Ich bekam ploetzlich am 3. Juli eine Email: “ Hello. This is an invitation to purchase a “I’m not a plastic bag” bag. We are giving this opportunity to you, patient subscriber, who were not selected in the draw. Luckily for you, the 7 day deadline has passed and some of the winners have not placed an order. The new season’s bags are blue, green and charcoal grey. Colours will be allocated at random and orders must be placed within seven days of email receipt otherwise the opportunity defers and the bag is allocated to another subscriber. The price of the new, set package is £21.78. this includes a copy of our second book ‘Change the World 9-5’, postage and packaging (by trackable courier delivery), VAT and covers a small increase in the cost of the bag (£7.50) to provide a more sustainable price point for We Are What We Do.” Was haettet ihr gemacht? Genau. Die Tasche sollte in ein paar Wochen da sein und dann geht’s auf zu ebay.
Die Bank of England hat gestern zum fuenften Mal innerhalb eines Jahres einen Zinssatzanstieg von 0.25% bekanntgegeben, obwohl der letzte Anstieg erst vor 2 Monaten war. Der momentane Zinsstand betraegt jetzt 5.75%. Fuer Hausbesitzer mit einer Hypothek sind das extrem schlechte Nachrichten, da die Hypothekenzinsen damit ansteigen, fuer jemanden wie mich mit Ersparnissen sind das extrem gute Nachrichten, da die Zinsen auf den Sparkonten auch ansteigen.
Was haben wir denn sonst noch so fuer Schlagzeilen? Gucken wir mal durch die lokale “The Docklands” Zeitung:
- “Defiant Docklands – business as usual for the wharf and City Airport, despite terror threat”
- “Riverside South project gets the go-ahead”, und gleich auf der naechsten Seite:
- “We will battle on, vow campaigners against a new 25-storey development in Docklands”
- “A chorus of O2 approval” (zur Eroeffnung des O2 Millenium Domes)
- “We’ve had enough of drunken yobbos” (betrunkene Teenager sind selten willkommen)
- “Fewer rubbish collections to cut down on landfill” (soll wohl Recycling ankurbeln)
- “Euan Blair gets Canary Wharf job”
- “Shrek faces fatherhood!”
26. Juli 2007
Ach du meine Guete, war das heiss in Deutschland. Wir sind am Sonntag, den 15. Juli gegen Nachmittag in Friedrichshafen gelandet. Leider hatten wir den Direktzug nach Biberach verpasst, eine Stunde warten auf den naechsten warten wollten wir aber auch nicht. Rief also meine Mutter an, die einen Zug nach Aulendorf und dann umsteigen aus dem Fahrplan herausfand. Haben also brav die Karten aus dem Automaten gezogen und uns auf Gleis 2 gestellt, denn Zuege in Richtung Ulm gehen IMMER von Gleis 2 aus. Man stelle sich also das Erstaunen aller auf Bahnsteig 2 Versammelten vor, als keine 2 Minuten spaeter auf dem gegenueberliegenden Gleis ein Zug mit Schild “Ulm Hbf” einfuhr. Zuege in Deutschland kommen tatsaechlich zu spaet an? Und dann noch auf dem falschen Gleis? „Sodom und Gomera“, wie Else Kling sagen wuerde. Alles sprintete los, aber so einfach ist das auch nicht, wir hatten total schwere Koffer, also haben wir den Aufzug nach oben genommen und ich sagte zu John nur noch “RUN”. Wir sind losgespurtet, die Koffer holterdipolter hinter uns herziehend die Treppe zur anderen Seite hinunter. Wie ein Wunder stand der Zug immer noch da, ich konnte es kaum fassen. Dann war mir auch klar, wieso. Er war total ueberfuellt, und Menschen haben noch immer versucht, sich hineinzuquetschen. Ich habe mich irgendwie hineingezwaengt, John hinter mir dachte, er kommt nicht mehr rein, hat sich gerade noch auf die Treppe geschwungen, dann schwang die Tuer zu und der arme Kerl hing kofferbalancierend auf der zweiten Stufe herum. Bei der Ankunft in Biberach waren wir schweissgetraenkt.
Wir haben die Woche nicht wie sonst mit Sightseeing vollgestopft, es war so heiss, und der Garten meiner Mutter so verlockend, wenn auch voller Wespen, Schnaken und Fliegen. Montag und Dienstag ging es aufs Schuetzenfest (Umzuege und Vergnuegungspark), Mittwoch war unser Einkaufstag in der Stadt, Donnerstag haben wir John den Federsee in Bad Buchau gezeigt und gingen anschliessend schwimmen, Freitag war reiner Faulenzertag, und Samstag ging’s dann nach Stuttgart, um den 96. Geburtstag meines Opas zu feiern, bevor es am Sonntag abend wieder zurueck nach London ging.
An manche Sachen muss man sich aber wirklich erst wieder gewoehnen. Die erste Apfelsaftschorle-Pfandflasche habe ich prompt weggeworfen, bis mir die Sache mit dem Pfand klar wurde. Was macht man aber, wenn man als Tourist auch nicht alle naselang in den Supermarkt wegen Pfandrueckgabe springen kann? Genau. Unsere Bekannten, bei denen wir am Samstag uebernachtet haben, haben jetzt 5 Pfandflaschen bei sich rumstehen, die letzte haben wir ihnen kurz vor Abflug noch in die Hand gedrueckt.
Die Frau vor uns in der Abflugschlange hatte 20 Milchschnitten im Handgepaeck, das gab beinahe eine Situation, bevor man sich darauf einigte, ihr eine Tupperschuessel zu geben, in der die Milchschnitten urploetzlich ungefaehrlich waren. Da war ich doch froh, dass mein Kaese im Koffer vor sich hinmueffelte!
Unser Flug war huebsch puentklich, bis auf den Schluss, als zwar die Tueren aufgingen und die Treppe herangerollt wurde, wir aber nicht aussteigen durften, da der Sicherheits-Treppenfreigabemensch nirgends aufzufinden war. 40 Minuten lang. Als wir endlich ans Kofferkarussell herankamen, waren die Koffer bestimmt schon 50mal rundherumgefahren, wir fanden sie jedenfalls sofort. Gegen 23 Uhr waren wir zuhause, todmuede.
Zwei Dinge habe ich verpasst, waehrend wir fort waren (wenn man Eastenders nicht mitzaehlt): das Harry Potter Band VII Eroeffungswochenende und die Ueberschwemmungen. Wir sind zwar nicht ueberschwemmt, obwohl wir nahe der Themse leben (aber auch nahe der Thames Barrier), aber ansonsten sieht es entlang der Fluesse recht duester aus. Am schlimmsten ist es rund um Gloucester und Oxford , aber auch der Westen Londons kann sich noch auf etwas gefasst machen. Da freut man sich doch, dass man im obersten Stockwerk wohnt.
Und Harry Potter habe ich mir von einer Freundin ausleihen muessen, da am Samstag ein solcher Run war auf die billigen Ausgaben (Tesco, ASDA, John Lewis, Morrisons und Costco haben den Band fuer £5 verschleudert), dass nach ein paar Stunden alles ausverkauft war. Ich haette eine Freundin bitten sollen, mir einen mitzukaufen. Oder in Deutschland kaufen am Samstag, aber da ist er ja schon recht teuer, und schwer wiegt der Band ja auch. Jetzt lese ich eben Lisas Erwachsenenausgabe. Constanze faengt gerade mit Band 1 an, sowas soll’s auch geben.
28. Juli 2007
The excitement never stops. Heute und morgen findet das Red Bull Air Race statt zwischen O2 Dome und Thames Barrier, und schon seit ein paar Tagen fliegen zwei der kleinen Flugzeuge ihre akrobatischen Kreise ueber uns. Bilder werden leider nichts, weil sie zu hoch oben sind, und richtige Tickets kann ich mir nicht leisten, aber der Laerm dieser kleinen Flugzeuge ist auch so richtig beeindruckend.
Und dann ging John zum wiederholten Male zu ASDA um zu gucken, ob die neue Palette Harry Potter endlich da ist – nein, ist sie nicht – und lief in eine grosse Ansammlung Polizisten, die irgendwas von „Bombe“ murmelten. Huch. Spaeter kam die Meldung dann online: Eine Kriegsbombe wurde bei Bauarbeiten in Millharbour gefunden. Das ist nicht wirklich weit von uns, zwischen Island Gardens und Crossharbour Stations.
Jetzt habe ich also den ausgeliehenen Harry Potter ausgelesen und weiss nicht, was mit meiner Zeit anfangen. Hm, vielleicht meinen Septemberurlaub am Rhein planen. Aber erstmal wird Der weisse Hai angeschaut. The excitement never stops.
Autor: Beate
Beateher@yahoo.com
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Die laute Welt und ihr Ergötzen
Als eine störende Erscheinung
Vermag der Weise nicht zu schätzen.
Ein Maulwurf war der gleichen Meinung.
Er fand an Lärm kein Wohlgefallen,
Zog sich zurück in kühle Hallen
Und ging daselbst in seinem Fach
Stillfleißig den Geschäften nach.
Zwar sehen konnt’ er da kein bissel,
Indessen sein getreuer Rüssel,
Ein Nervensitz voll Zartgefühl,
Führt sicher zum erwünschten Ziel.
Als Nahrung hat er sich erlesen
Die Leckerbissen der Chinesen,
Den Regenwurm und Engerling,
Wovon er vielfach fette fing.
Die Folge war, was ja kein Wunder,
Sein Bäuchlein wurde täglich runder,
Und wie das häufig so der Brauch,
Der Stolz wuchs mit dem Bauche auch.
Wohl ist er stattlich von Person
Und kleidet sich wie ein Baron,
Nur schad, ihn und sein Sammetkleid
Sah niemand in der Dunkelheit.
So trieb ihn denn der Höhensinn
Von unten her nach oben hin,
Zehn Zoll hoch oder gar noch mehr,
Zu seines Namens Ruhm und Ehr
Gewölbte Tempel zu entwerfen
Und denen draußen einzuschärfen,
Daß innerhalb noch einer wohne,
Der etwas kann, was nicht so ohne.
Mit Baulichkeiten ist es mißlich.
Ob man sie schätzt, ist ungewißlich.
Ein Mensch von anderm Kunstgeschmacke,
Ein Gärtner, kam mit einer Hacke.
Durch kurzen Hieb nach langer Lauer
Zieht er ans Licht den Tempelbauer
Und haut so derb ihn übers Ohr,
Daß er den Lebensgeist verlor.
Da liegt er nun, der stolze Mann.
Wer tut die letzte Ehr ihm an?
Drei Käfer, schwarz und gelb gefleckt,
Die haben ihn mit Sand bedeckt.
Foto: © cossac (Dieter Haugk) / pixelio
Autor: Wilhelm Busch
(15. 4. 1832 Wiedensahl, Hannover, † 9. 1. 1908 Mechtshausen bei Seesen)
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Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 4″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 5“ unterteilt in 5a bis 5c.
Foto: © my84 / pixelio
9. Januar 2007
So, jetzt hat wieder ein neues Jahr begonnen und mein Vorsatz, dieses Jahr mal eine Vorsatzliste zu machen, wurde immer noch nicht in die Tat umgesetzt. Bleibt halt alles beim alten. Trotzdem allen ein gutes neues Jahr!
Trotz des Nebels sind wir am 23.12. gut in Friedrichshafen fuer den Weihnachtsurlaub gelandet. Die Maschine hatte zwar eine halbe Stunde Verspaetung, weil jemand nicht rechtzeitig durch die Security durchkam, aber was ist schon eine halbe Stunde unter Freunden. In Stansted muss man jetzt sogar die Schuhe ausziehen und durch ein Roentgengeraet schicken!
Wir haben furchtbar viel gegessen, sind ausgiebig shoppen gegangen und haben den beinahe 96jaehrigen Opa in Stuttgart besucht, der ueberraschend gut englisch spricht, wenn er will. Auch wenn er nicht mehr weiss, was man ihm vor 2 Minuten erzaehlt hat.
John, der letztes Jahr einen auf ebay ersteigerten Modell-Manta geschenkt bekam, weil die so furchtbar schwer zu kriegen sind, spazierte in Biberach mit mir in ein Haushaltsgeschaeft und stand in der „boys ‘n toys“ Abteilung ploetzlich vor nicht nur einem sondern gleich vor zwei Mini Mantas. Sein Gesicht haettet ihr sehen sollen.!
Mir ist mal wieder aufgefallen, um wieviel hilfsbereiter deutsche Verkaeuferinnen sind, oder vielleicht ist das nur in Kleinstaedten so. Frueher ging mir das eher auf den Wecker, wenn sich eine Verkaeuferin gleich auf mich gestuerzt hat, aber heute finde ich das richtig nett, und man kann ja immer nein sagen, wenn man keine Lust auf Service hat. Ich hatte eine ausgesprochen nette Zeit mit der rothaarigen Verkaeuferin in einem Kleiderladen, die angestuerzt kam, als sie John und mich reden hoerte: “You speak English – I can help you!” John war allerdings voellig verbluefft, nachdem ich mir im Waeschegeschaeft einen BH gekauft habe: „Die kam ja zu dir in die Kabine rein! Das wuerden die in England nie wagen!“ Als ich im „Servicewueste England“ Thread im „Deutsche in London“-Forum davon berichtete, kam sofort diese Reaktion: „Verkäuferinnen, die beherzt zugreifen und den BH-Träger auf die richtige Länge bringen, „So muss der sitzen!“ und sich dann zufrieden das Ergebnis mit Dir zusammen im Spiegel angucken. Großartig.“ Und es ist tatsaechlich so, LOL.
Auf der Rueckreise, wir waren gerade am Einsteigen ins Flugzeug, draengelte ploetzlich der Kapitaen, wir haetten noch 3 Minuten Zeit zum Hinsetzen, dann duerfte er nicht mehr starten, da Friedrichshafen eine 22 Uhr Sperre hat. Dann sollte man keinen Flug auf 21.40 ansetzen, erst um 21.50 einsteigen, einen nicht zur Hintertuer reinlassen, und sich nicht um Priority Bookers kuemmern. Immer diese neumodischen Sitten. Das war doch immer der Trick mit Ryanair – komm frueh, dann wirst du zuerst geboardet. Mit der Betonung auf WAR. Dann kreisten wir ueber Stansted wegen Nebels nochmal 10 Minuten, kriegten aber noch den 23.30 Stansted Express, der gar nicht haette da sein sollen und schafften es, vor 1 Uhr mit der DLR noch bis Canary Wharf zu kommen. Der Rest wurde dann mit Taxi zurueckgelegt. Zum Glueck bin ich so organisiert, dass ich eine Taxinummer im Handy gespeichert habe.
Silvester war dann unglaublich gemuetlich und stressfrei. Wir fuhren zu Cinzia und Lisa nach Rushden, die ein leckeres Essen kochten. Mit Fernsehen und Spiele spielen ging der Tag bequem herum, und um Mitternacht haben wir auf BBC das Feuerwerk in London angeschaut, das wirklich spektakulaer war. Es war so regnerisch und windig ueber die Feiertage, dass mehrere Festivitaeten in Grossbritannien gecancelt werden mussten, London war davon verschont. Auch in Rushden fing der Regen erst um 20 nach Mitternacht an.
Neues Jahr, neuer Urlaubsetat, deshalb laeuft die Urlaubsplanung auch schon wieder auf vollen Zuegen. Ich neige zu Irland im April, Schottland Ende Mai, Bodensee im Juli und zum Rhein in Flammen Mitte September. Was meint ihr? John will unbedingt nach Boppard zurueck, wo er vor vielen Jahren als Schueler war und wo er bei einer Schiffsfahrt auf dem Rhein ploetzlich so eine Vorahnung hatte. “Wir biegen jetzt’s ums Eck, und da wird eine Burg auf einer Insel im Rhein sein und eine Burg hoch auf dem Huegel” sagte er zu seinem Kumpel Barry Fisher. “Na klar”, meinte der, stirntippend. Dann bogen sie um die Ecke und die Lautsprecheransage bellte “Und hier sehen sie zwei Burgen, genannt Katz und Maus, weil eine hoch auf dem Huegel ist und die andere mitten im Rhein.”
Und jetzt sagt er, er hat so eine Vorahnung, dass wir bald im Lotto gewinnen. Das Problem ist bloss, dass er vor sich sieht, wie er sein Ticket bei ASDA checken laesst, und da gehen alle Klingeln los und Lichter blinken – bloss, dass das dieses System vor vielen Jahren abgeschafft wurde wegen Anonymitaetsregelungen. Und wir haben zwar waehrend des Weihnachtsurlaubs im deutschen Lotto gewonnen, aber nur 10,20 Euro. “Das war nur der Auftakt”, davon ist John ueberzeugt.
Am Sonntag haben wir zusammen “Deal or no Deal” geschaut, und das Maedel hatte den Mut (oder die Dummheit, je nach Endergebnis), immer weiter zu machen, ohne die Angebote des Bankers anzunehmen. Am Schluss hatte sie noch £3,000 und £250,000 uebrig. Der Banker bot ihr £45,000. Sie guckte auf ihren Zettel, auf dem ihr persoenliches Ziel von £20,000 stand, holte tief Luft und sagte “No Deal”. Und gewann £250,000. Und wir sassen vor dem Fernsehr und haben uns wie die Schneekoenige gefreut. Solche Shows sind unglaublich gut fuer menschliche Dramen.
Mein Personalausweis laeuft am 1. Mai 2007 ab. Ich bin noch in Deutschland gemeldet, kann den dort also verlaengern lassen (waere ich nicht mehr gemeldet, haette ich keinen Anspruch mehr, und ein neuer Pass muesste bei der Deutschen Botschaft beantragt werden), fliege aber voraussichtlich erst im Juli wieder rueber. Und ich hab gegruebelt, ob ich mir ueberhaupt einen neuen ausstellen lassen soll, den braucht man hier ja sowieso nicht. Jetzt hab ich gerade bei meinem alten Einwohnermeldeamt angerufen und die Dame meinte, das sei alles kein Problem, ich muesse nur beim Beantragen (in Person) sagen, dass ich eine Abholvollmacht braeuchte, dann kann ich die vor Ort unterschreiben und meine Mutter koennte das Teil dann fuer mich in Empfang nehmen. Spaetestens bei Abholung des neuen Ausweises muss aber der alte Ausweis zur Ungueltigmachung mitgebracht werden, man koenne ihn aber auch gleich dalassen. Das ist ja nun kein Problem, da man ja noch einen Pass hat. Dann hab ich aber gefragt, ob das der gleiche Vorgang sei, wenn ich 2008 einen neuen Pass braeuchte und sie bejahte. Da dachte ich mir so, wenn ich zu diesem Zeitpunkt keinen Perso mehr haette, kaeme ich ja gar nicht mehr aus Deutschland raus, bzw nach Deutschland rein, um den neuen Pass bei meiner Mutter abzuholen (der Royal Mail traue ich ja nun nicht unbedingt ueber den Weg)! In dem Fall beantrage ich wohl doch einen neuen Perso, da hat man doch wenigstens immer ein reisefaehiges Dokument bei der Hand. Immer dieser Buerokratiekram.
18. Januar 2007
Von Kates Abendempfang an ihrer Hochzeit war ich ja nun nicht so beeindruckt. Der Saal war in totales Schummerlicht gehuellt, es gab nicht genug Tische und Stuehle, so dass es fuer uns praktisch ein dreistuendiger Stehemfpang war (nach drei Stunden hatte ich auch genug), die Reden von Trauzeugen und Brautvater waren akustisch fast nicht verstehbar und sowieso sinnentleert und das Buffet – na ja. Die Unterhaltung war eine absurde Mischung von Frank Sinatra-Musik und Bauchtanz (der Braeutigam ist Moslem), und meine Fuesse taten mir nach einer Weile einfach nur weh. Wenn ich da so an die Hochzeit meiner Freundin im Mai in Oesterreich denke … Aber wenigstens habe ich viele erheiternde Fotos meiner Kollegen mit der Bauchtaenzerin geschossen.
Es stuermt hier wie verrueckt! Vorhin fiel ein Baum im Square vor dem Buero um, man traut sich ja schon gar nicht mehr hinaus. Und morgens will man gar nicht erst aufstehen, wenn man den Wind ums Haus heulen hoert. Bei einem unserer Gebaeude in Slough hat es Nachbardaecher auf das Grundstueck getragen und Autos beschaedigt. Alle Zuege und viele Fluege sind erheblich beeintraechtig. Und ich dachte, ich haette kein Problem, da ich nur mit der DLR fahre. Bis ich in Bank ankam und es nur Zuege nach Canning Town gab. West India Quay war gesperrt, also haette ich den Bus nach Canary Wharf nehmen koennen, habe mich aber entschlossen, statt dessen mit East London Line und Jubilee Line drumrum zu fahren. Das Ganze hat rund eine halbe Stunde laenger gedauert als ueblich. Als ich in Canary Wharf ausstieg, hat mit die Schlange fuer die Gegenrichtung total umgehauen. Da muessen sich Tausende gestaut haben! John fuhr zur gleichen Zeit zu seinem Deutschkurs in Bethnal Green, der ist auch auf die Jubilee ausgewichen, allerdings rauf nach Stratford und dann rein in die Central Line. Schneller war das aber auch nicht. Er kam eine geschlagene Stunde nach der Zeit an. Und vor unserer Haustuer lagen jede Menge Ziegelsteine. Wenn einem sowas aufs Haupt donnert, ist das auch nicht so gut fuer die Gehirnzellen …
Die Wettersituation ist natuerlich ein Hauptthema in den Nachrichten, aber ein noch viel groesseres Thema ist „Rassismus in Big Brother“. Ueber eine Bollywood Schauspielerin wurde von einem Triumvirat laesternder Maedels nicht sehr nette Dinge gesagt, sowohl hinter ihrem Ruecken als auch ins Gesicht. Das Ganze beruht meiner Meinung nach hauptsaechlich in Neid auf eine in Kultur, Klasse, Intelligenz und Schoenheit ueberlegene Person, aber die Dinge, die gesagt wurden, haben schon einen stark rassistischen Unterton. Ich guck mir ja den Scheiss nicht an, weil ich mir diese Dumpfbacken wirklich nicht antun muss, aber du kommst ja in den Nachrichten nicht drum rum, jetzt haben sich sogar Politiker eingeschaltet und in Indien gehen sie auf die Strasse und protestieren. Es waere fast zum Lachen, wenn es nicht so traurig waere. Traurig deshalb, weil ganz offensichtlich vor Millionen Zuschauern jemand gemobbt wird und niemand, weder im BB Haus noch sonstwo, wirklich etwas dagegen tut. Big Brother kann das Ganze nur recht sein, die Einschaltquoten sind zumindest raufgegangen. So viel zu Klasse und Kultur im englischen Fernsehen und Alltag.
Apropos Kultur – Januar bis Maerz gehoeren dem Theater! Wir haben Karten gekauft fuer The Rocky Horror Show, Chicago, Cabaret und Porgy & Bess, und denken noch ueber Rock’n’Roll, Madam Butterfly und Spamalot nach. Trotz discount offers kosten die Karten immer noch zwischen £20 und £35 pro Person, aber wozu lebt man in London, wenn man sich nie eine Show ansieht?
Und damit ich das alles auch bezahlen kann, bringe ich gerade meine Finanzen in Ordnung. Habe mir schon ein grossartiges Buch gekauft, das sich „Money Diet“ nennt und viele hilfreiche Tipps ueber die billigsten Gasanbieter und die besten Zinssaetze der englischen Banken enthaelt, um nur mal ein paar Beispiele zu nennen.
Neulich kam doch glatt meine neue Kreditkarte fuer mein deutsches Konto einfach so mit der normalen Post an, in duennem Umschlag, die Karte war fuehlbar. Das mag ja innerhalb Deutschlands ok sein, und die Bank haftet ja auch fuer einen etwaigen Schaden durch Diebstahl, aber trotzdem finde ich das extrem fahrlaessig. Das habe ich denen auch in einem Schreiben mitgeteilt, mal sehen, was dabei herauskommt. Vielleicht sollte ich sie einfach stornieren – ich nehm sie eh kaum, zahle aber eine Jahresgebuehr (muss man fuer englische Kreditkarten nicht).
25. Januar 2007
Wir haben schon wieder mal eine Maus erlegt! Die war nicht mal besonders gross, wird sich herausstellen, ob Mamamaus und Papamaus auch noch irgendwo hervorkriechen.
Oh mein Gott, gestern hatte es doch tatsaechlich 2 cm oder so Schnee in London! Das ist natuerlich gar nichts gegen das Schneechaos in Deutschland, aber hier ist das ein richtiges Ereignis, denn es gibt genuegend Einwohner Londons, die, da sie urspruenglich aus waermeren Gefilden stammen, noch nie im Leben Schnee gesehen haben, und natuerlich ist sofort das Verkehrschaos da, wie nicht anders zu erwarten.
Jetzt ist der Sturm vorbei, dafuer hat sibirische Kaelte uns eingeholt. Nach so vielen Monaten mit fuer die Wintermonate zu hohen Temperaturen trifft es einen doppelt hart, wenn man sich ploetzlich wieder einmummeln muss. Mein Gesicht war total eingefroren heute morgen, vielleicht sollte ich mir eine von diesen Skimuetzen zulegen, wo nur die Augen rausgucken. Oder eine Burka tragen, damit faellt man hier eh nicht auf.
Gestern war ein richtig guter Tag. Ich habe praktisch den ganzen Tag nichts getan, denn erst wurde ich vom Boss zum Mittagessen mit deutschen Kunden eingeladen, und sowas geht ja immer stundenlang, dann bekam ich von der IT-Abteilung einen neuen PC mit 19 Zoll-Monitor, auf den alle Kollegen neidisch sind, und waehrend das installliert wurde, guckte ich den anderen beim Arbeiten zu. Ich darf sogar den alten Monitor nach Hause nehmen, den kriegt jetzt John. Meine Hasskollegin (die mit der merkwuerdigen Hochzeit) ist schwanger, und ein anderer etwas unbeliebter Kollege hat gestern in einer Kurzschlusshandlung gekuendigt. Er war beleidigt, weil der Boss ihn zum wiederholten Male auf sein Zuspaetkommen angesprochen hat. Und das kurz bevor, die Bonusse ausgezahlt werden … Und Johns Allergietests kamen alle negativ zurueck.
Dafuer ist heute die Klimaanlage im Buero ausgefallen und wir koennen auch kein Fenster aufmachen. *schwitz*
Nachtrag:
Hatte ich doch glatt vergessen, dass es sowas in vielen deutschen Bueros nicht gibt. Hier wird die Temperatur in den Bueros durch eine Klimaanlage (air condition) geregelt, jeder Raum hat einen Regler, den man bis auf 30 Grad drehen kann (dann ist es schoen warm im Winter), oder auf 0, wenn es einem zu heiss ist. Wenn die Anlage aber spinnt, ist es heiss, obwohl man total heruntergedreht hat, oder es ist arschkalt, obwohl man auf 30 Grad stehen hat. Hatten wir beides schon.
6. Februar 2007
Letzten Dienstag war “Cabaret” im Lyric Theatre an der Reihe, einem Theater, das Sitzreihen so eng beeinander hat, dass Sitzen relativ unbequem war. In Kinos kriegt man doppelt so viel Beinfreiheit! Es war ganz interessant, aber irgendwie doch viel freizuegiger, als ich es von einer Auffuehrung vor vielen vielen Jahren in meinem Kaff in Deutschland in Erinnerung hatte. Die sprangen staendig nackt herum! Constanze und ich haben uns nur noch angeguckt. Weniger waere hier wohl mehr gewesen. Auch die deutschen Akzente waren unglaublich dick aufgetragen.
Am Dienstag gab’s dann die Gespraeche ueber Gehaltserhoehung und Bonus, und waehrend die meisten maulten, dass die Gehaltserhoehung ja wohl nicht so brilliant sei dieses Jahr, bin ich allein schon von der Tatsache, automatisch mehr Geld zu bekommen, ohne betteln zu muessen, total entzueckt, kann mich also nicht wirklich beschweren. Und da auch irgendein Bausparvertrag (ein kleiner) zuteilungsreif wurde, kann ich mir im September vielleicht doch das Schlosshotel am Rhein leisten, wenigstens fuer eine Nacht!
Am Wochenende hatten wir die italienischen Zwillinge zu Besuch. Leider will Cinzia demnaechst nach Mailand zurueckziehen, und Lisa will daher nach London ziehen, einen neuen Job braucht sie dann auch. Wir haben ihnen angeboten, falls sie den Umzug um Ostern legen, koennen wir ihnen helfen. Dann machen wir eben in Mailand ein paar Tage Urlaub anstatt den Cotswolds. John ist richtig scharf darauf, einen Umzugswagen nach Mailand zu steuern. Das kann ich zwar nicht nachvollziehen, aber Mailand selber waere schon mal interessant.
Am Sonntag waren wir dann in einer kostenlosen Vorpremiere von “Charlotte ’s Web”. Ich habe die Geschichte von Wilbur dem Schwein und Charlotte der Spinne schon als Kind gerne gelesen, und der Film hat auch nicht enttaeuscht. Der Film war fuer 10.30 angesetzt, und alle sollten um 10 Uhr da sein. Waren wir auch, es bildete sich eine lange Schlange, aber aufgemacht wurde dann erst um 10.30, der Film fing 10 Minuten spaeter an. Und wir standen bibbernd in der Kaelte! Ausserdem hatte ich erfolgreich verdraengt, dass um diese Tageszeit auch Kinder in einen Kinderfilm gehen koennten, und wir hatten da ein paar Knilche vor uns, die staendig aufstanden, redeten und mit Popcorn schmissen, waehrend die Eltern nur milde laechelnd daneben sassen. Aber es war trotzdem nett, und danach ging es ins Thai Restaurant mit dem tollen Ausblick auf Themse und Maritime Museum. Sonntags ist Buffet-Tag und wir haben so richtig zugelangt. Die Dim Sums waren goettlich. Und erst der Kaesekuchen!
Und dann ging doch tatsaechlich heute eine Briefbombe hoch bei der Firma, die die Congestion Charge einzieht. Ob da wohl einer mit einem Bussgeld nicht einverstanden war? Es gingen dann auch gleich ueberall die Emails herum, welche Vorsichtsmassnahmen man beim Oeffnen von Briefen beachten soll. Gut, dass ich das nicht mehr machen muss. London ist schon ein gefaehrliches Pflaster. Aber man gewoehnt sich an alles. Ausser am Dativ.
Und heute ging die zweite Briefbombe hoch, in einer Firma, die Bussgelder eintreibt. Wenn das mal kein Zufall ist.
Und am Donnerstag wird es heftige Schneefaelle geben! Soviel Schnee wie schon seit Jahren nicht mehr! Ganze FUENF Zentimeter werden erwartet fuer London!! Das Land wird im Chaos versinken!!!
9. Februar 2007
Ihr werdet es nicht glauben, aber die gestrige Schlagzeile des LondonLite war „Wrong kind of flakes! Met Office chiefs blame transport chaos on ‘particularly sticky’ snow“. Angeblich waren die Flocken unueblich gross und daher „klebriger“ als normaler Schnee. Sachen gibt’s.
Es war echt Ausnahmezustand hier gestern, die meisten Schulen hatten auch geschlossen.
Als ich mich gestern von zuhause in meine Office Emails eingehackt habe, fand ich auch eines, in dem stand, dass alle frueher gehen duerfen. Ungefaehr 10 Emails gingen hin und her ueber Cappuccinos vom Oberboss fuer die Tapferen, die nicht nur gekommen waren, sondern sogar puenktlich, eins handelte von Schokolade und eins von Doughnuts zur Staerkung fuer den eisigen Heimweg. Mein Chef, der auch vorsorglich zuhause geblieben war, schrieb dann, dass ja wohl nicht soviel lossein koennte, wenn jeder Zeit fuer Cappuccino-Emails haette, und er gehe jetzt einen Schneemann bauen.
23. Maerz 2007
Und schon wieder ist ueber ein Monat ins Land gegangen! Manchmal weiss man einfach nicht, wo die Zeit geblieben ist, ich dreh mich gerade im Kreis mit finanziellen Geschichten und Urlaubsvorbereitungen (bin gerade am Verzweifeln mit mailaendischen B&Bs).
Von 6. – 14. April werden wir in Mailand sein (wir besuchen Cinzia), von 15. – 22. Juli ist ein Heimatbesuch angesagt, und von 7. – 17. September bereisen wir den Rhein und schauen uns den Rhein in Flammen an. Was wir Ende Mai machen, wissen wir noch nicht, aber wir bleiben in den UK .
Cinzia ist gestern nach Mailand zurueck, sie war letzte Woche hier, um sich zu verabschieden. Gott sei Dank hat sie jetzt ihren Kram durch ihre Firma nach Mailand transportieren koennen, und die sperrigen Moebel wuerden verkauft, also musste John nicht im Van durch halb Europa gondeln. Ihre Schwester Lisa zieht dagegen nach London und hat sich am vorletzten Wochenende zusammen mit Constanze Dutzende Wohnungen angeguckt. Am Samstag abend sassen sie ganz erschoepft bei uns und haben Pasta geschaufelt. Sie wollten ja eigentlich in unserer Ecke bleiben, haben aber urploetzlich eine Wohnung in Fulham Broadway aufgetan, die ihnen supergut gefaellt. Ende Maerz wird umgezogen, der Umzugswagen ist schon gemietet, die beiden teilen sich die Kosten. Am Samstag wird Constanze von Limehouse nach Fulham verfrachtet, und am Sonntag Lisa von Rushden nach Fulham. Das wird ein Spass.
Hoffentlich wird Johns Huefte bis dahin besser, der hat sich vor ca. 2 Wochen entweder einen Nerv eingeklemmt oder ein Ischiasproblem eingefangen, jedenfalls leidet er momentan sehr.
Eine Revolution geht durch England, und wir sind dabei! Hier in England sind Kontoueberziehungsgebuehren unglaublich hoch, teilweise bis zu £35 fuer einen Penny Ueberziehung, und viele Leute haben ueber die Jahre Tausende von Pfund an die Banken verloren. Seit letztem Jahr wird aber zurueckgeschlagen, da diese Gebuehren illegal, unfair und aus der Luft gegriffen sind. Es gibt einige websites (www.moneysavingexpert.com), die einem mit Musterbriefen und Rat und Tat zur Seite stehen. Man kann 6 Jahre zurueckgehen mit seiner Forderung, und wenn die Banken sich doof stellen, was sie gerne tun, dann muss man vor Gericht gehen, was sich schlimmer anhoert, als es ist. Im Grunde fuellt man nur ein online Formular aus und bezahlt ein paar Pfund, und bevor die Sache vor Gericht geht, gibt die Bank nach und zahlt einem den geforderten Betrag plus Zinsen und Gerichtsgebuehren zurueck. Nun habe ich ja noch nie im Leben mein Konto ueberzogen, aber John durchaus, und dessen Kontoauszuege haben wir gerade durchwuehlt und Gebuehren von £400 gefunden. Die will er jetzt natuerlich zurueck. Und eine ueberhoehte Hypothekabschlussgebuehr wurde auch gerade noch beanstandet, der Scheck kam am Samstag. Und dann bin ich gerade dabei, wegen hoeherer Zinsen sowohl mein Bankkonto als auch meinen ISA (das Konto fuer den jaehrlichen Steuerfreibetrag von £3000) zu wechseln. Hier trudeln also gerade taeglich irgendwelche application forms ein.
Autor: Beate
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Ein Südhang prunkt mit Sommerwärme,
Obwohl der Herbst das Szepter schwingt.
Die laue Luft lockt Mückenschwärme,
Bevor der Winter Starre bringt.
Ein Blütenkopf in Frühjahrslaune
Tankt Licht im Spätnovembertag.
Das Grüne wechselt schon ins Braune,
Gar mächtig ist der Schattenschlag.
Mit Blitz und Donner, ohne Warnen,
Bedeckt das Himmelsweiß die Alm.
Nur Helles mag ein Tier noch tarnen,
Der Schnee verschluckt den letzten Halm.
Die nächsten lebensarmen Wochen
Regiert nun strenger, harscher Frost.
Des Bergfinks Mut bleibt ungebrochen.
In Sommerträumen sucht er Trost.
Foto: © willy s / pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
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Ein Mantelaffe turnt im Urwald.
Die Tropenschwüle drückt entsetzlich.
Es ist ja immerhin zwölf Uhr bald.
So stört die warme Kleidung, schätz’ ich.
Die Hitze wächst von Stund’ zu Stunde,
Der Affe trägt das Zeug noch immer.
Ein Dusel der Primatenkunde?
Na, Menschen handeln häufig dümmer.
Photo taken by Kabir Bakie at the Cincinnati Zoo on August 7, 2005 / GNU Free Documentation License.
Autor: Ingo Baumgartner
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Der Rucksack, an den Fels gelehnt,
Steht offen, Wurstbrot freigelegt.
Wonach sich jeder Bergfex sehnt,
Hat anderwärts schon Lust erregt.
Die Dohle fällt in freiem Sturz,
Bremst Flügel schlagend sandwichnah,
Schnappt zu und grüßt den Wandrer kurz,
Verliert noch Gurkerl hier und da.
So sieht der Mann, das Auge quillt,
Wie über ihm, doch gar nicht weit,
Ein Wurstbrot großen Hunger stillt,
Nur seinen nicht, vermaledeit.
Foto: © bikemen (Siegfried Fries) / pixelio
Autor: Ingo Baumgartner
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