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Seit 2003 lebe ich in London. In einer Art Internet-Tagebuch habe ich Freunden und Bekannten in Deutschland in unregelmäßigen Abständen meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert. Dieser Beitrag ist ein Auszug daraus – und die Fortsetzung von „Mind the Gap 3″. Aus technischen Gründen und wegen der Lesbarkeit ist „Mind the Gap 4“ unterteilt in 4a bis 4c.
Foto: © promifotos.de (Alexander Hauk) / pixelio
20. Januar 2006
Nie wieder buche ich einen Flug fuer den Boxing Day. Wir hatten in weiser Voraussicht das Taxi eine Woche vorher bestellt und am Tag vorher nochmal bestaetigt, standen dann aber um 5.30 morgens trotzdem fuer 15 Minuten wie bestellt und nicht abgeholt auf der Strasse rum – der Fahrer konnte uns partout nicht finden. Ist ja auch sauschwer fuer einen oertlichen Fahrer … Dann setzte er uns auch nur irgendwo vor der Liverpool Street Station ab und wir hatten keine Ahnung, wo denn nun der Bus abfuhr. Anderen ging es aber aehnlich, und endlich erschien mal aus den Eingeweiden einer gespenstisch stillen Zugstation ein Uniformierter, der uns den Weg wies. Der Bus war dann genauso schnell wie normalerweise der Zug, um diese Tageszeit auch zu erwarten. Der Rest der Reise verlief problemlos, nachdem ich am Tag davor noch eine mittelschwere Panik ueberwinden musste, als Johns Pass („Wieso, den hast doch DU“) sich erst nach einer halben Stunde intensiven Suchens finden liess. Obwohl wir ueber 2 Stunden vor Abflug am Flughafen eincheckten, waren wir doch schon Nr. 39 und 40. Und wie jedermann weiss, muss man versuchen, in die 1 – 65 Kategorie zu kommen (oder ein Kleinkind dabei haben), um sich noch einen guten Platz im Flieger aussuchen zu koennen.
Mir schwante schon Uebles, als ich vom Flugzeug aus auf die weisse Landschaft um Friedrichshafen herum blickte, aber die Kaelte traf mich dann doch wie ein Hammerschlag. Wie gut, dass ich meine waermsten Klamotten dabei hatte, die Wohnung meiner Mutter war dann auch nicht so warm. Sie isch halt a Schwob und spart gern. Ihr Kachelofen hat dann vieles wieder gut gemacht. Im Rueckblick verschwimmen die Tage zu einer Einkaufs- und Essorgie. Wir hatten wirkliche Befuerchtungen, dass wir unsere Ryanair Koffergewichtserlaubnis (30 kg insgesamt) schwer ueberschreiten wuerden mit all den Klamotten, Buechern, Suppen, Pastasossen und Gewuerzen, die ich UNBEDINGT einkaufen musste, aber am Schluss waren es doch nur 29,30 kg. Gott sei Dank fuer 10kg Handgepaeckerlaubnis pro Person. Den Film “Merry Christmas” kann ich empfehlen – da er dreisprachig war, hat John auch das meiste mitgekriegt. Silvester war dann unbeschreiblich langweilig, und am naechsten Morgen ging’s wieder nach Hause. Familie ist ja nett, aber am nettesten mit dem Aermelkanal dazwischen.
Vor kurzem wurde in der City Road, nahe Old Street tube station, das Bavarian Beerhouse wieder eroeffnet, und so sind John und ich am Freitag abend mal vorbeigegangen, in der Hoffnung auf gutes Essen (ich) und gutes Bier (er). Seine Hoffnung wurde erfuellt, meine leider nicht. Die Wuerstchen waren viel zu klein und der Kartoffelsalat durchtraenkt mit Mayonnaise. Zudem war es unglaublich laut, was auch jede Unterhaltung im Keim erstickt hat. Und da das Essen auch total ueberteuert ist, kann ich das Beerhouse fuer Besucher nicht empfehlen und werde da selber auch nicht mehr hingehen. Wenn man bedenkt, wie nett und gemuetlich die englischen Pubs sind und wie gut der pub grub, faellt die Wahl auch nicht schwer.
Meine Urlaubsplanung laeuft auf vollen Touren. Da Ostern mal wieder auf meinen Geburtstag faellt, nehme ich da frei, sowie rund um den Bank Holiday Ende August. Dann hat mich eine Freundin zu ihrer Hochzeit im Juni eingeladen, und da die im oesterreichischen Zell am See stattfindet, machen wir da einen einwoechigen Urlaub draus, mit Besuch in Salzburg. Die Fluege habe ich gerade eben gebucht fuer die Haelfte des Geldes, das es noch vor ein paar Wochen gekostet haette. Manchmal lohnt es sich doch, zu warten! Jetzt darf ich allerdings nicht mehr checken, fuer den Fall, dass die Fluege in einer Woche fuer £0.01 angeboten werden …
Wenn wir allerdings heute abend die Euromillions gewinnen, ist das alles egal. Der Jackpot steht momentan bei ueber £85 Millionen, aber ich bin ja gar nicht so – £5 Millionen wuerden mir durchaus reichen. Man ist ja bescheiden.
Und ich gucke gerade alle 5 Minuten zum Kuechenfenster hinaus, ob ich den Wal in der Themse sehe, der sich heute morgen bis rauf nach Westminster in die Innenstadt verirrt hat, was viele zu Bemerkungen veranlasst hat wie “Der muss maennlich sein, der hat nicht nach dem Weg gefragt” und “Hoffentlich hat er auch die Congestion Charge bezahlt”. Ein kleiner Flaschennasenwal, der sich gerade wieder zur Thames Barrier zurueckkaempft. Hoffentlich geht das mal gut.
21. Januar 2006
Spiegel.de schreibt: „Den Londoner Wal-Helfern ist ein überraschender Erfolg gelungen: Mit Hilfe eines aufblasbaren Pontons haben sie den Wal, der sich in die Themse verirrt hatte, aus dem flachen Wasser des Flusses befreit. Anschließend hat ein Kran den tonnenschweren Meeressäuger auf einen Lastkahn gehoben. Das Schiff ist derzeit auf Kurs in Richtung Nordsee und wird voraussichtlich gegen 20 Uhr die rund 60 Kilometer von London entfernte Themse-Mündung erreichen.“
Der besagte Lastkahn fuhr vor 5 Minuten an unserem Haus vorbei, wir haben vom Balkon aus zugeguckt. Ohne John haette ich das Spektakel verpasst. Der hoerte was Laermiges den Fluss herunterkommen, dann sahen wir all die Menschen, die das Flussufer in beiden Richtungen saeumten und sind nach der Kamera gerannt. Von Constanze kam vor 4 Stunden eine SMS, dass sie auf der Battersea Bruecke steht und die Rettungsaktion beobachtet. Da waren wir in Lewisham, um das Einkaufszentrum zu testen, in dem wir noch nie waren, obwohl ich jetzt hier schon 2 1/2 Jahre lebe. Wir kamen uns vor wie in Birmingham: Klasse Schnaeppchen ueberall und ein Strassenmarkt mit frischem Obst und Gemuese davor. Und das Ganze ist nur 10 Minuten weit weg! Nur den „sausage man“, einen Deutschen, der im Zentrum angeblich Wurst verkauft, haben wir nicht gefunden – wir werden die Suche naechstes Wochenende intensivieren.
Nachdem wir die Euromillions doch nicht gewonnen haben, ist es immer gut, zu wissen, wo die Schnaeppchen sind. Der Jackpot ist mittlerweile auf £100 Millionen angewachsen …
Spaeter
Der Wal ist tot.
14. Februar 2006
Johns Hauskaeufer ist im Januar wieder abgesprungen, er wollte das Haus jetzt noch billiger haben, da “der Markt doch tot sei”. Grummel. Fangen wir eben wieder von vorne an.
Im Januar kam ja endlich die lang ersehnte Botschaft ueber die Hoehe der jaehrlichen Gehaltserhoehung + Bonus. Ich muss sagen, dass ich es hoechst entspannend finde, beides automatisch zu bekommen – ein deutliches Plus fuer die Englaender, auch wenn unsere Firma immer erst Ende Januar zahlt – viele bekommen ihren Bonus mit dem Dezembergehalt, die Bonusse im Bankenbereich kommen aber anscheinend erst jetzt. Dafuer sind sie auch viel hoeher.
Daraufhin habe ich im Ausverkauf am Wochenende zugeschlagen und ein paar weitere Buerohosen bei Marks & Spencer erstanden, die wie hier ueblich, statt mit einem Reissverschluss und einem nach aussen schliessenden Knopf, mit einem Reissverschluss, einem nach INNEN schliessenden Knopf UND einem Hakenverschluss ausgestattet sind. Dafuer sind wir ins Lewishamer Einkaufszentrum gefahren, das die ueblichen Hight Street Shops aufweist: M&S, Next, Boots, Bodyshop, Mothercare, British Homestores, Clinton Cards etc. Und einen Poundstretcher, fuer den kleinen Geldbeutel. Und den “sausage man” haben wir diesmal auch gefunden! Ein deutscher Wurstverkaeufer, der viel billiger ist als der German Deli auf dem Borough Market, und der Mann kommt aus Ravensburg – das ist bei mir zuhaus um die Ecke!
Man sollte es nicht glauben, was Restaurants hier am Valentinstag fuer ein Menue verlangen! Diesen Quatsch machen wir nicht mit, und ich habe John beauftragt, was Schoenes zu kochen. Gestern habe ich ihn zum West India Quay Kino geschickt, da ich zwei Gutscheine gesammelt hatte fuer kostenlose Tickets zu einer Vorpremiere von “Casanova”. Als er nach einer Stunde endlich schwer atmend wieder eintraf (ich wollte schon Suchtrupps losschicken, da er auch sein Handy zuhause vergessen hatte) – war er ohne Tickets, die waren schon alle, aber dafuer mit 12 roten Rosen bewaffnet. Von denen 4 keinen Kopf mehr hatten. Also ist er heute reklamieren gegangen und bekam das Geld zurueck und noch 6 Rosen umsonst. So sollte das immer laufen.
Seit ich hier lebe, denke ich viel mehr ueber Geld und meine Finanzen nach als frueher, weil hier alles so unglaublich teuer ist. Schnaeppchen, Umsonst-Angebote – ich bin dabei. Jetzt habe ich auch noch zwei neue Sparkonten angelegt, eins fuer 10% (aber nur fuer 10 Monate, Maximumbetrag £150 pro Monat) und einen Online Saver von HSBC fuer 4.75%, Laufzeit und Einlage bis zu 2 Millionen unbegrenzt, allerdings kriegt man keine Zinsen in einem Monat, in dem man Geld von diesem Konto abhebt. Hier gibt es auch noch die schoenen Einrichtung der sogenannten Cash Mini ISAs – Sparkonten, auf die man bis zu £3000 pro Steuerjahr einzahlen kann und die Zinsen, die zwischen 4 und 5 % liegen, steuerfrei bekommt.
Habe gerade gelesen, dass die ID Cards, obwohl Blair in Afrika festsass, doch durchgekommen sind bei der House of Commons vote, so dass ab 2008 jeder britische Staatsbuerger und auch Auslaender, die laenger als 3 Monate hier leben, einen haben sollen. Pflicht ist er vorerst nur fuer die, die 2008 gleichzeitig einen Pass beantragen, also komme ich, da deutscher Pass, wohl noch ein paar Jahre drum herum. Ich sehe eigentlich auch nicht ein, warum ich einen Pass und zwei Personalausweise mit mir herumschleifen soll. Wenigstens wurde gestern im House of Commons beschlossen, ab Sommer 2007 ein generelles Rauchverbot in oeffentlichen Plaetzen (pubs, private clubs, Kinos, Theater, Restaurants etc.) einzufuehren. Wird auch Zeit. Irland hat seit 2004 Rauchverbot, in Schottland kommt es im Maerz.
Und jetzt hat Ryanair auch noch eine Gepaecksteuer eingefuehrt. Sodom und Gomera, wie Else Kling sagen wuerde.
23. Februar 2006
ES SCHNEIT! Alle sind aus dem Haeuschen, und wenn der weisse Plunder liegen bleibt, gibt’s Chaos auf Strassen und Schienen wegen 1 mm Schnee. Krankkeiten gehen ja eh schon um, der „winter vomiting bug“ macht die Runde und jeder fuerchtet sich vor der Vogelgrippe. Ich bin noch ueberraschend gesund, aber die Bueromannschaft ist dezimiert zur Zeit. Englaender halten echt nichts aus.
11. April 2006
Was lange waehrt, wird endlich gut! Johns Wohnung wurde am 17. Maerz verkauft. TUSCH!!! Ich konnte es erst gar nicht glauben. Nach all der Zeit! Hier ist es ja so, dass man einen Vertrag unterschreibt, dann gibt’s kein Zurueck mehr, aber die Wohnung wechselt erst mit dem “completion date” den Besitzer, und das ist normalerweise ein paar Wochen spaeter. Bei John war es nur eine Woche und so ist er nach Birmingham gefahren und hat tagelang das Haus ausgeraeumt, Dinge abtransportiert, geputzt, Wasser und Strom abgelesen und alles um- bzw. abgemeldet. Er kam total erschoepft und 4.5 kg leichter, aber stolz wie ein Pfau zurueck, und wir haben dann gleich mal sein Geld gut angelegt (da er momentan arbeitslos ist, muss er auch keine Steuern auf Zinsen zahlen).
Trotzdem sparen wir gerade, wo es geht. John kennt eine Computerspezialistin in Birmingham, die Computer fuer lau repariert (da lohnt sich sogar die Anfahrt von London), dafuer haust sie aber auch in einter dreckigen heruntergekommenen Bude mit drei Rottweilern im Garten. Und sie ist Kettenraucherin. Das ging dann so “Also Donna *hust* kannst du mal gucken, warum mein Computer immer *hust* so langsam ist und ausserdem … *groessererhustenanfall* “Soll ich das Fenster aufmachen?” Das waere *hust hust* ganz prima, danke *roechel*
Unser Vermieter kam Ende Maerz mal wieder an mit dem Wunsch, die Wohnung in Staub huellen zu wollen, da er eine Wand zwischen Kueche und Wohnzimmer abreissen will, um die Kueche “open-plan” zu machen und eine “breakfast bar” einzurichten. “Ich hab das in all meinen anderen Wohnungen auch, und es sieht wirklich gut aus.” Ganz abgesehen davon, dass wir weiss Gott keine Fruehstuecksbar brauchen, wenn der Tisch gleich daneben steht und dass wir die Nase voll haben von seinen stuemperhaften Verbesserungen (unsere Klospuelung wuerde auf ewig weiterspuelen, wenn wir nicht jedesmal den oberen Deckel abheben und den roten Ball innen runterdruecken wuerden, und das ist nur ein Beispiel von vielen), moegen wir nunmal die Wohnung so wie sie ist, und diese doofen offenen Kuechen konnte ich noch nie leiden, da man nie die Tuer zu den Kochausduenstungen und zur laermenden Waschmaschine zumachen kann. Von daher haben wir diesmal nein gesagt, denn er braucht unsere Einwilligung dazu. Ein paar Tage spaeter, das war vor einer Woche, genau an Johns Geburtstag, kam dann das zweizeilige Email, in dem er mitteilte, dass er die Wohnung zu verkaufen gedenke und daher unseren Vertrag nicht wieder erneuern wuerde. Der laeuft Ende Oktober aus, und bis dahin kann er uns nicht rauswerfen, aber danach hat er natuerlich jedes Recht dazu. Stellt sich natuerlich die Frage, ob er wirklich die Wohnung zu verkaufen gedenkt. Wenn nicht, luegt er uns an, wenn doch, haette er einfach seine Verschlimmbesserungen machen wollen, waehrend wir drin wohnen und Miete zahlen und haette uns danach die Nachricht verpasst. So oder so nicht wirklich ehrlich, oder was denkt ihr?
John hat es erstmal den Geburtstag verdorben, aber dann wurde er kaempferisch. “Wir gehen ab morgen auf Wohnungssuche, ich will hier lieber heute als morgen raus, wenn der uns so kommt!”. Eigentlich will ich unserem Vermieter nicht wirklich einen Gefallen tun, aber wir haben nur eine einmonatige Kuendigungsfrist, und die habe ich neulich auf eine Woche heruntergehandelt, also sind wir zur Zeit im Besichtigungsfieber. Leider koennen wir uns Docklands nicht mehr wirklich leisten – mir ist erst jetzt klar geworden, wie gut wir es bis jetzt hatten, und nicht nur mit dem Preis. Es nicht schwer, etwas Neues zu finden, aber es ist unglaublich schwer, etwas Gutes zu finden. Zum einen ist hier alles schweineteuer, zum anderen haben die Englaender ein anderes Verhaeltnis zu Platz. Was wir fuer klein halten, halten die hier fuer gross. Auch da hatten wir es bisher gut, ein fuer englische Verhaeltnisse ueberdimensional grosses Wohnzimmer unser eigen zu nennen, was mir damals bei der Besichtigung gar nicht so aufgefallen ist, da die Groesse in etwa war wie bei meiner alten Wohnung in Deutschland.
Um das Preisproblem zu umgehen, gucken wir jetzt etwas weiter draussen nach, zuerst in Lewisham (aber da ist es nicht so schoen) und nun in Woolwich, das momentan per British Rail und Faehre zum Nordufer angebunden ist (in 2 Jahren kommt dann die DLR dazu). Leider ist es in Zone 4, meine Travelcard wird also teurer werden, aber das koennen wir hoechstwahrscheinlich ueber die billigere Miete wieder reinholen, und John faehrt sowieso ueberall umsonst.
Also haben wir uns am Samstag bei schoenstem Sonnenschein 4 Wohnungen in Woolwich angeschaut, und uns gefaellt die Gegend ausgesprochen gut. Das Zentrum gleich an der Woolwich Arsenal Station hat alle Laeden, die man braucht, und John war ganz besonders angetan von den Maerkten, die ihn sofort an Birmingham erinnert haben. Die erste Wohnung war im Zentrum, das ist uns dann doch zu laut, ist zwar alles doppelt verglast, aber man will ja im Sommer auch ab und an mal das Fenster aufmachen. Die zweite Wohnung war in Royal Arsenal, und da gefaellt es uns sehr gut, da ist es ruhig und Flussblick hat man auch. Leider sind das dort alles Neubauten und die sehen alle gleich aus. Zwei kleine Schlafzimmer, ein kleines Wohnzimmer mit winziger open-plan Kueche, dafuer aber zwei Badezimmer, eines davon en-suite. Das mag ja zwei Bankern vielleicht zusagen, die flaezen sich auch gerne in die schwarzen Ledersofas, aber ich will ersten sowieso lieber unmoebliert und zweitens verstehe ich nicht, warum in diesen Wohnungen immer alles huebsch aber total unpraktisch ist. Keine Abstellflaeche im Bad und kein Sofabett fuer Gaeste, aber Hauptsache man hat eine Spuelmaschine und “granite worktops” (Arbeitsflaeche aus Granit) in der Kueche. Und statt des zweiten Bads haette ich lieber mehr Wohnflaeche.
Die letzte Wohnung hat mich dafuer beinahe umgehauen. Eine “church conversion” (Umbau einer Kirche) mit fuer englische Verhaeltnisse unglaublich riesigen Raeumen, allein der Flur wuerde schon 2 unserer Buecherregale aufnehmen. Ruhige Gegend, Garten, off-street parking, unmoebliert, allerdings auch wieder 2 Badezimmer und open-plan kitchen. Wir haetten sie beinahe genommen, wenn die Zimmerhoehe nicht ungefaehr 5 Meter betruege (da heize ich ja staendig die Decke), und die Kirchenfenster nicht erst bei ca. 1,50m begaennen, so dass ich die sowieso nicht sehr attraktive Aussicht ueberhaupt nicht sehen kann. Wirklich schade, als ich die grossen Raeume sah, bin ich erst mal umgekippt.
Also, die Suche geht weiter. Wohnungen ohne open-plan kitchen scheint es ja fast nicht mehr zu geben hier. Aufgefallen ist mir auch ein neuer Trend: Lampen nicht an der Decke, sondern in der Mitte der Wand. Diese Leuchten sehen zwar nett aus, verhindern aber, dass man eine ganze Buecherregalwand aufbaut. Aber anscheinend lesen Londoner ja eh nicht, wenn man sich mal die Moeblierung in diesen Luxusschuppen ansieht.
Ueber Ostern (das diesmal auch noch auf meinen Geburstag faellt) wollten wir eigentlich an die Kueste runter, aber ersten haben wir nichts gebucht und zweitens ist das Wetter nicht wirklich berauschend dieses Jahr (Kent hatte gestern sogar nochmal Schnee), daher haben wir uns kurzentschlossen fuer drei Tage in Tintern, Wales eingebucht, wo wir vor zwei Jahren schon mal waren (damals allerdings im Juni).
Morgen faengt hier eine Ausstellung an, die sich “Bodies” nennt und wie weiland bei von Hagens “Koerperwelten” jetzt schon fuer Aufsehen sorgt, da sie zum Teil die gleichen Exponate zu zeigen scheint (plastinierte Koerper und Koerperteile, recht gruselig fuer viele). Ich fand das damals hoch interessant und habe beschlossen, John in den Osterferien reinzuschleifen. Mal sehen, ob wir noch Karten kriegen.
Fuer Mai haben John und ich eine gemeinsame Geburtstagsparty geplant, mal schauen, ob wir da noch im alten Flat sind! Wer also den Flussblick von Docklands aus geniessen will, muss uns bald besuchen kommen!
5. Mai 2006
Ostern in Tintern, Wales war richtig schoen! Wir waren in einem B&B untergebracht, das uns nicht nur ein Zimmer sondern ein ganzes kleines Cottage zur Verfuegung stellte, mit Schlafzimmer, Bad und Wohnzimmer mit Minikueche sowie eigener Terasse, die auf einen riesigen Garten hinausfuehrte. Das ganze ohne Strassenlaerm, dafuer mit Sonnenschein und Vogelsang – Glueckseligkeit. Das Essen war mal wieder hervorragend, und an meinem Geburtstag sind wir ganz schick ins Hotel essen gegangen. Ich hab mich vor lauter gedaempfter Musik und warmen Broetchen, die mit Zangen angefasst wurden, kaum zu fluestern getraut – ich bin wohl doch eher der Typ fuer robuste Pubs. Wir hatten richtig Glueck mit dem Wetter und haben mal wieder viele Burgen besichtigt (inklusive dreimal Ostereiersuchen in den Burgen fuer die Kinder, zu denen ich mich in solchen Momenten zaehle) sowie einen Flohmarkt besucht und einen Mantareifen repariert. Eine Freundin schenkte mir zum Geburstag ein Ostereisuchset, das wir dann im Cottage ausprobiert haben (John meinte “Ich mach das nicht da draussen im Garten, wo mir jeder zugucken kann!”)
Am Ostermontag waren wir gerade auf dem Rueckweg ueber Eastnor Castle (wunderschoenes Schloss), als Johns Bruder anrief mit der Nachricht, dass Dad gerade gestorben waere. Die Beerdigung war am 27. April, und Johns Mutter, die mit seinem Vater im Heim gelebt hatte und unter Alzheimer leidet, hat ueberhaupt nicht begriffen, was los war. Sie meinte am Abend nur, es sei schoen gewesen, die ganze Familie mal wieder versammelt zu sehen und wo sei eigentlich Bill? Schon traurig.
Der Manta hat natuerlich auch mal wieder schlapp gemacht, wir haben es gerade noch bis zur Werkstatt in Birmingham geschafft. Was dieses Auto schon alles an Reparaturen auf dem Buckel hat, geht auf keine Kuhhaut. Aber John weigert sich ja standhaft, sich ein anstaendiges Auto zuzulegen!
Ueber das lange Wochenende mit dem Maifeiertag sind wir doch tatsaechlich mal zuhause geblieben und haben Dinge aufgearbeitet, da ich mir auch nach Ostern noch eine Erkaeltung eingefangen und an John weitergegeben hatte und noch nicht wirklich auf der Hoehe war. Dafuer ist seine Benefit Saga hoffentlich bald positive beendet. Nach etlichem Hin und Her wurde ihm gnaedigerweise beschieden, dass man ihm ausnahmsweise Housing und Council Tax Beneft nachtraeglich bis zum Datum seines Hausverkaufs zahlen koennte (danach hat er naemlich zuviel auf dem Konto), da er ja in gutem Glauben gehandelt haette (natuerlich kein Wort davon, dass die Benefits People selber seinen Antrag verbockt haben mit falscher Information).
Ich habe jetzt sogar einen Zahnarzt! TUSCH! Habe einen in Greenwich gefunden, der NHS Patienten aufnimmt, und der war von meinen Zaehnen sogar richtig begeistert. Mein Zahnarzt zuhause hatte mich immer geschimpft, dass ich nicht genug putze. Aber hier ist der Standard halt doch etwas niedriger. Waere ich hier aufgewachsen, haette ich niemals die Zaehne, die ich jetzt habe, da hier Behandlungen selbst fuer NHS Patienten ganz schoen ins Geld gehen. Ich musste auch als allererstes bei der Rezpetionistin £15.50 entrichten, damit ich registriert werden darf.
Mal schauen, was bei den Local Elections herauskommt, bei denen ich sogar mitwaehlen durfte, nicht dass es einen Unterschied gemacht hat. Die Labour-Party hat ja ziemlich Federn gelassen, Home Secretary Charles Clarke wurde auch schon gefeuert.
Jetzt gibt’s am Wochenende erstmal eine Party – bei der Menge Essen, die ich gebunkert habe, sitzen wir wahrscheinlich noch in zwei Wochen da. Typisch ist ja mal wieder, dass es gestern total heiss war und auch heute noch angenehm war, dass aber fuer Samstag Regen angesagt ist.
6. Juni 2006
Unter der Rubrik “Unmoegliche Kollegen” waere folgendes zu berichten: Tony schickte ein getuerktes Email an Fiona, in dem stand, dass wir ab 1. Juni einen neuen Mitarbeiter mit befristetem Vertrag bekommen. Besagtes Email hatte ich letztes Jahr an alle verschickt, und Fiona konnte den Typ nicht ausstehen, deshalb fand Tony es wohl furchtbar lustig, so zu tun, als ob ich heute selbiges Email noch einmal verschickt haette. Leider hat Fiona das Email mit einem boesen Kommentar sofort an unsere Office Managerin weitergeleitet, die mich dann per Email anpfiff, warum sie davon nichts wuesste. Und ich sass vor meinem PC und verstand die Welt nicht mehr.
Das letzte Maiwochenende war mal wieder ein langes Wochenende, da der Montag Bank Holiday war, also haben wir am Samstag kurzerhand beschlossen, runter an die Kueste zu fahren und haben uns Weymouth ausgesucht, da wir da beide vor vielen Jahren (getrennt) schon waren, er in Sommerferien als Kind, ich in einem dreiwoechigen Aufenthalt bei Gastfamilie als Teenager. Das ist schon 20 Jahre her und an viel erinnert habe ich mich nicht mehr, aber nett war’s trotzdem. Die Anreise hat allerdings glatte 6 Stunden gedauert, also doppelt so lang als normal, da Hinz und Kunz auf den Autobahnen unterwegs war. Wir haben dann auch noch das letzte B&B-Zimmer in Weymouth ergattert, in einer Bruchbude am Strand. Da es da so eng und laut war, sind wir am Sonntag nach vielen Besichtigungen auch abends wieder nach Hause gefahren, zurueck dauerte es nur 3 Stunden. Und am Montag haben wir dann tatsaechlich Ikea unsicher gemacht, da ich herausgefunden habe, dass wir einen direkt in der Naehe haben, keine 15 Mintuen mit dem Auto entfernt.
Ich habe gerade in der Zeitung eine Bericht gelesen ueber einen Arbeiter, dessen Kollegen zusammengelegt haben, um ihm einen £700 teuren Gehirnscan im Privatkrankenhaus zu bezahlen, der dann prompt feststellte, dass er einen lebensgefaehrlichen Tumor hat und sofort unters Messer muss. Die Chirurgen erzaehlten ihm, dass er ohne die Operation innerhalb von wenigen Wochen tot gewesen waere. Die NHS hatte ihm beschieden, dass deren Warteliste fuer Gehirnscans viele Monate lang ist. Soviel zum tollen staatlichen Gesundheitswesen hier, das die Leute einfach verrecken laesst.
Die Zeitungen sind zur Zeit wieder voll mit Artikeln zu den Untersuchungsberichten ueber die Schnelligkeit von Krankenwagen/Feuerwehr/Polizei am 7. Juli – die Ergebnisse sind erschreckend. Die fehlende Kommunikation ruehrt zum Grossteil daher, dass jede Einheit ein anderes, nicht kompatbiles System benutzt, und Radios der Rettungstrupps immer noch nicht unter Tage funktionieren, was eigentlich schon vor 18 Jahren nach dem Feuer in Kings Cross beantragt wurde. Und das Schoene ist ja jetzt, dass durch die ganzen Zeitungsberichte auch alle Terroristen wunderbar ueber diese Tatsachen informiert sind.
So, jetzt aber zu den wichtigen Nachrichten: wir ziehen am Wochenende um! Und es ist in derselben Strasse nur ein paar 100m weiter! Wir haben auch lange genug gesucht nach einer Wohnung, die in etwa dieselbe ist wie die alte. Wir haben jetzt zwar Teppich statt Parkett und Flussblick nur noch durch eine Luecke zwischen zwei Haeusern durch (plus Blick auf das National Maritime Museum), dafuer haben wir wieder gleich viel Platz, sind wieder im obersten Stock, so dass eine Buehne auch noch dazu gehoert und haben diesmal sogar zwei Balkone, die leider beide auf die Strasse hinausgehen, aber dafuer kann unter uns keiner mehr einen Fussball donnernd gegen die Wand kicken, dass das ganze Gebaeude wackelt. (Die alte Wohnung lag ueber einer tunnelartigen Autozufahrt zu einem anderen Gebaeude). Wir haben auch wieder eine abgetrennte Kueche, kein doofes Open Plan, juhu! Die neue Wohnung kostet ein bisschen mehr als die alte, aber fuer den Preis in der Gegend ist sie immer noch guenstig, vor allem, wenn man bedenkt, was wir laut Marktwert eigentlich fuer die alte Wohnung haetten zahlen muessen.
Aber Gott, ist das stressig hier, ueber einen Immobilienmakler zu mieten! Erstmal waren zwei Immobilienmakler involviert, und wir haben die Wohnung nur “gewonnen”, da unser Makler fuer den Vermieter einen besseren Deal gemacht hat. Dann wollte der Makler gleich mal ein sogenanntes “holding deposit” von zwei Wochenmieten haben, also eine Kaution als Garantie, dass wir die Wohnung auch wirklich nehmen – nur dann wird die Wohnung vom Markt genommen. Dann mussten wir beide ein “application for tenancy” Formular ausfuellen mit allen moeglichen persoenlichen Daten und ich habe mir gleich noch vom jetzigen Vermieter und vom Arbeitgeber eine Referenz ausstellen lassen. Die erste Monatsmiete plus weitere drei Wochenmieten plus Verwaltungsgebuehr von £100 muessen wir morgen bei Vertragsunterzeichnung in “cleared funds” bezahlen, also entweder bar oder per banker’s draft, was so eine Art gesicherter Scheck ist. Deswegen war ich heute mittag bei der Bank, und es hat 45 Minuten und £15 gekostet, um das verdammte Ding auszustellen, allerdings meinte die Dame dann ganz mitfuehlend, wegen der langen Wartezeit koennte sie eventuell die Gebuehr stornieren. Es waere schneller und billiger gewesen, einfach das Geld bar abzuheben, aber bei meiner Bank muss man hierfuer einen Scheck an sich selber ausstellen, und ich hatte mein Scheckbuch nicht dabei. Die spinnen, die englischen Banken.
Wir mieten die Wohnung ab morgen, 7. Juni, aber da das mitten in der Woche ist, bleiben wir in der alten Wohnung noch bis Sonntag, transportieren waehrend der Woche den Kleinkram rueber und dann am Wochenende die schweren Sachen. Unser Vermieter hatte zaehneknirschend unsere zwei Wochen Kuendigungsfrist akzeptiert. Im Vertrag ist eigentlich ein Monat vereinbart, aber wir hatten uns am Telefon auf mindestens eine Woche geeinigt (der Mann will das Ding schliesslich verkaufen, und das ist ohne Mieter etwas einfacher, wuerde ich sagen). Gott sei Dank sind wir dann auch den Strom von Interessenten los, die bevorzugt abends und am Wochenende durchlaufen und bloede Kommentare abgeben wie “Da ist ja gar keine Spuelmaschine in der Kueche!”. Mann, wenn du Spuelmaschine und Granitarbeitsflaechen haben willst, kauf nebenan im Neubau, da kosten die Wohnungen auch nur £100,000 mehr fuer das Privileg!
Momentan sind wir also dabei, Gott und der Welt die neue Adresse zu geben und etliche andere Huerden aus dem Weg zu ballern wie die Tatsache, dass die alte Adresse nicht im Adressenfinder der Royal Mail auftaucht und deswegen unser Makler darauf draengt, dass wir die Adresse registrieren lassen, damit er den Vertrag auch aussstellen kann (die Logik habe ich nicht verstanden, aber egal). Habe also zwei Tage lang der Royal Mail und der Gemeinde hinterhertelefoniert, da Royal Mail meinte, sie wuerde ja schon, wenn sie koennte, aber die Gemeinde haette sie noch nicht von dieser Adresse in Kenntnis gesetzt. Ne klar, das Haus wurde ja auch erst 1984 gebaut, das ist ja verstaendlich! In meiner Verzweiflung habe ich gestern abend an Royal Mail ein dringendes Email geschickt und siehe da, heute morgen wurde die Adresse registriert – gerade noch rechtzeitig!
Dann wollte der Postweiterleitdienst der Royal Mail mal wieder zwei Adressnachweise von uns beiden, damit sie auch die Post an die neue Adresse weiterleiten koennen, und da auf einer der Rechnungen Johns Name nicht drauf stand, wurden wir an der Liverpool Street wieder weggeschickt. Unser oertliches Postamt hat dafuer nur mal kuerz ueber die Belege druebergeguckt, alles ok getickt und uns das Geld abgeknoepft – £23.25 fuer ein halbes Jahr pro Nachname! Waeren wir verheiratet, waere es also die Haelfte gewesen. Da aber hierzulande die durchschnittliche Hochzeit mit £16,000 zu Buche schlaegt, lohnt sich das wahrscheinlich doch wohl nicht …
Dann haben wir noch ein Problem damit, dass die Vormieter der neuen Wohnung sich noch nicht bei der British Telecom gemeldet und ihren Vertrag gekuendigt haben, so dass diese uns erst ab 7 Werktagen nach unseren ersten Kontakt mit BT in der neuen Wohnung anschliessen koennen. Da wir uns am 2. Juni zum ersten Mal zwecks Umzug/Beibehaltung der Nummer und Termin des Anschlusses gemeldet haben, werden wir am 13. Juni angeschlossen und nicht am 9. Juni wie unser Wunsch war. Also werden wir tagelang ohne Telefon und Internet sein, das macht Spass.
Das ganze Drama mit dem Wasserzaehler wird dann auch wieder von vorne anfangen. Hier gibt es im Regelfall keinen Wasserzaehler in Wohnungen, stattdessen zahlt man eine Pauschale, die fuer zwei Personen sowieso ueberteuert ist. Also haben wir vor Monaten um den Einbau eines selbigen gebeten. Da die Muehlen hier langsam laufen, war der Mann vom Wasseramt erst vor ein paar Wochen da, nur um festzustellen, dass aus diversen technischen Gruenden kein Wasserzaehler eingebaut werden kann, wir aber aufgrunddessen nur eine verbilligte Pauschale zahlen muessen. Der Brief hierueber kam eine Woche vor Auszug, das bedeutet, dass wir in der neuen Wohnung wohl wieder erstmal die ueberteuerte Pauschale zahlen muessen, bis die sich angeguckt haben, ob denn dort ein Wasserzaehler einbaubar ist. Man sollte meinen, dass mit all der Wasserknappheit, die zu einem Bann von Wasserschlaeuchen gefuehrt hat, es in deren Interesse sein muesste, schnellstens ueberall Wasserzaehler einzubauen, aber als dieser Vorschlag mal von irgendjemandem in der Regierung gemacht wurde, war das Geschrei in den Zeitungen ueber die Benachteiligung von Familien gross – eine Familie mit 4 Kindern ist natuerlich mit einer Pauschale besser dran als mit einem Wasserzaehler. Die Benachteiligung von 1-2 Personen-Haushalten ist aber natuerlich vernachlaessigbar, oder wie? Wie ich dieses Land und seine Logik liebe.
Letzte Woche haben wir bei Ikea noch ein Sofabett gekauft, da unser Vermieter nicht bereit ist, uns die alten Moebel vor einem Wohnungsverkauf zu verkaufen (hier wird immer alles moebliert praesentiert, da Englaender keine Fantasie zu haben scheinen). Es waren zwar Sofas in der neuen Wohnung, aber die kann man nicht zum Bett umfunktionieren, und wir haben ja schon mal oefter Gaeste aus Deutschland etc.!
Am kommenden Wochenende ist also Umzug angesagt und am Wochenende drauf geht’s nach Oesterreich – das Hotel in Salzburg habe ich jetzt auch mal endlich gebucht. Den Urlaub hab ich aber auch sowas von noetig. Und Gott sei Dank verpasse ich 10 Tage des World Cups (obwohl wir sicher TV im Hotel haben). Beckham, Rooney und Co. sind gestern gen Baden Baden aufgebrochen mit kiloweise Jaffa Cakes, Teebeuteln, Coco Pops und Rice Krispies im Gepaeck. Hat denen keiner gesagt, dass es sowas auch in Deutschland gibt, und hoechstwahrscheinlich billiger? Als ob sie in die russische Pampa fliegen wuerden …
9. Juni 2006
Man merkt, dass die Fussballmeisterschaft angefangen hat: Ueberall haengen die St. Georgs Flaggen an den Autos und Balkonen und heute morgen hat eine Kollegin als allererstes einen Sweepstake veranstaltet: Alle Mannschaften wurden auf Zetteln aufgeschrieben und diese in eine Dose gepackt. Fuer £2 konnte man ein Mannschaftslos ziehen, und wenn deine Mannschaft gewinnt, kriegst du den ganzen Einsatz von £64. Constanze hat solange Lose gekauft, bis sie endlich Deutschland hatte. Ich muss jetzt Frankreich und Trinidad & Tobago die Daumen halten.
Bezueglich der neuen Wohnung haben wir ein paar neue Huerden niedergerissen und ein paar andere haben sich wieder aufgestellt. Die Vormieter haben sich doch noch rechtzeitig bei BT gemeldet, so dass die Telefonleitung heute umgemeldet wird. Da die Vermieterin doch keinen Wasserzaehler will, haben wir wenigstens das Generve nicht nochmal, obwohl wir wohl dann wieder mehr zahlen muessen. Sie zeigte sich allerdings sehr erstaunt ueber den Betrag, den wir bis jetzt bezahlt haben, sie meinte, der wuerde hoechstwahrscheinlich falsch berechnet, so hoch wie der sei. Daraufhin habe ich bei Thames Water angerufen, die mir beschieden, dass die Pauschalen pro Gebaeude nach dessen Wert berechnet werden, oder so. Wir zahlen jetzt nur geringfuegig weniger als in der alten Wohnung.
Wir haben uns gestern abend mit der Vermieterin getroffen, um noch etliche Fragen abzuklaeren, und im Zuge dessen hat sich herausgestellt, dass der Immobilienmakler sowohl sie wie auch uns schlicht angelogen hat ueber gewisse Dinge, z.B. dass der Wasserzaehler kein Problem sei – die Vermieterin wusste davon ueberhaupt nichts. Desgleichen war sie nicht ueber bestimmte Maengel in der Wohnung informiert worden und zeigt sich hoch bestuerzt darueber, dass das zweite Bett, das ja eigentlich haette bleiben sollen, nur noch aus Matratze und Rost bestand. Der Makler hatte wohl jemanden beauftragt, diverse Moebelstuecke abzutransportieren, die wir nicht haben wollten, und die waren etwas zu eifrig. Uns hatte er erzaehlt, das zweite Bett sei beim Transportieren auseinandergebrochen, aber keine Sorge, die Vermieterin besorgt ein neues. Der Vermieterin hat er erzaehlt, wir haetten das Bett beim Abtransport kaputtgemacht! Da wir aber erst am Mittwoch den Schluessel bekommen haben, war das wohl schlecht moeglich. Das Bett ist jetzt wieder ganz und sie stellt auch Farbe fuer einen Generalanstrich der Wohnung (John hat sich angeboten, das zu uebernehmen). Eine Leiter fuer den Buehnenzugang muessen wir uns jetzt doch selber kaufen (auch so eine Luege des Makler, dass diese gestellt wuerde), und das Fenster ist auch noch nicht erneuert, wird aber demnaechst. Dann haben wir noch ewig nach dem Briefkasten, Muellabstellplatz und Stromzaehler gesucht, die sich dann neben der Haustuer hinter abgeschlossenen Tueren auffanden. Da will ich ja nur hoffen, dass der Postbote auch einen Schluessel hat! Dann hat sie noch kurz eine schriftliche Erlaubnis ueber das Aufhaengen von Bildern erteilt (die sind hier ein bisschen ete-petete mit ihren Pappwaenden) und eine Inventur aufgestellt. Hier stellen ja viele Vermieter jede Kleinigkeit in der Kueche, bis runter zu Besteck und Abtrockentuechern. Das meiste Geschirr ist allerdings so grausam gelb (und der Toaster ist gruen), dass wir alles auf die Buehne stellen werden und unser eigenes Zeug benutzen. “Ach, schmeisst das Zeug einfach weg, wenn ihr es nicht wollt”, meinte sie grosszuegig. Das “gas safety certificate” (das bestaetigt, dass der Boiler uns nicht morgen in die Luft jagt) kriegen wir naechste Woche (ich sage euch, dieses Mal bin ich soviel kenntnisreicher als bei der ersten Wohnung, was diese Dinge angeht). Die Haustuer muss auch dringend von der Hausverwaltung repariert werden, das faellt schon auseinander und jeder kann bis vor die Wohnungstuer vordringen. Aber John ist gluecklich, da der Parkplatz fuer diese Anlage viel geschuetzter ist als der alte (aber er aergert sich, dass er die £60 fuer den alten Parkpfosten nicht wiederbekommt). Morgen geht also der Umzug der schweren Moebelstuecke los, mit gemietetem Van und bei ueber 30 Grad Hitze. Wenigstens werden die Strassen frei sein, da England spielt.
19. Juli 2006
Oh mein Gott, ist es heiss heute! Das Quecksilber steht irgendwo bei 36 Grad, und keiner kann es so richtig fassen. Die Strassen werden gestreut wie im Winter, damit sie nicht schmelzen, in den U-Bahnen hat ed 47 Grad, in den Bussen 52 Grad. Es herrscht seit einer Weile schon ein sogenannter “hosepipe ban”, sprich man darf Rasen nicht mehr mit Hilfe von Schlaeuchen bewaessern und muss auch Eimer nehmen zum Autowaschen oder Poolfuellen. Thames Water, die momentan relativ verhasst sind, da sie durch nicht reparierte Lecks taeglich Millionen Liter an Wasser verlieren, aber fleissig Gebuehren anheben, wollen jetzt sogar noch eine “drought order” beantragen, sprich in der anhaltenden Duerre wuerde dann jeglicher “non-essential use of water” verboten. Super.
Am Samstag mache ich eine Housewarming Party, als ob es nicht schon warm genug waere. Aber zumindest sind jetzt mal alle Buecher eingeraeumt, alle Bilder aufgehaengt, die Haelfte aller Zimmer gestrichen und der Boiler repariert. Auch die Dusche, die nicht warm und kalt mischen will, haben wir in den Griff gekriegt, nachdem uns die Vormieter den Trick gezeigt haben: Man stelle den Strahl auf den Badehahn um, mische, lass kurz laufen und ziehe dann den Hebel nach oben fuer den Duschstrahl. Genial, wenn auch irgendwie unverstaendlich.
Die neue Wohnung hat so ihre Macken, alles ist alt und im Grunde renovierungsbeduerftig, wenn auch gerade noch funktionsfaehig. Wir kriegen jetzt noch das Badezimmerfenster ersetzt, weil es schon auseinanderfaellt, vielleicht koennen wir die Landlady ja noch zu groesseren Ausgaben ueberreden, (Kueche und Bad sind alt und unpraktisch) aber das muss man wohl langsam angehen. Und irgendwann sind die Handwerker auch bestimmt damit fertig, die Balkone zu streichen. Zur Zeit fahren sie immer nur relativ planlos in ihrem (nervtoetend piependen) Kran die Strasse auf und ab, streichen mal eben hier einen Pfosten und da ein Gelaender, und schon sind sie wieder weg. Sieht alles sehr nach ABM aus! Aber die Raeume sind schoen gross und ich habe jetzt sogar mehr Buecherregale als vorher! Aber was es alles gibt – die Wasserraten werden hier anscheinend nach Wert des Hauses berechnet, nicht nach Personenanzahl oder Verbrauch oder sonstwas. Nach Wert des Hauses! Und man erbt erstmal den Energielieferanten des Vorgaengers, weswegen ich gerade dabei bin, von British Gas, die ich nie wollte, zu meinem alten Lieferanten EDF Energy zu wechseln. Was bis zu 8 Wochen dauern kann. Die spinnen doch voellig, die Englaender.
Wie wir den Umzug ueberlebt haben, ist mir jetzt noch nicht ganz klar. Es war ein bruetend heisses Wochenende, und wir haben tagelang nur geschuftet – ich hab mir dann den Montag auch noch frei genommen, sonst waer das nie was geworden. Und der alte Vermieter schuldet uns immer noch £90 der Kaution, die wir schon laengst haetten zurueckkriegen sollen, da der Sessel mittlerweile repariert ist. Schweinebacke.
Schade, dass wir die Weltmeisterschaft nicht gewonnen haben, meine Kollegin und ich waren jedenfalls total im World Cup Fieber und haben sogar frueher freigekriegt, um das Argentinien-Spiel im Pub nebenan anzusehen. Wir hatten auf alle Faelle eine normalere Mannschaft als die Englaender, ich habe mich immer sehr amuesiert, wenn von den Fussballern und ihren “WAGs” (Wifes And Girlfriends) die Rede war. Ganz zurecht hat ein englischer Journalist Rooney & Co. als “freak show” bezeichnet. Wir haben das Spiel England – Portugal zuhause angeschaut, und einer der englischen Fans auf der Dachterasse gegenueber unserer Wohnung kam raus, lies einen Wutschrei los, depperte irgendwas auf den Boden und fiel dann heulend in die Arme seiner Freundin, die Memme. Von dem Tag an waren alle im Buero fuer die deutsche Mannschaft (fuer irgendjemanden muss man ja sein), vor allem, nachdem wir die verhassten Portugiesen aus der WM geraeumt haben. Ich habe meine Aufmerksamkeit dann auf die franzoesische Mannschaft gerichtet, da ich diese im office sweepstake gezogen hatte, aber dank Zidane gingen die £64 dann an meinen Kollegen Tony (nicht Yo! Blair).
Oesterreich war super! Salzburg ist eine irre schoene Stadt und das Essen ist fantastisch. John war im siebten Himmel, auch wegen des Bieres. Wir haben alles abgehakt, was so ging – Hohensalzburg, Altstadt, Mozarts Geburtshaus, Mozartausstellung, Mirabellgarten, Hellbrunn, Fiakerfahrt, Schiffsfahrt auf der Salzach etc. Das Haus der Natur ist uebrigens unglaublich spannend und empfehlenswert, und, wie so vieles, mit der Salzburg Card kostenlos. Ich empfehle jedem Salzburgtouristen auch die Lektuere von Erich Kaestners Klassiker “Der kleine Grenzverkehr oder Georg und die Zwischenfaelle.” Koestlich geschrieben. Natuerlich kannte John das nicht. Ich rief also “Ach kuck, da ist das Café Tomaselli!” Er: “Ja und?” “Das kommt bei Kaestner vor!” “Wem?” Es war auch da richtig heiss und vor allem unglaublich schwuel. In der Mitte des Residenzplatzes war eine Riesentribuene und ein Megafernseher aufgebaut, zum kostenlosen Gucken der WM. Ueberdacht war die aber nicht, das waere mir viel zu heiss gewesen.
In Zell am See war es auch schoen, allerdings waren mir da fast zu wenig Sehenswuerdigkeiten um den Weg, fuer die Krimmler Wasserfaelle mussten wir 1 ½ Stunden mit dem Bus durch die Pampa fahren. Es ist aber wunderschoen gelegen, mit praechtigen schneebedeckten Bergen im Hintergrund des Sees. Meine Freundin hatte uns fuer die Hochzeit im Schloss untergebracht, in dessen Kapelle die Trauung stattfinden sollte, und das war ein klein aber sehr fein, und das Gourmetrestaurant war gleich daneben. Am Vorabend vor der Hochzeit wurde dort gegrillt und John spielte mit den Kleinen Fussball, bis es ihn ins Gras setzte, was fuer die Kids natuerlich der Hoehepunkt des Spieles war. Und anstatt ihm aufzuhelfen habe ich natuerlich erstmal ein Foto geschossen. Die Hochzeit selber fand am Samstag um 14 Uhr statt, so dass nach der Trauung und zwischen Tortenanschneiden, Tanzen und Abendessen im Michelin-Restaurant noch genuegend Zeit blieb, das Deutschland – Schweden-Spiel zu verfolgen. Alles schrie “TOR!” und die Braut raffte ihr Kleid und rannte mit fliegendem Schleier nach drinnen zum Fernseher und groehlte mit. Schade, dass keiner schnell genug war, das auf Film zu bannen. Dafuer gibt es zahlreiche Bilder davon, wie John mit der Brautmutter jivt. Alles in allem ein sehr gelungener Tag.
Am Sonntag ging es zurueck nach Salzburg, um von dort Montag morgen den Flieger nach London zu kriegen. Als der Pilot beim Landeanflug auf Stansted dann beinahe entschuldigend sagte, dass es in London leider kuehl und regnerisch sei, haben John und ich nur gejubelt.
Leider hat sich das in der Zwischenzeit ja wieder geaendert, und die Zeitungen sind voll von tollen Tips zum Ueberleben des Wetters (“Vergessen Sie ihre Wasserflasche nicht!”) Es wird ja mittlerweile sogar vorgeschlagen, dass Maenner im Buero Jacke und Krawatte weglassen koennen. Wenn man sich die vielen Frauen in Miniroecken und Flip-Flops anguckt, eigentlich auch nur fair.
6. September 2006
Hoert diese Hitze denn niemals auf! Wir haben den 6. September, und draussen sind 27 Grad! Das ist natuerlich nicht mehr so schlimm wie Ende Juli, als wir 4 Tage lang in Stuttgart waren fuer die 95. Geburtstagsfeier meines Opas. Wir haben bei Freunden uebernachtet, die uns auf den Hamburger Fischmarkt und ins Mineralbad Leuze geschleift haben, und mit meinen Eltern sind wir in die Wilhelma gegangen, wo wir faule Eisbaeren besichtigt haben. Die haben’s gut. Wir haben viel zu viel deutsches Essen zu uns genommen, noch eine andere Freundin besucht, und sind mit 8 kg deutschen Lebensmitteln im Gepaeck nach London zurueckgekehrt. Ein voller Erfolg also.
Es gibt hier in London “Idea Stores”, die sind eine Mischung aus oeffentlicher Buecherei und Volkshochschule. Ein neuer Idea Store wurde gerade in Canary Wharf eroeffnet, und John und ich haben uns gleich mal angemeldet. Interneteinrichtungen haben sie auch, und vor ein paar Wochen kam der Katalog mit den Kursen ab September raus. Ich hab mich gleich mal fuer einen Pilateskurs angemeldet und John sich fuer einen Deutschkurs. Die Preise sind sowieso zivil, aber John als arbeitsloser Sechziger kriegt das Ganze nochmal subventioniert. In zwei Wochen geht’s los.
Am Montag 28. August war hier ein Bank Holiday, und so habe ich die Gunst der Stunde genutzt und Urlaub fuer die ganze Woche genommen. Diesmal ging es nach Cornwall, wo weder John und ich je vorher waren. Wir sind am Samstag losgefahren (und nach 10 Stunden angekommen) und hatten 7 Tage lang schoensten Sonnenschein. Am Samstag hat es dann auf der Rueckfahrt geregnet, aber da hat es uns nicht mehr gekratzt. Wir sollten uns das wirklich patentieren lassen – immer wenn wir in Urlaub fahren, scheint die Sonne. Egal wann und egal wo.
Wir hatten uns fuer die ganze Woche in einem B&B in Falmouth einquartiert, mit Seeblick und queen size bed, das uns als king size angepriesen wurde. Dafuer war es sehr bequem. Am Bank Holiday Wochenende war die ganze Stadt mit Touristen voll und, laut Anschlag am Tourismusbuero “there is no accommodation availably in Falmouth today”. Wenn nicht mal die Tourismusbehoerde mehr englisch kann, sieht es duester aus. Es ist auch immer wieder amusierend zu sehen, wie viel die Weglassung eines Kommas ausmacht, zu bewundern auf diesem Schild “Slow men working on verge”. Wenigstens arbeiten sie ueberhaupt, wenn auch langsam! Die erste Frage der B&B Betreiber war “Sind Sie fuer die Konzerte hier?” Anscheinend waren fuer dieses Wochenende Status Quo und Westlife angesagt auf Pendennis Castle, das eine wirklich beeindruckende Lage hoch ueber dem Hafen hat. Als wir die Burg kurz vor dem Westlife Konzert besichtigt haben (und wegen unzureichender Beschilderung die umstaendliche, dreimal so lange scenic route genommen haben), stand die Buehne schon und ueber Lautsprecher kamen Probeklaenge. Und dann sahen wir eine weisse Stretchlimo anrollen …
Falmouth hat 2 Burgen, ein Maritime Museum, viele Gaerten und den dritttiefsten natuerlichen Hafen der Welt (nach Sydney und Rio). Und es ist ein Hafen, in dem viele grosse Schiffe ankern, um repariert oder befuellt zu werden (und von dem aus Ellen MacArthur ihre Weltumsegelung gestarte hat), es gibt also immer viel zu sehen. Wir haben eine Bootsfahrt von Falmouth nach St. Mawes unternommen, wo die zweite Burg liegt, sowie eine zweistuendige Rundfahrt an der Kueste entlang. Falmouth ist fuer seine Austern beruehmt (jeden Oktober gibt es ein Oyster Festival), aber auch sonst gab es enorm viel Fisch und Meeresfruechte angeboten. Lecker.
Unterhalb von Pendennis Castle liegt Pendennis Point, mehr oder weniger ein Parkplatz mit Ausblick, auch fuer Picknicks sehr geeignet, am besten zwischen 6 und 7 fuer die letzte Abendsonne. Die meisten Leute bleiben einfach im Auto sitzen und gucken sich den Ausblick von dort an, wir sind natuerlich ueber alle moeglichen Felsen geklettert und haben eine Robbe im Wasser gesehen.
Lizard Point auf der Lizard Peninsula ist auch sehr huebsch und angeblich der suedlichste Punkt Cornwalls. Am besten parkt man aber im Ort selber und laeuft den Rest, denn der Weg zu den Klippen ist mal wieder eine dieser engen Strassen “not suitable for caravans and HGVs” (heavy goods vehicles). Worauf wir natuerlich prompt steckengeblieben sind, weil von der anderen Seiten zwei caravans angetuckert kamen und ein groesseres Chaos verursacht haben.
Land’s End ist als Vergnuegungspark eine echte Abzocke, aber wenn man nur die £3 Parkgebuehr zahlt und dann ein wenig an der Kueste entlangspaziert, ist es ganz ertraeglich, und wir haben auf den Klippen ein Pferd angetroffen, das da mal eben so rumstand und am Gras kaute.
In Cornwall ist ja nichts wirklich weit voneinander entfernt und alles, was wir uns anschauen wollten, war hoechstens eine Autostunde entfernt, und so sind wir auch nach Truro getuckert, um uns die Kathedrale anzuschauen und das Royal Cornwall Museum. Leider war das Museum geschlossen, und ansonsten gibt’s in Turo eigentlich nur Laeden, also sind wir wieder weitergefahren, nachdem auch der Manta mal wieder Probleme gemacht hat (keine laengere Reise ohne irgendwelche Wehwehchen). Er brauchte dringend neue Batterien fuer seinen Autoalarm, denn wenn der Alarm nicht an- oder ausgeschaltet werden kann, startet der Manta nicht. Der Typ im Spezialgeschaeft guckte sich nur kopfschuettelnd die Batterie and und meinte “Sowas hat hoechstens ein Typ auf dem Markt, aber der ist heute nicht da.” Gluecklicherweise war das eine grobe Falscheinschaetzung der Lage – nebenan bei Woolworth lagen die Batterien zuhauf rum.
St. Ives fanden wir auch nicht so unbedingt den Brueller, das ist so mit Touristen verseucht, das es keinen Spass mehr macht, und du kommst nicht an der Promenade entlang, da die Autos sich auch alle durch die Innenstadt zwaengen, was verboten werden sollte bei Strassen, die bei uns Fussgaengerbereiche waeren. Wenigstens gab es leckere Sandwiches und ich habe Freundschaft mit einer Moewe geschlossen (ob sie aussah als ob sie Jonathan hiesse, kann ich nicht beurteilen).
St. Michael’s Mount ist dagegen recht schnuckelig, eine Burg nahe Penzance auf dem Berg gelegen, der bei Flut nur mit dem Boot erreichbar ist, gefolgt von einem Fussmarsch ueber Stock und Stein. Der dazugehoerige Garten ist zu dieser Jahreszeit leider nur Donnerstags und Freitags zu besichtigen. Am besten man besichtigt so frueh wie moeglich morgens, ansonsten ist die Burg dermassen von Touristen ueberlaufen, dass man eine halbe Stunde fuer ein Boot ansteht.
Ein absolutes Muss ist das Minack Theatre, ein hoch ueber dem See gelegenes Amphitheater, das in den 30er Jahren von einer beherzten Dame, der der Grund gehoert, fast eigenstaendig erbaut wurde. Die Lage ist fantastisch, und man kann an Sommernachmittagen und Abenden gemuetlich sitzen und Shakespeare & Co. fuer nur £7.50 pro Nase geniessen. Haetten wir sofort gemacht, aber das Theater ist dermassen beliebt, dass der ganze Sommer bis in den September hinein schon ausgebucht war. Bei den Preisen und der Lage auch kein Wunder. Ueberall sind Palmen gepflanzt, die dank des milden Klimas in Cornwall gut gedeihen, und direkt daneben fuehrt ein steiler Pfad hinunter zum Strand. Traumhaft.
Den Freitag vor der Abreise, der noch einmal unglaublich warm war, verbrachten wir im Eden Project bei St. Austell, das eine unglaubliche Fuelle von Pflanzen aufweist, innen wie ausserhalb der Dome. Der Biodom mit dem mediterranen Klima war ja noch ertraeglich, den mit dem tropischen Klima habe ich allerdings nach ein paar Minuten schon wieder verlassen, da er bruellend heiss war. Dann gab es noch ein Baehnchen, das im Kreis durch die Gaerten fuhr sowie fuer die Abenteuerlustigen eine Art Seilbahn, die einen einmal quer ueber das Tal traegt, schoen eingehakt in Sicherheitsgurten. Zip-wire nannte sich das glaube ich.
Auf dem Rueckweg sind wir ueber Fowey gefahren, da ich auf der Karte eine Burg eingezeichnet gesehen hatte, und dafuer bin ich ja immer zu haben. Fuer St Katharine’s Castle muss man parken, dann runter zum Strand laufen, den ueberqueren, eine Leiter hochkraxeln und durch ein Waldstueck laufen und dann ist es nur eine Ruine. Aber was fuer eine Aussicht! Ich habe mich auf eine Burgmauer gesetzt, von der man ueber den ganzen Hafen blicken konnte. Da sass ich dann fuer die naechste halbe Stunde in der Sonne, voellig hin und weg und wusste “Das ist wieder einer der magischen Momente”. Ich hatte einen magischen Moment auf Carreg Cennen Castle in Wales, von wo aus man einen ausgezeichneten Rundblick ueber die Breacon Beacons hat und abends um 7 Uhr den Schatten ueber das Tal wandern sehen konnte. Einen anderen magischen Moment hatte ich beim ersten Blick auf Tintern Abbey (auch in Wales), auf Kerrera bei Oban in Schottland und in Irland im Connemara National Park, wo wir fast die einzigen Bewohner des Camping Parks waren in Kuestennaehe, windig aber wunderschoen. Da vergisst man fast den Alltag. Das sind so die Orte, da moechte man stundenlang mit einem Buch sitzen und immer mal wieder aufblicken und die Szenerie auf sich wirken lassen. Oh God, I am waxing lyrical.
Leider haben wir nicht halb soviel anschauen koennen, wie wir gewollt haetten, aber man kann ja wiederkommen, und da uns die Fuesse weh taten und der Manta wieder angefangen hatte zu stottern, haben wir am Samstag doch dankbar bei stroemendem Regen zum Aufbruch geblasen. Wir brauchten dank diverser Staus und stop and gos sage und schreibe ELF Stunden fuer die Rueckfahrt und haben den Sonntag daher dankbar zum Ausspannen und Waeschewaschen genutzt.
Autor: Beate
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Die Sache mit Ryanair und den gepäckbestimmungen ist schon wirklich eine Wissenschaft für sich. Früher beschwerte man sich schon immer, dass man nur so wenig mitnehmen durfte. Inzwischen muss man sogar für das wenige noch eine ordentliche gebühr bezahlen. Kein Wunder, dass immer mehr Leute versuchen, alles in ihr Handgepäck zu quetschen und dass man sich deshalb im Flieger wirklich schon um den Raum in den Gepäckfächern prügeln muss. Ryanair ist aber soweit ich gehört habe auch noch stolz darauf, dass man die Kunden so „erzogen“ hat, dass sie mit weniger auskommen.
Kommentar von Jens 1, 8 Juli, 2009 @ 10:12