Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Adele Sansone: Amelie und die Stachelritter
1, 13 August, 2008, 7:09
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Adele Sansone: Amelie und die Stachelritter, Neckenmarkt 2008, Novum Verlag, ISBN 978-3-85022-276-1, 114 Seiten, mit s/w-Illustrationen der Autorin, Softcover, Format: 13,5 x 20.5 x 0,4 cm, EUR 9,60 (Deutschland), EUR 9,90 (Österreich), sFr 18,10 (Schweiz), Altersempfehlung: ab 8 Jahren.

Ausgerechnet in den Weihnachtsferien herrscht so ein unbeschreibliches Sauwetter! Die Freunde Amelie (11), Isabella (10) und Florian (11) sitzen in Amelies Kinderzimmer und langweilen sich. Weit und breit sind keine Abenteuer in Sicht. Weder gibt es Tierhasser zu entlarven wie Im Band AMELIE – SCHATTEN IM DUNKEL, noch gilt es, ein angebliches Ungeheuer aufzuspüren wie in AMELIE, KNÖDEL & CO.

Als Florian im Bücherregal einen Igel-Ratgeber entdeckt, hat Amelie eine Idee, wie man die Freunde aufheitern und unterhalten könnte: Sie erzählt ihnen von den aufregenden Erlebnissen mit ihren Pflege-Igeln.

Amelie denkt zurück an den Spätsommer am Ende des letzten Schuljahrs. Sie hatte es sich schon vor einiger Zeit zur Gewohnheit gemacht, den Igel im elterlichen Garten mit kleinen Leckerbissen zu füttern. Doch an diesem sonnigen Samstagmorgen ist alles anders: Als sie näher kommt, läuft der Igel weder weg noch rollt er sich ein. Er kriecht auf sie zu und fällt ihr vor die Füße. Das hat seinen Grund: Sein Gesicht ist verkrustet, seine Nase steht schief. Der Igel ist verletzt. Vermutlich wurde er bei seinen Streifzügen von einem Auto angefahren.

Die Fliegen haben schon Eier auf der verletzten Nase abgesetzt. Amelies Mutter fackelt nicht lange und verarztet den Igel notdürftig mit Mitteln aus der Hausapotheke. Damit handelt sie gegen den Willen ihres Mannes, der den Tod eines Wildtiers als natürliche Gegebenheit betrachtet. Er ist dafür, den Igel in Ruhe zu lassen. Wer zu krank und zu schwach ist für den Überlebenskampf, der stirbt eben.

Doch Amelie und ihrer Mutter steht nicht der Sinn nach einer Lehrstunde in Darwinismus. Sie wollen dem Igel nicht beim Sterben zusehen und bringen ihn nach einem Besuch bei der Tierärztin zu einer Igel-Expertin, die das Tierchen wieder aufpäppeln will. Die Tierärztin hat gemeint, das sei einen Versuch Wert. Denn man merke deutlich, ob ein Igel ums Überleben kämpfe oder nicht mehr wolle oder könne. Und diese Igelin hier kämpfe noch.

Nach drei Tagen ruft die „Igelfrau“ bei Amelies Eltern an. Das Tier ist über den Berg und braucht nur noch liebevolle Pflege. Amelie holt ihre Igelin ab, packt sie in eine Bananenkiste und quartiert sie im heimischen Holzschuppen ein. Kriemhild Gerber, Amelies großmütterliche Freundin, schenkt ihr ein Igel-Buch, damit das Mädchen den Igel auch sachgerecht versorgen kann.

Von nun an widmen sich Amelie und ihre Mutter mit viel Liebe, zunehmendem Sachverstand und allerlei Tricks der Igelpflege. Sogar einen Namen bekommt die Igeldame: Schnuffi heißt sie. Noch hat die Igelin ein deutliches Problem mit der Atmung. Und Amelies Vater, der anfangs so dagegen war, dem Tier zu helfen, macht sich Gedanken darüber, ob man sie wohl wieder auswildern kann, wenn doch ihr Geruchssinn nicht mehr richtig funktioniert. Schließlich finden Igel ihre Nahrung „mit der Nase“. Doch Schnuffi hat Glück und gute Pflege: Ihr Geruchssinn regeneriert sich wieder. Es dauert nicht lange, und sie kann in die freie Natur entlassen werden. Dass die Igelin von dem Unfall eine schiefe Nase zurück behalten hat, ist ihren Artgenossen erfreulicherweise gleichgültig. Tiere achten nicht auf solche nebensächlichen Äußerlichkeiten.

Damit könnte die Geschichte von Amelie und den Igeln eigentlich zu Ende sein. Doch mit Tieren erlebt man eben immer wieder Überraschungen: Als Schnuffi sich gerade den Reisighaufen im Garten – ein Winterquartier, das Amelie und ihr Vater für sie vorbereitet haben – für den Winterschlaf auspolstert, begegnet sie einem mageren jungen Igel. Und ihr wird sofort klar: Diese halbe Portion wird den monatelangen Winterschlaf nicht überleben. Dazu hat er einfach zu wenige Reserven. Die Igelin führt ihn zu den üppigsten Futterplätzen. Sie selbst hat sich im Hinblick auf den kommenden Winterschlaf schon ordentlich Speck angefuttert und kann ihm getrost die fettere Beute überlassen. Doch das reicht nicht. Wenn der Winzling das kommende Frühjahr überleben soll, muss Hilfe her. Menschliche Hilfe. Also sorgt sie dafür, dass der magere Jung-Igel den Menschen vor die Füße läuft, die ihr das Leben gerettet haben. Dieses Mal ist es Amelies Papa, der den kleinen Stachelritter aufliest und als neuen Pflegefall ins Haus trägt.

Über Winterigel, die halb erfroren durch den ersten Schnee irren, schweigt sich das Igel-Buch leider aus. Aber mit gesundem Menschenverstand und ihrer bisherigen Igel-Erfahrung bringen Amelie und ihre Familie den Winzling bald wieder zu Kräften.

Sein Instinkt sagt ihm, dass er sich nun einen trockenen, ruhigen Raum für seinen Winterschlaf suchen muss und dass Amelies Haus nicht der richtige Platz dafür ist. Als jemand versehentlich die Wintergartentür einen Spalt offen stehen lässt, entwischt der ruhelose Winterigel in den Garten. Doch womit er in seiner jugendlichen Unerfahrenheit nicht gerechnet hat: Draußen ist es tief verschneit und eiskalt. Orientierungslos irrt der kleine Igel durch den Garten …

Werden Amelie und ihre Familie sein Verschwinden rechtzeitig bemerken? Werden sie ihn finden, bevor er draußen erfroren ist? Wird er den Winterschlaf überleben? Und wird es für ihn tatsächlich im Frühjahr ein Wiedersehen mit der Igeldame Schnuffi geben, die während dieses ganzen Dramas friedlich im Reisighaufen schlummert?

Dass Amelie, Isabella und Florian auch in Zukunft die tierischen Abenteuer nicht ausgehen werden, deutet sich am Schluss der Geschichte an. Was wohl die große Überraschung sein wird, die nach den Ferien auf sie wartet?

Junge und auch bereits erwachsene Tierfreunde werden ihre Freude haben an den Abenteuern von Amelie und ihren Igeln, den „Stachelrittern“. Stets ist die Frage, ob die Menschen auch die Nöte und Bedürfnisse ihrer tierischen Freunde verstehen werden – und ob sie ihnen helfen können. Oft müssen die Menschen nicht nur einfühlsam, sondern auch sehr erfinderisch sein, um die benötigte Hilfe leisten zu können.

Und wie in allen Bänden der Amelie-Reihe kommt auch hier der Humor nicht zu kurz. Dafür sorgt schon die verschmitzte Lebensklugheit von Oma Gerber. Und Amelies Vorliebe für eine besonders gewählte, erwachsene Ausdrucksweise, was allerdings nicht immer die beabsichtigte Wirkung erzielt, weil sie manchmal eben doch das falsche Fremdwort erwischt.

Nachdem man AMELIE UND DIE STACHELRITTER gelesen hat, fühlt man sich beinahe selbst schon dazu in der Lage, einen Igel sicher über den Winter zu bringen. Wer tatsächlich in die Verlegenheit kommt, einem Stachelritter diesbezüglich helfen zu müssen, findet im Anhang des Buchs zusätzliche Informationen sowie weiterführende Literaturhinweise.

Und wer wissen will, welche neuen Abenteuer auf Amelie und ihre Freunde nach den Ferien warten, wird sich bis zum nächsten Band der Reihe gedulden müssen …

Die Autorin:
Die österreichische Kinder- und Jugendbuch-Autorin und Illustratorin Adele Sansone lebt mit ihrer Familie in Tirol. Sie erhielt diverse Auszeichnungen für ihre Texte, so unter anderem den Preis Parole senza frontiere für ihr erstes Kinderbuch und den Kinder- und Jugendliteraturpreis des Landes Steiermark für ihren Jugendroman „Hassan“. „Hassan“ wurde in die Liste der empfohlenen Bücher für den Gustav-Heinemann-Friedenspreis aufgenommen. Die Bilderbücher „Florian lässt sich Zeit“ (Text und Illustration) sowie das in mehrere Sprachen übersetzte Buch „Das grüne Küken“ erhielten gleichfalls internationale Auszeichnungen.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

http:// edithnebel.wordpress.com



Adele Sansone: Erster Kuss und Regenguss. Für Mädchen von 10 bis 14
1, 13 August, 2008, 7:08
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Adele Sansone: Erster Kuss und Regenguss, Wien 2008, G&G-Verlag, http://www.kinderbuchverlag.at, ISBN 978-3-7074-1066-2, Softcover, 127 Seiten, Format: 20,2 x 13,6 x 1,8 cm, Umschlaggestaltung: Kirsten Strassmann (Bildmotiv mit Glitzerdruck), Altersempfehlung: Mädchen von 10 bis 14 Jahren, EUR 9,95.

Sie sind eine verschworene Freundinnengemeinschaft: die attraktive und temperamentvolle Bekkie (13), die schwatzhafte, pummelige Sara (12), die Bekkie treu ergeben ist und vergeblich so zu sein versucht wie sie, sowie die intelligente und schüchterne Laura (12) die sich meist unterschätzt und sich gegenüber den Freundinnen vorkommt „wie das letzte Huhn vom Ende der Welt“. Die einzige in diesem vierblättrigen Kleeblatt, die womöglich noch braver und behüteter ist als Laura, ist deren türkische Klassenkameradin Aicha (12).

Alphazicke Bekkie hat von den vieren nicht nur am meisten Busen und das meiste Geld sondern, als Tochter einer allein erziehenden Ärztin, auch die meisten Freiheiten. Wenn Mutter in der Klinik ist, ist Bekkie allein daheim. So kommt es auch, dass die vier Mädchen ungestört Lauras 12. Geburtstag vorfeiern können – mit einer Party in Bekkies Wohnung. Mit Jungs!

Mit dem Make Up und den Klamotten von Bekkie brezeln sich die Mädchen auf, und dann kann die Fete beginnen. Laura schwebt im siebten Himmel, denn auch ihr Schwarm ist eingeladen: Nico (14), der coole große Bruder der pummeligen Sara, der nicht nur toll aussieht, sondern auch noch als Drummer in einer Boyband spielt.

Nico sonnt sich in Lauras Aufmerksamkeit und findet die Freundin seiner Schwester süß. So kommt es zum ersten Kuss. Leider bekommt Laura davon nicht sehr viel mit, weil sie davor ahnungslos zuviel klebrig-süßen Alkohol getrunken hat und ziemlich weggetreten ist. Davon bekommen ihre Eltern zum Glück nichts mit, denn die Mädchen (außer Aicha) übernachten bei Bekkie, und bis Laura nach Hause kommt, ist der Restalkohol verflogen, das Gesicht abgeschminkt, und sie trägt auch wieder ihre eigene Kleidung. Die Eltern denken natürlich, die Party sei ein ganz normales Treffen unter Freundinnen gewesen, selbstverständlich unter mütterlicher Aufsicht.

Jetzt hat Laura also einen Freund. Auch davon dürfen ihre Eltern nichts erfahren. Sie halten ihre Tochter ja noch für ein Kind. Damit beginnen die Heimlichkeiten, die kleinen Schwindeleien und die Streitigkeiten mit der Mutter, die nicht mehr alles vom (Gefühls-)Leben ihrer Tochter weiß und deshalb deren Stimmungsschwankungen nicht nachvollziehen kann. Nur Kater Luzifer hat seine heimliche Freude an den Streitereien. Er wartet immer auf gezückte Krallen, fliegende Fetzen und die anschließende „versöhnende Fellpflege“.

Lauras „beste Freundin“ und Vertraute – neben den Schulkameradinnen – ist ihre Tante Henny, Vaters unkonventionelle und energische jüngere Schwester. Tante Henny erklärt ihrer Nichte, dass sie nun in der Pubertät sei. Da sei eben alles im Umbruch und das Gehirn wie eine Baustelle. Bis alles wieder an Ort und Stelle und aus dem Kind ein Erwachsener geworden sei, ginge so manches durcheinander. Das leuchtet Laura ein.

Tante Henny ist es auch, die Laura ihre neuen hochhackigen Stiefel borgt, damit das Mädchen sich mit einem zu klein gewordenen Minirock und anderen Beständen aus dem Kleiderschrank für einen großen Auftritt als „sexy Hexy“ stylen kann. Doch das Gehen auf hohen Absätzen will gelernt sein, und deshalb hat die Maskerade nicht ganz die gewünschte Wirkung … Immerhin: Nico fand es toll.

Doch so langsam beschleichen Laura erste Zweifel, ob Nico den ganzen Aufwand überhaupt Wert ist. Er interessiert sich mehr für seine Musik, seine Kumpels, seine Computerspiele und sein neuestes Handy als für sie. Haben sie überhaupt etwas gemeinsam?

Als Laura ihren Freund zu sich nach Hause einlädt, kommt es zu einer für sie peinlichen Situation, in der Nico sich nicht gerade wie ein Traumprinz verhält. Und als Laura kurz darauf erkrankt und Nico sich in der Zeit nicht einmal bei ihr meldet, kommt es zum offenen Streit zwischen den beiden. Doch es kommt noch schlimmer: Nico unterstellt Laura, sich an ihm rächen zu wollen und erhebt eine ungeheuerliche Anschuldigung. Laura ist wie vor den Kopf geschlagen. Wie soll sie sich von diesem ungerechtfertigten Verdacht jemals wieder reinwaschen? Sogar die Polizei ist eingeschaltet worden!

Werden ihre Freundinnen sie aus den Schwierigkeiten herauspauken können? Kann vielleicht Tante Henny helfen? Oder muss Laura ihren Eltern nun reinen Wein einschenken?

Ein Missgeschick des Katers Luzifer bringt Laura schließlich auf die rettende Idee …

Spannend, unterhaltsam und lebensnah schildert Adele Sansone die Erlebnisse des noch-nicht-ganz-Teenagers Laura und ihrer Freundinnen. Die jungen Leserinnen werden sich mit den Sorgen und Nöten der schüchternen Laura gut identifizieren können. Wer fühlt sich nicht manchmal den gewitzteren Freundinnen unterlegen und wünschte, er wäre wie sie? Wer hätte in dem Alter nicht tausend Fragen über das Leben und die Liebe und niemanden, dem er sie sinnvollerweise stellen könnte? Die Erwachsenen verstehen einen sowieso nicht und die Altersgenossen haben selber keine Ahnung.

Ein paar der wichtigsten Fragen beantwortet dieses Buch.

Wer die Pubertät schon lange hinter sicht hat, und das Buch trotzdem liest, wird unwillkürlich an die eigene Jugend erinnert. So wie Laura ging es uns doch allen mal. Und peinliche Eltern hatten wir auch – lange, bevor wir selbst welche wurden.

Die Autorin und der Verlag sind aus Österreich, was sich sprachlich bei einzelnen Begriffen und Redewendungen bemerkbar macht. Familiäre Klänge für die Rezensentin, ein wenig fremd vielleicht für Leserinnen aus Deutschland oder der Schweiz. Doch auch wenn die aktuelle Jugendsprache regional ein wenig abweichen mag: Die Geschichte selbst könnte fast überall auf der Welt spielen. Die Probleme der Pubertät sind eben überall gleich.

Ob die jugendlichen Leserinnen den Zeit- und Perspektive-Wechsel in dem Buch bemerken werden? Während der größte Teil der Geschichte in der Vergangenheitsform und in der 3. Person erzählt wird, also von einem allwissenden Erzähler, der darüber im Bilde ist, was in den Köpfen sämtlicher Personen vor sich geht, wird der wichtigste Teil der Party von Laura selbst und in der Gegenwart erzählt. Vielleicht weil so ihre Gefühle, ihre Verwirrung und die Tatsache, dass sie entscheidende Momente des Festes alkoholbedingt gar nicht mitbekommt, am besten deutlich werden. Ein überraschender Kunstgriff, der an keiner anderen Stelle im Buch mehr angewandt wird.

Gesondert gewürdigt werden soll an dieser Stelle die Umschlaggestaltung von Kirsten Straßmann. Das Cover zeigt zwei fröhliche, schwungvolle Mädchen. Es ist in leuchtenden Farben gehalten mit viel Pink dabei. Und mit Glitzerdruck! Das heißt. einzelne Bildelemente sind mit silberfarbenem Glimmer versehen, was man so kaum je auf Buchumschlägen sieht. Ein auffallendes Gestaltungsmerkmal, das die Mädchenbuch-Reihe LIPGLOSS des G&G-Verlags kennzeichnet und das im Umfeld der Rezensentin weibliche Wesen jeglichen Alters spontan fasziniert hat. Man sieht gewissermaßen schon von außen, dass einem dieses Buch glänzende Unterhaltung bieten wird. Und genau das tut es auch.

Die Autorin:
Die österreichische Kinder- und Jugendbuch-Autorin und Illustratorin Adele Sansone lebt mit ihrer Familie in Tirol. Sie erhielt diverse Auszeichnungen für ihre Texte, so unter anderem den Preis Parole senza frontiere für ihr erstes Kinderbuch und den Kinder- und Jugendliteraturpreis des Landes Steiermark für ihren Jugendroman „Hassan“. „Hassan“ wurde in die Liste der empfohlenen Bücher für den Gustav-Heinemann-Friedenspreis aufgenommen. Die Bilderbücher „Florian lässt sich Zeit“ (Text und Illustration) sowie das in mehrere Sprachen übersetzte Buch „Das grüne Küken“ erhielten gleichfalls internationale Auszeichnungen.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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Und sie sterben doch aus!
1, 11 August, 2008, 10:27
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Und sie sterben doch aus!
Das Leben eines Menschen aus der Sicht einer Katze.

Inhalt:
Die Paarung
Die Schwangerschaft
Die Geburt
Aufzucht der Jungen bis zum Schulalter
Die Pubertät
Bis 30
Ab 50

Vorwort
Ich darf mich kurz vorstellen: Mein Name ist Cleo und ich gehöre der besten Rasse der Welt an. Felis silvestris forma catus, explizit Maine Coon.

Seit vielen Jahren lebe ich nun schon mit meinem Homo Sapiens zusammen und fange langsam an, mir um diese Spezies ernsthafte Sorgen zu machen. Meine Freunde und ich haben lange und ernsthafte Studien betrieben und wir können nicht mehr umhin, diese nun aufzuschreiben und der restlichen Welt zugänglich zu machen. Sozusagen als Warnung vor einer zukünftigen Katastrophe. Ich sehe die Zukunft nicht rosig sondern denke, dass wir uns in nicht allzu langer Zeit um die Dosenöffner prügeln müssen.

Aber lesen sie selbst! Sie werden – wie wir – zu dem Schluss kommen:Sie müssen aussterben – zwangsläufig.

Die Paarung
In der feliden Welt ist die Sache eigentlich relativ einfach. Zu gewissen Jahreszeiten werden wir Mädchen rollig und machen uns stante pedes auf die Suche nach einem adäquaten Partner. Natürlich wählen wir die Väter unserer Jungen sorgfältig aus. Wir achten auf gesundes, glänzendes Fell, Stärke, Mut und Durchsetzungsvermögen. Kränkelnde Looser haben bei uns keine Chance und natürlich muss auch die Chemie stimmen.

Betrachten wir nun das Paarungsverhalten der Menschen. Nicht nur, dass sie sich erst damit beschäftigen, wenn wir längst Urururururgroßeltern sind, nein, sie sind – egal ob Männlein oder Weiblein – dauerrollig. Ohne großartig auf die wichtigen Attribute wie z.B. Gesundheit, Stärke oder Mut zu achten und ohne die Herren der Schöpfung untereinander um das Paarungsrecht kämpfen zu lassen, schweben sie mit diesen meist wochenlang in einem merkwürdig tranceartigen Zustand. Sie nennen es ‚verliebt sein’. Bis sie dann endlich mal zu Potte kommen, haben wir unsere Jungen fast groß.

Als Paarungsstätte ziehen sie das Schlafzimmer allem anderen vor. Dort verbarrikadieren sie sich dann, damit Katze nicht zuschauen oder anständig auf dem ihr zustehenden Platz im Bett schlafen kann.

Jetzt wird es erst richtig merkwürdig. Haben sie sich erstmal gegenseitig das Fell über die Ohren gezogen kämpfen sie ewig lange in bester Sumo-Ringer-Manier bis sie’s endlich gebacken kriegen. Dabei legen sie sehr seltsame Verhaltensmuster an den Tag, die man als gute Mutterkatze nur so umschreiben kann: Leute, so wird das garantiert nix! Bei einem solchen Gehabe ist es bei Weitem nicht verwunderlich, wenn die Weibchen nicht tragend werden.

Bei uns läuft das anders. Haben wir uns für einen Kater entschieden kommen wir schnellstmöglich zur Sache. Schließlich hat jede Rolligkeit ein Ende und es liegt in der Natur der Sache, die Kinder zu einer möglichst nahrungsreichen Jahreszeit zur Welt kommen zu lassen. Ein ordentlicher Nackenbiss, die Angelegenheit vollziehen und nach spätestens drei Tagen ist der Kindersegen gewiss. Das nenne ich effektiv.

Ich habe mit vielen anderen meiner Art gesprochen und es ist immer das Gleiche. Die Menschen trainieren Tag um Tag, Monat um Monat und Jahr um Jahr. Und was kommt dabei raus? Nix. Zumindest meistens.

Das ist der nächste Punkt mit weit reichenden Folgen. Menschen tragen in ihrem Leben meist nur einmal, seltener zweimal und noch viel seltener dreimal und öfter. Dann schaffen sie es noch nicht einmal, ihre Kinder nach ca. 63 Tagen zu gebären, nein, sie brauchen geschlagene zehn Monate dazu! Es kommt aber noch schlimmer. Um tragend zu werden müssen viele von ihnen ‚verheiratet sein’. Dieser Zustand ist oft erst nach Jahren erreicht und auch der Nachwuchs lässt dann ewig auf sich warten.

Ein ganz fataler Evolutionsfehler, der Mutter Natur beim Menschen unterlaufen ist, betrifft die Wurfgröße. Kann unsereiner auf stattliche vier bis acht Kitten pro Wurf stolz die Mutteraugen richten, werfen Menschenmütter sie zumeist nur auf ein Junges. Selten zwei und noch sehr viel seltener drei und mehr. Wie soll man mit einer solch geringen Ausbeute eine ganze Population sichern? Und was ist, wenn man das einzige Kleine nicht durchbringt? Gut, bei uns sterben auch mal Kitten aber es bleiben meist noch genügend übrig, um die Art zu erhalten.

In einer Zeitschrift las ich, dass die Weibchen – zumindest in diesem Land – statistisch gesehen 1,4 Junge in ihrem Leben bekämen. Ich frage mich ernsthaft, was soll man mit 0,4 Kitten? Bei uns wäre so was nicht überlebensfähig und wir als Mütter würden es aussortieren. Summa summarum bliebe dann ein ganzes Junges pro Weibchen. Da sie oft ihr Leben in Einehe fristen (warum habe ich bis heute nicht begriffen) ist das dann haargenau ein Kind pro Paar. Das wiederum hat zur Folge, dass sich – meine geringen mathematischen Kenntnisse zu Grunde legend – die Anzahl der Menschen mit jeder Generation halbiert.

Anhand der Einwohnerzahl von Deutschland, die da 82.541.000 Menschen beträgt kann man sich an zwei Pfoten ausrechnen, wann das mit dem Dosen öffnen nicht mehr hinhaut. Vor allem, wenn man bedenkt, dass davon ungefähr die Hälfte keine Katzen mag – was dann nur noch 41.270.500 potentielle Öffner wären – und davon ungefähr 25% allergisch auf uns reagieren. Bleiben noch ca. 31.0 Mio. übrig. Davon wiederum sind circa 60% zu alt oder zu jung um einem von uns ein adäquates Leben zu bieten – was die Anzahl potentieller Dosenöffner auf ca. 12,4 Mio. abstürzen lässt. Von diesen lächerlichen 12,4 Mio. können oder wollen sich ungefähr 25% aus welchen Gründen auch immer keine Katzengesellschaft gönnen. Bleiben läppische 9,3 Millionen zum jetzigen Zeitpunkt. Bei diesen Menschen leben jetzt und heute schon weit mehr als sechs Millionen Katzen. Mich schaudert’s!

Der eine oder andere denkt nun sicher, dass sie die erbärmlichen Wurfgrößen mit der höheren Lebenserwartung kompensieren können. Dann kriegt man eben nicht fünf auf einen Streich sondern eben fünf hintereinander. Das wären bei 30jähriger Fruchtbarkeit und einem Jungen pro Jahr auch 30 Nachkommen und somit relativ effektiv. In der Theorie wäre das durchaus möglich, klappt aber in der Praxis herzlich wenig, da die Weibchen die meiste Zeit ihres Lebens an Unfruchtbarkeit leiden.

Bei uns sieht das schon anders aus. Wenn ich davon ausgehe, dass ich zehn Jahre fruchtbar bin und auch nur einen Wurf pro Jahr mit durchschnittlich fünf Kitten zur Welt bringe (ich will mich ja nicht überanstrengen und zweimal pro Jahr Gören kann ich mir verkneifen), komme ich auf eine Nachwuchsrate von 50 direkten Kindern. Menschen sind ca. 30 Jahre fruchtbar und bekommen 1,4 Kinder. Eindrucksvoll, diese Zahlen, nicht wahr? Und was sagen sie uns?

Schlussendlich sterben sie aus.

Die Schwangerschaft
Ab und zu schafft es ein Paar trotz aller Unfähigkeit, Irrungen und Wirrungen, dass das Weibchen nach elend langen Versuchen – über mehrere Jahre hinweg – doch noch schwanger wird.

Während uns ein Blick in unser Innerstes genügt um zu wissen, ob wir nun schwanger oder nicht sind, haben die Menschen jegliches Gefühl für ihren eigenen Körper verloren. Natürlich könnten wir Ihnen sagen – und das tun wir zuweilen auch – ob sie tragend sind oder nicht. Dummerweise verstehen sie uns nicht oder wollen uns nicht verstehen. Viele von Ihnen hängen allmorgendlich über ihrer Kloschüssel und wundern sich über die anhaltende Übelkeit. Auch wieder ein fataler Evolutionsfehler – im Tierreich würde man mit so einem Handicap schnell zur Beute avancieren.

Schnurstracks rennen sie dann zum Medizinschrank und greifen nach Tropfen und Pillen um den vermeintlichen Virus schnellstmöglich zu bekämpfen. Ist die Sache nach ein paar Tagen nicht ausgestanden rennen sie zum Arzt, verbringen dort viele Stunden im Wartezimmer um dann mit noch mehr Tropfen und Pillen, einer Krankschreibung und der Diagnose ‚Magen- und Darminfekt’ heimzukehren. Daran, dass der Infekt in circa drei Jahren laufen und sprechen könnte, denken sie nicht.

Selbst ihre Medizinmänner sind also nicht in der Lage, eine Schwangerschaft im Frühstadium zu erkennen. Was mir dabei Kopfzerbrechen bereitet ist die Tatsache, dass diese Leute ihren Beruf jahrelang studiert haben müssen. Und dann peilen sie nicht mal die einfachsten Dinge und erkennen nicht die offensichtlichsten Tatsachen? Oh weh …

Wieder zuhause frönen sie dann ihrem Infekt, in dem sie das Bett hüten. In diesem Stadium freuen sie sich sehr über kätzische Gesellschaft, können aber auch hier leider nicht eins und eins zusammen zählen. Während wir schnurrend das neue Leben in ihnen mit sanftem Treteln zum Wachsen und Gedeihen animieren, sehen sie zwischen unserem Verhalten und ihrem Zustand keinerlei Zusammenhang. Dabei ist es doch so offensichtlich! Wieso sonst sollten wir uns plötzlich so vehement auf diesen Teil des menschlichen Körpers konzentrieren? Aber andererseits ist Anatomie ihre Stärke nicht und ich habe manchmal das Gefühl, sie denken, Kinder wachsen im Knie. Mangelnde Übung, schätze ich.

Nach einigen Wochen – unsereiner bereitet sich schon mal seelisch, moralisch und körperlich auf die Geburt vor – schwant dann auch ihnen, dass der Virus im ausgebrüteten Zustand im wahrsten Sinne Hand und Fuß haben könnte. Eine Gewissheit bekommen sie allerdings erst, wenn sie einen weiteren, spezialisierten Medizinmann zu Rate ziehen. Hat dieser ihnen dann die Trächtigkeit bescheinigt, verbringen sie viele Stunden bei ihm um das wachsende Leben zu beobachten und zu überwachen. Also, wenn man mich andauernd zum Tierarzt schleifen würde – ich würde ausrasten und sie meine Krallen spüren lassen! Welch ein Heckmeck um einen natürlichen Prozess!

Nun rundet sich auch endlich langsam der Bauch des Weibchens und zuhause fallen einige Veränderungen an. Fast täglich werden nun dringend benötigte Sachen für das zu erwartende Junge angeschleppt. Von Ersatzfellen über Trage- und Schiebeeinrichtungen, Extrabettchen bis hin zu allem möglichen Klöterkram. Nichts ist vor der werdenden Mutter sicher. Aus meiner Sicht ist fast alles völlig unbrauchbar. Eine gute Wurfkiste mit weicher Unterlage – mehr braucht es zu Anfang nicht. Basta. Viel Zeit verbringen die Menschen nun auch damit, die Umgebung des neuen Erdenbürgers seinen Bedürfnissen anzupassen. Das wird neue Farbe an die Wand gebracht, werden Teppiche verlegt, Möbel erst raus und neue wieder reingeschleppt – kurzum: die Zeit der heimeligen Ruhe im Haus ist vorbei.

Während unsere Jungen nun schon längst geboren, aufgezogen und ins Leben entlassen wurden, rückt nun auch beim Menschenweibchen die Zeit der Geburt näher. Anstatt sich aber nun wie eine anständige Katze nach einer guten Wurfkiste zuhause umzusehen, haben die Menschen – es muss rassespezifisch sein – ihre Wurfkisten zentralisiert. Sie nennen die Dinger ‚Krankenhaus’.

Setzen nun beim Weibchen die Wehen ein, verbreitet sich zuhause operative Hektik: Taschen und Koffer werden gepackt und in fliegender Eile samt dem Weibchen ins Krankenhaus gebracht. Wie man bei einem solchen Stress gesunde Junge kriegen soll ist mir völlig schleierhaft.

Die Geburt
Während sich unsereins in der Natur es sich nicht leisten kann, mehrere Tage zu kreißen und danieder zu liegen, scheint das bei dem Menschen ziemlich normal zu sein. Glaubhaften Berichten zu Folge dauert es fast immer eine ganze Woche und länger, bis sie die Wurfkiste das erste Mal verlassen und sich mit ihrem Jungen in ihr angestammtes Territorium begeben. Dort erwartet sie meist ein großer Bahnhof: Oma, Opa, Tanten, Onkel, Nichten und Neffen, Brüder und Schwestern – alle kommen angereist um das Neugeborene zu bewundern. Ich würde in die Luft gehen, wenn meine gesamte Verwandtschaft ihre Nase in meine Wurfkiste stecken würde, sie hingegen scheinen sich sehr darüber zu freuen. Vor allem, weil jeder irgend etwas komplett unbrauchbares mitbringt. Spielzeug, Rasseln, Mobiles und Bausteine stapeln sich nun meterhoch im Kinderzimmer, in dem das völlig hilflose Junge vor sich hindämmert – total geschafft von dem vielen Besuch, heiser vom Brüllen. Wie kann man auch sein Kind so vielen Leuten nacheinander in die Hand drücken? Da muss es doch einen dauerhaften Schaden nachbehalten.

Aufzucht der Jungen bis zum Schulalter
Aus vielen unterschiedlichen aber glaubhaften Quellen erfuhr ich, dass nur wenige Menschenweibchen ihr Junges vernünftig, also wie von der Natur vorgegeben, säugen. Die meisten hantieren schon nach kurzer Zeit in der Küche mit Fläschchen und Ersatzmilch herum. Kein Wunder, dass sie keine Milch haben – sie essen ja noch nicht einmal die Nachgeburt, die bekanntlicherweise die Milchproduktion erst so richtig anregt. Ist doch völlig klar, dass sich ihre Kitten nicht besonders schnell entwickeln. Ihr geistiges und körperliches Wachstum hinkt dem der unseren um Jahre hinterher.

Auch ihr Jagd-, Spiel- und Beutetrieb lässt arg zu wünschen übrig. Einige Damen unserer Spezies haben mal den Vergleich gemacht und einem sechswöchigen Menschenjungen sowie ihren eigenen ca. sechswöchigen Kitten ein Spielzeug gegeben. Während unsere Kitten ihre Bewegungen hervorragend koordinieren konnten und die Stoffmaus begeistert durch die Wohnung kickten, war das Menschenjunge völlig desorientiert und hilflos. Mehr als auf dem Rücken liegen und krähen war da nicht drin.

Allerdings scheinen Menschenjunge in grauer Vorzeit weitaus heller gewesen zu sein als heute. Berichten zufolge hat es das eine oder andere geschafft, sich auch ohne Eltern durchzuschlagen. Ich denke da an Romulus und Remus, die sich – sagt man – von einer Wölfin haben aufziehen lassen. Ich persönlich hätte eine Ersatzmutter der felinen Art vorgezogen – die Nester sind sauberer. Hier komme ich nicht umhin, die Geduld der Wolfsmama ob der entwicklungstechnischen Hinterwäldler zu bewundern.

Tatsächlich dauert es bei Menschen ein gutes Jahr, bis sie überhaupt – wenn auch wackelig – auf eigenen Beinen stehen können. Auch fangen sie erst in dem Alter an, leidlich feste Nahrung zu sich zu nehmen. Meist in Form einer irgendwie breiigen, sehr merkwürdig riechenden Masse, die sie noch nicht einmal aus eigener Kraft zu sich nehmen können. Sie treffen einfach den ihnen kredenzten Napf nicht, da sie nicht fähig sind, ihre Vorderpfoten dementsprechend zielgerichtet einzusetzen. Sollten sie tatsächlich mal aus Versehen den Napf erwischen, verfehlen sie prompt und zuverlässig ihre eigene Futterluke. Schlussendlich müssen sie von ihrer Mutter oder ihrem Vater gefüttert werden. Das sollten meine mal verlangen!

Allein das Erlernen der einigermaßen effektiven Nahrungsaufnahme aus eigener Kraft nimmt ungefähr die ersten vier Lebensjahre eines Menschen in Anspruch. Aber es kommt noch weitaus schlimmer! Auch für das Erlernen der Fertigkeit, allein und ohne Pannen das Klo zu benutzen benötigen sie ungefähr vier Jahre. Unsere Kitten können beides nach ungefähr vier Wochen! Na gut, okay, auch wir haben mal einen Nachzügler dabei – aber spätestens nach sechs Wochen klappt das auch bei denen wie am Schnürchen.

Ich komm’ nicht drüber hinweg: VIER Jahre! Nur zum kapieren der allernötigsten, grundlegendsten Fähigkeiten! Wenn unsereiner vier Jahre alt ist, hat er drei Würfe groß, wovon zwei auch schon wieder eigene, erwachsene Kinder ihr eigen nennen können! Geht man von drei mal fünf Kitten aus, hat die Katzenmama summa summarum 15 Kinder. Lassen wir (weit untertrieben) davon fünf weiblich sein und diese auch wieder fünf Kitten haben, kann Oma nun stolz auf 50 Familienmitglieder blicken. Das nenne ich Arterhaltung. Bis zu diesem Zeitpunkt ist das Menschenkind gerade mal halbwegs fit beim Essen, trinken, aufs Klo gehen und sprechen. Halbwegs!

Nun könnte man hoffen, dass die Entwicklung der Lütten jetzt etwas zügiger vonstatten gehen würde, aber nein – die nächsten zwei Jahre dümpeln sie so vor sich hin und feilen an Motorik und Sprache. Noch ein paar Erfahrungen und Lernziele würzen die Zeit, wobei Menschenmütter schier in freudige Ekstase geraten, wenn sich die Brut bis zum sechsten Lebensjahr alleine die Schuhe zubinden kann. In dem Alter war ich Ururur-Oma!!

Okay, okay – manches kann man nicht vergleichen. Wir brauchen keine Schuhe, weder mit noch ohne Zubinden. Täten wir das, würden auch wir vom Aussterben bedroht sein. Schon mal versucht, auf Klapperlatschen Mäuse zu fangen?

Apropos Mäuse – auch Menschen reden andauernd davon, sie müssten genügend Mäuse zum Überleben nach hause bringen. Dafür torkeln sie morgens um fünf aus dem Bett, um dann den ganzen Tag lang nicht mehr in Erscheinung zu treten. Kommen sie dann abends zurück tun sie gerade so, als hätten sie zehn und mehr Stunden bei einer anstrengenden Jagd verbracht. Leider ist ihnen scheinbar der Erfolg permanent verwehrt – eine Maus hat noch keiner von ihnen angeschleppt – dafür bin dann also auch noch ich zuständig.

So mit sechs Lebensjahren – circa – werden Menschenjunge in eine Einrichtung gesteckt, die sich ‚Schule’ nennt. Am ersten Tag dieser Prozedur werden sie im Sonntagsstaat herausgeputzt bis sie an allen Ecken und Enden sauber blitzen und bekommen eine große Tüte mit Leckereien in die Arme gedrückt. Meist ist das Ding größer als sie selber und soll – für meine Begriffe – davon ablenken, dass die Eltern der weiteren Erziehung nicht mächtig sind und ihre Brut deswegen auslagern. Sie sagen, die Kinder müssen ‚für’s Leben’ lernen – das müssen unsere auch aber unter unserer Anleitung geht das erstmal wesentlich schneller und auch weit effektiver.

Zur Veranschaulichung: bei uns beträgt die Wurfgröße durchschnittlich fünf Kitten, die wir ohne externe Hilfe binnen ungefähr drei Monaten zu lebensfähigen und geschickten Jägern heranbilden. Menschen stecken bis zu 35 Gören verschiedenster Rassen und Farben in so genannte ‚Klassen’ und wundern sich, das die Bildung so lange dauert. Durchschnittlich 10 Jahre. Das Mausen haben sie bis dahin immer noch nicht drauf. Inzwischen sind sie ca. 16-18 Jahre alt und während wir langsam, in Ehren ergraut und mit einer unzähligen Kinderschaar gesegnet unserem Lebensende entgegendämmern denken sie (wenige Unfälle ausgenommen) immer noch nicht an Nachwuchs.

Wie soll eine solche Spezies dauerhaft überleben und Dosen öffnen??

Die Pubertät
Während der Bildungsphase ereilt die Menschenkinder ein über einige Jahre anhaltendes Phänomen: die Pubertät. Sie setzt meist zwischen dem 12 und 15. Lebensjahr ein und bewirkt im Endeffekt die Geschlechtsreife. Der Verlauf zwischen Mädchen und Jungen verläuft teils gleich, teils unterschiedlich. Allen gleich ist, dass sie kopftechnisch durchknallen und Pickel kriegen. Sie werden aufmüpfig, widersprechen und halten sich nicht an die Vorgaben der Eltern.

Unterschiedlich verläuft die körperliche Veränderung. Den Jungen wachsen plötzlich Haare im Gesicht und ihre Stimme weis erst nicht, in welche Richtung sie soll, wird dann aber tiefer. Die Mädchen bekommen in regelmäßigen Abständen Bauchweh, werden zickig und die Milchleiste fängt an, sich auszubilden. Dauerhaft! Und auch nur mit zwei Zitzen! Wie soll man da eine arterhaltende Anzahl Kitten satt kriegen? Noch so ein Evolutionsfehler – wieso muss man pfundweise Milchdrüsen mit sich rumschleppen wenn man sie nicht braucht? Und wieso nur zwei Milchplätze? Ich habe acht Plätze und mir reicht es dicke, wenn die Dinger erst kurz vor der Geburt ihre von der Natur aus vorgesehene Tätigkeit aufnehmen!

Ohne dazugehörigem Nachwuchs ist ein geschwollenes Gesäuge unpraktisch und hinderlich beim Jagen. Tief im Inneren empfinden die Menschenmädchen da wie ich und verpacken ihr Gesäuge in unbequemen BH’s.

Uns hat die Natur da doch recht was besser gestellt: kommen die Jungen kommt das Gesäuge und die Milch. Gehen die Kinder verschwindet alles wieder in den Urzustand. Flach, fest und verheddert sich beim Jagen nicht in den Brombeeren.

Während dieser Pubertätsphase werden sie alle dauerrollig, aber wenn sie meinen, das würde sich auf die Geburtenrate niederschlagen liegen sie komplett daneben. Hormonell ist da zwar nichts auszusetzen (außer, dass sie zeitweilig komplett irre sind) und viele üben auch fleißig – jedoch: Resultate mit Hand und Fuß bleiben meistens aus. Eindeutig unfruchtbar.

Wie, zum Henker, soll so jemals eine ausreichende Anzahl potentieller Dosenöffner entstehen geschweige denn die derzeitige Population erhalten bleiben? Wenn das so weiter geht, haben wir in spätestens 20 Jahren ernsthafte Wohnungs- und Dosenöffnungsprobleme.

Bis 30
Nach der Pubertät stürzen sie sich dann voll in’s Leben. Im besten gebärfähigen Alter haben sie nichts als Party und Karriere im Kopf. Rückt aber dann die 30 in greifbare Nähe, scheint aber zumindest einigen von Ihnen ein Licht aufzugehen. Das Erreichen des 30. Lebensjahres scheint für viele eine Art Schallgrenze zu sein nun doch endlich mal mit der Nachzucht zu beginnen. Jetzt unternehmen sie Anlauf um Anlauf, den richtigen Vater oder die richtige Mutter für ihre Kinder zu finden. Da die meisten von ihnen dann in lebenslänglicher Ehehaft verbleiben wollen ist das gar nicht so einfach.

Wir Katzenmütter machen es uns da einfacher und unser System ist auch noch wesentlich besser. Da wir uns unsere Partner nach Bedarf aussuchen und diese dann nach vollzogener Paarung in die Wüste schicken (was haben Kater bei der Aufzucht der Jungen verloren??) tragen wir zur Erhaltung der genetischen Vielfalt und auch noch zur Erweiterung des vorhandenen Genpools bei.

Bei den Menschen um die dreißig – vorzugsweise bei den Weibchen – macht sich nun langsam Torschlusspanik breit und so manche von ihnen greifen sich den nächst besten Partner ohne auch nur im geringsten auf überlebenswichtige Attribute wie z. B. Gesundheit zu achten. Sie zeugen wild drauflos und wundern sich dann auch noch über kränkelnden Nachwuchs.

Haben sie dann ihren verschwindend kleinen Wurf bekommen verbringen sie die nächsten 20 Jahre mit der Aufzucht desselben. Während dieser Zeit bemühen sich die wenigsten, weitere Kinder in die Welt zu setzen. Sie pendeln zwischen Mäusefangen und Hausputz und sind manchmal schon mit einem Kitten schwer überfordert. Wir können dann froh sein, wenn sie es gerade noch schaffen unsere Dosen zu öffnen und unser Klo sauber zu machen.

Ab 50
So ab dem 50. Lebensjahr geht es dann wieder etwas aufwärts. Ihre Jungen sind nun tatsächlich meist erwachsen und leben ihr eigenes Leben. Manche von ihnen erfreuen sich sogar ein- oder mehrfacher Katzengesellschaft.

Bei den ‚Üfüs’ (über fünfzigjährigen) kehrt nun allmählich Ruhe ein. Viele Paare haben sich inzwischen getrennt und brauchen sich dank eingetretener altersbedingter Unfruchtbarkeit (bei den Weibchen) über möglichen Nachwuchs keine Sorgen mehr zu machen. Wie sollten sie den denn auch noch groß kriegen? In diesem Alter erfreuen sich mehr und mehr dieser so genannten ‚Singles’ über schnurrende Fellbündel an ihrer Seite.

Dieser Lebensabschnitt – so bis ende 60 – ist für uns Katzen der beste: Kein Stress mehr im Haushalt, keine heulenden und tobenden Gören, gesicherter Dosenvorrat im Schrank und immer eine kraulende Hand – was will Katze mehr?

Ja was will Katze mehr? Mehr von der Sorte! Aber die wachsen leider nicht auf Bäumen sondern sterben uns statistisch gesehen mit um die 80 Jahre weg und sind dann für immer verloren. Das reicht gerade mal so eben (ab 50 gerechnet) für 2 Katzenleben, in denen wir viele, viele Kitten in die Welt setzen können. Sollen die alle bei den 1,4-Menschenjungen unterkommen? Und wie kriegt ein 0,4-Stück-Kitten eine Dose auf? Hat es gegengreifende Daumen? Kann es eine Streuschaufel für’s Klo halten?

Ich bezweifele es. Stark.

Nun haben wir also den Salat: die Menschheit halbiert sich regelmäßig. Und stirbt dem entsprechend in nicht gar zu langer Zeit aus.

Autor: Sabine Pönitsch
sabine-poenitsch@arcor.de
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Sir Francis Drake – die Geschichte eines roten Katers
1, 11 August, 2008, 10:25
Gespeichert unter: Katzen

Es war einmal…. So fangen viele Märchen an, doch dies ist keines.

Viele, viele Jahre ist es jetzt her, dass ich meine erste eigene Katze habe einschläfern lassen müssen. Meine einzigartige Nina. Sie war wie ein Espresso: klein, stark, schwarz, schlug Hunde jeder Art und Größe in die Flucht und hat mir viele schöne Jahre beschert. Sie ist viermal komplikationslos mit mir umgezogen – ich, ihr Mensch, war ja da.

Nun saß ich also da und heulte mir die Augen aus. Rocky, Katertier seines Zeichens, getigerte Ausführung, festgefroren vor der Kneipe gefunden, rannte in der Wohnung umher und suchte und suchte. Tagelang, wochenlang. Nachts spürte ich das vertraute Gewicht auf meinem Bauch, hörte das geliebte Schnurren, fühlte das samtweiche, warme Fell in meiner Hand. Morgens stolperte ich über eine imaginäre Katze. Oft sah ich sie aus den Augenwinkeln. Kurz gesagt: ich war total durch den Wind.

Eines Tages konnte es meine damalige‚ bessere Hälfte’ nicht mehr aushalten. Als ich abends von der Arbeit nach Hause kam packte er mich am Schlafittchen und beförderte mich (unter Protest!) zum Franziskus-Tierheim. Dort war Tag der offenen Tür und weil es schon sehr spät war, waren kaum noch Menschen da.

Aber eine Katze – genauer: ein Kater. Einzig er war in der Vermittlungsstube übrig geblieben. Kein Wunder. Ein rotes Häuflein Elend mit merkwürdigen Hautveränderungen und struppigem Fellchen starrte mich aus großen Augen an. Was sollte ich tun? Hingehen, Arme drunter, mitnehmen und ab zu den Formalitäten.

Zehn Minuten später und 150 Mark ärmer saßen wir wieder im Auto. Katzenkorb? Fehlanzeige. Francis (der damals noch anders hieß) lag auf meinem Schoß. Nun mussten wir aber noch zur Rennbahn, weil wir noch Starter hatten und beschlossen, den Kater für die Zeit in eine leere Box zu sperren. Jämmerliches, durchdringendes Geheul war die Folge und wir holten ihn in die Stallstube, wo der Hund Christian (Katzenhasser!) tief und fest auf dem Sofa pennte. Francis erklomm ganz vorsichtig die Sitzgelegenheit, lief völlig unbedarft zu des Hundes Kopf und unterzog diesen einer gründlichen Katerwäsche.

Das war die Geburtsstunde einer tiefen, innigen Tierfreundschaft, die so weit ging, dass wir abends manchmal zu fünft in der Kneipe saßen. Hund mit Kater Francis zwischen den Vorderpfoten auf dem Boden, Kater Rocky auf einem Barhocker, wir am Tisch. Oft kam das nicht vor, weil Christian ja nachts Stallwache schob. Aber sie sahen sich trotzdem. Nach der Arbeit fuhr ich schnell zuhause vorbei, sammelte Francis ein und fuhr zur Rennbahn weiter. Dort stieg er wie selbstverständlich aus und stromerte mit Chris durch das Gelände bis es an der Zeit war, heimzufahren. Christian war es auch, der Krankenwache hielt, als sich Francis kurz nach seinem Einzug als Impfallergiker herausstellte. Tagelang stand es auf Messers Schneide und die vom Tierheim vorgeschriebene Nachimpfung habe ich mir dann doch lieber verkniffen. Auch die Hautveränderungen mussten behandelt werden und nach langem Raten waren die Tierärzte und wir uns einig, dass wir eine ‚Laborratte’ erwischt hatten.

Armer kleiner Kater! Viele Wochen zogen ins Land und als Weihnachten nicht mehr fern war, konnte ich stolz auf einen wunderschönen, glänzenden und gesunden Francis blicken.

Allerdings hatte der seine Tücken.

Der erste Freigang endete mit der Arie der ausgesetzten Katze in 44 Strophen, weil Monsigneur das Loch im Zaun für den Rückweg nicht mehr fand und ich mich durch den Dschungel des Stadtgrundstücks kämpfen musste. Löcher im Pullover, eine dreckige Jeans aber ein völlig erleichterter Francis waren das Resultat.

Francis entwickelte aber noch andere Hobbys. Zum Beispiel wunderte ich mich viele Monate lang, wieso sich andauernd irgendwelches Viehzeug in meiner Wohnung herumtrieb. Als erstes fand ich abends ein kleines Kaninchen vor. Das kleine Ding war ziemlich zerrupft und sah krank aus. Also ab zum Tierarzt damit, aufpäppeln und im Park freilassen. Ich hatte Rocky den großen Jäger im Verdacht. Mäuse, kleine Vögel und eine Schildkröte folgten.

Kurz vor meinem Urlaub ereilte mich dann in meinem Büro ein Anruf:

‚In deinem Wohnzimmer piept’s!’

‚Wie? Piept??’

‚Na piept eben. Habe die Tür zugemacht, kannst nachher selber schauen.’

Schon im Flur hörte ich es. Es piepte wirklich, aber das war kein Stimmchen, das war eine ausgewachsene Stimme! Und heiser war sie auch noch. Vorsichtig öffnete ich die Wohnzimmertür – die Fahndung nach dem Urheber begann. Also hinter dem Schrank war schon mal nichts. Auch nicht unter dem Tisch. Mühsam schob ich die große Ledercouch von der Wand – und erstarrte. Vor mir saß ein fast huhngroßes schwarzes Federtier und musterte mich mit einem Blick, der mich zur Beute degradierte.

‚PIIII-EEEEEP !!!!!’

So etwas Entrüstetes hatte ich noch nie gehört. Eilig riss ich die Fenster auf und mit noch einem völlig empörten ‚PIEP’ entschwand das Monster meinen Blicken. Zurück blieb ein Kackfleck auf dem Teppich.

Nun, genug ist genug und ich beschloss, dem Arche-Noah-Phänomen in meiner Wohnung im Urlaub auf den Grund zu gehen. Es konnte schließlich nicht angehen, dass sich in Eimsbüttel ein Bermuda-Dreieck für gestrandete Tiere gebildet hatte!

Kurz entschlossen nistete ich mich auf dem Balkon meiner Nachbarin ein und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Und sie kamen. In mehrfacher Ausfertigung. ‚Fand’ Francis auf seinen Patroulliengängen ein verletztes oder krankes Tier, wo noch ein Hauch Leben drin war, brachte er es nach hause. Konnte es noch laufen, wurde es so lange von hinten angekurbelt, bis es in der Küche stand. War es ohnmächtig oder zu schwach, wurde es vorsichtig aufgehoben und heimgetragen.

Das fast huhngroße Vogeltier muss wohl irgendwo gegen eine Scheibe geknallt und besinnungslos zu Boden gegangen sein, was Francis dazu veranlasste, sofort mit seinem Notfallprogramm zur Hilfe zu eilen. Wie er es aber geschafft hat, das Riesentier zu transportieren, blieb immer sein Geheimnis.

Es folgten in seinem Leben noch viele solcher Notfelle und –federn und ich überlegte manchmal ernsthaft, ihm ein rotes Kreuz auf den eh’ schon roten Buckel zu malen und ihm ein Stethoskop mitzugeben.

Nach vielen gemeinsamen, zauberhaften Jahren verließ mich Francis im Juli 2000 für immer.

Kleiner, roter, wunderbarer Francis – ich vermisse dich noch immer. Wo gibt es schon einen Kater, der überall mit will, der gern Auto fährt und Besuche macht, der eine galoppierende Notfallpraxis hat, der jeden Tieres und jeden Menschen Freund ist und der abends mit auf Kneipentour geht?

Autor: Sabine Pönitsch
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