Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Frau Olga schläft im Kleiderschrank
1, 28 Juni, 2008, 7:24
Gespeichert unter: Katzen

Es ist schon Routine für alle Beteiligten: Zweimal im Jahr kommen unsere zwei „Urlaubskatzen“. Während mein Kollege und seine Frau sich im sonnigen Süden oder im hohen Norden vom anstrengenden Arbeitsalltag erholen, machen sich ihre beiden Britisch-Kurzhaar-Katzen, Olga und Ivan, ein paar schöne Tage bei uns auf dem Land.

Weiß wie Schnee, schwarz wie Ebenholz

Ivan und Olga haben schon regelrechte Fans bei uns in der Nachbarschaft. „Wann kommen denn eure Gastkatzen wieder?“, werden wir gefragt. Es sind aber auch beeindruckende Tiere: groß, stämmig und plüschig. Ivan ist schneeweiß und hat himmelblaue Augen und OIga ist schwarz wie die Nacht. So ein Katzenpaar sieht man nicht alle Tage.

Kommt mein Kollege mal zu uns, ohne dass er seine Tiere dabei hat, scheinen sich unsere Maine-Coon-Kater, der graue Cooniebert und der rote Yannick, immer ein wenig zu wundern. Sie schauen ihn mit großen Augen an und fragen sich vermutlich, ob er nicht das Wichtigste zu Hause vergessen hat: Ivan und Olga.

Ivan und unser Cooniebert sind nahezu gleich alt und kennen einander von Kätzchenbeinen an. Olga kommt erst seit einem Jahr zu uns. Sie hatte davor eine andere Urlaubspflegestelle. Kater Yannick, unser Jüngster, ist mit der Tatsache, dass wir vierbeinige Urlaubsgäste haben, aufgewachsen. Für ihn ist das normal. Die Coonies sind sowieso sehr gastfreundlich und sozial. Ich glaube, sie mögen es, wenn dann und wann so richtig Remmidemmi in der Bude ist. Und so klappt das mit dem vorübergehenden Multikatzenhaushalt recht gut.

Schau-Knurren für die Menschen

Im Lauf der Zeit hat sich ein regelrechtes Ankunftsritual eingebürgert. Die Katzenübergabe läuft immer gleich ab: Solange mein Kollege und seine Frau noch im Haus sind, sitzen Ivan und Olga finster knurrend in ihren Transportboxen, neugierig beschnuppert und beäugt von unseren beiden Coonies.

Man könnte meinen, das sei ein reines Schau-Knurren, ihren Menschen zuliebe. Um ihnen mitzuteilen: „Hört mal, uns fällt die Trennung auch nicht leicht.“ Doch kaum haben sich die angestammten Dosenöffner verabschiedet, zischt Ivan aus seiner Box, schießt wie eine weiße Kanonenkugel auf den Balkon-Kratzbaum zu und besetzt dessen oberste Plattform. Für die Dauer seines Besuchs werden alle anderen Katzen für diesen Ausguck ganz schlechte Karten haben. Das ist sein Platz, und den wird er notfalls mit Zähnen und Klauen verteidigen.

Olga begibt sich schnurstracks ins Büro und legt sich erst mal hinter den Schreibtisch, in ihr geliebtes „Olga-Eck“.

Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?

Das morgendliche Fütterungsritual ist ein Kapitel für sich. Dass ich die Herrin der Dosen bin, das haben alle schnell kapiert. Gehe ich in aller Frühe in die Küche, habe ich eine Katzenkarawane an den Fersen kleben. Einer marschiert hinter dem anderen her – wie die Raupen des Eichenprozessionsspinners.

Jetzt wäre es natürlich praktisch, wenn ich die Näpfe in einer Reihe aufbauen und alle Katzen miteinander abfüttern könnte. Das geht nicht. Olga bekommt Medikamente. Und unsere Tiere sind ein anderes Futter gewöhnt als die Gäste. Außerdem sind die Coonies beim Fressen immer die ersten. Sie postieren sich breit und bräsig vor, und wenn es sein muss, über den Näpfen und lassen den anderen keine Chance.

Also gibt es drei Futterplätze: Den Coonies wird ihr Essen, wie gewohnt, in der Küche serviert, Ivan bekommt sein Frühstück auf dem Balkon und Olga im Büro. Dumm nur, dass die Gastkatzen so früh am Morgen keinen Hunger haben. Sie schubsen ihr Futter ein bisschen im Napf hin und her und laufen wieder weg. Und das Futter der Gäste landet im Magen der Coonies. Dafür gehen die Gastkatzen dann in im Lauf des Morgens die Küche und fressen das Futter von Cooniebert und Yannick.

Nach ein paar Tagen gebe ich regelmäßig den Versuch mit den verschiedenen Futtersorten auf: Ich versorge Olga mit ihrer Medizin, und dann kriegt jedes der Tiere das gleiche Futter in den Napf gelöffelt. An einem Tag unsere Hausmarke, am nächsten Tag das Futter, das mein Kollege mitgebracht hat.

Während die drei Katern wie die wilde Jagd durch die Wohnung flitzen und „Futternapf-Zirkeltraining“ betreiben, hat Olga das System durchschaut. Sie bleibt gemütlich mampfend in der Küche sitzen. Sollen die Katern doch herumsausen und probieren, aus welchem Napf es heute am besten schmeckt: Sie hat gesehen, dass alles aus ein und derselben Dose kommt und dass sich das Herumprobieren folglich nicht lohnt. Das Frühstück schmeckt auf dem Balkon oder im Büro ganz genau so wie hier in der Küche.

Ganz schön helle, die kleine Schwarze!

Frau Olga schläft im Kleiderschrank

Die Verteilung der Ruheplätze geht gleichfalls meist friedlich vonstatten. Die Kater-Gang schläft entweder komplett auf meinem Bett oder jeder sucht sich ein Körbchen, von denen eine ausreichende Anzahl in der Wohnung herumsteht. Ivan darf sich sogar in Coonieberts persönlichen Wäschekorb legen. Ich hoffe, er weiß das zu schätzen.

Olga hat bei ihrem letzten Besuch im Frühjahr ein besonderes Plätzchen für ihre Nachtruhe entdeckt: Die ersten paar Tage dachte ich, sie schläft im „Olga-Eck“, also hinter dem Schreibtisch. Bis ich sie eines Morgens elegant wie eine Hollywood-Diva aus dem Kleiderschrank steigen sehe. Zielsicher hat sie die eine Schranktür gefunden, die nicht mehr zuverlässig schließt und mit einem gezielten Krallengriff zu öffnen ist. Genau dort hat sie sich gemütlich zwischen Jeans und Pullover gekuschelt, perfekt getarnt durch ihr nachtschwarzes Plüschfell. Durch diese Aktion haben ein paar Kleidungsstücke eine aparte Plüsch-Applikation bekommen, aber was soll’s? So ist das eben in einem Katzenhaushalt. Da wachsen den Hemden und Pullovern Haare.

Das Sofa im Wohnzimmer hat Olga nun auch für sich entdeckt. Dort hält sie ihren Mittagsschlaf. Und das bitteschön alleine. Männer, egal ob zwei- oder vierbeinig, kommen ihr nicht auf die Couch. Schon gar nicht, wenn sie ihr das Fell kraulen, oder ihr, wie Cooniebert, den Kopf putzen wollen. Sie legt die Ohren an, macht ein bitterböses Gesicht, faucht und fährt die Krallen aus. Mich, die Herrin der Futterdosen, duldet sie gnädig, ich darf mich zu ihr auf mein Sofa setzen. Nur wenn sie anderweitig beschäftigt ist, können auch die männlichen Mitbewohner das Möbelstück nutzen. Und das tun sie auch. Cooniebert liebt das Sofa sowieso. Und als ich eines Abends aus dem Fernsehschlaf erwache, habe ich den weißen Ivan im Arm. Jetzt, denke ich, fühlt er sich wirklich zu Hause bei uns.

Nach Hause, nach Hause geh’n wir nicht!

Nach rund zwei Wochen Urlaubsaufenthalt hat Frau Olga auch ihre Männerfeindlichkeit ein wenig reduziert. Soziales Katzenputzen findet sie zwar nach wie vor widerlich, keiner der Jungs darf ihr den Kopf abschlabbern, aber der Menschenmann im Haus darf sie knuddeln und kraulen, ohne dass sie ihr „Nebelhorn“ erklingen lässt und die Krallen ausfährt.

Als ich sie da so auf dem Sofa sitzen sehe, den Mann und die Katze, wie sie sich einträchtig ein Fußballspiel anschauen, frage ich mich, ob unsere Urlaubsgäste wohl wieder freiwillig nach Hause gehen werden. Bei uns haben sie zwei Katzenkumpels mit vielen verrückten Ideen, mehrere Kratzbäume, diverse Katzenkörbe, massenweise Pflanzen zum Beschnuppern und Benagen, viele Verstecke, einen Balkon mit Aussicht auf einen parkartigen Garten mit jeder Menge Getier. Und nachts geht die Kater-Gang gemeinsam auf Fliegenjagd im Schlafzimmer. Den Gastkatzen fehlt es an nichts, sie werden, ganz wie zu Hause, gepflegt, beschmust und bespaßt. Und dazu ist noch rund um die Uhr was los. Dieses Ferienprogramm scheint ihnen zu gefallen.

Da klingelt es an der Tür. Mein Kollege ist von seiner Urlaubsreise zurück und will seine geliebten Katzen wieder nach Hause holen. Das bedeutet: Für Olga und Ivan sind die Ferien auf dem Lande vorbei.

Ivan reagiert wie gewohnt: Er kommt voller Freude auf seinen Menschen zugelaufen, lässt sich streicheln und begrüßen und klettert dann unaufgefordert in seinen Transportkorb. Schön war der Urlaub, aber jetzt geht er auch gerne wieder heim. Olga dagegen ist sauer. Sie verschwindet schmollend unter dem Sofa. Ich höre sie fast denken: „Was will denn der jetzt hier? Gerade war es so gemütlich, und jetzt soll ich wieder heim? Dieses ewige hin und her geht mir auf den Geist! Ich will nicht in den Transportkorb, ich will nicht Auto fahren, ich will hier einfach nur so sitzen und in Ruhe Fußball gucken.“

Nun liegen die beiden Menschenmänner auf dem Wohnzimmerteppich und versuchen, Olga mit Malzpaste, Milchhefetabletten und guten Worten unter dem Sofa vorzulocken.

„Olga kann gern noch eine Woche in Verlängerung gehen“, sage ich grinsend zu meinem Kollegen. „Dann holst du sie eben nächste Woche ab.“
„Von wegen Verlängerung! Der Urlaub ist zu Ende! Olga wird zu Hause erwartet, sie kommt jetzt mit.“

Meinem Mann wird die Sache zu dumm. Er holt einen Besen aus dem Schrank und stochert die Besuchskatze damit unter der Couch hervor. Sie flüchtet vor den blauen Kunststoffborsten direkt in die Arme ihres Menschen. Dieser stopft sie ohne weitere Diskussionen in ihre Transportbox. Olgas wildes Protestgeheul nutzt nichts, sie wird, genau wie Ivan, hinausgebracht und ins Auto verladen.

Die Coonies sehen ein wenig ratlos und verwirrt aus.
„Kein Grund zum Traurigsein“, sage ich zu ihnen, als ob sie es verstehen könnten. „Im Herbst kommen die zwei ja wieder. Dann haben wir wieder das volle Ferienprogramm: Remmidemmi in Rot, Grau und Schwarzweiß.“

Autor: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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Gefahren auf der Alm
1, 26 Juni, 2008, 12:22
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Die Kuh, so liest man in der Presse,
Nahm Touristen auf das Horn.
Was hat der Preuße oder Hesse
Auf der hohen Alm verlor’n?

Er weiß wohl nicht, wie hinterlistig
Hornvieh in der Regel ist.
Der Ziegenbock, nicht minder rüstig,
Gilt als ebensolches Biest.

Gefahren drohen auf den Almen
Auch von andrer Seite her.
Zwei Coca Cola nur mit Halmen,
Schon ist Brinkmanns Tasche leer.

Zur Wanderung auf Weidewegen
Hält man reichlich Geld bereit.
Nach Blutverlust durch Rinderdegen
Braucht man nämlich Flüssigkeit.

Foto: © ulipa (Ulrike P.) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Böcke
1, 25 Juni, 2008, 11:42
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An Böcken gibt es freilich viele,
Egal ob Käfer, Männer, Ziegen.
Fast immer ist ein Horn im Spiele,
Doch kann es auch am Sprunge liegen.

Verbockt sind, wenn ich richtig gehe,
Auch Kutschen, Turngeräte, Biere,
Sowie der Mann der Schafe, Rehe.
Nur Rinderböcke nennt man Stiere.

Foto: © Knipsermann (Ernst Rose) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
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Jürgen Sobeck: Lanzarote. Wanderungen, Naturkunde, Landhotels. Das Buch zur Insel
1, 25 Juni, 2008, 7:36
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Jürgen Sobeck: Lanzarote. Wanderungen, Naturkunde, Landhotels. Badenweiler 2008, Oase-Verlag, ISBN 978-3-88922070-7, 187 Seiten, zahlreiche Farbfotos und Karten, Taschenbuch, Format 11 x 18 x 1,5 cm, EUR 16,80.

Schon der Untertitel verrät es: In diesem außergewöhnlichen Reiseführer geht es nicht ums flotte Strand- und Nachtleben, und luxuriöse Einkaufsmeilen kommen darin auch nicht vor. Hier gibt es Natur pur: Wandertouren und naturkundliche Informationen für Touristen, die von der Kanareninsel Lanzarote mehr sehen wollen als nur den Badestrand und die bekannten Sehenswürdigkeiten.

11 Inselwanderungen stellt der Autor vor, zwischen 2 und 12 Kilometern Länge, von leicht bis anspruchsvoll. Und das nicht im journalistisch-knappen Stil, den man von herkömmlicher Reiseliteratur her kennt, sondern persönlich und poetisch, sachkundig und mit leisem Humor. Es ist, als würde man den erfahrenen Wanderer und Lanzarote-Kenner auf seinen Streifzügen begleiten und sich von ihm die geologischen, biologischen und auch kulturellen Besonderheiten der Insel zeigen lassen.

Auf Schritt und Tritt merkt man, dass hier keine am Schreibtisch angelesenen Fakten vermittelt werden, sondern dass ein echter Experte sein Wissen mit uns teilt. 15 Jahre lang hat Jürgen Sobeck auf Lanzarote gelebt und dort als Wanderführer gearbeitet. Was er uns erzählt, damit kennt er sich aus.

Jeder Tourenbeschreibung, die von eindrucksvollen Farbfotos illustriert wird, stehen die „technischen Daten“ der Wanderung voran: Länge, Dauer, Schwierigkeitsgrad, Karte und Wegbeschreibung, eventuelle Einkehrmöglichkeiten und, wo nötig, besondere Hinweise.

Und so tauchen wir ein in die stille geheimnisvolle Welt des Barranco de Tenegüime, der tiefsten Schlucht der Insel … begegnen der Heiligen Jungfrau des Schnees … erklimmen den höchsten Gipfel Lanzarotes … erkunden das Reich von Turmfalke und Kolkrabe – und unternehmen einen Abstecher auf die Insel La Graciosa, das „merkwürdige Paradies“, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Wir erfahren Interessantes über das alltägliche Leben auf dieser nicht alltäglichen Insel, die erst 1984 ans Stromnetz angeschlossen wurde. Zum Beispiel entdecken wir, welche enorme Bedeutung dort die gewöhnliche Schubkarre hat. Und welche erstaunlichen Zusammenhänge zwischen der Ansiedlung eines Inselarztes und der Lebenserwartung der Bevölkerung bestehen. Und nein, gestiegen ist sie nicht …

Wir bestaunen eine gigantische Vulkan-Bombe und werfen einen Blick in den eindrucksvollen Caldera Blanca, den größten Vulkankrater der Insel. Ein besonderes Erlebnis ist auch die Rundwanderung durch das Weinbaugebiet La Geria, das mit seinen Trichtern, in denen die Weinreben gedeihen, aussieht, als hätte ein Architekt es entworfen. Wanderung Nummer 11 schließlich ist ein vulkanologischer Spaziergang durch den Parque Natural de los Volcanes, führt uns direkt in Lanzarotes feurige Vergangenheit – und mitten hinein in einen aktiven Vulkan!

Der geübte Wanderfreund wird sich mit Hilfe der Angaben in dem Buch, einem guten Orientierungssinn und eventuell etwas detaillierterem Kartenmaterial sicher zurechtfinden. Dem gewöhnlichen Stadtmenschen [oppidanus vulgaris], der allenfalls mal sonntags durch den Park spaziert, würde ich nicht raten, auf eigene Faust loszuziehen. Das sind keine vom örtlichen Wanderverein penibel ausgeschilderten Rundwanderwege, wie man sie aus Deutschland kennt. Für uns Städter ist das Wildnis! Wer als gänzlich unerfahrener Wandersmann die unberührte Natur Lanzarotes entdecken möchte, sollte im eigenen Interesse seine pfadfinderischen Fähigkeiten realistisch einschätzen und sich besser einer geführten Wandertour anschließen.

Der naturkundliche Teil des Reiseführers gibt anschaulich und unterhaltsam Auskunft über den Vulkanismus, der auf der Insel eine so bedeutende Rolle spielt. Nach der Lektüre wissen wir nicht nur, was Aa-Lava ist und warum sie so heißt, sondern noch viele hochinteressante Dinge mehr.

Wir erfahren die Wahrheit über den „Halbedelstein“Olivin – und darüber, was es mit dem „echt lanzarotenischen Olivin-Schmuck“ auf sich hat. Wir lernen die Besonderheiten des Wetters auf der Insel kennen und die Tierwelt. Wenn wir bislang noch nicht gewusst haben, warum es ratsam ist, einem Wiedehopf [Upupa epops] aus dem Weg zu gehen, nach dem Lesen des tierischen Kapitels ist es uns sonnenklar.

Ein weiteres Kapitel ist den Naturstränden der Insel gewidmet. Hier entdecken wir nicht nur die schönsten und einsamsten Badestrände, sondern erfahren unter anderem auch, wo auf der Insel „gute Chancen auf die höchsten Kaffeepreise und die miesesten Sandwiches“ bestehen. Vielen Dank für die freundliche Warnung! So kann man bei der Ausflugsplanung schon Vorkehrungen treffen.

Und wer die passende Herberge zum Wanderurlaub sucht, findet unter den casas rurales, den Landgasthöfen, interessante Möglichkeiten. Auch wenn der Name rustikal klingt: Primitiv sind diese Unterkünfte keineswegs. 7 ausgewählte casas rurales (von insgesamt rund 30) werden hier in Wort und Bild vorgestellt. Unter der Rubrik „Einkehren, Unterkommen, Ausruhen“ finden wir noch eine Auswahl von Bars und Restaurants.

„Vergessen Sie alles über Reiseführer, diese hier sind anders“, schrieb das BÜCHERJOURNAL über die Publikationen des Oase-Verlags. Das trifft auch auf den Lanzarote-Reiseführer von Jürgen Sobeck zu. Ich habe knapp anderthalb Regalmeter Reiseführer zu Hause stehen, darunter auch einige von der Insel, aber das ist der erste und einzige, den ich je wie einen Roman von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen habe. Dass ein Reiseführer sachkundig und informativ ist und aussagekräftig bebildert, ist ja geradezu eine Grundvoraussetzung. Dieser hier ist obendrein noch von persönlicher Erfahrung geprägt, überaus vergnüglich zu lesen und eröffnet ganz neue Perspektiven: Auch wenn Sie schon oft auf Lanzarote waren: So haben Sie die Insel mit Sicherheit noch nie gesehen!

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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John Harvey: Schlaf nicht zu lange. Kriminalroman.
1, 23 Juni, 2008, 10:54
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John Harvey: Schlaf nicht zu lange. Kriminalroman. OT: Darkness & Light. Deutsch von Sophia Kreutzfeldt, München 2008, dtv, Deutscher Taschenbuchverlag, ISBN 978-3-423-21064-5, Softcover, 427 Seiten, Format 12 x 19 x 2,5 cm, Euro 8,95 [D] 9,20 [A], sFr 15,90.

Vier Jahre ist es jetzt her, dass Detective Inspector Frank Elder den Polizeidienst in Nottingham quittiert und sich nach Cornwall zurückgezogen hat. Seine Ehe mit der Friseurin Joanne ist gescheitert, die Beziehung zu ihrer gemeinsamen Tochter Katherine, inzwischen 19, gestört. Die Tochter ist traumatisiert, seit sie von einem Psychopathen entführt, gefangen gehalten und missbraucht worden ist. Was ihr sicher nie widerfahren wäre, wäre ihr Vater nicht Polizist gewesen.

Als eines Nachmittags Franks Exfrau anruft, ist sein erster Gedanke, Katherine könnte wieder etwas zugestoßen sein. Doch es geht „nur“ um die Schwester einer gemeinsamen Bekannten. Claire Meecham, Mitte 50, verwitwet und sonst immer die Zuverlässigkeit in Person, ist seit über einer Woche verschwunden. Die Polizei nimmt den Vorfall nicht ernst. Ob Frank nicht vielleicht nach Nottingham kommen und ein paar Nachforschungen anstellen könnte …?

Frank ist zunächst wenig begeistert von der Idee, doch ein Besuch in Nottingham bietet ihm immerhin die Gelegenheit, seine Tochter wiederzusehen, und so sagt er zu.

Nachdem er Nachbarn, Kollegen und Verwandte der verschwundenen Claire befragt hat, wird ihm zweierlei klar: Die Witwe ist keinesfalls so bieder und einsiedlerisch, wie es den Anschein hat. Übers Internet lernt sie Männer kennen und trifft sich mit ihnen. Und sie ist wahrscheinlich nicht freiwillig verschwunden.

Bevor Frank weiter nachforschen kann, taucht Claire wieder auf: Schick gekleidet liegt sie in ihrem Bett, das Haar frisch gebürstet – doch sie ist tot. Das erinnert Elder spontan an seinen ersten Fall beim Morddezernat in Nottingham vor acht Jahren. Den Mordfall Irene Fowler, der nie aufgeklärt werden konnte. Hat der Mörder von damals wieder zugeschlagen?

Als Maureen Prior, seine ehemalige Vorgesetzte, am Fundort der Leiche eintrifft, hat sie den gleichen Gedanken. Und ehe Frank Elder es sich versieht, ist er reaktiviert und steht als externer Berater wieder im Dienst der Polizei.

Das Abklappern von Claire Meechams Internet-Bekanntschaften fördert ein paar schräge Vögel zutage, sonst nichts. Also konzentrieren sich die Ermittlungen zunächst auf eine mögliche Verbindung zwischen den beiden Opfern. Haben Irene Fowler und Claire Meecham gemeinsame Bekannte gehabt?

Irene Fowler, 57, geschieden, war nach einer Tagung in ihrem Hotelzimmer tot aufgefunden worden. Den Abend davor hatte sie mit dem Kunstbuch-Verleger Vincent Blaine und dessen Buchhalter und Freund Brian Warren verbracht. Es stellt sich heraus, dass der Verleger auch Claire Meecham gekannt haben muss. Sie war Teilnehmerin in einem seiner Kurse. Kann es wirklich sein, dass er sich nicht an sie erinnert? Denkbar wäre es … welcher Seminarleiter behält schon alle seine Studenten im Gedächtnis?

Und Brian Warren, Blaines ehemaliger Buchhalter? Er hatte sich an Irene Fowlers letztem Abend blendend mit ihr verstanden. War da mehr? Und ist er wirklich der harmlose Opa, für den ihn alle halten? Eines ist klar: So hinfällig, wie er tut, ist er keineswegs.

Verdächtig war seinerzeit auch Richard Dowland, ein Hotelangestellter, der wiederholt als Spanner und Exhibitionist aufgefallen ist. Dowland hat es mittlerweile vom Spanner zum

Gewalttäter gebracht. Er ist ein psychotisches Wrack, und ohne Hilfe seiner Betreuer nicht in der Lage, seinen Alltag zu organisieren. Er hat vor einiger Zeit versucht, die Prostituierte Eve Ward, 53, zu erwürgen. Hat er auch die beiden anderen Frauen auf dem Gewissen? Passen sie überhaupt in sein Beuteraster. Ja … und nein.

Auch Wayne Johns gerät in das Visier der Ermittler. Er ist einer von Claire Meechams Chatroom-Dates. Seine Firma war es, die vor 8 Jahren die Tagung ausgerichtet hat, bei der Irene Fowler ermordet wurde. Seine Vergangenheit ist dubios und sein Umgang mit Frauen ebenfalls. Kannte auch er beide Frauen?

Noch eine von Claires Internet-Bekanntschaften erweckt die Aufmerksamkeit der Beamten: Stephen Singer ist nicht der weltfremd-unbedarfte Sonderling, als den er sich bei der ersten Befragung dargestellt hat.

An Verdächtigen herrscht also kein Mangel. Und zwischen den Ermittlungen muss auch das zum Teil recht chaotische Privatleben gelebt werden. Frank Elders Exfrau hat Probleme mit dem Alkohol, Frank hat Probleme mit ihr – und damit, dass er seine Tochter Katherine nur immer zwischen Tür und Angel sieht. Ständig ist sie auf dem Sprung. Seine Versuche der Kontaktaufnahme sind ihr lästig.

Maureen Prior, zugeknöpft und unnahbar wie eh und je, lässt sich halbherzig auf einen Flirt mit Ben Leonard, dem psychologischen Betreuer des Verdächtigen Dowland ein. Doch zu viel Nähe erträgt sie nicht. Auch sie hat mit Gespenstern aus ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Frank Elder fragt sich seit Jahren, welche das wohl sein mögen …

Wird Elder je erfahren, was seine Chefin so traumatisiert hat? Wird die Polizei den – oder die? – Mörder von Irene Fowler und Claire Meecham fassen? Ist es überhaupt jemand aus der Riege der Verdächtigen? Und was hat es mit den rätselhaften Szenen aus den 60-er Jahren auf sich, die immer mal wieder schlaglichtartig in die Romanhandlung eingestreut werden?

John Harvey, 1938 in London geboren, wurde durch seine Drehbücher für Krimiserien im britischen Fernsehen bekannt. Diese „Schule“ merkt man dem Roman auch an: Er ist sehr dialogstark. Personen und Szenen werden ohne Umschweife mit präzisen Worten skizziert. Die Handlung läuft wie ein Film vor dem Leser ab. Ja, den Roman könnte man sich wunderbar als Fernsehkrimi vorstellen.

Doch obwohl die Personen regelrecht greifbar wirken, bleibt man als Leser den Opfern und den Mordfällen gegenüber eigenartig distanziert. Vielleicht, weil wir Irene Fowler und Claire Meecham nicht selbst „kennengelernt“ haben und nur durch Zeugenbefragungen etwas über sie erfahren? Oder weil die beiden Frauen Zufallsopfer eines Psychopathen zu sein scheinen und es einem im Grunde gleichgültig ist, wer aus diesem gruseligen Panoptikum gestörter Unsympathen schlussendlich dafür hinter Gitter wandert?

Dem Krimi fehlt damit das Geheimnis. Wenn das Böse aus dem geschützten privaten Bereich des Opfers kommt, Motiv und Täter überraschen und entsetzen, berührt das den Leser mehr. Zufallsopfer von Serientätern sind für einen Kriminalroman ungefähr so interessant wie Zufallsopfer von Verkehrsunfällen …

Der Autor wurde für sein Werk vielfach ausgezeichnet, zuletzt von der britischen Crime Writers’ Association mit dem „Diamond Dagger“ für sein Lebenswerk. Und sein Autorenkollege Reginald Hill sagte: „Wenn er noch besser wird, sollen wir anderen ihn vielleicht aus dem Weg räumen“. Keine Frage: Schreiben kann er. Nur dieser Fall hier, der reißt einen einfach nicht mit.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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Göttliche Barmherzigkeit
1, 20 Juni, 2008, 10:32
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Ein Käfer, der in Rückenlage,
Stellt selten eine Rätselfrage,
Vermutlich nur die eine
Nach Bodengriff der Beine.

Den güt’gen Gott in Wanderschuhen
Lässt solches Ungemach nicht ruhen.
Er dreht den Käfer wieder um,
Ein Flügelschlag, vergelt’s Gott, brumm.

Foto: ©: uwest (Uwe Steinbrich) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
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Das Taubenschwänzchen
1, 20 Juni, 2008, 10:30
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Der Kolibri des Alpenlandes,
Als Taubenschwänzchen allbekannt,
Ist Mitglied des Insektenstandes,
Kann rückwärts fliegen, wie frappant.

Mit tausendfachen Flügelschlägen,
Verharrt er vor der Blüte Mund.
Uns mag die Flugkunst sehr bewegen,
Doch meint der Schmetterling: Na, und?

Foto: © saguarofan (S. Kunka) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
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Dackelgeometrie
1, 19 Juni, 2008, 1:37
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Ein Dackel wächst kaum vertikal
Gemeine Tat an Hundsnatur.
So gibt es, wie beim Kreis zumal,
Vom Dackel keine Quadratur.

Foto: © IB / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
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Kurz bemessen
1, 19 Juni, 2008, 11:11
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Manchmal ist das Leben kurz,
Hin und wieder lange.
Wenn es aus ist, ist das schnurz,
Also keine Bange,
Meint die Eintagsfliege Klaus,
Lacht und haucht das Leben aus.

Foto: © FRIESE 1962 (Bredehorn Jens) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
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Gravierende Unterschiede
1, 17 Juni, 2008, 3:20
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Die Lerche, froher Himmelsstürmer,
Baut ein schlichtes Bodennest.
So findet sie im Sitzen Würmer,
Was ihr Zeit zum Brüten lässt.

Die Lärchen sind zwar erdgebunden,
Flögen aber herzlich gern.
Sie haben einen Weg gefunden,
Nachwuchs regt sich bodenfern.

Der Unterschied ist unbestritten
So gravierend, dass es kaum
Verwechslung gibt in Fortpflanzsitten
Zwischen Lerch’ und Lärchenbaum.

Foto: © Geliwo (Angelika Wolter) / pixelio

Autor: Ingo Baumgartner
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