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Unserer Sammy ging es Anfang 2007 sehr schlecht. Die Nieren! Mit fast 19 Jahren die erste Krankheit überhaupt. Uns war klar, dass wir uns bald verabschieden mussten.
Mit Spezialfutter und Behandlungen ging es bis zum 09.Juni 2007 noch gut. Dann war aber der Tag des Abschiedes gekommen.
Die ganze Familie war sehr, sehr traurig. Wir beschlossen uns kein Tier mehr anzuschaffen.
Anfang September fuhren mein Mann und ich in Urlaub. Wir hatten in Südfrankreich ein Wohnmobil gemietet. Nach ca. einer Woche hörten wir immer wieder lautes Fiepen, konnten diese Geräusch aber noch nicht einordnen. Als wir am späten Nachmittag vom Strand kamen war das Fiepen wieder da. Doch als ich nachschaute hörte es sofort auf. Unser Wohnmobil stand am Fuß eines kleinen Abhanges und hinter dem Wagen war dickes Dornengestrüpp. Man konnte nicht durch dieses Gestrüpp. Die Nächte wurden schon recht kühl. Die ganze Nacht hindurch hörte ich dieses Fiepen. Das Geräusch machte mich fertig. Auch mein Mann konnte nicht schlafen. Am nächsten Morgen machte ich mich auf die Suche. Ich versuchte oberhalb des Abhanges herunter zu kommen. Auch das war nicht möglich.
Am Nachmittag (das Fiepen war noch da, aber nicht mehr so laut) zog ich mit dicke Sachen mit langem Ärmel an und schnitt mit einer Schere so gut es ging einen Weg durch die Dornen. Da lag er: Ein winzig kleines Fellbündelchen, gerade mal eine Handvoll Katze. Augen noch zu, Ohren noch umgeklappt. Was nun?
Uns war sofort klar, der Kleine brauchte Hilfe. Unsere Hilfe!
Obwohl es mittlerweile schon Abend war, bekamen wir durch die freundliche Hilfe einer Mitarbeiterin an der Rezeption einen Termin bei einem nahe gelgenen Tierarzt. Mit dem kleinen Fellknäuel in ein Handtuch gewickelt fuhren wir dorthin. (Ich glaube so vorsichtig ist mein Mann noch nie gefahren. Dort angekommen untersuchte der Tierarzt den kleinen Wicht. Er wog knapp 180 g. Der Tierarzt meinte, es ist ein Junge und ca. 1 Woche alt. Laut Tierarzt hätte er die nächste Nacht nicht überlebt. Der Kleine bekam noch in der Praxis seine erste Mahlzeit. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Mit welcher Gier ein so kleines Wesen saugen kann. Die Flasche war ruckzuck leer.
Ausgestattet mit Milchpulver und Fläschen traten wir den Rückweg an. Es tauchte unterwegs die Frage auf, wohin mit dem kleinen Bündel? Also wurde noch schnell ein Hamsterkäfig gekauft. (etwas anderes gab es im Ort nicht) Laufrad entfernt und schon hatte unser Kleiner eine Höhle. Mitterlerweile dachten wir schon mal über einen Namen nach. Obwohl wir eigentlich kein Tier mehr wollten, war uns beiden klar, den geben wir nicht mehr her.
Als wir in unserem Urlaubsquartier angekommen waren, war klar, der Kleine heißt Fritz.
Nun standen wir da, keine Ahnung wie man Katzenbabys behandelt, auch keine Möglichkeit im Internet nachzuschauen. Wir waren ganz auf unsere Bauchgefühle angewiesen.
Als erstes musste der kleine Fritz es warm haben. Also wurden aus unseren Kühlakkus für die Kühltasche Wärmeakkus für Fritz. Aufgewärmt unter Handtücher im Hamsterkäfig, das funktionierte schon mal prima. Füttern war ganz einfach, Fritz hatte immer Hunger.
Eine Mutterkatze massiert Ihre Kinder mit der Zunge und leckt sie auch sauber. Das wollten wir dann doch nicht. Ein alter Waschlappen tat da gute Dienste. Was haben wir uns über das erste „Würstchen“ gefreut. Aber was nun, wir hatten noch 2 Wochen Urlaub. Kurzerhand nahmen wir unseren kleinen Fritz immer mit. Käfig sicher im Auto verstaut, Fritz rein und los ging es. Fläschen wurde im Thermobecher mitgenommen. Klappte prima. Wenn wir zum Strand gingen wurde Fritz Schatten geparkt. So problemlos hätte ich es mir nicht vorgestellt.
Am 13. September hatte Fritz morgens seine Äuglein auf. Klar der Verstand weiß, er kann noch nicht richtig sehen, aber das Gefühl sagt, er schaut mich an. So verging unser Urlaub. Im Nachhinein unser schönster Urlaub.
Der Heimweg war auch kein Problem. Sicher, wir hatten keinen Impfpass oder sonst irgend etwas, aber was wollten wir machen. Fritz war unsere Schmuggelware.
Zu Hause angekommen überlegten wir was zu tun sei. Als erstes ein Besuch beim Tierarzt.
Fritz kann fauchen! Als ein fremder Mann sich seinem Käfig näherte fauchte er wie ein großer und zeigt sein gefährlich zahnloses Mäulchen.
Alles ok, gut entwickelt. Der Tierarzt war zufrieden mit unserer Arbeit. Eine Aufbauspritze und weiter so.
Wir überlegten dass es kein schönes Katzenleben ist, so alleine ohne Freunde. Der Tierarzt hatte noch ein Kätzchen da, etwa 1 Monat älter als unser Fritz, auch eine Flaschenaufzucht.
Kurz und bündig, wir adoptierten das kleine Kätzchen als Schwesterchen für Fritz. Jetzt haben wir Julchen und Fritz. Julchen konnte schon springen und auch Unsinn machen. Sie brachte Fritz alles Notwendige bei. Sehr zu unserem Leidwesen.
Beide haben sich sehr gut entwickelt, sind mittlerweile kastriert und fröhliche Freigänger.
Laufen allerdings nie weit weg. Kommen sofort wenn wir rufen. Wenn nicht dann klappt es mit dem Schütteln der Futterdose.
Unsere zwei machen uns viel Freude und sind sehr verschmusst. Fritz sieht jedem Menschen als potentielle Streichelmaschine an. Egal wer bei uns zu Besuch ist. Sobald er sitzt ist Fritz auf dem Schoss. Julchen ist etwas zurückhaltender. Aber auch sie ist sehr verschmust und anhänglich.
Wir sind nicht besonders gläubig, aber wenn wir an unseren Sammy zurückdenken glauben wir, er hat uns Fritz da hingelegt wo wir ihn gefunden haben.
Unser Haus ist wieder mit fröhlichen Tieren bewohnt. Danke, Sammy!
Autor: Vera Lüngen
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