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So schnell kann’s gehen. Da haben wir seit knapp drei Wochen unsere Malamuten Balu und zack … hatten wir einen zweiten Hund. Heute Nachmittag war ich mit meiner Tochter und Balu draußen. Fünf Minuten von uns entfernt ist eine große Wiese umgeben von Wald und Feldern. Dort gehen wir nachmittags oft hin, um mit Balu zu üben.
Das klappt im Prinzip schon ganz gut, bis auf die Tatsache, dass auf dem Feld Zuckerrüben angebaut wurden. Und Balu liebt Zuckerrüben. Auch heute wieder habe ich das Thema mit ihm diskutiert, denn er bekommt Durchfall von den Rüben. Das muss ja nicht wirklich sein.
Nachdem wir geübt, gespielt und getobt hatten, machten wir uns auf den Heimweg.
Ein wenig skeptisch bin ich immer noch, was andere Hunde angeht. Balu wurde schon zweimal von größeren Hunden gebissen und das, obwohl er eigentlich noch Welpenschutz haben müsste.
Mein Hund ist eine Schisserbuchse. Wenn sich uns andere Hunde nähern, drückt er sich an meine Beine. Als wir zur Straße kamen (eine Sackkasse, die zu einem Reiterhof führt), sah ich plötzlich einen größeren Hund am Straßenrand. Er lief dort langsam umher. Einen Menschen sah ich nicht. „Der tut bestimmt nichts, der will nur spielen“ hoffte ich und ärgerte mich über Besitzer, die meilenweit vor oder hinter ihren Hunden herlaufen und darauf vertrauen, dass schon nichts passiert. Ich schaute und schaute, konnte aber niemanden entdecken. Jetzt wollte ich auch nicht stundenlang warten, bis der Dosenöffner des Hundes auftaucht, also fasste ich mir ein Herz und wir gingen weiter.
Der Hund, ein blonder, offensichtlich älterer Labrador, kam und entgegen, schnüffelte kurz an Balu – und gut.
Schön, dachte ich, dann können wir ja weitergehen. Immer noch war weit und breit niemand zu sehen, dem der Hund gehören könnte.
Wir gingen also weiter … Lisa, Balu, ich – und der fremde Hund. Er lief neben uns her, als müsse das so sein. Er ging mit uns über die Straße, blieb einfach bei uns.
Das ging natürlich nicht. Irgendjemanden gehörte dieser Hund, irgendjemand liebt ihn, vermisst ihn … oder? Der Hund hatte kein Halsband und somit keine Hundemarke, keine Adresse, keine Tassomarke …
Wir gingen zurück zur Wiese, aber da war keiner. Niemand rief verzweifelt: „Wauzi, Ben, Fido … komm her! Wo bist du?“
Also machten wir uns wieder auf den Heimweg. Ich hoffte insgeheim, der Hund würde abdrehen und nach Hause laufen, wo immer das auch sein möge. Er tat mir den Gefallen nicht, er blieb neben mir.
Nun ja, wir nahmen ihn also mit nach Hause. Jeden, den wir trafen, fragten wir, ob der Hund bekannt sei? Ob den jemand schon mal gesehen hätte? Hatte keiner.
Bei uns zu Hause angekommen, ging „Hund“ mit hinein als hätte er das schon tausendmal so gemacht.
Bisher hatte Balu nicht reagiert. Zu Hause war das anders. Es ist SEIN Zuhause, sein Haus, sein Fressnapf, seine Wasserschüssel.
Lisa musste mit „Hund“ im Flur warten und ich fütterte Balu. „Hund“ bekam auch zu trinken und ein Leckerli. Nachdem Balu gefressen hatte, durfte „Hund“ in die Küche. Er legte sich unter den Tisch … als ob er da schon immer gelegen hätte.
Ich rief das Tierheim an. Sie wollten nachschauen, ob ein Hund vermisst würde oder sie ein Tier kennen würden, auf das die Beschreibung passt und mich dann zurück rufen.
Ich wurde nervös – so sehr ich Balu liebe und nie wieder abgeben möchte – einen zweiten Hund wollte ich nicht. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass „Hund“ das anders sah.
Schließlich rief das Tierheim zurück. Wo genau hätte ich den Hund aufgegabelt? Ich erklärte es noch mal, verschwieg auch nicht, dass mein Eindruck war, der Hund hätte uns ausgewählt. Sie hatten keine Vermisstenmeldung. Plötzlich hakte der Mann noch mal nach: eine älterer, blonder Labrador? Das könnte doch der Hund vom Reitstallbesitzer sein … er würde da anrufen – und bevor ich nachfragen konnte, was ich denn mit dem Hund nun machen sollte, hatte er schon aufgelegt.
Eine Viertelstunde tat sich nichts. Bis auf die Tatsache, dass Balu zusehends ungeduldiger wurde: „Das ist doch meine Küche, mein Zuhause, mein Rudel … WAS will der Kerl hier?“
Um ehrlich zu sein hat mich die Reaktion meines Hundes gefreut, zeigt sie mir doch, dass er sich hier eingelebt hat, sich wohl fühlt, hier zuhause ist. Balu wurde eifersüchtig.
Endlich klingelte das Telefon, ein verstörter Hundebesitzer meldete sich. Ungläubig hörte er sich die ganze Geschichte zweimal an, ich dachte schon, er fragt nie nach unserer Adresse. Schließlich tat er das doch.
Erleichtert setzte ich mich auf den Boden, kraulte meinen Malamuten und hatte schon kurz darauf einen zweiten Hund neben mir liegen, der auch gestreichelt werden wollte.
So fand uns dann auch der Besitzer … „Enno“ („Hund“), wollte zuerst gar nicht aufstehen.
Der Labrador ist zwölf Jahre alt, lebt von klein auf dem Hof, ohne Halsband und Leine. Erst in den letzten Monaten hat er die Angewohnheit entwickelt wegzulaufen.
Nun weiß ich wie „Hund“ heißt und wohin er gehört. Sollte er mir wieder einmal begegnen und folgen, brauche ich das Tierheim nicht einschalten.
Ich habe als Dank eine Flasche Rotwein erhalten. Zu blöd, dass ich nur Weißwein trinke. Aber das kann man sicher demnächst klären, denn „Enno“, daran glaube ich fest, wird uns noch öfter folgen.
Autor: Ulrike Renk
ulli@autorenecke.de
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