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Balu oder wie ich auf den Hund kam
1, 3 Januar, 2008, 6:45
Gespeichert unter: Hunde

Es muss so etwas wie Schicksal geben, das weiß ich seit dem ersten Advent 2007 ganz genau. An diesem Tag war ein kleiner Weihnachtsmarkt im Dorint Hotel. Mein Verlag hatte dort einen Bücherstand und wir beschlossen hin zu fahren und uns den Stand anzusehen. Da es eine Sturmwarnung gegeben hatte, waren die Stände drinnen aufgebaut. Auch wenn es dadurch nicht sonderlich winterlich wirkte, war die Stimmung gut. Es gab Waffeln und Glühwein. Wir unterhielten uns mit verschiedenen Leuten und beobachteten das Treiben.

Eine junge Frau stand mit einem Hund im Eingang. Ein wunderschöner Hund, dachte ich. Husky-Mix oder so etwas. Vor einigen Jahren hatte ich eine Husky-Mix Dame namens Laura. Immer noch erinnerte ich mich wehmütig an die schöne Zeit mit dem Hund. Der Wunsch, wieder einen Hund in die Familie aufzunehmen, war im letzten Jahr gewachsen und eigentlich wollten wir das im Frühjahr in Angriff nehmen. Aber nun sollte alles anders werden.

Meine Tochter Lisa hatte den Hund auch entdeckt. Vorsichtig näherte sie sich der Frau und kam mit ihr ins Gespräch. Während ich weiter an meinem Glühwein nippte und mich mit verschiedenen Leuten unterhielt, fand Lisa heraus, dass sie und die Frau gemeinsame Bekannte hatten und dass der Hund abzugeben war. Lisa bestürmte mich mit der Frau zu reden. Ich sah mir den Hund noch einmal genauer an. Ein wirklich schönes Tier, aber schon recht groß. Ein Welpe konnte das nicht mehr sein. Schließlich ging ich hin. Der Hund schaute mich an und es war um mich geschehen.

„Balu“ ist Alaskan Malamute, zu dem Zeitpunkt war er gerade mal sieben Monate alt und er war tatsächlich abzugeben.

Wir fuhren nachdenklich nach Hause. Ein Hund und gerade so ein Hund bedeutet viel Zeit und Arbeit. Obwohl ich als Schriftstellerin meistens zu Hause arbeite, war es doch ein Schritt, der gut durchdacht sein sollte. Wir diskutierten, schrieben Für und Gegen Listen und überlegten. Aber eigentlich war die Entscheidung in unseren Herzen längst getroffen.
Nun galt es aber, mehr über ihn heraus zu finden. Warum sollte er abgegeben werden? Wo wohnte er jetzt? Wie waren dort die Bedingungen? Würde er sich hier in diesem turbulenten Haushalt wohl fühlen? Waren alle Familienmitglieder einverstanden? Ich war mit Hunden und Katzen groß geworden und auch die Kinder konnten sich noch an Laura erinnern, die leider nur zweieinhalb Jahre bei uns leben durfte.

Wir nahmen Kontakt mit der jungen Frau auf bei der Balu lebte. Sie erzählte mir, dass sie zwei Husky hätte, ihre Freundin sich im Sommer zwei Malamuten-Mädchen aus einer Privatzucht geholt habe. Und da wäre auch Balu gewesen, der Kleinste des Wurfes. Ein Mann hätte ihn sich geholt, aber schon am nächsten Tag wieder zurückgegeben. Angeblich war der Hund verhaltensauffällig.

Daraufhin habe sie mit ihrer Freundin zusammen beschlossen, Balu zu retten. Gerade rechtszeitig, denn er wurde kaum noch gefüttert und war stark verwurmt. Sie pflegten den kleinen Kerl gesund und päppelten ihn auf. Ein ganz liebes Tier, meinte sie, aber trotzdem wären ihr drei Hunde zu viel. Deshalb suchten sie ein Zuhause für ihn mit Menschen, die Erfahrung hätten.

Wir trafen uns eine Woche später auf der Hundewiese. Es regnete in Strömen und war eisig kalt. Das tat unserer Begeisterung aber keinen Abbruch. Diesmal ließ ich Balu nicht aus den Augen, studierte sein Verhalten. Verhaltensauffällig erschien er mir nicht, nur verspielt und sehr gesund.

Wir verabredeten, dass wir uns in der nächsten Woche wieder treffen würden. Die Besitzerin wollte dann mit ihrer Freundin unser Haus anschauen. Durch den Vorweihnachtstrubel zog sich dieser Besuch jedoch hin. Wir warteten sehnsüchtig, Balu war in unsere Gedanken und Herzen längst eingezogen. Auch Näpfe und Futter hatten wir schon besorgt.

Dann kam der Besuch. Ich war aufgeregt und nervös. Würden wir der Prüfung standhalten? Balu sah es gelassener, er schnupperte durch das Haus, sprang vergnügt durch den Garten und legte sich dann schließlich mitten in die Küche. Nur vor Donna, unserer Katze, hatte er Angst.

Es vergingen wieder ein paar Tage, doch dann kam die erlösende Nachricht, dass wir als geeignet erschienen. Noch einmal trafen wir uns auf der Hundewiese. Diesmal rief ich Balu und er lief sofort zu uns und begrüßte uns freudig. Es schien, als wüsste er, dass wir seine Familie werden sollten. Schon am nächsten Tag durfte ich ihn abholen. Seiner bisherigen Familie fiel der Abschied nicht leicht, aber wir vereinbarten, dass wir uns nach einer gewissen Kennenlernzeit alle wieder auf der Hundewiese treffen würden.

An diesem Tag, es war Donnerstag der 27. Dezember, hatte mein großer Sohn seinen achtzehnten Geburtstag. Als ich ankam, saßen ein paar Freunde und er in der Küche. Balu schnupperte aufgeregt, legte sich aber dann wieder in die Mitte, als wäre er das gewohnt.

Am ersten Abend ging ich stündlich mit ihm raus. Zu Anfang lief er nur neben mir her, löste sich nicht. Nach und nach aber gab sich das. Obwohl ein Malamute ein Schlittenhund und somit ein Zugtier ist, ging Balu brav an meiner Seite. Fahrradfahrer und andere Spaziergänger interessieren ihn nicht. Artgenossen sieht er eher skeptisch, aber das legt sich sicher noch.

Ein wenig unsicher war ich, wie die erste Nacht werden würde. Ich hatte seine Decke mitbekommen und legte sie in mein Schlafzimmer. Zweimal probierte er in mein Bett zu springen, aber ich machte ihm deutlich, dass dies nicht gewünscht war. Er fügte sich schnell, legte sich nieder und schlief friedlich.

Jetzt haben wir Balu seit einer Woche und jeden Tag gewöhnen wir uns ein wenig besser aneinander. Er folgt mir auf Schritt und Tritt, liegt in meinem Arbeitszimmer und träumt, während ich schreibe. Haben wir Besuch, so begrüßt er alle und legt sich dann zu unseren Füßen.

Er liebt es, mit den Kindern im Garten zu toben, lässt sich kraulen und streicheln, fühlt sich am wohlsten, wenn er überall dabei sein darf.

Natürlich hat sich unser Tagesablauf verändert. Ein solcher Hund braucht Auslauf. In fünf Minuten sind wir auf den Feldern und im Wald. Ich muss gestehen, mir machen die Runden großen Spaß. Es ist eine Freude, wieder einen Hund zu haben und ich hoffe, wir dürfen uns noch lange an ihm erfreuen.

Autor: Ulrike Renk
ulli@autorenecke.de
http://www.autorenecke.de

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2 Kommentare bis jetzt
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Ganz tolle Geschichte!
Kann ich gut nachfühlen!
Viel Glück mit Balu, wünscht Edi

Kommentar von Edi

Offensichtlich haben sich die Richtigen gefunden *freu* Viel Spaß mit eurem Balu wünscht Michaela

Kommentar von Michaela




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