Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Arachne spinnt by edithtg
1, 12 Juli, 2007, 2:53
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Es fügt aus weichem Drüsensaft
Ein Faden sich an Faden.
Acht Beine ordnen, ziehn mit Kraft
Den Durchhang zur Geraden.

Ein Netz entsteht, Arachnes Reich,
Kaum merkbar für die Sinne.
Was hängen bleibt, das wird sogleich
Zum Opfer unsrer Spinne.

Kommt Regen auf, netzt schwerer Tau
Das Netz mit seinen Tränen,
Dann funkelt es im Morgengrau
Und teilt das Licht zu Strähnen.

Arachne sitzt im rechten Eck,
Ihr Netz bereitet Sorgen.
Sie hofft, die Tropfen trocknen weg,
Womöglich noch am Morgen.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Der Kaisermantel by edithtg
1, 9 Juli, 2007, 9:29
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Wenn jemand Kaisermantel heißt,
So muss er seinen Rang beweisen.
Die Sach’ misslingt jedoch zumeist,
Man kann sich ja nicht selber preisen.

Die Königskerze lässt ihn nicht
Aus ihren Blüten Nektar schlürfen
Und dass der Königsfarn nicht grüßt,
Das sollte dieser gar nicht dürfen.

Der Rittersporn, das Edelweiß,
Sogar der Bauernsenf verspottet.
Kein Wunder, wenn der Kaiser leis
Und meist allein durchs Leben trottet.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Hochlandrinder by edithtg
1, 9 Juli, 2007, 9:29
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Robust erscheint das Hochlandrind,
Dicht zottelfellig, wetterfest.
Das Kälbchen, echtes Hochlandkind,
Genauso wie der Herde Rest.

There are no “Muhs” but only “moos”.
Der Älpler soll darob nicht spotten.
Die Sache hat ja Hand und Fuß,
Denn schließlich sind die Tiere Schotten.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Maike Schneider, Christine R. Förster, Damian Wolfe (Hrsg.): Herzblut – Edition Geschichtenweber by edithtg
1, 9 Juli, 2007, 7:07
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Maike Schneider, Christine R. Förster, Damian Wolfe (Hrsg.): Herzblut – Edition Geschichtenweber.

Maike Schneider, Christine R. Förster, Damian Wolfe (Hrsg.): Herzblut – Edition Geschichtenweber, 14 Kurzgeschichten von 14 Autoren, Ebersdorf 2007, 1-2-Buch.de, ISBN: 978-3-935982-4, 239 Seiten, flexibler Einband, Format 13 x 20 x 1,5 cm, EUR 12,80.

Das Konzept der 6. Anthologie der Geschichtenweber – eines lockeren Zusammenschlusses deutschsprachiger Autorinnen und Autoren – wird im Vorwort des Buchs perfekt erklärt:

(…) “Wer dieses Buch in den Händen hält, sollte darauf vorbereitet sein, dass es keine Happyends geben wird. Nirgends! Die Autoren dieser Anthologie lassen ihre fantastischen Protagonisten leiden, wie man nur im Namen der Liebe leiden kann. Einige Liebschaften sind unerreichbar, andere einfach unmöglich und wieder andere tödlich. Aber keine Angst: Es ist alles „nur Fantasy“.“

Wenn man das weiß, ist es klar, wie man die Geschichten lesen muss. Es bringt nichts, mit den Figuren zu hoffen, dass sie sich kriegen. Das wird nicht passieren. Man fragt sich viel mehr fasziniert und oft genug mitleidend, wie sie es wohl fertig bringen werden, die Beziehung in den Sand zu setzen. Manchmal sind schon die Voraussetzungen für eine Liebesgeschichte denkbar ungünstig. Und manchmal stehen sich die Helden selbst im Weg. In dieser Hinsicht ist es auch in den phantastischsten Welten genau wie im richtigen Leben.

Markus Müller: GLASWIESENTÄNZER: Nach umfangreichen Vorbereitungen begibt sich Zara ins Totenreich, um ihren Geliebten Erik zu befreien. Wird Zara und Erik bei dieser mutigen Mission mehr Glück beschieden sein als damals Orpheus und Eurydike …?

Norbert Sindelek: LEBEN UND TOD: Novizin Eris soll mit einer Gruppe Nonnen einen Kultgegenstand des Tempels vor den feindlichen Gnarg in Sicherheit bringen. Der Krieger Karan begleitet sie auf ihrem gefährlichen Weg. Karan und Eris kommen sich rasch näher. Beide haben eine besondere Gabe. Sie ist eine Heilerin – und er kennt den Zeitpunkt seines Todes …

Claudia Hornung: SEMONAS LIED ist alles, was der kleinen Niala von ihrer Mutter geblieben ist. Von ihrer Großmutter erfährt sie die tragische Geschichte ihrer Herkunft. Und muss sich fragen, ob überhaupt irgend etwas so ist, wie sie bisher gedacht hat …

Oliver Hohlstein: DER STEINPRINZ: Eine Hexe hat Malinkas Freund Wassjew in eine Steinstatue verwandelt. Zusammen mit Wassjews Schwester macht Malinka sich auf, ihren Freund zu befreien. Aber weiß sie auch alles, was sie für ihr Vorhaben wissen muss …?

Anne Grießer: IN EINEM DUNKLEN LAND , fernab von den “Menschlingen” leben die Lichtlosen. Sie können wunderschön singen, doch aus gutem Grund möchten sie nicht gesehen werden. Der Mensch Antor verliebt sich in die Stimme der Lichtlosen Eryl …

Damian Wolfe: WIE TAG UND NACHT verschieden sind Eleonore und der Großinquisitor Philippe de Rivalle. Und doch fühlen sie von einander angezogen. Für eine glückliche Beziehung gibt es jedoch mehr als nur ein Hindernis …

Marie Andrevsky: DELANDRA Prinz Garek liebt die Hofdame Delandra – doch sie gehört zu einer Gruppe Rebellen, die seine Entmachtung betreibt …

Mandy Schmidt: DER SCHREI DES ASSASSINEN: Yviane, die sich als Priesterin der Wasserfrau ausgibt, trifft Carid, der vorgibt, ein Diener des Feuergottes Sern zu sein …

Si-Yü Steuber: DER KUSS DES OZEANS: Der Fischer Miron und die verschleierte Aliyah eint die Sehnsucht nach dem Meer – doch aus ganz unterschiedlichen Gründen …

Maike Schneider: BLAUE AUGEN, HIMMELSSTERN: Es ist immer gefährlich, eine von Maike Schneiders Heldinnen zu unterschätzen. Mögen sie auch mädchenhaft und unerfahren daherkommen, sie haben stets noch ein As im Ärmel. So auch Selena, die Tochter des Drachenzüchters Bran. Sie verliebt sich in Lucan, den feschen Adjudanten des Kriegsherrn. Aber meint es der junge Mann auch Ernst mit ihr …?

Jennifer Schreiner: GABRIELS UNSCHULD: Im Himmel zu Zeiten der Schöpfung: Nicht alle Engel sind begeistert von der Idee, dass Gott Menschen erschaffen möchte. Engel Samiel rebelliert offen, Erzengel Gabriel ist es mehr oder weniger egal – bis er Lilith sieht, Adams unbotmäßige erste Frau …

Sabrina Glock: DER ZAUBER DER LIEBE: Gestaltwandlerin Varinja hat ihre Fähigkeit verloren, sich in ein Tier zu verwandeln. Ihr Geliebter, der Magier Avarin, arbeitet fieberhaft an einem Gegenmittel. Wenn Varinja wüsste, was Avarin weiß …

Bianca Peinert: BEGEGNUNGEN: Der Soldat Oro verliebt sich in eine seiner Gefangenen, ein Mädchen aus dem nichtmenschlichen Volk der Laraner. In ihrer Kindheit sind sie einander schon einmal begegnet. Oro schmiedet einen waghalsigen Plan …

Christel R. Förster: ZWISCHEN DEN WELTEN: Der Elf Elamil liebt die Zwergin Grunkel. Doch sie hat schon Mann und Kinder und will von ihm nichts wissen. Hätte Elamil die Sache doch nur auf sich beruhen lassen …!

Dem Vorwort der Herausgeber entnehmen wir, dass nicht nur “Herzblut” in dieser unterhaltsamen Anthologie steckt, sondern auch viel Mühe, Arbeit und Aufregung. Was immer das Geschichtenweber-Team vorab in dieses Projekt investieren musste: Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Herausgekommen ist eine Sammlung von 14 abwechslungsreichen, fesselnden und zu Herzen gehenden Geschichten auf durchweg hohem Niveau.

Eine nette Ergänzung ist die Autorenvorstellung im Anschluss an die Geschichten. Man hat von den Autoren nicht nur biographische Daten erbeten, sondern auch jeweils eine Aussage über das zentrale Thema des Buchs: die Liebe. Originell ist der Ausspruch von Markus Müller, dem Autor des Beitrags GLASWIESENTÄNZER:

“Als Kind glaubte ich, Liebe sei so wie im Fernsehen und in Büchern und dachte: Gott, wie furchtbar! Dann lernte ich die Liebe selber kennen und stellte fest: In Wahrheit ist alles noch viel schlimmer …”

Was beweist: Auch wenn die Geschichten in ihrer 6. Anthologie tragisch enden – den Humor haben die Geschichtenweber keineswegs verloren.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http://edithnebel.wordpress.com

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Wie man eine Kuh erkennt by edithtg
1, 6 Juli, 2007, 2:01
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Wenn Flecken über Grünes wandern,
So sieht das Auge meistens Kühe.
Die unterscheidet man von andern
Geschöpfen ohne große Mühe.

Die Milch hängt bauchseits, hinten eher,
Den Kopf beschwert ein Hörnerpaar.
Dem Bauch entspringen noch vier Steher,
Der Schwanz trägt langes Quastenhaar.

Die Rinder stehen quer zum Hang,
Sonst kugeln sie den Berg hinunter.
Befällt sie plötzlich Darmesdrang
Dann klatscht die Sache frisch und munter.

Zusammenfassend sehen wir,
Recht leicht erkennt man eine Kuh.
Besonders wenn das liebe Tier,
Nicht Mäh schreit sondern deutlich Muh.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Die abenteuerliche Geschichte, warum auch Fliegen Pelze tragen by edithtg
1, 4 Juli, 2007, 12:45
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Die Fliege Rosmarie fror grimmig,
Sie war ja schließlich pudelnackt.
Und so gesehen scheint es stimmig,
Was Rosi jetzt beim Schopfe packt.

Sie fliegt, die Nacktheit ignorierend,
Zu Hummel Edeltraudens Wabe.
Noch immer ob der Blöße frierend,
Durchsucht sie deren Kleiderhabe.

Das Diebsgut passt wie angegossen,
Der ganze Stolz für Rosmarie.
Nur Edeltraud schaut leicht verdrossen,
Hinüber auf ihr vis a vis.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Der Schneckenstein by edithtg
1, 4 Juli, 2007, 12:44
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Ein Wandrer, vollgepumpt mit Alk,
Betrachtete den Muschelkalk.
Er fand an Schnecken, Steinkorallen
Jedoch kein bisschen Wohlgefallen.

Verzweifelt suchte er nach Wellen,
Die zischend an die Felsen schnellen.
Kein Wasser weit und breit zu sehen,
Er konnt’ die Welt nicht mehr verstehen.

Besonders, als er dann am Morgen,
Jetzt ledig aller Alkosorgen,
Sich schlafend auf dem Felsen fand,
Ganz mittendrin im Alpenland.

Kein Tropfen Bier mehr, auch kein Rum.
Man sieht, es kann ein Schneckenstein
Die beste Lebenshilfe sein.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Raupe Albert by edithtg
1, 2 Juli, 2007, 7:00
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Die Raupe Albert war bekannt
Für mathematischen Verstand.
Sie kroch auf Zetteln, die bekritzelt
Mit Formeln, deren Lösung kitzelt.

Gebrochen durch und Wurzel aus,
Für Menschenkinder oft ein Graus,
Entfachten Alberts Rechendrang,
So ungefähr vier Wochen lang.

Beim Wandelschlaf als starre Puppe,
War Zahlenwerk ihm völlig Schnuppe.
Als Schmetterling, warum verhehlen,
Verlernte er sogar das Zählen.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Dusty – ein Seniorenkatzen-Porträt by edithtg
1, 2 Juli, 2007, 6:59
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Katzen-Oldies:
Dusty – ein Seniorenkatzen-Porträt

Manchen Menschen laufen Katzen zu, mir ist die meine schildpattfarbene Persermixkätzin Dusty regelrecht zugetragen worden. Der Nachbarsjunge meiner damaligen Kollegin hatte das ca. drei Monate alte Tierchen angeschleppt und durfte es nicht behalten. Meiner Kollegin taten Kind und Katze Leid und sie versprach dem Jungen, dass sie sich dafür einsetzen würde, dass das Tierchen ein gutes neues Zuhause bekommt.

Meine Kollegin konnte sehr überzeugend sein, und im Frühsommer 1989 zog Dusty mit Sack und Pack und Katzenklo bei mir ein. Erst hatte ich ja nicht so recht gewollt, schließlich hatte ich keinerlei Erfahrung mit Katzen. Oder überhaupt mit Haustieren. Aber andererseits … warum eigentlich nicht? War mir nicht erst im Jahr davor von einer etwas esoterisch angehauchten Krankenschwester auf den Kopf zugesagt worden, ich sei ein Katzentyp? „Ich habe doch gar keine Katze“, hatte ich seinerzeit erstaunt eingewandt. Worauf Schwester Renate mit einem geheimnisvollen Lächeln erwidert hatte: „Das kann sich schnell ändern. Warten Sie’s ab …“

Tja, und jetzt war es tatsächlich passiert: Ich hatte eine Katze. Wenn ich mich jemals gefragt hatte, wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung aussieht: Hier saß eine. Klein, wuschelig, dreifarbig, der Schwanz so lang wie die restliche Gestalt, große Ohren und ein mutwilliges Gesichtchen. Ein Temperamentsbündel in Plüsch.

Ich sehe sie heute noch wie die wilde Jagd über die Sessellehnen der Wohnzimmermöbel toben, immer von einem Möbelstück zu anderen, immer im Kreis herum, bis einem schon vom Zusehen schwindelig wurde und bis ihr die Luft ausging. Ich hatte immer Angst, dass sie sich bei ihren wilden Spielen einen Herzinfarkt zuziehen könnte.

In den Putzeimer ist sie mal gefallen, die Klorollen hat sie abgewickelt und klammheimlich die Toilettenspülung in Gang gesetzt, immer und immer wieder. Sie saß mit Begeisterung auf dem Spülkasten und betätigte mit dem Allerwertesten die Taste. Bis mein Vater mir aus Kunststoff und Klavierband einen Schutzmechanismus für die Spültaste konstruierte, den sie zum Glück nicht begriff. Dass man bei meinen Eltern im Haus nicht an den Gardinen und Textiltapeten bis unter die Decke klettert, dabei Fäden zieht und dann um Hilfe schreit, hat sie auch nie verstanden. Mein Vater hat ihr trotzdem einen Kratzbaum gebaut.

Meine Couch im Büro hat sie auch auf dem Gewissen. Der Sperrmüllwagen hatte nur noch wenig Mühe damit – den größten Teil der Schredderarbeit hatte Dusty schon geleistet.

Sie räumte die Fensterbänke von Blumen frei um sich einen Ausguck zu schaffen, fraß mir die Streusel vom Obstkuchen und entwischte ein ums andere Mal aus der Wohnung. Mal saß sie auf der haushohen Birke und musste gerettet werden, mal griff meine Großtante sie im Garten auf, mal wurde sie bei der Nachbarin im Keller eingesperrt oder ließ sich seelenruhig von den Nachbarskindern mit Fischstäbchen füttern, während die Familie eine Dusty-Suchstaffel gebildet hatte und bereits im ganzen Dorf ausgeschwärmt war.

Unselig die Angewohnheit, ihren Menschen an den Beinen hochzukraxeln. Das war tödlich für viele Strumpfhosen und schmerzhaft noch dazu. Die Narben haben wir noch immer. Und mein Hobby, das Stricken, habe ich seit jener Zeit auch stark eingeschränkt, denn Wolle und kleine Katzen, das passt irgendwie nicht zusammen. Na ja, die Katzen fänden sicher, dass das ganz ausgezeichnet passt. Sie lieben tanzende Garnknäuel – und ich hasse es, wenn plötzlich der Faden endet und statt der erwarteten weiteren paar Meter Garn nur noch ein abgefressenes und abgesabbertes Stückchen Faden kommt.

1990 haben wir unserer Dusty einen Kumpel zugesellt, einen kleinen kränklichen und anhänglichen Kater namens Smokey, den wir von einem Bauernhof geholt hatten. Zu gerne hätte Smokey mit unserer Dusty geschmust und sich an sie gekuschelt, aber sie wollte das einfach nicht. Grölte, röhrte, fauchte und schlug nach ihm. Ab und zu wurde sie dennoch „zwangsgekuschelt“ und „zwangsgeputzt“. Smokey kannte da keine Gnade.

Nach Smokeys allzu frühem Unfalltod kam 1992 der getigerte Kater Rocky ins Haus, der ebenso unwillig begrüßt wurde. „Alte Zicke“, mag er sich gedacht haben und machte sich nicht viel mit ihr zu tun. Aber die beiden lernten voneinander. Nix Gescheites, natürlich. Wie man auf den oberen Rand der Duschkabine kommt und seinen Menschen angewidert bei ihren Reinigungsritualen zusehen kann. Wie man vom Boden über die Heizung und über den Fernseher auf den Wohnzimmerschrank raufkommt und hinter den Büchern herumwuseln kann. Wie man Tapeten von den Wänden schält und wie man Sonntag morgens am besten seine Menschen aus dem Bett jagt um zeitig zu einem Frühstück zu kommen, lauter solche katzennotwendigen Dinge eben. Und dass es auf technischen Geräten warm und gemütlich ist, obwohl die „Ruhehaltung“ auf den Menschen, der sich das anschaut, manchmal vollkommen unbequem wirkt, da kam auch erst einer drauf und alle anderen haben es nachgemacht.

1994 kam unser Lanzarote-Import Blacky dazu, ein Hotelkätzchen, das, wir davor gerettet hatten, nach der Saison vergiftet zu werden. Als wir ihn von unserer Reise nach Hause brachten, beschnupperte Dusty ihn kurz und schien sich zu fragen: „Wohnt der kleine Schreihals jetzt etwa auch hier?“. Sie knurrte und fauchte ein wenig und fügte sich dann in ihr Schicksal.

Die beiden Kater, Blacky und Rocky, wurden dicke Freunde. Dusty ist immer etwas außen vor. Nur beim Fressen sind sich immer alle einig – und dabei, dass es sich am besten in meinem Bett schläft. Dusty hinter oder neben dem Kopfkissen, Blacky neben mir und Rocky mir zu Füßen.

Jetzt erst, seit sie nicht mehr so kann, lässt sie die Kater mal an sich schnuppern und wehrt sich auch nicht, wenn Rocky wieder mal einen seiner sozialen Anfälle hat und ihr den Kopf putzt.

Im Sommer 2005 wirkte Dusty ein wenig verwirrt und fand ihr Katzenklo nicht immer. Erst dachte ich, sie werde nur heikel auf ihre alten Tage, und stellte ihr ein weiteres Klo hin. Heute vermute ich, dass das schon die Folge eines leichten Gehirnschlags war. Im August erlitt sie definitiv einen Gehirnschlag und erblindete nahezu komplett.

Es war so schrecklich mit anzusehen, wie sie hilflos durch die Wohnung taperte und offensichtlich sehr durcheinander war. Wir brachten sie zum Tierarzt, fest davon überzeugt, dass das unser letzter Gang mit ihr sei und wir sie nicht wieder lebendig nach Hause brächten.

„Ach was“, sagte unsere Tierärztin, die Dusty schon seit Jahren kennt. „So schnell schießen die Preußen nicht. Wer wird denn eine alte Hauskatze gleich einschläfern, nur weil sie nichts mehr sieht? Das ist für sie nicht so ein Drama, wie wir das vielleicht meinen.“

Sie gab ihr eine Spritze „damit der Druck aus dem Hirn rausgeht“ und meinte, Dusty sei doch ein zähes altes Luderchen, sie würde uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben.

Und in der Tat – es dauerte nicht lange, da wirkten Dustys Bewegungen schon viel zielgerichteter, sie fand auch ihr Klo zuverlässig wieder , ihren Futternapf und ihr Wasser. Sie scheint sich mit ihrer Behinderung zu arrangieren, schnurrt, schmust, klettert auf dem Sofa und dem Schreibtisch herum und in und auf die Kartonagen im Büro.

Wir haben uns so gefreut, dass wir sie noch einmal mit nach Hause nehmen durften! Wenn es noch eine Weile so bleibt, wie es jetzt ist, und nicht schlimmer wird, dann denke ich, sind Katz und Mensch zufrieden.

Zur Erinnerung an meine Dusty, die am 9. Oktober 2005 gestorben ist – an meinem 45. Geburtstag.

Text erschienen in der Zeitschrift „Geliebte Katze“.

Autor: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http://edithnebel.wordpress.com

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