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Ein hinreißendes Hörbuch für kleine und große Kinder
Margret Rettich: Tierpraxis Doktor Schimmel. Hörbuch-CD. Erzählt von Ronny Great, Mannheim 2006, Verlag MetaGIS, ISBN 10: 3-936438-17-X, ISBN 13: 978-3-936438-17-8, eine CD, 77 Minuten, mit Booklet zum Ausmalen von Tierbildern, EUR 12,90,– ; erhältlich bei http://www.metagis.de
Hinten im letzten Haus ist immer viel Betrieb. Die Haustür geht auf, die Haustür geht zu, vom Morgen bis zum Abend. Hinten im letzten Haus wohnt Herr Doktor Schimmel. Er ist Tierarzt, und zwar ein ganz besonderer. Er kann alles, was andere Tierärzte auch können. Aber er kann noch viel mehr. Er kann mit den Tieren reden. Er versteht, was sie sagen und antwortet so, dass sie ihn verstehen. Doktor Schimmel ist nämlich selbst ein Tier. Er ist ein weißes Pferd. Er hat eine Sprechstundenhilfe. Sie heißt Fräulein Maus und sie ist auch eine.
Es hat sich schnell unter den Tieren herumgesprochen, dass Doktor Schimmel der beste Tierarzt ist. Jeden Tag ist das Wartezimmer gerammelt voll. Die Tiere sitzen dicht gedrängt und warten, bis sie an der Reihen sind. Und wir werden Ohrenzeuge eines besonders turbulenten Praxis-Tages.
Ein dicker Dackel kommt in die Sprechstunde und möchte seine Beine verlängert haben, damit sein Bauch nicht länger auf dem Boden schleift. Doktor Schimmel hat ein paar ungewöhnliche Tipps für ihn parat. Ein paar Tauben bringen einen vollkommen erschöpften Wellensittich, dem seine Abenteuerlust nicht gut bekommen ist. Und der ratlose Hase übt ebenso verzweifelt wie vergeblich, Schokoladeneier zu legen, glaubt er doch, der Osterhase zu sein. Aber was rauskommt, sind immer nur Hasenköttel. Dr. Schimmel weiß Rat. Wird er auch dem traurigen Igelkind helfen können, das wegen seiner spitzen Stacheln keine Spielgefährten findet? Oder hat Fräulein Maus hier doch die bessere Idee?
Frau Huhn und Frau Ente haben Probleme mit ihren Kindern, und dem verletzten Affen muss der Doktor den Hergang seines Unfalls erst mühsam aus der Nase ziehen. Eine Kuh mit Schluckauf sitzt im Wartezimmer, ebenso wie eine Schwalbe mit Eheproblemen und ein zahmer Löwe, der todunglücklich ist, weil sich alle vor ihm fürchten. Ein langhaariger Rassehund ist ganz und gar nicht damit einverstanden, wie Doktor Schimmel seine Blindheit behandelt hat, dafür ist die Schlange umso dankbarer, dass sie ihren Knoten wieder losgeworden ist. Und der durchgedrehte Kater ist ein Bespiel dafür, was einem alles passieren kann, wenn man sich für einen begnadeten Sänger hält und partout ins Fernsehen kommen möchte …
Doktor Schimmels Behandlungsmethoden sind mitunter etwas ungewöhnlich. Und wenn der geheilte Patient lieber seine ursprünglichen Beschwerden wiederhaben möchte – auch gut. Doktor Schimmel ist nichts Tierisches fremd, er hat auch dafür Verständnis.
Jede der 14 Geschichten ist in sich geschlossen, man kann die CD gut also „portionsweise“ anhören. Im Presstext der CD wird empfohlen, die einzelnen Storys als Gute-Nacht-Geschichten einzusetzen. Da hätte ich ja nun große Bedenken, dass die kleinen Zuhörer gar nicht genug bekommen von den lustigen Geschichten und darauf bestehen, erst die komplette CD anzuhören, ehe sie die Äuglein schließen …
Musik und Geräusche und vor allem die variantenreiche Stimme des Sprechers Ronny Great machen die Tiersprechstunde äußerst lebendig – und zu einem hinreißenden Vergnügen, nicht nur für Kinder. Da lässt man sich auch als Erwachsener liebend gerne etwas vorlesen. Und lacht sich kringelig über Affe, Hase, Floh und Co.
Der CD liegt ein 8-seitiges Booklet bei, auf dem das Praxispersonal und die tierischen Patienten zum Ausmalen vorgezeichnet sind. Diese Vorlage werden die kleinen Hörer sicher gerne farbig ausgestalten, während aus dem Lautsprecher die sonore Stimme Doktor Schimmels erklingt: „Der nächste bitte!“.
Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
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Der Drang der Mantis ist bekannt,
Dass sie gänzlich uncharmant
Ihr Männchen, welches sie begattet,
Hinterher durch Fraß bestattet.
Dann faltet sie die Vorderbeine,
Betend, aber nur zum Scheine.
Im Kopf der Frömmlerin vor Gott
Reift ein neues Mordkomplott.
Gemach, gemach, das Tier ist gut,
Böse wirkt nur, was es tut.
Nur Menschen schmieden miese Ränke
Im Bereich der Kirchenbänke.
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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Das Maul von Afrikas Hyänen
Ist voll mit messerscharfen Zähnen.
Sie brechen Knochen, dass sie krachen.
Genügend Grund, vor Hohn zu lachen,
Wenn Löwen in den Fressverstecken
Das Restfleisch von den Knochen lecken.
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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Es fehlt dem Wallach und dem Ochsen,
Kapaune, Hammel sind es los.
Man flüstert, tuschelt in den Boxen,
Was ist mit diesen Männern bloß?
Der Wallach sänge, wenn er durfte,
Bei Mozart die Kastratenrolle.
Der dicke Hammel aber schlurfte
Im Harem gerne ohne Knolle.
Der Ochse scheut die Mannesmühe,
(er hasst sie, sagt er im Vertrau’n).
So meidet er verliebte Kühe,
Und Hühner schrecken den Kapaun.
So sieht man, wie ein volles Säckchen
Das Hirngeschehen mitbestimmt.
Doch leert man dieses Eierpäckchen
Sind Frauen meistens missgestimmt.
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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Der Truthahn, hässlich aber schlau,
Gibt vor, es wär’ ihm schrecklich fad.
So neckt er forsch den stolzen Pfau:
Geh Bruder, schlag dein Federrad!
Der eitle Vogel präsentiert
Sein Balzgefieder voller Pracht
Und übersieht, was ungeniert
Der Puter mit der Pfauin macht.
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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Leises Gemurmel weckte mich auf. – Besser gesagt: Es verhinderte, dass ich wieder abdriftete zurück in die Dunkelheit der Träume.
Es wob einen Panzer um mich, der sich eng an meine Haut schmiegte, sie sanft streichelte und schließlich tiefer drang. Hier vibrierten die Töne wie Lebewesen, bis ich das beharrliche Ziehen das sie entfacht hatten, nicht länger ignorieren konnte.
Ich schlug die Augen auf.
Das Gemurmel verstummte schlagartig.
Bevor sich das Vakuum in meinem Inneren, dass die fehlenden Töne hinterlassen hatten, mit Zweifel füllen konnte, starrte ich irritiert in hunderte von Augenpaaren, die genauso irritiert zurückstarrten.
Dann begann das Gemurmel wieder. Dieses Mal hatte es nichts Verzweifeltes mehr an sich, die Magie des ersten Augenblicks war verflogen. Kein mythisches, ursprüngliches Gemurmel wie bei einer Liturgie, nur noch Lärm.
Ich setzte mich auf und wieder verstummten die Menschen.
Etwas stimmte nicht. Verwirrt sah ich an mir hinab, was sich als gar nicht leicht erwies. Auch mit meinen Augen schien etwas nicht zu stimmen.
Augen sollten sich nicht so anfühlen. – Und sie sollten nicht an dieser Stelle im Kopf sein, oder?
Ich bemühte mich, mein Gleichgewicht zu halten und gleichzeitig einen Eindruck davon zu gewinnen, was falsch war.
Fell. – Nicht gut.
Mein Gehirn weigerte sich, mir mehr mitzuteilen.
Erst nach und nach drang die Erkenntnis durch mein Entsetzen, wabberte für einen Moment durch die Stille und erfüllte mich schließlich vollständig.
Kuh?
Ein lautes Geräusch entfuhr meinem Mund. – Verdammt! Maul.
Warum zum Henker war ich eine Kuh?
Was war schief gelaufen?
So dumm konnten doch auch die dümmsten Gläubigen der Welt nicht sein, oder?
Ein Lehmhaufen und ein wenig Glaube hätten schon ausgereicht und ich wäre ein Mensch geworden.
Stattdessen mussten sie eine Kuh aus dem Lehm gemacht haben – und das hatte ich jetzt davon!
Ich wusste, ich sollte nicht meckern, schließlich existierte ich nur, weil diese Menschen an mich glaubten – aber das wussten sie zum Glück nicht – aber eine Kuh?
Wie demütigend!
Ich betrachtete die Menschen, die mir diese Schmach angetan hatten. Sie sahen nicht so aus, als seien sie sich einer Schuld bewusst.
Eine spöttische kleine Stimme in meinem Hinterkopf murmelte: Aber damit bist du wenigstens die einzige Göttin, die nützlich ist.
Ich versuchte etwas zu sagen und wieder rangen sich aus meinem Maul nur ein paar Tierlaute. – Nicht einmal für eine menschliche Stimme hatte der Glaube meiner Anhänger gereicht!
Ich stampfte wütend mit dem Vorderhuf auf. Nicht einmal weinen konnte man in diesem Kuhkörper!
Das Gemurmel der Menschenmenge setzte wieder ein. Dieses Mal klangen sie erwartungsvoll.
Aber was sollten sie schon von einer Kuh erwarten? Was sollte ich ihnen als Kuh geben oder sagen können?
Verzweifelt dachte ich an Bastet, die eine ähnliche, wenn nicht sogar dieselbe Sparte verkörperte, wie ich. Sie war eine Katze, majestätisch, geschmeidig.
Die Menschen liebten Bastet, sie liebten Katzen.v
Auch wenn Katzen keinen wirklichen Zweck erfüllten mochten die Menschen sie. – Nun gut, sie fraßen Mäuse. – Aber das taten Schlangen und Ratten auch.
Ansonsten empfand ich Katzen als kleine, gut getarnte Killermaschinen.
Trotzdem musste ich ihnen zugestehen, dass die Menschen sie verehrten. Vielleicht, weil sie schnurrten, weil ihr Fell weich war oder weil sie die Menschen an ihre größeren Artgenossen erinnerten.
Das brachte mich wieder zu meinem Problem: Wer hätte je von einem Menschen gehört, der eine Kuh liebte? – Einen Stier konnten sie eventuell lieben und verehren. Ein Stier hatte Hörner und das machte ihn gefährlich.
Aber eine Kuh? Eine Kuh gab Milch, sie war zahm und gemütlich. Man konnte sie schlachten und essen. Aus ihrem Fell konnte man Kleidung fertigen.
Sie waren nicht einmal schön. – Wer hätte je von einem Menschen gehört, der von einer Kuh sagte: „Hei, wow! Guck dir bloß diese Kuh an! Hast du jemals so eine schöne Kuh gesehen?“
Ich schlug frustriert mit dem Schwanz nach einer lästigen Fliege. – Ein weiterer Nachteil auf der nicht enden wollenden Liste.
Lebhaft konnte ich mir vorstellen, wie die anderen Götter – die großen Götter, die die in ganz Ägypten zu Hause waren – jetzt gemeinsam irgendwo zusammen saßen und lachten.
„Haha, wieder so ein Emporkömmling, der sich selbst in die Pfanne gehauen hat.“
„Aber wenigstens können seine Anhänger ihn essen, wenn er versagt!“
„Da soll mal wer behaupten Göttererfüllten keinen Zweck!“
Wirklich sehr komisch!
Vielleicht hätte ich auch darüber gelacht, wenn es nicht ausgerechnet mir passiert wäre.
Ich machte einen Schritt auf die Treppe zum Allerheiligen zu, in dem eine große vergoldete Frauenstatue stand.
Da! – Die hätten sie doch nur anbeten müssen!
Selbstmitleid brannte über mich hinweg, bevor sich mir plötzlich ein Mann mit einer roten Haube in den Weg stellte.
Irgendetwas schien hier ganz und gar nicht zu stimmen.
Zweifel überfielen mich und ich versuchte mich daran zu erinnern, wie genau ich hierher gekommen war.
Was ich vorher gewesen war.
Ein Wispern in der Nacht, ein unruhiger Traum, ein Gedanke, eine leise Stimme.
Ich erinnerte mich an Jahrzehnte, in denen ich mit anderen Stimmen im Wind geflüstert hatte, bis das Mädchen kam.
Sie war in die Einsamkeit der Stimmen gekommen, um ihrem Leben ein Ende zu bereiten.
Aber das wollte sie gar nicht wirklich. Sie war nur verzweifelt, weil ihr nie jemand zuhörte, weil sie nicht mehr glaubte.
Die anderen Stimmen erkannten das nicht, sie gaben ihr Recht und schmeichelten ihr.
Aber was nutzt ein toter Gläubiger? Nur eine weitere Stimme im Wind?!
Ich hörte ihr zu und widersprach.
Sie hörte mir zu und durch die Aufmerksamkeit des Mädchens verblassten die anderen Stimmen, während meine an Kraft gewann.
Ich erzählte ihr, wie schön das Leben war, dass allein die Liebe es wert war, weiter zu leben. Dass es immer jemanden gab, der einen liebte oder jemanden, den man lieben konnte.
Sie dankte mir mit einer Blume und damit, dass sie später ihren Kindern von mir erzählte.
Durch ihre Erzählungen wurde ich größer, fand mehr Kraft und mehr Stimme.
Und ich fand Anhänger, die an mich und die Liebe glauben wollten.
Mühsam arbeitete ich mich empor. – Nicht so, wie mach anderer Gott, der durch den Tod eines anderen einfach ein plötzlich entstehendes Machtvakuum besetzt hatte.
Nein! Ich hatte geplant und ein Konzept entwickelt, wie meine Anhänger friedlich die Welt verändern konnten. Wie sie allen Menschen ein glückliches Zuhause schaffen würden.
Und zum Dank war ich eine Kuh!?
Warum nichts Imposantes? Etwas Gefährliches? Oder zumindest etwas Großes, etwas, was einer Göttin angemessen war?
Ich schluckte mein Selbstmitleid herunter und ging weiter meine Erinnerungen durch, um einen Fehler in meiner Planung zu finden.
Meine Anhänger hatten angefangen einen Tempel für mich zu bauen – und ich bin vor Stolz beinahe geplatzt. Noch nicht einmal einen eigenen Körper, aber schon einen Tempel.
Mein Blick fiel auf die Menschen, die mich immer noch mit großen Augen ansahen, beinahe, als hätten sie nicht damit gerechnet, dass ihre Göttin vor ihnen erschien.
Ihre angespannte Erwartungshaltung schnürte mir fast den Atem ab.
Was sollte man dazu sagen?
Sperrten mich in den Körper einer Kuh – Zugegebenermaßen einer recht ansehnlichen Kuh, aber nichts desto trotz ein Rindvieh und erwarteten anscheinend, dass ich mich freute.
Ich wandte mich wieder dem Mann zu, der sich mir in den Weg gestellt hatte. Er stand etwas höher als ich. Ich blickte wieder nach unten.
Warum stand ich in einer breiten Rinne, die …
Verdammt!
Im letzten Moment sprang ich zurück. Das Messer verfehlte nur knapp meine Kehle.
Ich entfernte mich rückwärts von dem Mann und ließ ihn nicht aus dem Blick.
Diese Augen hatten auch Vorteile, wie ich jetzt erkannte. Sie machten es auf jeden Fall schwer, sich unbemerkt von hinten anzuschleichen.
Aber hinter mir war niemand. – Zumindest niemand, der lebte. Nur eine Lehmfigur zu der alle Opferblutrinnen liefen.
Vielleicht hätte ich Göttin des Humors werden sollen – des Galgenhumors!
„Ich bin hier! Hier drin!“, versuchte ich trotz besseren Wissens zu sagen. Genauso gut hätte ich von Anfang an nur: „Muh! Muh!“, sagen können.
Warum konnten Kühe nicht sprechen? Wenn diese Leute an mich glaubten, warum konnten sie mich nicht hören?
Und warum wussten sie nicht, dass ich hier drin war?
Der Mann mit dem Messer sprach beruhigend auf mich ein, während sich aus der Menschenmasse unter uns einige kräftig wirkende Männer lösten, um ihm zu helfen.
Sah ich wirklich so bescheuert aus?
Mit einem Satz sprang ich in den Mittelgang und brachte meine 500 Kilogramm Lebendgewicht in Bewegung.
Nach den ersten unbeholfenen Sprüngen sah ich mich im Stillen gezwungen, alles zurückzunehmen, was ich vorher über Kühe gesagt hatte.
Ich hatte nicht gewusst, wie schnell man als Kuh werden konnte, wenn man erst einmal eine gewisse Startgeschwindigkeit erreicht hatte. – Oder wie gut man Leute über den Haufen rennen konnte, wenn man sechsmal soviel wog wie sie.
Ich bemühte mich die Schmerzschreie zu überhören und preschte aus dem Tempel.
Für einige Nanosekunden dachte ich über die Option nach, dazubleiben, mich opfern zu lassen und abzuwarten, ob der Frauenlehmkörper tatsächlich lebendig wurde.
Zum Glück funktionierte ein Kuhhirn sehr einfach und pragmatisch. – Es glaubte nicht an Wunder.
Zumindest in diesem Punkt waren Kuhkörper und ich uns sehr einig: Besser eine lebendige Kuh, als ein blutiger Lehmklotz.
Außerdem waren Kühe sehr nützlich und ich hatte nicht vor auch nur eine einzige auf Verdacht zu opfern. Die Tatsache, dass ich diese Kuh war, spielte bei dieser Entscheidung zugegebenermaßen eine gewisse Rolle.
Die Hitze außerhalb des Gebäudes traf mich unvorbereitet. War es hier immer so heiß?
Ich hörte das Gezeter hinter mir und stürzte weiter geradeaus. Viele Auswahlmöglichkeiten blieben mir sowieso nicht. Das fruchtbare Gebiet des Nils war nicht allzu breit.
Wie lange konnte ich diese Jagd durchhalten?
Meine Hoffnung schrie: Solange wie nötig, aber mein Verstand war sich da nicht sehr sicher, denn er erinnerte mich an die Eigenschaften von Kühen. – Langstreckenlauf gehörte nicht dazu.
Ich bog von der staubigen Straße in ein Feld, welches mit hüfthohen Pflanzen überwuchert war.
Ich erkannte meinen Fehler schneller, als mir lieb war: Für mich machte es das Laufen schwerer, aber meine Verfolger mussten nur auf der platt gewalzten Spur hinterher rennen.
Ich schickte ein stummes Stoßgebet zum Himmel in der Hoffnung, dass irgendeiner der anderen Götter nicht lachte, sondern Mitleid mit mir hatte.
Beinahe im selben Moment änderte sich die Konsistenz der Luft um mich herum, wurde zähflüssig und verlangsamte meinen Lauf noch mehr.
Verzweifelt kämpfte ich mich vorwärts. Hatten sich jetzt auch noch die Götter gegen mich verschworen?
Mit einem leisen Geräusch gab das unsichtbare Hindernis nach. So plötzlich, dass ich fast gefallen wäre.
Schlagartig verstummen die Menschen hinter mir. Ich drehe mich um, doch es war niemand mehr zu sehen.
Dankbar atmete ich ein und mir wurde klar, dass ich ohne die fremde Hilfe nicht mehr weit gekommen wäre.
Wie von Außen nahm ich wahr, wie verschwitzt ich war, wie sich mein Körper bei jedem Atemzug aufblähte und wie sehr meine Vorderbeine vor Anstrengung zitterten.
Eine Bewegung in meiner unmittelbaren Nähe ließ mich herumfahren.
Die Frau, die in einem kleinen Meer aus niedergedrückten Pflanzen lag, starrte mich genauso entsetzt an, wie ich sie.
Als sie erkannte, dass ich nur eine Kuh war, ließ sie sich mit einem Seufzer der Erleichterung wieder zurücksinken.
„Dich muss der Himmel geschickt haben!“, murmelte sie leise, bevor sie die Augen schloss.
Ja, so ungefähr!, stimmte ich ihr stumm zu.
Sie zuckte krampfartig zusammen. Ich trat leise näher.
Schweiß stand ihr in dicken Tropfen auf der Stirn und sie schien schreckliche Schmerzen zu haben.
Sie riss die Augen auf und stöhnte.
Wehen, erkannte ich und leckte ihr tröstend die Stirn.
Sie murmelte etwas, was sich anhörte, wie: „Isis … nicht helfen … verdammt.“
Wenn ich ihr half, würde ich verdammt? – Lächerlich! Ich bin eine Kuh! Womit wollte man mir drohen?
Sie war allein und sie hatte Panik, natürlich würde ich bleiben! Verdammnis hin oder her.
Plötzlich wusste ich, was sie meinte. Was geschehen war. – Ihr Gatte Osiris war tot. Ermordet von seinem eigenen Bruder, Seth, der seine Rache durch den Tod des Ungeborenen vollenden wollte.
Isis glaubte, Seth würde es dabei auch in Kauf nehmen, mich zu töten.
Der Gedanke machte mir keine Angst. Nicht einmal mehr ein mulmiges Gefühl. – Wenn er meinen Tod wollte, bitte! Irgendwo dort Draußen liefen ungefähr 2000 Gläubige herum, die das auch wollten. Sollte er sich gefälligst hinten anstellen!
Isis schrie und riss mich aus meinen selbstgerechten Gedanken. Wieder eine Wehe.
Wie sehr wünschte ich mir, ich wäre ein Mensch und könnte ihr helfen.
Sie verdrehte die Augen.
Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, dass der Kopf des Kindes schon zu sehen war.
Die Göttin bäumte sich noch einmal auf, dann fiel sie zurück.
Das Kind war auf der Welt.
Isis? Isis?
Sie hatte die Augen geschlossen und bewegte sich nicht mehr.
Ich stupste sie vorsichtig an. Keine Reaktion.
Ich blies ihr ins Gesicht. Nichts.
Das Kind fing an zu schreien.
Grundgütiger!
Ich bin eine Kuh, Kleiner, ich kann dir nicht helfen!
Isis, verdammt!
Vorsichtig leckte ich das Blut von dem Kleinen ab. Es beruhigte sich für Sekunden, doch als es trocken war, begann es wieder zu schreien.
„Durst!“, hörte ich es in meinen Gedanken krakelen.
Ihr Götter, helft!
Isis?
Sie bewegte sich immer noch nicht.
Ihr Gesicht war immer noch Schmerzverzerrt und die Anstrengungen der Flucht hatten tiefe Furchen in die ansonsten edlen Züge gemeißelt.
„Bitte?! Durst!“, klagte der Junge in meinen Gedanken.
Als ich mich zu ihm drehte, erschrak ich. Sein kleiner Körper war blau angelaufen und wirkte aufgequollen.
Auf einmal wusste ich, dass auch ihn die Flucht fast umgebracht hätte. – Oder es vielleicht noch tat, wenn Isis nicht bald aufwachte.
Isis, bitte!
Ich stupste die Göttin an, doch es war das leise, geistige Weinen des Jungen das antwortete.
„Milch!“, hauchte die Stimme schwach.
Wenn ich doch nur ein Mensch wäre, dann könnte ich …
Dann begriff ich.
Vorsichtig legte ich mich so nah es ging zu dem Kind und rollte mich auf die Seite. Durch Bewegungen versuchte ich mich näher zu dem Jungen zu bugsieren.
„Komm her! Hier gibt es Milch!“, lockte ich in Gedanken und hoffte, dass es stimmte. Das ich Kuh genug war, um Milch geben zu können.
Mit einer überraschend kräftigen Bewegung griff das Kind nach meinem Euter.
Aua!
Verflixt, Kleiner! Das geht sicher auch sanfter!
Als hätte er mich gehört, saugte er behutsam – und Milch kam!
„Sag ich doch! Nützlich!“ Erleichterung durchflutete mich in breiten Wogen und ich gab mich ihr hin, während der Knirps seinen Appetit stillte.
Schließlich schlief er halb auf mir ein. Er fühlte sich überraschend lebendig an.
Ich lachte.
Und stutzte.
Ein Lachen? Ein echtes Lachen?!
Unwillkürlich fasste ich mir mit der Hand an die Lippen. Dann starrte ich meine Hand an und spürte, wie mir Tränen die Wangen hinunter liefen.
Trotzdem riskierte ich einen Blick auf den Rest meines Körpers.
Wunderbar! Perfekt!
Vorsichtig hielt ich das Kind, während ich aufstand.
Ja! Diese Bewegungen fühlten sich richtig an. So hatte ich mir das von Anfang an vorgestellt.
Leise trug ich das Kind zu Isis. Ihre Augen waren immer noch geschlossen.
Aber ich konnte das Heben und Senken ihres Brustkorbes erkennen.
Ich hockte mich neben sie auf den Boden.
„Es ist tot, Hathor! Ich habe verloren, ich habe alles verloren!“ Ihre Stimme war nur ein Hauch im Wind. „Seth hat gewonnen!“
Behutsam strich ich ihr mit meinen Fingern über die Wangen. „Hat er nicht!“, beruhigte ich sie.
Die Göttin riss verwundert die Augen auf und betrachtete mich erstaunt.
Ich lächelte und hielt ihr den kleinen Jungen hin.
„Es lebt!“
Und ich? Ich lebte auch!
Autor: Jennifer Schreiner
JenniSchreiner@aol.com
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Ich bin der Kater Cooniebert
Und kämpf mit meinem Gummischwert.
„Der vierte Musketier“,
so sagt mein Mensch zu mir.
Muskel-Tier? – Oh, junger Vater!
Wenn schon, dann bitte „Muskel-Kater“!
Autor: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
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Gespeichert unter: Vögel
Es war einmal ein allerliebstes Entlein, das hatte so hässliche Eltern, dass es sich ihrer in ungeziemender Weise schämte. Wann immer es auf seine Erzeuger angesprochen wurde, verleugnete es die zwei großen, weißen Schwäne: „Was scheren mich diese Vögel, ich kenn’ sie nicht und mag auch nichts mit ihnen zu tun haben“, antwortete das Entlein ziemlich ausweichend.
Die Eltern waren ob dieser Niederträchtigkeit ihres Sprosses keineswegs empört, nein, sie waren nur traurig, so traurig, dass sie vor Kummer bald das Zeitliche segneten.
Der Tod seiner Eltern rührte das Entlein wie der Donner. Es ging in sich und erforschte sein Gewissen. Das sagte ihm unmissverständlich: „Wow, jetzt bist du sie los!“
Das war die lehrreiche Geschichte, die, wie wir alle erkennen, das vierte Gebot zum Inhalt hatte.
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
Gespeichert unter: Rosmaringo
Aus Langweil’, sprich Zerstreuungsmangel,
Verfällt ein Fisch auf Wurm und Angel.
Er hält die Rute ans Gestade
Des Weihers an der Promenade.
Herrn Maier reizt der Wurm mitnichten,
Auch Anna Huber kann verzichten.
Der Fisch probiert’s mit Habenzinsen,
Streckt Anteilsscheine aus den Binsen.
Jetzt beißen sie, die Teichpassanten,
Bald zappeln Greise, Väter, Tanten,
Denn schließlich sind die Scheine Renner.
Der Fisch ist nunmehr Menschenkenner.
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
Gespeichert unter: Rosmaringo
Ganz beinlos kriecht das Tier durchs Leben,
Trotzdem reizt es auf mit Strapsen.
Ein Hirngespinst , das soll es geben?
Lasst uns nicht im Dunkeln tapsen!
Wie kann ein Tier mit Strapsen reizen,
Wenn es ohne Beine ist?
Da will uns jemand wohl verheizen?
Blank liegt des Erzählers List.
Doch drüben überm großen Teich
Ist das Rätsel keusch zu lösen.
Dort liegt der Strumpfbandnattern Reich,
Wo sie eher reizarm dösen.
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



