Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Der kleine Vogel
1, 29 Januar, 2007, 4:13
Gespeichert unter: Klassiker

Ein Mann und eine Frau wohnten in einem hübschen kleinen Hause, und es fehlte ihnen nichts zu ihrer vollen Glückseligkeit. Hinter dem Hause war ein Garten mit schönen alten Bäumen, in dem die Frau die seltensten Pflanzen und Blumen zog. Eines Tages ging der Mann im Garten spazieren, freute sich über die herrlichen Gerüche, welche die Blumen ausströmten, und dachte bei sich selbst: „Was du doch für ein glücklicher Mensch bist und für eine gute, hübsche, geschickte Frau hast!“ Wie er das so bei sich dachte, da bewegte sich etwas zu seinen Füßen.

Der Mann, der sehr kurzsichtig war, bückte sich und entdeckte einen kleinen Vogel, der wahrscheinlich aus dem Neste gefallen war und noch nicht fliegen konnte.

Er hob ihn auf, besah ihn sich und trug ihn zu seiner Frau.
„Herzensfrau“, rief er ihr zu, „ich habe einen kleinen Vogel gefangen; ich glaube, es wird eine Nachtigall!“

„Lieber gar!“ antwortete die Frau, ohne den Vogel auch nur anzusehen; „wie soll eine junge Nachtigall in unseren Garten kommen? Es nisten ja keine alten drin.“

„Du kannst dich darauf verlassen, es ist eine Nachtigall! Übrigens habe ich schon einmal eine in unserem Garten schlagen hören. Das wird herrlich, wenn sie groß wird und zu singen beginnt! Ich höre die Nachtigallen so gern!“

„Es ist doch keine!“ wiederholte die Frau, indem sie immer noch nicht aufsah; denn sie war gerade mit ihrem Strickstrumpfe beschäftigt, und es war ihr eine Masche heruntergefallen.

„Doch, doch!“ sagte der Mann, „ich sehe es jetzt ganz genau!“ und hielt sich den Vogel dicht an die Nase.

Da trat die Frau heran, lachte laut und rief: „Männchen, es ist ja bloß ein Spatz!“

„Frau“, entgegnete hierauf der Mann und wurde schon etwas heftig, „wie kannst du denken, daß ich eine Nachtigall gerade mit dem Allergemeinsten verwechseln werde, was es gibt! Du verstehst gar nichts von Naturgeschichte, und ich habe als Knabe eine Schmetterlings- und eine Käfersammlung gehabt.“

„Aber, Mann, ich bitte dich, hat denn wohl eine Nachtigall einen so breiten Schnabel und einen so dicken Kopf?“

„Jawohl, das hat sie; und es ist eine Nachtigall!“

„Ich sage dir aber, es ist keine; höre doch, wie er piepst!“

„Kleine Nachtigallen piepsen auch.“

Und so ging es fort, bis sie sich ganz ernstlich zankten. Zuletzt ging der Mann ärgerlich aus der Stube und holte einen kleinen Käfig.

„Daß du mir das eklige Tier nicht in die Stube setzt!“ rief ihm die Frau entgegen, als er noch in der Türe stand. „Ich will es nicht haben!“

„Ich werde doch sehen, ob ich noch Herr im Hause bin!“ antwortete der Mann, tat den Vogel in den Käfig, ließ Ameiseneier holen und fütterte ihn – und der kleine Vogel ließ sich’s gut schmecken.

Beim Abendessen aber saßen der Mann und die Frau jeder an einer Tischecke und sprachen kein Wort miteinander.

Am nächsten Morgen trat die Frau schon ganz früh an das Bett ihres Mannes und sagte ernsthaft: „Lieber Mann, du bist gestern recht unvernünftig und gegen mich sehr unfreundlich gewesen. Ich habe mir eben den kleinen Vogel noch einmal besehen. Es ist ganz sicher ein junger Spatz; erlaube, daß ich ihn fortlasse.“

„Daß du mir die Nachtigall nicht anrührst!“ rief der Mann wütend und würdigte seine Frau keines Blickes.

So vergingen vierzehn Tage. Aus dem kleinen Häuschen schienen Glück und Friede auf immer gewichen zu sein. Der Mann brummte, und wenn die Frau nicht brummte, weinte sie. Nur der kleine Vogel wurde bei seinen Ameiseneiern immer größer, und seine Federn wuchsen zusehends, als wenn er bald flügge werden wollte. Er hüpfte im Käfig umher, setzte sich in den Sand auf dem Boden des Käfigs, zog den Kopf ein und plusterte die Federn auf, indem er sich schüttelte, und piepste und piepste – wie ein richtiger junger Spatz. Und jedesmal, wenn er piepste, fuhr es der Frau wie ein Dolchstich durchs Herz. -

Eines Tages war der Mann ausgegangen, und die Frau saß weinend allein im Zimmer und dachte darüber nach, wie glücklich sie doch mit ihrem Manne gelebt habe; wie vergnügt sie von früh bis zum Abend gewesen seien und wie ihr Mann sie geliebt – und wie nun alles, alles aus sei, seit der verwünschte Vogel ins Haus gekommen.

Plötzlich sprang sie auf, wie jemand, der einen raschen Entschluß faßt, nahm den Vogel aus dem Käfig und ließ ihn zum Fenster in den Garten hinaushüpfen.

Gleich darauf kam der Mann.

„Lieber Mann“, sagte die Frau, indem sie nicht wagte, ihn anzusehen, „es ist ein Unglück passiert; den kleinen Vogel hat die Katze gefressen.“

„Die Katze gefressen?“ wiederholte der Mann, indem er starr vor Entsetzen wurde; „die Katze gefressen? Du lügst! Du hast die Nachtigall absichtlich fortgelassen! Das hätte ich dir nie zugetraut. Du bist eine schlechte Frau. Nun ist es für ewig mit unserer Freundschaft aus!“ Dabei wurde er ganz blaß, und es traten ihm die Tränen in die Augen.

Wie dies die Frau sah, wurde sie auf einmal inne, daß sie doch ein recht großes Unrecht getan habe, den Vogel fortzulassen, und laut weinend eilte sie in den Garten, um zu sehen, ob sie ihn vielleicht dort noch fände und haschen könnte. Und richtig, mitten auf dem Wege hüpfte und flatterte das Vögelchen; denn es konnte immer noch nicht ordentlich fliegen.

Da stürzte die Frau auf dasselbe zu, um es zu fangen, aber das Vögelchen huschte ins Beet und vom Beet in einen Busch und von diesem wieder unter einen anderen, und die Frau stürzte in ihrer Herzensangst hinter ihm her. Sie zertrat die Beete und Blumen, ohne im geringsten darauf zu achten, und jagte sich wohl eine halbe Stunde lang mit dem Vogel im Garten herum. Endlich erhäschte sie ihn, und purpurrot im Gesicht und mit ganz verwildertem Haar kam sie in die Stube zurück. Ihre Augen funkelten vor Freude, und ihr
Herz klopfte heftig.

„Goldner Mann“, sagte sie, „ich habe die Nachtigall wieder gefangen. Sei nicht mehr böse; es war recht häßlich von mir!“

Da sah der Mann seine Frau zum ersten Male wieder freundlich an, und wie er sie ansah, meinte er, daß sie noch nie so hübsch gewesen wäre wie in diesem Augenblicke. Er nahm ihr den kleinen Vogel aus der Hand, hielt ihn sich wieder dicht vor die Nase, besah ihn sich von allen Seiten, schüttelte den Kopf und sagte dann: „Kindchen, du hattest doch recht! Jetzt sehe ich’s erst; es ist wirklich nur ein Spatz. Es ist doch merkwürdig, wie sehr man sich täuschen kann.“

„Männchen“, erwiderte die Frau, „du sagst mir das bloß zuliebe. Heute sieht mir der Vogel wirklich selbst ganz wie eine Nachtigall aus.“

„Nein, nein!“ fiel ihr der Mann ins Wort, indem er den Vogel noch einmal besah und laut lachte, „es ist ein ganz gewöhnlicher – Gelbschnabel.“ Dann gab er seiner Frau einen herzhaften Kuß und fuhr fort: „Trag ihn wieder inden Garten und laß den dummen Spatz, der uns vierzehn Tage lang so unglücklich gemacht hat, fliegen.“

„Nein“, entgegnete die Frau, „das wäre grausam! Er ist noch nicht recht flügge, und die Katze könnte ihn wirklich kriegen. Wir wollen ihn noch einige Tage füttern, bis ihm die Federn noch mehr gewachsen sind, und dann – dann wollen wir ihn fliegen lassen!“ -

Die Moral von der Geschichte aber ist: wenn jemand einen Spatz gefangen hat und denkt, es sei eine Nachtigall – sag’s ihm beileibe nicht; denn er nimmt’s sonst übel, und später wird er’s gewiß von selbst merken.

Quelle: Quelle: Richard von Volkmann-Leander (1830 – 1889): Träumereien an französischen Kaminen, Leipzig 1871, Nr. 18



Bienen und Wespen
1, 29 Januar, 2007, 2:29
Gespeichert unter: Rosmaringo

Die Honigbiene oder Imme
Ist teils beliebt, teils aber nicht,
Weil dann und wann die tückisch Schlimme
Den Honigfreund recht schmerzhaft sticht.

Die Wespen sind hingegen ehrlich.
Sie geben nichts und stechen doch.
Ihr Sammelgut ist echt entbehrlich,
Und wo sie stechen, ist ein Loch.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



Rinderträume
1, 24 Januar, 2007, 10:50
Gespeichert unter: Rosmaringo

Liegen Rinder wiederkauend
Im fetten Gras, dann träumen sie,
Sehnsuchtsvoll ins Blaue schauend,
Von Cowboys, Gauchos und Prärie.

Hierzulande leiten Drähte
Pulsierend-ärgerlichen Strom.
Wundert’s, wenn die Kalbin Grete
Von Hirten träumt mit Menschgenom?

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



Karin Sehlhoff: Mimi, der Paderborner Weihnachtskater. 24 Adventsgeschichten, erzählt von einer Samtpfote
1, 23 Januar, 2007, 2:23
Gespeichert unter: Bücher

Ein hinreißendes Katzenbuch – und ein immerwährender „Adventskalender“

Karin Sehlhoff: : Mimi, der Paderborner Weihnachtskater. 24 Adventsgeschichten, erzählt von einer Samtpfote, mit zahlreichen schwarz-weiß-Illustrationen, Norderstedt, 2006, Books on Demand GmbH, ISBN 10: 3-8334-6385-6, ISBN 13: 978-3-8334-6385-3, flexibler Einband, 164 Seiten, Format: 17,2 x 22,4 x 1,5 cm, EUR 11,90.

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Für einen kleinen Kater ist das ganze Leben neu und spannend. Jeden Tag entdeckt er etwas Aufregendes. Vor allem, wenn er, wie Kater Mimi, von einem Bauernhof kommt und auf Umwegen als Hauskatze im gemütlichen Häuschen eines Ehepaares landet.

Frauchen und Herrchen sorgen gut für den kleinen Mimi. Er wird geliebt, gefüttert und gestreichelt, geimpft und entfloht. Auch wenn er an diese Maßnahme nicht die allerbesten Erinnerungen hat: zu viel Shampoo und viel zu viel Wasser …

So lieb Mimi seine Menschen auch hat, so wenig versteht er manchmal, was sie tun. Was sind das nur für sonderbare Aktivitäten, die sie in der kalten Jahreszeit auf einmal entfalten? “Advent” sei, erklären sie ihm. Und dass sie auf Weihnachten warten. Darunter kann Mimi sich nicht viel vorstellen, verfolgt aber dennoch interessiert die Vorbereitungen.

Wenn Weihnachten so sehnsüchtig erwartet wird, wird das doch sicher auch mit gutem Essen verbunden sein, vermutet er. Voller Neugier springt er in den Karton mit der Weihnachtsdekoration – und landet unverhofft auf etwas stacheligem Grünen – einer künstlichen Tannengirlande. Seine Begeisterung für den Advent hält sich fürs Erste in Grenzen.

Der duftende Adventskranz aus echtem Tannenreisig, die Kerzen, Geschenkbänder und vor allem die Walnüsse, die man so schön durch die Wohnung kicken kann, finden schon eher seinen Beifall. Genau wie Besucher, die die Taschen voller Geschenke haben. Wenn auch nicht alles darin von Haus aus für Mimi gedacht war …

Mimi ist eben ein Stubentiger, wie wir ihn kennen und lieben – und wie alle Vertreter seiner Gattung davon überzeugt, der Mittelpunkt des Universums zu sein. Dass etwas nicht zu seiner Unterhaltung geschieht, das kann er sich gar nicht vorstellen.

Beim Basteln will er ebenso dabei sein wie beim Plätzchenbacken. So genau verfolgt er das Geschehen in der Küche, dass er vor lauter Eifer vom Kratzbaum purzelt. Und von den leckeren Plätzchen kosten will er natürlich auch. Dabei muss er feststellen: Zimtsternenkrümel sind köstlich – „Zitrobart“ (Zitronat) dagegen schmeckt ausgesprochen widerlich. Da sind ihm seine Katzendrops doch lieber.

Mimi macht Bekanntschaft mit dem Nikolaus, dem ersten Schnee, mit Besuchern, die keine Katzen vertragen und mit Weihnachtspost und Weihnachtsgeschenken.

Besonders aufregend gestaltet sich der Hausputz und die große Wäsche, was offenbar alles zu den Vorbereitungen auf den ersehnten Festtag gehört. Mimi hat eine unheimliche Begegnung mit Putzeimer und Wischmopp – und verleiht dem Spruch „dumm aus der Wäsche gucken“ eine ganz neue Bedeutung.

Zu wahren Begeisterungsstürmen reißt ihn der Weihnachtsbaum hin: Ein wunderbar duftender Pieks-Kletterbaum ganz für ihn allein – und mitten im Wohnzimmer! Doch er muss lernen, dass der Weihnachtsbaum ebenso wenig nur für ihn gedacht ist wie die Krippe. Seine Klettertouren im Baum sind kaum zu verheimlichen, weil die Glöckchen daran immer so verräterisch klingeln.

Und dann ist es endlich so weit: Heiligabend ist da und Mimi erlebt tatsächlich sein allererstes Weihnachtsfest …

MIMI, DER PADERBORNER WEIHNACHTSKATER ist nicht nur eine mit liebevollem Augenzwinkern erzählte Katzengeschichte – es ist ein Adventskalender in Katzenbuchform. Die 24 Adventsgeschichten sind wie geschaffen dafür, jeden Tag im Dezember eine davon zu lesen – oder vorzulesen – und mit dem kleinen Kater die Vorfreude auf das Weihnachtsfest zu erleben. Gerade weil für den Kleinen alles so neu ist, lebt hier der Zauber wieder auf, den Weihnachten hatte, als wir noch Kinder waren. Vielleicht wird die tägliche Lesung aus dem Mimi-Adventskalender ja sogar zu einer Familientradition. Und alle warten schon gespannt auf ihre Lieblingsstellen.

Was nicht heißen soll, dass man die Geschichten nur zur Weihnachtszeit genießen kann. Unterhaltsame Katzengeschichten, aus dem wahren Leben gegriffen, sind stets ein zeitloses Vergnügen.

KARIN SEHLHOFF, Jahrgang 1969, ist von Beruf Erzieherin und war viele Jahre in leitender Stellung tätig, bevor sie sich mit einer telefonischen Beratungspraxis selbständig machte: Als ausgebildete psychologische Beraterin begleitet sie Menschen durch schwierige Phasen ihres Lebens. Die Autorin lebt mit Mann und Kind – und Kater Mimi natürlich – in Hövelhof.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http://www.aufriss.de



Jocky, der barmherzige Samariter
1, 22 Januar, 2007, 10:19
Gespeichert unter: Katzen

Vorurteile sterben nicht aus. Sogar Tiere müssen darunter leiden; heißt es doch: Katzen seien unsozial und egoistisch. Hier jedoch der Gegenbeweis:

Nachbars schwarzer Kater Jocky – groß, stolz und mächtig, fing im vergangenen Herbst immer wieder trächtige „Mäusinnen“. Die schleppte er dann auf die Terrasse zum Lieblingsplatz unserer
zahnlosen, halbblinden hochbetagten Sira, die dort die letzten Strahlen der wärmenden Sonne genoss.

„Waidgerecht“ (nach Katzenart) erlegte Jocky dort die Mäusinnen, brach sie auf und legte die kleinen Mäuse-Embryos fein säuberlich nebeneinander vor Sira hin. So brauchte sie sie nur noch zu schlucken

Meiner Nachbarin grauste es jedes Mal, wenn sie dieses makabre Schauspiel sah; ein bisschen gerührt ob diese Fürsorge war sie aber doch schon!

Sunny, unser „jugendlicher Held“, wollte natürlich auch seinen Anteil haben. Aber ein paar unmissverständliche Tatzenhiebe – verbunden mit wütendem Fauchen – zeigten ihm jedoch schnell seine Grenzen auf.

Eine Münchener Katze „Schuftl“ kraxelte, wenn sie glaubte, alle seien im Bett, auf den hohen Schrank zum Weihnachtsteller, um ihrem Dackelfreund „Purzel“ Plätzchen (Brötle) runterzuwefen.

Dass im neuen Jahr jeder etwas zu beißen oder wenigstens zu schlucken hat, wünscht allen
Hiltraud Hotschewar aus Walbertsweiler.

Autor: Hiltraud Hotschewar
hilhot.web.de



Artbestimmung
1, 18 Januar, 2007, 1:04
Gespeichert unter: Rosmaringo

Bestimmbar ist die Rabenkrähe
Mit Fernglas schon aus weiter Ferne.
Ansonsten nützt nur nächste Nähe,
Doch Vögel haben das nicht gerne.

Wer wandert schon mit Teleskop
Durch Wiese, Feld und Hain und Flur?
Die Artbestimmung wird zum Flop,
Man sieht nur schwarz, doch nicht Kontur.

Das Auge, unbewaffnet schwächlich,
Erkennt nicht Dohlen, Raben, Krähen.
Und solches ist nicht nebensächlich,
Das wird wohl jedermann verstehen.

Man stelle sich das Unglück vor,
Ein echter Tiererkennungs-GAU.
Man hört beinah der Vögel Chor:
Verwende Brillen, eitler Pfau!

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



Wie man Geschichten einreicht
1, 7 Januar, 2007, 3:27
Gespeichert unter: Internes

Da mancher Besucher dieser Seite die Ursprünge von tiergeschichten.de gar nicht mehr kennt sondern gleich hier über den neuen blog einsteigt: Um eine Geschichte einzureichen, mailt Text und Bilder bitte an feedback@tiergeschichten.de. Wir prüfen dann den Beitrag und stellen ihn online.

Liebe Grüße
Edith vom Tiergeschichten-Team



Warum Muscheln nichts von Jean Juliet halten
1, 5 Januar, 2007, 1:04
Gespeichert unter: Rosmaringo

Wer kann Hans Moser imitieren,
Das Volk somit zum Lachsturm führen?
Am Klang der Sprache mit Polypen
Versuchen sich die schrägsten Typen.
Gesichert ist, dass Meeresmuscheln
Beim Sprechen nie und nimmer nuscheln.
Daher sind Moserinterpreten
Bei Muscheln logisch nicht vertreten.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



Susanne Goga: Leo Berlin. Kriminalroman
1, 3 Januar, 2007, 12:02
Gespeichert unter: Bücher

Packender Krimi aus dem Berlin der 20-er Jahre

Susanne Goga: Leo Berlin. Kriminalroman, München 2005, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, ISBN: 3-423-24468-2, Flexibler Einband, 278 Seiten, Format: 13,5 x 21 x 2,6 cm, EUR 14,–

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Berlin 1922: Schreck in der Abendstunde für die Haushälterin Elisabeth Moll: Ihr Arbeitgeber, der Wunderheiler Sartorius, liegt tot im Wohnzimmer, erschlagen mit einer Buddha-Statue aus Jade. Zu seinen Patienten zählte vor allem die Berliner Prominenz. Hatte aus diesem Personenkreis jemand ein Tatmotiv?

Kriminalkommissar Leo Wechsler ermittelt und findet schnell heraus, dass Sartorius nicht unbedingt ein blütenreiner Saubermann war. Einige seiner Patienten therapierte er mit Kokain – damals so illegal wie heute. Nahm er es mit der Diskretion vielleicht auch nicht so genau? Ist gar Erpressung im Spiel?

Die Ermittlungen in den besseren Kreisen erweisen sich schnell als heikle Angelegenheit. Die eigenmächtigen Aktionen seines Kollegen von Malchow machen Leo Wechsler zusätzlich das Leben schwer.

Da geschieht ein zweiter Mord: Im ärmlichen Scheunenviertel wird Erna Klante, eine ältere Prostituierte, erdrosselt aufgefunden. Einziges Indiz: Ein teurer Knopf, der am Tatort gefunden wird und der nicht zur Bekleidung der Toten gehören kann.

Eine innere Stimme sagt Kommissar Wechsler, dass diese beiden Mordfälle womöglich zusammenhängen. Eine Theorie, die weder Kollegen noch Vorgesetzte nachvollziehen können. Was soll der Wunderheiler der besseren Gesellschaft mit der alternden Hure zu tun gehabt haben? Doch Leo Wechsler ist für seine Hartnäckigkeit bekannt. Vielleicht gab es ja in der in der Vergangenheit eine Verbindung zwischen Sartorius und dem zweiten Opfer? Wer war Erna Klante, bevor sie in der Gosse landete? Er forscht nach …

Parallel zu der Geschichte von Leo Wechsler wird die des Mörders erzählt. Immer wieder streut die Autorin seine Gedanken ein. Dadurch ist der Leser den Ermittlern stets einen Schritt voraus. Und die Frage heißt hier nicht, wie im klassischen Krimi: „Wer war es?“, sondern: „(Wie) werden sie ihn kriegen?“ Die Spannung entsteht aus dem Katz- und Maus-Spiel zwischen dem Täter und der Polizei. Manchmal möchte man aus seiner wissenden Position heraus die Personen in dem Roman in die richtige Richtung schubsen, wenn wieder eine Chance auf Aufklärung haarscharf verpasst wurde: „Jetzt sag doch schon, was du weißt, Mann! Das ist kein Geschwätz, das ist WICHTIG!“

Die zwei ungelösten Mordfälle sind jedoch nicht Leo Wechslers einziges Problem. Ständig hat er Ärger mit seinem Kollegen von Malchow. Der ist ebenso arrogant wie unfähig, gehört aber – wie ein Großteil der Kriminalpolizei – dem Adelsstand an und genießt dadurch unfassende Protektion. Und wenn es noch so kontraproduktiv ist, was er tut: Er kommt damit durch. Wechsler, den weder Adelstitel noch Kriegsehren auszeichnen, sondern nur seine gute Arbeit, treibt von Malchows impertinentes Verhalten zur Weißglut.

Auch in Wechslers Privatleben gibt es Spannungen: Er ist seit drei Jahren verwitwet und hat zwei Kinder. Seit dem Tod seiner Frau führt ihm seine jüngere Schwester Ilse den Haushalt, die so langsam das Gefühl hat, vor lauter Pflichterfüllung ihr eigenes Leben zu versäumen. Dann erkrankt auch noch Tochter Marie …

Das Privatleben des Kommissars ist ein zentrales Element des Romans, ohne dass es den Kriminalfall dominiert. Gerade an den häuslichen Verhältnissen und an der familiären Situation Wechslers wird der gesellschaftliche Hintergrund deutlich. Wenn Ilse über die irrwitzigen Preissteigerungen klagt und sich die Familie zu Mittag mit Pellkartoffeln und Margarine begnügen muss, wenn Leos Sohn vom Lehrer Prügel bezieht, weil er einen jüdischen Schulkameraden gegen ungerechtfertigte Angriffe verteidigt, dann ist das Geschichte zum Mitfühlen. Oder wie es die Autorin Rebecca Gablé formuliert: „Leo Berlin ist eine Zeitreise erster Klasse.“

Wer sich unbedingt davon überraschen lassen möchte, wer der Täter ist, für den ist LEO BERLIN wohl nicht der richtige Tipp. Wer aber gerne schlauer ist als die ermittelnden Beamten – und deshalb vielleicht sogar zu den Menschen gehört, die den Schluss eines Kriminalromans zuerst lesen – schwebt hier im siebten Krimihimmel. Wenn Sie sich also für die Hintergründe und Umstände einer Tat genauso interessieren wie für die Ermittlungsarbeit, werden Sie sich bestens unterhalten. Glaubwürdige Charaktere, eine lebendige Sprache sowie der wohl dosierte Einsatz von Zeitgeist und Lokalkolorit tragen das Ihrige dazu bei.

Für alle, denen nach Abschluss der Ermittlungen der Abschied von Leo Wechsler und dem Berlin der 20-er Jahre schwer fällt: Der Kriminalkommissar ermittelt weiter … in dem Band TOD IN BLAU.

Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com

http://www.aufriss.de



Regnerisch
1, 2 Januar, 2007, 7:18
Gespeichert unter: Rosmaringo

Ein Regensburger Regenwurm
Erblickt nach Regenzeit und Sturm,
Erstaunt erregt ’nen Regenbogen.
Ein Regenpfeifer kam geflogen.

Des Vogels Iris, uns vertraut,
Als Regenpfeiferbogenhaut,
Visiert den Wurm pupillisch an,
Und Schnabelhiebe regnet’s dann.

Der Regenwurm wird zweigeteilt,
Ein Rest im Regenpfuhl verweilt.
Dem Regensburger Wurm ist’s Schnürze
Regeneriert er doch in Kürze.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at