Gespeichert unter: Katzen
Weil er so fabelhaft vom schwarzblauen Himmel gefallen ist. Weil er so fabulös im dunklen Garten stand, auf einmal, aus dem Nichts, neben mir, ganz dicht an meinem Bein. Mit seinem pechschwarzen Fell. Feucht und ungemütlich, überhaupt nicht einladend für einen ausgedehnten Katerspaziergang war dieser Abend. Der Mond war
viel zu faul, als dass er sich dieses Schauspiel hätte ansehen wollen.
Fabulon, weil er sich so fabelhaft an mich heran geschlichen hat auf seinen schwarzen Pfotenballen. Weil er die dunklen Tiefen meiner Seele mit seinen fluoreszierenden Schrägaugen erhellen will.
Weil er nur 23 weiße Haare trägt, brav nebeneinander angeordnet,
auf seiner pechschwarzen Katerbrust.
Ja, einen Pakt hat er geschlossen mit Mutter Natur. Unabsichtlich.
Sie lässt ihn fast unsichtbar sein in seiner Schwärze und fordert dafür die Gabe, einen Menschen sehend zu machen. Einen zu finden, den es heißt zu umgarnen, zu überzeugen, ihm ein zu Hause zu schenken, ihn aufzunehmen. Den stillen Stolz nicht überwinden, sondern mit ihm, in seiner ruhenden Würde sich wie ein Bettler auf vier Pfoten anbiedern, etwas scheu distanziert, aber aus reinem Herzen.
Solch eine Wahl zu treffen ist wahrlich schwer.
Mutter Natur hatte in ihrer Eigensinnigkeit bei der Geburt von Fabulon nicht bemerkt, dass ganz in der Nähe sein Schutzengel flatterte. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt gewesen, alle Katzengene so zu ordnen, dass eine durch und durch schwarz gefärbte Kreatur entstehen sollte. Immer wieder kamen ein paar helle Stellen hervor, vereinzelt huschten rötliche Tupfer vorbei, die sie sofort in schwarze Fellfarbe verwandeln musste. Mutter Natur hatte mächtig viel zu tun. Sie musste höllisch aufpassen, denn die Gene wollten sich schneller als die Lichtgeschwindigkeit verbreiten.
Der Schutzengel nutzte diese Gelegenheit und breitete seine hilfreiche Güte über Fabulon aus. Ohne Worte. Von diesem Moment an war er mit allen Energien von seinem Hilfsmenschen verbunden. Beide Seelen trugen ein Band, ein unsichtbares Band, das nie zerreißen konnte. Mutter Natur funkte immer wieder dazwischen und zischte etwas von Perfektion in der Gesamtheit. Sie erwischte den Schutzengel und verscheuchte ihn. Wie sie in ihrer Selbstherrlichkeit meinte, in letzter Sekunde. Aber Fabulons Schutzgeist konnte noch die Zeitbestimmung flüstern: „Vor deinem 3. Lebensjahr bringe ich dir dein Zuhause, Fabulon, so ist es vorgesehen.“
„Fabulon, sei tapfer, Fabulon!“
Mutter Natur wurde übertönt von diesen vier Wörtern. Im Herzschlag-rhythmus waren sie überall zu hören, wie Pingpongbälle hüpften sie zwischen allen Wolken, zwischen Sonne und Mond und allen Sternen hin und her. Es dauert solange, bis Mutter Natur der Meinung war, ihr Meisterwerk der schwarzen Schöpfung vollbracht zu haben.
„Ist mir egal wie er heißt, Hauptsache, er ist schwarz, pechschwarz, rabenschwarz, tiefschwarz!“
Mutter Natur verabschiedete sich und war sichtlich zufrieden mit ihrem Ergebnis. Sie war schon etwas älter und manchmal ließ ihre Sehkraft etwas nach. So konnte sie auch nicht erkennen, wie Fabulons Schutzengel 23 weiße Haare auf der winzigen Katerbrust versteckt hatte und noch eins am Hals und eins auf der Schulter. Sie waren die Liebestupfer, die ihn zu seinem Menschen führen sollten.
© JO 7-11-06
Autor: Henriette Jorjan
hejo@online.de
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Draußen ist es schon sehr dunkel. So tiefschwarz …..wie? Ja, ohne hellen Schnickschnack. Nur zwei schräge Grüngucker und wenn ich richtig gezählt habe: fünf weiße Haare. Wo? auf der Brust. Gott sei Dank gesund, nur wenige Zecken, keine Drecksöhrchen, kein abgemagertes Gerippe. Kein bedauernswertes Geschöpf, das mit letzter Kraft Lebenshalt sucht. Ja, WAS denn nun?
Määääk Määääk und gleichzeitig zu Tijo, unserem Oberwachtmeister: „Mensch alter Junge, nu sei nicht so eifersüchtig, mir gefällt es bei euch! Mehr nicht. Einfach total gut, schnurrrrrrrrr.“
Ja, das ist er: einschmeichelnd, unwiderstehlich einschmeichelnd. Schlawiner, Hinterrückseinschleimer! Wieder eine Nr. 5, nur sieht er ganz anders aus als die anderen Nr. 5. So etwas einheitlich Schwarzes hatte ich noch nie. Rabenschwarz. So schwarz, dass niemand es bemerken konnte, wie er vom dunklen Katzenhimmel gefallen ist. Ich w e i ß, dass er ein Monsieur ist. Hab ich erfühlt, fast unmerklich für ihn. So spreche ich ihn auch an, mit Monsieur. Mehr fällt mir zurzeit nicht ein. Ich will gar keinen Namen finden für einen pottschwarzen, hübschen, wunderschönen, schmusigen, liebevoll Köpfchen an meinen Beinen reibenden Terrassen- und Gartenschwärmer! Nein, gibt’s nicht! Nicht noch eine Katze!
Ja, gut genährt ist er, Gott sei Dank. Hab ich vorsichtig abgetastet. Gut ausgeprägte Muskeln. Das Fell ist ein wenig struppig. Kann durch viel Streicheln wieder glänzen. Schwänzchen schwupp in die Spazierstockhöhe, wenn er mich sieht oder hört. Schwupp ist er da, bei mir, ganz nah bei mir. Immer auf Körperkontakt bedacht. Immer ein Pfötchen auf einem meiner Füße.
Ob das eine Marktlücke ist? Schuhe mit einem oder zwei Katzenpfotenabdrücken?
Wir kannten uns schon länger glaube ich. Sehr viel länger als ich dachte, aber ich habe wirklich zwei Igel gefüttert! Ganz bestimmt. Mit Katzenfutter, nass und trocken, immer schön gemischt! Apfel und Bananenstückchen klein geschnitten um den Futterteller herum gelegt. Und ich hab die Igel auch gesehen! Alle beide. Und schnaufen hab ich sie gehört! Und laut geschmatzt haben sie, gute Güte! Und da war es abends draußen noch heller für meine armen alten Augen! Jawoll. Aber zu der Zeit war es auch viertel vor zehn abends, kurz nachdem die beiden Fledermäuse ums Haus sausten. Das war das Zeichen, dann wusste ich, gleich kommen die beiden hungrigen Waldschnaufer mit den hübschen Knopfaugen. Nur wusste ich nicht, dass die Igel ihren 6-Sternegartenessplatz an Monsieur abgetreten haben. Mir sacht ja keiner was!
Heute morgen im Hellen werde ich ihn mir genau ansehen. Er lässt mich an sich ran. Unglaublich! Ich durfte spielerisch, ganz vorsichtig und dezent ertasten, ob nun wirklich Monsieur oder vielleicht doch Madame? Wenn ich irgendwo eine winzige, kleine weiße oder gräuliche Stelle im Monsieurfell finde, darf er bleiben. Nur dann!
Artig werden die Pfoten Reflex gespreizt, wenn ich ihn langsam hoch hebe. Nicht sehr hoch vom Erdboden weg, um ihn nicht zu verunsichern. Aber er lässt auch das geschehen.
„Hör mir mal gut zu, Monsieur!“, hab ich ihm gestern Abend zugeflüstert.
„Du bist nicht menschenscheu, du hast ein zweibeiniges Zuhause. Irgendwo. Sicher weint sich dort jemand die Augen aus. Sucht dich, ruft deinen Namen, irrt in der dunklen Nacht herum, lockt dich mit Leckerchen. Und du hockst hier auf meiner Holzbank. Das gehört sich nicht!“
Zugehört, aufmerksam zugehört hat er mir. Hat nix geantwortet. Typisch Mann! Hat sich gemütlich eingekringelt, zu einem Katzenhalbmond, zu einer Katerhalbmondfinsternis. Auf meiner gut gepolsterten Holzbank. Klar sorge ich dafür, dass ich jedes Jahr nach dem Sommer preiswerte Gartenstuhlauflagen ergattere, für den Winter, für frierende Streuner. Man kann ja nie wissen.
Ob er morgen früh wieder auf seiner Holzbank sitzt, auf meinem Lieblingsplatz? Ob ich den Sonnenschirm draußen aufgespannt stehen lasse, als Katerbankregenschutz? Ob ich bei meiner Tierärztin anrufe und einen Termin abspreche, damit er seine schönen schwarzen Fellgene nicht wahllos in der Umgebung verteilt? Gut, dass mein Rückzugszimmer frisch renoviert ist. Das macht sich gut als Aufwach- und Genesungsraum. Groß, hell, mit Sofabett, unter dem man sich verkriechen kann. Ich darf nicht vergessen, das ausgediente Autofell dorthin zu legen. Nach einer Narkose friert man leicht. Die Heizung muss ich aufdrehen, bevor wir zur Tierärztin fahren.
Wenn wir wieder zu Hause sind, kann er sich vollständig erholen, solange er möchte, hat in seinem eigenen Reich seine absolute Ruhe. Auf meinem Bett darf er es sich gemütlich machen, in zerwühlten Wolldecken. Schließlich hat er seine kleine Operation tapfer überstanden.
Dem gleichmäßigen Plätschern meines Wasserbrunnens kann er lauschen. Das wird ihn beruhigen. Er wird sich sicher fühlen, wenn ich die Salzkristallsteinleuchten anknipse. Er wird an meinen Schritten hören, dass ich komme und ihn streicheln werde. Der Geruch von Vitaminschleckpaste auf meiner Fingerspitze wird ihn verführen. Wenn er mir nach diesem operativen Eingriff böse sein wird, kann ich das verstehen. Schließlich habe ich mich an seiner Manneswürde vergriffen. Ich werde es ihm kurz und knapp erklären und auf sein Verständnis hoffen.Vielleicht bleibt er bei uns. Vielleicht wandert er zu seinem ursprünglichen Heim zurück. Vielleicht wird sich Tijo, mein Kleinster, aber Wildester, mit ihm arrangieren. Nicht andersherum. Monsieur ist lammfromm und katerfreundlich allen meinen Vieren gegenüber. Neugierig tastend, höflich und friedlich. Nase an Nase, ganz vorsichtig und langsam. Nur Tijo muss sich aufspielen. Als Aufpasser mit sehr strengem Blick und unmissverständlichem Fauchen. „Weg hier! Aber schleunigst!“
Vielleicht gefällt es ihm in meinem renovierten Nordseezimmer so gut, dass er dort überwintern möchte, mein Monsieur. Vielleicht muss er sich erst noch ein wenig satt essen, genügend Kräfte sammeln, bevor er seinen langen Heimweg antritt? Vielleicht.
Vielleicht wollte er mir nur liebe Grüße vorbeibringen, von einer Katzenseele? Vielleicht von meiner Nausikaa, sie hatte auch ein tiefschwarzes Fell, nur trug sie eine kleine weiße Raute unterm Kinn. Vielleicht hat er mich schon lange ausgesucht und ich hab’s nicht bemerkt bei all meiner Gartenarbeit. Vielleicht.
© JO 10-06
Autor: Henriette Jorjan
hejo@online.de
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