Warum fühlen sich Frauen und Mädchen geliebt, zumindest nicht unangenehm berührt, wenn man sie mit „kleine Maus“ oder „Mausi“ anspricht, sind aber bei einem schlichten „du Ratte“ schwer verärgert?
Diese Frage regt an, die Tierwelt auf ihre Tauglichkeit als Kosewort zu untersuchen. Nehmen wir uns zuerst einmal den Hund vor und beenden das Kapitel gleich wieder. Unser treuer Freund ist als Schmeichelwort vollkommen untauglich. Anders beim Schwein, da ist die Sache nicht so eindeutig. Man läuft aber sehr leicht Gefahr sich zu vergreifen. Ein zärtliches „Du kleines Ferkel“ oder „Du kleines Schweindi“ ist durchaus geeignet, Sympathie auszudrücken. Sie merken, die Beifügung „klein“ beschwichtigt enorm. Bei „Hase“ schwingt, wer weiß zu sagen warum, der Anflug von gekünstelter Zuneigung mit. „Du Hengst“ oder „du Stute“ gehört einer eigenen Kategorie an, ist also weder als Kose- noch als Schimpfwort anzusehen.
Natürlich ist auch der Kulturkreis, in dem man sich gerade bewegt, zu berücksichtigen. Denken wir ans Kamel, das weit davon entfernt ist, bei uns als Kosewort empfunden zu werden. Nicht so in der arabischen Welt. Man beachte die oft gehörten oder gelesenen Namen Kemal, Gamal, Dschemal, Jamal, die alle mit dem Kamel zu tun haben und in denen das arabische Wort „dschamil“ steckt, das „schön“ bedeutet. Nun, wir stehen den Schwielensohlern nicht so unbefangen gegenüber wie die Araber. Schwielensohler? Haben Sie Hühneraugen? Nun, deswegen sind Sie noch lange kein Kamel und möglicherweise nicht wirklich schön.
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
Bei näherer Betrachtung und selbst wohlwollender Beurteilung sind Hühner durchaus nicht so liebenswerte Wesen, wie uns diverse Schilderungen von Idyllen auf dem Bauernhof vorgaukeln wollen.
Man denke nur an die Hühner in den Lege- und Mastbatterien. Allesamt undankbare Geschöpfe. Sie werden mit auserlesenem Futter zu geregelten Zeiten (sogar eine Nachtjause ist eingeplant) und in ausreichender Menge versorgt, brauchen also keine einzige Sekunde und noch weniger einen Gedanken an die sonst so mühsame Futtersuche zu verschwenden.
Der mitfühlende Geflügelhalter stutzt die Krallen und Schnäbel seiner Schutzbefohlenen, eifrig darauf bedacht, die Streitsucht der Hennen auf humane Weise hintan zu halten. Tagtäglich werden sie mit Hormonen und Medikamenten versorgt, wiederum in dem rührenden Bestreben, dass den Hennen, die der Pfleger alle beim Namen nennen kann (Hendi 1 bis Hendi 14256), nur ja kein Unbill zustoße.
Und was tun sie, die Hühner? Sie sind aufsässig, lärmen unbegründet Tag und Nacht, legen Eier, von deren innerer Anwendung abzuraten ist und liefern Fleisch, das Männern stattliche Brüste wachsen lässt.
Solchem Undank kann man nur mit einem Boykott begegnen. Man kaufe keine Eier und kein Hühnchen aus Batteriehaltung, dann werden diese Vögel schon sehen, wie weit sie kommen.
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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Eine deutsch-türkische Weihnachtsgeschichte
Friederike Nordmann, Thomas Erne: Vedat und das Weihnachtsspiel, Köngen, 2006, Kesselwiese-Verlag, ISBN: 3-936740-39-9, Bilderbuch, Hardcover, 24 Seiten, Format: 30 x 21,5 x 0,5 cm, EUR 12,80.
Der kleine Max ist empört: Sein bester Freund Vedat darf nicht beim Weihnachtsspiel des Kindergartens mitmachen, weil er Muslim ist und sein Vater meint, Religionen solle man nicht miteinander vermischen.
Wenn Vedat nicht mitspielen darf, dann will Max auch nicht. Auch wenn dadurch die Rolle des Herodes unbesetzt bleibt und das ganze Weihnachtsspiel ausfällt. Alle Kindergartenkinder sind deswegen sauer auf Max, aber er bleibt eisern bei seiner Entscheidung.
Zum Glück hat Max eine kluge Großmutter, die sich des Problems annimmt und auch schon eine Idee hat. Wird sie es schaffen, das Weihnachtsspiel zu retten?
Der Privatdozent Pfarrer Dr. Thomas Erne hatte die Geschichte im Jahr 2000 unter dem Titel „Der Muslim und das Weihnachtsspiel“ in der Regionalpresse veröffentlicht. Die Lehrerin und Bildhauerin Friederike Nordmann hat, zunächst zum eigenen Vergnügen, den Text mit farbenprächtigen, phantasievollen und detailreichen Collagen illustriert. An eine Veröffentlichung dachte sie dabei nicht.
Immer wieder entdeckt man in ihren Bildern neue Details: Vorhänge aus Geschenkpapier und Tortenspitze, Möbel aus dem Katalog, ein Pullover, der aus einem Zeitungsartikel stammt und ein zerfurchtes Gesicht aus zerknittertem Papier. Sogar echter Schmuck ist auf einem der Bilder zu sehen.
Zum Glück wurde aus dem Freizeitvergnügen der Künstlerin jetzt dieses außergewöhnliche Bilderbuch, an dem Kinder und Erwachsene gleichermaßen ihre Freude haben. Mit einer spannenden und überraschenden Geschichte, in der Christen und Muslime einander ein Stückchen näher kommen, und mit hinreißenden, mit viel Liebe zum Detail gestalteten Collagen.
„Vedat und das Weihnachtsspiel“ kann direkt beim Verlag Kesselwiese, Blumenstraße 6/1, D-73257 Köngen bezogen werden. http://www.kesselwiese.de
Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http://www.aufriss.de