Gespeichert unter: Lyrik
„Im Felde draußen da gibt’s nichts mehr,
Der Schnee deckt alles weit umher.
Da hörten wir euren Drescherschlag
Und ziehen dem lieben Klange nach.
Manch Körnlein springt wohl aus der Tennen,
Das könnt ihr uns armen Vöglein gönnen.“
Die Drescher drin schlugen nach dem Takt,
Manch Scheffel Korn ward ausgesackt;
Das gab wohl Brot genug fürs Haus.
Manch Körnlein sprang auf den Hof hinaus,
Das ließen die Vögel auch nicht liegen,
sie holten es schnell mit Hüpfen und fliegen.
Autor: Wilhelm Hey (1798 – 1854)
Gespeichert unter: Lyrik
„Knabe, ich bitt’ dich, so sehr ich kann:
O rühre mein kleines Nest nicht an!
O sieh nicht mit deinen Blicken hin!
Es liegen ja meine Kinder drin:
Die werden erschrecken und ängstlich schrein,
Wenn du schaust mit den großen Augen hinein.“
Wohl sähe der Knabe das Nestchen gern,
Doch stand er behutsam still von fern.
Da kam der arme Vogel zur Ruh’,
Flog hin und deckte die Kleinen zu
Und sah so freundlich den Knaben an:
„Hab Dank, daß du ihnen kein Leid getan.“
Autor: Wilhelm Hey (1798 – 1854)
Gespeichert unter: Lyrik
„Die Sonne scheint, der Sommer ist nah;
Nun sind auch wir Störche wieder da.
Wir haben im fernen Land unterdessen
Nicht unser liebes Nest vergessen.
Da steht’s noch; nun wollen wir’s putzen und hüten.
Und still drin wohnen und fröhlich brüten.“
Sie bauten es aus mit Holz und Stroh,
Sie waren so eifrig dabei, so froh.
Frau Störchin saß drauf drei Wochen lang,
Da hörte man bald gar mancherlei Klang;
Fünf Störchlein reckten die Köpfchen herauf
Und sperrten die hungrigen Schnäbel auf.
Autor: Wilhelm Hey (1798 – 1854)
Gespeichert unter: Lyrik
„Kinder“, spricht die Mama,
Höret mir zu und folget ja:
Müßt nur recht manierlich sein,
Immer euch sauber halten und rein,
Nicht euch wälzen auf alln Wegen,
Nicht euch in jede Pfütze legen.“
Und wie sie selbst es stets getan,
Und wie es von ihr die Kinder sahn,
So lernten sie’s auch mit Fleiß und Müh’
Und machten es ganz und gar wie sie.
Sie wollten nicht nichts Besser’s, nichts Schlechter’s sein.
Es wurde ein jedes wie ein Schwein.
Autor: Wilhelm Hey (1798 – 1854)
Gespeichert unter: Lyrik
„Wer hat hier die Milch genascht?
Hätt ich doch den Dieb erhascht!
Pudel, wärst denn du es gar?
Pudel, komm doch! ei fürwahr,
Einen weißen Bart hast du;
Sag mir doch: wie geht das zu?“
Die Hausfrau sah ihn an mit Lachen:
„Ei, Pudel, was machst du mir für Sachen?
Willst wohl gar noch ein Naschkätzchen werden?“
Da hing er den Schwanz bis auf die Erden
Und heulte und schämte sich so sehr.
Der naschet wohl so bald nicht mehr.
Autor: Wilhelm Hey (1798 – 1854)
Gespeichert unter: Lyrik
Ei, Ochse, worüber denkst du nach,
Das du da liegst fast den ganzen Tag
Und machst so gar ein gelehrt Gesicht?
Ochse:
Hab Dank für die Ehre! So schlimm ist’s nicht.
Die Gelehrsamkeit, die muß ich dir schenken;
Ich halte vom Kauen mehr als vom Denken.
Und als er noch gekaut eine Weile
(Er hatte nicht eben die größte Eile),
Da spannten sie vor den Wagen ihn;
Ein schweres Fuder sollt’ er ziehn.
Das tat er auch ganz wohlgemut;
Das Denken konnt’ er nicht so gut.
Autor: Wilhelm Hey (1798 – 1854)
Gespeichert unter: Lyrik
Kind:
Miezchen, warum wäschst du dich
Alle halbe Stunde? sprich!
Miezchen:
Weil es gar zu häßlich steht,
Wenn man nicht recht sauber geht;
Köpfchen, Pfötchen, alles rein,
Anders darf’s bei mir nicht sein.
Unser Miezchen, hört’ ich dann,
Stand in Ehren bei jedermann;
Sie ließen es gern in die Stube kommen
Und haben’s wohl gar auf den Schoß genommen.
Ich denke, das Waschen und das Putzen
Hat ihm gebracht so großen Nutzen.
Autor: Wilhelm Hey (1798 – 1854)
Gespeichert unter: Lyrik
„Küchlein, was lauft ihr so
Alle zur Mutter froh?
Tat sie dort einen Fund,
Würmchen aus tiefen Grund?
Ruft nun und locket gleich,
Gibt es zum Futter euch?
Und die Henne freute sich sehr,
Wie sie da pickten um sie her,
Sah auf die muntern Dinger nieder,
Scharrte dann, rief und lockte wieder,
Bis sie alle zufrieden sah;
Selbst erst das letzte nahm sie da.
Autor: Wilhelm Hey (1798 – 1854)
Gespeichert unter: Lyrik
„Küchlein, Küchlein! leichtsinnig Kind!
Wohin läufst du nun wieder so geschwind?
Durchkriechst gleich alle Winkel und Ecken,
Willst immer gern was neues entdecken;
Und siehst du dann deine Mutter nicht,
Gleich schreist du so kläglich, du armer Wicht.“
Das Küchlein lief in den Garten hinein;
Bald hört’ es die Mutter ängstlich schrei’n.
Da suchte sie’s auf mit Müh’ und Not;
Vor Ängsten und Schrecken war’s halbtot.
Schnell unter die Flügel kroch’s ihr nun,
Und denkt: Ich will’s nimmermehr wiedertun.
Autor: Wilhelm Hey (1798 – 1854)
Gespeichert unter: Lyrik
„Kätzchen, wie hebst du Pfötchen auf,
Siehst so gar zu ängstlich drauf,
Sinkst in den Schnee bis zum Halse bald;
Nicht wahr, da geht sich’s gar zu kalt?
Besser wär’ es ja wohl getan,
Hättest du gute Stiefel an.“
Freilich an Stiefeln war sie nicht reich,
Half sich doch, wie sieh’s konnte, gleich,
Lief durch den Schnee in die Scheuer hinein,
Schüttelte, leckte die Pfötchen rein,
Hatte dann wieder gar frohen Lauf,
Stieg zu den höchsten Balken hinauf.
Autor: Wilhelm Hey (1798 – 1854)