Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Rabbit-Watching
1, 6 November, 2006, 9:13
Gespeichert unter: Nager

Seit 1976 wohnen wir, mein Mann und ich, in Kiel Mettenhof, einem Stadtteil mit Plattenbauten und Hochhäusern. Unser Wohnblock hat 3 Stockwerke und wir wohnen im ersten. Auf der anderen Seite unseres Hofes steht ein großer Block mit 7 Etagen, das Problemhaus Nr. 1 in Kiel. Der Hof hat Rasenflächen, Hügel, ein paar Bäume und Büsche.

Auf die Nager kamen wir 2001, weil uns auffiel, dass so ein Tier stundenlang unter einem Busch hockte und die Küchenfenster zu observieren schien. Es hatte einen kleinen Schlitz in einer Ohrspitze. Es gab hier eigentlich schon immer Kaninchen, aber diese Ausdauer von diesem da war schon erstaunlich.

Inzwischen haben wir gelernt, dass dieses reglose zur Kugel geformte Herumhocken der Kaninchen nichts mit Belagerung zu tun hat, sondern mit Ruhen. Sie „schlafen“ praktisch mit offenen Augen und Ohren und lassen sich dabei nicht stören, nicht Mal vom Fenster aus. Der kleine Schlitz, auch das lernten wir, schien praktisch nur die Männchen zu betreffen. Sie brachten sich derlei Verletzungen bei Streitigkeiten gegenseitig bei.

Der Nager gefiel uns, denn er leistete uns immer wieder an derselben Stelle Gesellschaft. Dann tauchte ein zweiter auf, der zumindest mir nicht so zusagte. Er schien etwas kleiner zu sein und hatte einen beachtlichen Riss im linken Ohr. Ich nannte ihn „Knickohr“.

Während die Besuche von Knickohr zunahmen, nahmen die des ersten Kaninchens ab. Er machte sich rar und verschwand ganz.

Foto: Knickohr 2002

2002 übernahm Knickohr die Herrschaft über den Rasen und die Büsche hinter dem Haus. Er hatte auch eine Frau mitgebracht. Sie schien ein bisschen größer zu sein als er. In diesem Jahr begannen wir mit dem Anfüttern, zum Leidwesen unseres Hausmeisters und seiner Gattin. Sie stand öfter in explosiver Stimmung vor unserer Tür. Es wurde weitergefüttert, auch von anderen. Es gab Wurzeln und Äpfel.

Das Weibchen klaute Knickohr ständig das Futter. Er bekam dann natürlich Nachschlag von uns. Sie waren bald sehr vertraut, aber auf das Experiment mit der angebundenen Wurzel (an einem weiß-grünen Band) fielen sie nicht herein. Zwar wollten sie zu gerne die Wurzel haben, waren aber sehr ängstlich und verstört, machten lange Hälse, immer fluchtbereit und trauten sich nicht heran. Es fehlte vielleicht noch ein halber Meter. Nachdem die Wurzel wieder entfesselt wurde, haben sie sie sofort bedenkenlos genommen.

Eine interessante Beobachtung gab es dann. Das Weibchen begann, direkt an der Hauswand ein Loch zu graben, wobei sie einen ziemlichen Sandberg an der Hauswand aufschichtete. Das Loch war immerhin so groß, dass sie ganz darin verschwand und wieder richtig herum herauskam. Dann drückte sie mit den Vorderpfoten den Sandberg fest. Sie stemmte dabei richtig ihr vorderes Gewicht auf die Pfoten und drückte kräftig. Wahrscheinlich wollte sie den Sandberg tarnen, so als sei hier nichts passiert. Nachdem sie sich genügend mit ihrem Werk befasst hatte, kratzte sie den Sand wieder ins Loch und machte es selber wieder dicht! Sie hat fast alles wieder hineingekriegt und festgedrückt. Was diese Aktion sollte, ist mir noch nicht klar.

In diesem Jahr erschien auch ein Jungtier, das wir „Biene“ nannten, denn Biene stellte sich schnell als Weibchen heraus: Sie hatte keinen Schlitz im Ohr und beklaute Knickohr ständig. Nun hatte er zwei Weiber um sich, die ihm das Futter abnahmen. Aber er gab es auch ab.

Foto: Biene 2002

2002 war auch das Jahr mit der Myxomatose. Alle drei waren befallen, aber am schlimmsten hatte das alte Weibchen zu leiden. Alle hatten die Entzündungen an Augen und Ohransätzen. Das Weibchen saß bald nur noch herum, riss und ab und zu das Maul auf und japste. Die Familie putzte sich gegenseitig, indem sie sich die entzündeten Stellen ableckten. Das taten sie mehrmals am Tag. Das alte Weibchen hat es nicht überlebt. Sie verschwand eines Tages spurlos.

Foto: Myxomatose, Knickohr rechts, das alte Weibchen links mit entzündetem Auge

Biene wurde groß und blieb mit Knickohr zusammen. Sie hatte eine kahle Stelle auf der Nase, wahrscheinlich von der Erkrankung. Die Stelle verschwand nicht mehr. Ebenso hatte Knickohr vor allem um das linke Auge einen hellen Rand zurückbehalten. Das Fell ist da nicht nachgewachsen.

Im Winter gab es dann sogar Schnee, etwa 20 cm. Zuviel für die beiden Nager. Unterhalb der Büsche hatten sie sich eine Spur getreten, aber in den hohen Schnee wagten sie sich nicht so recht. Ich musste sie ständig mit dem Futter ans Haus locken. Und dann steckte Knickohr da im Schnee und machte Männchen. Es sah schon komisch aus.

Das Männchenmachen hat er auch beibehalten. Er macht zu gerne unterm Fenster Männchen in Erwartung des Futters. So kam es auch einmal zu der spannenden Situation, dass ich gerade füttern wollte, Knickohr Männchen machte und die Frau des Hausmeisters, parterre, links unter mir das Fenster aufriss.

Knickohr sah sie also aufgerichtet an und sie sah ihn an. Beide stutzten eine Weile. Dann kam ihr Staubwedel raus und das mochte der Nager nicht.

Foto: Knickohr 2003

2003 waren Vater und Tochter weiterhin zusammen. Wenn es im Sommer warm ist, pflegen sie gerne ausgestreckt auf dem Rasen zu schlafen. Knickohr markiert unermüdlich sein Revier, indem er offensichtlich mit einer Drüse unterm Kinn über alle möglichen Pflanzen und Zweige streicht. Auch Biene wird ausgiebig markiert, allerdings mit Urin, mit dem er sie aus allen möglichen Winkeln erwischt. Oft schüttelt sie sich genervt und putzt sich das Gesicht. Besonders gerne besprüht er sie, wenn sie ihm gerade wieder das Futter geklaut hat.

Foto: Knickohr 2003

Foto: Biene, links, und Knickohr 2003

Die Weibchen klauen das Futter oft sehr energisch. Es gab regelrechte Angriffe, wobei sie über seinen Rücken sprang und ihn mit den Hinterpfoten trat. Es geht mit viel Geknurre ab, vor allem, wenn das Futter noch gar nicht geworfen wurde, sie aber vermutet, dass er es versteckt hat. Dann wird sie giftig. In solcher Situation wurde Knickohr von einer Wurzel auf den Rücken getroffen, wobei er sofort knurrte und sich umdrehte, weil er annahm, sie sei es. Während der Fütterungen wurde Knickohr schon mehrmals kräftig von einem Apfel- oder Wurzelstück auf der Schnauze getroffen, was ihn nie irgendwie verschreckt hat. Er hüpft gelegentlich in die Wurfbahn, ist aber hart im Nehmen.

Foto: Knickohr wartet auf Futter, 2003

In 2003 hatten Vater und Tochter ein Junges. Mehrere wurden nicht gesehen. Das Junge entpuppte sich schnell als Männchen, denn es klaute Papa nicht das Futter und hatte schon sehr früh einen kleinen Schlitz in der Ohrenspitze. Offenbar ist er einmal frech geworden … Das Junge verlässt die Familie recht früh.

Hin und wieder zeigen sich auch fremde Kaninchen im Hof. Knickohr hatte auch Rivalen. Gelegentlich sah er nach Kämpfen sehr zerrupft aus, einmal lahmte er etwas. Es hat sich schnell wieder gegeben.

2003 war auch das Jahr in dem die Anlage gerodet (verwüstet) wurde. Sämtliche Büsche, Brombeeren und dünne Bäume wurden entfernt. Stattdessen wurden Kriechgewächse und winzige Dinger in großem Abstand gepflanzt, aus denen mal Büsche werden sollen. Das hat den Nagern sehr zugesetzt. Sie brauchten lange, um sich daran zu gewöhnen, und sie sind noch immer nicht wieder so entspannt wie sie vorher waren.

Das „Unkraut“ wuchs prächtig, die Kaninchen hatten einen gut gedeckten Tisch. Hunderte von Mohnpflanzen machten sich breit und sorgten für Farbe. Leider rückt die Gärtnerkolonne öfter an, um den Wildwuchs zu beseitigen. Das beunruhigt die Kaninchen natürlich auch immer wieder. Zudem stört auch das dauernde Rasenmähen. Das Gras kommt überhaupt nicht mehr richtig zum Wachsen. Folglich halten sich die Kaninchen oft auf anderen Rasenflächen auf, die weniger „gepflegt“ werden. Sie holen sich bei uns meist nur das Futter ab. Das klappt oft über eine längere Zeit wie nach der Uhr. Meist kommen sie aber auch, wenn man sie „ruft“. Sie kennen die Geräusche. Oft kommen sie von weither gerannt wie die Hunde.

2004 haben die beiden vermutlich 4 Junge. Das war die höchste Zahl, mit der Biene mal gesehen wurde. Danach sah man immer nur 2 Junge. Kurz bevor die Jungen auftauchten, war Knickohr für etwa zwei Wochen verschollen. Stattdessen befand sich ein fremdes Männchen im Hof, das eifrig das Revier markierte. Es hatte auch ein fremdes Weibchen dabei. Biene schien sich ihm anzuschließen. Aber dann waren die Fremdlinge plötzlich verschwunden und Knickohr war wieder da. Er machte einen zerzausten Eindruck. Nun war er wieder dabei, sein Revier zu markieren.

Von den 4 Jungen blieb eines übrig. Ein Weibchen. Sie konnte sehr gut klauen, auch bei Mutter, die sie klauen ließ. Bald hatte sie gelernt, was es hieß, wenn ich sie zum Essen rief. Wir nannten sie „Spitzmaus“. Sie war ein extrem niedliches Tier und war stets damit beschäftigt, uns zu zeigen, dass sich auch Kaninchen sehr freuen können. Sie kam zum Futtern gesprungen mit Freudensprüngen! Sie wurde immer perfekter im „sich Freuen“.

Schließlich kam es zu „Zirkusvorstellungen“. Sie kam auch alleine zur Fütterung gehüpft wie ein Känguruh. Sie bekam natürlich ein Stück Apfel. Dann saß sie unter dem Fenster und guckte nach oben, weil sie mehr haben wollte. Plötzlich vollführte sie in einem Kreis von etwa 2 – 3 Metern die wildesten Bewegungen im Zickzack, Luftsprünge, Haken. Einmal im Kreis! Dann saß sie wieder da und sah nach oben. Das wiederholte sie noch drei Mal genauso, wobei der letzte Kreis größer war und auch noch quer über den Hügel führte.

Ich frage mich, was sie damit ausdrücken wollte. Wollte sie nur auf sich aufmerksam machen oder wollte sie zeigen, was sie konnte? Sie schätzte es auch während der Fütterungen mit den Eltern zusammen eine Kurzvorführung zu geben. Nachdem sie gefressen hatte, ging es wieder känguruhmäßig von dannen.

Später betrat ein anderes Jungtier, etwas größer als Spitzmaus, die Bühne und nahm an den Fütterungen teil. Wenn sie alle vier angerannt kamen, war es mir manchmal peinlich, weil andere Leute das beobachten konnten. Das zweite Jungtier wurde geduldet, gelegentlich aber auch von Knickohr gejagt. Ob es aus demselben Wurf stammte oder aus einem fremden, ließ sich nicht feststellen. Die Jungen verließen ihre Familie in der ersten Januarhälfte 2005.

Foto: Biene mit kahler Nase und Knickohr, 2004

Zwischendurch hat auch Biene mal ein Loch in den Hügel gegraben. Genau wie ihre Muter hat sie dann den Erdhaufen mit den Vorderpfoten plattgedrückt.

Auffällig sind auch die Wege, „Kaninchenautobahnen“, die sich auf dem Rasen deutlich abzeichnen.

Die festen Fütterungszeiten sind bei den Nagern wieder in Vergessenheit geraten. Meist muss man lange rufen. Vor allem sind sie nachts unterwegs zum Fressen, weshalb sie von uns noch im Dunkeln ein kleines Nachtmahl bekommen. Allgemein sieht man sie selten vormittags. Vor der Dämmerung machen sie sich rar. Dieses Verhalten ist mit der Rodung der Anlage stärker geworden.

Auf dem kahlen Hügel fiel auf, dass jedes Tier bevorzugte Sitzplätze einnahm. Knickohr beanspruchte besonders zwei der kümmerlichen Büsche, unter denen er zu ruhen pflegte. Er besetzte sozusagen seinen „Thron“. Auf solchen Plätzen konnte er es sehr lange aushalten, gerne auch mal im Regen, wobei er sich dann zwischendurch immer wieder putzte. Bei plötzlichen starken Güssen suchte er aber stets blitzartig Schutz unter dichteren Büschen.

Ob weitere Kaninchen in diesem Hof leben, wie es offenbar in anderen Höfen ist, ist unklar. Ist Knickohr so ein Raufbold, oder reicht das Futter nicht aus?

Autor: Gabriele L. Berndt
blueforestart@web.de

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Vorgebildet
1, 6 November, 2006, 9:10
Gespeichert unter: Rosmaringo

Dem Turnverein trat just im Mai
Ein jüngerer Schimpanse bei.
Der Neuling konnt’ schon allerhand
Am Reck und an der Sprossenwand.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



Nur Tiere dürfen Pelze tragen
1, 6 November, 2006, 9:09
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Es war die Zeit um Mitte März,
In den Iden sozusagen,
Da sah man Nurz, den jungen Nerz
Einen Zobelmantel tragen.

Ein Zobel sprach darauf mit Nurz,
Rügte ihn und warf ihm vor,
Der Mantel wäre viel zu kurz,
Unten schau’ noch Nerz hervor.

Sie lachten über diesen Scherz,
Nurz, der Nerz, sowie der Zobel.
Denn dessen Mantel war aus Nerz,
Viel zu lang und nicht mehr nobel.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



Nützlich
1, 6 November, 2006, 9:08
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Kamelmist nutzen Beduinen
Wie andre Holz und Kohlenstein.
Die fehlen nämlich in den Dünen,
So heizt der Scheich mit Fladen ein.

In Zeiten hoher Heizölpreise,
Die Kosten steigen Jahr für Jahr,
Erwäg’ ich im Familienkreise
Als Ausweg auch das Dromedar.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



Internes
1, 6 November, 2006, 9:07
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Der Schweinebandwurm misst zehn Meter
Und lebt im Menschen innen drinnen.
Die Würmer finden’s dort viel netter
Und mögen Schweine nur als Finnen.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



Schlechter Hüpfer
1, 6 November, 2006, 9:05
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Nie schlägt ein Unau Kapriolen,
Es hüpft im Allgemeinen schlecht.
Das Faultier deshalb zu versohlen,
Wär’ arg gemein und ungerecht.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



Federn lassen
1, 6 November, 2006, 9:04
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Erkennbar ist der Wiedehopf
Am Irokesen-Federschopf.
Nach Besuch beim Hopf-Frisör
Kennt den Vogel niemand mehr.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



Du und ich
1, 6 November, 2006, 9:03
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Nandu, Kudu, Kakadu
Sind wahre Altruisten.
Kranich, Sittich zählen zu
Den reinen Egoisten.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



Blaublütig
1, 6 November, 2006, 9:02
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Im Oktopus fließt blaues Blut,
Ein Faktum, kaum zu glauben.
Man lüpfe deshalb seinen Hut
Und frag’ „Durchkrakt erlauben?“

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at



Barbecue
1, 6 November, 2006, 9:01
Gespeichert unter: Rosmaringo

Grillen grillen oft und gerne
Im Schein des Mondes und der Sterne.
Doch in des Barbecues Verlauf,
Fressen sie einander auf.
Entspricht es wirklich Gottes Willen,
Wenn die Grillen Grillen grillen.

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at