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Autor: Monika P.
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Das Macherner Schwanenjahr 1997/98
Schwanenbrutzeit und Schwanentod
Leider kann 1997/98 nicht als das Große Schwanenjahr von Machern bezeichnet werden.Denn zu stark wird es überschattet vom tragischen Tod eines Elternschwans infolge von Feindtier- oder böswilliger Menscheneinwirkung, was nicht näher geklärt werden konnte.
Am 3. März 1997 fütterte der Autor dieses Berichtes zufällig das Schwanenpaar, das sich den Schwemmteich im Macherner Schloßpark als Revier für die bevorstehende Paarungs- und Brutzeit auserkoren und sich später durch hohe Fruchtbarkeit „berühmt“ gemacht hat. Auch im Vorjahr war hier ein Schwanenpaar gewesen. Vielleicht sogar dasselbe. Junge Schwänchen wurden aber von ihm nicht aufgezogen.
Von der 97er Paarungs- und Brutzeit dieses Paares gibt es leider keine Bilder. Nach den etwa 35 Tagen Brutzeit schlüpften dann um den 13. Mai herum die Jungen.Während der Brutzeit war das Schwanenweibchen allein für das Bebrüten und die Pflege des Geleges auf dem Nest im Schilfgürtel am Rande der alten Uferweiden verantwortlich, während das Schwanenmännchen fleißig patrouillierte und das Brutrevier beschützte. Im dichten Schilf, ausreichend weit vom Ufer entfernt, war der Neststandort 1997 besser gewählt worden als im Vorjahr in der Nähe des Uferweges bei der Gothischen Brücke.
Als am 14. Mai die Schwanen-Großfamilie „stolz und glücklich“ auf dem Schwemmteich hinaus glitt und sich der Öffentlichkeit zeigte, da schickte der Autor dieses Berichtes am späten Nachmittag einen Fax an die Redaktion der Muldentalzeitung in Wurzen mit der Bitte, über folgendes zu berichten. „Gleichzeitig mit der Rückkehr der Eltern des in Machern dauergepflegten Storchenlieblings „Max“ auf ihr letztjähriges Nest ist auch das langersehnte ‘Macherner Biowunder’ eingetreten. Denn nun führt das Schwanenpaar auf dem Schwemmteich stolz seine gerade geschlüpften 6 Schwänchen aus. Wie herrlich und imposant werden die wachsenden kleinen künftig über das Wasser gleiten und kostenlos zu bewundern sein.“
Nicht 6 Schwänchen waren es am nächsten Tag, sondern sogar 7, als sie der Pressefotograf Andreas Röse, in der Mittagssonne aufnahm. Allerdings fehlte da schon einer der beiden Altschwäne. Was die 6 bzw. 7 Schwänchen betrifft, so hatte sich vielleicht eines bei dem am 14. Mai beobachteten „Familienausflug“ unter den Flügeldecken des Schwanenvaters versteckt gehalten. Schwache und ermüdete Schwanenkinder nutzen instinktiv diesen meistens dem Vater zustehenden Hilfstransportdienst während ihrer „frühen Kinderstube“. Leider war in den ersten Lebenswochen eines der sieben Schwänchen in Verlust geraten. Ursachen und Gründe blieben unbekannt.
Schwanenaufzucht
Vom 15. Mai an begann für den übriggebliebenen Altschwan eine schwere und verantwortungsvolle Zeit als alleinerziehender kinderreicher Elternteil. Ob nun die Schwanenmutter oder der Schwanenvater übriggeblieben war, das kann nicht benannt werden. Denn männliche und weibliche Höckerschwäne sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Sind beide eng zusammen, dann sieht man vielleicht, daß das Männchen meistens größer und stärker gebaut ist. Besonders in der Balz- bw. Paarungszeit ist der schwarze Höcker über seinem orangefarbenen Schnabel größer als der des Weibchen. Man könnte noch fragen, ob ein Schwanenvater biologisch überhaupt den anstrengenden Belastungen der alleinigen Aufzucht seiner Jungen gewachsen ist. Das muß bejaht werden. Denn aus Hamburg wurde 1931 bekannt, daß ein Schwanenvater nach dem Tode der Partnerin seine noch sehr jungen Schwänchen erfolgreich, bis sie flügge waren, allein aufgezogen hat.
Die Aufzuchtbesonderheit in der Macherner Schwanenkinderstube verlief in den folgenden Wochen und Monaten ohne erkennbare Probleme, wenn man von dem schon erwähnten frühen Verlust eines der Kleinen absieht. Die Schwänchen entwickelten sich prächtig und wuchsen zu kräftigen flugfähigen Jungschwänen heran. 5 Monate lang war es für die Parkbesucher stets eine Augenweide, die an Masse ständig größer werdende siebenköpfige Schwanenflottille imposant und majestätisch über den Macherner Schwemmteich gleiten zu sehen. Manch einer von ihnen dachte dabei an Tschaikowskis „Schwanensee-Ballett“ , 1997 im Leipziger Opernhaus 14 mal aufgeführt, wo dort in der Kunst und hier in der Natur viel Anmut, Eleganz und Schönheit vereint sind. Oder man dachte auch beim Anblick der noch ganz jungen, grauen Schwänchen an das Märchen von Andersen „Das häßliche junge Entlein“ oder an die starke Geschwisterliebe im Märchen der Gebrüder Grimm „Die sechs Schwäne“ oder gar an die Wagner Oper mit Lohengrins Gesang „Mein lieber Schwan …“
Schwan Immutabilis
„Mein lieber Schwan!“ kann man in Sinne der landläufigen Ausdrucksweise für Phänomenales auch zu der in Machern unter den Jungschwänen aufgetretenen Immutabilis-Mutation sagen. Vom ersten Lebenstag an trug eines der Dunenchwäne ein völlig weißes Federkleid im Gegensatz zu dem grauen seiner Geschwister. Sein Schnabel war gelb, seine Läufe fleischfarben, die der Geschwister bleigrau. Nennen wir ihn Schwan Immutabilis. Es handelt sich bei dieser Erscheinung um eine unter halbwilden und wilden Schwänen vorkommende Gen-Mutation, die nach Heyde und Erdmann (ACTITIS 30/1994) im ehemaligen Bezirk Leipzig bei 28% der fast 1000 beobachteten Schwäne gefunden wurde. Sie hängt mit einer Erbgutänderung zusammen, die im Fehlen des Eumelanin-Gens besteht. Eumelanin, ein Pigment, ist normalerweise bei Dunen- und Jungschwänen vorhanden und bewirkt die dunkle Färbung der Dunen und Federn. Mit fortschreitendem Alter verlieren Jungschwäne mehr und mehr ihre grauen Kleinfedern. Es wachsen neue, weiße nach, so daß die Tiere im 2. und 3. Lebensjahr nur noch am Kopf und Hals sowie an den Flügeldecken graubraun sind. Nach der zweiten Vollmauser sehen sie schneeweiß aus. Das Weiß der Befiederung rührt nicht von einem weißen Pigment her, sondern von Lufteinlagerungen in den Dunen und Federn, die durch Lichtbrechung das Weiß erzeugen.
Immutabilis bedeutet „unveränderlich“, Mutation „Veränderung“ und Immutabilis-Mutation demnach „unveränderliche Veränderung“. Ein derartiger Schwan trägt vom ersten Lebenstag an bis ins Alter hinein das in der Farbe unveränderbare weiße Federkleid. Diese weiße Mutante ist meistens weiblichen Geschlechts, da sie auf ein rezessives Gen im X-Chromosom zurückzuführen ist. Ob sie auch besondere Verhalteneigenschaften besitzt, ist fraglich. Allerdings exponierte sich Macherns Schwan Immutabilis auf den hier beigefügten Bildern vom Schwemmteich mal als „energischer Flügeladjutant“ im Alter von 1 1/2 Monaten neben der Geschwisterreihe, mal hinter ihr als „sichernde Nachhut“ im Alter von 3 Monaten oder als „Abwartender bei Angriffen“ im Alter von 4 Monaten. Im Alter ab 5 Monate trug er bei nur flüchtig auf die „Schwanenflottille schauenden Parkbesuchern mit zu dem Blendeindruck bei, als seien zwei Altschwäne mit ihren fünf Jungen auf dem Teich unterwegs.
Schwanenüberwinterung
Ab Oktober stagniert das Wachstum der Wasserpflanzen mehr und mehr. Bis zu dieser Zeit müssen sich daher junge Schwäne die für die Überwinterung sehr wichtigen körpereigenen Energiereserven angefuttert haben. Das klappte bei der Macherner Schwanenfamilie wohl ganz gut, und zwar ausnahmslos vom Wasser her, einschließlich der unmittelbar am Ufer stehenden Grünpflanzen und des Zubrots von tierliebenden Menschen. Die älterwerdenden Jungschwäne gründelten oft . Wenn ihr etwa 1 m langer Kopf-Hals-Teil mit den 22 bis 25 Halswirbeln (Gänse haben nur 17-18) nicht den Grund erreichte, dann stellten sie sich nach Entenart so, daß nur der Schwanzteil aus dem Wasser herausragte. Damit gewannen sie noch einmal 20 bis 30 cm an Gründeltiefe.
Die beiden großen Teiche von Machern, der Schwemmteich und der Mühlteich, sind wegen der in Ufernähe ungünstigen winterlichen Nahrungsquellen (keine Rapsfelder oder andere Wintersaaten) nur wenig als Überwinterungsplätze für Schwäne geeignet. Instinktiv erfaßte diese Situation wohl auch die Macherner Schwanenfamilie. Die Jungschwäne hatten im Oktober mit fünf Monaten ihre Flugfähigkeit erreicht. Wenige Tage vor ihrem Abflug konnte die Familie noch einmal im Bild festgehalten werden: Am Uferrand positionierten sie sich zum „Lebe-Wohl-Sagen“, in der Mitte mit Immutabilis. Ihre „Ziehmutter“, der Altschwan, defilierte immer achtsam hinter ihnen. Die Jungschwäne übten das Fliegen nicht sehr lange. Mitte Oktober schwangen sie sich zu einem gemeinsamen Teichrundflug in die Luft, landeten wieder bei ihrer „Ziehmutter“, und ohne langes Besinnen ging es wieder in die Luft, nun aber mit der „Ziehmutter“ gemeinsam auf Nimmerwiedersehen. Wohin sie geflogen sind und welches Überwinterungsgewässer sie wählten, wird wohl weiter verborgen bleiben.
Auf Teichen in der Nähe von Machern, wie auf dem Kohlenbergteich bei Brandis, auf den Bahnteichen bei Borsdorf oder auf dem Albrechtshainer See bei Beucha wurden sie als markante Großfamilien- bzw. Geschwistergruppe nicht entdeckt. Diese Gewässer werden als Überwinterungsplätze von Schwänen genutzt . So waren in diesem Winter auf dem Kohlenbergteich mehr als 20 Schwäne versammelt.
Und im 98er frühjahrswarmen Januar wurde dort auch schon besonders heftig gebalzt. Aus Beringungsuntersuchungen geht hervor, daß 1980 ein Schwanenpaar auf den Macher Teichen bei Brandis lebte und dann von 1983 bis 1985 auf den Teichen von Trossin im damaligen Kreis Torgau beim Brüten gesichtet wurde.
Schwan HansHeinrich
Die Freiwillige Feuerwehr Machern hatte 1997 zweimal ihre Kräfte in Sachen Macherner Schwäne einzusetzen. Das erste Mal war es am 11. Juli, als der tote, schon in Verwesung übergegangene Altschwan aus dem Schilfgürtelbereiches des Schwemmteiches zu ziehen war, und das zweite Mal am 17. Dezember, als der Schwan HansHeinrich auf der dünnen Eisdecke des Macherner Mühlteiches Hilfe vor dem Festfrieren benötigte. Damals herrschten minus 14° C. Der Schwan HansHeinrich ist dort seit vier Jahren „Dauerbewohner“. Infolge eines Schadens am rechten Flügel kann er nicht mehr fliegen, ein Schicksal, wie es früher bei den Schloß- und Parkschwänen bewußt erzeugt worden war. An den kalten Wintertagen sind solche Tiere voll auf die Hilfe des Menschen angewiesen, die ihnen Futter und eisfreien Aufenthalt gewähren. In diesem Winter ist HansHeinrich wie im Vorjahr wieder im Macherner Lanz-Bulldog-Hof bei Familie Sack untergekommen. Dort rufen sie ihn Hansi. Im Sommer aber auf dem Mühlteich ist er für die dortigen Anwohner der liebe Heinrich. Also wurde hier würdevoll ein Schwan HansHeinrich darausgemacht.
Neues Schwanenpaar
Bereits im November , also zwei bis drei Wochen nach dem Abflug der siebenköpfigen Schwanenfamilie mit Immutabilis, war ein neues Schwanenpaar auf dem Schwemmteich gesichtet worden. Einige vertraten die Ansicht, daß das Oberhaupt der fortgeflogenen Familie, der Altschwan, mit einem neuen Partner zurückgekehrt ist. Andere meinten, es handelt sich um ein völlig neues Paar aus der näheren Umgebung, das das freigewordene Revier inspizierte, immer mal wieder verschwand, dann aber im Januar 1998 bei dem ungewöhnlich warmen Wetter beständiger blieb. Der erneute starke Kälteeinbruch Ende Januar brachte den Macherner Kindern echte Winterfreuden und ließ auch den gleich neben dem Schloß liegenden Schwemmteich zufrieren. Dadurch war es möglich, im Schilfgürtelbereich das alte Schwanennest zu fotografieren.
Allerdings war auch das neue Schwanenpaar wieder zu besseren Plätzen fortgeflogen. Am 14.Februar kehrte es zurück. Den Schwemmteich bedeckte zu dieser Zeit in der Mitte noch eine schwache Eisschicht. Doch das Paar fühlte sich wohl und umkreiste ihn im Wasser entlang der eisfreien Uferzone. Bald schon zeigte es auch Anzeichen eines Balzverhaltens, das besonders bei dem etwas größerem Männchen durch die stolze Federpreizung zum Ausdruck kam.
Leider währte die sich abzeichnende Hoffnung auf ein neues erfolgreiches Macherner Schwanenjahr 1998/99 nur bis zum 25. Februar. Da war das Schwanenpaar letztmalig auf der immer kleiner werdenden Wasserfläche des Schwemmteiches zu sehen. Der Schwemmteich wurde zum Abfischen und Umsetzen der zweijährigen Karpfensetzlinge vom Pachtbetrieb, von der Teichwirtschaft Machern/Sachsen, abgelassen. Dazu genügten für die 5,4 ha große Teichfläche eine Woche. Seine Anfüllung aber wird mehr als acht Wochen dauern, so daß an eine erfolgreiche Brut des vielleicht wieder zurückkehrenden neuen Schwanenpaares kaum zu glauben ist. So währte das beobachtete Macherner Schwanenjahr 1997/98 vom 8. März 1997 bis zum 25. Februar 1998.
Noch mehr Bilder zu diesen Schwanen-Beobachtungen gibt es hier:
http://www.uni-leipzig.de/~mielke/schwaene/schwaene.htm
Autor: Prof. Dr. Heinz Mielke
http://www.uni-leipzig.de/~mielke/
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1. Die ungewöhnliche Ausfahrt von Moritz, einem kleinen Kater
Unter der Motorhaube 100 km unfreiwillig nach Dresden
Moritz ist ein schwarzweiß gefleckter Kater. Er war gerade 3 Wochen alt, als er 1999 zur Freude der beiden 4- und 8jährigen Kinder in die vierköpfige Familie M in einem Dorf bei Leipzig aufgenommen wurde. Er sollte nur außerhalb des Einfamilienhauses gehalten werden. Nachts gefiel es ihm ganz gut in seinem Körbchen in der Garage. Und tags erkundete er mehr und mehr das gesamte Anwesen, wobei er durchaus auch öfters im Haus umherschlich und sich dabei schon mal ins weiche und warme Bett vom Papa genüßlich knurrend verirrte. Draußen im Garten tollte er herum und probierte ausgiebig an den Blumenstauden und Sträucher seine Kletterkünste aus.
In der Garage erkundete er auch eingehend die Unterseite des Autos. Eines Tages erschien Moritz nicht, wie gewohnt, zur morgendlichen Fütterung und Liebkosung. Wo war er geblieben? Die Ungewissheit über seinen Verbleib ließ Traurigkeit entstehen. Doch die verschwand blitzschnell, als schon nach drei Stunden ein phänomenaler Telefonanruf aus einem Dresdener Tierheim den gegenwärtigen Aufenthalt von Moritz kundtat. Tierfreunde aus Dresden hatten das auf dem dortigen Parkplatz an den Elbwiesen herumirrende Kätzchen an sich genommen und dem Tierheim übergeben. Jetzt sollte es baldigst abgeholt werden.
Rätselraten entstand darüber, wieso Moritz plötzlich nach Dresden gekommen ist und auf welche Weise er den 100 km langen Weg bis dorthin zurückgelegt hat. Es gab dafür wohl nur eine Erklärung. Moritz hat sich morgens unerkannt unter die Motorhaube von Papas Passat geschlichen und ist dort, als es auf einmal los ging, erschrocken sitzen geblieben und so nach Dresden mitgenommen worden. Erst an den Elbwiesen wurde angehalten und geparkt. Papa ging seiner Arbeit in der Stadt nach, ohne Moritz auch nur bemerkt zu haben. Der hat sich dann zurück auf den Erdboden begeben und und war froh, dass er diese teuflische Fahrt ohne weiteren Schaden für Leib und Seele, wie man so sagt, gut überstanden hatte.
Papa holte den kleinen Moritz am nächsten Tag aus dem Tierheim zurück. Und zu Hause waren sie alle froh, ihren Liebling wieder in ihrer Mitte zu haben. Mama bemerkte hinterher stolz, dass es doch gut von ihr gewesen ist, dem jungen Kätzchen gleich ein Halsband mit der heimatlichen Telefonnummer umgebunden zu haben.
2. Der respektlose Ausflug von Sultan, einer alten Landschildkröte
Durch Grasgestrüpp 800 m freiwillig nach Süden
Kaum waren 8 Wochen seit der „Sonder-Ausfahrt“ von Moritz nach Dresden ins Land gegangen, da machte sich das zweite Heimtier der Familie M unerlaubt, aber voller Energie und mit tierischem Tatendrang auf ziellose Wanderschaft. Es war Sultan, eine über 50 Jahre alte Schildkröte. Die letzten 25 Jahre ihres Lebens gehörte sie zu der Sippe, zu der auch Mama, die Mutti der beiden Kinder gehört. Mama und ihre Zwillingsschwester hatten Sultan damals als Kinder und später als Jugendliche zur sorgfältigen Haltung und Pflege als nicht krachmachendes und pflegeleichtes Heimtier überantwortet bekommen. Nach ihnen betreute dann der Sohn der Zwillingsschwester, die Schildkröte, und vor zwei Jahren erhielten sie die beiden Kinder zur Betreuung, die besonders das 8jährige übernahm. In den Sommerferien hatten sie Sultan mit zu ihren Cousinen genommen. Deren Hund Basko verstand sich zur Freude aller gut mit Sultan.
Wieder zu Hause im Dorf bei Leipzig, blieb Sultan während eines Freiganges im Garten einige wenige Augenblicke ohne Aufsicht, die in diesem Falle Mama übernommen hatte. Und plötzlich war er weg. Er konnte nur unter dem Zaun hindurch zu den Nachbarn rechts oder links oder gar geradeaus ins hohe struppige Gras am dort schrägabfallenden Wassergrabendamm gekrochen sein. Eine halbe Stunde wurde mit vereinten Kräften der Eltern, Kinder, Großeltern und Nachbarn gesucht. Aber die Suche blieb ergebnislos. Sultan wurde nicht gefunden. Mama machte sich bittere Vorwürfe: ein Moment der Unachtsamkeit führte zu diesem schweren Verlust eines geliebten Sippentieres. Zwar war die Betreuung der Schildkröte im Freien seit einigen Wochen neu und schwieriger geworden, da das Loch in ihrem Schildpanzer durch zu heftiges Zerren von Sultan an der Anbindeschnur durchgerissen war und nicht mehr zum Anbinden genutzt werden konnte. Doch war das keine Entschuldigung für Mama, die sich in „tierischer“ Sippenschuld sah.
Als 10 Tage vergangen waren, glaubte in der Familie keiner mehr an ein Wunder wie bei Moritz. Und doch trat es ein. Bei einem Gastwirt in 800 m Entfernung vom Ausreißort hatten Gäste der nahen Klinik die dort gefundene Schildkröte abgegeben. Eine Nachbarin hörte zufällig davon und gab die freudige Nachricht an die Familie M weiter. Als Papa dann den Sultan abholen wollte, musste er erst einmal vom Gastwirt hören, dass da schon einige Kinder „ihren“ Besitz an Sultan gelten gemacht hatten und wieso ihm denn die Schildkröte gehöre? Papa hatte keine Schwierigkeiten mit dem Besitznachweis. Der Hinweis auf das Loch im Schildpanzer genügte. So wurde ihm dann auch der vor 14 Tage ausgerissene Langstreckenwanderer wohlbehalten ohne Schaden für Leib und Seele, wie man so sagt, übergeben. Zu Hause wurde er von allen freudig begrüsst.
Sultan mit seinen Freunden Moritz und Basko
3. Die erstaunliche Wanderung einer jungen Schwanenfamilie
Auf Asphalt 1,6 km instinktvoll vom Brutteich zurück zum Heimatteich
Gerade erst 14 Tage alt, hatten fünf kleine Dunenschwänchen am 1. Juni 1998, es war der Pfingstmontag, mit ihren beiden Eltern eine schwierige Wasser-Land-Wasser-Wanderung von den Deubener Teichen (3) diesseits der B 6 bis zum Dorfteich (1) in Altenbach jenseits der B 6 zu absolvieren und damit eine Wegstrecke von ungefähr 1,6 km zurückzulegen. Erst dannach waren ihre Eltern offenbar beruhigt. Hatten sie doch nun ihr altes liebgewonnenes, heimatliches Gewässer wieder. Vor 9 bis 10 Wochen wurde ihnen dort von bösen Buben der Nestbau verwehrt, so daß sie für die Brutzeit ein Ersatznest auf der Insel in einem der Deubener Teiche (2) bauen mußten.
Nach dem Schlupf gaben sie ihren Kleinen auf dem vorderen großen Deubener Teich (3) noch 10 Tage Zeit zur körperlichen Kräftigung. Dann aber zog das Heimweh die Elternschwäne in Richtung Altenbach. Aus menschlichem Ermessen ist das Nachfolgende kaum vorstellbar: Über die B 6 ging es in das grüne Flächenbiotop (4) mit den zwei kleinen Teichen vor der Geflügelanlage und dann weiter im Graben aufwärts bis zur Straße am Reiterhof Kunze (5).
Hier fand sie Frau Weidlich aus Altenbach. Beherzt trieb sie die Gruppe mit einem Besen, der ihr Hilfe und Sicherheit gab, in Altenbach auf der Straße unter der Bahnbrücke hindurch, dann links rum und dann rechts rum in die Pausitzer Straße, wie es der führende Schwan wollte, bis hin zum Großen Teich (7). Alle 5 bis 10 m legten die Elternschwäne dabei eine Pause ein, um ihre Kleinen nicht beim Watscheln zu überfordern. Anderthalb Stunden dauerte so diese Straßenwanderung. Im Wasser des Großen Teiches (8) schwammen sie guten Mutes davon.
Und am nächste Tag wurden sie auf dem nahen Dorfteich (1) gesichtet und am 3. 6. fotografiert. Wahrscheinlich hatten sie als Weg dorthin den Verbindungsgraben benutzt. Bei allen fünf Dunenschwänen handelt es sich um Immutabilis-Mutationen, die von Beginn an weiß sind.
Die Jungschwäne entwickelten sich in den folgenden Monaten prächtig und übten zum Zeitvertreib auch weiterhin den aufrechten Gang auf der Straße am Dorfteich .
4. Der ereignisreiche Ausgang von Flora, einem Wildschwein/Hausschwein-Mischling
Durch Wald und Feld 1000 m selbstgesteuert zum Frischen in die Natur und zurück mit großer bunter Familie
Im Januar/Februar 1999 wurde die 11 Monate alte Flora von Dieter Preiß aus Gleisberg bei Rosswein in Sachsen zum Presse- und Fernsehstar bei RTL und Pro7. Sie ist ein Wildschwein/Hausschwein-Bastard mit 3/4 Blutanteilen von Keilern und 1/4 von einer Hängebauchsau. Letztere ist ihre Großmutter. Auf die Gene der Großmutter deuten noch der etwas tiefhängende Bauch und die kurzen Beine sowie der Vorderbuckel hin. Ansonsten sind Habitus und Borsten Wildschwein-ähnlich.
Im August 1999 traute Dieter Preiß seinen Augen nicht, als seine Flora mit 8 quicklebendigen, fast drei Wochen alten Frischlingen in den Stall zu ihm zurückkehrte. Bislang folgte Flora ihrem Herrn Dieter Preiß wie ein Schoßhund. Täglich ging er mit seiner Flora ,,Gassi“ (LVZ berichtete am 19.1.1999). Im Juli war Flora jedoch „ausgerissen“ und hatte 1000 m entfernt im nahen Wald unter einer Brombeerhecke gefrischt und dort ihre Kleinen in den ersten Lebenswochen alleine versorgt. Der Vater der Frischlinge ist ein in Knobelsdorf bei Waldheim gehaltener Wildschweinkeiler. Zu ihm war Flora in der Zeit der Rausche (Brunst) gebracht worden. Ihrer beider Nachkommen tragen 87,5 % Blutanteile vom Wildschwein und 12,5 % vom Hängebauchschwein.
Vier der Frischlinge sind längsgestreift, wie es bei Wildschweinen typisch ist, allerdings farblich unterschiedlich. So sind zwei im Grundton dunkler als ihre beiden rotbräunlichen Streifen-Geschwister. Bei den vier anderen sind auf heller Haut unregelmäßig schwarze Flecken verteilt. Floras Herr und Beschützer hat jetzt ein Problem zu lösen: Als sein Lieblingstier noch ein Frischling war, paßte es bequem in die Latzhosentasche und erkundete gemeinsam mit Dieter Preiß per Fahrrad oder Moped die Welt. Später entwickelte Flora eine Vorliebe fürs Trabifahren – Mitfahren wohl gemerkt. Ähnliche Autofahrten aber mit der 9köpfigen Flora-Familie würden vermutlich eine Lincoln Stretch Limousine erforderlich machen.
In den vergangenen Monaten seit August haben sich die Frischlinge gut entwickelt.Die juvenile Längsstreifung ist erwartungsgemäß verschwunden. Sie sind jetzt nur noch zu sechst mit Flora zusammen, da zwei an Verwandte verschenkt wurden.
Jetzt sind nur noch zwei Tiere aus der bunten Flora-Nachkommenschaft mit ihrer Mutter zusammen. Diese schwarzgefleckten erinnern an Schweine der Rasse Bunte Bentheimer, allerdings hier mit langem Wildschweinrüssel. Mutter Flora hat sich in ihrem Verhalten sichtbar verändert. Sie ist unberechenbarer geworden und zu keinen vertraulichen Gemeinsamkeiten wie Ausgang oder etwa gar Auto-Ausfahrt mit ihrem für sie einmal dominanten Herrn und Beschützer Dieter Preiß bereit.
Das Zustandekommen der unterschiedlich gefärbten Ferkel im Flora-Wurf ist wegen der ungenügenden Kenntnisse des genetischen Hintergrundes der Tiere bei der Bastardisierung nicht zufriedenstellend deutbar. Professor Kühn beschäftigte sich am Institut für Tierzucht der Universität Halle mit der Farbvererbung bei Schweinekreuzungen. Im dortigen Museum für Haustierkunde gibt es heute von ihm noch seine Sammlung verschieden gefärbter Ferkel als Präparate aus der Zeit vor 1914, wie sie auf dem abschließenden Bild zu sehen ist.
Das Kleine unten ist Kühn’s Sparschwein.
Autor: Prof. Dr. Heinz Mielke
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Grausame Frühlingssonne,
Du weckst mich vor der Zeit,
Dem nur in Maienwonne
Die zarte Kost gedeiht!
Ist nicht ein liebes Mädchen hier,
Das auf der Rosenlippe mir
Ein Tröpfchen Honig beut,
So muss ich jämmerlich vergehn
Und wird der Mai mich nimmer sehn
In meinem gelben Kleid.
Autor: Eduard Mörike (1804 – 1875)
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Der See hat eine Haut bekommen,
so daß man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.
Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher – titscher – titscher – dirr . . .
Heißa, du lustiger Kieselstein!
Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen -
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.
Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.
Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehn können und den Stein wiederholen.
Christian Morgenstern (1871-1914)
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Ein Fischlein steht am kühlen Grund,
Durchsichtig fliessen die Wogen,
Und senkrecht ob ihm hat sein Rund
Ein schwebender Falk gezogen.
Der ist so lerchenklein zu sehn
Zuhöchst im Himmelsdome;
Er sieht das Fischlein ruhig stehn,
Glänzend im tiefen Strome!
Und dieses auch hinwieder sieht
Ins Blaue durch seine Welle.
Ich glaube gar, das Sehnen zieht
Eins an des andern Stelle!
Autor: Gottfried Keller (1819-1890)
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In einer Zimmerecke wacht,
schon länger, als ich denken kann,
Die schöne Sphinx und schweigt mich an
im Wechselspiel von Tag und Nacht.
Ganz ungerührt und unbewegt
verharrt die finstere Gestalt.
Der Silbermond, der lässt sie kalt,
selbst Sonnenschein sie nicht erregt.
Der Himmel rötet sich und bleicht,
die Flut des Mondlichts steigt und sinkt.
Der Dämmerung es nicht gelingt
und auch der Nacht nicht, dass sie weicht.
Die Zeit verrinnt, Nacht folgt auf Nacht,
und immer noch die Katze träumt;
Mit sanften Augen , goldgesäumt,
hält sie auf ihrem Teppich Wacht.
Sie ruht , ihr Katzenauge starr,
und zu den spitzen Ohren drängt
Das Nackenhaar, mit gelb gesprengt;
das braune Fell ist seidenzart….
Mein träger Liebling, komm heran,
und leg’ den Kopf mir in den Schoß,
Damit ich dir den Nacken kos’
und deinen Samtleib streicheln kann….
Autor: Oscar Wilde (1854-1900)
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Ein Gespenst ist noch wie eine Stelle,
dran dein Blick mit einem Klange stößt;
aber da, an diesem schwarzen Felle
wird dein stärkstes Schauen aufgelöst:
wie ein Tobender, wenn er in vollster
Raserei ins Schwarze stampft,
jählings am benehmenden Gepolster
einer Zelle aufhört und verdampft.
Alle Blicke, die sie jemals trafen,
scheint sie also an sich zu verhehlen,
um darüber drohend und verdrossen
zuzuschauern und damit zu schlafen.
Doch auf einmal kehrt sie, wie geweckt,
ihr Gesicht und mitten in das deine:
und da triffst du deinen Blick im geelen
Amber ihrer runden Augensteine
unerwartet wieder: eingeschlossen
wie ein ausgestorbenes Insekt.
Autor: Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)
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Es blühen die Blumen in buntem Schein;
Sie laden zum Flattern und Kosen uns ein!
So lieblich ihr Duft!
So linde die Luft!
Vergessen ist gestern,
Und morgen ist weit!
Lasst heut uns geniessen
Die goldene Zeit!
Es duften die Blumen und blühen so bunt,
Und jede Blüth’ ist ein rosiger Mund!
Wir flattern im Wind
Und küssen geschwind!
Vergessen ist gestern,
Und morgen ist weit!
Lasst heut uns geniessen
Die goldene Zeit!
Autor: Heinrich Seidel (1842-1906)
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Du Tier, im dunklen Stall geboren,
eh du des Lebens recht bewußt,
greift dich ein Schlächter bei den Ohren
und reißt dich von der Mutterbrust.
Dein großes Auge fromm und helle;
sieht da die Au zum ersten Mal,
doch angstvoll; denn des Hunds Gebelle
treibt rastlos dich durchs grüne Tal.
Bald binden sie dir deine Glieder,
sie achten nicht dein Angstgeschrei,
man wirft dich auf die Schlachtbank nieder
und schneidet dir den Hals entzwei.
Doch bei dem letzten Hauch der Kehle
ein Glanz aus deinen Augen spricht:
„In mir auch wohnet eine Seele,
für mich auch spricht ein Gott Gericht.“
Autor: Justinus Kerner (1786- 1862)


























