Weltgrösste Tiergeschichtensammlung


Edmund Schauer: Agent TQ – Das Schwert von Gen-Dor
1, 2 November, 2006, 7:55
Gespeichert unter: Bücher

Agent TQ – Das Schwert von Gen-Dor. Das zweite Abenteuer des cleveren Siamkaters.
Edmund Schauer: Agent TQ – Das Schwert von Gen-Dor. Mit über 100 schwarz-weiß-Abbildungen, A-Zillingdorf 2005, erschienen im Selbstverlag, ISBN: 3-200-00315-4, 236 Seiten, flexibler Einband, Format 15 x 20,8 x 1,6 cm, EUR 12,90. Zu beziehen im Buchhandel oder direkt beim Autor: http://www.ATQ.at Ein Kinderbuch, an dem auch Erwachsene ihre Freude haben.

covergendor.jpg

„Der Landsknecht schlägt um Mitternacht.“ Als dieser Losungsspruch fällt, wissen die Agenten Edi Cooper und sein Kollege, der intelligente Siamkater TQ, Bescheid: Wieder ist aus dem Schloss des Grafen Orlando ein wertvolles antikes Kunstwerk verschwunden – das berühmte Schwert von Gen-Dor.

Doch dieses Mal waren die Agenten der Regierungsorganisation COBRA und Graf Orlando von Gen-Dor vorbereitet. Zum einen haben sie die Agentin Shirin Lennox und ihre Cornish-Rex-Katze Snofru im Schloss eingeschleust, zum anderen haben sie ein perfektes Duplikat des Schwerts anfertigen lassen. Das Duplikat ist mit einem GPS-System ausgestattet, und so sollte es eigentlich ein Kinderspiel für die Agenten sein, seiner Spur – und damit der Spur der Diebe – zu folgen.

Doch anscheinend war das Duplikat zu perfekt, denn durch eine Verwechslung ist doch das unersetzliche Original in die Ausstellungsvitrine geraten und damit in die Hände der Kunstdiebe. Nun geht eine fieberhafte Verbrecherjagd los, denn das legendäre Schwert ist nicht nur ein kostbares Meisterwerk der alten asiatischen Waffenschmiedekunst, es trägt auch einen verschlüsselten Hinweis darauf, wo der Ritter von Gen-Dor vor Jahrhunderten seinen Goldschatz versteckt hat. Eine Botschaft, die bis jetzt noch niemand entschlüsseln konnte und die der Graf natürlich nicht in den Händen skrupelloser Verbrecher wissen will.

tq2-schwert.jpg

Wer hinter den Kunstdiebstählen steckt, ist den COBRA-Agenten recht schnell klar: Der TROJANISCHE ORDEN, dessen verbrecherisches Oberhaupt sich Colonel Priamos nennt. Mit Drogenhandel und der Fälschung von Banknoten und Markenzigaretten finanziert er seine Kunstsammel-Leidenschaft. Er kennt die Legende des Goldschatzes von Gen-Dor und will ihn mit Hilfe des Schwerts heben.

Der Colonel mag eine skrupellose Verbrecherbande befehligen, Geld haben und über raffinierte technische Hilfsmittel verfügen, aber die COBRA-Agenten haben ihm etwas Entscheidendes voraus: ihre tierischen Hilfstruppen. Agent Cooper und TQ haben den Bussard Vinzenz mit der Luftaufklärung beauftragt. Ausgestattet mit einer ferngesteuerten Videokamera folgt der Vogel dem Fluchtfahrzeug der Diebe, in dessen Fond sich die Katze Snofru versteckt hält. Edi, TQ und ihre Kollegen folgen unauffällig.

Das Ziel der Ganoven sind die Produktionshallen des TROJANISCHEN ORDENS. Hier zeigt sich leider, dass der Einsatzeifer der beiden jungen Agentinnen Shirin und Snofru größer ist als ihre Berufserfahrung. Sie gehen dem TROJANISCHEN ORDEN ins Netz.

In der umgebauten Windmühle, in der der Colonel lebt, kommt es zum dramatischen Showdown.

Werden die COBRA-Agenten der Verbrecherbande das Handwerk legen? Werden Shirin und Snofru gerettet? Bekommt der Graf sein wertvolles Schwert wieder? Und was ist mit dem legendären Schatz von Gen-Dor? Gibt es ihn überhaupt? Das alles erfahren Sie im Buch …

Auch für das zweite Abenteuer von Agent TQ und Edi Cooper gilt: Spannende, amüsante und vor allem gewaltfreie Unterhaltung für Kinder jeden Alters. ;-) . Kräftig zugeschlagen wird hier allenfalls beim Essen. Die Agenten lösen ihre Fälle mit Verstand und dem Einsatz modernster Technik. Edi Cooper kennt immer jemanden, der ihm die erforderliche Ausrüstung beschaffen, anfertigen oder ausleihen kann. Wenn er sie nicht gleich selber bastelt.

beimbasteln.jpg

Da gibt es Multiband-Handys mit GPS-Modul, einen Blitzgenerator, Armbanduhren mit Morsetaste und Kontaktlinsen mit Restlichtverstärker. Ob Taschenlampen, die ohne Batterien funktionieren, Radiosender, die verschlüsselte Botschaften an das Display eines MP3-Players senden oder der BMW mit Tarnvorrichtung, der chamäleonartig das Aussehen seiner Umgebung annehmen kann – in punkto technischer Ausstattung kommen da weder James Bond noch McGyver mit! Die hatten auch allesamt keinen BTS. Was das ist, das erklären Ihnen die Agenten am besten selbst – in Kapitel 7.

Während man der spannenden Geschichte folgt, lernt man ganz nebenbei noch allerhand: über Restlichtverstärker, Schwarzlicht, Sonarsysteme und Infrarotsichtgeräte … wie ein GPS-Navigationssystem funktioniert … was ein Beobachtungssatellit ist und was es mit den Röntgenstrahlen auf sich hat. Man erfährt Interessantes über das Morsealphabet und übers Ver- und Entschlüsseln von Geheimschriften. Im Anhang gibt’s als besondere Zugabe verschiedene Geheimschriften und das Morsealphabet zur persönlichen Verwendung.

Über 100 Zeichnungen und schwarz-weiß-Fotos illustrieren das Buch. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wie man eine erfundene Geschichte fotografieren kann. Die Lösung dafür ist mindestens so originell und genial wie die technischen Hilfsmittel der Agenten: Freunde, Tiere und Familie des Autors stellen einzelne Szenen nach. Und manchmal wird auch ein bisschen in die Trickkiste der Fotomontage und Bildbearbeitung gegriffen.

Dieses „Storyboard“ lässt die Helden ausgesprochen real wirken, fast als wäre man in einem Film. Und wer es noch ein bisschen realer haben möchte: Auf der Seite http://www.atq.at
gibt es weitere Bilder und auch Videoclips von Agent TQ und seinen Freunden. Man kann virtuell das Schloss von Gen-Dor besuchen und sieht sogar die Tarnvorrichtung des Agenten-Autos in Aktion!

Wenn Agent TQ so weitermacht, wird eines Tages wirklich noch Hollywood bei ihm anrufen. In der Zwischenzeit warten wir gespannt auf Band 3 …

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http://www.aufriss.de



Robert Herbig, Ulrike Renk (Hrsg.): MÖRDERISCH – Anthologie der Autoren 4
1, 2 November, 2006, 7:51
Gespeichert unter: Bücher

MÖRDERISCH – 30 Kurzkrimis von 30 Autoren
Robert Herbig, Ulrike Renk (Hrsg.): MÖRDERISCH – Anthologie der Autoren 4, Ebersdorf 2005, Web-Site-Verlag, 3-935982-38-0, Taschenbuch, 220 Seiten. Format 13 x 19x 1,5 cm, EUR 7,99

covermoerderisch.jpg

Braucht man immer einen Roman oder einen kompletten Fernsehabend um gepflegte Krimi-Unterhaltung zu genießen? Nicht unbedingt! Auch eine gelungene Kurzgeschichtensammlung wie MÖRDERISCH garantiert ein spannendes Lesevergnügen und intensives Rätselraten.

Aus rund 300 Kurzkrimis deutschsprachiger Autorinnen und Autoren haben die Herausgeber die 30 besten ausgewählt und zu dieser abwechslungsreichen Anthologie zusammengestellt. Skurrile und kritische, humorvolle und ernste, phantastische und makabere.

Eine Reminiszenz an die klassische „Schwarze Serie“ ist MARLOWES VERMÄCHTNIS von von Jochen Brockmann, Privatdetektiv Kowalski soll seine Klientin erstochen haben. Doch Hauptkommissarin Lieselotte Wagner kennt „Kalle“ Kowalski schon zu lange, um das glauben zu können.

Heldin Carola muss feststellen, dass ihr Mann sie betrügt. Nach einem anregenden Telefonat mit ihrer Freundin serviert sie ihm VANILLEKIPFERLN MIT AROMA. – „Ach, mein Kind, fast jeder von uns hat EINE LEICHE IM KELLER“, sagt der Pfarrer in Heidi Sturm-Noréns Geschichte zu einem Hilfe suchenden Gemeindemitglied. Und genau das ist das Problem. – Dümmer als die Polizei erlaubt stellt sich das DOPPELPACK in Ute Walenskis Krimi an.

Schon zu Lebzeiten ist Hildegard immer zur falschen Zeit am falschen Ort aufgetaucht. Eine Unart, die sie auch nach ihrem Dahinscheiden nicht ablegt – was ihren Freundinnen in Ulrike Renks Story DAS HUHN IST TOT ziemliche Ungelegenheiten bereitet.Dass DIE SUPERMUTTER im Bekanntenkreis und die GEIGENJULE im Haus Mordgelüste wecken können, wird manch ein Leser aus eigenem Erleben nachvollziehen können. Darüber hinaus gibt es höchst außergewöhnliche Tatmotive (GOLDIE von Gisela L. Bock, FUNERAL MASTER von Manfred C. Schmidt, AM ABGRUND von Rudi Jagusch), nicht alltägliche Schauplätze (HERR S. UND DIE TUNFISCHSITZUNG von Dirk Christofczik spielt größtenteils auf dem Klo!) und Erzählungen aus ungewöhnlicher Perspektive (MAX UND DER SILBERHAMMER von Heinz Müller).

Eine Autorenlegende stellt die Verfasser in Wort und Bild vor. So unterschiedlich wie deren Werdegänge sind auch ihre Kurzgeschichten. Hier wird jeder Leser seine Lieblings-Mordgeschichte(n) finden.

Ina Coelen wünscht den Leserinnen und Lesern im Vorwort „mörderisch gute Unterhaltung“. Ich bin sicher, die werden sie haben.

Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com

http://www.aufriss.de



Robert Herbig, Ulrike Renk: Schreibsucht – Lesen kann süchtig machen
1, 2 November, 2006, 3:22
Gespeichert unter: Bücher

Schreibsucht. 29 Kurzgeschichten aus der „Autorenecke“
Robert Herbig, Ulrike Renk: Schreibsucht – Lesen kann süchtig machen, Ebersdorf 2005, Web-Site-Verlag, ISBN: 3-935982, Hardcover, 176 Seiten, Format 14 x 20 x 1,7 cm, EUR 12,–

schreibsucht1.jpg

Sie sind süchtig, die Schriftsteller der Gruppe „Autorenecke“. Schreibsüchtig. Und das ist gut so, denn diese Tatsache beschert uns die vorliegende Anthologie, herausgegeben von Robert Herbig und Ulrike Renk. 20 Autorinnen und Autoren bieten ihrem Publikum eine 176 Seiten starke, höchst abwechslungsreiche Mischung aus 29 Kurzgeschichten.

Inhaltlich sind die Beiträge nicht verbunden, den Leser erwartet ein bunter Mix an Themen und Genres. Geschichten, die uns fröhlich kichern lassen, wechseln sich ab mit solchen, die uns tief berühren, zum Erschauern oder ins Grübeln bringen. Manche der Stories hallen noch lange im Gedächtnis nach.

Greifen wir mal willkürlich hinein in die Fülle der Beiträge: Der wortgewaltige Heinz Müller entwirft in seinen Geschichten DER DODEKAEDER und DER ILLUSTRIERTE SAMURAI phantastisch-mysteriöse Szenarien, die man am liebsten sofort verfilmt sehen möchte. Genau wie Heidi Sturm-Noréns gruselig-unheimliche Geschichte IM NEBEL.

„Du, Papa, wo kommen eigentlich die Haare her?“, fragt der kleine Harald in Andreas Sticklies’ hinreißend komischer Story HAARAUSFALL. Er fragt nicht ohne Grund … ROCK’N’ROLL tanzt die vierzehnjährige Heldin in Lieselore Warmelings Beitrag, wo sie doch brav in ihrem Bett liegen sollte … Und der Protagonist in Robert Herbigs Story FAHR UND SPAR will eigentlich nur mit der Bahn nach Berlin, doch ein ebenso skurriler wie lebensnaher Dialog am Fahrkartenschalter hat gänzlich unerwartete Konsequenzen … FRÜHJAHRSPUTZ macht Sascha Mrowkas Protagonistin Efi – und offensichtlich war das bitter nötig.

Was sagt ein Gentleman, wenn EINE ALTE FREUNDIN ihn um Hilfe bittet? Hannes in Jochen Brockmanns Geschichte sagt „ja“. Und was können viele Männer nicht? Genau: zuhören. Die Folgen sind für Hannes strapaziös – und für den Leser amüsant. – Der zweite Beitrag von Jochen Brockmann, ERWACHEN, geht in eine ganz andere Richtung: Es ist eine stimmungsvolle, erotisch-romantische Liebeserklärung an eine langjährige Lebensgefährtin.

PHILIPP ist der kleine Sohn, um den sich die Mutter in Ulrike Renks Geschichte große Sorgen macht, nachdem sie schon ein Kind verloren hat. Ist sie wirklich nur überbesorgt? DEUTSCHLAND, DEUTSCHLAND ÜBER ALLE von Ralf Seybold hat einen realen Hintergrund: Alles ist vorbereitet, damit der jüdische Kaufmann Hans legal aus Deutschland ausreisen kann. In einer halben Stunde geht sein Zug, da gerät er in eine Razzia der Gestapo. – „Wer die Katze aus dem Haus trägt, trägt das Glück aus dem Haus.“ Hätte Matthias aus Gerti Platzers Story KATZENKIND diese Redensart nur gekannt! – „FASS MICH NICHT AN!“ Der Ehemann in Maike Schneiders Geschichte versteht nicht, warum seine Frau so reagiert. Bis sie sich aufrafft, ihm die Wahrheit zu sagen.

Alle Geschichten hier vorzustellen, würde den Rahmen einer Rezension sprengen, obwohl jeder einzelne Beitrag eine Würdigung verdient hätte. Mein Rat daher: Kontaktieren Sie den Buch-„Dealer“ Ihres Vertrauens und beschaffen Sie sich diesen ausgezeichneten Lesestoff. Aber sagen Sie nicht, man hätte Sie nicht gewarnt: Auf dem Cover steht groß und deutlich „Lesen kann süchtig machen“. Sollten Sie Nachschub benötigen: Aus dem „Labor“ der Herausgeber Herbig und Renk kommt immer erstklassige Ware …

Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com

http://www.aufriss.de



Timo Bader, Jürgen Brandner (Hrsg.): WILDES LAND, Edition Geschichtenweber
1, 2 November, 2006, 3:20
Gespeichert unter: Bücher

Vierzehn phantastische Geschichten aus Sümpfen, Höhlen und Wäldern
Timo Bader, Jürgen Brandner (Hrsg.): WILDES LAND, Edition Geschichtenweber, Illustrationen von Mandy Schmidt, Ebersdorf 2005, Web-Site-Verlag, ISBN: 3-935982-39-9, 239 Seiten, Taschenbuch, Format 12,5 x 19,5 x 1,2 cm, EUR 9,90. Um die Schauplätze der Geschichten auch noch für unsere Nachkommen zu erhalten, spenden die Autoren und Künstler aus dem Erlös der Anthologie EUR 2,- pro verkauftem Exemplar an den »World Wide Fund For Nature« (WWF).

cover-wildesland.jpg

Wenn sich die Autorinnen und Autoren des Geschichtenweber-Forums zusammentun um gemeinsam eine Anthologie herauszugeben, gibt es immer ein übergreifendes Thema. In dem Band WILDES LAND ist der Schauplatz der gemeinsame Nenner: Alle Geschichten spielen entweder in Sümpfen, Höhlen oder Wäldern. Ob die Autoren das Thema abenteuerlich, realistisch, phantastisch, psychologisch, erotisch oder ganz anders angehen wollten, stand ihnen frei. Entsprechend abwechslungsreich sind die 14 Geschichten der 14 Autoren.

In J.R. Krons Story DER WOLF UND DER GEIST treiben ein paar junge Männer gemeinen Schabernack mit dem versoffenen Ritter von Habenstein. Sie stecken ihn in eine alte Rüstung und scheuchen ihn in den Wald, den sonst kein Sterblicher zu betreten wagt, denn dort herrschen der Wolf und der Geist. Damit ist der Ritter eigentlich ein Todeskandidat – doch in diesem Wald ist nichts so wie es scheint …

Wussten Sie, dass es auch unter Zauberern unfähige Theoretiker gibt, die auf dem praktischen Sektor nichts zu Wege bringen? Nigil aus Irmgard Fliedner-Grandkes Geschichte ALBENKIND ist so einer. Er will die gefährlichen Alben um Hilfe bitten und hat unterwegs eine schicksalhafte Begegnung …

„Klumpiger, stinkiger Mist eines grünen Bergtrolls!“, flucht die gestaltwandlerische Diebin Sijanka in Maike Schneiders Story EINE HERZENSSACHE. Sijanka hat sich auf einen Deal mit einer Hexe eingelassen und muss nun das Herz des Waldes stehlen. Aber wo – und vor allem was – ist das?

ENTFÜHRT IN EINE FREMDE WELT wird der Ich-Erzähler in Martin Skerhuts gleichnamiger Geschichte. Bereitwillig lässt er sich von einem Priester der Nachtelfen verführen – ein erotisches Abenteuer, das sein Leben in ungeahnter Weise beeinflusst …

„Helden haben es wirklich nicht leicht!“, muss Thoron in Philipp Bobrowskis Beitrag DER FEUERSTERN feststellen, als er loszieht, um seine entführte Freundin Doriel zu retten. Dabei wollten die beiden doch nur gemütlich auf einer Waldlichtung die Abendsonne genießen. Jetzt ist sie verschwunden und muss sich mit Drachen und ähnlichen Unsympathen herumschlagen …

Sabrina Eberl lässt drei Freunde DAS GEHEIMNIS DER HÖHLE erkunden. Doch so genau wollten die es gar nicht wissen. Science-fiction-Fan Nina Horvarth lässt DAS DING AUS DER HÖHLE auf arglose Expeditionsteilnehmer los. Und auch die vier Bergesteiger in Marion C. Mainkas Story DAS GRÜNE LEUCHTEN haben eine mysteriöse und äußerst folgenschwere Begegnung in einer Höhle. Überhaupt scheint sich dieser Schauplatz ganz besonders für schaurig-schöne Abenteuer zu eignen, ganz gleich, ob das Grauen nun übersinnlichen oder außerirdischen Ursprungs ist.

Es gibt allerdings auch ein, zwei Geschichten in dem Band, die weniger gut funktionieren. Entweder weil die Moralkeule gar zu heftig geschwungen wird oder weil die Story vermutlich aus einem umfangreicheren Fantasywerk herausgelöst wurde, was langatmige Erklärungen notwendig macht und den Leser mit vielen Eigennamen verwirrt.

Einen Punktabzug gibt es für die Zeichnungen, die den Band illustrieren. Sie sind liebevoll gemacht und man merkt, dass die Künstlerin sich mit den Geschichten auseinandergesetzt hat. Aber sie erreichen noch nicht das professionelle Niveau, das die überwiegende Mehrheit der Textbeiträge hat.

Die Geschichtenweber können packende und phantasievolle Storys erzählen, das haben sie bereits in drei Anthologien bewiesen. Und dem sollte man auch durch eine entsprechende Buchgestaltung Rechnung tragen. Beim Buchcover klappt das ganz ausgezeichnet: Für die Umschlagillustration konnte man erneut den Schweizer 3D-Graphiker Michael Bozenicar gewinnen. Die stimmungsvollen phantastischen Bildwelten, die Bozenicar mit Hilfe von 3D-Programmen entstehen lässt, sind die perfekte Ergänzung zu den Texten der Geschichtenweber.

Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com

http://www.aufriss.de



Diane Elbrecht und Heike Rau (Hrsg.) Leselupen-Bücherei: Tierische Geschichten
1, 2 November, 2006, 3:19
Gespeichert unter: Bücher

Tierische Geschichten für Kinder – zum Vorlesen und selbst Lesen
Diane Elbrecht und Heike Rau (Hrsg.) Leselupen-Bücherei: Tierische Geschichten, Illustrationen von Christine Rau, Ebersdorf 2005, Web-Site-Verlag, ISBN: 3-935982-35-6 ISSN: 1860-1863-05, Hardcover, 208 Seiten, Format 13 x 19,5 x 1,5 cm, EUR 12,– (D),

covertierisch.jpg

Die Leselupen-Bücherei, herausgegeben von der Literaturplattform http://www.leselupe.de, hat Tradition: TIERISCHE GESCHICHTEN ist bereits der fünfte Band dieser Reihe – und viele weitere werden hoffentlich folgen.

Die Anthologie TIERISCHE GESCHICHTEN wurde speziell für Kinder im Vorlese- und Erstlesealter zusammengestellt. Und wie so häufig, haben auch erwachsene Leser ihre Freude daran.

22 Autoren steuerten insgesamt 23 unterhaltsame Geschichten bei, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Da gibt es Spannendes, Lehrreiches und Lustiges, Geschichten zum Staunen, Mitfiebern, Schmunzeln – und solche, die zum Nachdenken anregen und den Kindern Mut machen, wie zum Beispiel „Ricardo, die kleine Maus“.

Zauberhaft ist die Geschichte vom Seestern Astor, der seine Mit-Meeresbewohner mit einem Konzert beglücken will – aber etwas Entscheidendes nicht bedacht hat. Hilfe naht von ganz unerwarteter Seite. Köstlich auch das Abenteuer „Dog und der rote Rucksack“, das komplett aus der Sicht des Hundes erzählt wird. Jetzt ahne ich, wie sich meine Tiere das Berufsleben ihrer Menschen vorstellen …

Einem ungewöhnlichen Retter in der Not begegnet Wellensittich Maxi. Ebenso ungewöhnlich ist die Begegnung, die ein armer Holzschnitzer hat: Er trifft auf eine Fee, die ihn mit einer sonderbaren Aufgabe betraut: Er soll einem Vogel einen Namen geben.

Die Zirkustiere proben den Aufstand, Theodor Tausendfuß hadert mit seinen vielen Beinchen, der kleine Sebastian geht mit seinem Hund auf die Alm statt zur Schule, und der unglückliche Feuerdrache Friedolin braucht die Hilfe von Opa Krokobald. Schwein Schmatze schließlich verliert seine Freunde an einen eitlen Pfau. Doch dann geschieht ein Unglück, das den Tieren die Augen öffnet …

Zu jeder der 23 kindgerecht erzählten Geschichten ließe sich hier etwas sagen. Ich kann leider nur ein paar wenige herausgreifen. Unterhaltsam und lesenswert ist jede einzelne aus dieser Anthologie.

Die aufschlussreiche Autorenvorstellung im Anhang zeigt, dass die Verfasser so unterschiedlich sind wie ihre Geschichten. Männer und Frauen, Kaufleute und Künstler, Lehrer und Schüler, Ruheständler und Familienmanagerinnen … Sie kommen aus allen Teilen der Republik und sogar aus dem benachbarten Ausland. Ich habe jedoch einen Moment gebraucht um hinter das Ordnungsprinzip der Autorenvorstellung zu kommen: Die Verfasser sind hier alphabetisch sortiert – nach ihren Vornamen.

Einige der Autoren haben Kinder, und so ist anzunehmen, dass ein großer Teil der Vorlese-Geschichten schon vor einem kritischen Testpublikum erprobt wurde und bestanden hat. Ein besonderes Vorlese-Erlebnis dürfte Tinta Thuraus Beitrag „Als die Hühner streikten“ sein. Das hat beinahe schon Hörspielcharakter. Hier darf man als Vorleser nicht einfach nur erzählen, da sollte man nach Möglichkeit gackern, krähen – und singen. Nach einer passenden Melodie für Gockel Silencios „Ei-Ei-Eier-Rock“-Song suche ich noch …

In dieser tierischen Anthologie findet jeder seine Lieblingsgeschichte(n), auch wenn er dem Vorlese- und Erstlesealter längst entwachsen ist.

Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com

http://www.aufriss.de



Marco Frohberger und Robert Herbig (Hersg.): Terror – Umarmung des Bösen
1, 2 November, 2006, 3:17
Gespeichert unter: Bücher

Terror – Umarmung des Bösen. Anthologie der Autoren, Band 2
Marco Frohberger und Robert Herbig (Hersg.): Terror – Umarmung des Bösen, Ebersdorf 2004, Web-Site-Verlag, ISBN: 3935982178, 260 Seiten, Hardcover, Format 15 x 21,5 x 2,4 cm, EUR 12,90,–

terror-cover.jpg

Terror ist das Verbreiten von Angst und Schrecken durch Gewalt und beileibe keine Erfindung radikaler politischer Gruppierungen des 20. Jahrhunderts. Terror ist so alt wie die Menschheit und hat viele Gesichter. Die zeigt er in dieser packenden Anthologie.

Das faszinierende, vielschichtige Thema verdanken wir den Herausgebern Marco Frohberger und Robert Herbig. Sie riefen im Internet deutschsprachige Autorinnen und Autoren auf, dazu ihre Kurzgeschichten einzureichen.

150 Teilnehmer folgten diesen Aufruf. Frohberger und Herbig konnten deshalb aus dem Vollen schöpfen und für ihre Anthologie die besten, spannendsten und mitreißendsten Geschichten auswählen. Es wurden 39 Beiträge von 39 Autoren.

Herausgekommen ist eine abwechslungsreiche Sammlung spannender und oft beklemmender Kurzgeschichten. Da gibt es zum Beispiel Mary, eine junge Witwe, die zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Oder den Sensationsreporter, der einen außergewöhnlich guten Riecher für Katastrophen hat. Die jungen Soldaten, die im Irak mit dem realen Schrecken des Krieges konfrontiert werden. Und den Major, der sich fragen lassen muss, was ihn eigentlich von den Terroristen unterscheidet, die er verfolgt.

Wir begegnen Tätern und Attentätern, Opfern, Rettern, Zuschauern – und Wegschauern. Wir werden Zeugen von Terror in der Familie, in Beziehungen, in der Nachbarschaft, auf der Straße, am Arbeitsplatz und in der Schule. Die Motive sind genau so vielfältig wie die Erscheinungsformen des Terrors. Die Geschichten spielen in Gegenwart und Zukunft. Manche besitzen einen realen Hintergrund, andere haben Elemente des Phantastischen. Sogar Tiere gehören zu den Opfern des Terrors.

Hätten Sie gedacht, dass man das Thema „Terror“ auch auf humorvolle Weise angehen kann? Nein? Dann lege ich Ihnen den Beitrag „Schnäppchen-Terror“ von Jochen Brockmann ans Herz. Sie werden staunen!

Am Ende jeder Geschichte steht eine Kurzvorstellung der Autoren in Wort und Bild – und man sieht, dass die Verfasser so interessant und unterschiedlich sind wie ihre Geschichten.

Drei der Beiträge aus dem Buch wurden von einer Jury mit einem Preis ausgezeichnet. Welche das sind, ist in dem Band erwähnt. Ob Sie als Leser wohl die selbe Auswahl getroffen hätten – oder vielleicht eine ganz andere? Darüber können Sie selbst urteilen, wenn Sie das Buch lesen. Ich kann Ihnen jedoch versichern: Die Wahl fällt einem ausgesprochen schwer!

Wenn Ihnen die spannenden und vielseitigen Geschichten aus der Anthologie der Autoren gefallen, habe ich eine gute Nachricht für Sie: Es gibt noch mehr davon! Band 3 ist unter dem Titel „Mörderisch“ erschienen und weitere Projekte sind in Vorbereitung.

Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com

http://www.aufriss.de



Geschichtenweber, Hrsg. Maike Schneider: Schatten des Jenseits
1, 2 November, 2006, 3:15
Gespeichert unter: Bücher

Schatten des Jenseits – 13 unheimliche Geschichten
Geschichtenweber, Hrsg. Maike Schneider: Schatten des Jenseits, Ebersdorf 2005, Web-Site-Verlag, ISBN: 3-935982-36-4, 169 Seiten, Taschenbuch, Format 13 x 19 x 1 cm, EUR 8,–

schattendesjenseits.jpg

Für jedes andere Projekt wären diese bibliographischen Daten vermutlich als schlechtes Omen gewertet worden. Zu einer Anthologie der unheimlichen Geschichten passen sie jedoch ganz ausgezeichnet: 13 Beiträge von 13 Autoren auf 169 ( = 13 x 13) Seiten. Zufall? Absicht? Schicksalhafte Fügung? Wer weiß …?

„Gibt es sie, die Momente zwischen zwei Zeiten, zwei Welten, zwei Realitäten – oder gibt es sie nicht?“, fragt Herausgeberin Maike Schneider im Vorwort. Diese Frage muss jeder Leser für sich selbst beantworten. Das ist nicht immer einfach. Spannend und mitreißend irrlichtern die Geschichten zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen Wirklichkeit und Geisterwelt. Und je schmaler der Grat dazwischen ist, je enger sich die Geschichte an unsere alltäglichen Erfahrungen anlehnt, desto gruseliger und Furcht erregender wirkt sie.

Da lässt sich ein junger Mann von seinem Kumpel zu einer abgefahrenen Friedhofsparty mitschleppen, die ziemlich aus dem Ruder läuft. Haben die beiden Übernatürliches erlebt oder nur zu viel getrunken? ¬– Ein Skeptiker versucht vergeblich, die Gäste einer Halloween-Party davon zu überzeugen, dass es keine Geister gibt. Es will ihm einfach nicht gelingen. Statt dessen hat er eine Begegnung der unheimlichen Art. Hätte er lediglich das sonderbare Gebräu ablehnen müssen, das man ihm offerierte – oder steckt mehr dahinter? ¬– Plagen Cindy nur Schuldgefühle wegen eines tödlichen Unfalls, oder will sich wirklich ein Geist aus dem Jenseits an ihr rächen?

Die Tattoos, die Timo sticht, wirken sehr lebendig. Zu lebendig … – Hermann hat ein antikes Brettspiel auf dem Dachboden gefunden, das seinen geselligen Spieleabend gehörig durcheinander bringt … Was hat es mit den merkwürdigen Alpträumen der Archiv-Mitarbeiterin Frenzel auf sich? Sind die Kellergeister, von denen Patricks großer Bruder immer erzählt, tatsächlich nur Spukgeschichten für Kinder? – Und nachdem Sie gelesen haben, was Bernhard Schmidt erlebt, als er nachts allein im Bürogebäude ist, werden Sie es sich zweimal überlegen, ob Sie so spät noch Überstunden machen wollen …

Achtung! Bei einigen Geschichten könnten Sie einen trockenen Mund bekommen vor atemloser Spannung. Holen Sie sich also am besten etwas zu trinken aus dem Keller – aber bitte bevor Sie zu lesen anfangen. Danach werden sie sich vielleicht nicht mehr hinunter trauen …

„Schatten des Jenseits“ ist ein Gemeinschaftswerk des Geschichtenweber-Forums. http://www.geschichtenweber.de ist ein lockerer Zusammenschluss von Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die gemeinsam Anthologien – Sammlungen von Kurzgeschichten zu bestimmten Themen – planen, erarbeiten, gestalten und veröffentlichen. Sie üben die unterschiedlichsten Berufe aus, decken nahezu alle Altersschichten ab und schreiben meist schon seit frühester Kindheit.

Sämtlichen Beiträgen in dem Buch ist jeweils ein Kurzporträt des Verfassers vorangestellt. Ein besonderer Service für all die Leser, die, wie ich, gerne wissen, welcher kluge Kopf hinter einem Werk steckt. Manche Autoren haben sogar eine Kontaktadresse angegeben. Mutig?
Allenfalls ein bisschen. Hauptsächlich werden wohl Fanpost und Glückwunschmails eingehen. Gemecker ist bei diesen unterhaltsamen Geschichten kaum zu befürchten.

Die Autoren und ihre Beiträge: Bernhard Weissbecker: Ein Opfer für die Geister; Birgit Käker: Drei aus der Hand; Dorothea Rake: Erinnerung; Gerti Platzer: Das letzte Tattoo; Jochen Brockmann: Das alte Gasthaus; Jörg Olbrich: Gefährliche Träume; J.K. Brandon: Das Grab der Alten; Maike Schneider: Charlys Nacht; Marion Charlotte Mainka: Das Haus in den Marschen; Martin Skerhut: Mein Vater; Manuela P. Forst: Isabella; Philipp Bobrowski: Käuze am Küstrinchen: Timo Bader: Die Rache der Kellergeister.

Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com

http://www.aufriss.de



A. C. Sansone: HASSAN – to dream the impossible dream
1, 2 November, 2006, 3:12
Gespeichert unter: Bücher

A. C. Sansone: HASSAN – to dream the impossible dream
ISBN 3-901607-16-1, Bludenz 2004, Rhätikon-Verlag, 187 Seiten, 12,4 x 18 x 1,5 cm, Taschenbuch, € 9,90. Für Kinder ab 10/12 Jahren. Ausgezeichnet mit dem Jugendliteraturpreis des Landes Steiermark 2002.

coverhassan.jpg

Der sechsjährige Patrick Duvallier ähnelt in vieler Hinsicht seiner Tante, der Journalistin Sophie: Er gibt sich nicht mit billigen Antworten zufrieden und geht den Dingen gern auf den Grund. Er folgt seinen spontanen Eingebungen, und wenn er sich einmal ein Ziel gesetzt hat, verfolgt er es mit Charme und verblüffender Hartnäckigkeit.

Als Patrick im Fernsehen einen Bericht über den 12-jährigen Hassan sieht, der durch eine Landmine ein Bein verloren hat, ist er entsetzt und erschüttert. Und er will unbedingt etwas dagegen unternehmen. Irgendwer muss ja diese Minen produzieren, und irgendwer muss sie im Gelände vergraben. Und diesen Leuten will er ins Gewissen reden.

Die Familie nimmt Patricks Anliegen zunächst nicht ernst. Nur sein 12-jähriger Bruder Pierre unterstützt ihn. Er berichtet in der Schule darüber, und mit Hilfe des Religionslehrers schreibt die Klasse einen Brief an den Minister.

Dem kleinen Patrick geht das Schriftliche nicht schnell genug. Er hält mehr von einem persönlichen Gespräch. Mit einem Trick mogelt er sich in die nächste Kaserne und schafft es tatsächlich, den Chef der Garnison zu sprechen. Der Hauptmann zeigt zwar Verständnis, doch er kann nicht helfen. Auch er verweist auf den Minister. Doch der schreibt halt nicht zurück.

Robin Hood hätte sich auch nicht lange mit Briefeschreiben aufgehalten, meint Patrick, und macht sich klammheimlich auf nach Paris, um mit dem Minister ein Gespräch „von Mann zu Mann“ zu führen. Zum Glück bekommt sein älterer Bruder Pierre noch rechtzeitig Wind von der Sache. Zwar kann er Patrick sein Vorhaben nicht ausreden, aber er kann ihn wenigstens in die Stadt begleiten. Dort wohnt Tante Sophie, und die muss ihnen helfen.

In Paris geht das Abenteuer erst richtig los, in dessen Folge die beiden Burschen unter anderem vor einem Wachmann flüchten, nachts in Friedhofsnähe landen und sogar von einer Fernsehjournalistin interviewt werden.

Werden sie das unmöglich erscheinende Ziel erreichen – ein Verbot der Landminen? Oder werden sie am Schluss enttäuscht sein, weil die Erwachsenen ihren Einsatz nicht ernst genug nehmen? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, realistisch und trotzdem ermutigend.

Die beiden engagierten Burschen und ihre eigenwillige Tante wachsen einem sehr schnell ans Herz und bleiben noch lange im Gedächtnis. „Der Roman handelt von Sinn und Zweck, sich für eine Sache zu engagieren, sich ohne wenn und aber für eine Sache einzusetzen, von der man zutiefst überzeugt ist“, schreibt Alfred Ohswald bei http://www.buchkritik.at. Doch keine Angst vorm ernsten Thema: Der Humor kommt nicht zu kurz. A.C. Sansone beherrscht die Kunst, lebendige, sympathische Romanfiguren zu schaffen, köstliche Situationen (Patrick in der Kaserne!) und herrlich lebensnahe Dialoge.

Da die Geschichte in Rückblenden erzählt wird, empfiehlt es sich, auf die Orts- und Zeitangaben über den einzelnen Kapiteln zu achten. Und auch Leser, die alles am liebsten streng chronologisch erzählt bekommen möchten, sollten sich unbedingt auf dieses Buch einlassen. Es lohnt sich! Es gibt mehr als eine Art, eine gute Geschichte zu erzählen. Bei „Hassan“ lautet die Frage des Lesers nicht „und was passiert jetzt?“ sondern: „Wie, zum Kuckuck, kamen die beiden Jungs nur in diese Situation?“ Und das bringt ganz zweifellos ein zusätzliches Spannungselement in diesen außergewöhnlichen Roman.

Zum guten Schluss fallen alle Puzzleteile an ihren Platz und es bleiben keine Fragen offen. Das heißt, doch … eine: Wann endlich ist Schluss mit diesen entsetzlichen Landminen?

Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com

http://www.aufriss.de



Lydia Schweigert: „Geronimo – Mit den Augen eines Pferdes“,
1, 2 November, 2006, 3:11
Gespeichert unter: Bücher

Mehr Pferdeverstand für die Zweibeiner!
Lydia Schweigert: „Geronimo – Mit den Augen eines Pferdes“, mit 18 schwarz-weiß-Illustrationen, Gelnhausen 2004, Wagner-Verlag, ISBN: 3-935232-38-1, 133 Seiten, Taschenbuch, Format 13 x 30 x 0,8 cm, EUR 13,90

geronimo.jpg

„Viele der so genannten ‚Mistviecher’ wären gar keine, wenn sich die Menschen mehr Gedanken über sie machen würden“, sagt sich Schimmelhengst Geronimo und beschließt, uns Menschen ein bisschen Pferdeverstand zu vermitteln, indem er uns das Leben aus seiner Sicht schildert. Das macht er so charmant, humorvoll und unterhaltsam, dass selbst solche Leser mit Interesse am Ball bleiben, die Pferde bisher bestenfalls aus Westernfilmen kannten.

Wie es sich gehört, fängt Geronimo mit seiner Erzählung ganz am Anfang an: Bei seiner Geburt. Geburtshelferin ist die sympathische und engagierte Pferdepflegerin Sonja, die seine erste menschliche Bezugsperson wird. An ihrer Kompetenz und ihrem Einfühlungsvermögen wird er künftig alle anderen Menschen messen.

10 Tage nach seiner Geburt – Geronimo hat gerade herausgefunden, wie man seine vier Beine so sortiert, dass sie das machen, was er will – kommt ein weiteres Fohlen auf die Welt. „Fidel Castro“ heißt der kleine Fuchs. Geronimo nennt ihn liebevoll „Zwerg“ und genießt es, von dem Jüngeren bewundert zu werden und ihm einiges beibringen zu können.

20 Tage ist Geronimo alt, als sich etwas ereignet, das sein ganzes Leben prägen wird und ihn in den Augen seiner Mit-Pferde zum Helden macht: Als ein gefährliches „Knistermonster“ auf die Wiese geflattert kommt und die Herde in Panik versetzt, springt er mit allen vier Hufen gleichzeitig auf das riesige Ungeheuer und scharrt es so lange mit Dreck zu, bis es sich nicht mehr rührt. Dass das Knistermonster zur Spezies der Abdeckplanen gehört, tut seiner Heldentat keinen Abbruch.

Er fühlt sich wie der König der Welt. „Was sollte mir noch im Leben passieren können? Gab es überhaupt noch etwas, was ich je fürchten müsste?“, fragt er sich. Und das wird sein Leitmotiv. Wann immer er in eine unangenehme Situation gerät, erinnert er sich und den Leser daran, dass er es war, der im zarten Alter von 20 Tagen das gefährliche Knistermonster besiegt hat. Und unangenehme Situationen wird es in seinem Leben einige geben. Die unbeschwerte Jugendzeit im Pferdeparadies währt nicht ewig.

Sein Freund Fidel und er verlassen den Offenstall und ihre Mütter und ziehen um zu den erwachsenen Pferden. Sie werden zu Reit- und Springpferden ausgebildet. Geronimo macht die Arbeit Spaß und er erweist sich als talentiert. Seinem Kumpel Fidel dagegen liegt das Springen gar nicht, und so heißt es Abschied nehmen: Fidel wird als Freizeitpferd an eine junge Reiterin verkauft.

Viel Zeit zum Trauern bleibt Geronimo nicht: Alsbald geht es für ihn zu seinem ersten Turnier. Den ganzen Sommer über sammelt Geronimo bei den Springpferdeprüfungen eine Auszeichnung nach der anderen ein. Er ist gut, aber für den ganz großen Sport reicht es doch nicht. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf: Er wird an die Dressurreiterin Heike verkauft, die fürs Springreiten nur Verachtung übrig hat und Pferde als eine Art lebloses Sportgerät zu betrachten scheint.

Hatte Geronimo bislang geglaubt, dass es überall so schön ist wie zu Hause, wird er sehr schnell eines Besseren belehrt. In seinem neuen Stall macht sich Langeweile breit. Von Mai bis Oktober dürfen die Pferde nicht auf die Wiese, es gibt auch keine fürsorgliche Pferdepflegerin. Seine neue Besitzerin hat kaum Zeit für ihn – und auch nicht viel Gespür für seine Bedürfnisse. Eine Verletzung, Unterforderung und Bewegungsmangel machen Geronimo zu schaffen. Als er eines Tages bockt und seine Reiterin verliert, hat sie die Nase voll und verkauft ihn.

Jenny, seine nächste Besitzerin, ist tierlieb und bemüht, aber eben noch ein unerfahrenes Schulmädchen. Und ihre Eltern haben von Pferden gar keine Ahnung. Geronimo kommt nun in einen Westernstall, wo man überhaupt nichts davon hält, dass Jenny mit Geronimo weiterhin die klassische Englisch-Reiterei betreiben möchte. Darüber kann Geronimo nur den Kopf schütteln. Springreiter und Dressurreiter sind einander nicht grün, Westernreiter und Englisch-Reiter können einander ebenfalls nicht riechen. Sind das nun Reiter oder Prinzipienreiter?

Für solche „Glaubensstreitigkeiten“ hat er kein Verständnis, hat er doch in jeder Disziplin „solche und solche“ Reiter erlebt. Statt einander anzufeinden, sollten sich lieber alle fragen, was das beste für die Pferde ist. Er zumindest hätte er seinen Menschen gerne einmal ein paar deutliche Worte gesagt – zur Chefin des Westernstalls und zum Thema „Paddock“:

„ARTGERECHT? Für Sumpfvögel und Wattwürmer vielleicht. Aber doch nicht für Pferde! Die will doch wohl nicht allen Erstes die Wildnis mit diesem stinkenden Matschloch vergleichen? (…) Wie viele Verrückte gab es eigentlich auf dieser Welt?“

Und auch sonst lässt der Westernstall einiges zu wünschen übrig. Erst als Geronimo sich eine Krankheit zuzieht, die der Tierarzt auf mangelhafte Haltungsbedingungen zurückführt, wendet sich das Blatt für unseren Helden. Und es wartet sogar noch eine ganz besondere Überraschung auf ihn …

Man braucht gar keine Pferdeerfahrung, um mit Geronimo und seinen Artgenossen mitzufühlen und mitzuleiden. Am liebsten möchte man beim Lesen die begriffsstutzigen und gedankenlosen Zweibeiner schütteln, wenn sie wieder mal so rücksichtslos und egoistisch an den Bedürfnissen der Pferde vorbei agieren. Und die Lektüre hat eine nachhaltige Wirkung: Seit ich Geronimos Memoiren gelesen habe, ertappe selbst ich als Nicht-Pferdekenner mich dabei, auf einmal kritisch und interessiert journalistische Beiträge über Pferde und Reitsport zu verfolgen.

Zum Nutzen der Pferde wünsche ich diesem ebenso unterhaltsamen wie informativen Buch viele Leser. Und für mich als Tierfreundin klingt Geronimos Appell aus dem Nachwort außerordentlich plausibel: „Die Klassisch-Reiter nennen es Pferdeverstand, die Westernreiter nennen es Horsemanship – und sie meinem beide das gleiche: Das Nachdenken über unsere Bedürfnisse und das Handeln in unserem Sinne. Darum – bitte, liebe Freunde – streitet euch nicht darüber, wie es heißen soll, wendet es an!“

Die Autorin Lydia Schweigert hat seit frühester Kindheit jede Minute ihrer Freizeit mit Pferden verbracht. Weil ihr das noch nicht genug war, beschloss sie ihr Hobby zum Beruf zu machen und arbeitete sieben Jahre hauptberuflich als Pferdepflegerin. Nach erfolgreichem Abschluss eines Grafikdesign-Studiums seit Februar 2004 arbeitet sie als freie Illustratorin und Schriftstellerin. Die Pferde sind weiterhin ihre große Leidenschaft.

Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com

http://www.aufriss.de



Lydia Schweigert: Floppy – Der Hund vom anderen Stern
1, 2 November, 2006, 3:09
Gespeichert unter: Bücher

Wie man im Weltraum von uns denkt …
Lydia Schweigert: Floppy – Der Hund vom anderen Stern, 5 farbige Illustrationen, Norderstedt 2005, Books on Demand GmbH, ISBN: 3-8334-2908-9, 112 Seiten, flexibler Einband, Format 14,8 x 20,8 x 0,7 cm, EUR 10,20

cover-floppy.gif

Wir sind nicht allein im All. Die Bewohner des Planeten Flups beobachten uns schon lange. Um uns zu erforschen und einschätzen zu können, ob wir vielleicht eine Bedrohung für sie darstellen, beschließt der Wissenschaftlerrat der friedlichen und intelligenten Flupsianer, einen ihrer Leute als Kundschafter auf die Erde zu schicken. Gut getarnt, natürlich, damit wir Erdlinge bei dem Anblick eines Außerirdischen nicht gleich in Panik geraten.

Aus ihrem Professor Flopsberg wird mit Hilfe des „Flupsformators“ für ein Jahr der Undercover-Agent Floppy – ein Hund. In dieser Gestalt kann er in Gesellschaft der Menschen leben und sie unauffällig beobachten. Sie werden sich in seiner Gegenwart unbefangen äußern, weil sie annehmen, er verstehe sie sowieso nicht. So weit die Theorie.

Floppy, alias Professor Flopsberg, klettert also in sein hundegerecht umgebautes Raumschiff und landet kurze Zeit später auf der Erde. In einem einsamen Waldstück vergräbt er sein Transportmittel und macht sich auf den Weg in die Zivilisation. Doch so einfach gestaltet sich die Kontaktaufnahme mit den Erdlingen nicht. Als erstes landet Floppy im Tierheim. Nur dank seiner flupsianischen Intelligenz und fremder Hilfe gelingt ihm die Flucht.

Der nächste Kontakt verläuft schon erfreulicher. Floppy wird von der Tierfreundin Laura aufgelesen und findet bei ihrer Familie und ihren Tieren Unterschlupf. Dumm nur, dass er als Flupsianer kein Fleisch isst. Wie erklärt man den Menschen einen vegetarischen Hund, der dazu noch nachts heimlich die Fernsehnachrichten einschaltet? Doch Flupsianer sind erfinderisch …

Floppys erstaunlicher Bericht an seine außerirdischen Wissenschaftlerkollegen lautet:
„Tiere scheinen im Allgemeinen sehr liebenswerte und hilfsbereite Geschöpfe zu sein. Ob Pferde, Hunde, Katzen, Ziegen, Kaninchen oder Meerschweinchen, alle haben mich sehr freundlich aufgenommen und nie Probleme bereitet. Manche Tiere betreiben eine Art Handel mit den Erdlingen, deren Bezeichnung hier übrigens „Menschen“ lautet. Hühner zum Beispiel tauschen ihre Eier gegen Körnerfutter ein, Pferde tragen die Menschen auf dem Rücken umher und erhalten dafür Pflege und eine äußerst schmackhafte Getreidemischung.“

Doch dieser Urlaub bei Laura auf dem Land kann nicht ewig währen. Floppy hat schließlich einen Forschungsauftrag zu erfüllen. Bei Nacht und Nebel zieht er weiter und stößt auf den gutmütigen LKW-Fahrer Ben, der ihn auf seine Tour mitnimmt, ihm Käsebrötchen kauft, ihn nach Herzenslust Radio hören lässt und ihm aus seinem einsamen Leben erzählt. Auch da bleibt Floppy nicht lange.

Er landet bei dem erfolglosen Schriftsteller Frank. Floppy hat Mitleid mit dem jungen Künstler und beschließt, dessen Karriere auf die Sprünge zu helfen, ehe er zur nächsten Forschungsstation weiterzieht. Das „Hilfsprojekt Frank“ beschert Floppy eine Rolle in einem Kinofilm. Was er sich für den jungen Schriftsteller einfallen lässt, wird hier nicht verraten.

Floppy begleitet den Obdachlosen Jupp und gerät wieder in die Trucker-Szene. Mit dem LKW-Fahrer Hannes fährt er des guten Klimas wegen nach Spanien. Eine ausgesprochen blöde Idee, wie ihm der spanische Streuner Scar versichert. Seine Hundekumpels und er gäben alles darum, ins Hundeparadies Deutschland überzusiedeln.

Doch auch in Spanien gibt es Tierfreunde. Floppy kommt bei Maria unter, die schon allerlei streunende Tiere bei sich aufgenommen hat. Maria sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl. Um ihr den Alltag zu erleichtern bringt ihren Tieren eine Reihe von Tricks bei. „Floppy, dich schickt der Himmel“, sagt Maria und ahnt gar nicht, wie Recht sie damit hat. Sie fragt sich insgeheim, ob Floppy wohl ein entlaufenes Zirkustier ist – oder vielleicht ein ausgebildeter Behinderten-Begleithund? Und auf einmal hat Maria eine geniale Idee, die viele Menschen und Tiere glücklich machen wird.

Wenn Floppy schon in Spanien ist, will er auch das Meer sehen, denn so etwas gibt es nicht auf seinem Heimatplaneten. Sein Abenteuer als „Seehund“ endet allerdings ziemlich unerquicklich. So langsam muss er auch an seine Rückkehr nach Flups denken. Doch zunächst stellt sich die Frage, wie er wieder nach Deutschland kommt. Bei der obligatorischen tierärztlichen Untersuchung, die einer legalen Einreise vorausgeht, würde seine Tarnung auffliegen. Doch nicht nur Flupsianer sind einfallsreich, auch die deutsche Familie ist es, der er am Strand begegnet …

Zurück in Deutschland wird Floppy klar, dass sein Jahr auf der Erde Spuren hinterlassen hat. Sein Kinofilm ist fertig – doch er als Hund muss vor der Tür warten, während sich „seine“ Menschenfamilie im Kino amüsiert. Dafür begegnet er einem alten Kumpel, für den sich ein Lebenstraum erfüllt hat. Und Floppy ist nicht ganz unschuldig daran.

Die Zeit verrinnt, und Floppy muss endgültig nach Hause. Noch einmal spielt er Schicksal für einen treuen Freund – und dann heißt es Abschied nehmen. Doch als Floppy an die Stelle im Wald kommt, an der er bei seiner Ankunft das Raumschiff vergraben hat, bekommt er den Schreck seines Lebens: Ein Hindernis versperrt ihm den Heimweg! Wie kommt er jetzt nach Flups, ehe seine Rückverwandlung einsetzt? Aber Flupsianer sind optimistisch, von Natur aus kommunikativ – und ausgesprochen einfallsreich …

Das Buch ist spannend, rührend und auf intelligente Weise lustig und unterhaltsam. Man kann es als liebenswertes Science-fiction-Märchen für Kinder lesen. Aber es ist mehr. Floppy, alias Professor Flopsberg, sieht unsere Welt unvoreingenommen mit den Augen eines Außerirdischen. Wie er uns Erdlinge wahrnimmt, wird besonders deutlich in seinen Berichten, die er regelmäßig nach Hause schickt. So manches Mal muss man sich sagen: „Autsch – ertappt! Genau so ist es!“ Da dies aber nie besserwisserisch oder belehrend geschieht sondern immer mit einem Augenzwinkern, ist man als Leser durchaus bereit, sich über Professor Flopsbergs Sicht der Dinge Gedanken zu machen. Es ist direkt schade, dass er nur eine literarische Figur ist. Ein ausführliches Gespräch mit ihm würde sich ganz sicher lohnen.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http://www.aufriss.de