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Weil er so fabelhaft vom schwarzblauen Himmel gefallen ist. Weil er so fabulös im dunklen Garten stand, auf einmal, aus dem Nichts, neben mir, ganz dicht an meinem Bein. Mit seinem pechschwarzen Fell. Feucht und ungemütlich, überhaupt nicht einladend für einen ausgedehnten Katerspaziergang war dieser Abend. Der Mond war
viel zu faul, als dass er sich dieses Schauspiel hätte ansehen wollen.
Fabulon, weil er sich so fabelhaft an mich heran geschlichen hat auf seinen schwarzen Pfotenballen. Weil er die dunklen Tiefen meiner Seele mit seinen fluoreszierenden Schrägaugen erhellen will.
Weil er nur 23 weiße Haare trägt, brav nebeneinander angeordnet,
auf seiner pechschwarzen Katerbrust.
Ja, einen Pakt hat er geschlossen mit Mutter Natur. Unabsichtlich.
Sie lässt ihn fast unsichtbar sein in seiner Schwärze und fordert dafür die Gabe, einen Menschen sehend zu machen. Einen zu finden, den es heißt zu umgarnen, zu überzeugen, ihm ein zu Hause zu schenken, ihn aufzunehmen. Den stillen Stolz nicht überwinden, sondern mit ihm, in seiner ruhenden Würde sich wie ein Bettler auf vier Pfoten anbiedern, etwas scheu distanziert, aber aus reinem Herzen.
Solch eine Wahl zu treffen ist wahrlich schwer.
Mutter Natur hatte in ihrer Eigensinnigkeit bei der Geburt von Fabulon nicht bemerkt, dass ganz in der Nähe sein Schutzengel flatterte. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt gewesen, alle Katzengene so zu ordnen, dass eine durch und durch schwarz gefärbte Kreatur entstehen sollte. Immer wieder kamen ein paar helle Stellen hervor, vereinzelt huschten rötliche Tupfer vorbei, die sie sofort in schwarze Fellfarbe verwandeln musste. Mutter Natur hatte mächtig viel zu tun. Sie musste höllisch aufpassen, denn die Gene wollten sich schneller als die Lichtgeschwindigkeit verbreiten.
Der Schutzengel nutzte diese Gelegenheit und breitete seine hilfreiche Güte über Fabulon aus. Ohne Worte. Von diesem Moment an war er mit allen Energien von seinem Hilfsmenschen verbunden. Beide Seelen trugen ein Band, ein unsichtbares Band, das nie zerreißen konnte. Mutter Natur funkte immer wieder dazwischen und zischte etwas von Perfektion in der Gesamtheit. Sie erwischte den Schutzengel und verscheuchte ihn. Wie sie in ihrer Selbstherrlichkeit meinte, in letzter Sekunde. Aber Fabulons Schutzgeist konnte noch die Zeitbestimmung flüstern: „Vor deinem 3. Lebensjahr bringe ich dir dein Zuhause, Fabulon, so ist es vorgesehen.“
„Fabulon, sei tapfer, Fabulon!“
Mutter Natur wurde übertönt von diesen vier Wörtern. Im Herzschlag-rhythmus waren sie überall zu hören, wie Pingpongbälle hüpften sie zwischen allen Wolken, zwischen Sonne und Mond und allen Sternen hin und her. Es dauert solange, bis Mutter Natur der Meinung war, ihr Meisterwerk der schwarzen Schöpfung vollbracht zu haben.
„Ist mir egal wie er heißt, Hauptsache, er ist schwarz, pechschwarz, rabenschwarz, tiefschwarz!“
Mutter Natur verabschiedete sich und war sichtlich zufrieden mit ihrem Ergebnis. Sie war schon etwas älter und manchmal ließ ihre Sehkraft etwas nach. So konnte sie auch nicht erkennen, wie Fabulons Schutzengel 23 weiße Haare auf der winzigen Katerbrust versteckt hatte und noch eins am Hals und eins auf der Schulter. Sie waren die Liebestupfer, die ihn zu seinem Menschen führen sollten.
© JO 7-11-06
Autor: Henriette Jorjan
hejo@online.de
http://www.jorjan.de/
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Draußen ist es schon sehr dunkel. So tiefschwarz …..wie? Ja, ohne hellen Schnickschnack. Nur zwei schräge Grüngucker und wenn ich richtig gezählt habe: fünf weiße Haare. Wo? auf der Brust. Gott sei Dank gesund, nur wenige Zecken, keine Drecksöhrchen, kein abgemagertes Gerippe. Kein bedauernswertes Geschöpf, das mit letzter Kraft Lebenshalt sucht. Ja, WAS denn nun?
Määääk Määääk und gleichzeitig zu Tijo, unserem Oberwachtmeister: „Mensch alter Junge, nu sei nicht so eifersüchtig, mir gefällt es bei euch! Mehr nicht. Einfach total gut, schnurrrrrrrrr.“
Ja, das ist er: einschmeichelnd, unwiderstehlich einschmeichelnd. Schlawiner, Hinterrückseinschleimer! Wieder eine Nr. 5, nur sieht er ganz anders aus als die anderen Nr. 5. So etwas einheitlich Schwarzes hatte ich noch nie. Rabenschwarz. So schwarz, dass niemand es bemerken konnte, wie er vom dunklen Katzenhimmel gefallen ist. Ich w e i ß, dass er ein Monsieur ist. Hab ich erfühlt, fast unmerklich für ihn. So spreche ich ihn auch an, mit Monsieur. Mehr fällt mir zurzeit nicht ein. Ich will gar keinen Namen finden für einen pottschwarzen, hübschen, wunderschönen, schmusigen, liebevoll Köpfchen an meinen Beinen reibenden Terrassen- und Gartenschwärmer! Nein, gibt’s nicht! Nicht noch eine Katze!
Ja, gut genährt ist er, Gott sei Dank. Hab ich vorsichtig abgetastet. Gut ausgeprägte Muskeln. Das Fell ist ein wenig struppig. Kann durch viel Streicheln wieder glänzen. Schwänzchen schwupp in die Spazierstockhöhe, wenn er mich sieht oder hört. Schwupp ist er da, bei mir, ganz nah bei mir. Immer auf Körperkontakt bedacht. Immer ein Pfötchen auf einem meiner Füße.
Ob das eine Marktlücke ist? Schuhe mit einem oder zwei Katzenpfotenabdrücken?
Wir kannten uns schon länger glaube ich. Sehr viel länger als ich dachte, aber ich habe wirklich zwei Igel gefüttert! Ganz bestimmt. Mit Katzenfutter, nass und trocken, immer schön gemischt! Apfel und Bananenstückchen klein geschnitten um den Futterteller herum gelegt. Und ich hab die Igel auch gesehen! Alle beide. Und schnaufen hab ich sie gehört! Und laut geschmatzt haben sie, gute Güte! Und da war es abends draußen noch heller für meine armen alten Augen! Jawoll. Aber zu der Zeit war es auch viertel vor zehn abends, kurz nachdem die beiden Fledermäuse ums Haus sausten. Das war das Zeichen, dann wusste ich, gleich kommen die beiden hungrigen Waldschnaufer mit den hübschen Knopfaugen. Nur wusste ich nicht, dass die Igel ihren 6-Sternegartenessplatz an Monsieur abgetreten haben. Mir sacht ja keiner was!
Heute morgen im Hellen werde ich ihn mir genau ansehen. Er lässt mich an sich ran. Unglaublich! Ich durfte spielerisch, ganz vorsichtig und dezent ertasten, ob nun wirklich Monsieur oder vielleicht doch Madame? Wenn ich irgendwo eine winzige, kleine weiße oder gräuliche Stelle im Monsieurfell finde, darf er bleiben. Nur dann!
Artig werden die Pfoten Reflex gespreizt, wenn ich ihn langsam hoch hebe. Nicht sehr hoch vom Erdboden weg, um ihn nicht zu verunsichern. Aber er lässt auch das geschehen.
„Hör mir mal gut zu, Monsieur!“, hab ich ihm gestern Abend zugeflüstert.
„Du bist nicht menschenscheu, du hast ein zweibeiniges Zuhause. Irgendwo. Sicher weint sich dort jemand die Augen aus. Sucht dich, ruft deinen Namen, irrt in der dunklen Nacht herum, lockt dich mit Leckerchen. Und du hockst hier auf meiner Holzbank. Das gehört sich nicht!“
Zugehört, aufmerksam zugehört hat er mir. Hat nix geantwortet. Typisch Mann! Hat sich gemütlich eingekringelt, zu einem Katzenhalbmond, zu einer Katerhalbmondfinsternis. Auf meiner gut gepolsterten Holzbank. Klar sorge ich dafür, dass ich jedes Jahr nach dem Sommer preiswerte Gartenstuhlauflagen ergattere, für den Winter, für frierende Streuner. Man kann ja nie wissen.
Ob er morgen früh wieder auf seiner Holzbank sitzt, auf meinem Lieblingsplatz? Ob ich den Sonnenschirm draußen aufgespannt stehen lasse, als Katerbankregenschutz? Ob ich bei meiner Tierärztin anrufe und einen Termin abspreche, damit er seine schönen schwarzen Fellgene nicht wahllos in der Umgebung verteilt? Gut, dass mein Rückzugszimmer frisch renoviert ist. Das macht sich gut als Aufwach- und Genesungsraum. Groß, hell, mit Sofabett, unter dem man sich verkriechen kann. Ich darf nicht vergessen, das ausgediente Autofell dorthin zu legen. Nach einer Narkose friert man leicht. Die Heizung muss ich aufdrehen, bevor wir zur Tierärztin fahren.
Wenn wir wieder zu Hause sind, kann er sich vollständig erholen, solange er möchte, hat in seinem eigenen Reich seine absolute Ruhe. Auf meinem Bett darf er es sich gemütlich machen, in zerwühlten Wolldecken. Schließlich hat er seine kleine Operation tapfer überstanden.
Dem gleichmäßigen Plätschern meines Wasserbrunnens kann er lauschen. Das wird ihn beruhigen. Er wird sich sicher fühlen, wenn ich die Salzkristallsteinleuchten anknipse. Er wird an meinen Schritten hören, dass ich komme und ihn streicheln werde. Der Geruch von Vitaminschleckpaste auf meiner Fingerspitze wird ihn verführen. Wenn er mir nach diesem operativen Eingriff böse sein wird, kann ich das verstehen. Schließlich habe ich mich an seiner Manneswürde vergriffen. Ich werde es ihm kurz und knapp erklären und auf sein Verständnis hoffen.Vielleicht bleibt er bei uns. Vielleicht wandert er zu seinem ursprünglichen Heim zurück. Vielleicht wird sich Tijo, mein Kleinster, aber Wildester, mit ihm arrangieren. Nicht andersherum. Monsieur ist lammfromm und katerfreundlich allen meinen Vieren gegenüber. Neugierig tastend, höflich und friedlich. Nase an Nase, ganz vorsichtig und langsam. Nur Tijo muss sich aufspielen. Als Aufpasser mit sehr strengem Blick und unmissverständlichem Fauchen. „Weg hier! Aber schleunigst!“
Vielleicht gefällt es ihm in meinem renovierten Nordseezimmer so gut, dass er dort überwintern möchte, mein Monsieur. Vielleicht muss er sich erst noch ein wenig satt essen, genügend Kräfte sammeln, bevor er seinen langen Heimweg antritt? Vielleicht.
Vielleicht wollte er mir nur liebe Grüße vorbeibringen, von einer Katzenseele? Vielleicht von meiner Nausikaa, sie hatte auch ein tiefschwarzes Fell, nur trug sie eine kleine weiße Raute unterm Kinn. Vielleicht hat er mich schon lange ausgesucht und ich hab’s nicht bemerkt bei all meiner Gartenarbeit. Vielleicht.
© JO 10-06
Autor: Henriette Jorjan
hejo@online.de
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Warum fühlen sich Frauen und Mädchen geliebt, zumindest nicht unangenehm berührt, wenn man sie mit „kleine Maus“ oder „Mausi“ anspricht, sind aber bei einem schlichten „du Ratte“ schwer verärgert?
Diese Frage regt an, die Tierwelt auf ihre Tauglichkeit als Kosewort zu untersuchen. Nehmen wir uns zuerst einmal den Hund vor und beenden das Kapitel gleich wieder. Unser treuer Freund ist als Schmeichelwort vollkommen untauglich. Anders beim Schwein, da ist die Sache nicht so eindeutig. Man läuft aber sehr leicht Gefahr sich zu vergreifen. Ein zärtliches „Du kleines Ferkel“ oder „Du kleines Schweindi“ ist durchaus geeignet, Sympathie auszudrücken. Sie merken, die Beifügung „klein“ beschwichtigt enorm. Bei „Hase“ schwingt, wer weiß zu sagen warum, der Anflug von gekünstelter Zuneigung mit. „Du Hengst“ oder „du Stute“ gehört einer eigenen Kategorie an, ist also weder als Kose- noch als Schimpfwort anzusehen.
Natürlich ist auch der Kulturkreis, in dem man sich gerade bewegt, zu berücksichtigen. Denken wir ans Kamel, das weit davon entfernt ist, bei uns als Kosewort empfunden zu werden. Nicht so in der arabischen Welt. Man beachte die oft gehörten oder gelesenen Namen Kemal, Gamal, Dschemal, Jamal, die alle mit dem Kamel zu tun haben und in denen das arabische Wort „dschamil“ steckt, das „schön“ bedeutet. Nun, wir stehen den Schwielensohlern nicht so unbefangen gegenüber wie die Araber. Schwielensohler? Haben Sie Hühneraugen? Nun, deswegen sind Sie noch lange kein Kamel und möglicherweise nicht wirklich schön.
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
Bei näherer Betrachtung und selbst wohlwollender Beurteilung sind Hühner durchaus nicht so liebenswerte Wesen, wie uns diverse Schilderungen von Idyllen auf dem Bauernhof vorgaukeln wollen.
Man denke nur an die Hühner in den Lege- und Mastbatterien. Allesamt undankbare Geschöpfe. Sie werden mit auserlesenem Futter zu geregelten Zeiten (sogar eine Nachtjause ist eingeplant) und in ausreichender Menge versorgt, brauchen also keine einzige Sekunde und noch weniger einen Gedanken an die sonst so mühsame Futtersuche zu verschwenden.
Der mitfühlende Geflügelhalter stutzt die Krallen und Schnäbel seiner Schutzbefohlenen, eifrig darauf bedacht, die Streitsucht der Hennen auf humane Weise hintan zu halten. Tagtäglich werden sie mit Hormonen und Medikamenten versorgt, wiederum in dem rührenden Bestreben, dass den Hennen, die der Pfleger alle beim Namen nennen kann (Hendi 1 bis Hendi 14256), nur ja kein Unbill zustoße.
Und was tun sie, die Hühner? Sie sind aufsässig, lärmen unbegründet Tag und Nacht, legen Eier, von deren innerer Anwendung abzuraten ist und liefern Fleisch, das Männern stattliche Brüste wachsen lässt.
Solchem Undank kann man nur mit einem Boykott begegnen. Man kaufe keine Eier und kein Hühnchen aus Batteriehaltung, dann werden diese Vögel schon sehen, wie weit sie kommen.
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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Eine deutsch-türkische Weihnachtsgeschichte
Friederike Nordmann, Thomas Erne: Vedat und das Weihnachtsspiel, Köngen, 2006, Kesselwiese-Verlag, ISBN: 3-936740-39-9, Bilderbuch, Hardcover, 24 Seiten, Format: 30 x 21,5 x 0,5 cm, EUR 12,80.
Der kleine Max ist empört: Sein bester Freund Vedat darf nicht beim Weihnachtsspiel des Kindergartens mitmachen, weil er Muslim ist und sein Vater meint, Religionen solle man nicht miteinander vermischen.
Wenn Vedat nicht mitspielen darf, dann will Max auch nicht. Auch wenn dadurch die Rolle des Herodes unbesetzt bleibt und das ganze Weihnachtsspiel ausfällt. Alle Kindergartenkinder sind deswegen sauer auf Max, aber er bleibt eisern bei seiner Entscheidung.
Zum Glück hat Max eine kluge Großmutter, die sich des Problems annimmt und auch schon eine Idee hat. Wird sie es schaffen, das Weihnachtsspiel zu retten?
Der Privatdozent Pfarrer Dr. Thomas Erne hatte die Geschichte im Jahr 2000 unter dem Titel „Der Muslim und das Weihnachtsspiel“ in der Regionalpresse veröffentlicht. Die Lehrerin und Bildhauerin Friederike Nordmann hat, zunächst zum eigenen Vergnügen, den Text mit farbenprächtigen, phantasievollen und detailreichen Collagen illustriert. An eine Veröffentlichung dachte sie dabei nicht.
Immer wieder entdeckt man in ihren Bildern neue Details: Vorhänge aus Geschenkpapier und Tortenspitze, Möbel aus dem Katalog, ein Pullover, der aus einem Zeitungsartikel stammt und ein zerfurchtes Gesicht aus zerknittertem Papier. Sogar echter Schmuck ist auf einem der Bilder zu sehen.
Zum Glück wurde aus dem Freizeitvergnügen der Künstlerin jetzt dieses außergewöhnliche Bilderbuch, an dem Kinder und Erwachsene gleichermaßen ihre Freude haben. Mit einer spannenden und überraschenden Geschichte, in der Christen und Muslime einander ein Stückchen näher kommen, und mit hinreißenden, mit viel Liebe zum Detail gestalteten Collagen.
„Vedat und das Weihnachtsspiel“ kann direkt beim Verlag Kesselwiese, Blumenstraße 6/1, D-73257 Köngen bezogen werden. http://www.kesselwiese.de
Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
http://www.aufriss.de
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Ich lebe in meiner eigenen Welt.
Gefangen von Gedanken an früher.
Das heute ist weg, verschwunden im Nichts.
Ich suche meine Eltern, weiß nicht, wo sie sind.
Ich bin allein, möchte es aber nicht sein!
Da kommt eine Frau und spricht mit mir.
Was sie sagt, verstehe ich nicht.
Ich lebe in meiner eigenen Welt!
Immer wieder soll ich machen, was sie möchten,
aber ich weiß doch nicht was? Was wollen die alle von mir?
Irgendwann fange ich an mich zu wehren.
Ich will das nasse kalte Zeug nicht auf meiner Haut!
Ich will jetzt nicht essen!
Außerdem kann ich das alles alleine!
Was wollen die von mir?
ICH WILL DAS NICHT!!
Ich haue, ich kneife und ich versuche zu beißen.
Ich wehre mich gegen den Zwang!
Ich verstehe nicht, was man von mir will?
Sie sagen, ich wäre aggressiv.
Aber ich bräuchte doch nur Zeit …
und Gelegenhei t…
und jemanden, der mir ZEIGT, was er von mir will.
Worte sagen mir nur noch wenig.
Wo sind meine Eltern? Meine Freunde?
Ich muss doch zur Schule?
Ich lebe in meiner eigenen Welt der Vergangenheit.
In eurer Welt heißt meine Welt DEMENZ,
aber vergesst bitte nie:
ich habe eine Vergangenheit,
mit Liebe, Freude, Lachen, Spass…
mit Ärger, Wut und Trauer …
ich habe gelebt wie ihr!
Autor: Kerstin Meyer
Tinkasg@gmx.net
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Kommissar Fischers zweiter Fall
Ulrike Renk: Seidenstadt-Morde. Tatort Niederrhein, Krefeld, 2006, LEPORELLO-Verlag, ISBN: 3-936783-17-9, Taschenbuch, 254 Seiten, Format: 11,5 x 19 x 2 cm, EUR 9,–
Zunächst sieht es ganz danach aus, als könne Kommissar Jürgen Fischer mit seiner Frau ruhigen Gewissens für ein paar Tage nach Amsterdam fahren. Die Einbruchdiebstähle in der Reitschule sind aufgeklärt und die beiden aktuellen Todesfälle sind eindeutig Selbstmorde.
Oder doch nicht?
Selbst im Urlaub ist Fischer unablässig mit den Gedanken bei den beiden Toten, was nicht nur daran liegt, dass die Amsterdam-Reise auf der ganzen Linie ein Flop ist. Irgendetwas stimmt nicht mit der Selbstmord-Theorie, das sagt ihm sein Instinkt: Ein Student und Leistungsschwimmer springt von der Rheinbrücke und ertrinkt. Eine junge Mutter nimmt eine tödliche Dosis Schlaftabletten. Beide hatten keinen nachvollziehbaren Grund für einen Suizid. Und beide hinterlassen gleichermaßen nichts sagende Abschiedsbriefe.
Guido Ermter, der Chef der Kripo, kann Fischers Bedenken nicht nachvollziehen. Und auch Martina Becker, die sympathische neue Staatsanwältin, sieht keinen Handlungsbedarf.
Erst als sich herausstellt, dass die 7 Monate alte Tochter der Toten verschwunden ist, kommt Bewegung in die Sache. Die Angehörigen des Kindes wähnten es in der Obhut des Jugendamts, doch dort weiß man von nichts. Wer also hat das Baby? Wen hat die Hausärztin angerufen, wenn nicht das Amt? Verschweigt sie der Polizei etwas?
Dann stellt sich heraus, dass die beiden mutmaßlichen Selbstmörder im selben Schwimmverein waren. Genau wie der Student Achim Ponzelar, der mit Anzeichen einer schweren Vergiftung im Krankenhaus liegt. Was geht hier vor? Spielen die undurchsichtigen Geschäfte eine Rolle, denen gleich mehrere Personen im Umfeld des Vereins nachzugehen scheinen? Warum verhält sich die Polizistin Sabine Thelen so eigenartig? Geht ihr nur aus persönlichen Gründen der Fall mit dem verschwundenen Kind nahe? Oder steckt mehr dahinter?
Und wenn Zeugen immer wüssten, dass sie wichtige Zeugen sind, wäre für die Polizei so manches leichter. So verstreicht wertvolle Zeit …
Nicht nur die Fälle sind auf vielfältige und überraschende Weise miteinander verflochten – die Beziehungen der Personen untereinander sind es ebenfalls. Man verfolgt auch diese persönlichen Verwicklungen und Entwicklungen am Rande des Kriminalfalls mit Spannung und Interesse.
Ein mörderisches Vergnügen rundum – nicht nur für Kenner der Region. Obwohl es natürlich immer einen zusätzlichen Reiz hat, wenn man die Schauplätze der Ereignisse aus eigener Anschauung kennt.
Ich bin jedenfalls schon gespannt auf Band drei der Seidenstadt-Reihe und freue mich auf ein Wiedersehen mit den Romanfiguren. Staatsanwältin Martina Becker sollte auf keinen Fall fehlen. Und auch ein gewisser alter Herr mit Hund bleibt hoffentlich gesund und fit und kann auch im nächsten Band wieder seine Spaziergänge unternehmen …
Rezensent: Edith Nebel
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Ein bewegendes Tierschutzmärchen
Franz Spengler: Als die Tiere für einen Tag sprechen durften, Frankfurt a. M. 2005, Cornelia Goethe Literaturverlag, ISBN: 3-86548-249-X, flexibler Umschlag, 52 Seiten, fünf schwarz-weiß-Illustrationen, Format 14,5 x 20,5 x 0,4 cm, EUR 6,40.
Britta und ihre kleine Schwester Insa verbringen ihre Ferien bei der Großmutter auf dem Land. Großmutter betreibt eine Art Gnadenhof für alte, kranke und behinderte Tiere. Sie hat ein großes Herz für die Tierwelt und ist überzeugte Vegetariern. Als die Kinder von ihrer Oma wissen möchten, warum sie denn kein Fleisch mehr esse, erklärt sie ihnen das mit einer sehr berührenden, märchenhaften Gutenachtgeschichte.
In dieser Geschichte bekommen die Tiere auf der Welt von Jesus für einen Tag die Fähigkeit verliehen, sprechen zu können, damit sie den Menschen ihre Bedürfnisse und ihr Leid mitteilen können. “Vergesst auch nicht, ihnen zu sagen, dass alles, was auf der Erde wächst, für sie gedacht ist, aber nicht das, was neben ihnen herläuft und über ihnen fliegt,” lautet sein Auftrag.
Bei der Heldin der Geschichte, einer älteren Bäuerin, kommt die Botschaft sofort an. Auch der Jäger zeigt sich einsichtig und wandelt sich zum Heger. Doch die Bauern aus der Umgebung sind weniger empfänglich für das Anliegen der Tiere und betrachten sie weiterhin als Schlacht- und Nutzvieh.
Als sich immer mehr gefährdete Tiere zu der tierlieben Bäuerin flüchten, reagieren die Bauern ausgesprochen ungehalten und fordern sehr energisch ihr Vieh zurück. Doch die Bäuerin bleibt standhaft.
So viel Engagement und Courage bleibt dem Sohn Gottes nicht verborgen, und er erscheint ein zweites Mal. Die Bäuerin wird für ihre Tierliebe ausgezeichnet: mit der dauerhaften Fähigkeit, die Tiere zu verstehen und mit einer ganz besonderen magischen Kraft, die der Botschaft Jesu bei den Menschen noch mehr Nachdruck verleihen soll: Sie hat nun die Gabe, Menschen in Tiere verwandeln zu können.
Als anderntags die Bauern der Umgebung mit Verstärkung anrücken, um erneut ihr Vieh zurückzufordern, hat das ungeahnte Folgen für sie …
Bei den beiden kleinen Mädchen fällt diese anrührende Geschichte auf fruchtbaren Boden und sie beschließen, dem Beispiel ihrer Großmutter zu folgen und ab sofort kein Fleisch mehr zu essen. Ihretwegen soll kein Tier mehr sterben müssen. Denn Jesus hat zu den Tieren gesagt: “Wir sind alle Geschwister. Ihr seht nur anders aus.”
Wenn bei jedem der jungen Leser ein bisschen etwas von der Botschaft dieser spannenden und lehrreichen Gutenachtgeschichte hängen bliebe, wäre schon viel gewonnen: Respekt vor der Kreatur, nämlich. Das fängt bei unseren Mitgeschöpfen, den Tieren, an. Und wenn sich dieser Respekt und die Einstellung „leben und leben lassen“ auch noch auf unsere Mitmenschen ausdehnen ließe – das wäre ganz wunderbar.
Rezensent: Edith Nebel
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Du hast mich in meinen jungen Jahren geholt, mir eine schöne Katzenkindheit besorgt!
Du hast mir ein schönes zu Hause gegeben!
Du hast mir Nahrung, sehr viel Liebe gegeben!
Du hast mit mir gespielt, wenn ich Lust dazu hatte!
Du warst immer für mich da, wenn ich schmusen wollte!
Du warst immer um mich besorgt!
Dann kam der Tag, an dem wir Abschied nehmen mussten!
In den letzten Stunden meines Lebens warst Du wieder für mich da!
Du hast mein Fell mit Deinen Tränen benässt!
Ich dürfte in Deinen Armen liegen und beide wussten wir – ich muss jetzt gehen!
Du hast mir; in meinen letzten Minuten, wie immer Deine ganze Liebe gegeben!
Ich konnte jetzt meine Augen für immer schließen,
hab Deine Liebe mit auf meine Reise genommen.
Nun ist mein Kratzbaum unbenutzt.
Dein Herz sucht nach mir, wenn Du nach Hause kommst!
Am Morgen wartet Dein Herz, bis ich komme, doch ich komme nicht mehr!
Mein Platz an Deiner Seite bleibt leer, kein Schnurren folgt dem mehr!
Meine Schälchen stehen leer im Schrank umher!
Dein Heim und Herz ist ohne mich so leer!
Ich möchte; das Dein Herz wieder mit Freude gefüllt wird!
Mein Platz am Morgen wieder besetzt ist,
ein Schnurren wieder durch den Raum geht,
meine Schälchen wieder gefüllt wird,
der Kratzbaum wieder genutzt wird!
Deine große Liebe für Katzen weitergegeben wird!
Gib einer neuen Katze ein zu Hause, wie ich es hatte!
Wir waren beide, in meiner Zeit so innig vereint,
es soll nicht sein,
dass Dein Herz jetzt traurig ist!
In Deinem Herzen werde ich immer meinen Platz behalten!
Das ist mein Testament an Dich!
Ich liebe Dich – eine Katze, die zu früh gehen musste!
© Autor: mama-tempo (Regine Polutta)– Oktober 2006
Autor: mama-tempo (Regine Polutta)
mama-tempo@mama-tempo.de
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Jetzt … bin ich alt.
Ich sitze hier auf dem langen geraden Flur und warte.
Ich warte … aber nichts passiert.
Irgendwann kam einer und sagte, so geht es nicht mehr:
die Wohnung ungepflegt, die Kleidung nicht sauber
und strenger Geruch überall.
Man rief einen Wagen und brachte mich fort.
Fort von der Wärme und dem weichen Fell meines Freundes.
Fort von der Pflicht mich um jemanden zu kümmern.
Sie sagten:
Schaut hier, der Hund kam nicht mehr regelmäßig raus,
man sieht es an der Wohnung!
Im Napf das Wasser ist alt!
Sie brachten mich fort …
Fort von der Liebe, mit der ich jeden Morgen geweckt wurde,
fort von der Hilfe die mein Hund mir gab,
damit ich meine Wohnung wieder finde.
Sie sagten:
Sie kann nicht mal für sich selber sorgen,
wie denn dann noch für ein Tier?
Sie brachten mich fort …
Und die ersten Tage versuchte ich die Menschen
zu überzeugen, dass ich nach Hause muss.
Es ist Mittag und mein Kleiner braucht Futter,
dunkel erinnere ich mich, dass ich danach mit ihm raus muss.
Aber keiner hört mich!
Will mich keiner verstehen??
Man sagt mir, der Hund sei gut untergebracht.
Was heißt das? Mein Kleiner gehört doch zu mir!?
Jetzt … bin ich alt.
Ich sitze hier auf dem langen Flur und warte …
im Arm meinen Stoffhund.
Aber niemand gibt mir die Wärme zurück und die Liebe …
Ich erinnere mich nicht mehr so richtig, aber etwas fehlt …
Autor: Kerstin Meyer
tinkasg@gmx.net


