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Das Monster in der Metro
1, 12 November, 2009, 6:12
Gespeichert unter: Katzen

Monster sind in den Filmen Hollywoods zuhause, das ist erwiesen. Und in der Regel sind sie das Produkt blühender Fantasie. Hierzulande trifft man sie eher selten. Meistens werden sie als grauenhaft fellbesetzte Biester dargestellt. Wobei … fellbesetzt könnte schon hinkommen. Was mich jedenfalls betrifft, so wasche ich meine Hände in Unschuld.

An jenem denkwürdigen Tag hatte ich in Stuttgart zu tun und Miezka und Mowgli dürfen natürlich mit. Für Mowgli ist es die erste längere Reise. Er macht es sich auf der hinteren Ablage bequem, während Miezka eine zeitlang interessiert aus dem Seitenfenster schaut. Unterbrochen wird die Fahrt nur durch zwei kurze Pausen, bei denen die beiden Fellnasen aus dem Auto dürfen, natürlich an der Leine.

Nun ist es so, dass vor allem in Stuttgart eines knapp und teuer ist: Parkplätze! Folglich beschliesse ich in meiner allumfassenden Weisheit, statt mit dem eigenen Spritfresser mit der Straßenbahn in die Innenstadt zu fahren. Also wird das fahrbare Unterteil in einem Vorort geparkt und eben jenes oben erwähnte Vehikel zur Fahrt ins Zentrum der schwäbischen Metropole benutzt.

Ein großer Teil der Stuttgarter Straßenbahn verläuft unterirdisch und nennt sich deshalb U-Bahn, sozusagen die schwäbische Metro. Miezka habe ich dabei auf dem Arm, Mowgli sitzt ausnahmsweise nicht auf der Schulter. Denn ich habe einen großen Rucksack geschultert, auf dem er sich häuslich eingerichtet hat. Verwunderte Blicke werden mir zugeworfen und manche flüstern mit einem Seitenblick auf mich miteinander. Nun sind Miezka und Mowgli hier in der Stadt ein bisschen bekannt, aber ich denke mal, dass sich in der Landeshauptstadt ein solcher Anblick wohl weniger bietet.

So weit, so gut gereist. Meine Angelegenheiten kann ich mit Erfolg erledigen und es ist bereits 18 Uhr, als ich gedenke, mich wieder auf den Rückweg zu machen. An der U-Bahnhaltestelle sind eine Menge Leute, es ist Rush-hour. An einen Sitzplatz ist da nicht zu denken, alle stehen dicht an dicht in der Bahn. Miezka hat sich eng an mich gedrückt, allein Mowgli genießt seine Aussicht vom Rucksack aus.

Links, rechts, vor und hinter mir Leute. Direkt vor mir, mit dem Rücken zu mir, steht eine Frau. Und eben diese Frau ist es, die, aus welchem Grund auch immer, Mowgli’s Interesse weckt. Jedenfalls arbeitet er sich zu meiner Schulter vor und versucht mit seiner Pfote nach der Frau zu grapschen. Die kann natürlich nicht sehen, was da vor sich geht und interpretiert Mowgli’s Annäherungsversuche falsch. Ohne sich umzudrehen sagt sie ziemlich laut: „Lassad se des!“. Für Nichtschwaben: “Lassen sie das!“

Doch Mowgli gibt nicht auf, er will jetzt wissen was Sache ist und versucht ein weiteres Mal Kontakt herzustellen.
„Jetzt langd’s abr!“ („Jetzt reicht’s aber“).
Die Frau dreht sich um, wahrscheinlich um den potenziellen Urheber dieser Berührungsattacken zu eruieren und ihm eine Standpauke zu halten.
Sie dreht sich um …
Und …
Und sieht direkt in das Gesicht eines schwarzen Monsters, das ihr drohend eine mit furchtbaren Krallen besetzte Raubtierpranke direkt vors Gesicht hält.

In Bruchteilen von Sekunden wird sie kreidebleich und stösst einen Schrei aus, der vermutlich noch auf der Spitze des Fernsehturmes zu hören ist. Nur die direkt neben mir stehenden bekommen direkt mit, was geschehen ist, alle anderen hören in der überfüllten Metro nur den Schrei. Einige Köpfe drehen sich, aber kaum einer kann erkennen was los ist.

Es gibt Tage, da sitzt mir der Schalk im Nacken, besonders, wenn eben jene Tage erfolgreich verlaufen sind. So auch an diesem Tag.
Meine Antwort auf den Schrei ist nur: „Ha no, so hässlich sen mr doch et.“ („Ha nun, so hässlich sind wir doch nicht.“

Die Frau hat sich jetzt wieder gefangen und erkannt, dass das vorgebliche Monster nur eine Katze ist und beginnt eine Schimpfkanonade.
„D’ Leid so z’ vrschrecka, deand se dui Katz do weg. Ozoiga sod mr sia!“ (“Die Leute so zu erschrecken, tun sie die Katze da weg. Anzeigen sollte man sie!“)
Nur hat sie die Rechnung ohne die Fellnasen gemacht. Denn was sie übersehen hat ist, dass ich auf dem Arm ja noch Miezka als weitere Begleitung habe. Und eben dieser Miezka passt das Ganze überhaupt nicht. Sie beginnt die Frau anzufauchen. Ziemlich aggressiv anzufauchen! Die sieht jetzt erst Miezka und versucht zurückzuweichen, was in Anbetracht der vollgestopften Bahn völlig unmöglich ist. Niemand der anderen Fahrgäste unternimmt etwas und ich achte auch nicht darauf, was diese tun.

„Sia Riabl sia, des isch ja gemeingfährlich!“ („Sie Rüpel sie, das ist ja gemeingefährlich!“)
Der Schalk sitzt mir immer noch im Nacken: „Sia brauchad koi Angschd han, dui hot heid scho gveschbrd!“ („Sie brauchen keine Angst zu haben, die hat heute schon gevespert!“)

Das war eins zuviel. Die Frau bekommt einen hochroten Kopf und versucht erfolglos auf Distanz zu gehen. Jetzt erst kann ich erkennen, das einige der anderen Fahrgäste ganz offen grinsen.

Endlich hält die U-Bahn und die Frau steigt aus, nicht ohne ein „Leck me doch am Arsch!“ zu hinterlassen. Keine Ahnung, ob sie nun an ihrem Ziel ist oder einfach nur raus will. Es ist mir auch so ziemlich egal. Denn ich sollte mit den beiden Miezen nach Hollywood gehen. Echte und vor allem glaubwürdige Monster für Horrorstreifen werden dort immer benötigt.

U-Bahnhof

Foto: © beekeeper (Karin Schumann)/ http://www.pixelio.de

Autor: Mike
champicnac@yahoo.de

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Weihnachten in der Speisekammer
1, 11 November, 2009, 6:40
Gespeichert unter: Klassiker, Nager

Unter der Türschwelle war ein kleines Loch. Dahinter saß die Maus Kiek und wartete.
Sie wartete bis der Hausherr die Stiefel aus- und die Uhr aufgezogen hatte; sie wartete, bis die Mutter ihr Schlüsselkörbchen auf den Nachttisch gestellt und die schlafenden Kinder noch einmal zugedeckt hatte; sie wartete auch noch, als alles dunkel war und tiefe Stille im Hause herrschte. Dann ging sie.

Bald wurde es in der Speisekammer lebendig. Kiek hatte die ganz Mäusefamilie benachrichtigt. Da kam Miek die Mäusemutter mit den fünf Kleinen, und Onkel Grisegrau und Tante Fellchen stellten sich auch ein.

„Frauchen, hier ist etwas Weiches, Süßes,“ sagte Kiek leise vom obersten Brett herunter zu Miek, „das ist etwas für die Kinder,“ und er teilte von den Mohnpielen aus. „Komm hierher Grisegrau,“ piepste Fellchen, und guckte hinter der Mehltonne vor, „hier gibt’s Gänsebraten, vorzüglich, sag ich dir, die reine Hafermast; wie Nuss knuspert sich’s.“ Grisegrau aber saß in der neuen Kiste in der Ecke, knabberte am Pfefferkuchen und ließ sich nicht stören.

Die Mäusekinder balgten sich im Sandkasten und kriegten Mohnpielen. „Papa,“ sagte das größte, „meine Zähne sind schon scharf genug, ich möchte lieber knabbern, knabbern hört sich so hübsch an.“ „Ja, ja, wir wollen auch lieber knabbern,“ sagte alle Mäusekinder, „Mohnpielen sind uns zu matschig,“ und bald hörte man sie am Gänsebraten und am Pfefferkuchen. „Verderbt euch nicht den Magen,“ rief Fellchen, die Angst hatte, selber nicht genug zu kriegen, „an einem verdorbenen Magen kann man sterben.“

Die kleinen Mäuse sahen ihre Tante erschrocken an; sterben wollte sie ganz und gar nicht, das musste schrecklich sein. Vater Kiek beruhigte sie und erzählte ihnen von Gottlieb und Lenchen, die drinnen in ihren Betten lägen und ein hölzernes Pferdchen und eine Puppe im Arm hätten; und dass in der großen Stube ein mächtiger Baum stände mit Lichtern und buntem Flimmerstaat, und das es in der ganzen Wohnung herrlich nach frischem Kuchen röche, der aber im Glasschrank stände, und an den man nicht heran könnte. „Ach,“ sagte Fellchen, „erzähle nicht so viel, lass die Kinder lieber essen.“ Die aber lachten die Tante mit dem dicken Bauch aus und wollte noch viel mehr wissen, mehr als der gute Kiek selbst wusste.

Zuletzt bestanden sie darauf, auch einen Weihnachtsbaum zu haben, und die zärtlichen Mäuseeltern liefen wirklich in die Küche und zerrten einen Ast herbei, der von dem großen Tannenbaum abgeschnitten war. Das gab einen Hauptspaß. die Mäusekinder quiekten vor entzücken und fingen an, an dem grünen Tannenholz zu knabbern; das schmeckte aber abscheulich nach Terpentin, und sie ließen es sein und kletterten lieber in dem Ast umher. Schließlich machten sie die ganze Speisekammer zu ihrem Sielplatz. Sie huschten hierhin und dorthin, machten Männchen, lugten neugierig über die Bretter in alle Winkel hinein, und spielten Versteck hinter den Gemüsebüchsen und Einmachtöpfen; was sollten sie auch mit dem dummen Weihnachtsbaum, an dem es nichts zu essen gab! Als aber das kleinste ins Pflaumenmus gefallen war und von Mama Miek und Onkel Grisegrau abgeleckt werden musste, wurde ihnen das Umhertollen untersagt, und sie mussten wieder artig am Pfefferkuchen knabbern.

Am andern Morgen fand die alte Köchin kopfschüttelnd den Tannen Ast in der Speisekammer und viele Krümel und noch etwas, was nicht gerade in die Speisekammer gehört, ihr werdet euch schon denken können was! Als Gottlieb und Lenchen in die Küche kamen, um der alten Marie guten Morgen zu wünschen, zeigte sie ihnen die Bescherung und meinte: „Die haben auch tüchtig Weihnachten gefeiert.“ die Kinder aber tuschelten und lachten und holten einen Blumentopf. Sie pflanzten den Ast hinein und bekränzten ihn mit Zuckerwerk, aufgeknackten Nüssen, Honigkuchen und Speckstückchen. die alte Marie brummte; da aber die Mutter lachend zuguckte, musste sie schon klein beigeben. Sie stellte alles andere sicher und ließ den kleinen Naschtieren nur ihren Weihnachtsbaum.

Die Kinder aber jubelten, als sie am zweiten Feiertage den Mäusebaum geplündert vorfanden und hätten gar zu gern auch ein Dankeschön von dem kleinen Volke gehört. „Den guten Speck vergesse ich mein Lebtag nicht,“ sagte Fellchen, und Grisegrau biss eine mitgebrachte Haselnuss entzwei; Kiek und Miek aber waren besorgt um ihre Kleinen, die hatten zuviel Pfefferkuchen gegessen, und ihr wisst, liebe Kinder, das tut nicht gut!

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Foto: © Africola (Lea M.)/ http://www.pixelio.de

Autor: Paula Dehmel
(geb. 1862, † 1918)

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Mikes „Miezka“ in der Zeitschrift „Geliebte Katze“
1, 10 November, 2009, 12:01
Gespeichert unter: Internes

Wieder mal hat’s eine Story von unserer Seite in ein Print-Medium geschafft. Mikes Weihnachtsgeschichte „Katzenjammer“ ist in der Dezemberausgabe 2009 der Zeitschrift „Geliebte Katze“ erschienen. In unserem Blog findet man die Story hier: http:// http://tiergeschichten.wordpress.com/2009/11/02/katzenjammer/

Und in der Zeitschrift geht das über zwei Seiten und sieht, hier stark verkleinert dargestellt, so aus:

Miezjaklein

Falls sich jemand über den zeitlichen Ablauf wundert: Ich habe die Katzenjammer-Geschichte schon im Sommer vom Autor bekommen und fand sie so klasse, dass ich ihn fragte, ob ich sie nicht der Redaktion anbieten dürfe. Er war einverstanden, wir haben den Damen und Herrn das Manuskript zukommen lassen, und wie man sieht, wurde es akzeptiert – und auch noch liebevoll illustriert.



Miss Balkon-Jumping
1, 10 November, 2009, 8:35
Gespeichert unter: Katzen

Ich hab nicht schlecht gestaunt, als ich eines Nachmittags von einer größeren Runde mit meinem Hund nach Hause kam. Es war mitten im Sommer und ich war eigentlich ziemlich knülle von der Wärme. Und so habe ich mich schon gefragt, ob meine Sinne mir einen Streich spielen: Ich stehe gerade im Flur und gucke zur Balkontür und was sehe ich da – da sitzt doch tatsächlich eine Katze draußen auf dem Balkon und schaut neugierig und fragend durch die Glastür in mein Wohnzimmer. Sie schaut mich an und mautzt.

Ich guck noch mal hin. Geht doch gar nicht! Wie kommt das Plüschi denn auf meinen Balkon, habe ich mich gefragt. Geht aber doch! Sie muss irgendwie „um die Mauerecken“ von einem Balkon auf den nächsten geklettert sein.

Im ersten Moment war ich etwas ratlos. Was mach ich jetzt mit ihr? Sich selbst überlassen oder nach ihrem Zuhause suchen? Naja, ersteres hab ich eigentlich gleich wieder verworfen. Ich hatte irgendwie Angst, dass sie von der Balkonbrüstung abrutschen könnte und herunterfällt. Ist immerhin die 3. Etage, in der ich wohne und darunter ist ein steingepflasterter Weg.

Nun war ich neugierig geworden und wollte herausfinden, wer mir da so überraschend einen Besuch abgestattet hat. Also erst einmal mein Hundi ausgesperrt und die Balkontür geöffnet … mal schauen, wie sie reagiert! Ich habe mich erst einmal ganz zaghaft der kleinen Miss Samtpfote genähert.

„Miau“, sagte sie gar nicht schüchtern und schnupperte interessiert an meiner ausgestreckten Hand. „Hallo, meine Kleine“, sagte ich zu ihr, „wer bist du denn“? „Maau, Maau“, war die kurze Antwort und schon tapste sie selbstbewusst weiter auf ihrer Entdeckungsreise über meinen Balkon. Ich beobachtete fasziniert ihre leichtfüßigen Bewegungen. Und dann setzte sie mit einem eleganten Sprung vom Tisch auf das Balkongeländer über.

Jetzt bekam ich es schon ein bisschen mit der Angst zu tun. ‘Hoffentlich rutscht die Kleine nicht ab’, dachte ich. Das Geländer ist so schmal, nur wenige Zentimeter breit. Es sah irgendwie gefährlich aus. Aber sie schien das überhaupt nicht zu stören. Neugierig tappste sie daher, balancierte wie eine kleine Seilkünstlerin auf dem schmalen Rand der Balkonbrüstung.

Da bei mir eigentlich immer eine Kamera griffbereit in der Wohnung herum liegt, war dies die Gelegenheit, ein paar schöne Fotos von der kleinen Kletter-Miss zu schießen. Sie setzte sich sogar ganz gemütlich auf dem schmalen Rand hin und schaute interessiert nach unten.

Ihre Kletterkünste in allen Ehren, aber ich hatte Sorge, sie könnte bei ihrer weiteren Wanderung von Balkon zu Balkon in Gefahr geraten. So beschloss ich, die kleine Ausbrecherin ‘zu retten’ und nach ihrem Zuhause zu suchen.

Gesagt, getan. Ich näherte mich der bezaubernden Schönheit, sprach ein wenig mit ihr und siehe da, sie kam zu mir und ließ sich kraulen und streicheln. Dann nahm ich sie behutsam auf den Arm. Sie hatte nichts dagegen.

Nun trat ich mit ihr eine kleine Reise durch unser Mehrfamilienhaus an. Ich wusste, das 2 Mieter im Haus eine Katze haben. Aber eigentlich hatte ich diese Katzen optisch in anderer Erinnerung. Aber vielleicht ein Neuzugang? Ich klingelte also bei den besagten Mietern, erntete aber nur überraschte Blicke, als ich mit der Katze auf dem Arm vor den Leuten stand. Nein – zu unserem Haus gehörte die kleine Samtpfote also nicht!

So ging unsere kleine Reise weiter. Aber auch in den Hauseingängen links und rechts fand sich kein Katzenbesitzer. Neugier und Aufmerksamkeit erregte ich jedoch schon mit meinem kleinen felligen Fundstück!

Irgendwo musste sie doch ihr Zuhause haben! Und dann erhielt ich den entscheidenen Tipp: Zwei Haustüren weiter seien neue Mieter eingezogen, da wurde wohl seitdem schon einige Male ein ‘entwischtes’ Kätzchen auf Wanderschaft beobachtet.

Wieder ein paar Klingelknöpfe drücken – und endlich geschafft! Wir hatten die Familie von Miss Samtpfote gefunden. Dort schien man gar nicht sonderlich überrascht. Es war ja auch nicht das erste Mal gewesen. Aber glücklich und zufrieden wechselte die kleine Spaziergängerin von meinem in Frauchens Arm, wohl schon den nächsten Ausflug im Wuschelköpfchen planend. Kann also durchaus sein, das man sich wiedersieht – und ich demnächst ab und an Samtpfotenbesuch auf meinem Balkon bekomme. :-)

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Fotos: K. Dartsch

Autor: K. Dartsch
viper9307@gmx.de

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Ulrike Renk: Echo des Todes – Eifelthriller
1, 9 November, 2009, 6:41
Gespeichert unter: Bücher

„Ich habe einen Leichenhund und einen Freund, der sich mehr mit Toten beschäftigt als mit mir, dachte ich. Ich hätte Bestatterin werden sollen.“ (S. 145)

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Ulrike Renk: Echo des Todes – Eifelthriller, Berlin 2009, Aufbau Verlag, ISBN 978-3-7466-2549-2, 259 Seiten, Format: 11,5 x 19 x 2 cm, EUR 8,95.

ECHO-COVER

Manchmal kommt es knüppeldick von allen Seiten. In so einer Phase steckt derzeit Constanze von Aken, Mitte 30, Psychologin und liiert mit dem 8 Jahre älteren Rechtsmediziner Martin Cornelissen.

Privat ist die Situation angespannt, weil Constanze und Martin derzeit keinen gemeinsamen Lebensmittelpunkt haben. Sie sitzt in der gemeinsamen Wohnung in Aachen, er arbeitet in Köln und hat während der Woche ein Zimmer bei einem Freund. An den Wochenenden renovieren sie gemeinsam ein altes Häuschen in der Eifel, was sie nicht nur zeitlich überfordert. Viel Stress und wenig Zeit füreinander, das ist nicht gerade beziehungsförderlich. Und versteht sich Martin nicht ein bisschen zu gut mit seiner Assistentin?

In diese unerfreuliche Situation platzt die Nachricht, dass der Totschläger Robert Theißen aus dem Vollzug entlassen wurde. Constanzes Gerichtsgutachten vor acht Jahren hatte maßgeblich zu seiner Verurteilung beigetragen. Jetzt besteht die Gefahr, dass er sich an ihr rächen will.

Trotz aller Sorge um Constanze ist das Wasser auf Martins Mühlen. Er hat die Gutachtertätigkeit seiner Lebensgefährtin schon immer für zu gefährlich gehalten. Und so langsam fragt sich Constanze, ob er nicht Recht damit hat. Oder verliert sie vor lauter Stress den Verstand? War tatsächlich jemand in ihrem Wochenendhaus, oder gibt es für das Verschwinden von Milch und Nachthemd eine harmlose Erklärung? Wer ruft sie mit unterdrückter Rufnummer auf ihrem Handy an, dessen Nummer nur ein paar handverlesene Leute kennen? Ist es Robert Theißen? Und was ist mit dem Türschloss in ihrer Praxis passiert? Sind das Einbruchsspuren?

Staatsanwalt Werner Bromkes nimmt die Vorfälle so ernst, dass er Constanze die Spurensicherung vorbeischickt. Doch die findet nichts. Und Constanze ist mit ihrer Angst vor dem Stalker wieder die meiste Zeit allein. Ihr Hund Charlie, ein pensionierter Leichenspürhund, ist als Wachhund keine große Hilfe. Hunde wie er werden ja erst aktiv, wenn’s schon zu spät ist.

Auf einmal hat das Paar auch noch einen gemeinsamen Fall: Auf Martins Seziertisch landet ein Unbekannter, der tot im Wald gefunden wurde. Offenbar ein Junkie, ein Obdachloser, jedoch mit erstaunlich gepflegten Fingernägeln und kurz geschorenem Haar. Entdeckt hat ihn die 16-jährige Nadine, eine von Constanzes Patientinnen. Ein Erlebnis, das dem Mädchen schwer zu schaffen macht.

Bei der Leiche gibt es ein paar merkwürdige Auffälligkeiten. Martin glaubt nicht an eine natürliche Todesursache, bekommt aber die notwendigen Untersuchungen nicht genehmigt. Die Staatsanwaltschaft will den Fall rasch abschließen. Constanze vermutet, dass Nadine mehr über Toten weiß als sie sagt, bekommt aber aus dem Mädchen nichts heraus.

Die Psychologin wird immer nervöser. Ob sie in der Praxis ist, in ihrer Wohnung in Aachen oder im Wochenendhaus, der Stalker ist allgegenwärtig. Jetzt schickt er ihr schon Päckchen! Und ihr Lebensgefährte Martin ist mehr und mehr beruflich eingespannt und abwesend. Da ist es ein Glücksfall, dass sich einer der Nachbarn in der Eifel als ihr Studienkollege Wolfgang entpuppt. Constanze kann einen Freund brauchen.

Als ein zweiter Toter gefunden wird, der unter ganz ähnlichen Umständen ums Leben gekommen ist wie der Unbekannte im Wald, glaubt niemand mehr an einen Zufall. Dann verschwinden zwei Menschen, die möglicherweise etwas über die mysteriösen Todesfälle gewusst haben. Wussten sie mehr, als gut für sie war? Kann vielleicht der wohnsitzlose Mannie Licht ins Dunkel bringen? Er hat die beiden Toten gekannt. Doch aus seinen wahnhaft wirren Ausführungen wird niemand schlau.

In einer Gewitternacht in der Eifel überschlagen sich die Ereignisse und Constanze wird schlagartig klar, wie alles zusammenhängt. Die Wahrheit ist so ungeheuerlich, dass man sie ihr vielleicht gar nicht glauben wird. Doch das ist im Moment Constanzes geringstes Problem …

„Charakteristisch für Thriller ist Spannung, die nicht nur in kurzen Passagen, sondern fast während des gesamten Handlungsverlaufs präsent ist,“ schreibt Wikipedia zum Thema „Thriller“. Und das passt! Wie durch die Aktionen des Stalkers das Unheimliche, Bedrohliche, Unberechenbare in Constanzes Alltagsleben Einzug hält, ist so packend erzählt, dass es schon Leserinnen bis in ihre Träume hinein verfolgt hat.

Diese Geschichte ist so nah an der Realität, dass wir uns alle vorstellen können, wie man sich fühlt, wenn ein vollkommen Unbekannter über einen längeren Zeitraum hinweg in unsere Privatsphäre eindringt und demonstrativ unseren persönlichen Schutzraum verletzt. Es ist eine Art psychischer Vergewaltigung. Das Dumme ist, dass man sich kaum dagegen wehren kann, weil man eben nur die Aktionen des Stalkers mitbekommt. Er selbst agiert im Verborgenen, bleibt unsichtbar und ist nicht zu greifen. Es ist, als sei man einem Geist ausgeliefert, der aber jederzeit zu einer höchst realen Bedrohung für Leib und Leben werden kann.

Das allerdings scheint ein Thema zu sein, der hauptsächlich Frauen anspricht. Männer verbinden mit dem Begriff Thriller wohl eher durchgehend rasante Action. Die Herrn der Schöpfung packt dieser Thriller dann, wenn es um die Aufklärung der mysteriösen Mordfälle geht. Denn dabei geht es wirklich filmreif zur Sache!

Erfreulich – und bei Thrillern nicht unbedingt selbstverständlich – ist es, dass es sich bei den Personen des Romans nicht um irgendwelche Super-Actionhelden handelt, sondern um ganz normale Menschen, die Stress im Job haben und Knatsch mit ihren Liebsten. Sie müssen den Kühlschrank füllen, sich mit Handwerkern rumärgern und mit dem Hund rausgehen. Wenn dann Mord und Stalking in dieses vertraute Alltagsszenario einbrechen, wirkt das umso bedrohlicher.

„Schaurig-schön realitätsnah“ nannten die Aachener Nachrichten Ulrike Renks Eifelthriller. Auf Leser aus der Region wird der Roman in besonderem Maße so wirken, weil sie viele Orte des Geschehens aus eigener Anschauung kennen. Aber auch wer die Eifel nur besuchsweise oder vom Hörensagen kennt, wird gut und spannend unterhalten werden. Und wem der Thriller gefällt, der kann sich freuen: Im Herbst 2010 wird der zweite Band um die Psychologin und Gerichtsgutachterin Constanze Van Aken erscheinen.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
http:// edithnebel.wordpress.com



Cimba wandert widerwillig aus
1, 6 November, 2009, 7:04
Gespeichert unter: Katzen

Kater Cimba war sehr traurig, und das hatte auch seinen Grund. Er sollte mit seinem Frauchen nach Spanien fliegen, dabei wollte er das gar nicht. Es gefiel ihm sehr gut in Deutschland und da waren auch seine Freunde. Der Bernhardinerhund Lady, die Katze Steffi und das Meerschweinchen Charly und Vogel Otto.

Aber sein Frauchen hatte sich das in den Kopf gesetzt und er konnte nichts dagegen tun. Am meisten würde er Lady den Hund vermissen, der hatte ihn immer beschützt, wenn Gefahr in Verzug war.

Cimba erinnerte sich noch an die Zeit als er in München gewohnt hatte, dort konnte er über die Dächer spazieren und den Mond von ganz nah betrachten. Leider gefiel das den Menschen nicht, sie sahen es nicht gerne, wenn Cimba bei ihnen vorbei spazierte und laut miaute. Manchmal sogar in ihre Wohnungen sprang, wenn die Dachfenster geöffnet waren. Deswegen musste ihn sein erstes Herrchen auch abgeben und er kam zu seinem Frauchen, das er sehr liebte. Dort konnte er in einem schönen Haus mit Garten wohnen und mit seinen neuen Tierfreunden spielen. Am Anfang fürchtete er sich schon vor dem großen Bernhardinerhund, aber schnell merkte er wie gutmütig Lady war. Er durfte sogar aus dem gleichen Fressnapf naschen, aber sein Katzenfutter mochte er doch lieber.

Und jetzt sollte das alles vorbei sein und Cimba nach Spanien gehen. Sein Frauchen hatte sich dort ein Haus gekauft und wollte dort leben. Morgen würden sie fliegen, und Cimba überlegte wie er das verhindern könnte, aber es fiel ihm nichts ein.

Der nächste Tag war da, heute Mittag ging es zu Flughafen und dann in den Flieger. Cimba fühlte sich ganz schrecklich und versteckte sich hinter der Hecke am Haus, er hoffte, dass ihn niemand finden würde. Dort muss er wohl eingeschlafen sein, er bekam nicht einmal mit, das sein Frauchen ihn überall suchte. Als er wieder aufwachte dröhnte sein Kopf und ihm war schlecht. Dann sah er, das er in einem Käfig saß aus dem er nicht heraus kommen konnte, weil er abgesperrt war. Das entsetzte ihn und er fing an laut zu schreien, aber niemand hörte ihn, nur die anderen Tiere, die ebenfalls in Käfigen hocktenoder lagen. Sie erklärten ihm, das er in einem Flieger war, der nach Spanien flog.

Cimba sah ein, das er im Moment nichts tun konnte und er legte sich ganz ruhig hin um zu schlafen. Irgendwann wachte er auf und stellte fest, dass er sich nicht mehr im Flugzeug befand, sondern auf dem Laufband wo auch Koffer standen. Und da stand sein Frauchen und rief ihn. Cimba war sauer und er schrie und fauchte wie verrückt. So eine Gemeinheit, ihn in so einem engen Käfig ein zu sperren und in einen Flieger zu bringen, das würde er ihr lange nicht vergessen.

Dann nahm sein Frauchen den Käfig mit dem schreienden und fauchenden Cimba und stieg in ein Taxi. Sie fuhr direkt zum Haus und brachte Cimba in ein Zimmer. Dann öffnete sie die Käfigtüre und Cimba war frei, aber er schrie und fauchte immer noch wie wild und fressen wollte er auch nicht.

Vor lauter Erschöpfung schlief er auf seiner Decke ein, und ins Bett zu Frauchen wollte er ebenfalls nicht, zu sehr hatte sie ihn enttäuscht. Erst nach ein paar Tagen sah sich Cimba sein neues Zuhause an und er musste zugeben, es gefiel ihm ganz gut.

Hartmut910-TigerEingesperrt

Foto: © Hartmut910 / http://www.pixelio.de

Autor: Ursula Geier, November 2009
UrsulaGeier@web.de
http://www.urska.jimdo.com

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Der weise Schuhu
1, 5 November, 2009, 6:18
Gespeichert unter: Klassiker, Lyrik

Der Schuhu hörte stets mit Ruh,
wenn zwei sich disputierten, zu. –
Mal stritten sich der Storch und Rabe,
Was Gott der Herr zuerst erschaffen habe,
Ob erst den Vogel oder erst das Ei.
„Den Vogel!“ – schrie der Storch -
„Das ist doch klar wie Brei!“
Der Rabe krächzt: „Das Ei, wobei ich bleibe;
wer’s nicht begreift, hat kein Gehirn im Leibe!“

Da fingen an zu quaken
Zwei Frösch in grünen Jacken.
Der eine quakt: „Der Storch hat recht!“
Der zweite quakt: „Der Rab hat recht!“

„Was?“ – schrien die beiden Disputaxe -
„was ist denn das für ein Gequakse??“ -
Der Streit erlosch. -
Ein jeder nimmt sich einen Frosch,
Der schmeckt ihm garnicht schlecht.

Ja – denkt der Schuhu – so bin ich!
Der Weise schweigt und räuspert sich!

uhu

Foto: © inuit (Michael Bührke)/ http://www.pixelio.de

Autor: Wilhelm Busch
(15. 4. 1832 Wiedensahl, Hannover, † 9. 1. 1908 Mechtshausen bei Seesen)

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Reiheraltruismus
1, 4 November, 2009, 6:10
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Ein Philosoph auf langen, dünnen Beinen,
So steht der Reiher schwanger mit Gedanken
Im Ausguck. Wilde Tagesträume ranken
Sich ständig um die Atzung für die Seinen.
Perpetuum im inhaltsreichen Leben
Des Reihers ist und bleibt das Übergeben.

Fischreiher

Foto: © SarahC. / http://www.pixelio.de

Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at

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Die Katze – eine Weihnachtsfabel
1, 3 November, 2009, 6:14
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Vor langer, langer Zeit, in einem fernen Land, wo der Nordstern tiefer steht, wo die Tage heiss und die Nächte kalt sind, da lebte eine Katze, die war trächtig. Vor langer Zeit waren ihre Vorfahren mit den Menschen aus dem Süden in dieses Land gekommen. Aber davon wusste sie nichts und es hätte sie auch nicht interessiert.

Sie wohnte nicht bei den Menschen, sondern streifte frei durch das Land. Eine Maus oder anders Getier fand sie meistens. Jetzt war sie in die Stadt gekommen, da sie fühlte, dass sie bald gebären würde. In letzter Zeit waren viele Menschen in der Stadt und die Gasthäuser der Menschen waren voll, so dass auch viele Mäuse in der Stadt waren die sich an den Abfällen der Menschen gütlich taten. Für die Katze war daher der Tisch reichlich gedeckt. Zwar hatte sie eine Scheu vor den Menschen und kam keinem zu nahe, aber manchmal konnte sie doch ein Stück Fleisch stibitzen.

An jenem Tag begann es bereits dunkel zu werden und die Häuser der Menschen waren voll. Wie sie nun um eine Ecke bog, sah sie ein Menschenpaar, das einen heftigen Wortwechsel mit einem weiteren Menschen führte. Sofort sah und roch die Katze, dass die Frau schwanger war. Aber nach der Katzen Art kümmerte sie der Menschen Geschäfte nicht.

Es war bereits dunkel, als sie das Paar noch einmal von weitem durch die Strassen ziehen sah. Nun galt es, einen sicheren Platz für ihr Nest zu finden. In der Stadt war das unmöglich. Also lief sie zum Stadtrand, da kannte sie eine Hütte. Zwar waren oft andere Tiere darin, aber die hatten ihr noch nie etwas getan. So lief die Katze zu der Hütte und suchte sich im Heu ein sicheres Versteck.

Die anderen Tiere beachteten sie nicht, sie gehörten den Menschen und sie kannten die Katze. Es dauerte auch nicht lange und die Katze gebar drei Junge, zwei Kätzchen und ein Katerchen. Sie biss die Nabelschnur durch und leckte sie trocken. Dann säugte sie die jungen Kätzchen zum ersten Mal.

Als sie sich ganz eng an ihre Jungen schmiegte um sie warm zu halten, gab es an der Tür ein lautes Gepolter. Die Tür ging auf und zwei Menschen kamen herein. Es war das Paar, dass sie heute schon zweimal gesehen hatte. Die Katze erschrak. Sie konnte ihre Jungen nicht im Stich lassen und jetzt war es unmöglich, ein neues Versteck zu suchen.

Die Frau konnte kaum noch laufen und hatte offensichtlich starke Wehen. Der Mann stütze sie. Sie legte sich auf einen Haufen Heu. Die Katze roch, dass die Frau jetzt gebären würde. Die anderen Tiere schauten den Geschehen interessiert zu. Und tatsächlich gebar sie nach einiger Zeit ein Kind. Sie wickelten es in Tücher, die sie bei sich hatten und legten es zum Schutz in eine leere Futterkrippe. Die ganze Zeit hatte sich die Katze still verhalten und alles nur aus ihrem Versteck beobachtet.

Nachdem etwas Ruhe eingekehrt war, widmete sich die Katze wieder ihren Jungen. Einige Zeit war vergangen, als die Tür zur Hütte wieder geöffnet wurde. Die Frau und der Mann erschraken erst, denn mehrere Männer kamen herein. Aber die Männer redeten nur mit den beiden Menschen.

Was dann geschah, begriff die Katze nicht. Die Männer nahmen vor der Futterkrippe Aufstellung und knieten auf den Boden. Dann sprachen sie für die Katze unverständliche Worte in der Menschensprache. Nach einiger Zeit gingen sie wieder.

Ruhe kehrte nun ein. Die Menschen schliefen im Heu. Jetzt wurde die Katze doch neugierig, auch wollte sie wissen, ob von dem Geschehen irgendeine Gefahr für ihre Jungen ausginge. Also schlich sie ganz vorsichtig durch das Heu zu den Menschen. Auch in die Futterkrippe schaute sie. Da lag dieses Menschenkind und schlief. Nun scheute die Katze eigentlich die Menschen, aber als sie dieses Kind sah, war alles ganz anders. Irgendetwas ging von dem Kind aus, das Vertrauen in der Katze weckte. Sie schnupperte an dem Kind. Dann fing sie an zu schnurren und ihm vorsichtig über das Gesicht zu lecken. Erst als das Kind unruhig wurde, sprang sie aus der Krippe und schlich wieder zu ihren Jungen.

Das Kind fing an zu weinen und die Frau wachte auf und stillte es. So verging die Zeit. Ab und zu verschwand der Mann und kehrte nach einiger Zeit mit Essen zurück. Eigentlich ist es die Art der Katzen, nach einiger Zeit nach einem neuen Versteck für die Jungen zu suchen, aber diesmal war es anders. Sie fühlte, dass dies der sicherste Ort war, den es gab.

Nach einigen Tagen gab es draussen vor der Hütte einige Aufregung. Es gab ein Gedränge und mehrere Männer kamen in die Hütte. Die waren ganz anders, als die Menschen, die sie bisher kennnenngelernt hatte. Sie waren auf eine Art gekleidet, welche die Katze noch nie gesehen hatte Auch sie knieten vor der Futterkrippe mit dem Kind und sagten unverständliche Worte. Und sie liessen seltsame Dinge zurück, als sie gingen. Da war etwas, dass in der Nase der Katze nicht gut roch, und anderes, das glitzerte, so dass sie gerne damit gespielt hätte.

Es vergingen wieder einige Tage. Dann passierte etwas Seltsames. Ein Licht war da und etwas nie gekanntes erfüllte den Raum. Aber seltsamerweise hatte die Katze keine Angst. Aus dem Licht kam eine Stimme in der Sprache der Menschen. Als das Licht wieder verschwunden war, waren die beiden Menschen in heller Aufregung. Sie packten eilig zusammen, was sie hatten, die Frau nahm das Kind und sie verschwanden aus der Hütte.

Jetzt war es auch an der Zeit für die Katze, umzuziehen. Sie wollte sich gerade aufmachen um ein neues Versteck zu suchen, als vor der Hütte Lärm erklang. Einige Menschen drängten sich herein und die Katze spürte sofort, dass diese übel gesinnt waren. Sie suchen in allen Winkeln der Hütte, aber sie fanden wohl nicht, was sie suchten.

Die ganze Zeit hatte sich die Katze mit ihren Jungen immer tiefer ins Heu zurückgezogen. Als die Menschen laut rufend wieder weg waren brachte sie ihre Jungen in ein anderes Versteck.

Schnell wuchsen die Kleinen heran und die Katze brachte ihnen alles bei, was man als Katze wissen muss. Und als die Zeit gekommen war, gingen sie ihre eigenen Wege. Die Katze aber streifte weiter durch das Land und obwohl sie immer noch vorsichtig war, hatte sie doch ihre Scheu vor den Menschen verloren.

Viel Zeit war vergangen, als sie auf einem ihrer Streifzüge einem Mann begegnete, von dem sie glaubte, ihn zu kennen. Aber ja, der roch so wie das Kind damals in der Hütte, nur war er jetzt erwachsen. Diesen Mann sah sie noch öfter auf ihrer Wanderung durch das Land. Und irgendwie hatte sie ein grosses Vertrauen zu ihm. Aber sie ging weiter ihren Katzengeschäften nach.

So lebte die Katze noch viele Jahre, länger als jede Katze vor ihr. Und sie war 35 Jahre alt, als sie unter einem Gebüsch einschlief. Als sie erwachte, war es heller Tag und es war warm. Sie steckte sich und schaute sich um. Um sie herum standen unzählige Tiere, von jeder Art. Zuvorderst ein grosser Kater, der den Kopf vor ihr neigte. Alle anderen Tiere taten es ihm gleich. Das verstand die Katze nicht. Da öffnete sich eine Gasse in der Menge der Tiere und ein Mensch kam auf sie zu. Sie erkannte ihn sofort. Das war der Mann, dessen Geburt sie miterlebt hatte. Aber wie sah der denn aus? Ganz blutig und mit vielen Wunden am Körper, an den Händen und den Füssen.

Die Katze fragte sich, wer ihn wohl so zugerichtet habe. Sie war bereit, jeden anzugreifen, der dem Mann zu nahe kam. Der aber bückte sich und nahm die Katze in seine Hände. Sie fühlte sich bei ihm so wohl, wie sie es noch nie erlebt hatte. Dann ging er mit ihr durch die Menge der Tiere. Jetzt sah sie erst wo sie war: Ein weites Land mit grünen Wiesen, wie sie es noch nie zuvor gesehen hatte. Von fern hörte man die Brandung des Meeres.

Der Mann trug die Katze immer weiter durch das Land, bis sie an Hügel kamen, die mit Wald bewachsen waren. Am Waldrand stand einer, der leuchtete in einem wunderbaren Licht. Als sie an ihm vorbeikamen verneigte sich auch der Leuchtende vor ihnen. Und weiter gingen sie durch den Wald bis sie wieder ans Meer kamen. Da ging ein in allen Farben schimmernder Weg in den Himmel. Die Katze kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Und so trug der Mann die Katze auf diese Brücke, die leuchtete wie ein Regenbogen, in den Himmel und mitten ins Licht hinein.

weihnachtskrippe

Foto: © HMathes (hmathes)/ http://www.pixelio.de

Autor: Mike
champicnac@yahoo.de

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Katzenjammer
1, 2 November, 2009, 6:54
Gespeichert unter: Katzen

Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, steht Miezka auf Musik. Sie tut alles, um ihren jeweiligen Musikgeschmack kundzutun. Wirklich alles. Peinlichkeiten eingeschlossen.

An jenem Tag Anfang Dezember war ich wegen einer Routineimpfung mit Miezka abends noch beim Tierarzt. Dazu ist keine Transportbox notwendig. Ich habe eine dieser praktischen aufrollbaren Leinen. Ausserdem will Miezka in dem beginnenden weihnachtlichen Trubel sowieso lieber getragen werden.

Der Weg führt durch die Innenstadt, wo vor einigen Tagen der Weihnachtsmarkt begonnen hat. Nun bin ich ja nicht unbedingt ein Freund solcherart weihnachtlich kommerzialisierter Institutionen, aber ein Glas Glühwein könnte man sich ja schon zu Gemüte führen. Alles auf der Welt ist im Wachsen begriffen, warum sollten da die Preise für Glühwein eine Ausnahme machen? Ausserdem findet der weihnachtliche Menschenauflauf nur einmal im Jahr statt, also, was soll’s. Miezka auf dem Arm stelle ich mich an einem Glühweinstand an, die verwunderte Blicke meiner Mitmenschen ignorierend.

Es gibt hier auch einige Stehtische, um die sich das Weihnachtsvolk glühweinschlürfend versammelt. Miezka schaut aufmerksam in die Runde, lässt sich aber ansonsten nicht stören. Jetzt bin ich doch einigen Fragen ausgesetzt. „Ja, Katze an der Leine, wie kommt’s?“, und Ähnliches.

Während des beginnenden Gesprächs erklingt mit einem mal eine Melodie. Einige Meter weiter, neben dem Eingang zum Rathaus, hat sich einer mit einer Geige postiert und beginnt zu spielen. Der, ein Junge von etwa 12 Jahren, intoniert gerade „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Schnell bildet sich ein Kreis um ihn, zu dem ich ebenfalls gehöre. Weihnachtsstimmung eben. Der Junge spielt nicht gerade wie ein Stargeiger, aber doch so halbwegs passabel. Glaubte ich. Ergriffen lauschen wir alle den Tönen.

Eben setzt er zur zweiten Strophe an. Da ertönt von meinem Arm ein langgezogenes, lautes „Miauuuuuuu!!!!!!!!“ Einige Köpfe wenden sich mir zu. Der Geiger fährt in seiner Interpretation fort. „Miauuuuuuu!!!!!“ Will Miezka etwa runter vom Arm? Nein, sie macht keine Anstalten. „Miauuuuuuu!!!!!“ Unüberhörbar. Einige der Anwesenden beginnen jetzt verschämt zu grinsen. „Miauuuuuuu!!!!!“

Der Stehgeiger zeigt jetzt eine leichte Irritation. Er hat wohl nicht mit Begleitgesang gerechnet. „Miauuuuuuu!!!!!“ Das war eines zuviel! Einige Leute beginnen lauthals zu lachen.

Immer mehr falsche Töne kommen aus dem Saiteninstrument. Anstelle spiritueller Ergriffenheit macht sich nun allgemeine Heiterkeit unter den Zuhörern breit. Schliesslich bricht der Spieler seine Darbietung ab.

Kaum hat die musikalische Berieselung aufgehört, stellt auch Miezka ihre Kommentare ein. Der Junge packt seine Geige ein und verschindet mit hochrotem Kopf in der Menge. Er tut mir richtig leid, aber was kann ich tun? Jedenfalls hat Miezka die Lacher auf ihrer Seite.

In dem Gewühl kann ich mich dann auch fast unauffällig verdrücken. Miezka jedenfalls lässt sich bis heute durch nichts zu einer Übersetzung ihrer Äusserungen ins Deutsche überreden. Aber was soll’s? Wenn sie bei Dieter Bohlen nicht als Superstar durchgeht, dann vielleicht in seiner Jury.

Geigenspieler2

Foto: © Corrie (Judith Lisser-Meister) / pixelio

Autor: Mike
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